Mlelmeermd Weltverkehr
Äon Otto Eorbach
Als Kaiser Karl V. der Seeräuberei im westlichen Mittelmeer ein Ende bereiten wollte, setzte er sich an deralgerischenKüste fest und errichtete auf steiler Höhe einige Festungswerke. Dann suchte er eine große Armee zu landen, um den gefährlichsten nordafrikanischen Raubstaat zu vernichten. In einem furchtbaren Sturm gingen 150 seiner Schiffe mit 8000 Mann zugrunde, während die schon an Land gesetzten Truppen von den Söhnen des Propheten ins Meer getrieben, nieder- gemetzelt oder zu Gefangenen gemacht wurden. Die Zahl dieser Gefangenen soll so groß gewesen sein, daß man einen Christen-Sklaven für eine Zwiebel kaufen konnte. Hassan, der Pirat, hatte mit Hilfe des Sturmes und des Propheten die Soldaten des Kreuzes und den spanischen Adel unter Führung eines Alba, eines Ferdinand Cortez, eines Gonzaga und Doria geschlagen und damit die Seeräuber-Freiheit im Mittelmeer gegen die auserlesenste Armee jener Zeit verteidigt. Es dauerte fast drei Jahrhunderte, bis Frankreich den Versuch Karls V. zu wiederholen waate und dabei von Erfolg gekrönt wurde. Inzwischen hatte die Dampfschiffahrt die Verkehrsverhältnisse im Mittelmeer grundstürzend geändert. Es bedurfte nur noch des bald ausgeführten Durch ft iches der Landenge von Suez, um das Mittel- meer aus einer Sackgasse in eine Hochstraße des modernen Seeverkehrs verwandeln; ein Umschwung, dessen sich der Nordeuroväer als Haupt- Nutznießer des Wechselverkehrs zwischen „alter" und „neuer" Welt, den die Ueberwindung der Wasserwüste des Atlantik ermöglichte, heute erst durch schmerzhafte Erfahrungen bewußt wird.
Mußte die ozeanische Großschiffahrt, um sich entfalten zu können, das Mittelmeer zunächst links liegen lassen, so hatte es dieses Schicksal entgegen einer allgemein vorherrschenden Geschichtsauffassung auch reichlich verdient. Man hatte ihm wenig zu verdanken. Das einstmalige Frachtschiff mit viereckigem Segel, das das Mittelmeer früher befuhr, war im 13. Jahrhundert noch fast dasselbe wie im dritten; der Kreuzmast und das lateinische Segel, die hinzugekommen waren, verdankte man den Arabern. Diese aber hatten ihre Segelkunst auf dem Indischen Ozean entwickelt, dessen regelmäßige Winde und davon abhängige Meeresströmungen sie dabei begünstigten. Auf dem Mittelmeer boten unregelmäßige und oft plötzlich umspringende stürmische Winde, damit abwechselnde Windstillen, auf widerstrebenden Strömungen in klippenreichen Sunden sich ergebende Wirbel, (Anlaß zur Sage von der Scilla und Charybdis), Kürze und Steilheit der Wellen und viele andere Eigentümlichkeiten der Schiffahrt besondere Schwierigkeiten und Gefahren. Man kam vom Ruder nicht los, und das Segel trat meist nur in Funktion, um erschöpften Ruderknechten eine Erholungspause zu gönnen. Das typische Schiff des Mittelmeeres würbe die Galeere, die sich mit der ihr entsprechenden Sklaverei bis hoch in die Neuzeit zu behaupten vermochte. Für den Besitzer einer schnellfahrenden Galeere lohnte ich jedoch die Seeräuberei besser als die Handelschiffahrt, mußten ihm doch kleinere und langsamer ährende Schiffe leicht zur Beute fallen. Es haftete auch dem Piratenwesen ursprünglich kein Makel an, bedeutet doch „peirates" im Griechischen einen „Wagenden". Das Ueberhandnehmen des Piraten- tums, dem besonders die schluchtenreiche nordafri- kaniscye Küste ideale Schlupfwinkel bot, wurde zur treibenden Kraft für Die Entwicklung des Seewesens.
Die großen Fahrten, die die Jahreszeitenwinde (Monsune) fernöstlichen Dschunken ermöglichten, erregten noch im dreizehnten Jahrhundert das Staunen Marco Polos. Er schrieb über die Fahrten der Chinesen nach den Gewürzinseln: „Sie brauchen ein ganzes Jahr für die Reise; denn sie gehen im Winter und kehren im Sommer zurück. In diesem Meer gibt es nämlich nur zwei Winde, die wehen. Der eine führt sie hinaus, der andere bringt sie in die Heimat zurück, und der eine von ihnen weht den ganzen Winter, der andere den ganzen Sommer." Diese günstigen
Bedingungen für die Ausnutzung der Windkraft durch Segler hatte schon in vorgeschichtlicher Zeit die Ausbreitung der Malaien und Polynesier über weite Wasserstrecken zwischen den Inseln des südwestlichen Pazifik erleichtert, wobei ihnen in manchen Richtungen auch der Südost-Passat zustatten kam. Natürlich konnten auf diese Weise nur die inselreichen westlichen und südwestlichen Randgebiete der riesigen Wasserwüste des Stillen Ozeans überwunden werden. Die Linie des geringsten Widerstandes für die Segelkunst asiatischer Küstenvöl- ker führte durch den Indischen Ozean. Hier entwickelte sich frühzeitig ein reger Seeverkehr zwischen den Küsten Asiens und Afrikas und zwischen dem Fernen Osten oder Indien und den Ausgangspunkten der Ueberlandwege zum Mittelmeer und nach Osteuropa. Die Phönizier, die zuerst die Mittelmeerschiffahrt entwickelten, saßen ursprünglich an der Küste Irans, nachdem sie vorher als Wüstennomaden sich nach den Sternen zu orientieren gelernt hatten. Von ihnen übernahmen die G r i e • ch e n und — auf dem Umwege über Karthago — die Römer die im Indischen Ozean erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten für die Schiffahrt, samt den Grundbegriffen einer nautischen Astronomie.
Im Gegensatz zu den Verhältnissen im Indischen Ozean geriet der friedliche Handelsverkehr zur See im Mittelmeer von Anfang an in starke Abhängigkeit von Ruder-Kriegsschiffen, die späteren „Galeeren". Die Karthager verfügten bereits über Kriegsfahrzeuge mit fünf Reihen von Ruderbänken, „Quinquereme", wie sie im Lateinischen genannt wurden. Ein solches Wunder frühgeschichtlicher Schiffsbautechnik sttandete während eines Sturmes nach Ausbruch des ersten puniscken Krieges an der italienischen Küste und diente den Römern als Modell, wonach sie sich eine der karthagischen ebenbürtige Flotte bauten. Ihr einmal geweckter Ehrgeiz für die Entwicklung einer starken Seemacht ruhte nicht, bis sie mit ihrer Hilfe nach Ueberwindung Karthagos alle Randländer des Mittelmeeres unter ihre Herrschaft gebracht hatten. Dem Untergange Roms folgten Jahrhunderte vorwiegender Seeräuberei im Mittelmeergebiet, bis die Araber ihre Herrschaft über Nordafrika bis nach Spanien ausgedehnt hatten. Wohl entwickelte sich unter ihnen wieder ein schwungvoller Handel zwischen Morgen- und Abendland, aber für dieses um den Preis hoher Tribute an die Söhne des Propheten. Die teilweise Ablösung der Araber durch Türken verschlimmerte nur die Lage des Abend
landes, da sie zu völliger Sperrung der alten Handelswege führte. Der Kampf gegen die Handelsmonopole der Jslambekenner bildete den materiellen Inhalt der durch religiöse Impulse entfesselten Kreuzzüge.
Wenn das Scheitern der Kreuzzüge den Wagemut des Zeitalters der ozeanischen Grotz- s ch i f f a h r t auslöste, so darf man nicht übersehen, daß die Araber, wie vor ihnen die Phönizier, inzwischen wichtige nautische Fortschritte aus dem indopazifischen Raum in das Mittelmeergebiet übertragen hatten, wie z. B. das sogenannte „lateinische Segel", den Kompaß und eine bessere Orientierung nach den Sternen. Die unmittelbaren nautischen Leistungen altansässiger Mittelmeervölker hätten zur Vorbereitung der Fahrten von Christoph Columbus und Vasco da Gama längst nicht aus- gereicht. Die Entfaltung des späteren großartigen Wechselverkehrs zwischen „alter" und „neuer" Welt aber war Dorroiegeno das Werk nordischer Seefahrer. Schon zu den Zeiten der alten Römer fuhren an der Westküste Galliens die Veneter unter Ledersegeln sowohl auf Handel, wie in den Krieg. 500 Jahre vor Columbus ließ eine den mittelmeerischen Schiffern weit Überlegene Seetüchtigkeit kühne Wikinger einen entlegenen Teil der „Neuen Welt" entdecken; nur fehlten damals die allgemeinen Vorbedingungen, diese Tat für eine Entfaltung vorhandener Expansionslust und -fähig- keit auszunutzen. Die harte Schule, die der Nordländer in ihren heimischen Gewässern durchmachte, erklärt jedoch den Vorrang, den sie später im Wettbewerb um die Entwicklung der ozeanischen Groß- schiffahrt errangen.
Erst die D a m p f s ch i f f a h r t konnte in Verbindung mit dem Durchstich der Landenge von Suez die Verödung überwinden, der die Mittelmeerwege in der Neuzeit anheimfielen. Die Erschließung des dunklen Erdteils, die derjenigen der Länder der Neuen Welt um Jahrhunderte nachhinkte, hängt mit diesem Bedeutungswandel innig zusammen. Nur eine gesamteuropäische Verständigung über das durch den Krieg in Abessinien neu aufgerollte Problem der Freiheit der Mittelmeerschiffahrt kann die Kräfte bannen, die in den Hintergründen des Schwarzen Meeres, in Jnnerasien und im Fernen Osten darauf lauern, Europa in dem Maße aus vorgeschobenen wichtigeren Machtstellungen zu verdrängen, wie es sich im Mittelmeergebiet in seine eigenen Widersprüche unlöslich zu verstricken droht.
Kämpfer für Chinas Einigung.
Don August Beck, Oberstleutnant a. O.
II.
Sun-hai-sen.
Oer völkische Reformator.
Sun-yat-sen, der Urheber der großen chinesischen Revolution, wird in seiner Eigenschaft als Vorkämpfer der Freiheit und Unabhängigkeit Chinas meist zu wenig gewürdigt, besonders in Europa. Der Lebensgang dieses vaterlandsliebenden und uneigennützigen Mannes läßt besonders in die Erscheinung treten, von welchen Gefahren ein Politiker bedroht wird, der seinen eigenen Idealismus auch bei anderen Persönlichkeiten voraussetzt, wie bei dem ihm wesensfremden Borodin, und welcher Kräfte für seine Aufgabe heranzieht, welche, nicht dem gleichen Volke entsprossen, unlautere Sonderzwecke verfolgen.
Die Lebensaufgabe Sun-yat-sens roirt) heute durch seinen früheren Mitarbeiter Tschiang-kai- schek fortgesetzt. Welche Ziele Sun-yat-sen verfolgt hat, geht am besten aus seinem Testament hervor, das dem chinesischen Volke ein derartiges Vermächtnis war, daß tausende es auswendig lernten. Das Testament hat folgenden Wortlaut: „Ich habe mein Leben dem erfolglosenDer- s u ch gwidmet, unserem Vaterlande im Innern eine gute Verwaltung und Unabhängigkeit nach außen zu geben. Die Erfahrung lehrte, daß wir, um dieses Ziel zu erreichen, die gesamte Volksmasse im
In- und Auslande gewinnen müssen, und auch mit Staaten Zusammenarbeiten müssen, die uns als Gleichberechtigte behandeln. Die revoluttonäre Bewegung hat sich noch nicht durchgesetzt. Es ist daher unbedingt notwendig, daß meine Arbeitsgefährten ihr äußerstes tun, um meinen „Wiederaufbau- plan", meine Richtlinien aufbauender Politik und meine drei Grundgedanken zu verwirklichen. Kämpft weiter, meine Genossen mit immer neuer Kraft für die Schaffung einer Nationalversammlung, für die Lösung unserer völkischen Probleme und für die Ausrottung der mutwilligen Verträge mit fremden Ländern."
Sun-yat-sen war praktischer Arzt in Kanton. Als Schüler einer christlichen Missionsschule lernte er die westlichen Ideen kennen. Seiner Sendung hatten die Reformer Liang-ki-tschao — in seinen hinreißenden Aufsätzen über die Seele Chinas — und Kang-yu-wei vorgearbeitet. Sie hatten durch ihre packende Sprache die Köpfe aufgerüttelt, während Sun-yat-sen es verstanden hat, die Massen auf die Beine zu bringen und die Geldmittel zu beschaffen. Als Führer der Geheimgesellschaft K a l a o h n i schuf er einen festen Stamm Mitkämpfer, deren Kampfbegeisterung im Jahre 1912 sich anläßlich einer Explosion in Wutschang- Hankau zufällig entlud und die jahrzehntelangen Wirren der chinesischen Revolution entfesselte. Es folgte die Diktatur Puan-fchi-kais und die Thronentsagung der Mandschu, doch konnte durch diese
Wider die Trägheit des Herzens.
Äon Hans Heinrich Ehrler.
Es war in Friedrichshafen, außerhalb der Stadt. Da wohnte ich als frisch und kühn von mir selbst ernannter „freier Schriftsteller" am Ufer des Bodensees. Eines hellen Morgens erinnerte mich meine Frau, daß ich einer großen Zeitung zum achtzigsten Geburtstag Wilhelm Raabes einen Ge- denkaufsatz zu schreiben versprochen hatte. Die Akten des Vogelfangs und Abu Telfan kamen in meine Taschen und ich marschierte durch die Herrlichkeit der Landschaft auf das geliebte Schloß Kirchberg zu dem geliebten Wein. Ich saß stundenlang in der tiefen Fensternische hoch über dem See. Jemand warf die Konstanzer Zeitung auf den Tisch. Ich beobachtete sie nicht, aber nachher fiel der Schatten einer Fenstergeranie fo sonderbar lichtumkantet auf das Papier, daß meine Hand darnach griff und es entfaltete. Auf der dritten Seite stand eine Nachricht, überschrieben: „Wilhelm Rabe gestorben."
Mit fliegenden Pulsen lief ich durch die jetzt schier verwunschen farbige Landschaft heim. Dort lag ein Telegramm: „Nachruf Raabe sofort erbeten".
Es war Jahre später. Mein Freund, der Maler Christian Landenberger lag in Stuttgart krank im Spital. Es drängte mich plötzlich, ihm zu schreiben. Der Briefbogen lag schon auf dem Schreibtisch. Sogar in einer Sonnenbahn, was meine Augen heut noch sehen. Aber der träge andere Mensch in mir wartete zwei Tage. Mein Brief lief als erster ein, nachdem der Freund an einer Embolie gestorben war. Zu spät. Das sonderbare Arge aber ist gewesen: An dem Tag, als ich schrieb, sprach er in seinem Bett noch von mir.
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Und jüngst begab sich eines jener beängstigenden doppelten Ereignisse, welche die Dinge aus den unerschlossenen Bezirken noch gespenstiger machen. Am Nachmitag des 19. September letzten Jahres drängte es mich wieder, einem alten Freund, dem Arzt Otto Vogelsang in Ulm, zu schreiben. Dieselbe Hemmung schob sich vor die Ausführung. Fünf Tage nachher schickte mir seine Witwe die Nachricht, ein Herzschlag habe ihn getroffen.
Es war schwer mit dem Geist der beiden Toten in der Stille unter vier Augen zu sprechen, über den schwarzen Strich hinüber.
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Man denke nur in unserem deutschen Vaterland an die vielen Boten, die durch den Raum in einem Augenblick sich kreuzen, deren jeder fernher und fernhin das Wort trägt: „Ich denke an Dich."
Und wer einmal tief in sich erschrocken ist über die von einem Versagen herbeigeführten Erschütterungen jener Ordnung der gemeinsamen Gesetze des Menschenwesens, welche wir jetzt an dieser Stelle die heilige Ordnung nennen, der weiß: Wir können einander nicht hell genug geben, nicht genug Zartgefühl, Aufmerksamkeit, Achtung, Seelenschutz erweisen, das Strahlengespinst über uns schonen.
Die Trägheit des Herzens verdrängt den schönen Drang der Sprache des Herzens. Sie gebiert das Versäumnis und das Zuspät. Zerreißt die Glanzfäden des Wunders. Löscht die Lichter der Liebe aus.
Go was liest sich nebenbei...
Ein paar kleine Anekdoten, gesammelt von Peter Peppermint.
Eines Tages erbte der Komiker Anton Franck von irgendeiner alten Tante ein paar hundert Märker. Das sprach sich schnell herum. Selbst ein Schneider hatte es erfahren, noch ehe das Geld da war.
„Da Ihre Frau Tante verstorben ist, darf ich Sie wohl auch bitten, Herr Franck, Ihre Rechnung gütigst zu begleichen", sagte er.
„Sie sollten sich schämen, mein Lieber, aus dem traurigen Anlaß ein Geschäft machen zu wollen", antwortete der Mime voll innerster Ueberzeugung.
Als Goethe einst die Saline in Bad Sulza besichtigte, stellte ihm der Salinendirektor seinen Sohn vor.
„Weißt du wohl, wer ich bin?" fragte Goethe den Jungen, der einen frischen Eindruck machte.
„Jawohl — der Dichter Goethe", sagte der Junge forsch. Aber da hatte er schon einen Klaps vom Vater weg.
„Dummer Junge, Dichter! Das wäre was Rechtes.^ Der Herr ist Staatsminister und Geheimer
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Der Schauspieler Heinrich George war in der Sage, eines Tages einem kleinen Kollegen, der öfter in Dalles war, einen Taler zu pumpen. Jedesmal, wenn der also Bedachte des großen Kollegen von der Ferne ansichtig wurde, ging er ihm meilenweit aus dem Wege. Bis es ein tückischer Zufall eines Tages wollte, daß beide in ein und derselben Türe aufeinanderstiehen.
„O Verzeihung —", holperte der Kleine.
„Ja, was ist Denn mit Ihnen los, mein Lieber, ich sehe Sie ja Überhaupt nicht mehr! Wie geht's denn?
Der Kleine wird puterrot vor Verlegenheit. „Ach
— Herr George, ich — ja — es ist mir immer etwas peinlich gewesen — wissen Sie, vor ein paar Wochen — wegen der drei Mark —".
George gerät in die größte Bestürzung. „Aber, mein Lieber, das hätten Sie doch wahrhaftig sagen können!" Seine Hand fährt eilig in die Tasche. „Da mußten Sie mich eben mal mahnen, da ist doch nichts dabei! Hier sind die drei Mark — ich hatte das ganz vergessen — entschuldigen Sie und vielen herzlichen Dank!"
Als Gerhart Hauptmann einer Aufführung feiner „Elga" beiwohnte, wollte er das Urteil des Volkes ergründen. Er nahm fick den Logenschließer seiner Loge beiseite. „Na, wie hat Ihnen denn das Stück gefallen?"
„Ausgezeichnet", antwortete der Biedere. „Wir haben wenige Stücke, die so gut sind."
„Soso", strahlte der Dichter. „Und warum finden Sie Gefallen daran?"
„Ach — das ist ganz einfach. Es ist doch schon nach 9 Uhr aus!"
1839 besuchte der türkische Gesandte in London die großen Industriezentren Englands. Der Seiden- fabrltant Rood in Manchester zeigte ihm seine ausgedehnte Fabrik. Ueberall erklärte er die Herstellungsmethoden und die Maschinen. In einem Saal arbeiteten ein paar hundert Kinder.
Des Paschas Augen wurden hier ganz weit. Dann nahm er sich lächelnd Rood beiseite und sagte: „Das ist aber eine große Familie, Mister Rood! Und mit wieviel Frauen haben Sie das zustande gebracht?"
Nach der Schlacht von Custozza lagen ein österreichischer und ein ungarischer Offizier im gleichen Lazarett. Sie hatten auch beide die gleiche Fuß- verwundung, die gerade wieder verbunden werden sollte.
Der Oesterreicher schrie laut auf vor Schmerz, während der Ungar ganz ruhig blieb.
Der Oesterreicher: „I hab g’meint, i müßt aus der Haut fahren. Hat's Eahna denn nix getan, Herr Kamerad?"
Der Ungar: „Schaun 'S bittä: hob ich doch im voraus gewußt und den Kärl bittä angeschmiert. Ich hob ihm einfach dös g'funde Bein hingehalten — bittä!"
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Der verstorbene Dichter Theodor D ä u b l e r brauchte Geld. Eine Sorge, die er einem Bankier am gleichen Tisch im Kaffeehaus unverblümt offenbarte.
„Sie brauchen Geld? Gut, kommen Sie morgen früh um zehn Uhr in mein Büro."
Zwischenepisoden der Verlauf der Revolution im Großen nicht aufgehalten werden.
Eine Unterbrechung in ihrer Entwicklung brachte allein der Weltkrieg, welcher im Jahre 1917 China auf Drängen Englands an die Seite der Entente führte. Die große Enttäuschung über den Frieden von Versailles, der Schantung den Japanern ver- sprach, machte sich durch ganz China in einer großen Erbitterung gegen England geltend, die eine Anzahl weitgehender Streiks und Boykotts besonders in Kanton, Chameen und anderen Hafenstädten zur Folge hatte. Die Wirkung dieser Boykottierung ging so weit, daß Chinesen, welche den Fremden Lebensrnittel verkauften, grausam zu Tode gemartert wurden.
Jetzt traten die tiefen Ursachen der Revolution, die Modernisierungsbestrebungen, verbunden mit gleichzeitigem Abschütteln der Bevormundung durch die Westmächte oder Japan, wesentlich stärker in den Vordergrund. Sowjetrußland hatte im Jahre 1917 auf die Exterritorialität in China verzichtet, und diese großmütige Geste war vielleicht mit der Grund, warum sich Sun-yat-sen an Rußland anzulehnen versuchte, und den anfangs bescheiden auftretenden Michael Borodin im Jahre 1924 seinen begeisterten Anhängern, vorzugsweise Jungchinesen, empfahl. Er lobte das Organifations- talent Borodins und — sprach die Hoffnung aus, daß dieser helfen möge, eine einige chinesische Republik aufzurichten. Es erscheint als eine Anomalie, daß in den ersten 15e3al)ren der Revolution immer nur von einer Abschüttelung der lästigen Fremdherrschaft, doch nie davon die Rede war, ein Wahlrecht einzuführen, welches schon die Reformen von 1907 unter den Mandschus an- gestrebt hatte. Im Gegensatz zu den ersten ernsten Bestrebungen führte jetzt die Revolution zu einer Periode einer wüsten Straßenherrschaft und zu Sonderherrschaften der Provinzen unter den vielen Generälen. Diese waren nur bestrebt, ihre Taschen zu füllen, und das chinesische Volk wurde nie derartig ausgepreßt, wie unter der wechselnden Militärherrschaft. In allen chinesischen Provinzen wurden Soldaten geworben, selbst 12- und 14jährige wurden zwangsweise ausgehoben und eingestellt. Borodin errichtete bei Kanton eine Kriegsschule, wo die Wampoo-Kadetten zu Offizieren ausgebildet wurden. Die damals sehr stark bolschewistisch eingestellte Kuomintangpartei errichtete über» all neue Gruppen, besonders Jugendverbände, wie die revolutionären Pfadfinder, einen Verband republikanischer Frauen, eine Liga für Rasfenbefreiung und ähnliche Bemittelte junge Leute, die aus allen Teilen Chinas der Bewegung zuströmten, wurden als Sekretäre angestellt.
In den Großstädten, besonders in Kanton spielten sich blutige Kämpfe ab zwischen Arbeiterschaft und den Gilden, die eigene Wehren aufgestellt hatten. Die Massenbewegung siegte überall, den Fremden wurde jede Existenzmöglichkeit genommen, da jeder Chinese, der sich zu einer Handreichung ober einem Dienste herbeiließ, grausam hingerichtet wurde. Alle Fremden, aber auch viele Chinesen, flüchteten in die Ordnung der Fremdennie- derlafsungen, besonders nach Honkong und Schanghai, wohin auch während der ganzen Revolution in immer stärkerem Maße chinesisches Kapital auswanderte.
Der schon länger an einem schweren Leiden erkrankte Sun-yat-sen hatte 40 Jahre seines Lebens für die Idee der chinesischen Unabhängigkeit gearbeitet und sah nun mit Schrecken wohin die neue Bewegung trieb, die er nicht mehr aufzuhalten vermochte. Er erkannte auch, daß der russische Radikalismus, den 23 o r ob i n einzuführen bestrebt war, bie Herzen vieler anständiger Chinesen der neuen Bewegung entfremdete. Diese Besorgnis spricht aus dem ersten Satz seines Testaments. Als er am cFleditenleiden
Hautaus chlag filbst bei langwierigsten Kuren. Konnten auch Sie bisher »eine Hilfe finden, dann fchreiben Sie mir. ich gebe Ihnen gern kostenlos ein einfaches Mittel bekannt durch welches schon Unzählige, auch bet Schuppenflechte, von jahrelangen Leiden, oft in 14 Tagen (ohne Diät) vollständig befreit wurden. Heilnr-Berirb. Max Müller. Görlitz ri.g.48. Schulstr.
(Erhält!. L d. Apoth.)
Niemals war Säubler vor Mittag aufgeftanben, aber diesmal machte er sich früh auf den Weg.
„Ah — Sie kommen um Ihr Geld!" rief der Bankier, erhob sich vom Schreibtisch und ging dem Dichter entgegen.
„Entschuldigen Sie, Herr Direktor — nicht ich, S i e kommen drum!"
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In Danzig zeigt man noch den Kirchenstuhl, in dem einst der Zar Peter der Große im Jncognito eines vornehmen Herrn neben dem regierenden Bürgermeister die Predigt anhörte.
Beide hören den Klingelbeutel nahen. Der Bürgermeister greift in die Tasche und legt einen Dukaten vor sich hin.
Peter langt deren zwei hervor.
Der Bürgermeister fühlt sich in seiner Ehre gekränkt — er legt den zweiten und einen dritten Dukaten neben den ersten.
Peter legt sechs zurecht. Der Bürgermeister zehn. Peter zwanzig und ist am Ende.
Der Bürgermeister fünfundzwanzig und ist am Ende.
Der Klingelbeutel naht sich. Er verneigt sich sozusagen vor dem Bürgermeister, der den ganzen Gelbhaufen hineinwirft.
Da nimmt Peter einen Dukaten, legt ihn in ben Beutel unb läßt bie restlichen neunzehn zurück in seine Tasche gleiten.
Der Bilbhauer Max Klinger aß unb trank gern gut unb reichlich.
Einmal abenbs bestellte er sich in Leipzigs uraltem „Kaffeebaum" eine Portion Hasenbraten.
Er beroch unb betrachtete das Essen lange. „Hallo, Ober!"
„Bitte? Ist der Hase nicht gut?"
„Nee — hären Se: das Dierchen muß in was geträben fin!"
Hochschulnachrichten
Der orbentliche Professor an ber Universität Marburg Dr. rer. pol. Dr. jur. Emil Wehr l e hat ben an ihn ergangenen Ruf an bie Universität Frankfurt auf einen Lehrstuhl für Sozial- unb Wirtschaftspolitik unb Sozialoerwaltung zum 1. April b. I. angenommen.
Professor Dr. Paul Krüger, Drbinarius für Zoologie unb Direktor bes Ersten Zoologischen und vergleichenden Physiologischen Instituts an der Universität Wien, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt worden. Professor Krüger war bereits im Herbst vorigen Jahres für den Heidelberger Lehrstuhl in Aussicht genommen.


