Einzelbild herunterladen

SSÄ

4 v w

fcS

j

' W

WWM

MW

ÄZ ;z

K/ ""

i

s-

urkunden, zu denen noch die Gruppen der mittel­alterlichen Chroniken, Rechtsbücher und andere Aufzeichnungen hinzuträten. Diese mehr oder min­der reichhaltigen Geschichtsquellen seien zunächst zu sammeln, auf Echtheit oder Fälschung zu unter­suchen und im Druck zu veröffentlichen. Die Aus­gabe des neuen Reichsinstituts bestehe also in erster Linie darin, die mittelalterlichen Geschichtsquellen von gesamtdeutscher Bedeutung überhaupt einmal zu erschließen. m E

In diesem Zusammenhänge würdigte Professor Dr Engel die Leistung der Monumenta

Plausch ans Fenster getreten sein. Alles ist, als sei es erst gestern gewesen oder erst heute, von einer heimlichen, flüsternden Gegenwärtigkeit, einer herz­bezwingenden, atmenden Nähe; als sei dies Hand­werkszeug eben erst aus der Hand gelegt, diese Lampe eben erst erloschen, diese Uhr vor einer Stunde stillgestanden.

Wir gehen schweigsam zurück in die vordere Stube. Das Gewitter hat sich verflüchtigt, zierliche Flammen spielen in den Fenstern. Einen alten, schlichten Mann in Bergmannstracht hat es im Innersten ergriffen. Er hält fein halbgefülltes Glas in der verarbeiteten Rechten, aber er führt es nicht zum Munde, und ein über das andere Mal bricht es aus ihm mit ab­gehackter Baßstimme, dankbar und erschüttert:Hans Sachs! Lieber, alter Hans Sachs! Hab' ich's doch noch erlebt und dein Haus hier gesehen, deine Werk­statt." Er sieht aus, wie von Dürer gemalt, wie dessen Hieronymus Holzschuher, und wir alle blicken ihn an.

Reichsminister Rust hat vor kurzem dte bis­herigenMonumenta Germaniae in emReichs- injtitut für ältere deutsche Geschichts­kunde" umgewandelt. Professor Dr. Wilhelm Engel, der kommissarische Leiter des Instituts, äußerte sich dieser Tage in einer Unterredung über Wesen und Arbeiten des neuen Reichsinstituts.

Als besondere Aufgabe bezeichnete Professor Dr. Engel die Erschließung der mittelal­terlichen Geschichtsquellen. An Stelle der zahllosen Aktenreihen der Neuzeit gebe es hier die vielen Tausende einzelner Pergament- und Papier-

^rwerte H55 16 (145), l

Ä Tagen.

itet

Nxv nahm } Verlauf. J mer Schluß; entes, schM 1 (189,25). I chfrage, jo K len. 3®. gart:

170 bis IW etwas niebrifc narkt brüte 101,75 (102), i: ier mit W 8ebr. W weiir l fast völlig p

AuslandsM

Farben W 6 0. h. W 4 v.h. te

199, MU. 57,i:, 15 114,75. nüiemacfl

Mit Ausmfss! von Qemüir gebot von Stein« t schleppend, w rbsenpreise Wn, rten: Blumenlcfl bis 22, WM is 16, <$rbj?n Ä 15 bis (bn- 51,70, TAV

5, KMX , TrMge G bi 3 bis 5, B

b bis 8, S' bis 15, lomcii- a, 15 bis 20 M 'bis 4, Zwiebel'

Pfalzer 614 fc 12 bis 15. M )is 22.

die Anliefemss

Jetzt habe ich dir schon hundertmal (sage und schreibe das drittemal erst, denkt der Junge), gesagt, daß du den Stoff nicht bekommen kannst. Ich brauch ihn doch, hab ich gesagt."Der olle Kram wäre zu schade, wenn du ihn für eine Mark dem Lumpensammler gäbst! Sowas müßte man auf­heben als Altertum und wertvolle Antiquität." Die Mutter flüchtet seufzend hinaus. Der Junge Albert ebenfalls, aber ohne Seufzen, dafür mit zwei großen Bündeln Stoff, einer Handvoll Druck­knöpfe und einem Oelfarbkasten.

3. Akt: Dunkelheit. Ein schwacher Schein aus einer Petroleumfunzel. Ein Keller mit Latten, Brettern, stoffbespannten Rahmen, Sägen und Häm­mern angefüllt. Drei Gestalten kleben, malen, schnei­den und klopfen, daß die Wände einzustürzen drohen. Ein Junge, den die beiden Watz nennen und kurze stachelige Grasbüschel von Haaren auf dem großen Kopf hat, flucht, weil er sich auf seinen Daumen geschlagen hat. Der Rohbau ist fertig: drei Wände aus Stoff. Jetzt kommen die Kulissen, Vorhänge und das wesentliche: die Figuren. Natür­lich zuerst ein Kasper; dann liegt da ein ganzer Staat: ein König, Schutzmann, verschiedene Spieß- bürger mit großen roten Nasen und Brillen, Träge und Philosophen, Frauen, denen man ihre Klatsch­süchtigkeit von weitem ansieht, bei anderen könnte man in Versuchung kommen, zu denken, daß sie einem Wohltätigkeitsverein angehören, wo man nachmittags bei Kaffee und Kuchen für arme Heidenkinder Strümpfe strickt. Ferner gibt es da einen Tod, einen Teufel und ein ganzes Geister- kabinett.Soweit ist nun alles fertig", sagen nach langem Treiben die Gestalten,wir müßten proben."

4. Akt: Heimabend beim Jungvolk. Die Kasbü steht, und man bestaunt sie mit offenen Mäulern und großen Augen. Friedel ist Außenminister, Watz Regisseur, Albert Mädchen für alles, Vorhang-rauf- und -runterzieher, Kulissenschieber, Krachmacher. Die Sache geht los.Das geheimnisvolle Murmeln im Kochgeschirr", steht auf dem Programm. Große Sache und handelt von einem Gert, der stets zwei Paar Unterhosen auf Fahrt an hatte und einen Wanderstab zum erstenmal mitbrachte. (Der Be­treffende im Publikum errötet sanft.) Weiter von einem, der lieber zu Hause hockte und Schmöker las. Man hat viel gelacht, und die Kasbü und ihre Leute waren sehr zufrieden.

5. Akt: Transport der Kasbü vom Heim auf die Straße. Auf der Treppe Poltern, Krachen. Einer ist mit den Wänden ausgerutscht, fällt auf seinen Vordermann. Unten liegt ein bunter Gerümpel­haufen. Eine Minute später liegen die drei Freunde entseelt daneben. Der Vorhang fällt. r. J.

67683 41,89 0,1) 3,047 55,153 46,80 12,46 5,49 IM 168,75 19;

0,727 5,654 62,6

-

11.57 64- 81, 33,92 104«

2,485

Go entstand eine Kasbü.

Tragödie in fünf Akten.

Vorwort: Suche nicht im Brockhaus, auch sonst in keinem Lexikon, du würdest jenes Wörtchen doch nicht finden. Kasbü ist kein abessinischer Wurden- träger, der sich erhängte oder ein neues Uni­versalpülverchen gegen Ischias, lästigen Haarwuchs, Blinddarm und Durchfall. O nein, Kasbü ist em großes Werk, etwas Einzigartiges, etwas Schwie­riges das bei einer stinkenden Petroleumfunzel von drei Jungen im Dunkel eines Kellers ausgeknobelt wurde.

1. Akt: Der Vorhang hebt sich. Ein Junge, der Friedel heißt, zu einem Schreinermeister:Habense nid) so'n paar Dinger da übrig, so'n paar Latten obern olles Scharnier, es können auch zwei fein. Oder 'n paar Nägel?"Hm hm. Ham tun mer ba schon was. Und gebrauchen können wir es eigentlich auch noch selbst. Was willst'n damit?" Öch wissen Se, wir wollen da eine Kasbü bauen fürs'Zeltlager. Das gibt immer Spaß und da wollt ich mal fragen."Kasbü? Kasbuu?? Was'n das? Noch nid) gegessen sowas!">)a, ach so, wissen Se, das ist mehr so 'ne Kasperlebuhne. Aber weil das so lang dauert, bis man das ge­sprochen hat, sagen wir nur Kasbü." Ja, dann netze sich da schon mal eher drüber dischkutieren. Er will mal sehen, was sich da machen läßt.

Nach einer halben Stunde trollt der Junge trat einer kaum schleppbaren Last Holz ab.

2. Akt: Eine Küche. Eine Mutter. Ein Junge der aber diesmal Albert heißt.Aber 2Ubert.

In Sofia wurde das Eintreffen des olympischen Feuers festlich begangen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Weine letzten Verhandlungen inpetersburgM4.

Don Graf $. pourtaltzs (f), bis zum Kriegsausbruch deutscher Botschafter am Zarenhofe.

*^2^

Kirschen nur Mäst im R ch U. a. * -A-B U ung., 3** bis 22, Son* 35 bis 38, N bis 38, 3*1= > 28 bis 30, > Obis E aumen 30 bis je 32 bis 35, *

Miner Mhen

, und : ElME. ,ehr noch lin

Nachtsspiele zeigen, auch dem derben Witz und aus­gelassenen Humor seine wohlgesetzte Form zu geben vermochte. r,r . . .

Ich leere mein Glas und schließe mich dem be­scheidenen Zug an, den die Wirtin bis zu Sachsens verschwiegen und überaus winzig tm Hmterhaus gelegener Werkstatt anführt. Man hort die Erklä­rungen, die tausendmal schon hergesagten, mit halbem Ohr. Aber unsere Ergriffenheit, unsere Ehrfurcht kann nichts mindern. In diesem nur wenige Quadrat­meter messenden Loch, in das das Wetterleuchten des aufgewühlten 16. Jahrhunderts aucfte, ist noch alles unverändert, und doch echt in feinen Bestandteilen ba, was seine Hand bewegte, sein Geist ordnete: das Handwerkszeug, der Schemel, die Oellämpchen, der selbstgebaute Ofen. In diesem rührend bescheidenen Raum schusterte und sang, maß und brütete er, schmetterte der Feuerkops den beckmessernden Zeit­genossen seine Kampfansagen entgegen, gab er gütig weisen Rat, wälzte er nach Feierabend die reich- beschlagenen Folianten. Aber der Schuster Hans Sachs, der Dürer und Stoß, Vischer und Pirkhermer würdiger Zeitgenosse, blieb nicht bei fernem Leisten; zu feinem Lobe und zu unserer Ehre! In seiner Werkstatt besserte er nicht nur die Schuhe seiner Mit­bürger, sondern auch ihre Fehler, ihre Schwächen und Untugenden. Denn außer Leisten, Nadel und Hammer standen ihm noch ein unbezähmbarer Drang zum Reimen, ein tapferes, großmütiges Herz unb. ber Blick des Weisen zur Seite.

Der Mensch braucht nicht viel Raum, um Unver­gängliches zu schaffen. Dieser vom Holzwurm ange­nagte, von Jahrhunderten mürbe aemachte Tisch, über dem die Glaskugeln der altertümlichen Oellampe sinnlos hängen, kennt wie kein anderer das bärtige Haupt des Sängers und Spötters, der in unerhörter Fruchtbarkeit alle Echos der damaligen Welt reimend, dialogisierend und psalmodierend auffing,zum Preise der Tugend und zur Schmach des Lasters und denTraurigen zur Fröhlichkeit'. Ein gut Teil der 34 Bücher seines Lebenswerkes hat er hier eigen­händig niedergeschrieben: insgesamt 6048 Dichtungen darunter fast 1500 Schwänke und Fabeln, über 200 Komödien und Tragödien, 4275 Meistergesänge. Solch mönchischer Fleiß, solch immenses Schöpfertum ist nur noch mit der Lope de Vegas oder Goethes vergleichbar, der für den damals zu Unrecht Ver­spotteten mutig die Stimme erhob: Da droben in den Wolken schwebt ein Eichkranz ewig unbe­laubt den setzt die Nachwelt ihm aufs Haupt! Das Leben Sachsens war eitel Arbeit und fand fernen höchsten Sinn darin.

Oeffnete er das Fenster, so konnte er vom Schemel ; aus des Pogner Haus gegenüber sehen, und gar , manchmal wird des Goldschmieds Tochter zu einem

Gruß an Hans Gachs. 1

Nürnberger Erinnerung von W. Schumann

Jeder Straßenjunge in Nürnberg sagt dir, wo Hans Sachsens Haus steht. So sehr ist er, der Schuh- 1 macher und Poet, Besitz seiner Vaterstadt, seines Volkes. Der Weg zum Bahnhof in die kleine enge Kalle die des Meistersingers Namen tragt, ist nicht weit, 'aber aufjd)lu6reid): er führt an den Bastianen und Türmen, die einst die reiche, mit ihrem Einstutz bis zur Adria reichende Stadt zu schützen hatten, Darüber in die Bezirke der Kaufleute der breiten Patrizierhauser und stolzen Kirchen. Aber schon aus dem Obstmarkt, wo dasGansemannchen unschem- bar bi ater Gittern steht, wird es besch-id-ner. Und gleich dort hörte, sich noch nach Jahrhunderten deut­lich abgrenzend, das Nürnberg der Macht und des weithinreichenden Wohlstandes auf; hier wohnte immerhin befaß er ein eigenes Haus. Es schießt engbrüstig in die Höhe, die Balken Zeichnen sich daraus ab, aus friedlich-schmalen Erkern quellen Blm men, tief herabhangende Ranken. Em Schild über dem Eingang meldet, daß hier die hlstarische chan^ Sachs-Stube sei. Das ist des Ansichtskartenhandlers gegenüber bestes Geschäft. Ein schwuler, gew kündender Nachmittag ist es, Geruch non Wem Räucherwaren und Semmeln liegt m der.trage Lust. Ich trete endlich ein und ftnbe mad) in einer Weinkneipe, die geschickt zu verstehen scheint dl A hänglichkeit des Volkes an eine ferner Uebtoerttnen Erscheinungen in klingende Münze zu v

Muß man, um ein Beispiel anderer Art 3 t 0 »

das oan-Gogh-chaus in Arles lange fuch n und öffnet sich die Pforte zum ^eiligen mn : miDent« benb, so hat die Kneipe hier ine volle Oessentlichkeit betriebsam hergeftellt. . klüiternde

Sie liegt im Halbdunkel, andachtsvoll-, stulternoe Gäste trinken behutsam ihren Hellen. Wem. Huw°ll-n noch als Siebcnundsechzigiahr,ger »Dor Sonnen Untergang", unneröraffen em M-d-h n °°n 17 ^.en zen heimführte, am großen Familient sch f 9 J Zucht unb gute Sitte «leit:. auf ba& d Hande fein gewaschen eien, niemand sich b^n1lfh;d3fe;n ae= gefräßig zeigen oder gar das Schnupftuchlein g räuschvoll benutzen moge^.. Denn imi wni roi beim Dichten war er ein Mann, der bewußt av,eils non mancher Zügellosigkeit seiner Zeit stand und wie seine mit Recht vielberuhmten und unerreichten Fast

Copyright by Deutsche Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin.

II.

Gndkamps um den Frieden.

Am Abend des 31. Juli, 11 Uhr 10 Minuten, traf ein Telegramm des Reichskanzlers nachstehenden Inhalts ein: Trotz noch schwebender Vermittlungsverhandlungen, und obwohl wir selbst bis zur Stunde keinerlei Mobilmachungsmaßnah- nien getroffen hätten, habe Rußland feine ganze Armee und Flotte, also auch gegen uns, mobilisiert. Durch diese russischen Maßnahmen seien wir ge­zwungen worden, zur Sicherung des Reiches die drohende Kriegsgefahr" auszusprechen, die noch nicht die Mobilisierung bedeute. Die Mobilisierung miüsse aber folgen, falls nicht Rußland binnen ^wölf Stunden jede Kriegsmaßnahme gegen uns nnd Oesterreich-Ungarn einstelle und uns hierüber seine bestimmte Erklärung abgebe. Ich wurde beauf­tragt, dies sofort Sasonow mitzuteilen und die Stunde der Mitteilung zu drahten. Der Reichskanz­ler schloß, er wisse, daß Herr Sw erbe je w am Tage vorher aus Berlin nach Petersburg telegra- xhiert habe, wir hätten mobil gemacht, was bis zur Stunde nicht der Fall sei.

Dieser Auftrag wurde von mir in der Nacht vom ZI. Juli auf den 1. August bei Sasonow um Mitternacht ausgerichtet. Der Minister wie- Lerhotte zunächst die Erklärung des Zaren, daß ein Anhalten der Mobilmachung oder Zurücknahme des Mobilmachungsbefehls aus technischen Gründen mnmöglich sei. Er versuchte sodann wieder nachzu- llveiseii, daß in Rußland Mobilmachung keineswegs »die Absicht, Krieg zu führen, bedeute, und daß man ttroh der Mobilmachung die Verhandlungen fort- sietzen könne ... Der Minister kam dann wieder »darauf zurück, daß Mobilmachung noch nicht zum ^Kriege zu führen brauche, und wiederholt die mir stchost früher gestellte Frage, ob denn nicht auch

bei uns mobil gemacht werden könne, ohne daß es notwendig deswegen zum Kriege kommen müsse.

Ich konnte mich bezüglich dieses Punktes nur auf meine früheren Ausführungen berufen und erklärte bestimmt, daß, wenn Rußland seine Mobilmachung nicht anhalte und uns auf diese Weise zwinge, ebenfalls mobil zu machen, wir uns unmittelbar am Rande des Krieges befänden. Ich bat Herrn Sasonow nochmals dringend, sich den Ernst der Lage klar zu machen. Die Aussichten, zu einer friedlichen Lösung zu gelangen, hätten sich durch die vom Wiener Kabinett zu erkennen gegebene Bereit­willigkeit, mit der russischen Regierung über die Note' an Serbien in einen Gedankenaustausch em- zutreten, erheblich gebessert ... In diesem Augen­blick habe Rußland ohne den geringsten Anlaß, trotz der uns kurz vorher ge­gebenen feierlichen Versicherungen, gegen uns mobil gemacht. Es sei an Ruß­land, wenn es den Frieden wolle, diese Drohunc rückgängig zu machen. Rußland habe es auf die Weise in der Hand, das Unheil des Krieges abzu­wenden. Ich hielte immer noch an der Hoffnung fest, daß die russische Regierung sich entschließen werde, die Mobilmachung anzuhalten.Tech­nische Unmöglichkeit" gebe es m die­ser Beziehung nicht. Der Kaiser von Ruß­land brauche nur ein Wort zu sprechen, dann könnten die Befehle, welche die Mobilmachung an- geordnet hätten, dahin geändert werden, daß in­folge eingetretener neuer Umstände die Mobilma- chungsmaßregeln anzuhalten seien. Nach einstündi- ger Unterredung verließ ich den Minister mit dem bestimmten Eindruck, daß die russische Re­gierung entschlossen war, es zum Aeußer'sten kommen zu lassen.

Am Morgen des 1. August entschloß ich mich, von einem Anerbieten des Hofmeisters Grafen Frede- ricksz Gebrauch zu machen und durch ihn noch in letzter Stunde zu versuchen, den Zaren zur

y Berlin. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Mittelalterliche Forschungsaufgaben im Dritten Reich.

Sine Unterredung mit Professor Dr. Wilhelm Sngel.

"StiN

w?5

«IW

N dir fc

;.15: Sotii,

'»-ich! P, 6,5 2: Ron,

Mittwoch, 2Y.MM6

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

klr. 175 Dritter Blatt

Das olympische Feuer in Bulgariens HaupiM

Vegrüßuna der italienischen Olympia-Mannschafi

nicht mobilisieren, daß jedoch, falls uns Rußland nicht bis heute mittag erklärt, daß es feine Kriegsvorbereitungen gegen uns und Oesterreich einstellt, der Mobilmachungsbe­fehl heute gegeben werden wird. Sie wissen, was das bei uns bedeutet. Wir können uns nicht verhehlen, daß wir in diesem Falle nur noch um Fingerbreite vom Kriege ent­fernt sind, von einem Kriege, den weder Sie, noch wir wünschen. Ich weiß, wie schwer es ist, die Ma­schine aufzuhalten, die bereits in Bewegung gesetzt ist. Aber der Kaiser von Rußland ist in die­ser Hinsicht allmächtig. Ich bitte Sie inständig: tun Sie, was Sie können, um ein Unheil aufzu­

halten. ...

Ihr sehr herzlicher ergebener und tief beküm­merter Pourtales."

Nachmittags etwa um 2 Uhr ließ mich Graf Fredericksz von Peterhof aus an das Telephon bitten und teilte mir den Inhalt eines neuen Te­legramms mit, das der Zar an unseren Kaiser gerichtet hatte. Er sprach die Hoffnung aus, daß dieses Telegramm noch die Kriegsgefahr

Zurücknahme des Mobilmachungsbefehls zu bewe­gen. Ich schickte frühmorgens den Attache von Bülow (den späteren, kürzlich verstorbenen Staatssekretär im Auswärtigen Amt. D. Red.) mit einem Brief an Graf Fredericksz im Automobil nach Peterhof. Der Brief lautete:

Mein lieber Graf! Ich wende mich an Sie auf Grund Ihrer mir liebenswürdigerweise erteilten Er­mächtigung, Sie im Falle der Notwendigkeit anzu­gehen. Was ich vorausgesehen habe, ist eingetrag­en. Die Mobilisation der gesamten russischen Armee )at in Berlin den schlechtesten Eindruck gemacht. Man begreift nicht, daß dieser Befehl gegeben wer­den konnte, während die Vermittlung meines Sou­veräns fortbauerte und noch nicht gescheitert war. Vergessen Sie nicht, daß man uns erst vor weni­gen Tagen ganz offiziell erklärt hat, daß man nur an der österreichischen und nicht an der deut­schen Grenze mobil machen würde. Die Lage ist daher äußerst ernst geworden, und ich suche überall nach Mitteln, um ein Unheil zu verhüten. Denn ein Krieg wäre eine ungeheure Gefahr für alle Mon­archien. Ich habe heute nacht den Befehl erhalten, uus, uuD u«»« Herrn Sasonow sofort zu sagen, daß wir n o cf) 1 abwenden möge.

v.-.v.v.v ... - V- .' ..