Ur. 51 Zweites Blatt
Samstag. 29.ZebruarMb
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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ner gehört hat, weiß, wie hier die
oder Bruck
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Kriiment.
konzerte in Berlin, Wien und Leipzig wurde. Von da ab hat ihn seine Tätigkeit von Triumph zu Triumph geführt, überall umfubelt man Furtwängler und mit ihm das Berliner Philharmonische Orchester, das er seit 1928 leitet. Bei Furtwängler gibt nicht die technische Begabung den Ausschlag, es ist vielmehr jenes geheimnisvolle Fluidum, das von seiner Persönlichkeit ausgeht und sich gleich stark auf Spieler und Hörer überträgt und auswirkt. Er ist fanatisch von der Musik besessen und verläßt die reproduktive Sphäre des Nachschaffenden, um zum bewußt selbstschöpferischen Gestalter zu werden. Seine Hauptwerke, die er immer wieder zum tiefsten Erlebnis werden läßt, sind die Klassiker und Romantiker, von Mozart bis Strauß und Brahms. Diese Schöpfungen sind seinem innersten Wesen am nächsten. Hier ist das Reich, das er souverän beherrscht. Wer von ihm Brahms, Beethoven
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Große deutsche Dirigenten
Oie künstlerische Persönlichkeit in der Musik.
Don Dr. $. 3- Ewens. — Mit einer Zeichnung von Knoth.
Sven Hedin als Maler.
Aus Büchern und Ausstellungen wissen wir, daß der berühmte schwedische Forscher Sven H e d i n auch zeichnen und malen kann. Farbige Wiedergaben seiner Bilder, die neben dem künstlerischen auch wissenschaftlichen Wert haben, denn oft mußte die Hand an Stelle des photographischen Apparates treten, werden zum erstenmal im Märzheft von Delhagen & Klasings Monatsheften gezeigt, und Sven Hedin selbst plaudert aufschlußreich darüber, wie er zum Malen kam und was ihm diese Kunst bedeutet: „Eine Skizze ist eine Stütze für die Erinnerung. Eine Landschaft, die ich gezeichnet habe, vergesse ich niemals. Ich bin ja dagesessen und habe sie mit unverwandter Aufmerksamkeit festgehalten und erinnere mich an alle Einzelheiten dieser Stunde — welche Jahreszeit es war, ob ich fror oder nicht, ob die Stimmung in der Karawane gut oder unruhig war, ob wir Mangel oder reich- liche Vorräte hatten, woher wir kamen und wohin es ging. Die Skizzen sind wie eine Reihe von Meilensteinen, zwischen denen ich wieder wandere, von Tag zu Tag durch das große Asien."
peier Raabe.
Wir beschließen unsere Reihe von einem Hinweis auf Generalmusikdirektor Dr. Peter Raabe, den langjährigen Städtischen Kapellmeister von Aachen, der seit dem Sommer vorigen Jahres der Präsident der R e i ch s m u s i k k a m m e r ist. Die Kulturarbeit, die Raabe in der Grenzstadt Aachen im Laufe seiner 15jährigen Tätigkeit geleistet hat, läßt sich nicht in wenigen Zeilen auch nur annähernd übersehen. Als besonders bemerkenswert möge die Feststellung dienen, daß innerhalb dieser Zeit in den Städtischen Symphoniekonzerten nicht weniger als 159 U r - und Erstaufführungen zu verzeichnen waren. Er hat auch Aachen mit Bruckner bekannt gemacht und durch eine systematische Brucknerpslege diesen Meister der Hörergemeinde erschlossen.
Wie Raabe als deutschbewußter Kulturpolitiker stets seinen geraden Weg gegangen ist, so ist auch seine Orchesterleitung getragen von jener Grobheit und Klarheit, die das Werk aus der großen Linie heraus formt, indem er keinen höheren Willen kennt, als den des Komponisten, dessen Werk er nachgestaltet.
Welt sei. Zuweilen warf der Alte eine Handvoll Olivenzweige ins Feuer, oder ein Stück knorriges altes Rebenholz, das blaue und grüne Flämmchen gab, zuweilen gähnte die Wirtsfrau, und als sie es häufiger und tiefer tat, sagte ich gute Nacht, drückte allen die Hände und ging in meine Kammer, vor deren Fenster kühl und einschläfernd der Regen sang.
ten und darin eine einsame, zur Zeit unbewohnte und etwas verwahrloste Villa, dort ruhte lch unter alten Zypressen aus und sah auf der grünen Ebene breite Schatten und schmale Sonnenbander wechselnd spielen. Ich sah Assisi und sah in seiner Nähe die Portiuncula liegen, heilige Orte, und alle verklärt von dem Liebreiz und Zauber, den der heilige Franz und die alte umbrische Kunst in d,es ßaUnö9Öarnn)^ging' ich dieser franziskanischen Kunst -in wenia nach-, außer m Assisi ist nirgends bessere Gelegenheit dazu als hier in Montefalco. Ich ab in Kirchen und in Kreuzgangskapellen, über Portalen und über Altären alte Fresken voll zarter freundlich frommer Gestalten, schöne gütige Madonnen und jünglinghaste anmutige Heilige^ Fromme Bilder aus der Biblischen Geschichte und aus den Heiligenleben, manche schwermütig ernst und manche inbrünstig demütig, andere auch kmder- frühlich und lachend.
Ich sah auch ein anderes, seltsames, seltenes Bild, das ich nicht vergessen will. Ich sah in einer Kirche, die beim Spoletaner Tor liegt, und deren Namen ich vergaß, eine junge Frau aus dem 15. Jahrhundert einbalsamiert und wohlerhalten in einem qläsernen Sarge liegen. Sie ist ganz m reiche Stoffe oek'eidet, von ihr selbst sieht man nur das Gesicht, dessen Formen vollkommen erhalten sind. Die schöne Tote eine Edeldame aus dem Quattrocento, gleicht sehr 'den Bildern aus jener Zeit, die wir kennen, den scharf umrittenen Florentiner Adelsgesichtern, wie sie Ghirlandajo und Botticelli und Filippo Lippi gemalt haben. Ein liebenswürdiger Priester, den ich unterwegs in der Stadt angetroffen und der mich geführt hatte, zeigte mir den Sarg. Er ist in einem Altar verborgen und mit vielen Laden und Schlössern verwahrt, die mein freundlicher Führer mir öffnete. Darin liegt still die schöne Tote und schläft durch die Jahrhunderte, merkwürdig und ein wenig unheimlich und doch voll rührender Anmut. Nach ihrem Namen mochte ich nicht fragen, und ich weiß nicht, ob man ihn kennt
Gegen Abend verdüsterte sich der Himmel von neuem, und schwere Regengüsse rauschten über die tote steinerne Stadt, in deren Mauern ich keinen einzigen Baum gesehen zu haben mich erinnere. Das Wasser rann in kleinen raschen Bachen über die glatten Fliesen durch die Gassen bergab, kein Mensch noch Tier war draußen zu sehen.
Durchnäßt und frierend suchte ich nun das einzige kleine Gasthaus auf, wo ich em Abendessen bestellte und als einziger Gast in einem sehr hohen, kalten, steinernen Saale saß, zu dessen hoch angebrachten zwei Fenstern kleine Steintreppen hinauf-
Ein Gegenpol zu den beiden Genannten Wilhelm Furtwängler. Er ist eine Erscheinung, die einmalig sein dürste. Der unerhörte Aufstieg dieses Dirigenten datiert aus der Zeit vor etwa 15 Jahren, seitdem er der Leiter der Sinfonie-
Kari Böhm.
In der alten Musik- und Theaterstadt Dresden wirkt der junge Oesterreicher Karl Böhm. Er kommt von Graz her, hat in Wien bei Mandy- czewski studiert, ist Kapellmeister an der Münchener Hofoper, geht nach Mannheim, von dort nach Hamburg, wo ihn ein langjähriger Vertrag als Nach- folger von Pollak bindet. Auf persönliches Eingreifen unseres Führers gibt Hamburg diesen hochbegabten Mann frei, der in Dresden an führender Stelle die Leitung des Musiklebens übernehmen soll: Aufbau des Dresdner Opernspielplans und des Konzertlebens ist seine Aufgabe. Er hat schon viel seit Beginn seiner Tätigkeit erreicht.
Böhm ist nicht nur Musiker, er ist Organisator, er ist ein Entdecker verborgener Talente, wie der Fall Wagner-Regeny zeigt. Böhm ist so gut Opernkapellmeister wie Konzertdirigent. Man rühmt, daß er in der Oper mit außerordentlichem Feingefühl das Dramatische einer Musik, ihre opernmäßige Funktion spürt. Bekannt ist feine Befähigung, Steigerungen groß anzulegen und von der ersten Verhaltenheit in einem gleichmäßigen, keinen Augenblick nachlassenden Anstieg zum Höhepunkt zu führen. Dem Konzertdirigenten spricht man eine besonders charakteristische Farbengebung und eine bis ins Feinste gelockerte Bewegung zu. Ein Dirigent, der den Stil eines Komponisten, ob Bach, Brahms oder Strauß instinktiv bis in die letzten Feinheiten erfaßt.
Hermann Abendroth.
Greifen wir zum Schluß aus der Fülle der Namen noch drei markante Persönlichkeiten heraus, die uns für das deutsche Musikleben besonders wichtig erscheinen: Abendroth, Eugen I o ch u m und Raabe. Abendroth, ein geborener Frankfurter, begann feine Laufbahn in Lübeck, kam bann nach Essen, von da 1915 nach Köln als Nachfolger Steinbachs, wo er als Generalmusikdirektor und Direktor des Konservatoriums fast zwanzig Jahre die musikalischen Geschicke der rheinischen Metropole leitete. Auch als Organisator hat sich Abendroth große Verdienste erworben. Seit 1934 ist er Gewandhauskapellmeister in Leipzig und hat damit einen der wichtigsten musikalischen Posten in Deutschland inne. Von dem Dirigenten Abendroth strahlt ein frisches lebensbejahendes Musizieren aus ohne jene Tüfteleien, mit denen sich so viele Kapellmeister interessant machen wollen. Zahllose Konzertreisen im In- und Ausland haben den Ruf Abendroths als eines der bedeutendsten deutschen Orchesterleiter längsten hinausge- tragen.
geheimnisvollen Kräfte des Fluidums besonders zum Ausdruck kommen.
Wie Furtwängler als Musiker eine ungemein starke Persönlichkeit ist, so Überrascht auch die äußere Technik seines Dirigierens. Er dirigiert mit äußerster Gelockertheit der Bewegungen und nur bei großen Krescendi und Forte-Ausbrüchen läßt er eine bann allerbings sehr intensive Spannung des Körpers eintreten.
Iran; Adam.
Unter ben Dirigenten, die mit ber nationalsozialistischen Bewegung auf das engste verwachsen sind, ist an erster Stelle der Leiter des N S. - R e i ch s - Sinfonie-Orchesters Franz Adam zu nennen, der feine Meisterschaft durch zahlreiche Konzerte nicht nur in München, sondern in fast allen größeren Städten des Südens und des Westens bewiesen hat. Er ist ein echter Bayer, 1885 in München geboren, war ursprünglich Klarinettist, dann Rundfunkkapellmeister. Als solcher wagte er es zum ersten Male im bayerischen Rundfunk 1924 eine Bruckner-Sinfonie zu senden, ein wegen der damaligen akustischen Verhältnisse sehr wagemutiges Unternehmen.
Noch vor dem Umbruch bildete Adam ein neues Orchester, bas er durch unermüdlichen Fleiß nach Ueberroinbung zahlloser Schwierigkeiten zu einem leistungsfähigen Jnstrumentalkörper entwickelte. Das erste Auftreten bes Orchesters im Münchener Zirkus Krone war ein Triumph ohnegleichen. Es folgte bann eine kleinere Konzertreise durch Süd- beutschlanb, bie ebenfalls Erfolg hatte. Zeitweise war dieses Orchester, bem Abolf Hitler die Bezeichnung „NS.-Reichs-Sinfonie-Orchester" zulegte, sogar „staatsgefährlich". Im Winter 1932 verbot ber Münchener Polizeipräsibent einen Schubert- Bruckner-Beethoven-Abenb, weil er geeignet sei, „politische Leibenschaften" zu entfachen. Das Verbot hatte „vollen Erfolg", inbem bas Orchester nun erst recht in den Mittelpunkt bes Interesses gerückt würbe. Seitbem hat bas Reichsorchester zahlreiche Reisen unternommen. Am Saarkampf haben ebenfalls Adam und die Seinen durch eine Reihe Konzerte im Saargebiet sich aktiv beteiligt. Adam brachte dabei das Kunststück zuwege, gerade Reger in seinen Volkssinfoniekonzerten dem einfachen Mann näher zu bringen, ein Beweis für die Eindringlichkeit seines Musizierens.
führten. Es wurde ein blechernes Becken mit glimmenden Holzkohlen gebracht und zu meinen Füßen auf den Ziegelboden gestellt. In den Mantel gewickelt, den Hut auf dem Kopf, die Füße über die kleine Kohlenglut gestreckt, faß ich da, betrachtete im unsicheren Ampelschein die an den hohen Wänden aufgehängten Bildnisse der Königsfamilie und sang vor mich hin ein paar schwäbische Volkslieder in die Kälte und Dunkelheit hinein, bis der Wirt mit Wein und Essen kam
Nach einer guten Mahlzeit mit Reis und etwas Hammel und frischem Ziegenkäse saß ich, noch immer etwas fröstelnd, am Tische und rauchte schwarze italienische Zigarren. Doch hielt ich es nicht lange so aus. Nach einer Weile verließ ich den viel zu großen, finstern und unheimlich stillen Raum und strich, Wärme suchend, durch das Haus. Da fand ich hinten in der kleinen Küche den Wirt, die Wirtsfrau und deren uralten Vater behaglich am strahlenden offenen Reisigfeuer bei der Feuerstelle kauern. Auf den Backsteinen flackerte hell und brav das Feuerchen, und der zarte blaue Rauch verlor sich im ungeheuren schwarzen Schlund des offenen Rauchfangs. Ich fetzte mich zu ihnen auf eines der ganz niedrigen Strohftühlchen, und freute mich der schönen Wärme und des Flackerscheins, der an den Mauern hinspielte, überall Schattentheater wachrief und hier und dort in den Gefäßen aus Kupfer und Zinn blank aufstrahlte.
Sogleich wurde ich von den Leuten gefragt, was ich denn da vorher für Lieder gesungen habe. Sie hatten mich also gehört. Ich sang einige davon noch einmal und fragte, wie sie ihnen gefielen. Der Wirt lächelte und lobte die Lieder sehr, wollte mir aber durchaus nicht glauben, daß es keine Kirchenlieder feien. Ich hatte Lieder gesungen wie „Jetzt gang' i an's Brünnele" und andere, die bei uns für recht weltlich gelten und keineswegs zu den heiligen Hymnen aerechnet werden. Ich fühlte, daß weder die Lieder selbst noch mein Gesang hier so richtig ästimiert würden, aber artig sind die Italiener stets, und so wurden denn die Lieder gelobt, und die Wirtin ging und holte, als Dank für meine Leistung, eine Flasche alten Wein, die wir gemeinsam austranken.
Das Feuer loderte und knisterte und trieb zischende Gase aus den zum Teil noch grünen Prügeln aus Kastanienholz. Des Wirtes kluger, hübscher Hühnerhund, mit Namen ©raffe, rieb seinen schönen Kopf an unfern Knien und dehnte seine Flanken genießerisch an der Herdwärme, wir sprachen von Florenz und von Rom und von ber Schweiz und von Deutschland, und wie groß d>e
Einen Dirigenten im Sinne unserer heutigen Ge- rcralmusikdirektoren und Pultoirtuosen gibt es noch car nicht so lange. Kaum hundert Jahre ist die Ent- ivicklung alt, zu der der Opernkomponist Weber und Louis Spohr den entscheidenden Anstoß gaben. Früher war der führende Orcheftermufiker i»on feinem Pult aus gleichzeitig der Dirigent, oder er saß am Cembalo und leitete von dort aus die Aufführung. Von Weber und Spohr geht dann Der Weg über Liszt und Wagner zu Bülow, ter den Dirigenten zum unumschränkten Herrscher >cs Orchesters machte.
Heute ist der Dirigent die Seele des Orchesters. Seine künstlerische Persönlichkeit erst formt aus der Partitur das Kunstwerk. Diese nach- fchaffende Leistung des Dirigenten ist erstaunlich in ihrem Ausmaße, obwohl das Werk in der Partitur nebst allen Einzelheiten wie.Tempo und Dynamik genau feststeht. Demgemäß könnte man zu dem Schluß kommen, daß der Dirigent lediglich auf den technischen Ablauf des Werkes, ähnlich wie der Inspizient beim Bühnenstück zu sorgen habe, und daß es infolgedessen ziemlich gleichgültig sei, wer dem Orchester vorsteht, wenn der Leiter nur gewissenhaft die technischen Funktionen ausübt.
Dem ist ober keineswegs so. Erst durch die ©uggeftion, die der Dirigent auf seine Musiker ausübt, wird das Werk dem Hörer näher gebracht. Temperament und Persönlichkeit des Dirigenten find von wesentlicher Bedeutung. Voraussetzung eines guten Kapellmeisters sind absolute Beherrschung der Partitur, klare und eindeutige Schlagtechnik und jene Eigenschaft, die den Dirigenten über den Techniker hinaus zur Persönlichkeit stempelt! Wirkung auf Spieler und Hörer, die von der äußeren Erscheinung und der Geste des Dirigenten nicht unabhängig ist. Daß sich dabei die einzelnen Meister des Taktstocks sehr stark von einander unterscheiden, wollen wir im folgenden an einigen kurzen Charakteristiken unserer größten deutschen Dirigenten feftftellen.
Richard Strauß.
Oas Rezept auf dem Rücken.
Als der Weinsberger Arzt Justinus Kerner einst mit feinen Kindern einen Spaziergang machte, holte ihn ein Bote ein, der ihn dringend um ein Rezept für einen Krankheitsfall ersuchte. Kerner, der weder Papier noch Bleistift bei sich hatte, begann sich nicht lange, sondern hielt einen vorübergehenden Weinsberger Bürger auf. ,.Jhr habt wohl auch keinen Bleistift und Papier bei Euch, Hans Jörg?" In der Tat verneinte es der ehrsame Bürger. „Aber ich habe ein Stück Kreide." „So kommt, Hans Jörg, und haltet Euren breiten Rücken her. Auf Eurem blauen Wams läßt sich prächtig ein Rezept schreiben. So! Jetzt geht Ihr beide zusammen in die Apotheke nach Weinsberg, und du, Bote, sorgst mir dafür, daß niemand dem Hans Jörg auf den Rücken klopft.
Umbrischer Vorfrühlingstag.
Don Hermann Hesse.
Der Vorfrühling hatte mich wieder einmal über die Berge gelockt, in den Süden, und ich reiste mit kleinen Aufenthalten über Bologna, Florenz, Arezzo auf altoertrauten Wegen, um einmal wieder em Stück durch das grüne Umbrien zu wanderm Und eines Tages kam ich von 8D1,9n° $
an einem kleinstädtischen Maskenball zu Gast gewesen war. bei Regen und tiefem Schmutz in das Bergstädtchen Mantesalco hinauf Es liegt so kühn und sieht so fest und trotzig und kneg-r^ch aber es ist heute einer der friedlichsten Orte der Welt eine stille Sammelstätte der franziskanische Kunst. Durch das alte Tor führt eine ena und finster bergauf, und was man sieht um &ÄÄ5 SÄ.«
schönes und eindringliche hr;r(4ie Landschaft,
hundert kleinere Orte, D Ner ^and voll Ge-
ÄS üftgire ä stürmen ineinandergepreßte W Einklang der Donner eines «rupimg y erfd)ienen
Seine fahlgelbe, S^lle kurze Sonn ßanö=
bald da, bald dort tn der neftg y 9 Kloster, schäft, ließen eine ferne Stadt, Krüm-
einen Bergrücken oder diew nlmeu(f)ten, und mung eines Flußlaufes ?^erh ft a^s^^G Strich- ver chwanden nach wenigen 9 über das weife fiel Regen, undplotzüch Wrang ganze Land und den halben Himmel wen unu i o ein Regenbogen. h miafc, ging
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dirigiert.
Die Musiker, die unter ihm gespielt haben, wissen manche Einzelheiten davon zu erzählen. So schreibt ein Orchestermusiker, der viele Jahre mit Strauß zusammengearbeitet hat: „Mehr aber wurden wir in Erstaunen versetzt durch das gute, ja hervorragende Gelingen von wenig ober mit uns gar nicht vorbereiteten Aufführungen, an die mir selbst zuweilen mit Zagen gingen. Neuheiten ber Sinfonieprogramme würben vielleicht zweimal, häufig nur einmal fast ohne Unterbrechung und ohne Tüftelei burdjgefpielt. In ber am folgenden Mittag stattfindenden öffentlichen Generalprobe entwickelte sich bie Darstellung ber Neuheit und steigerte sich abends zur Vollendung.
Hans pfitzner.
Auch Hans P f i tz n e r ist eine Doppelbegabung. Auch er ist ein Dirigent von Format, der nicht nur seine eigenen Werke meisterhaft zu Gehör. bringt, sondern der auch als Opern- und Konzertdirlgent immer wieder seine Hörer in den ®a.nnt.!$la9t- Mit Recht schrieb vor etlichen Jahren em suddeut-
Einer unserer bedeutendsten Dirigenten Richard Strauß, eine seltene Doppelbegabung, die in der Musikgeschichte nicht häufig ist. Meist find unsere Komponisten nur mittelmäßige Dirigenten. Man denke nur an Schumann, Brahms und andere. Wenn auch Strauß jetzt seines hohen Alters wegen nur noch selten am Pult erscheint, seine Leistungen als Dirigent der Meininger Hofkapelle und der Berliner Staatsoper sind nicht vergessen. Strauß gilt besonders als unübertrefflicher „Prima vista^ = Dirigent, ber bie schwersten Werke ohne Prob e vom Blatt
scher Kritiker: „Pfitzner besitzt nicht das äußerlich sichtbare Temperament des rücksichtslosen Draufgängertums, aber die volle seelische, geistige und technische Beherrschung der Partitur. Er ist ein Meister feinster Linienführung, ist ein Dynamiker und Rhythmiker ersten Ranges, und nicht zuletzt leitet ihn höchste Besonnenheit, jene, die die Materie nach feinem Willen gestaltet, ohne in das objektive Bild bes Nachzuschaffenben nicht zu recht- fertigenbe Eigenwilligkeiten hineinzutragen."
Pfitzner ist ber „f a ch l i ch st e D i r i g e n t", ben man sich benken kann. Trotzdem fesselt seine Leistung immer roieber, eben weil er ganz aus bem innersten Gefühl heraus uns bie Werke nahebringt.
Wilhelm Furtwängler.


