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Einstellung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte in gewerblichen und ähnlichenBetrieben
Das Arbeitsamt Gießen teilt mit:
Nach dem Gesetz zur Regelung des Arbeitsein, satzes vom 15. Mai 1934 ist die Einstellung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte in nichtlandwirtschast- lichen Betrieben und Berufen von der vorher ein- zuholenden Genehmigung des Arbeitsamtes abhängig Zuwiderhandlungen können empfindlich bestraft werden. Trotzdem klagen die Bauern ständig über Abwanderung ihrer Arbeitskräfte.
Das erwähnte Gesetz sagt keineswegs, wie vielfach angenommen, daß Arbeitskräfte, die heute landwirtschaftliche Arbeit erstmals verrichten, immer in der Landwirtschaft bleiben müßten.
Es ist selbstverständlich Pflicht eines jeden dazu geeigneten noch arbeitslosen Volksgenossen, mitzuhelfen, die Ernte einzubringen. Das Arbeitsamt hat nach dem Gesetz zur Befriedigung des Bedarfs der Landwirtschaft an Arbeitskräften vom 26. Febr. 1935 sogar das Recht, abgewanderte landwirtschaftliche Arbeitskräfte — auch weibliche! — aus nichtlandwirtschaftlichen Betrieben herauszunehmen, um sie der Landwirtschaft wie- der zuzuführen.
Arbeitskräfte aller Art dürfen heute nur noch eingestellt werden, wenn sie im D e s i tz d e s A r - be'itsbuches sind. Um sich vor strafrechtlichen Verfolgungen und den Betrieb vor unangenehmen Störungen durch Herausnehmen nichtgenehmigter Arbeitskräfte zu bewahren (vergleiche auch das Gesetz über die Verteilung von Arbeitskräften vom 28. August 1934 — Einstellung Jugendlicher unter 25 Jahren —) empfiehlt es sich für jeden Betriebsführer, durch Einsicht der Arbeitsbücher die Ein- n landwirtschaftlicher Arbeitskräfte (s. Seite 5 beitsbuches, Berufsgruppe la, b, c, d) von vornherein zu unterbinden.
Durch die Witterung der letzten Wochen ist die Ernte in Gefahr. Maschinen können fast gar nicht verwendet werden, mehr als sonst ist der Bauer auf gelernte Arbeitskräfte angewiesen. Er braucht sie dringend, wenn er die Erzeugunasschlacht im Interesse jedes einzelnen Volksgenossen siegreich durchkämpfen will. Mit Recht verlangt daher der Bauer die straffe Durchführung der Gesetze.
Betriebsführer, Hausfrauen! stellt keine landwirtschaftlichen Arbeitskräfte ein. Gebt sie, wenn sie von euch zurückgefordert werden, ohne Zögern frei.
Volksgenossen, die ihr ohne Arbeit seid, meldet euch nötigenfalls auch nur zu vorübergehender Arbeit beim Bauern, auf den Vermittlungsstellen des Arbeitsamts.
Hunde in freiem Feld anleinen!
Don einem Gießener Jäger wird uns geschrieben: Nicht nur der deutsche Jäger, sondern viele Naturfreunde, lassen es sich angelegen sein, unser Wild im Wald und Feld vor allen Gefahren zu schützen, um sowohl Freude an dem lebenden Bilde zu haben, als auch dadurch mitzuhelfen, das nicht zu unterschätzende Volksgut für die Ernährung zu vergrößern. In dem neuen Jagdgesetz wird der Wildschutz besonders behandelt und fahrlässiges Handeln unter strenge Strafe gestellt. Vor allen Dingen ist es Pflicht jedes Hunde- und Katzenhalters, dafür ' Sorge zu tragen, daß bei ihren Pflegbefohlenen 'dem Naturtrieb des Wilderns nicht freier Lauf gelassen wird. Trotzdem kommen an die Jagdpächter immer wieder Klagen von Uebertretungen. In letzter Zeit wird besonders das Südgelände von einem wildernden Hund heimgesucht. Die Frau eines Postbeamten hat kürzlich einen Schäferhund einen . Hasen hetzen sehen, der dem sicheren Tode verfallen wäre, wenn ihn nicht im letzten Augenblick ein schützender Garten ausgenommen hätte. Leider war es Frau K. nicht möglich, die Begleiterin des Hundes — eine Dame — festzustellen. Die Jagdpächter des Jagdbezirkes Gießen richten erneut eine Warnung an alle, die es angeht, die Vorschriften des Jagdgesetzes in der erwähnten Angelegenheit nicht außer Acht zu lassen.
Erste große Gchafbockversteigeruug in Gießen.
Am heutigen Mittwoch, um 7 Uhr begann die erste große Schafbock-Versteigerung des Landesverbandes der Schafzüchter Hessen- Nassau an der Dersteigerungshalle Rhein - Main am Güterbahnhof. Bisher fanden diese Schafbock- Versteigerungen in dem benachbarten Lich statt, wo
sie in dem leider zu früh verstorbenen Fürstlichen Gutsverwalter Büchsenschütz, der nicht nur als Vorsitzender des Landesverbandes, sondern auch als bekannter Schafzüchter in hohem Ansehen stand, einen sorgsamen Betreuer sanden.
Die erste Gießener Veranstaltung zeichnet sich durch einen überaus ft arten Austrieb aus, da neben den Jährlingen auch Lammböcke zur Versteigerung zugelassen sind. Das Lehr- und Versuchsgut Selgenhof ist mit Spitzentieren vertreten. Don den bekannten Zuchten haben die Fürstliche Gutsverwaltung Lich, Ludwig S ch u d t (Mittel - Gründau), Hch. Wicke (Rudlos), Otto Rinn (Utphe) und die Freiherrlich Riedeselsche Gutsverwaltung Eifenbach ihre mit guten Volleistungen veranlagten Datertiere aufgetrieben. Auch die Hüttenberger Zuchten haben Tiere aus Lang-Göns, Hochelheim, Nieder-Kleen und Lützellinden zur Schau gestellt. Bei den mehr als 70 zur Prämiierung vorgeführten Tieren haben die Preisrichter Dr. L i n n e n k o h l aus Kassel und der Vorsitzende des Landesverbandes der Schafzüchter in Hessen-Nassau, Schuster vom Heuserhof, ein recht schweres Amt. In erster Linie werden Formen und Volleistungen bei der Prämiierung berücksichtigt.
Anschließend fand dann die Versteigerung statt, für die recht zahlreiche Käufer eingetroffen sind, fo daß kein Rückstand bleiben dürfte. Heber den weiteren Verlauf berichten wir noch.
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** Eine öffentliche Mahnung zur Zahlung von Umlagen und Sondergebäudesteuer sowie Kanal-, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebühren veröffentlicht die Stadtkaffe Gießen im heutigen Anzeigenteil. Aus die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.
** Straßen Herstellung der Bismarckstraße. Die durch den starken Durchgangsverkehr erheblich beschädigte Straßenstrecke zwischen der Ludwigstraße und dem Bahnübergang der Fuldaer Eisenbahn wird jetzt mit Hilfe eines Dampfpfluges aufgeriffen. Das alte Deckmaterial wird abgefahren. Im Anschluß hieran soll eine neue Teerdecke nach dem neuesten Verfahren aufgebracht werden.
** Erfolgreiche Beschickung des Weltgeflügelkongresses durch Mitglieder des Gießener Geflügelzuchtvereins.
Priesterjubiläum in Lich.
4 Lich, 28. Juli. Ein Ehrentag in der Geschichte der Katholischen Kirchengemeinde Lich war der vergangene Sonntag. Der derzeitige Geistliche der Gemeinde, Pfarrer C r ö n I e i n, konnte am Donnerstag der vergangenen Woche auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit als Priester zurückblicken. Nachdem bereits am Donnerstag in Mainz in einer schlichten kirchlichen Feier dieses Tages in entsprechender und würdiger Weise gedacht worden war, fand die eigentliche Jubelfeier am vergangenen Sonntag in der hiesigen Pfarrkirche statt. Der Gottesraum konnte kaum die Gläubigen fassen, die am Vormittag dem Festgottesdienst beiwohnten. Das Feftamt hielt der Jubilar unter Assistenz des Pfarrers Brückner (Zwingenberg a. M.), eines Jugendfreundes des Jubilars, des Pfarrers Frey (Kleinhaufen bei Lorsch a. Rh ), eines ehemaligen Schülers des Jubilars, und des Kaplans Schilling (Gießen). Die Festansprache hielt Pfarrer Frey, der sich über die Aufgaben des Priesters als Mann Gottes und Mann des Volkes verbreitete und den Jubilar als die Verkörperung dieser beiden Eigenschaften feierte. Der Katholische Kirchenchor Gießen sang unter der Stabführung seines Chormeisters Klein eine dreistimmige Messe von Piel, wodurch er in wirkungsvoller Weise zur Verschönerung des Festgottesdienstes beitrug. Am Nachmittag versammelte sich die Gemeinde nach der Festandacht zu einer schlichten Feier in Steins Saalbau. In einem Weihespiel, als Huldigung an das Priestertum, gab der Gießener Kirchenchor abermals Zeugnis von seiner auf beachtlicher Stufe stehenden Sangeskunst. Prologe wiesen auf die segensreiche Tätigkeit des Jubilars in feinen einzelnen Wirkungskreisen hin. Verschiedene Ansprachen feierten den Jubilar als den unermüdlichen Streiter Gottes und den leutseligen, jederzeit und gegen jedermann hilfsbereiten Mann des Volkes und würdigten insbesondere seine Verdienste um die Pfarrei Lich. Tiefbewegt gab Pfarrer Crönlein I in feiner Schlußansprache seiner Freude über die
Aus dem zur Zeit in Leipzig stattfindenden Weltgeflügelkongreß wurden in der Abteilung „Rasse- geflügel" den Gießener Züchtern Bauer auf einen Stamm Rhvdeländer und Becker auf einen Stamm rotbunte Drloff die Note „sehr gut" und je ein Ehrenpreis zuerkannt. In der Abteilung „Leistungsgeflügel" wurden die von der Geflügelfarm D e e g ausgestellten weißen Leghorn mit „sehr gut" bewertet und mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.
** Ernennung. Am 23. Juli ist der Ver- maltungsfetretär Wilhelm Hofmann vom Der- forgungsamt Gießen zum Verwaltungsinspektor ernannt worden.
Große Strafkammer Gießen.
Der 26jährige Fritz Heuser aus Marburg (Lahn) hatte sich wegen schwerer Körperverletzung zu verantworten. Der Angeklagte saß in der Nacht vorn 30. zum 31. August 1935 in einer Wirtschaft in Schotten. Es kam zunächst zu einer friedlichen Unterhaltung mit den am Nebentische sitzenden Gästen, die schließlich.dahin ausartete, daß es zwischen dem Verletzten I. und dem Angeklagten zu einer Auseinandersetzung kam. Der Verletzte I. kam, nachdem er inzwischen die Wirtschaft verlassen hatte, nach einiger Zeit mit zwei Gästen zurück und nahm an einem anderen Tische Platz. Hier hieb nun der Angeklagte grundlos mit einem Gegenstand auf den Verletzten ein, so daß dieser bewußtlos zusammenbrach. Der Verletzte I., dem der Angeklagte eine 7 bis 8 Zentimeter tiefe Verletzung an der linken Schläfenseite beigebracht hatte, ist nach dem Gutachten des medizinischen Sachverständigen, wie die Beweisaufnahme ergeben hat, wohl niemals mehr in der Lage, einer Erwerbstätigkeit voll nachzugehen. Mit Rücksicht hierauf erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von zwei Iah - r e n unter Freisprechung im übrigen sowie zur Kostentragung. Gegen den Angeklagten wurde Haftbefehl erlassen.
Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde gegen den 36 Jahre alten A. Sch. aus Hanau wegen Beleidigung verhandelt. Das Gericht erkannte gegen den Angeklagten auf eine Gefängnis st rase von sechs Wochen sowie zur Kostentragung.
große Anteilnahme an seinem Ehrentage und seinen Dank für die ihm aus allen Kreisen der Bevölkerung zuteil gewordenen zahlreichen und herzlichen Ehrungen Ausdruck. Seine Worte gipfelten in dem Wunsch, daß das innige Verhältnis zwischen ihm und allen Volksgenossen auch für die Zukunft sich recht fruchtbar für alle Teile gestalten möge.
Günstiger Abschluß der Spar- undLeihkaffe Großen-Buseck.
wg. Großen-Buseck, 28. Juli. Im Saale des Gasthauses „Zum Busecker Tal" sand die diesjährige Hauptversammlung der Spar- u. Leihkasse (eGmbH.) Großen-Buseck statt. Der Versammlung laa eine umfangreiche Tagesordnung vor. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Karl B o n a r i u s begrüßte die Mitglieder und gedachte der beiden Großtaten des Führers, der Wiedereinführung der Wehrmacht und der Wiederbesetzung der entmilitarisierten Zone. Sodann gaben er und der Direktor Wilh. Damm die Geschäftsberichte zur Kenntnis, die von der geleisteten Arbeit des abgelaufenen Geschäftsjahres Zeugnis ablegten. Der Geschäftsbericht des Gefamtvor- standes spiegelte den wirtschaftlichen Aufschwung im Dritten Reich wider und bewies außerdem das allgemeine Vertrauen, das der Kasse entgegengebracht wird. Nachdem die Kasse bereits im Jahre 1934 den Umsatz um rund 1 Million Mark steigern konnte, gelang es 1935, den Umsatz nochmals um 900 000 RM. auf 5 513 000 RM. zu erhöhen. Aber nicht nur der Umsatz hat sich erhöht, sondern auch die Bilanzsumme ist um 16 513,63 RM. auf 463 422 Reichsmark gestiegen. Während sich die Buchungen im Hauptjournal in 1934 um 700 Stück vermehrten, haben sie sich in 1935 nochmals um 1200 Stück erhöht und belaufen sich somit auf 11000. Infolge des gesteigerten Geschäftsverkehrs sah sich die Kaffe genötigt, auf Maschinenbuchhaltung umzustellen. Im Berichtsjahr 1935 ist ein sehr starker Spareinlagezuwachs zu verzeichnen, welche sich jedoch bilanzmäßig nicht auswirkt, da etwa 25 000 RM.
für Feldbereinlgungs- und Bauztve'ckS zurückbezahlt wurden. Der Kleinsparverkehr durch Die Wochenerheber nimmt immer größeren Umfang an und erfreut sich größter Beliebtheit. Allein durch diesen Kleinsparverkehr wurden in 1935 8707,00 Reichsmark gespart.
Aus einer Zusammenstellung des Rechners Roll ging hervor, daß der Aufstieg auch im Jahre 1936 anhält. Läßt doch der heutige Stand der Buchungen bis zu Ende des Geschäftsjahres 1936 eine weitere Steigerung auf 2000 bis 2500 erwarten. In den Jahren 1935 und 1936 wurde je eine fünftägige Revision der Kaffe vorgenommen. Die Revisionsberichte bezeichnen die Kasse als durchaus liquide. Beanstand düngen haben sich keine ergeben. Die Bilanz, sowie die vorgeschlagene Verteilung des Reingewinns wurden von der Versammlung genehmigt. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde Entlastung er« teilt. Das Einheitsstatut wurde erläutert und von der Generalversammlung gutgeheißen. Das sat« zungsgemäß ausscheidende Vorstandsmitglied Wilhelm Schmidt X. wurde einstimmig wiedergewählt. Ebenso wurde das einstweilige Aufsichtsratsmitglied Heinrich Scheld V. wieder bestätigt. Im Anschluß daran entwickelte sich zwischen dem Vorstand und den Mitgliedern eine rege Aussprache. Nachdem die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen worden war, blieb man noch geraume Zeit kameradschaftlich beisammen.
Eine Neunzigjährige.
* Kesseldach (Kreis Gießen), 29. Juli. Am heutigen 29. Juli begeht Frau Elisabeth M u l y in voller geistiger und körperlicher Frische ihren 9 0. Geburtstag. Frau Muly ist Witwe, sie verlor ihren Gatten schon vor 51 Jahren. Sie verlebt ihren Lebensabend in unserem Dörfchen bei ihrer Schwester, die auch schon im hohen Alter von 79 Jahren steht. Vier Kinder sind ihr schon durch den Tod entrissen worden.
Einbrecher-Quartett im Vogelsberg verhaftet.
LPD. Lauterbach, 28.Juli. In den beiden letzten Wochen kamen in Lauterbach wiederholt Einbrücye vor, die meist in Hauskeller ausgeführt wurden. Daneben verschmähten die Diebe aber auch die Mitnahme anderer Sachen an anderen Stellen der heimgesuchten Häuser nicht, sobald sich ihnen dazu Gelegenheit bot. Nunmehr gelang es bei einer großangelegten Razzia der Gendarmerie in Gemeinschaft mit SA. im hohen Vogelsberg vier Land st reicher dingfest zu machen, bei denen man mancherlei Diebesgut aus den Einbrüchen in Lauterbach vorfand. Die Verhafteten wurden in das Lauterbacher Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 28. Juli. War bereits im vergangenen Jahre in unserer Gemeinde eine rege Bautätigkeit zu beobachten, so wurde sie in diesem Jahr um ein wesentliches gesteigert. Von den in diesem Jahr in Angriff genommenen 15 Wohnhäusern und einem Werkstattbau sind 14 Wohnhäuser und die Werkstatt unter Dach gebracht. Das 15. Wohnhaus ward z. Z. im Rohbau fertig- gestellt. Auch verschiedene An- und Umbauten gehen ihrer Vollendung entgegen. Durch die rege Bautätigkeit ist das heimische Handwerk vollauf beschäftigt, denn alle Bauten sollen bis zum Winter bezogen sein. Zahlreiche alte Gebäude wurden neu hergerichtet, so daß das Straßenbild in unserer Gemeinde gewonnen hat. Die Herstellung der Niederfeldstraße vervollkommnete das Straßennetz. Auch firtö noch weitere Straßeninstandsetzungen (verlängerte Grabenstraße und Horst-Wessel-Straße) vorgesehen. Eine durch verschiedene Neubauten notwendig gewordene Verlegung eines Teiles des Ortsnetzes wurde bereits ausgeführt.
I Großen-Linden, 28. Juli. Die Roggenernte ist bereits beendet. Die Arbeit war doppelt schwer; nicht allein, daß der Roggen am Boden lag, so daß kaum Maschinen verwendet werden konnten,
3ähne putzen ist viel, Zahne pflegen alles.
Nicht darauf kommt es an, miß B welcher Kraft Sie die Zähne put- zen, sondern darauf, daß auch der äußerste Winkel der Zahn- reihen erfaßt wird. — Nivea- Zahnpasta wirkt auch dort, wo die mechanische Reinigung nicht
Z4$ hinreicht. Das ist dann Zahnpflege,
Unbekannte Fracht.
Roman von Zrank £. Braun.
(Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
Der Krieg und dann die Inflation hatten das 'Geld verschlungen, das in Lüneburg, m Hannover und in Bremen auf den Kaffen gewesen war. Aber Iber Hof war ihnen natürlich geblieben. Da kam keiner heran. _ , , .
Hinrich Terbrügge hatte in den Jahren nach der Geldentwertung schwer zu kämpfen gehabt. Es war .zudem die Zeit, als die Frau starb. Sie erkaltete sich eines Morgens beim Füttern un Stall. Sie kam mit dem gekochten Schweinefutter aus der !warmen Waschküche auf den Hof, es regnete ein Ibißchen, der Trog war nicht sauber, sie hielt sich Hänger draußen auf, als sonst nötig geroefen nmre, Mm Abend hustete sie schon. Der gute alte Lmden- Sblütentee wollte diesmal gar nicht helfen. So fuhr ^andern Tags Rudolf, der Sohn, mit dem Rad mach Wietze und holte den Arzt. ..
Sonderbar war das. Frau Auguste Terbrügge, geborene Flentje aus Husum, hatte nie eine richtige Krankheit kennengelernt, vielleicht trug gerade Lieser Umstand die Schuld. Es überfiel sie diese Krankheit jetzt so überraschend und war so. "euarag für sie, daß sie „die kleine Verkühlung unterschätzte.
Sie starb am andern Mittag, bis zuletzt erklärend, iihr fehle nichts und es sei ein Geldwegwerfen, den Rudolf zum Arzt zu schicken.
Der Arzt tarn dann gegen Nachmittag und stellte Öen lotenfdjein aus. Grippe, /klarte er. Dann hchr er wieder weg. Er besorgte die Kassenprarls in Wietze, das viele Arbeiter und Angestellte bei Den Bohrtürmen beschäftigte, und er hatte wirk- ^Der^Sohi? Rudolf, der mit dem Arzt gekommen mar, zu spät, um feiner Mutter noch einmal m Die Augen zu sehen, wurde von diesem Sterben ge- rroffen wie von einer Lähmung. Er ging einher und tat auf dem Hof feine Arbeit wie vorher; er Dar stumm, mit brennenden Augen bei Der Beerdigung, wo der alte Terdrügge seinem Schmerz trom
petend mit vielfachen Schnäuzern Luft machte. Man sah dem Jungen nichts an. Aber er selber hatte das Empfinden, als fei ihm irgendwo da Drinnen etwas zerbrochen, das nie wieder heilen könne.
Der Vater Hinrich Terdrügge ging monatelang um feinen Sohn herum, als habe er dem Jungen gegenüber ein Schuldgefühl. Es gelang ihm, sich rascher zu tröffen, die Arbeit und die Sorgen lenkten ihn ab.
„Ich habe die Mutter an jenem Morgen nicht hinausgeschickt", sagte er einmal unvermutet.
Der Sohn sah ihn an und schwieg. Aber um seinen Mund war ein bitterer Zug. — Der Vater ging davon.
Im Grunde hatte sich ihre Stellung zueinander in diesen drei Jahren nicht verändert. Sie wichen sich noch immer gern aus, gingen umeinander herum, wenn sie sich im selben Zimmer befanden, und waren froh, wenn der eine hinausging. Es war eine Atmosphäre zwischen ihnen, die von Wetterleuchten schon beherrscht war; aber sie waren Heidebauern: kühl, verschlossen und mit gebändigter Leidenschaft. Die Gewitter kamen nicht zur Entladung. Der reinigende Blitz blieb aus.
Rudolf Terdrügge war ln diesen Jahren innerlich sehr allein. Er war neunzehn Jahre alt geworden. Die Arbeit drückte schwer. Sie hielten nur noch einen Knecht, den alten Leonhard, auf dem Hofe. Aber auch die schwerste Arbeit ist am Feierabend einmal getan. Und dann kamen die Gedanken ...
Wenn die Mutter am Leben geblieben märe, würde wahrscheinlich alles anders gekommen fein. Sie war von Natur nicht leicht gewesen, aber sie hatte eine Art gehabt, den Dingen das Schwere zu nehmen und allem, was geschah, die gute Seite abzugewinnen. Rudolf wußte, daß er in der Mutter eine Fürsprecherin bei dem Vater gehabt hatte. Damals schon, als das mit der Antje wie eine kleine dumme Liebelei unter Nachbarskindern aussah. Er fühlte, die Mutter würde auch heute, da eine richtige große Liebe aus feiner Neigung zu Antje geworden war, da auch Antje ihn liebte — die Mutter würde heute wie damals anders als der Vater gesprochen haben. Hinrich Terbrügge war hart geworden. Gefühle wogen bei ihm nicht. Er meinte klug sein zu müssen, klug, wie er es ver
stand, für den Jungen mit. Diese Antje Oelkens war arm, sie besaß buchstäblich nichts als die Kleider, die sie trug. Was nützte es, zu wissen, daß der alte Oelkens einmal viel Geld bei einer Reederei in Hamburg besessen haben sollte. Das erschwerte dem Mädchen nur Das Leben und war wie eine Belastung. Besessenhaben galt nichts. Besitzen! hieß däs Zauberwort. Die Reederei war kaputtgegangen, als der Kapitän Oelkens mit dem Dampfer vor Kap Horn strandete und nicht wieder- kam von großer Fahrt. Die Tochter Antje erhielt fo gut wie nichts aus dem Konkurs. Mit ein paar taufend wertlos gewordenen Aktienbogen konnte sie eine Stube tapezieren lassen!
Der Jochem Oelkens nahm sie auf, der Oelkens in Steele. Aber er hatte selber nicht viel. Die Antje war nichts anderes für ihn als eine billige Magd, die für Kost und Unterkunft auf dem Hof blieb. Lohn konnte er ihr nicht geben; aber gute Worte und manchmal einen Hinweis, wie dankbar sie fein müsse, da er sie ernähre.
Gewiß, das war traurig und alles nicht schon. Hinrich Terbrügge hatte gar nichts gegen die Antje. Seinetwegen mochte sie einen Grafen heiraten. Aber feinen Sohn solle sie in Frieden lassen! Mit dem hatte er Besseres, Höheres vor!
Aber Hinrich Terbrügge hatte in dieser Zeit so viele Gedanken zu bewältigen, daß er nicht dazu kam, alle zu Ende zu denken. Das war vielleicht seine ganze Schuld, wenn man das Leben von einer andern Warte aus anzusehen bereit ist.
Die Stube roch nach Seife oder Terpentin; wenn man längere Zeit sich darin aufhielt, kam auch der unaufdringlichere Geruch des Wacholders durch. Da das große Fenster auf den Hof hinaus geöffnet war, hielt sich der Tabakrauch als fremdes Element nicht im Zimmer, er wurde gewissermaßen von den bodenständigen Gerüchten verjagt und zog zum Fenster hinaus.
Hinrich Terbrügge legte die kurze Shagpfeife weg. Sie war ihm ausgegangen. So sehr er jetzt daran sog, der Rauch schmeckte kalt und verkohlt. Man konnte eben nicht richtig rauchen, wenn man reden mußte und sich dabei erregte. Höchstens die alberne Zigarette, die der Rudolf sich anzundete und die allein zwischen den Fingern roeiterghmmte. Er sah ärgerlich, Dabei grundlos gereizt, auf Die
Hand seines Sohnes, die solche Zigarette hielt. „Wirf sie weg!" wollte er wütend sagen, aber er verbiß sich den Satz. Nur Ruhe. Es gab schon Aerger genug.
Er lief durch die StulE Das weiße, schüttere Haar flach zum Hinterkopf zurückgebürstet, die Mundpartie leicht angestrengt, mit aufgepreßten Lippen eher wie ein Schauspieler aussehend, Der Erregung Darstellen will — keinesfalls sofort als ein Heidebauer zu erkennen.
Seine Züge waren hart, ein bißchen grob geschnitten. Sie verrieten das Selbftbewußtsein seiner Rasse. Seine Hände waren verarbeitet und voller Schwielen, die Hornhaut geworden waren. Er hatte viel und schwer gearbeitet, der Heidebauer Hinrich Terbrügge. Aber er war ein Herr. Er hatte niemals gedient. Seiner Erde, seinem Hof, feiner Familie — gewiß, wenn das ein Dienen war. In Die Stadt war er nicht gekommen. Hier draußen herrschte er. Und da feine Ueberlegenheit nie eine Prüfung durchmachen mußte, keine Anzweiflung irgendwelcher Art erfuhr, trug sie ihn wie ein guter, fester Glaube. Sie gebar seine Gerechtigkeit, feine Bereitwilligkeit, in nichts zurückzustehen. Die schwerste Arbeit tat er immer gern selber.
Ob der Herr Sohn das zugeben wolle? Er stand aufgerichtet vor Rudolf Terbrügge, diesem plötzlich aufsässigen, unbotmäßigen Jungen, und musterte ihn mit einem schiefen Blick von oben nach unten. War Der Bengel nun schon etwas eingeschüchtert, daß er schwieg, ober war es im Gegenteil Trotz, der chn stumm bleiben ließ?
Gerade da sagte Rudolf Terbrügge mit einem leichten Kopfneigen: „Gewiß, Vater. Aber nicht darum geht es." Dann biß er sich auf die zitternde Unterlippe und schwieg wieder.
Der Alte trat an das Fenster und schloß es unsanft. Die Scheiben flirrten. Auf dem Hof war Der Knecht Leonhard. Vielleicht drang von dieser Unterredung zwischen Vater und Sohn doch etwas hinaus. Er sagte grimmig, wenn auch weniger laut nun: „Worum geht es dir denn, mein Sohn? Die Antje hierher zu bringen, dich in das warme, gemachte Nest zu setzen und mich vielleicht auf den Altenteil verweisen?"
(Fortsetzung folgt!)


