Ausgabe 
29.5.1936
 
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Hundert Jahre Technische Hochschule Darmstadt.

Der Höhepunkt der Darmstädter Iubiläumstage.

LPD. D a r m st a d t, 28. Mai. Am Donnerstag fand eine Gemeinschaftsveranstaltung des NS. - Bundes deutscher Techniker und der Reichsvereinigung der tech­nisch-wissenschaftlichen Arbeit statt, in der vor allem auf die Meliorationen und Siedlun­gen im Gau Hessen-Nassau hingewiesen wurde. Der Gauobmann der technischen Vereine im Gau Hes­sen-Nassau, Dr. Scholz (Frankfurt a. M.), ver­breitete sich zunächst über die Frage, was in Hes­sen getan worden ist, namentlich auch mit Hilfe der Technik, um in jeder Beziehung voranzukommen. Er wies auf die Qualitätsindustrien in Hessen hin, vor allem auf die Auto- und Leder­industrie, ferner die chemische, optische und elektrische Industrie. Auch die Edelsteinindustrie in Hanau müsse er erwähnen. Alle diese Industriezweige wür­den zur Hebung der Ausfuhr erheblich beitragen. Die Organisation des NSBDT. RTA. solle keine Klassen- und Standesabgrenzung sein, sondern eine Sammlung von Berufskameraden zur Erreichung des Fortschritts der Technik zum Wohl des ganzen Volkes.

Dann sprach

LandesbauernsührerDr.Wagner, der die Aufgaben der Landeskultur in ihrer Auswirkung auf das Bauerntum entwickelte.

Im Mittelpunkt der Darmstädter Jubiläumstage stand eine Feier st unde am Donnerstag. An­nähernd 4000 Festgäste aus dem In- und Ausland hatten sich in der Darmstädter Festhalle eingefun­den. Unter den Ehrengästen sah man u. a. den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger und den Beauftragten des Führers für die Technik Dr. Todt. Die akademische Feier wurde mit herzlichen Begrühungsworten des Rektors Dr.-Jng. H ü b e - ner eröffnet.

Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger

überbrachte die Wünsche des Führers und der Reichsregierung. Mit großem Beifall wurden auch die persönlichen Glückwünsche des Reichsstatthalters ausgenommen. Von der geschichtlichen Seite aus betrachtet sei die Technische Hochschule sehr rasch vorangeschritten. Sie habe auf einigen Gebieten, besonders auf dem elektrotechnischen Gebiet, die Füh­rung gehabt und sich Weltruhm erworben. Man könne mit großen Hoffnungen in das zweite Jahr­hundert der Hochschule eintreten. Adolf Hitler, unser Führer, sei der Traum des deutschen Volkes nach Einigkeit, Eintracht und Gemeinschaft. Jeder einzelne an seiner Stelle sei nur ein Teil der Ge­samtheit, aber im Dienst der gesamten Nation. Auf dieser Grundlage der neuen Geistesauffassung und Zielrichtung habe auch die Technische Hochschule ihre Aufgaben gestellt erhalten. Wenn die Technische Hochschule in den Gedanken Adolf Hitlers sich ihren Aufgaben bewußt ist, wird sie auch neuen Anforde­rungen gerecht werden können. Die Jugend aber übernehme die Verpflichtung, das auf neuer Grund­lage aufgebaute Werk der Wissenschaft fortzuführen und zu erfüllen. Der Führer sehe sein höchstes Ziel darin, des deutschen Volkes Art auf Jahrtausende zu erhalten. Reihe sich die Technische Hochschule als Mitträger dieser Idee in die neue Zeit ein, so werde sie jederzeit der Achtung des Volkes, des Schutzes und der Förderung der Behörden und der Mitarbeit aller echten Deutschen gewiß sein.

Für den Reichswissenschaftsminister überbrachte

Professor Dr. Zacher

die Glückwünsche zur Jubelfeier. Er sprach über den Wert der schöpferischen Kräfte. Der deutsche Ingenieur der Zukunft könne nur dann Beachtliches leisten, wenn die schöpferisch gestaltenden Kräfte, die in ihm schlummern, ihrer Aufgabe zugeführt wer­den. Der Werdegang des deutschen Ingenieurs müsse von der Grundlage der Forschung ausgehen. Prof. Bachör gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Technischen Hochschulen bis zur heutigen Gleich­berechtigung der technischen Fakultäten innerhalb der Universitas. Wir leben heute, so führte er wei­ter aus, im glückhaften Zeitalter der geistigen Syn­these, in der die Wissenschaft von einem einheitlichen Zentralpunkt aus gesehen wird. Bezüglich einer Re­form des technischen Hochschulstudiums gab Dr. Ba­ch ö r die Anregung, dem Studenten erhöhte Mög­lichkeit zur freien Forschung zu geben.

Weiter überbrachte Kreisleiter Oberbürgermeister W a m b o l d t die Glückwünsche der Stadt, die be­sonders stolz auf ihre Technische Hochschule sei. Für die deutschen Hochschulen einschließlich der Hoch­schule Danzig gratulierte der Rektor der Gießener Universität, Professor Dr. Pfähler. Freudig be­grüßt wurde Prof. Dr. L i st, der für die Technischen Hochschulen Wien, Brünn, Prag Kopenhagen und Drotheim herzliche Grüße der Auslandshochschulen überbrachte. Der Stabsleiter der Reichsstudenten­bundsführung Walch er brachte die Wünsche des Reichsstudentenbundsführers zum Ausdruck.

Verleihungen und Ehrungen.

Die nun folgenden Ehrungen der Technischen Hochschule und des VDJ. wurden von der Fest­versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber wurde verliehen an die Herren Sverre Pedersen, Professor an der Technischen Hochschule Drontheim (Norwegen), Professor Ivar Tengbom in Stockholm, Wolmar Knut Axel F e l l e n i u s, Professor an der Technischen Hoch­schule Stockholm, Ronald Krake Evans, General­direktor der Adam Opel A. G. in Rüsselsheim, C. B. Thorne, Vizepräsident der Canadian Internatio­nal Paper Co. in Hawkesbury, Ontario (Kanada), Jakob Buchli, Präsident des Verwaltungsrats der Schweizerischen Lokomotio- und Maschinenfabrik in Winthertur (Schweiz), Arthur Edwin Sen» nelly, Professor an der Harvard University in Cambridge (USA.), Professor Dr. Arne Westgren, Direktor des Chemischen Instituts der Universität Stockholm, Professor Dr. Ilmari Sonst) orff, Direktor des Finnischen Geodätischen Instituts in Helsingfors, Professor Hofrat Dr. Hans M o l i s ch in Wien und Professor Dr. phil. Niels Erik r° lund, Direktor des Dänischen Geodätischen Jnsti-

Wenn im Reichserbhofgesetz verlangt würde, daß der Bauer seine Scholle ordentlich bestelle, wenn diese Forderung auch auf alle andern, die deutschen Boden bewirtschaften, aus­gedehnt werden müsse, dann sei es Pflicht des Staates, alles zu tun, um auch das letzte zum Ackerbau verwendbare Stückchen Land ackerbau­fähig zu machen. Bei der planmäßigen Neuord­nung des Raumes in unserem engeren Gebiet be­deute das schon in den Jahren des Kampfes auf­gestellte nationalsozialistische Melio- rations-, Arbeits- und Siedlungs­programm die Grundlage, auf der jede weitere Einzelarbeit aufgebaut werden müsse. Drei Ziele seien es, die erreicht werden sollten: 1. Die be­schleunigte Durchführung der Feldbereini­gung, 2. die volle Nutzbarmachung des sich noch häufig findenden O e d l a n d e s , 3. die Schaffung neuen Bauerntums

Zum Schluß wurde ein Film vorgeführtWir in Hessen". Dabei erläuterte Landeskulturrat Reich das Meliorations- und Siedlungsprogramm in Hessen, soweit es bisher zur Ausführung ge­kommen ist. Er hob besonders hervor, daß in ver­schiedenen Arbeitsabschnitten vorher sumpfiges und unbebaubares Land bereits fruchtbar gemacht und vielen Volksgenossen die Möglichkeit zur Ansiedlung gegeben wurde

tute, Präsident der Dänischen Akademie der Wis­senschaften in Kopenhagen.

Der Verein deutscher Ingenieure verlieh dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn und Vor­sitzenden des Verwaltungsrats und Vorstandes der Gesellschaft Reichsautobahnen Dr.-Jng. e. h. Julius Dorpmüller seine höchste Auszeichnung, die Grashof-Denkmünze. Zum Ehrenmitglied des VDJ. wurde Generaldirektor Dr.-Jng. e. h. Karl Rein­hardt ernannt für seine hervorragenden Leistun­gen auf den Gebieten des Kraftmaschinenbaues und der Aufbereitungstechnik sowie für seine großen Verdienste als Vorsitzender des VdJ. in den Jahren 1918 bis 1921. Der VDJ.-Ehrenring für Arbeit und Leistung wurde verliehen an Diplom-Ingenieur Kurt Erhard Wolfram H i r t h für die Förderung der Grundlagen des Segelfluges in praktischer Fliegertätigkeit und wissenschaftlicher Arbeit und an Dr.-Jng. Heinrich Leo K o r s ch a n für hervor­ragende Leistungen auf wehrtechnischem Gebiet Das VDJ.-Ehrenzeichen erhielt . Direktor Karl Waninger in Anerkennung seiner großen Jnge- nieurleistungen. Nach den Ehrungen ergriff der Rektor der Technischen Hochschule.

Pros. Dr.-Jng. Hübener

das Wort zu einer Ansprache, in der er die Auf­gaben der Hochschule umriß. Er teile u. a.: An der Schwelle des ersten Jahrhunderte haben wir die Frage nach der weiteren Gestaltung der Hoch­schule in Bezug auf Lehre und Forschung zu be­antworten. Man hat nach dem Zusammenbruch der Technik den Porwurf gemacht, daß sie die Ursache des kulturellen und wirtschaftlichen Elends gewesen sei. Es hat sich aber gezeigt, daß eine Bekämpfung des technischen Fortschrittgeistes falsch ist. Lediglich seine Auswüchse sind zu beseitigen. Nicht durch Un­terdrückung der Jngenieurkunst, sondern durch ihre verständige Weiterbildung werden wir den Lebens­stand des deutschen Volkes verbessern. Zur Errei­chung dieses Zieles haben auch die Hochschulen das ihre beizutragen durch weiteren Ausbau von For- chung und Lehre. Die Lösung der Aufgabe ist chwierig, denn der Unterricht der Hochschulen ist tark von der schnellen Entwicklung der Technik ab­hängig. Daher ist es Aufgabe der Hochschule, ihren Organismus nicht veralten zu lassen. Nur so läßt sich das Ziel der Hochschule, Ingenieure heranzubilden, die später im Leben befähigt sind, sich ein umfassen­des Urteil zu bilden und eigene Lösungen zu finden, erreichen. Das Ziel muß sein, daß unser Stand wie­der führende Persönlichkeiten hervorbringt, die schöpferische Gestaltungskraft mit tiefem Verantwor­tungsgefühl gegenüber ihrem Volke vereinen.

Direktor Dipl.-Zng.Iahne- Frankfurt

sprach überAufgaben des Ingenieurs in der chemischen Industrie". Diese Auf­gaben umfassen fast alle Fachrichtungen der Jnge- meur-Wissenschaft. Besonders hervorragend sind da­bei die Energiewirtschaft, die Gestaltung und die Betriebstechnik beteiligt. Bei der Energiewirtschaft liegt die besondere Eigenart des chemischen Betrie­bes in der Anwendung der Energien in den ver­schiedensten Formen und zu besonderen Zwecken. So

wird die Wärmeenergie bei höchsten Dampfdrücken erzeugt, die Kälte bei den tiefsten Temperaturen ge­braucht. Elektrizität, Gas und Kohle werden neben­einander verwendet. Auf dem Gebiete der Gestal­tung hat die Einführung des Einzelantriebes, die Anwendung der Schweißtechnik, der Sonderstähle und des Oberflächenschutzes umwälzend gewirkt. Die besondere Aufgabe des Ingenieurs in der Betriebs­technik besteht heute darin, den chemischen Betrieb, das wissenschaftliche Laboratorium, den Versuchs- raum technisch zu beraten, wenn es gilt, ein Ver­fahren betriebsmäßig auszugestalten.

Mit dem Gesang der nationalen Lieder und mit dem Auszug des Lehrkörpers und der Studenten­schaft fand die Feierstunde ihr Ende.

Die Zung-Zngenleure in Front.

Aus Anlaß der Jubiläumsfeier des VDJ. hielten die Jung-Jngenieure in Darmstadt eine Sondertagung ab. Im Mittelpunkt ihrer Veranstal­tung stand das politische Wollen des Jung-Jnge- nieurs. lieber dieses Grundthema machte Reichs- schulungsobmann Dr. Stäbe! (Berlin) bemer­kenswerte Ausführungen. Eine weitschauende Staatsführung habe dem Techniker und Ingenieur große Aufgaben im Interesse der Lebenserhaltung des Volkes gegeben. Damit widerlege der National­sozialismus gleichzeitig das Märchen, er sei ein Feind der Technik und des Fortschritts. Vielmehr sehe der Nationalsozialismus in den technischen Er­rungenschaften das großartige Ergebnis nordischen Forscherdranges, der sich nach schwierigsten Kämp­fen gegen eine starre Dogmatik durchsetzen konnte. Dr Stäbe! verkündete, daß in Zukunft jeder Ange­hörige des NSDStB., der auf einer deutschen tech­nischen Hochschule oder Fachschule studiere, nach dem vierten Semester auf der Hochschule ober dem dritten Semester auf der Technischen Fachschule als Gastmitglied in den NS.-Bund deutscher Technik ausgenommen werde. Damit wird ein für allemal ein ununterbrochener Uebergang von der Berufs­ausbildung zur berufsständischen Organisation sichergestellt.

Ratsherr Ingenieur Karl Kasper (Berlin) be­handelte das ThemaJungingenieur und B e r u f s st a n d". Es ist zunächst festzustellen, wer überhaupt in die deutsche Jngenieurschaft hineinge­hört. Ihre größte und wichtigste Aufgabe wird darin bestehen, den Ingenieur zu einer möglichst hohen Berufsauffassung zu erziehen. Man werde dann auch zu einer Ehrengesichtsbarkeit kommen.

lieber den Sinn der fachlichen Gemeinschafts­arbeit sprach der Obmann der Berliner Junginge­nieure Dr. F ö h l. Die fachliche Arbeit in der kameradschaftlichen Arbeit der Jungingenieure solle den jungen Berufskameraden durch das Erlebnis der fachlichen Gemeinschaftsarbeit auf einem Teil­gebiet den Blick öffnen dafür, daß er als Mitschaf­fender in einer großen Front der Technik steht.

Sie Glückwünsche des Führers und Hermann Görinas.

Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat der Technischen Hochschule Darmstadt zu ihrer 100-Jahr-Feier feine herzlichen Glückwünsche tele­graphisch übermittelt. Auch Generaloberst Göring übersandte zur Jubiläumsfeier ein Glückwunsch­telegramm.

Oer Ausklang: Großes Volksfest im Darmstädter Schloß.

Den Abschluß der Darmstädter Jubiläumsfeier­lichkeiten bildete am Donnerstagabend ein großes Volksfest auf den Wällen des Darmstädter Schlosses und in seinen Höfen, die alle festlich illuminiert waren. Zehntausende von Besuchern verbrachten bei schmetternden Weisen verschiedener Musikkapellen im Weindorf, in den Bierzelten und im Glochenhos einige frohe Stunden im Kreise ihrer früheren Studenten. Der F a ck e l z u g der Studenten der Technischen Hochschule wurde bei dem Vorbeimarsch am Schloß von den Festgästen freudig begrüßt. Das frohe Treiben im Schloß und auf den Tanz­flächen dauerte bis in die schöne sternübersäte Maiennacht hinein.

Stelldichein der Wandergesellen.

Bekanntlich sind in diesem Jahr 1000 deutsche Handwerksgesellen aus allen Teilen des Reiches auf die Wanderschaft geschickt worden. Zirka 500 Gesellen, die sich um diese Zeit auf der Wanderschaft durch Hessen-Nassau und Das Rheinland befinden, werden während des Reichshandwerkertages in Frankfurt a. M. in einem Gemeinschafts­lager zusammengezogen. Sie werden in einer Sonderkundgebung aufmarschieren. Voraussichtlich werden Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Reichshandwerksmeister Schmidt bei dieser Ge­legenheit grundsätzliche Ausführungen machen.

:DNB

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Gin Ausschnitt aus der Festversammlung. Von rechts nach links der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr. D o r p m ü l l e r, in der Hand die ihm verliehene Grashof-Gedenkmünze, die höchste Auszeichnung des Vereins Deutscher Ingenieure; neben ihm der Inspekteur für das deutsche Straßen- wesen, Dr. Todt, und Dr.-Jng. Schult, der Präsident des VDJ.

(DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Jakody.)

Eindrucksvolle Feierstunde in der Festhalle.

Das Programm derNex-Bewegung m Belgien

Brüssel, 29. Mai. (DNB.) Der Führer dec Rex-Bewegung, Löon D e g r e l l e, der vom König empfangen wurde, hat derLibre Belgigue" er­klärt, er sei gegen eine Beteiligung seiner Bewegung an der Regierung. Es gebe nur ein Ministerium, das er unter ganz bestimmten Bedingungen anneh­men könne, nämlich das Justizministerium. Dann werde die große Säuberung beginnen, zunächst bei den großen Finanzinstituten. Seine Bedingungen für die Annahme dieses Postens seien: Abberufung der Gouverneure der National» bank und der Nationalen Jndustriekreditbank so­wie der Rücktritt aller Polittker, die Aufsichtsposten inne Haden. Ferner werde er die sofortige Ein­setzung eines Sondergerichts mit der Bezeichnung Säuberungsausschuß" fordern.

Einer Regierung, die nicht imstande sei, den Staat zu säubern, könne ihn auch nicht aufbauen. Van Zeeland wolle das Land von oben herab reinigen. Er dagegen wolle jeden einzelnen Bürger reinigen. Die große Mehrheit der Bevölkerung wolle eine tiefgründige Reform, so wie sie die Rex-Be­wegung anstrebe, die ' in sechs Monaten 270 000 neue Anhänger gewonnen habe. Wir werden für alles stimmen, was gerecht und vernünfttg ist und im nationalen Interesse liegt. So für den Staats­halt und für die Gesetze über die Landesverteidi­gung; wir werden die Religionsfreiheit verteidigen und für alle Gesetze eintreten, die vom sozialen Standpunkt wünschenwert sind.Wenn die jetzt kommenden Regierungen nacheinander gestürzt sind, dann ist die Stunde für uns gekommen. Man wird uns dann rufen, damit wir die Verantwortung übernehmen. Wir sind entschlossen, eine außer­parlamentarische Regierung aus wirklichen Fach­leuten zu bilden, eine Regierung, aus der alle Poli­ttker im schlimmen Sinne des Wortes ausgeschlossen sind."

©er polnische Besuch in Belgrad.

Warschau, 29. Mai. (DNB. Funkspr.) Als positive Ergebnisse des Besuches des polnischen Außenministers Beck in Belgrad stelltGazeta Polska" die Herstellung einer engeren Zusammen­arbeit fest. Die Ansichten Becks und Stojadinowitschs über die internationale Lage stimmen weitgehend überein, was die künftige diplomatische Arbeit beider Staaten erleichtern werde. Beide Minister hätten beschlossen, an jedem aufbauenden Plan für die künftige Organisation der internationalen Zu­sammenarbeit, der vorgeschlagen werde, mitzuarbei- ten. Diese Pläne müßten jedoch die Gleichheit und die internationale Solidarität zur Grundlage haben und die berechtigten Belange der beiden Staaten berücksichtigen.

Der neue englische Kolonia'minister.

London, 28. Mai. (DNB.) Zum Nachfolger des vor kurzem zurückgetretenen Kolonialministers Tho­mas wurde am Donnerstag der bisherige Kom­missar für öffentliche Arbeiten W. G. A. O r m s b y - Gore ernannt. Ormsby-Gore hat bereite feit meh­reren Jahren dem nationalen Kabinett als Kom­missar für öffentliche Arbeiten angehört. Er ist 1885 geboren und war während des Krieges im Nach­richtendienst im Orient tätig. 1922 wurde er zum erstenmal Unterstaatssekretär für die Kolonien und versah dieses Amt bis zum Jahre 1919. Er war ferner Mitglied der britischen Abordnung für die Versailler Friedenskonferenz. Ormsby-Gore gehört der Konservativen Partei an und vertritt den Wahl­kreis Stafford.

Kleine politische Nachrichten.

Botschafter von Ribbentrop startete am Donnerstag um 14 Uhr vom Flughafen Tempelhof zu einem privaten Aufenthalt nach England, wo er die Feiertage als Gast Lord Londonderrys in Nord­irland verbringen wird.

Das Hauptamt für Beamte in der Reichsleitung der NSDAP, veranstaltet gemeinsam mit dem Amt für Beamte des Gaues Groß-Berlin am Donners­tag, dem 4. Juni d. I., in der Deutschlandhalle eine Kundgebung der' Beamtenschaft, auf welcher der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, richtunggebende Aus­führungen machen wird.

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Die Abendausgabe der in Turin erscheinenden Gaßze11a del P o p o l o" vom 26. d. M., die eine sensationell aufgemachte Landkarte über a n g e b l i ch e deutsche Gebietsansprüche in Europa veröffentlicht hatte, ist auf Veranlassung des italienischen Presse- und Propagandaministe­riums beschlagnahmt worden.

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In einem feierlichen Kronrat wurde a l s Krönungstag d e s britischen Königs Eduard VIII. Mittwoch, der 12. Mai 1937, bestimmt. Am Freitag werden die Wappen­herolde des Königs den Krönungstag feierlich aus­rufen.

Oas Berliner Baugrubenunglück vor Gericht.

Im Berliner Bauunglücksprozeß war die Zeu­genaussage des Photographen Fritz B e t t g e von erheblicher Bedeutung. Dieser hat im Auftrage der Berlinischen Baugesellschaft wenige Tage vor dem Einsturzunglück Aufnahmen für Werbezwecke an- gefertigt, die im Prozeß schon des öfteren eine Rolle spielten. Von der Verteidigung war die Ver­mutung geäußert worden, daß der Zeuge einige Aufnahmen, die er schon am 12. August gemacht hatte, mit dem Datum des 16. August des näch­sten Aufnahmetages versehen hatte. Der Zeuge erklärte jedoch, daß die auf den Photographien auf­gestempelten Daten den jeweiligen Aufnahmetag richtig bezeichnen. Großes Interesse erregten die weiteren Bekundungen dieses Zeugen, die er über die starken Erschütterungen durch den Straßenver­kehr machte. Als er am 12. August die ersten Auf­nahmen machen wollte, hatte er die Absicht, eine fahrende Straßenbahn mit auf das Bild zu brin­gen. Dies fei ihm aber nicht gelungen; er bemerkte bann jedesmal, daß beim Vorbeifahren der Bahn eine so starke Erschütterung entstand, daß bas Bild verwackelte. Nach dreimaligen vergeblichen Versuchen sah er sich schließlich gezwungen, eine Straßenbahn an der Haltestelle aufzunehmen. Der Zeuge erklärte weiter, daß auch der starke Auto- busoerkehr erhebliche Erschütterungen verursachte.