Germania«, deren Träger in rastlosem Fleiß und entsagungsvoller Kleinarbeit reichswichtige mittelalterliche Quellen untersucht und in fünf verschiedenen Serien haben drucken lassen. Auf dem Gebiete der Königsurkunden haben besonders der bisherige Leiter der Zentraldirektion der Monu- menta, Geh. Rat Professor Paul Kehr, hervor- ragende Verdienste. Die deutsche Geschichtsforschung des Mittelalters stehe durch die Arbeit der Monu- menta auf sicheren und methodisch einwandfreien Grundlagen.
Aus der Fülle der Aufgaben, die sich das neue Reichsinstitut gestellt hat, erwähnte Professor Dr. Engel folgendes: Zunächst gelte es, die noch laufenden Arbeiten abzuschließen, so die neue verbesserte Ausgabe der umfangreichen Franken- Chronik des Gregor von Tours, eine der wertvollsten Quellen germanisch-deutscher Frühgeschichte, ferner die für das 14. Jahrhundert sehr wichtige Chronik des Matthias von Neuenburg, deren zweiter Band demnächst erscheine. Bedeutsame Briefsammlungen des 11. und 12. Jahrhunderts feien in Arbeit. Geh. Rat Kehr bearbeite selbst noch die Urkunden der Karolinger.
Entscheidend aber sei, daß in den letzten drei Monaten das Reichsinstitut drei große Forschungsgebiete in Angriff genommen habe, für die kaum nennenswerte Vorarbeiten geleistet seien: 1. D i e Urkunden Heinrichs IV., des deutschen Königs, der nach Canossa ging. Seine lange Regierung sei ein entscheidender Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Heinrich besser und sicherer als bisher zu erkennen, werde erst möglich sein, wenn alle Urkunden in gutem Druck vorliegen werden. 2. D i e Urkunden Friedrich Barbarossas, wo kaum erste Schritte getan seien, um diese Urkunden zu sammeln, zu untersuchen und zu drucken. Annähernd 1900 einzelne Urkunden müßten bearbeitet werden. Diese Aufgabe werde an drei Stellen nach einheitlichen Gesichtspunkten angefaßt, in Berlin
am Reichsinstttut, in Rom am Preußischen Histori- schen Institut für Italien und in Wien am österreichischen Institut für Geschichtsforschung. 3. Das Reichsinstitut habe die große Aufgabe übernommen, durch die Herausgabe der Urkunden Hein- richs des Löwen, des bedeutsamen Gegenspielers Friedrich Barbarossas, die wissenschaftlichen Voraussetzungen für eine quellenmäßig gesicherte Darstellung seines Lebens und seiner gesamt-deutschen Leistung zu schaffen. Drei Bände seien jetzt in Auftrag gegeben. _
Auf die Frage nach anderen Arbeiten zur Geschichte des deutschen Mittelalters betonte Dr. Engel, daß das Reichsinstitut der Er- forschunq des gesamten deutschen Mittelalters diene Sobald die dringendsten Quellenausgaben im Druck vorliegen, würden vom Reichsinstitut auch beson- dere Forschungsaufgaben gestellt, die in Form von Darstellungen Fragen der deutschen Geschichte tm Mittelalter behandelten. Noch in diesem Herbst werde der erste Band der neuen Zeitschrift Deutsches Archiv für Geschichte des Mittelalters mit besonderen Beiheften „Archiv für Urkunden- forschung und Quellenkunde" erscheinen.
Die deutsche mittelalterliche Geschichte biete noch auf viele Jahrzehnte hinaus wertvolle Aufgaben der Quellenauswertung. In zäher Kleinarbeit diene der mittelalterliche Forscher der Erkenntnis deutscher Geschichte. Politisch solle sich aber seine Arbeit aufs Ganze auswirken. Die deutsche Geschichte müsse von der Vorgeschichte, der Rasse her, begriffen werden: das Mittelalter sei die Zeit der deutschen Dolk- werdung, sei die tragende Brücke, die zur Gegenwart führe, in das Dritte Reich der Deutschen. Diese innere Einheit der geschichtlichen Forschung befördere und befruchte die Einheit der ge- schichtlichen Lehre. Aus der Kenntnis der Vergangenheit würdigten wir die Bedeutung der Gegenwart und dienten zielbewußt der Zukunft.
Die Reichsautobahn im Kreise Friedberg.
Aus der Provinzialhauptstadt.
= Bad-Nauheim, 27. Juli. Wenn man den Stand der Arbeiten an der Reichsautobahn heute mit dem vor einigen Wochen vergleicht, so ist ein un- oeheurer Fortschritt festzustellen. Annähernd tausend Arbeiter sind gegenwärtig in dem verhältnismäßig kurzen Bauabschnitt Bad-Nauheim—Niederweisel— Griedel eingesetzt, unterstützt von den modernsten Maschinen aller Art. Ohne Zweifel stellt aber auch anderseits dieses Projekt eines der schwierigsten Teile der gesamten Linie der Reichsautobahnstrecke Frankfurt—Gießen dar. Sanft und doch wuchtig in ihren Ausmaßen zieht sich die erste „Straße des Führers" in Oberhessen von Frankfurt kommend, an den Abhängen des Taunus herauf und erreicht zwischen dem in unmittelbarer Nähe gelegenen Hofgute Hasselheck und am 7 Kilometer entfernten Rosbach ihren höchsten Punkt. Ein prächtiger Mischwald unterlag der Axt. Nach einem tiefen Einschnitt tritt die Autobahn aus den Wäldern des Wintersteinmassivs. Nicht alle Kraftfahrer werden nach Fertigstellung der Bahn diese Stelle blindlings überfahren. Das eine ist sicher, daß viele Naturfreunde ihren Wagen zum Halten bringen und Umschau halten werden. Herrlich ist der Weitblick, den man genießen kann. Zu den Füßen breiten sich die fruchtbaren Gefilde der südlichen und mittleren Wetterau aus; die alte freie Reichsstadt Friedberg, gekrönt von ihrem Adolfsturm, liegt im Sonnenglanze. Eingebettet in den abgeriegelten nördlichen Teil der fruchtbaren Wetterau träumt die Burgfeste Münzenberg, das „Wetterauer Tintenfaß". Bei guter Fernsicht sind die Höhen des Dogelsberges zu sehen. Der Horizont wird von den Spessartbergen im Südosten, den höchsten Erhebungen des Dogelsberges im Osten und dem Dünsberg, den Lahnbergen, dem Lollarer Kopf und Hangelstein im Norden gebildet. Ungezählt die Dörfer, die im weiten Runde der oberhessischen Landschaft, oft teilweise hinter Hügeln versteckt, eingestreut sind. Wahrlich, eine abwechslungsreichere Linienführung hätte die Bauleitung nicht treffen können! Von hier aus wendet sich die Autobahn endgültig vom Taunus ab, gleitet im sanften Bogen nach dem romantischen Tale der Ufa hin, überquert die Anfahrtstraße Bad- Nauheim—Bad Homburg und verläuft nun in nördlicher Richtung.
Während von Süden her die Straße bis auf die Anlage des drei Meter breiten Grünstreifens bis auf kleine Teile fertiggestellt ist, liegt jetzt die Teilstrecke Bad-Nauheim—Griedel—Gambach im Brennpunkt der Arbeit.
Meberatl herrscht Hochbetrieb! Tag und Rächt, Sonntag wie Werktag, unaufhörlich wird bei jeder Witterung in dreischichtiger Arbeit das Werk vorgetrieben, das nach dem Willen der Bauleitung tm letzten Drittel des Monats September beendet fein soll. Am 22. September soll die Einweihung erfolgen.
Der Kopf eines Hügels ist abgetragen und im Usa- tale zur Ausschüttung des notwendigen Dammes benötigt worden.
Weit und breit sind die Dörfer von Arbeitslosen frei. In besonderen Transportwagen werden die Arbeiter täglich bis aus der Gegend von Limburg heranbefördert. Sie kommen gerne. Sie dürfen dereinst ihren Enkeln erzählen, an den Straßen des Führers mitgeholfen zu haben. Ungezählte Feld- bahngeleise, Lokomotiven, Waaen, Autos bedecken die Arbeitsstätte. Mächtige Löffelbagger sind eingesetzt, die menschliche Kraft zu unterstützen. Don weitem vernimmt man das Gekreische des Stampfers. Beim Näherkommen erdröhnt unter den gewaltigen Schlägen des 45 Zentner schweren Stahlklotzes die Erde weithin.
Sieben Brücken größeren und kleineren Formals sind auf der kleinen Strecke von etwa drei Kilometer tm Bau, zum Teil schon fertig- gestellt.
Kaurn vorstellbar sind die Mengen des Materials, besonders Zement, die hier verbraucht wurden. Täglich werden ganze Eisenbahnladungen benötigt. Eisenbeton ist bas Fundament aller Arbeit. An anderer Stelle wird die Erde auf dem laufenden Band wegbefördert. Hier werden die letzten Arbeiten, die 20 Zentimeter starke Betonschicht, der wiederum Eisendrahtgeflechte einoerleibt werden, verrichtet: dort sind moderne Maschinen daran, die schmiegsame sandige Unterlage zu glätten und zu stampfen, eine Arbeit, die menschliche Kraft nicht im entferntesten so sauber und einwandfrei bewerkstelligen könnte. Bewundernswert sind die hintereinander geschalteten Einrichtungen an Maschinen, die den Beton Herstellen, auf die Bahn befördern, ausbrei- fen, glatt walzen, stampfen, vor starker Sonnenbestrahlung schützen und mit großen Planen bedecken. Don einem riesigen Silo aus, das an der Straße
Nieder-Mörlen nach Ober-Mörlen errichtet worden ist, werden die Betongrundstoffe mittels einer besonders angelegten Feldbahn zu den gewünschten Stellen befördert. Die beiden Fahrbahnen der Auto- straße werden im Innern von dem noch anzulegenden Grün- und nach außen hin von einem ein Meter breiten schwarzen Asphaltstreifen begrenzt.
Die beiden Ansahrtslrahen zur Autobahn lm Zuge der Straße von Ober- und Rieder-Mörlen her sind gegenwärtig im Bau.
Zum Teil ist das Packlaaer und die Kanalisation schon fertiggestellt. Ebenso unermeßlich sind die Wassermengen, die in eigens angelegten Leitungen sowohl von der Ufa, als auch von einer geschaffenen Quellenfassung in den Wiesen am Winterstein mittels Pumpwerk heranbefördert werden.
Verlassen wir nun diesen Bauabschnitt und wandern auf dem Damm nach der Main-Weser-Bahn und Griedel zu. In unmittelbarer Nähe der Block- ftation Ober-Mörlen werden zwecks
Ueberführung der Reichsaulostraße über die Bahnlinie
hohe Dämme aufgeführt, deren Material aus den Sandgruben bei Nieder-Mörlen durch Feldbahnen heranbefördert wird. Zur Ueberwindung der Höhenunterschiede werden große Erdbewegungen vorgenommen, die in derselben Art wie zwischen Hofgut Hasselheck und Ober-Mörlen befestigt werden.
Die gleichen Vorarbeiten sind an der einzigen Ueberführung der Durchgangsstraße Frankfurt- Kassel zu beobachten. Don hier aus bis Griedel herrscht auf der Autobahn Ruhe. Der Mutterboden ist beiseite geschafft worden. Umfangreiche Erdbewegungen brauchen auf dieser Teilstrecke kaum vorgenommen zu werden. Schwieriger dagegen gestalten sich die Arbeiten an den vier Brücken über die Straßen Butzbach—Lich sowie deren Abzweigung nach Griedel mit der Bahn Butzbach—Lich und zwei nach dem Griedeler Wald anzulegende Unterführungen. Hier müssen wieder bedeutende Höhenunterschiede überwunden werden.
Große Vorarbeiten sind für die Brückenbauten bereits geleistet. Mächtige Pfeiler aus Eisenbeton sind gegossen. Der weitere Aufbau ist gegenwärtig an der einen Ueberführung in Arbeit. Die ausgedehnten Fundamente der anderen Brücke sind aus- gehoben und werden nun mit besonders genau abgewogenen Mischungen aus Eisenbeton ausgefüllt, damit die berechnete Festigkeit und Tragfähigkeit gewährleistet ist.
3n weitem Bogen verläuft nun die Autobahn
um Gambach herum nach dem kreise Gießen.
Planungen, Erdaushub und Aufschüttungen auf der anderen Seite sind bis dorthin die wichtigsten Arbeiten. Feldbahnen schaffen die Sandmengen herbei. Löffelbagger unterstützen die Arbeiten der schaffenden Menschen. Hinterher vollbringt der zum Stampfer umgebaute Bagger Leistungen, die menschliche Kraft niemals heroorzubringen imstande ist. Die Arbeiter, die größtenteils hier lohnende Beschäftigung finden, kommen meist aus den abgelegenen Dörfern des Hintertaunus.
Dieser Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er gibt nur einen Ueberblick über den derzeitigen Arbeitsstand auf der Reichsautobahn und zwar auf derjenigen Strecke, die gegenwärtig im Blickfeld der gesamten oberhessischen Linienführung steht. Wenn sie dereinst fertiggestellt fein wird, ist sie als ein Werk zu betrachten, das feines- gleichen unsere Provinz nicht aufzuweisen hat. Sie wird Zeugnis oblegen von den gemeinsamen Arbeiten der Männer der Stirn und der Faust, aber auch von dem weitschauenden Geiste des Führers, mit dessen Namen sie für alle Zeiten als „die Straßen des Führers" verbunden fein werden.
Oie Beschäftigung der Industrie im Juni.
Fwd. Trotz der Sommerflaute, die alljährlich zwischen der Frühjahrs- und der Herbstbelebung namentlich in der verarbeitenden Industrie einzutreten pflegt, hat im Juni der Auftrieb der industriellen Tätigkeit angehalten. Nach der Jndustrie- berichterstattung des Statistischen Reichsamts hat die Zahl der beschäftigten Arbeiter stärker als im Vorjahr, von 69,3 v. H. der Arbeiterplatzkapazität im Mai auf 70,3 v. H. im Juni, zugenommen. Das Arbeitsvolumen oder die Summe der geleisteten Arbeiterstunden ist, wie alljährlich, in der Urlaubszeit schwächer als im Vorjahr, von 66,1 v. H. der Arbeiterstundenkapazität auf 65,8 v. H. zurückgegangen. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit hat sich von 7,73 Stunden auf 7,56 Stunden vermindert.
Kein Streichholz in Kinderhand!
Line beherzigenswerte Mahnung.
Vom Landratsamt Wetzlar wird mit« geteilt:
In letzter Zeit haben sich öfters Kinder in ihrer elterlichen Behausung Streichhölzer beschafft und haben damit Feuer angelegt, so daß dadurch wertvolles Dolksvermögen vernichtet wurde. Die Zeit der Ernte steht vor der Tür und viele Kinder find sich tagsüber selbst überlassen. Es ist Pflicht der Eltern, Sorge dafür zu treffen, daß Streichhölzer und Feuer sorgsam verwahrt werden, damit unbesonnene Kinder keinen Brand herbeifuhren können. Wird durch leichtsinniges Spielen mit Zündhölzern Eigentum und Leben dritter Personen gefährdet, so sind die Eltern gemäß § 832 BGB. tn vollem Umfange zum Schadenersatz verpflichtet.
Aber auch an alle Erwachsene ergeht die ernste Mahnung: „Seid vorsichtig bei dem Umgang mit Feuer." Während der Erntezeit befinden sich m bäuerlichen Gehöften überall leicht brennbare Erntevorräte. Laßt daher das Rauchen in Scheune und Stall. Werft feine brennenden Zigarettenreste fort, verwahrt glühende Asche sorgfältig, daß kein Brand entsteht. Bedenkt, daß jeder Brand Volksvermögen zerstört und uns ärmer macht. Jeder Volksgenosse wird zur Bezahlung von Brandverlusten herangezogen.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebeserwachen".
Derkehröopfer der letzten Woche.
DRV. Der Reichs- und preußische Verkehrsminister gibt bekannt:
141 Tote und 4090 verletzte find die Opfer des Straßenverkehrs im Deutschen Reich während der vorigen Woche. Der Minister mahnt: Ihr Jugendlichen auf Motorrädern, fahrt vorsichtig! wenn Ihr mit lautem Geknatter und übermäßiger Geschwindigkeit durch belebte Straßen rast, zeigt Ihr nicht Schneid und Fahrkunst. sondern Unreife und Rücksichtslosigkeit!
Erneuerung
der Kapelle des Alten Friedhofs.
Nachdem im Frühjahr das Dach der Kapelle des Alten Friedhofs erneuert worden ist und mit feinem leuchtend warmen Rot in feinem Zusammenklang mit dem Grün der alten Bäume steht, soll nun auch das Innere des ehrwürdigen Gotteshauses erneuert werden. Die Kapelle ist das erste steinerne Haus im Nahrungsbergbezirk gewesen und stellt den ältesten gottesdienstlichen Raum unserer Stadt dar. Für die Zeit der Jnstandsetzungsarbeiten, die sich voraussichtlich auf sechs Wochen erstrecken werden, muß die Luthergemeinde einen Notraum beziehen. Zur Durchführung der regelmäßigen Gottesdienste wurde die Aula des Gymnasiums, Hindenburg- wall 6, zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten werden unter Leitung von Stadtbaurat G r a v e r t unter Hinzuziehung von Denkmalpfleger Dr. Lie- e r ausgeführt. Die künstlerische Ausgestaltung des Kirchenraumes- hat der bekannte Kirchenmaler K i e n z l e aus Eberstadt bei Darmstadt übernommen. Alle Glieder der Luthergemeinde werden sich freuen, daß ihre alte Kapelle nun bald wieder in einem neuen inneren und äußeren Gewand ihrer eigentlichen Aufgabe dienen darf: eine Stätte zu sein, wo Gottes Wort und Sakrament recht gelehrt und gespendet, im Glauben gehört und empfangen wird. Die Gemeinde wird darum den Notbehelf der Uebergangszeit gern in Kauf nehmen. Aber auch alle andern Freunde des Alten Friedhofs werden es begrüßen, daß das alte Schmuckkästlein wiederhergerichtet und fein Bestand von neuem gesichert werden soll.
Die deutsche Arbeitsfront
W^z n.9.=ßemcinfdiaft „Kraft durch frciiöc"
Urlaubßfahrt 47/36 Borkum.
Die Fahrtunterlagen für diese Fahrt liegen bei der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, vor und können von den Teilnehmern während der Dienststunden (8 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr außer Mittwoch und Samstag nachmittags) gegen Dorzeigen der Quittung abgeholt werden. Die Abfahrt erfolgt in Gießen um 22.48 Uhr. Ebenso sind die Karten für die Urlaubsfahrt 45/36 Bayerischer Wald abzuholen.
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Für die Urlaubsfahrt nach dem Bayerischen Wald vom 31. Juli bis 8. August können noch Anmeldungen angenommen werden, die umgehend erfolgen müssen. Der Fahrpreis mit voller Verpflegung und Unterkunft beträgt 37,50 RM. Die Abfahrt erfolgt in Frankfurt a. M. 22.15 Uhr. Die Fahrt geht über Offenbach — Hanau — Kahl — Regensburg nach den Aufnahmeorten.
Urlaubsfahrt 48/36
Pommerfche Küste — Rügenwaldermünde.
Für diese Fahrt liegen die Fahrtunterlagen auf der Kreisdienststelle Gießen zum Abholen bereit. Die Abfahrt erfolgt in Frankfurt a. M. am 2. August 1936 um 18.13 Uhr.
Omnidusfahrt nach Heidelberg am 1. und 2. August.
Arn Samstag um 14 Uhr geht ab Gießen eine Omnibusfahrt nach dem schönen alten Heidelberg. Die Teilnehmer werden in Heidelberg gegen abend eintreffen, dort übernachten und den ganzen Sonntag in Heidelberg einen gemütlichen Tag verbringen. Abends geht dann die Fahrt wieder über die Reichs- autobahnstraße zurück. Der Fahrpreis einschl. lieber- nadjiung, Frühstück und Mittagessen 11,30 RM. Anmeldungen müssen bis spätestens Mittwoch auf der Kreisdienststelle vorliegen.
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Am Samstag und Sonntag, 1. und 2. August, findet im Hardtwäldchen ein großes Sommerfest mit viel Humor, Musik und Tanz für jung und alt statt. Wir weisen heute schon besonders auf das Kasperletheater am Samstagnachmittag für die Kinder hin.
Unser neuer Roman.
Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers den Abdruck des Romans „Verfluchtes Gold" von I. Schneid er-Fo erst! beendet haben, beginnen wir in der heute erscheinenden Nummer mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, von dem wir uns wiederum einen durchschlagenden Erfolg bei unserer Leserschaft in Stadt und Land versprechen dürfen. Wir erneuern heute die Bekanntschaft mit einem Autor, der fein ungewöhnliches Können gerade auf dem Gebiete des Zeitungsromans wiederholt und sehr überzeugend erwiesen hat. Das Werk, mit dessen Abdruck wir jetzt beginnen, heißt
„Unbekannte Fracht" von Frank F. Braun.
Dies ist ein Roman, der an Spannung und bewegter Handlung nichts zu wünschen übrig läßt, der von Fortsetzung zst Fortsetzung — davon sind wir überzeugt — förmlich verschlungen werden wird. Wir brauchen den Autor wohl nicht vorzustellen: die außerordentlichen Erfolge seiner früher bei uns erschienenen Romane sprechen für ihn. Viele unserer Leserinnen und Leser werden sich gewiß erinnern, mit welcher Anteilnahme und Spannung seinerzeit die mit einer Preisfrage verbundene Veröffentlichung des Romans „Das Halsband" von Braun verfolgt wurde. Auch feine später hier erschienenen Romane „Schatten der Vergangenheit" und „Geheimnis der Heide" fanden allgemein ganz außergewöhnlichen Anklang.
Der neue Roman, mit dem wir heute beginnen, eine Abenteuer- und Liebesgeschichte, ist, obwohl ein ganz anderes Thema behandelnd, genau so fesselnd, dramatisch und spannend geschrieben wie die erwähnten Vorgänger. Auf den Inhalt wollen wir nicht näher eingehen, um niemandem etwas vorwegzunehmen. Wir wissen, daß dieser Roman dem Autor viele neue Freunde gewinnen wird, und wir freuen uns, allen unseren Leserinnen und Le- fern in Stadt und Land eine Lektüre bieten zu können, der sie von Tag zu Tag erwartungsvoll entgegensehen werden.
Ehemalige Kriegsgefangene im Reichskriegerbund.
Von Bundesamt des Reichskriegerbundes wird mitgeteilt:
Die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener (ReK.) hat den bisher bestehenden korporativen Anschluß an den Deutschen Reichskriegerbund aufgegeben. Dadurch ist der Weg für die unmittelbare Eingliederung aller ehemaligen Kriegsgefangenen sowie deren örtlicher Vereinigungen in den Reichskriegerbund mit allen Rechten und Pflichten einer Kriegerkameradschaft frei geworden. Diese unmittelbare Eingliederung, die von zahlreichen Ortsgruppen ehemaliger Kriegsgefangener gewünscht und beantragt wurde, mußte bisher auf Grund der mit der Bundesleitung der ReK. getroffenen Vereinbarungen abgelehnt werden.
Mitbestimmend für die Trennung der ReK. vom Reichskriegerbund war meine unzweideutig zum Ausdruck gebrachte Auffassung, daß im nationalsozialistischen Reich kein Raum mehr für eine Sonderorganisation der ehemaligen Kriegsgefangenen ist. Nachdem die wirtschaftlichen Bestrebungen der Kriegsgefangenen, die srüher deren Zusammenschluß rechtfertigten, seit Jahren erledigt sind, muß nunmehr erwartet werden, daß auch die Kriegsgefangenen sich in die große Kameradschaft aller alten Soldaten, die in erster Linie durch den Deutschen Reichskriegerbund verkörpert wird, einfügen. Ich werde bei der Bundesleitung des Deutschen Reichskriegerbundes ein Referat für Kriegsgefangenenfragen errichten und so die Stoßkraft der von mir geführten Millionenorganisation auch für die berechtigten Interessen der schuldlos in Kriegsgefam genschaft geratenen alten Soldaten einsetzen. Die Berechtigung von Sonderzusammenschlüssen über den Rahmen von Ortsgruppen hinaus kann ich jedoch nicht mehr anerkennen.
60 Jahre Freiwillige Feuerwehr Lollar.
Jubiläumsfeier und Herbstverbandstag.
£ £ o 11 a r, 29. Juli. Unser Ort rüstet zum Herbstverbandstag verbunden mit dem 60. Stiftungsfest seiner Freiwilligen Feuerwehr am kommenden Samstag und Sonntag. Die Vorarbeiten sind in vollem Gang, und so verspricht auch diese Veranstaltung wieder ein voller Erfolg zu werden. Weit über 1000 Feuerwehrmänner unserer engeren Heimat kommen am Sonntag nach Lollar, um in ernster Arbeit, aber auch in Freude mit der heimischen Wehr den Ehrentag zu begehen. Die Jubelwehr, die am 13. Juni 1876 von 84 Feuerwehrleuten gegründet wurde, hat eine stolze Vergangenheit. Sie hielt Schritt mit der Entwicklung der Gemeinde, die durch das Eisenwerk Main-Weser-Hütte stark gefördert wurde und weit über den Rahmen einer Landgemeinde hinauswuchs. Bereits bei der Gründung besaß die Wehr einen guten Gerätepark mit 150 Meter Schläuchen. Die Ausrüstungsstücke verschafften sich die Wehrmänner auf eigene Kosten, ein gutes Zeichen für den Opfersinn und die Nächstenliebe. So wie bei der Gründung, so ging es weiter. Der Weltkrieg, an dem 47 Kameraden teilnahmen, forderte 10 Opfer. Nach dem Krieg ging es in der Wehr durch ihre zielbewußte Führung stets aufwärts. Der Gerätepark wurde im Laufe der Jahre vervollkommnet, fo daß heute ein Hydrantenwagen, ein Rettungswagen, eine mechani
sche Leiter, Stützenleiter, eine Motorspritze, zwei Druckspritzen, ein Zubringer .und 1000 Meter Schläuche vorhanden sind. Der Wehr gehören heute an: 153 aktive Feuerwehrleute, 37 Ehrenmitglieder und 104 passive Mitglieder, ferner verfügt die Wehr über eine leistungsfähige Kapelle, die ihr im Jahre 1925 angegliedert wurde. In den sechs Jahrzehnten ihres Bestehens hatte die Wehr oft Gelegenheit, von ihrem Köynen Beweise zu geben. Dank der guten Schulung und vortrefflichen Ausrüstung gelang es der Wehr immer, selbst die größten Brände auf ihren Entstehungsherd zu beschränken. Es seien hier nur die Großfeuer, 1895 Badenburger Mühle, 22. Dezember 1919 Main-Weser-Hütte, 31. Januar 1925 Dampfsägewerk Nuhn, Lollar, 12. Januar 1928 Didierwerk Mainzlar, erwähnt. Auch wurde die Wehr öfters nach auswärts gerufen. Wo es auch war, immer wurde die freiwillig übernom1 mene Pflicht erfüllt. Die hohen Ideale — „Einer für alle, alle für einen" — die ihr wie allen anderen Wehren vorschweben, sind oberstes Gesetz.
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