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Mittwoch, 29. Juli 1936

M. 175 Erstes Blatt

186. Zahrgang

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gen zu unterrichten, ersucht der Reichsführer SS. und Chef der deutschen Polizei die Länderregierun­gen, ihm bis zum 1. Oktober d. I. die Unterlagen über die Offiziere der Gemeindepolizei, die oberen Kriminalbeamten und die Polizei- und Kriminal« kommissaranwärter oorzulegen.

Sehr eingehend befaßt sich dieser Organisations­erlaß mit der Frage des Ersatzes bei den Ge­meindepolizeiverwaltungen. Die Poli­zeiwachtmeisterstellen der Gemeindeoollzugspolizei sind nach den Anstellungsgrundsätzen zu 90 v. H. den Dersorgungsanwärtern vorbehalten. Die rest­lichen 10 v. H. der Wachtmeisterlaufbahn des Ge­meindevollzugsdienstes sind mit für den polizeilichen Dollzugsdienst geeigneten nationalsozialistischen Kämpfern zu besetzen, und zwar erfolgt die Einstel­lung dieser Bewerber in sogenannten Eingangsstel­lungen, das heißt in solchen Stellen, die für die endgültige Anstellung als Beamter eine Probedienst­zeit erforderlich machen. Eingestellt werden nach dem Organisationserlaß nur Nationalsozialisten, die vor dem 14. September 1930 ihre Eintritts­erklärung in die NSDAP, abgegeben haben (in Ausnahmefällen genügt die Zugehörigkeit zu SS., SA. oder HI. vor diesem Zeitpunkt) und die üb­lichen für die Beamtenlaufbahn vorgesehenen Be­dingungen erfüllen.

Alle diese bisher nur für Preußen geltenden Bestimmungen sind jetzt sinngemäß auch in den übrigen Ländern durchzuführen, so daß wich- tige organisatorische Fragen der deutschen Ge­meindepolizeiverwaltung nunmehr im ganzen Reich einheitlich geregelt werden.

General Queipo d e Llano erklärte weiter, die Rationalisten hätten im Laufe des Diens­tag die Südabhänge, also die Madrid zu- gewendete Seite der Sierra de Guadar­rama genommen und das nur 40 Kilometer von Madrid entfernte Dorf gleichen Namens beseht. Weiter östlich stünden die Truppen des Generals Mola ebenfalls auf den S ü d - abhängen der Somosierra, wo sie das etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt entfernte

B u i t r a g i eingenommen hatten.

Auf der Süd front seien von Afrika neue Verstärkungen eingetroffen, die ebenfalls sich bereits auf dem Marsch nach Madrid befän­den. Der General behauptete, Truppen der Militär­gruppe hätten bis Dienstag insgesamt 2 2 Flug­zeuge der Linksregierung abgeschos­sen oder sonstwie unschädlich gemacht. Nationali­stische Flieger hätten über dem Madrider Flugplatz Barajas Bomben abgeworfen.

Am heutigen Mittwoch um 1.30 Uhr früh teilte der Sender der Nationalisten in Burgos mit, man sei im Besitz von Nachrichten, die darauf schließen liehen, daß die regulären Truppen der Armee sowie der Guardia Civil sich nun ebenfalls offen gegen die Madrider Regierung erklärt und den Verkehrspalast sowie die Bank von Spanien beseht hätten. (Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt vorläufig nicht vor.)

Ferner verbreitet der gleiche Sender eine Mel­dung, wonach eine Abteilung der Militär- gruppe auf dem Marsch von Cordoba nach M a d r i d mit einer größeren marxistischen Abteilung zusammengestoßen sei, diese in die Flucht geschlagen und ihr 20 Geschütze abgenommen habe.

Der Sender Sevilla brachte um 1 Uhr früh die Nachricht, daß die Stadt h u e l v a (Südspa-

General Eabanellas.

der an der Spitze der in Burgos errichteten Regie­rung der Militärgruppe steht und die neue Militär­diktatur in Spanien durchführen will. (Scherl-M.)

Lissabon, 29. Juli (DNB. Funkspruch.) Ge- neral Franco teilte dem portugiesischen Konsul in Tanger mit, daß in Burgos die vorläufige Regierung des neuen Spaniens unter Vorsitz des Generals Cabanellas gebildet worden sei.

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London, 29. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Reuterbüro teilt eine aus Madrid erhaltene telephonische Meldung mit, wonach die Entschei­dung nur noch eine Sache von Stunden ei. von Süden rücke eine starke Truppenabteilung auf Sevilla zu. 3m Norden rücken erhebliche Streitkräfte von Barcelona zum Angriff auf Saragossa heran. Auf den höhen nörd­lich von Madrid seien heftige Kämpfe zwischen der etwa 12 000 Mann starken Miliz und der Vorhut General Molas im Gange.

Lagebericht der Aationaltsten.

H e n d a y e, 29. Juli. (Vom Sonderberichterstatter des DNB. Funkfpruch.) lieber den Sender Sevilla sprach in der Nacht zum Mittwoch der Führer der Nationalisten in Andalusien, Ge­neral Queipo de Llano. Er erklärte, daß der Madrider Sender Falschmeldungen in die Welt setze, um so das spanische Volk und das Ausland über die wahre Lage zu täuschen. Ent­gegen den Madrider Meldungen befinde sich To­ledo in der Hand der Militärgruppe, ebenso T e r u e l, sowie Saragossa und Cordoba. Der Erfolg in der Provinz Huelva sei unaufhaltsam. Seine Truppen hätten allein im Laufe des Diens­tag acht neue Ortschaften besetzt, hierbei sei fest- gestellt rooiöen, daß die Marxisten alle Rundfunk­geräte von Privatpersonen beschlagnahmt und ledig­lich in den marxistischen Parteihäusern einen Appa­rat gelassen hätten, der natürlich nur den Madrider Sender ausgenommen habe. Auf diese Weise sei es gelungen, die einfache Landbevölkerung völlig zu täuschen, die im übrigen bei der erften Berührung mit den nationalistischen Truppen jede feindselige Haltung aufgegeben habe

Mit großen Barrikaden sperrte Barcelona den Vormarsch der Militärgruppe.

Ein charakteristisches Bild aus dem heutigen Barcelona, das im Zeichen wüster Zerstörungen und schwerer Kämpfe steht. Das Straßenpflaster wurde aufaerissen. Aus Steinen und Sandsäcken errichteten die Marxisten Barrikaden, um sich gegen die Soldaten der Militärgruppe zu verteidigen. (Presse-Photo-M.)

nlen) vor wenigen Stunden sich den nafio* nalistischen Truppen ergeben habe.

Der Zivilgouverneur, sowie ein Oberst- leutnant und der Bürgermeister hätten sich rechtzeitig durch die Flucht der Gefangennahme entzogen.

Aattonalislische Regierung in Vurgos.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Immerhin erinnern wir uns anderseits, daß un­mittelbar nach dem Zustandekommen des Kom­muniques von London Frankreich erneut seine Be­mühungen um irgendeine militärisch-bündnismäßige Bindung Englands an die französische Politik fort­setzte. Weiter erinnern wir uns an die Tatsache, daß jenes Kommunique gleichwohl von der Auf­gabe spricht, dasProblem des 7. März" zu lösen, obgleich Deutschland keinerlei Irrtum darüber hat aufkommen lassen, daß die Wiederherstellung seiner Garnisonen in seinem eigenen Hoheitsgebiet am Rhein selbstverständlich überhaupt kein Problem für andere Leute sein kann.

Italien wartet auf den Wortlaut der Eden-Hede.

Rom, 29. Juli. (DNB.) Die Eden-Rede be­deutet nach Ansicht zuständiger italieni­scher Kreise vor allem die Anerkennung der Wichtigkeit der Mitarbeit Italiens in Europa. Doch hat man den Eindruck, daß die Formel für die Aufhebung der Flottengarantien Englands im Mit­telmeer nicht sehr klar gehalten sei, betont aber, daß der stenographische Wortlaut der Rede noch nicht vorliege. Sollten diese Abmachungen, wie man glaube, wirklich abgeschafft sein, so verschwinde ein weiteres Hindernis für die Mitarbeit Italiens in Europa. Man will es aber in den gleichen Krei­sen offen lassen, ob damit auch das letzte Hindernis verschwunden ist. Italien werde, so wird hinzuge- fügt, die neue Lage nunmehr einer P r ü - fung unterziehen, bevor es auf die Einla-

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Entspannung.

Das griechische Gebot, das einst während der Olympischen Spiele befahl, die Waffen ruhen zu lassen und den Streit zwischen den Völkern zu begraben, solange die Männer und Jünglinge auf dem Sportforum von Olympia im friedlichen Wett­kampf ihre Kräfte maßen, dieses Gebot scheint im Jahre 1936 seine innere Erneuerung zu erleben. Die Sowjetunion gehört nicht zu den Staaten, die ihre Vertreter zu den Weltspielen in Berlin ent­sandt haben. Moskau führt Krieg, solange die UdSSR, besteht, so auch jetzt wieder in Spa­nien. Der König von England mußte sogar aus diesem Grunde seine Urlaubspläne ändern. Die Villa für den englischen König in Cannes wird leerstehen, weil die politische Sicherheit im Nach­barlande Spaniens nicht genügend gewährleistet ist. Aber abgesehen von den bolschewistischen Umtrie­ben ist überall in den internationalen Beziehungen eine Ruhepause, ein Augenblick der Klärung und Entspannun eingetreten, der noch vor wenigen Monaten in unerreichbarer Ferne zu liegen schien.

Für diese Beruhigung, für diesen Willen zu einer friedlichen Neuordnung des politischen Zustan­des ist die Rede kennzeichnend, die Außenminister Eden vor dem englischen Unterhaus hielt. Eden bemühte sich sichtlich um eine sachliche, gemäßigte Darstellung der allgemeinen Lage, wie sie vom eng­lischen Standpunkt aus und besonders von dem des Foreign Office gesehen wird. Grundsatz der britischen Politik ist es nach wie vor, alle Türen offen zu halten, ja, sie wenn möglich noch etwas weiter aufzustoßen. Das Tor, durch das die Italiener in den Konferenzsaal der fünf Locarno- Mächte einmarschieren sollen, ist nun ganz geöffnet. Großbritannien hat auf diplomatischem Wege in Ankara, in Belgrad und Athen wissen lassen, daß es keine Notwendigkeiten mehr sehe, die Hilfelei­stungsversprechen, die der Türkei, Südslawien und Griechenland im Zusammenhang mit dem abessini­schen Krieg gegeben wurden, noch weiterhin auf­rechtzuerhalten. Als Eden den Unterhausabgeordne­ten Mitteilung von diesem Schritt machte, war da­mit die letzte Etappe im Abbau des Sanktionskrieges erreicht. Die Hilfelei­stungsversprechungen zwischen England und den Mittelmeerstaaten wurden bekanntlich zu jener Zeit abgegeben, als der abessinische Krieg in vollem Gange war, als die italienischen Truppen in 100 000 - Mann-Stärke an der libyschen Grenze ge­gen Ägypten standen, als die Kriegsflotten Ita­liens und Englands in höchster Alarmbereitschaft das Mittelmeer abpatrouillierten und jeden Augen­blick irgendein unglücklicher Zwischenfall die Minen ,3ur Explosion bringen konnte. Welchen militärischen 'Wert die Beistandsabkommen im Ernstfälle für England gehabt hätten, ist für Außenstehende schwer zu beurteilen. Jedenfalls wurde diese Vereinbarung von Jugoslawien überhaupt nicht ratifiziert, und auch die beiden anderen Partner haben an ihr sicher kein großes Vergnügen gefunden. Griechen­land und die Türkei sind seit Jahren schon mit : Italien durch freundschaftliche Abkommen verbun­den, deren innerer Wert allerdings durch die Ent­wicklung der Balkanpolitik inzwischen recht proble­matisch geworden ist. Immerhin erklärten die drei östlichen Mittelmeerstaaten alsbald nach Abschluß des abessinischen Feldzuges, daß sie sich an die Be­stimmungen ihres Beistandsabkommens mit Eng­land nicht mehr gebunden fühlten. Der britischen Regierung blieb nun nichts anderes mehr übrig, als ebenfalls in aller Form von diesem Knsenver- trag zurückzutreten. Damit ist nach der Aushemmg i der Sanktionen durch Völkerbeschluß die letzte Bar­riere gefallen, die Italien formell von einem Wie- i dereintritt in das europäische Konzert zurückhielt.

Wenn das linksgerichtete PariserOeuvre zu melden weiß, daß die römische Regierung als wei- : tere Bedingung für ihre Teilnahme an den La- i carnoverhandlungen die Anerkennung der Erobe­rung Abessiniens durch die einladenden Machte I stelle, so ist diese Behauptung wohl nichts anderes, »als eine üble Brunnenvergiftung, als ein Versuch, 'Mißtrauen zu säen und Spannungen zu erzeugen, ivon denen sich der Marxismus allein einen Vorteil .erhofft. Ein ähnliches Manöver erlebten wir be- i rexts vor einigen Tagen, als die französische Volks- ifront-Presse die durch nichts gerechtfertigte Dermu- itung aufstellte, Mussolini habe den aufständischen Generälen in Spanien das Versprechen aktiver Unterstützung gegeben. Es ist nur bedauerlich, daß s solche Hetzereien, gegen die Deutschland sich auch oft «genug zur Wehr setzen mußte, in Frankreich immer mach geduldet werden. Der Entgiftung der m ter- mationalen Atmosphäre wird mit solchen Mätzchen inicht gedient.

In Italien wurde die Rede Edens zwar zuruck- Ihaltend, aber doch freundlich ausgenommen und es avurde erklärt, daß die Einladung zur Funsmachte- -Konferenz wahrscheinlich angenommen werden Würde. So sind zwar noch nicht alle Strelfragen, Die im Verlaufe des abessinischen Unternehmens -zwischen Italien und England entstanden sind, be- meinigt Anerkennung der abessinischen Eroberung, Wirtschafts- und Handelsfragen, aber es ist em «neuer Anlauf gemacht worden.

Außerdem verzeichnen wir gern, daß Herr Eden, Dessen stille und oft bekundete politische Liebe zu ^Frankreich man nicht vergessen darf, sich auch be­müht hat, für Deutschland einen Bruckensteg mach Locarno zu bauen. Er verwies mit einigem Nachdruck darauf, daß das Kommunique her Mocarno-Restrnächte ausdrücklichbefinden) , also ^endgültig den Blick der Unterzeichnerrnachte »auf die Zukunft richte, und man muß der Mede Edens zudem entnehmen, daß die englische Regierung ihren Fragebogen unerfreulichen Ange- Denkens heute vernünftigerweise als Makulatur an= steht.

düng der Fünfer-Konferenz antworten und über die Wiederaufnahme feiner Mitarbeit entscheiden werde. Diese Prüfung betreffe sowohl die grund­sätzliche Möglichkeit, als auch die Form seiner Mit­arbeit.

Der Rührer an Mussolini.

Berlin, 28.Juli. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat dem königlich italienischen Ministerpräsidenten Benito M u s s o l i n i zu seinem Geburtstag telegraphisch Glückwünsche über­mittelt.

Aus dem Wege zur Reichspolizei.

Ein Drganisationserlast Himmlers.

Berlin, 28. Juli. (DNB.) Der Reichsfüh­rer SS und Chef der deutschen Poli- z e i wendet sich in einem Runderlaß vorn 22. Juli 1936 an die Länderregierungen außer Preußen und gibt für das ganze Reich einheitliche Richtlinien zur Organisation der Gemeinde­polizeiverwaltungen auf der Grundlage der bereits in Preußen durchgeführten Maßnah­men. Sv wird die Dienstaufficht über die Gemeinde­polizeiverwaltungen im ganzen Reich einheitlich ge­regelt. Auch in der Frage der Beschulung werden die Länderregierungen ersucht, die bisher nur für Preußen geltenden Runderlasfe auch in den übrigen Ländern sinngemäß durchzuführen.

Um sich über die P e r s o n a l v e r h a l t n i s s e bei den außerpreußischen Gemeindepvlizeiverwaltun-

Heftige Kämpfe nördlich von Madrid.

Ein telephonischer Bericht des Nenterbüros aus Madrid.Die Entscheidung nur noch eine Sache von Stunden?"