Ur. 124 Erstes Blatt
186. Jahrgang
Freitag, 29. Mai 1936
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Festlicher Auftakt zu den Ehrentagen der Kriegsmarine
Der Führer und Reichskanzler in Kiel. — Teilnahme an Llebungen der Flotte.
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Mit 17 Jahren, 1867, trat Litzmann in das Garde-Pionierbataillon ein und nahm dann am Feldzug 1870/71 teil. Das Eiserne Kreuz eroberte er sich bei der Einnahme von Paris. Seine hervorragenden Leistungen führten ihn dann in den nach- fogenden Friedensjahren von der Kriegsakademie über Frontkommandierungen zum Großen Generalstab. 1902 wurde er, nachdem er verschiedene Kommandos innehatte, zum Direktor der Kriegsakademie ernannt. Am 1. April 1905 reichte er aus freiem Entschluß den Abschied ein, der ihm mit besonderer
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seiner Ankunst im Zuge. Auf dem Bahnsteig waren zum Empfang erschienen: der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, der Kommandierende Admiral der Marinestation der Ostsee Admiral Albrecht, der Befehlshaber im Luftkreis VI Generalleutnant Zander, der stellvertretende Gauleiter Schleswig-Holstein. Als der Führer zur Bahnhofsvorhalle schreitet, braust ihm ein Jubelsturm der begeisterten Volksgenossen entgegen. Die Heilrufe pflanzen sich wie eine Welle zu den vor dem Bahnhofsgebäude wartenden Tausenden fort.
Der Führer schreitet die große Freitreppe des nach der Hasenseite zu gelegenen Bahnhofsportals hinab. Der Präsentiermarsch erklingt. Die Ehrenkompanie der Kriegsmarine steht mit präsentiertem Gewehr mustergültig in Reih und Glied. Mit Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg und Generaladmiral Raeder schreitet der Führer die Front ab. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied erklingen. Immer neu brausen die Heilrufe über den Platz. Langsam schreitet der Führer zur Bahnhofstreppe, wo eine neue Jubelwclle vom gegenüberliegenden Hafenufer herüberklingt, aus dem die großen Werftanlagen liegen. Dort stehen die Männer im Arbeitskittel, um ihrem Führer zu huldigen. Der Führer betritt ein Boot der Kriegsmarine, in das der Reichskriegsminister und der Oberbef.ehlshaber der Kriegsmarine ebenfalls einsteigen. In diesem Augenblick dröhnen 21 Schuß Salut über das Wasser.
Die Begeisterung der Bevölkerung ist grenzenlos Mit einem Schlage hat sich das beschaulich ruhige Bild des Hindenburg-Ufers mit feiner prächtigen Promenade geändert. Dort herrscht jetzt ein beängstigendes Schieben und Drängen, da alle das vorübergleitende Boot des Führers sehen wollen. Wir haben Mühe und Not, uns mit dem Auto einen Weg durch die Menge zu bahnen. Auf allen Gesichtern strahlt nichts als Freude. Die Jugend steht in
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Kiel, 29. Mai. (DNB.) Die deutsche Flotte wird am Freitag in der Kieler Bucht vor vielen Zuschauern, darunter Ehrengästen aus allen Teilen des Reiches, Hebungen abhalten. Die Ehrengäste befinden sich größtenteils an Bord des Dampfers „Roland". Drei Dampfer werden Mitglieder des Nationalsozialistischen Deutschen Marinebundes in die Kieler Bucht hinausbringen. Vor den Augen der Zuschauer wird sich ein in seinen einzelnen Phasen fesselndes Bild abwickeln, bei dem auch hie junge U-Boot-Waffe eingesetzt wird. Nach einem Feuerüberfall läuft ein Panzerschiffverband unter Nebelverwendung wieder vom Feinde ab.
Im Anschluß an die Flottenübungen sammeln sich die Kriegsschiffe zur Flottenparade, die den Höhepunkt des Tages bilden wird. In acht Gruppen wird der Vorbeimarsch der Kriegsschiffe erfolgen. In der ersten Gruppe werden die drei Panzerschiffe an der Spitze in Kiellinie vorüberrauschen, ihnen werden sich vier Kreuzer, zwei Artillerieschulboote und das Vermessungsschiff „Meteor" anschließen. Es folgen in den anderen Gruppen die Torpedo-Boote, die Leichtflottillen, Minensuchflottillen und Versuchsboote und andere Spezialschiffe. In der sechsten Gruppe läuft hinter dem U-Boot-Begleitschiff „Saar" eine Reihe U-Boote, darunter die U-Boot-Flottille „W e d d i g e n"; das Räumbootbegleitschiff „Zielen"
Auszeichnung gewährt wurde. — Im Ruhestand befaßte er sich mit militärschriftstellerischen Arbeiten, in denen er mit der ganzen Wärme seines Herzens und mit genialem Vorausahnen für die Notwendigkeit der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes und seine Vorbereitung für den drohenden Krieg eintrat.
Am 18. Oktober 1914 wurde Litzmann Kommandeur der 3. Gardedivision. Seine ausgezeichnete strategische und taktische Befähigung hatte damit das ihr passende Betätigungsfeld. Der kühne Durch- bruch nach Brzeziny am 23.Z24. November 1914 sah ihn zu nächtlicher Stunde zu Fuß inmitten der preußischen Garde, seine Soldaten anfeuernd zu letztem Heldentum. Hier wurde er zum „Löwen von Brzeziny", wie ihn seine Männer nannten. Bei Lodz, in der Winterschlacht in Masuren, bei der Erstürmung von Kowno, der Eroberung Wilnas und bei der Abwehr der Brussilow-Offensive, überall war er mit seinen Soldaten trotz teilweise unterlegener Mittel siegreich. An der Westfront, an die er sich auf eigenen Wunsch versetzen ließ, zwang ihn bald Krankheit, den Abschied zu nehmen.
Selbstverständlich und schlicht, wie es stets seins Art war, hat er sich unter die Kämpfer des Führers gereiht. Den höchsten Wunsch seines langen Lebens sah er erfüllt: Ein stolzes Volk, geeint im Gauben an den Führer! Zu seinem 85. Geburtstag ehrte der Führer seinen alten Kampfgefährten, und niemand, der dabei war, vergißt wohl den Ausdruck tiefer Verehrung und Dankbarkeit, mit dem der Sieger von Brzeziny den Frontsoldaten Adolf Hitler ansah. Es war eine Ehrung im kameradschaftlichen Ge« denken, die den schönen Lebensabend dieses tapferen Mannes mit Licht und Sonne überstrahlte.
land mit Freude auf sie. Denn sie ist sichtbarster Repräsentant des deutschen Ehrbegriffs und der deutschen Geltung draußen in der Welt." Er hat ihr durch das Flottenabkommen mit England vom Juni 1935 eine klare Stellung unter den politischen Machtmitteln des Reiches geschaffen. Die Marine steht auf Ueberlteferung, Leistungen und Erfahrungen der Flotte des Weltkrieges und weiß, daß sie die ihr gestellten Aufgaben im Frieden und im Krieg erfüllen wird.
ganz im Zeichen dieses großen Ereignisses. Durch die Straßen bewegen sich Tausende von Teilnehmern, und seit Mittag rollen in unaufhörlicher Folge die Teilnehmer der Skagerak- Gedenkfahrt in ihren Autos am Ziel auf dem städtischen Parkplatz am Kieler Hauptbahnhof ein. Sie kommen aus allen Gauen des Reiches. Im allgemeinen haben die Zielfahrer des DDAC. unterwegs recht gutes Wetter gehabt, so daß sie vielfach früher als gehofft in der Kriegsmarinestadt eintreffen. Die Fahrtteilnehmer erhalten zur Erinnerung eine Plakette, die den Schattenriß der früheren „Seydlitz" wiedergibt. Das Gros der Zielfahrer wird am Freitag erwartet. Den Wettfahrern winken hervorragende Preise, an erster Stelle die silberne Schale des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Generaladmiral Raeder.
Im Hauptquartier des NS.-Deutschen Marinebundes, der für die Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmer an den Ehrentagen zu sorgen hat, herrscht Hochbetrieb. Es sind 23 Standquartiere in Kieler Hotels und Gaststätten eingerichtet worden, und schon jetzt, wenige Stunden nach dem Auftakt der Feierlichkeiten, zeigt sich, daß die Hotels restlos überfüllt sein werden. Darüber hinaus sind Tausende von Privatquartieren bereitgestellt. Für einen großen Teil geschlossener Formationen steht der „Hilfszug Bayern" zur Verfügung, der schon feit einer Woche in Kiel weilt. Für die Polizei, für das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen haben große Tage verantwortungsreicher Arbeit begonnen. Aeußer- lich zeigt sich das im Stadtbild durch eine außerordentliche Verstärkung der Verkehrsposten. Selirst- verständlicki nimmt die Jugend der Kriegsmarinestadt einen besonderen Anteil an den Ehrentagen. In den Kieler Schulen sind während dieser Tage viele Skagerak-Bilder als Prämien verteilt worden. Einige Betriebe werden ihren Gefolg-
Jn blitzschnellem Entschluß wählt er das einzig mögliche Mittel; er greift selbst nut Ungestüm an. Seine Granaten verursachen auf dem Kreuzer einen Brand, auf einem Zerstörer eine Explosion. Verblüfft dreht der überraschte Feind ab und laßt die
General Ohmann gestorben.
Neuglobsow, 28. Mai. (DNB.) General der Infanterie a. D. Karl Litzmann ist am Donnerstag um 20.30 Uhr in Neuglobsow im Kreis Ruppin (Mark) im 8 7. Lebensjahr verstorben.
Kiel, 28. Mai. (DNB.) Die großen Feierlich- . feiten aus Anlaß der am Samstag in Laboe erfolgenden Einweihung des Mari ne - >Ehrenmals haben heute ihren Auftakt genommen, nachdem schon am Tage zuvor ganz Kiel im Zeichen erwartungsvoller Spannung gestanden hatte. Um 9 Uhr traf der Führerund Reichskanzler Adolf Hitler auf dem Kieler Hauptbahnhof ein. Die weite Bahnhofshalle hatte ihre Alltugsnüchternheit mit einem festlichen Gewände von reichem Flaggen- und Grünschmuck vertauscht. Die Kunde vom Eintreffen des Führers hatte, ein wogendes Meer von Menschenmassen zum Bahnhof gezaubert. In Begleitung des Führers befanden sich Reichsminister Dr. Goebbels, Neichsleiter Amann, der Reichspressechef der NSDAP. Dr. Dietrich, der bayerische Staatsminister Gauleiter Wagner, Obergruppenführer Brückner, Brigadeführer Schaub und Oberstleutnant H 0 ß - bad); SS.-Obergruppenführer Dietrich war bereits vorher in Kiel eingetroffen. Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg und der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Raeder begrüßten den Führer bei
Angreifer entkommen.
Diese Beispiele lassen sich vervielfachen: die Kriegsmarine weiß seit Skagerrak und allen andern Zusammenstößen auf See im Weltkrieg, daß die deutsche Industrie gute Schiffe, Maschinen und Waffen baut, daß der Deutsche, auch Binnenländer, sich schnell heimisch an Bord fühlt und sich für den Ernstfall vvrzubereiten versteht, daß feine Haltung auch im Seekampf der im Gefecht an Land ebenbürtig ist. Dies Gefühl ist um so sicherer, als er vor dem Skagerrak sich mit einem Gegner maß, an den er nur mit uneingeschränkter Achtung denken kann. Ehrerbietung dem ritterlichen Flottenchef Lord Jel- I i c 0 e, auf dessen Schultern eine riesige Verantwortung lastete, der „der einzige Mann in England war, der den Krieg in einer Stunde verlieren konnte", Bewunderung für den Kreuzeradmiral Lord B e a 11 y , dessen leidenschaftliches Draufgängertum durch die schweren Verluste seiner Geschwader nicht einen Augenblick lang erschüttert wurde; leuchtend als Vorbilder die Aufklärung der Admirale Goode- n 0 u g h und H 0 0 d. Hut ab vor Männern wie dem Matrosen Starts, der nach dem Zusammenbruch der „Queen Mary" seine Gesechtsstation unten im achteren Geschützturm trotz des von unten aufsteigenden Wassers nicht eher verließ als bis der Befehl dazu gegeben wurde. Hüben und drüben die gleiche Haltung, der gleiche Geist! Deshalb wissen wir seit Skagerrak: Wir sind für Land und See geschaffen.
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MM General-Anzeiger für Oberhessen
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fährt an der Spitze der Räumbooteinheiten. Den Abschluß bilden die flinken kleinen Schnellboote mit dem Begleitschiff „T s i n g t a u".
Nach der Flottenparade läuft die Flotte gegen Abend in den Kieler Hafen ein. Den in zahlreichen Sonderzügen eingetroffenen weiteren Gästen wird sich hierbei ein ungeßlich schönes Bild bieten. Den Ausklang des Ehrentages der jungen Flotte bildet der Zapfenstreich am Hindenburg-Ufer. Die Schiffe werden nach Einbruch der Dunkelheit festlich beleuchtet.
Ehrung der gefallenen Angehörigen der Kaiserlichen Marine.
Kiel, 28. Mai. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat mit Erlaß vom 19. Mai 1936 befohlen:
Zur Ehrung der im Weltkriege gefallenen Angehörigen der Kaiserlichen Marine bestimme ich, daß am 30. Ma i 1 936, dem Tage der Einweihung des Marine-Ehrenmals in Laboe, die kaiserliche Kriegsflagge
1. auf den in der Heimat befindlichen Kriegsschiffen der Kriegsmarine im Großtopp;
2. auf den Dienstgebäuden der Kriegsmarine neben der jetzigen Reichskriegsflagge;
3. auf dem Turm des Marine-Ehrenmals in Laboe gefetzt wird.
Kiel, 28. Mai. (DNB.) Schon feit Tagen den sich in Kiel die Marine-Ehrentage an. Donnerstag morgen steht die Kriegsmarinestadt
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der Menschenmauer an erster Stelle, Pimpfe mit Landsknechtstrommeln und Fanfaren, Hitlerjugend. Als Abschluß die Menschenmauer auf der Höhe von „Bellevue", eine Abordnung der Hamburger SS- Verfügungstruppen.
Besuch der Kriegsmarine.
Auf dem Wasser bietet sich, soweit das Auge schweift, ein erhebender Anblick: das Boot des Führers passiert die an der Boje liegenden Kriegsschiffe, auf welchen die Ehrenwachen und Musikkapellen angetreten sind und der Flaggenschmuck durch die Vielheit der Farben festlich stimmt. Besonderes Interesse erweckt das Segelschiff G o r cf) Fock der Kriegsmarine, auf der die Besatzung, der junge Nachwuchs, bis zu schwindelnder Höhe hinauf Paradeaufstellung genommen hat. Man lieht an den Bojen den weißen Aviso „Grille", dicht dabei das Panzerschiff „Admiral Graf S p e e", das Panzerschiff „Admiral Scheer" und das Panzerschiff „D e u t s ch l a n d", weiter die Kreuzer „K ö n i g s b e r g", „K ö I n", „Leipzi g" und „Nürnber g". Als sich das Boot, in dem sich der Führer befindet, dem Panzerschiff „Admiral Graf Spee" nähert, bricht plötzlich durch die graue Wolkenwand strahlende Sonne, so wie wir es oft erlebt haben, wenn der Führer in Kiel weilte.
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Der Führer schifft sich nach der Fahrt an den schmucken Kriegsschiffen vorbei auf dem Panzerschiff „Admiral Graf Spee" ein, auf dem sich auch der Flottenchef Admiral Schroeder befindet. Um 10 Uhr ging das Panzerschiff „Admiral Graf Spee" mit drei Torpedobootsflottillen in See. Auf dem Panzerschiff „Admiral Gras Spee" wohnte der Führer dann Hebungen der Flotte bei und besuchte am Nachmittag die Marineschule in M ü r w i ck.
schaftsmitgliedern Urlaub geben, damit sie an Feierlichkeiten in Laboe teilnehmen können.
begeiferter Empfang des Führers.
Ser Sieg vor dem Skagerrak.
Von Konteradmiral a. D. Lühow.
Wenn die Marine in diesen Tagen der Skagerrakschlacht ihr Ehrenmal in Laboe bei Kiel enthüllt, in der Gewißheit, daß das ganze deutsche Volk innerlichen Anteil daran nimmt, so denkt sie nicht nur an das eine Schlachtenereigms, sondern a n alle Kämpfe und Erfolge zur See 1914/18; an „Soeben" und „Breslau", an Spee, „Emden" und „Karlsruhe", an Luftschiffe und U-Boote — keine Waffe zu Lande, zu Wasser und in der Lust hat ihre Erfolge mit so viel Verlusten bezahlen müssen wie die U-Boote! —, an Oesel und Dardanellen, an Eismeer und Tanganjika-See und Tigris, an Flandern und Finnland. Die Skagerrakschlacht ist der Brennpunkt für alle Gedanken, denn sie gab für die Gesamtheit der blutjungen deutschen Flotte Antwort auf die Frage: Sind wir reif für den Kampf auf See?
Das 1870 geeinte Deutschland war für die alten Großmächte eine durchaus unbequeme Neuerscheinung gewesen; Moltke hatte es erkannt: wir werden unser neues Reich zu verteidigen haben! Die Volkskraft, die für Landeroberungen in Europa einzusetzen kein Staatsmann unweise genug war, drängte auf See und in Kolonien. Aber auch hier galt: si vis pacem, para bellum. Kaiser Wilhelm II. und Tirpitz schaffen eine Flotte, Koester und andere Admirale schulen sie, Scheer führt sie zum Sieg. Ja — aber hat die Skagerrakschlacht den Krieg entschieden — wie Millionen Deutsche hofften? Nein — hat irgendeine andere Schlacht den Krieg entschieden? Ist das ein Beweis für ihre geringe Bedeutung? 21 deutsche Großkampfschiffe greifen am .Spätnachmittag des 31. Mai 1916 vor dem Skagerrak 37 Großkampfschiffe der ruhmreichsten, an Ueberlieferungen überreichen Flotte des Gegners an und fügen ihr in wenigen Tages- und Nachtstunden die doppelten Verluste an Schiffen und Menschen zu, die sie selbst erleiden; 177 Gefangene fallen m unsere, fein Deutscher in Feindeshand Noch 1924 schreibt Lord Sydenham: „In der langen und glorreichen Geschichte der britischen Marine ist nichts verzeichnet, was sich mit dieser Tragödie auch nur einigermaßen vergleichen ließe." Wir Deutschen wünschen heute sehnlichst, daß zwischen Engländern und Deutschen alle bitteren Gefühle von einst restlos begraben sein möchten; die „europäische Pöl' r- familie" stellt uns genug gemeinsame Aufgaben. Ader grade ein Engländer würde es nicht verstehen, w nn wir aus der Skagerrakschlacht nicht gelernt hätten, uns auf See zu fühlen.
Die Wirkungen der Skagerrakschlacht auf den Kiiegsverlauf waren bedeutend genug. Di' Russen schrien schon feit einem Jahr nach Zufuhr von Kriegsgerät — vor allem schwerer Artillerie! —, von Kleidungsstücken, von tausend Dingen. Die Dardanellen waren dank „Soeben" und „Breslau", dar>k deutscher Infanterie und Matrosenartillerie gesperrt, ein Jahr blutiger Angriffe hatte sie nicht offnen können. Im nördlichen Eismeer räumten die Meteor-Minen und die U-Boote unter den Transportern auf. In Petersburg stockte das Leben, Fleisch gab es nur noch in Krankenhäusern, man stand vor den Läden Schlange, die Stimmung war gedrückt. Macht die Ostsee frei! Die Ostsee blieb dank Skagerrak und Scheer unter deutscher Herrschaft. Dänemark, Schweden und Norwegen konnten keinem politischen ober militärischen Druck der Feinde ausgesetzt werden, sie konnten und mußten neutral bleiben. Hollands Neutralität erhielt eine Stärkung. War das alles nichts?
D>e Seeherrschaft in der Nordsee blieb umstritten. Die gigantischen Versuche, die Doverstraße, die deutsche Bucht der Nordsee und den Raum zwischen Norwegen und den Shetland-Inseln mit Hunderttausenden von Minen gegen unsere U-Boote zu sperren, forderten auf unserer Seite erhöhte Opfer, Mühen, Zeit, Kampf und Not auf U-Booten, Zerstörern, Minensuchern, Geleitern und Kreuzern, — aber der dauernde Aderlaß am Nachschub der feindlichen Landfront im Westen durch den U-Bootkrieg wurde nicht zum Stehen gebracht. Ohne Skagerrak wäre der U-Bootkrieg, der dem Landkrieg ungeheure Entlastung schuf und die Feinde wankend machte, nicht zu führen gewesen.
Aber die Schlacht weist über den Weltkrieg hinaus in die Zukunft. In ihr zeigt sich deutsche Schiffbaukunst, Jndustriearbeit, Schießfertigkeit, Gefechtsausbildung — ohne auf großen Uebertteferun- gen oder leichteren Kampfproben aufgebaut zu haben — der gestellten Aufgabe gewachsen. Auf dem lahmgeschossenen kleinen Kreuzer „Wiesbaden" hämmern zahlreiche feindliche Panzerkreuzer und Großkampfschiffe herum, er ist kaum zum Sinken zu bringen. Auf dem Schlachtkreuzer „Derfflinger" trifft ein 30,5-cm-Geschoß den Hauptkommandoturm. Die Insassen haben das Gefühl, als wenn er „von Riesenfäusten" gepackt, in die Höhe geworfen wird und dann zitternd in seine alte Stellung zurückfedert". Trotzdem ist an dem unstarr angebrachten Feinmechanismus der Be- fehlsübermittleranlage nichts zerstört oder beschädigt. Der Artillerieoffizier des schwer mitgenommenen Schlachtkreuzers „S e y d l i tz" berichtet, daß während der Schlacht nicht eine einzige Gefechtsstörung in seinem Dienstbereich eingetreten sei, die nicht bei den Friedensübungen bedacht und einge- Übt gewesen sei. Kapitän zur See Zenker bleibt mit seinem Schlachtkreuzer „von der Tann" auch während der zwei Stunden in der Kampflinie, während deren seine sämtlichen 28 crn-Ge- schütze ausgefallen sind und seine 15 cm wegen zu großer Entfernung kaum zum Feuern kommen — um das Feuer seines Gegners von seinen Kameraden fernzuhalten. Kapitänleutnant Beitzen trifft im Morgengrauen des 1. Juni mit vier Torpedobooten, die außer ihrer Besatzung 940 Mann
überfüllt finb auf überlegenen Feind, 1 Kreuzer 23. Mai 1933 die Marine mit den Worten begrüßt: und 4 Zerstörer. Seine Lage scheint hoffnungslos. „Sie Laben große Traditionen zu wahren^ Wenn 4.»Aiinm (VrtffrMiiEi mnhlf pr das ein.iia 1 ‘


