Ausgabe 
29.6.1936
 
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Nachdruck verboten!

11. Fortsetzung.

Verfluchtes Gold!

DRomon von I. Schneider-Zoerstl.

Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

Ach", meinte sie und spürte, wie die blei­erne Müdigkeit, die sie schon auf dem Friedhof überfallen hatte, immer mehr zunahm.Ich habe dir doch gesagt, du sollst sie vergessen, und ich bin heute wirklich am Ende, Wolfgang. Morgen dann--"

Du willst mich vertrösten!"

Wäre dir das so unangenehm?" Sie stand jetzt dicht vor ihm und ließ die Finger langsam über seinen Arm herabstreicheln. Ein hoher Wand­spiegel zeigte ihre beiden Gestalten: schlank, mit schmalen Schultern und einem leicht geneigten Ober­körper, der feine Kopf vom Halse leicht in den Nacken gebeugt. Sie wirkten so gar nicht wie Mutter und Sohn eher wie Bruder und Schwester. r ,

Dann gewahrte Hertha Amselmann einen Aus­druck im Gesicht ihres Sohnes, der fie zusam­menschauern ließ. So hatte ihr Mann sie manch­mal angesehen.Wir wollen schlafen gehen Wolf­gang. Morgen stehe ich dir dann zur Verfügung Obwohl es besser wäre, du wurdest dich nicht mehr an meine Worte erinnern. Aber wie du willst! Für heute gute Nacht, mein Junge.

Gute Nacht!" Er verneigte sich steif.Ich hoffe nicht, daß du ohne Abschied gehst-

Gewiß nicht, Wolfgang, und schlafe so gut es geht. Du wirst morgen eine schwere Entscheidung vor dir haben." . . , . wr

Er war schon an der Tür und kam noch einmal zu ihr zurück.Eine Entscheidung?

Ja!" Sie wollte noch etwas sagen, taumeltt und griff eilig nach der Klinke.Geh bitte! Ich ^Fast^mchörbar^ schloß sich die Tür ihres Zimmers.

*

In Klein-Ellbach gurgelte das Mühlwasser über die mondbeschienenen Kieselsteine. Der Wind ging

je 1OOO PS Normalleistung erhalten hatte, die mit 5000-Dolt-Dynarnos unmittelbar gekupvelt sind. Der mit 5000 Volt erzeugte Drehstrom wird durch Kabel zwei Transformatoren von derselben Größe wie die Dynamomaschinen, d. h. für je 900=kVA=2)auer« belastung, zugeführt und auf 20 000 Volt hochtrans­formiert, um in das bei Lißberg zusammenkom­mende 20-kV-Hochspannungsleitungsnetz des Ueber- landwerkes übergeführt zu werden.

1928 wurde das Nidder-Wasserkraftwerk Lißberg durch einen dritten Maschinen- und Trafo-Satz er­weitert.

Zur Arbeitsbeschaffung und um die Anlagen für das Abfahren der Belastungsspitzen gut ausnutzen zu können, wurden im Jahre 1933 das Staubecken im Nidder- als auch vornehmlich das im Hillers- bachtale erheblich erweitert und durch den Einbau von elektrisch bedienten Stauklappen auf einen um 50 Zentimeter höheren Stau gebracht, so daß diese beiden Staubecken nunmehr folgende nutz­baren Wassermengen aufnehmen können:

der Stauweiher zu Hirzenhain 43 000 cbm, der Stausee im Hillersbachtale 162 000 cbm, zusammen: 205 000 cbm.

Durch den Einbau der genannten Stauklappen sind insgesDntt rund 44 000 cbm nutzbare Wassermenge gewonnen worden, also rund 21 v. H. Bei der durchschnittlichen Ausnutzung mit 3,5 cbm/sek. und 68 Meter Bruttogefälle können 2300 Kilowatt (kW) geleistet werden.

Bei Hochwasser kann die Leistung kurzzeitig aus 3000 Kilowatt (kW) gesteigert werden. Der Inhalt der Stauseen ohne die Stauklappen ermöglichte bei einer Belastung von 2300 kW eine Tagesaus­nutzung während 12% Stunden; nach Aufbau der Stauklappen wurde diese Ausnutzungsmöglichkeit um 31/2 Stunden erhöht.

Die geschaffenen Anlagen und besonders deren rasch durchgeführte Vergrößerung trugen wesentlich zur Senkung der Strompreise des Ueberlandwerkes Oberhessen bei, in­dem durch die in den Staubecken gesammelten Wassermengen unter Benutzung der Kraftanlagen des Nidder - Wasserkraftwerkes bei Lißberg die Spitzenlast abgefahren und dabei eine Verbilligung des von der Preußenelektra (Hefrag, Wölfersheim) bezogenen übrigen Stromes herbeigeführt werden konnte.

Die Arbeiten zur Vergrößerung des Stausees im Hillersbachtale und die Schaffung der sonstigen An­lagen haben zwei Jahre hindurch auf fünf bis sechs Monate fast allen Ar­beitslosen in den Kreisen Büdingen und Schotten Beschäftigung gegeben.

Nas Hillersbach Strandbad.

Das Hillersbachtal-Strandbad, für dessen Schaf­fung der Stausee die glückliche Voraussetzung gab, ist sicherlich eines der neuzeitlichsten und der schön­sten in weitem Umkreis. Die landschaftliche Lage muß einzigartig genannt werden. Nach der Berg­seite zu öffnet sich ein weiter Blick auf die Höhen, die das Tal einschließen. Alte Baumbestände un­mittelbar am Strandbad bieten Schatten, während die eigens geschaffene Sandfläche am See in hell­stem Sonnenlicht liegt. Das Wasser ist klar, an den Ufern seicht, nach der Mitte des Sees wird die Wassertiefe allmählich größer. Inmitten des Teiches steht ein Sprunggerüst.

Den Mittelpunkt der gesamten Anlage stellt das Hotel Hillersbach" bar, das sich auf schönen, gärt­nerisch ausgestalteten Terrassen erhebt und selbst einen schönen Terrassenvorbau hat. Die Gaststätte ist in jeder Hinsicht neuzeitlich ausgestattet. Das Haus fügt sich der Landschaft sehr gut ein, insbe­sondere dadurch, daß die großen Außenwandflächen mit Holz verkleidet sind.

Nie Einweihung.

Zu der Feier der Einweihung des Sees und des Strandbades waren für den vergangenen Samstag jene Volksgenossen eingeladen, die sich um die Uebertragung des großen Projektes in die Wirt­lichkeit verdient gemacht hatten. An der Feier nah­men Vertreter der Partei und ihrer Organisationen, Mitglieder der Provinzialverwaltung und des Pro­vinzialausschusses Oberhessen, ferner die Vertreter des Ueberlandwerkes Friedberg teil.

Musik der Feuerwehrkapelle Lißberg leitete die Feier ein, die in einem großen Zelte stattfand.

Kreisdirektor Dr. Lotz, Gietzen

sprach allen, die am Werke mitgeholfen hatten, im Namen der Provinz Oberheffen herzlichen Dank

aus. Er lobte die Meister, die sich um die Sache sehr verdient gemacht haben, und lobte das Werk ferner als eine Tat der Gemeinschaft. Das schöne Tal solle, so fuhr er fort, nicht nur der Wirtschaft, andern auch der Bevölkerung dienen. Die Kraft olle nicht nur von diesem Tale aus in die Ma­chten strömen, sondern auch in die Menschen. Das Hillersbachtal solle zu einer Stätte der Er­holung für viele Volksgenossen werden. Sodann übergab Kreisdirektor Dr. Lotz die gesamten An­lagen in die treue Obhut des Ueberlandwerkes.

Direktor von Stadler

vom Ueberlanbroerf Friedberg erzählte dann in lau- niger Weise von der Geschichte des Tales und des Kraftwerkes Lißberg, er erläuterte den Weg des Wassers aus dem Stausee heraus über die Tur­binen, die Umsetzung der Wasserkraft in elektrischen Strom, der, so bemerkte er angeregt, durchaus nicht in die Taschen der Provinzialverwaltung fließe, sondern der Wirtschaft dienstbar fei. Das Hotel, das hier erstellt worden fei und im Volksmund bereits basG r undgebührenhaus" genannt roerbe (weil die Meinung sei, baß durch dieses Haus die Grundgebühren für den Strom erhöht würden), fei tatsächlich geschaffen worden, um dereinst die Mög­lichkeit zu haben, die Grundgebühren zu senken. So verdiene das Haus diesen Namen immerhin zu gutem Recht. Aber auch der andere Name des HotelsHotel Oberhessen" bestehe zu Recht: das Haus gehöre der Provinz Oberhessen, liege in Oberhessen, sei für die Oberheffen und liege außerdem oben in Hessen.

In seinen weiteren Ausführungen sprach Direk­

tor von Stadler der Provinzialverwaltung herzlichen Dank dafür aus, daß sie die Mittel für den Aus­bau des Stauweihers und die Schaffung des Bades zur Verfügung gestellt habe. In weiteren Ausfüh­rungen erläuterte der Redner die verschiedenartigen Vorteile, die der Stauweiher in wirtschaftlicher Hin­sicht für die Anlieger am Hillersbach mit sich bringe. Interessant sei übrigens die Tatsache und Oberhessen dürfe stolz darauf fein:

Der hillersbach-Slauweiher habe die ersten elektrisch bedienten Stauwehre der Welt!

Zum Schluß dankte der Redner noch dem Forst­meister K ü h n l e i n und seiner Frau, die in tat­kräftiger Weise das Werk unterstützten.

In einer weiteren kurzen Ansprache forderte das Provinzial-Ausschußmitglied Schäfer- Vadenrod die Anerkennung der großen Leistung für das hier Geschaffene. Das Werk solle nicht nur dem wirt­schaftlichen Nutzen dienen, sondern der Stausee solle auch eine Stätte der Freude werden. Wenn auch das Hillersbachtal bis jetzt nicht weit über die engere Heimat hinaus bekannt sei, so werde doch die Zeit kommen, da man im ganzen Gau Hessen-Nassau, in Württemberg und Baden, in allen angrenzenden Gebieten, dieses Tal kennen werde. Durch die Ein­richtung des schönen Bades müsse uns unsere Hei­mat noch viel lieber geworden fein. Mit einem Gedenken des Führers schloß er seine Ansprache.

Bei einer kräftigen Vesper blieben die Arbeits­kameraden und zahlreiche Gäste noch geraume Zeit bei anregender Unterhaltung beisammen. Wie wir hören, ist für die nächste Zeit eine Besichtigung für Vertreter der Partei, der Wehrmacht und der Behörden vorgesehen.

gehenden Zuschauer den Siegestreffer. Dann schloß Kreisspielwart L u h mit der Siegerehrung die in jeder Hinsicht wohlgelungene Veranstaltung.

Das Ergebnis:

1. To. Lang-Göns 1. Jgd., 30:9 Tore, 16:0 Punkte; 2. Tv. Münchholzhausen 13:3 Punkte; 3. Turnv. Hochelheim, Tv. Groß-Rechtenbach und Tv. Lang- Göns 2. Jgd., mit je 10:6 Punkten.

1900-MG. Batl. S:2.

Das Spiel hat alle Erwartungen übertroffen, denn was beide Mannschaften am Samstag zeig­ten, war mehr alsSommerfußball". Don allem Anfang hatte das Treffen ein solch schnelles Tempo, wie es nur bei wenigen Verbandsspielen festzu­stellen war. Die gezeigten Leistungen standen weit über dem Durchschnitt. Es war ein Spiel, wie es die Zuschauer sehen wollen.

Der Spielverlauf begann mit abwechslungsreichen Aktionen. Die einzelnen Vorstöße der Stürmer­reihen waren stets gefährlich, so daß beide Hinter­mannschaften voll in Tätigkeit treten mußten. In der 18. Minute kamen die Soldaten zu dem Füh­rungstreffer. Einen von Zeiler abspringenden Ball erwischte Keul 2 bis 3 Meter vor dem Tor und schlug ihn wuchtig zwischen die Pfosten. Die An­strengungen der Blauweißen um den Ausgleich waren erst kurz vor der Pause von Erfolg, da es der Jnnensturm nicht verstand, vorher verschiedene gute Chancen auszunutzen.

Nach der Pause verlor das Spiel keineswegs an Tempo. Im Gegenteil. Als die Blauweißen durch Enders und Lippert auf 3:1 davongezogen waren.

OJi.-tfpOTt

Abschluß des Hirzenhainer Segelflug­wettbewerbs.

Flieger-Landesgruppe Hessen an der Spitze.

Lpd. Fliegerlager Hirzenhain, 28. Juni. Nachdem am Freitag infolge der ungünstigen Wit­terung jede Flugtätigkeit ausgefallen war und am Samstag nur einige Dauerflüge im Blickfeld des Fliegerlagers ausgeführt werden konnten, wurde am Sonntagnachmittag der Hirzenhainer Ausscheidungs- Wettbewerb für die Rhön mit einer feierlichen Kundgebung abgeschlossen. Im Beisein der Führer der beteiligten Landesgruppen, Oberstleut­nant Witte (Rheinland), Major Böhmer (West­falen) und Hauptmann Schädel (Hessen), gab an Stelle des Wettbetverbsleiters Dr. O u v r i e r - Darmstadt, der sich im Laufe der. Woche eine Lun­genentzündung zugezogen hat, der Sportleiter Dr. Zumbansen die Ergebnisse des Wettbewerbs bekannt, aus denen die Landesgruppe Hes­sen mit 3910 Punkten als Sieger her­vorgegangen ist. Die Landesgruppe Westfalen sichere sich mit 3732 Punkten den zweiten Platz, während die Landesgruppe Rheinland mit 1651 Punkten erst in beträchtlichem Abstand folgt.

In der Gemeinschaftsleistung ist der Landes­gruppe Westfalen mit 36 Punkten vor Hessen mit 35 Punkten der erste Preis zuerkannt. Neben diesen Gemeinschaftsleistungen sind noch einige Sonder­leistungen hervorzuheben, so der Zielflug des Flie- aers Arends (Aachen), der nach Frankfurt a. M. flog und auf dem Flughafen Rhein-Main landete, und ein zweiter Zielflug nach dem Flugplatz Kistin- gen, der nur aus Mangel an Ortskenntnis nicht restlos bewerkstelligt werden konnte. Die größte Gesamtpunktzahl als einzelner Flieger erreichte der Flieger Schilling-Bottrop, der auch den Zweitlängsten Streckenflug zu verzeichnen hatte. Be­sonders anerkannt wurden weiter die Leistungen des Fliegers Jung-Hirzenhain, der die größte Punktzahl während eines Fluges erreichte, Wil­helm-Hirzenhain, der mit fast 2270 Meter die größte Startüberhöhung erzielte, Heiderich - Düsseldorf, der einen 224-Kilometer-Streckenflug absolvierte, und Krieger von der Landesgruppe XII, der mit sieben Stunden die größte Flugdauer aufzuweisen hat. Auch der Leistung des Fliegers Bro men, dem als jüngsten Piloten des Wettbe­werbs ein Tagespreis zugesprochen werden konnte, wurde gebührende Anerkennung zuteil.

In einer Schlußansprache hob der Leiter der gastgebenden Landesgruppe, Hauptmann S ch ä d e l, hervor, daß dieser Wettbewerb, die Vorberei­tung für d i e Rhön, die in ihn gesetzten Er­wartungen voll erfüllt habe. Er schloß mit einem

Sieg-Heil!" auf den Reichsluftfahrtminister Her­mann Göring.

Nereide" Siegerin im Deutschen Derby

Zum 68. Male wurde am Sonntag in Hamburg- Horn bei strahlendem Sonnenschein und einem Massenbesuch das Deutsche Derby entschieden. Als Vertreter der Reichsregierung wohnten General­oberst Göring und Generalfeldmarschall von Blomberg dem größten deutschen Zuchtrennen bei.

Zum ersten Male nach 21 Jahren gab es wieder einen Stutensieg durchNereide", die in der neuen Rekordzeit von 2:28.8 für die 2400 Meter ganz überlegen vorAlexandra" undPeriander" ge­wann. Im Triumphzug wurde die Siegerin unter ihrem Reiter zur Waage zurückgeführt, und Mi­nisterpräsident Göring schmückte die in neun Ren­nen ungeschlageneNereide" mit dem Lorbeerkranz und demBlauen Bande".

Handball-Blitzturnier in Lang-Göns.

Neun Jugendmannschaften traten auf dem Lang- Gönser Sportplatz zum Kampf um die Urkunde an. Es waren die Jugenden der Turnvereine von Münchholzhausen, Hochelheim, Groß-Rechtenbach, Holzheim, Oberkleen, Ebersgöns und Garbenteich. Dazu kamen die beiden Mannschaften des Platz­vereins. Kreisspielwart L u h eröffnete die Veran­staltung mit einer kurzen Ansprache, in der er auf die Bedeutung und den Zweck des Pflichtturniers hinwies. Er betonte auch, daß dieses Turnier das erste feiner Art im ganzen Gau fei.

Dann begannen die Kämpfe. Man sah vom An­fang bis zum Ende schöne und schnelle Spiele. An Überraschungen fehlte es auch nicht. So gewann die Favoriten-Mannschaft Lang-Göns nach einem hohen Sieg gegen Holzheim und Oberkleen nur äußerst knapp und mit großer Mühe. Münchholz­hausen mußte sich sogar in seinem Spiel gegen Groß- Rechtenbach mit einem Unentschieden begnügen. Aber trotzdem sah man bald, daß für den ersten Platz nur Lang-Göns und Münchholzhausen in Frage kamen. So war auch das Spiel dieser beiden Mannschaften der krönende Abschuß der Veran­staltung.

Dieser Kampf war der schönste und farbigste des Tages. In der ersten Halbzeit, sah man verteiltes Spiel, so daß die Seiten 0:0 gewechselt wurden. Dann wurde der Kampf spannender und rassiger. Durch einen Strafstoß ging Münchholzhausen in Führung. Aber bald holte Lang-Göns nach schönem Zusammenspiel das Tor auf und schoß sogar kurz vor Schluß unter dem Jubel der begeistert mit-

setzten die Soldaten alle Hebel in Bewegung, um das Resultat zu verbessern. Es glückte ihnen aber nicht, denn die Hintermannschaft der Platzbefitzer gab sich keine Blöße. Erst als Enders auf 4:1 ver­besserte, kamen sie durch den Rechtsaußen zum zweiten Treffer. Kurz vor Schluß stellte Enders dann das Endergebnis her.

Die Soldaten stellten eine äußerst stabile Mann­schaft, die ein gefälliges Spiel und großen Eifer zeigte. Beide Torwächter waren gleich gut. Der in der zweiten Halbzeit tätige wurde auf eine härtere Probe gestellt. Die Verteidigung war fchlagsicher und die Läuferreihe, in der der Mittelläufer beson­ders auffiel, war gleich gut in Aufbau und Ab­wehr. Der Sturm hatte verschiedene gute Momente, konnte sich aber gegen die diesmal besonders gut aufgelegte Hintermannschaft der Platzbesitzer nicht immer durchsetzen.

Die Blau-Weißen zeigten eine Leistung, die die Anhänger sichtlich befriedigte. Der Sturm, der vor der Pause manchmal kopflos handelte, war später wie umgewandelt. Läuferreihe und Verteidigung war ohne Tadel, und Schmitt im Tor.an beiden Treffern schuldlos.

1900 LigaKirchhain 1:1.

Das Spiel reichte nicht im entferntesten an das Samstagspiel heran. Die Leistung beider Mann­schaften konnte nicht befriedigen. Die Gäste waren vor der Pause noch einigermaßen gut; später ließen auch sie mehr und mehr nach. Bei den Blau- Weißen machte sich das Dortagsspiel stark bemerk­bar. Besonders der Sturm zeigte sich hiervon stark in Mitleidenschaft gezogen. Die lebendigen Spiel­phasen des Samstagspiels, besonders die der zwei­ten Halbzeit, sah man höchst selten.

Die Gäste waren sofort stark im Angriff und die Hintermannschaft der Platzbefitzer hat alle Hände voll zu tun, um sich dieser Ueberlegenheit zu er­wehren. Der Sturm der Blau-Weißen dagegen kann sich zu keiner geschlossenen Aktion finden, und so mußte Lippert wieder einmal für die Führung sor­gen. Bei einem Eckball ging er nach vorne und im Nachschuß schoß er in die lange Ecke. Hierdurch änderte sich das Bild etwas. Der Erfolg hatte Auf­trieb verliehen und nach der Pause war die Ueber­legenheit ziemlich stark. Die Gäste wurden ganz in ihre Hälfte zurückgedrängt, aber der Sturm konnte von den unzähligen Chancen keine mehr verwerten. Es fah also nach einem knappen Siege aus. Doch in der letzten Minute kam die Wendung: Heilmann spielte einen Ball ungenau zu Zeiler zurück. Der Halblinke fing ihn auf und lief bis kurz vor das Tor und knallte scharf unter die Latte.

Die Gäste hatten eine ausgeglichene Elf zur Stelle, die ein ungekünsteltes Spiel zeigte. Ihr bester Mann war der Mittelläufer. Während der Drangperiode der Blau-Weißen neigte sie zu etwas hartem Spiel. Bei den Platzbefitzern konnte nur die Hintermannschaft einschließlich der Läuferreihe

über die Stoppelfelder und ließ das Blattwerk vor Frau Steffens Fenster rascheln. Drinnen aber in dem kleinen Hause schlich die Erinnerung über knarrende Treppen und drängte sich durch die niedere weißgestrichene Tür, die in Frau Elisa­beths Schlafzimmer mündete.

Das Licht war längst gelöscht, aber sie war noch wach und horchte nach oben, von wo der ruhelose Schritt ihres Sohnes kam.

War nicht gestern noch alles voll Frieden und unaeftörter Harmonie gewesen? Nein, gestern schon nicht mehr! Da hatte Maria Terry bereits unter it)rejn Dache geschlafen. Wie ein Funke, der sich eingenistet, hatte das Mädchen langsam, aber stetig etwas zum Glühen gebracht, was noch hatte schlafen und träumen sollen, viele, viele Jahre lang. Er war erst fünfundzwanzig, ihr Sohn, und bis gestern immer nur ihr Kind gewesen. Sonst nichts.--Und heute?

Sie lehnte den Rücken gegen die Wand des Bettes und horchte nach oben. Für den Augenblick war es still dann ging wieder dieser tastende Schritt hin und her und her und hin. Rolf mochte wohl denken sie höre ihn nicht, wie er wohl gemeint hatte, daß ie nicht merke, wie verändert er nach Hau e ge­kommen war, mit einem Lachen, das nicht fern Lachen war und einem Zug um den Mund, der halb Seligkeit, halb Verzweiflung ausdruckte.

Sie hatte gesagt:Fräulein Terry läßt dich noch grüßen Sie ist unerwartet geholt worden. Und hatte bann gewartet, was er erwidern wurde.

Aber er hatte nur genickt und war dann nach seinem Zimmer hinaufgegangen. Weiter hatten sie kein Wort mehr über das Mädchen 9efP$en. früher als gewöhnlich hatte er ihr gute Nacht ge-

(Fr sei sehr müde.--Und nun konnte er

nicht Waftn und sollte morgen wieder frisch sein für feine schwere Arbeit.

Eine sengende Röte schoß ihr in die Mangern War es recht, daß sie duldete, wie er sich d>° H°nd° schwielig riß? Ein paar kurze Zeilen nur und R° f hatte alles was vielen anderen feines Alters zur Berfüaunastand: Geld, -inen gefüllten Schrank mit Garderobe, Möglichkeit zu Sport und Ausflügen und was es fonft noch für einen jungen Mann Be gehrenswertes gab.

Ach!" Sie horchte wieder nach oben, wo jetzt ein Stuhl gerückt wurde, leise, bedachtsam, um keinen Lärm zu verursachen, und es wirkte doch überlaut in der Stille der Nacht. Genau so überlaut, wie sich ihr Gewissen meldete, das die Vergangenheit wachrief.

Unten auf der Straße ging ein Schritt vorüber, verhielt und ging weiter. Einmal, vor vielen Jahren es mar nicht hier gewesen war auch des Nachts ein Schritt gekommen, hatte Haltgemacht und war dann über den weißen Kies des Gartens geschritten. Aber damals war nicht heute gewesen. Da hatte Rolf noch kleine, pralle Fäustchen gegen die Schläfen ge­brückt gehalten unb im Traum sein seligstes Kinder- lächeln gezeigt.

Dicht vor ihrer Tür war ber Schritt verstummt. Sie hatte nicht geöffnet. Da war er roieber nach der Straße zu geschlichen und hatte sich dort verloren. Unb seither hatte sie ihn nie roieber gehört, bie vielen langen Jahre nicht mehr ...

Oben war es jetzt ganz still. Vielleicht schlief er. Vielleicht auch lag er auf seinem Bett unb meinte. Aber Rolf tat keines von beiben, fonbern ftanb am Giebelfenster unb sah in bie Monbnacht.Am Sams­tag um fünf Uhr einen Kilometer außerhalb ber Stabt." Die Augen halb geschlossen, lehnte er gegen den Fensterrahmen.Trau den Weibern nicht, Steffen! Nein!", stöhnte er.Sie nicht! Sie nicht!'

Ueber die Treppe herauf hastete ein Schritt. Rolf?!"

Ja, Mutter!"

Ist dir etwas?"

Was sollte mir fein?"

Da tappte Frau Steffen wieder die Stufen hinab.

Daß sich die Menschen gerade in den Stunden willigsten Verzeihens so fern waren? Vielleicht war ber Mann, besten Namen sie einmal getragen hatte, in Italien, vielleicht in Rußlanb ober Frankreich, ober sonstwo an irgenbeinem fernen Fleck ber Erbe. Unb bis sie ihn fanb, war alles roieber verlöscht, bie Sehnsucht nach ihm, bie Reue, bas Dergebenroollen, bas ßiebebebürfnis einer einsamen Stunbe.

Die Augen Elisabeths würben schwer. Die Liber schlossen sich.

Eine Katze schlich bie Dachrinne entlang unb turnte kopfüber in ben Garten, wo eine Maus sich zu weit in den Hellen Schein des Mondes gewagt hatte.

Gräser und Blumen schwankten, Duft letzter Rosen stieg empor.

In Frau Elisabeths Schlafzimmer wurde ein Flüstern laut:Nicht, Rudolf! Wenn der Junge er­wacht!" Der Frauenmund lächelte, bot sich willig bem anderen dar, der sich in Leidenschaft zu dem ihren fand.Glaubst du mir nun, daß alles Lüge ist? Alles Verleumdung, alles nur aufgebaufcht, damit ich dich und du mich verlieren sollst? Glaubst du mir?"

Die Frauenhände hoben sich und glitten wieder zurück, halb Gewährung schenkend. Der Kirchturm Klein-Ellbachs warf zwölf Schläge in die Nacht. Daraus wurden in Elisabeths Traum die Hochzeits­glocken ... Sie schwangen und klangen, und unter ihrem Gesang trat sie mit dem Mann ihrer Liebe in die Kirche, myrthenübersät, seidenumrauscht, sprach ihrJa" und war bas glückseligste Weib, dem je ein Mann seine Liebe geschenkt hatte.--Unb

jetzt hielt sie ihren Jungen im Arm unb hob ihn seinem D«^ oatgegen.Ist er nicht ganz wie bu?"

Nein, wie bu, (Beliebtes!"

Unb wieder lächelte bie schlafenbe Elisabeth Stef­fen, während ihre Hände über die Decke strichen. Das waren Rolfs weiche Kinderwangen, die sie jetzt liebkoste. Urplötzlich war der eben noch lächelnde Frauenmund hart.Du betrügst mich! Die ganze Stadt spricht schon davon. Aber der Junge ge­hört mir! Mir, mir, mir allein! Es ist das einzige, das ich mir nicht nehmen laste. Geh du, wohin du willst! Aber das Kind muß mir bleiben!"---

Mutter", flüsterte vom Gang her Rolfs Stimme. Mutter, es ist fünf Uhr?"

Sie hörte ihn nicht. Ihre Hände flogen über dis Decke, packten Kleider, Wäsche, Schmuck, Spielzeug, Mäntel und Hüte in Koffer und Schachteln. Ihr Atem keuchte. In einer Stunde mußten sie fort fein. Wenn er zurückkehrte, sollte er das Haus leer finden...

Mutter--!"

Ja, mein Junge, ja! Gleich sind wir fertig! Gleich, mein Liebling!"

Rolf schüttelt den Kopf und geht leisen Schrittes die Treppe hinab. Er macht nicht das geringste Ge­räusch. Dämmer liegt über bem Garten. Der schwache Ton der Frühglocke schwimmt über die Blumen hin.

(Fortsetzung folgt!)