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beiderseits Mlawa ein. Nur das XX. Armeekorps und schwache Grenztruppen konnten ihr kurzen Aufenthalt bereiten. Blieb also die 8, Armee im Kampf gegen die Njemen-Armee und wurde diese nicht durch einen raschen und entscheidenden Sieg so abgeschüttelt, daß sie auf Wochen für den Kampf ausschied, so konnte die Narew-Armee, in nörd­licher oder nordwestlicher Richtung oormarschierend, die von Insterburg über AllensteinDeutsch-Eylau und von Königsberg über Elbing führenden rück­wärtigen Verbindungen durchschneiden und im Zu­sammenwirken mit der Njemen-Armee die 8. Ar­mee vernichten. Solche Befürchtungen waren es, die den Oberkommandierenden der 8. Armee, Gene­ral v. P r i t t w i tz , zu dem Entschluß bewogen, die Schlacht bei Gumbinnen abzubrechen und über die Weichsel zurückzugehen.

Es gehörte ein großer Optimismus und unbe­dingtes Vertrauen auf die Leistungen der Truppe dazu, in solcher Lage einen kühneren Entschluß zu fassen, nämlich den, beide Gegner nacheinander an­zugreifen und zu schlagen. Rückschauend wissen wir wohl, daß die Schlacht bei Gumbinnen, wäre sie durchgeschlagen worden, höchstwahrscheinlich zum Erfolge geführt hätte. Prittwitz konnte das ohne die Kenntnis von den Verhältnissen bei der Njemen- Armee, wie wir sie jetzt haben, nicht wissen, und so dürfen wir es nicht anfechten, daß ihm bei nüchterner Erwägung der Lage kein anderer Aus­weg schien als der Rückzug. Wurde dieser aber bis hinter die Weichsel ausgedehnt, ohne vorher wenig­stens den Versuch zu machen, mit der Narew-Armee abzurechnen, so wäre der Einfluß auf die Gesamt­lage sehr bedenklich gewesen. Ostpreußen, eine wich­tige Ernährungsbasis für Volk und Heer, wäre ge­opfert worden. Auf die in schweren Kämpfen stehen­den Oesterreicher wäre der Eindruck einer deutschen Niederlage in Ostpreußen von erschütternder Wir­kung gewesen. Ob es gelungen wäre, auf die Weichselfestungen gestützt, den Einmarsch der ver­einigten russischen Armeen in das Innere Preußens dauernd zu verhindern, blieb zweifelhaft.

Es muß dem Chef des Generalstabes des Feld­heeres, General von M o l t k e, mag man seine Kriegführung im übrigen noch so scharf kritisieren, zum hohen Verdienst angerechnet werden, daß er in dieser Lage nicht die Nerven verlor und Pritt­witz in seinen Rückzugsabsichten zustimmte, sondern an dem Gedanken an die offensive Krieg­führung gegen die Russen festhielt und dem Kaiser die sofortige Ersetzung des Oberkommandos in Ost­preußen durch Männer seines Vertrauens vorschlug. Die Wahl konnte auf keine besseren fallen als auf Hindenburg und Ludendorff. Wie diese beiden Männer aus einer unheildrohenden Lage einen der glänzendsten Siege der Weltgeschichte ge­staltet haben, das ist so kühn und gewaltig, daß Worte nicht ausreichen, um diese Tat gebührend zu würdigen. Es ist müßig, darüber zu streiten, ob die Gedanken zu den Operationen dem genialen Kopfe Ludendorffs entsprungen sind, ob im Armeeober­kommando 8 der tüchtige Generalstäbler Hoffmann ähnliche Gedanken aehabt und auch deren Verwirk­lichung vorbereitet hat, oder ob das Hauptverdienst Hindenburg zuzuschreiben ist. Er hat zum mindesten die kühnen Gedanken voll in sich ausgenommen, für ihre Durchführung seine Person eingesetzt und die Verantwortung vor seinem Kaiser und der Ge­schichte übernommen. Das aber wiegt fast noch schwerer als das Planen von Operationen!

Die Absicht des neuen Oberkommandos der 8. Armee ging dahin, die Truppen aus der einge­leiteten Rückzugsbewegung zur Weichsel teils durch Fußmarsch, teils durch Bahntransport gegen die Narew-Armee umzuleiten, um diese anzugreifen. Für diesen entscheidungsuchenden Angriff sollte der letzte Mann und das letzte Geschütz eingesetzt wer­den, selbst die nur bedingt feldoerwendungsfähigen Besatzungen der Weichselfestungen und die Land­wehrgrenzschutztruppen. Dazu sollte die Front vor der Njemen-Armee fast vollständig entblößt werden, nur die Hauptreserve der Festung. Königsberg in der befestigten Deime-Linie stehen bleiben und die 1. Kavallerie-Division den Abmarsch der Hauotkräfte gegen die Narew-Armee vor der Front der Njemen- Armee verschleiern. Durch örtlichen Widerstand einiger Landsturm-Bataillone sollte der Vormarsch der Njemen-Armee verzögert werden.

Hindenburg und Ludendorff rechneten einerseits mit der Schwerfälligkeit russischer Heeresbewegun- gen, andererseits mit der Anziehungskraft der Festung Königsberg, die Rennenkampf verleiten würde, seine Operationen beiderseits des Pregels fortzusetzen, anstatt in südwestlicher Richtung ein­zudrehen und in den Kampf der Narew-Armee ein­zugreifen. Die Rechnung erwies sich als richtig. Das

aber gerade ist das Geniale, daß Hindenburg und Ludenoorff ihre Gegner richtig einschätzten und dar­auf ihren kühnen Plan aufbauten.

Ebenso genial wie die Gesamtoperation auf dem ostpreußischen Kriegsschauplatz war die Anlage und Leitung der Schlacht. Der Grundgedanke war der, beide Flügel der Narew-Armee umfassend anzu­greifen und zu schlagen, sie auf die mittleren Korps zu werfen und dann die Hauptkräfte einzukesseln. Trotz mancher Reibungen und selbst örtlicher Rück­schläge, da, wo in der Mitte des Schlachtfeldes schwache deutsche Abteilungen auf weit überlegene Massen der Russen stießen und obwohl von Tag zu Tag in der sechstägigen Schlacht vom 26. bis 31. August die drohende Wolke eines Eingreifens der Njemen-Armee in die Schlacht näher rückte, verloren Hindenburg und Ludendorff keinen Augen­blick die Ruhe und behielten ihr Ziel, die Narew- Armee einzukesseln und zu vernichten, unbeirrbar im Auge.

Es ist nicht meine Absicht, hier auf die taktischen Einzelmaßnahmen einzugehen, da ihre Schilderung den Rahmen einer kurzen Betrachtung sprengen würde. Bewundernswert ist für den, der die Schlacht rückblickend verfolgt, zu sehen, wie sich mit größter Kühnheit der Entwürfe doch auch die größt­mögliche Sicherung gegen Rückschläge paart, wie, noch während die Schlacht tobt, aber die Entschei­dung dem Oberkommando gesichert erscheint, bereits starke Truppen gegen ein etwaiges Eingreifen der Njemen-Armee ausgeschieden und in vollendeter Weise so gruppiert werden, daß zunächst die Ab­wehr, dann aber die beabsichtigten Angriffsbewe­gungen gegen diese auf das beste eingeleitet werden können.

Die Schlacht von Tannenberg endete mit der Vernichtung des Hauptteiles der Narew-Armee, die allein an Zahl der Kämpfer der 8. Armee um 48 000 Mann überlegen war, wobei noch berück­sichtigt werden muß, daß bei den Russen nur aktive Truppen, auf deutscher Seite dagegen zum großen Teil Reserve- und Landwehrformationen mitkämpf­ten. Das Werk des Reichsarchios über den Welt­

krieg sagt in seinen Schlußbetrachtungen über die Schlacht:Nach Leipzig, Metz und Sedan steht Tannenberg als die größte Einkreisungs- schlacht da, die die Weltgeschichte kennt. Sie wurde im Gegensatz zu diesen gegen einen an Zahl überlegenen Feind geschlagen, während gleich­zeitig beide Flanken von weiterer Uebermacht be­droht waren. Die Kriegsgeschichte hat kein Beispiel einer ähnlichen Leistung aufzuweisen."

Wenn wir in Uebereinstimmung mit dem Reichs- archio Tannenberg als L e i st u n g noch über Sedan stellen, so konnte Der Erfolg für den Gesamtkrieg nicht der gleiche sein, wie der von Sedan für den Krieg 1870/71. Im Weltkriege bedeutete Tannen­berg nur einen kleinen Ausschnitt aus dem uner- rnetzlicken Gesamtgeschehen. Von etwa 40 Millionen Kämpfern des Weltkrieges nahmen an der Schlacht nur etwa 340 000 teil, also noch nicht ein Hundert­stel! Bei Sedan dagegen wurde fast der ganze noch im freien Felde befindliche Teil des französischen Heeres vernichtet. Sedan brachte demnach die Ent­scheidung des Krieges, Tannenberg konnte sie nicht bringen. Und doch war die mittelbare Folge die endliche Niederlage Rußlands, denn von dem Schrecken von Tannenberg hat sich das russische Heer nie erholt und das Gefühl der Unterlegenheit gegenüber deutscher Führung, deutscher Tapferkeit und Manneszucht nie verloren. Tannenberg hat den unzähligen Siegen deutscher Truppen über die gewaltige russische Überlegenheit den Weg bereitet. Ob ohne diesen Sieg und feine Folgen ein Deutsches Reich in feinem jetzigen Bestände und mit der Hoff­nung auf Wiederherstellung der einstigen Macht und Weltgeltung denkbar wäre, ist zum mindesten zweifelhaft. Nie können wir den beiden großen Feldherren Hindenburg und Ludendorff, ihren her­vorragenden Unterführern und den heldenhaften Kämpfern von Tannenberg dankbar genug sein für das, was sie für uns, unsere Kinder und Kindes­kinder geleistet haben. Die ragenden Türme des Tannenberg-Denkmals, das den sterblichen Teil unseres Helden und Retters Hindenburg birgt, künden ihren Ruhm.

HeN oder dunkel?

Welches Sier bekommt Ihnen? - Eine Skala der Biertypen.

V. A. Wenn Sie sich ein Stück Kuchen kaufen, dann stellen Sie sicherlich vor der Kuchenauslage einige Ueberlegungen an: Hab ich Hunger, hab ich keinen will ich heute nur den Gaumen kitzeln oder muß es vorhalten süß oder weniger süß Fruchtkuchen oder trockenen usw. usw. Und was für Zeremonien veranstalten die Männer in der Regel, wenn sie sich eine Zigarre aussuchen? Welche gelehrten" Vorgänge muß oftmals ein Zigarren­verkäufer feinem Kunden halten, damit der Kunde überzeugt ist, auch das richtige Blatt gewählt zu haben.

Und wenn Sie sich im Lokal ein Glas Bier be­stellen und der Kellner zurückfragt, hell oder dun­kel? Ja, dann ist wohl die einzige Ueberlegung, was kostet der Topf? Und für wen diese Frage keine Rolle spielt, für den ist die Wahl des Bieres Zufall. Entrüstet wird hier mancher Leser sagen, daß er sich sehr wohl überlegt, wo er sein gutes Bier bekommt. Unbestritten, aber bei dieser Ueber­legung spielen ganz andere Momente eine Rolle, als die Qualität und die Eigenschaften des Bieres. Das Lokal, der Wirt, die Skatgelegenheit, die Ge­pflegtheit des Ausschanks, diese Momente spielen die Hauptrolle.

Und was gibt es alles beim Bier zu überlegen. Man braucht nur einen Blick auf die Skala der Biertypen zu werfen und man ist erstaunt, in wie umfassender Weise die Kunst der Bierbrauer für jeden Geschmack, für jeden Körperzustand gesorgt hat, (denn es ist ja z. B. ein Unterschied, ob ich nach dem Biergenuß müde werden darf oder nicht, ob ich Rekonvaleszent bin usw.).

Da haben wir die untergärigen und die ober- gärigen Biere. Die Berliner Weiße, die Gose, das Gräzer, und die im Haushalt selbst abgezogenen Viere sind die bekanntesten Typen der oberjäl)« rigen Biere. Daneben gibt es ungezählte Spe­zialtypen obergäriger Biere, die im Laufe der Zeit von den kleinen Brauereien draußen im Lande ent­wickelt wurden, aber nur von lokaler Bedeutung sind. Diese obergärigen Biere, deren Eigentümlich­keit darin besteht, daß sie schwach vergoren sind, geringen Hopfengehalt und einen ziemlich schwan­kenden Stammwürzgehalt haben, machen prozen­

tual knapp 10 v. H. des deutschen Bierkonsums aus, der im Jahre 1934/35 insgesamt 36 480 000 Hektoliter betrug. Dieser geringe Anteil im Bier­konsum steht aber in keinem Verhältnis zu der Be­deutung, den diese Biere in jedem Haushalt haben könnten, da ihr geringer Alkohol- und Extrakt­gehalt sie äußerst bekömmlich und für jeden körper­lichen Zustand zuträglich macht

Diesen Typen stehen gegenüber die bekannteren untergärigen Biere. Der Fachmann teilt sie ein nach ihrer Farbe, in helle, mittelfarbige und dunkle, ober nach ihrem Stammwürzgehalt und spricht dann von einfachen Bieren, Schankbieren, Lager- und Exportbieren, Märzenbieren, Bock- und Doppelbieren.

Der Laie kann sich rascher orientieren, und zwar an Hand der beiden Haupttypen: Das ist das Pilsener und das Münchener! Das Pilse­ner, ausgezeichnet durch feinen milden Geschmack, aber stärker ausgeprägtem Hopfenbitter, von dem auch das Aroma bestimmt wird, den geringen Alkoholgehalt und den verhältnismäßig sehr nie­drigen Extraktgehalt, d. h. den Anteil unoergorener, nicht aromatischer Bestandteile. Eine von Kennern bevorzugte, noch edlere Abart des Pilseners ist das Dortmunder Bier, das noch höher ver­gärt, stärker konzentriert und Heller als das Pil­sener ist, aber schwächer gehopft als dieses und von weichem weinigen Geschmack.

Diesem Grundtyp des Hellen Bieres, das fast allen helleren Bieren als Vorbild dient, steht gegen­über der Grundtyp des dunklen Bieres, nämlich das Münchener;! Im Geschmack malzig und voll, schwach süßlich, weniger bitter als Pilsener Biere und niedriger vergoren als diese. Wie wir aus der nachfolgenden Tabelle sehen werden, zeich­nen sich die Abarten des Grundtyps nur durch den größeren Gehalt an Stammwürze und die Tiefe der Farbe aus, die mit Hilfe von hohen Farb- malzaaben erreicht wird. Da wären zu nennen das Kulmbacher Bier, Bock und Salvator.

Als dritter Grundtyp ist den Hellen und dunk­len Bieren gegenüber ein mittelfarbiges Bier ent­wickelt worden, dessen Vorbild das Märzen­bier der Münchener Brauereien ist, das auch hin­

sichtlich Geschmack, Hopfengabe usw. zwischen den Hellen und dunklen Bieren liegt, aber im Bier, konsurn keine allzu große Rolle spielt. Als letzte vorbildliche Biertype wäre dann noch das eng. lifche Bier zu nennen, das besonders stark ein« gebraut, reich an Alkohol, sehr starker Hopfenbittere und tiefer Farbe ist, das sogenannte Porter ober Staut. In den Hochschulbrauereien wird es auch in Deutschland zu Lehrzwecken hergestellt, ist aber sehr teuer und nur für wenige erschwinglich.

In der folgenden Tabelle sieht nun der Leser vergleichsweise die verschiedenen Biertypen nach ihrem Extrakt-, Alkohol-, Stammwürzegehalt und ihrem Vergärungsgrad. Wir halten uns hierbei an die Angaben von Prof. H. LuersChemie des Brauwesens" undMalz und Bier". Diese Tabelle xeigt auch jedem Laien, was für ihn der Genuß der einzelnen Biere bedeutet. Vor allem aber wird er sehen, daß Bier bei entsprechendem Stamm, würzegehalt nicht nur ein Genuß-, sondern auch ein Nahrungsmittel ist. Auch der Alkohol, geaalt hat andere Wirkungen, als sich der Laie in der Regel vorstellt. Der niedere Alkoholgehalt wird nämlich im Organismus fast vollkommen zu Kohlensäure und Wasser verbrannt,verwandelt sich also in einen Energiespender". Hinzu kommt, daß das Bier durch seinen Kalireichtum durst- stillend ist, der Viergenuß also im Gegensatz zu der landläufigen Auffassung an sich nicht zum saufen" zwingt. Der Körper hat nämlich nach dem Biergenuß nicht das Bedürfnis nach erneuter Flüssigkeitaufnahme, also das, was man Durst nennt, sondern Bierlöscht" ebenso wie kalihaltiges Mineralwasser den Durst.

Berechnete Ver-

Biertypen Extrakt Alkohol Stamm- gärungs- v. H. o. H. würze v.H. grab

Münchener:

(Hofvräu)

6,82

3,86

14,21

52,0

Pilsener:

(1.Pilsener Aktien­brauerei, Pilsen)

4,63

3,65

11,71

60,0

Märzenbier: (Schultheiß-Br., Berlin)

5,49

4,07

13,31

58,8

Porter:

(Barkley, Perkins

& Co., England)

8,68

6,72

21,06

58,8

Berliner Weißbier

3,19

3,07

9,23

65,4

Vergleicht man

nur

die beiden letzten

Biere,

Porter und Berliner Weißbier, dann kann sich auch der Laie ein Bild davon machen, wie verschieden diese Biere im Körper wirken. Der hohe Stamm­würze- und Extraktgehalt des Porters zeigt, daß es sich hier um eine sehr nahrhafte Angelegenheit handelt, und daß es für manchen schwachen Magen angezeigt erscheint, Porter nur zu bestimmten Tageszeiten zu trinken. Dasselbe gilt natürlich von dem hohen Alkoholgehalt, der fast an den Alkohol­gehalt des Rotweins heranreicht. Demgegenüber erscheint die Berliner Weiße als eine harmlose An­gelegenheit mit ihren 3,07 v. H. Alkohol und den 3,19 v. H. Extraktgehalt.

Wie die Statistiken zeigen, sind wir ein sehr mäßiges Volk geworden. Während vor dem Kriege die deutsche Iahresbiererzeugung (1913) 69 200 000 Hektoliter betrug, sind wir heute auf 36 480 000 Hektoliter herunter (1934/35). Für 1935/36 schätzt man die Erzeugung auf rund 38 000 000 Hektoliter, wobei etwa 1,5 bis 1,6 Mil­lionen Hektoliter Haustrunkbier fein werden. Der Verbrauch ist heute also verhältnismäßig sehr ge­ring, denn er beträgt nur etwas über bis Hälfte der Vorkriegszeit. Die ©tatiftiEer machen zwar den Bierkonsum abhängig von der Höhe des Volkseinkommens, das stimmt aber, jeden­falls für die Zukunft, nicht mehr, denn die letzten drei Jahre zeigen, daß der Bierkonsum mit der Erhöhung des Volkseinkommens nicht Schritt hält, wenn man die Kurven der Vor- und Nachkriegszeit zum Vergleich heranzieht. Es liegt das sicherlich an der neuen Erziehung der Jugend, bei der heute die Körperertüchtigung und der Sport eine ganz andere Rolle spielt als früher, und es liegt weiterhin an den durch den Nationalsozialismus stark verlagerten Lebensinteressen des deutschen Volkes, die auch be­wußt oder unbewußt eine gewisse Konsumlenkung im Gefolge haben. Die Bierbrauer werden sich mit dieser Tatsache abzufinden haben, und wir hoffen, daß auch dieser Aufsatz richtig verstanden wird, weder als pro noch kontra Bieroerbrauch.

Wir wollten lediglich zeigen, wie man den täg­lichen Bierverzehr mit einiger Ueberlegung zu einer wirklich sinnvollen Angelegenheit gestalten und in unseren Speisezettel im wahren Sinne

fingen, brummen, summen und Kämpfen wir zu viert.

Wir sind noch einmal so ganz und gar beieinan­der, wir schmiegen uns zusammen mit unseren Stimmen, wir sind keine einzelnen mehr, wir sind ein Chor. Es hurchschauert mich von oben bis unten. Unser Lied!

Wir wissen nicht mehr weiter, von Schmach und Qual umloht. Wir sind verlor'ne Reiter, wir reiten in den Tod.

Nun schlagt die Trommeln feste...

Nur Bob schläft immer noch. Friedolin stößt ihn mit dem Ellbogen an. Die Hand auf dem Rücken zuckt, aber sonst rührt sich nichts. Ich schüttele den Kopf: Nicht!"

Und schlagt sie auch mal leise für unser junges Blut da plong ... plong... plong...

Wird bei kleinem Zeit, daß ich losgehe", sage ich.Kannst mir mal meinen Affen hergeben, Stachel."

Friedolin erklärte den andern, daß ich lieber allein tippeln wollte.

Ich richte mich auf:Na, dann macht's gut, ihr dreckigen Helden." Ich gebe allen die Hand. Wir lachen uns an. Friedolin will unbedingt Bob auf­wecken. Ich habe Mühe, es ihm auszureden. Ich schleife meinen Affen aus dem Zelt.

Bleib bloß drin! Mach's gut. Grimmig!"

Hochgeriffen, herumgeschwungen, rums, da fitzt der Affe auf meinem Rücken. Und dann gehe ich los. Es fängt an zu miffeln. Das Moor federt unter meinen Schritten. Der Wind ist ziemlich kalt. Ich drehe mich um; sie knöpfen den Koteneingang wieder dicht. Wenn etwas Rauch oben aus der Oeffnung herauskommt, sehe ich den Widerschein des Feuers. Da drinnen Haufen sie nun, und ich gehöre nicht mehr dazu.

Lange, schnurgerade Gräben, lange, schnurgerade Dämme mit Birken bepflanzt, verlieren sich in der grauen Nacht. Aus den Wolken, aus dem gleich­mäßigen Nebel da oben sickert ganz zartes Licht. Wir yaben heute Vollmond. Ich springe über einen Graben und marschier auf dem Damm weiter. Nach einer halben Stunde muß ich an die Klinker­straße kommen, die von Osterholz-Scharmbeck in

großem Bogen durchs Teufelsmoor nach Worps­wede führt.

... Die Erde ruht so bang.

Wir traben durch den Nebel mit Trommeln und Gesang ...

Ich denke an Bob. Er gehört nicht zu denen, die eine große Klappe haben. Er sagt nicht viel, er hört lieber mit halb offenem Munde zu, was wir uns erzählen. Wenn einer ihn anredet, lächelt er erst einmal verlegen und denkt eine Zeitlang nach, was er antworten soll. Er bringt noch nicht viel auf seiner Blockflöte fertig, aber es sieht so nett aus, wenn er seine ungewaschenen Finger zaghaft hebt und senkt. Er ist so voll guten Willens in jeder Beziehung. Jetzt liegt er in der Kote und schläft.

Ja, ja, ja ... von heute ab kommt etwas anderes an die Reihe in meinem Leben.

Ich glaube, Bob war mir der liebste von allen.

Ich tjabe ihm nicht auf Wiedersehen gesagt.

Weiberrecvment"

Das Dolksstück ist im Film nicht gerade häufig und das gute Volksstück sogar so selten, daß sich das Anschauen lohnt, wenn dabei ein so prachtvoller bajuvarischer Humor zu Wort kommt wie in diesem Film. Er hat zwar nicht mehr den Vorzug der Ori­ginalität seines VorgängersDer Ehestreik", aber es muß schon ein arger Trottel ober unverbesser­licher Griesgram fein, der bei der herzlichen Fröh­lichkeit dieser Geschichte vom Weiberregiment im Zacherlbräu nicht mittun wollte. Das hübsche Rosl hat von ihrem Vater selig mit dem Zacherlbräu lauter Mannsleut' geerbt, die vom Bräuhaus bis in Stall und Küche die Wirtschaft besorgen müssen, weil der Alte die Weiber nicht leiden konnte. Das soll nun anders werden, als die Jungfer Cilli Sam- Haber als Rosls Vormund die Herrschaft im Zacher!- bräu antritt. Sie will ihrem Bruder gern die gute P-artie verschaffen, aber da muß erst der fesche Bräumeister beiseite gebracht werden, der ein Auge auf die Rosl geworfen hat. Sehr spaßig ist es, wie die anschlägige Vormünderin beim Kegelschieben die Knechte überlistet und hinausdrängt. Aber die Ma­del, die sie ersetzen, können kein Bier brauen und das Getränk, das der Korbinian, das alte Faktotum des Zacherldräus, zusammenbraut, wollen die Wirte nicht haben. Also der Bräumeister muß wieder her­

bei, natürlich nur des Bieres wegen. Nun jagt eine luftige Episode die andere und als schließlich der Bruder Ignaz zur Brautschau erscheint, ist die Par­tie fast schon verloren, bevor sie eigentlich begonnen hatte. Das ganze Dorf zieht an, um der listigen Vormünderin das sauber eingefädelte Geschäft zu verderben. Der Bräumeister bekommt seine Rosl und Knechte und Mägde führen nun zusammen das Re­giment im Zacherlbräu. Der erste Held dieser lusti­gen Geschichte ist wieder der Korbinian Theodor Daneggers, der große Liebesstratege, der alles ins Lot bringt, wenn Dickköpfigkeit und Rechthabe­rei alles auseinander zu treiben scheinen. Heli Finkenzeller ist das Rosl, hübsch und char­mant. Die Vormünderin ist die richtige Rolle für Erika vonThellmann. Hermann Er Hardt als Bräumeister stur und bockig im Kampf zwischen Liebe und Männerwürde. Don prachtvoller Ur­sprünglichkeit der Koch Beppo Brems und den Typ des gefräßigen Biedermanns, der sich ins ge­machte Bett legen möchte, macht Oskar Sima un­nachahmlich echt. Karl Ritters Regie hat vor dem Hintergrund oberbayrischer Winterlandschaft das Spiel flott und bewegt in Gang gebracht, so daß es eine Mordsgaudi wird. Die luftige Musik Ernst Erich B u d e r s tut das ihre dazu. $m Beipro­gramm sahen wir einen fesselnden Kulturfilm über das Leben und Treiben der Huzulen. Die Wochen­schau bringt Bilder vom spanischen Bürgerkrieg und von der Schlußfeier der Olympischen Spiele.

Theodor Harrten.

Der neue Oberspielleiter im Schauspiel unseres Stadttheaters.

Theodor Haerten wurde 1898 in Geldern am Niederrhein geboren. Er entstammt einer in seiner Vaterstadt alteingesessenen Familie. Als führende ; Bürger ihrer Stadt nahmen seine Vorfahren an der höchst wechseloollen Geschichte dieses nahe bei Holland gelegenen deutschen Grenzlandes hervor­ragenden Anteil. Die wesentlichsten Eindrücke der Kindheit Theodor Haertens gründen sich auf die Ueberlieferungen eines ehrwürdigen und kultivierten deutschen Bürgertums.

In.bie Knabenzeit fällt der Weltkrieg. Wie viele

seiner Kameraden vertauscht Haerten das Gymna­sium mit der Kaserne, die Schülermütze mit dem Stahlhelm. Mit 18 Jahren geht er ins Feld, an die vorderste Front in Rumänien. Bei Friedens­schluß wird er, 20jährig, als Unteroffizier und mit Auszeichnung aus dem Heeresdienst entlassen.

Es ist nun Zeit, einen praktischen Beruf zu er­greifen. Für den geheimen Dramatiker gibt es nichts Verlockenderes als das Theater. Theodor Haerten wird Spielleiter, vorerst im Rheinland. Nach wenigen Jahren schreibt er als junger Mann ein Stück. Es wird verlegt, gedruckt, von Bühnen angenommen vorn Dichter aber vor der Auf' führung zurückgezogen.

Haerten wirft sich erneut auf die Regiearbeit. Mit Erfolg. Klassiker und zeitgenössische Werke aller Art yehen durch feine Hand. Wir finden ihn jetzt in leitender Stellung an unseren großen Bühnen in der Provinz und auch in Berlin. Seine dichte« rischen Arbeiten werden von den Außenstehenden als Episode vergessen.

Zehn Jahre dem deutschen Theater angehört zu haben, bedeutet von der Pike auf gelernt zu haben. Der Beruf wird für Haerten ein Quell von fcchrungen. Mit 30 Jahren etwa wird es ernst. Entweder ist Haerten nun ein Dramatiker oder nicht. Die beruflichen Interessen werden von nun an unbefriedigt, unentschieden und stockend BF genommen. Eine gesicherte Laufbahn als RegWk und Direktor muß aufgegeben werden. Anderer­seits ist Haerten auch als Autor dem Alter nach keinjunges Talent" mehr. Dom Mann wiro Leistung auf Anhieb gefordert. Jetzt zu dichten, >m stillen und planvoll, bedeutet einem echten Tneo zu folgen. Wenn es sein muß, auch unter Entbeh­rungen. Bedeutet vor allem Glauben und Zähigkeit.

Dor etwa zwei Jahren erschien Theodor Haerten mit einer dichterischen Arbeit an der Oeffentlichkerl. Das DramaDer tolle Christian" wurde schnell angenommen und erlebte nach seiner erfolgreichen Uraufführung am Hessischen Landestheater in Darmstadt im Frühjahr 1935 auch am Stadttheater Gießen eine allgemein beachtete Aufführung. GlelM- zeitig folgten eine ansehnliche Zahl deutsche Theater, die denTollen Christian" auf ihren Spiel- plan setzten. Intendant Schultze - Griesheim 9°* Theodor Haerten für die kommende Spielzeit al Oberspielleiter für das Schauspiel an oa Stadstheater Gießen verpflichtet.