Norwegen ihren Ausgang nahmen. Die gewaltigen Böen, die an der Küste mit einer Stärke von 30 bis 40 Sekundenmetern daherbrausten, nahmen auf ihrem Weg ins Binnenland an Intensität ab Immerhin hatte der Sturm in Hannover noch eine Stärke von 27 Sekundenmetern, während er in unserer Gegend mehrfach über 20 Sekundenmeter erreichte. Im Taunus fegte die Windsbraut mit 20 bis 25 Meter Geschwindigkeit in der Sekunde über die Berge und Wälder. Am Nachmittag nahm dann der Sturm allmählich ab, nachdem er an den Bäumen viel Windbruch verursacht hatte. Ungewöhnlich ausgiebig waren auch die Regenfälle, die in der Nacht zum Dienstag niedergingen. Insgesamt 16 Millimeter Regen d h 16 Liter Wasser auf den Quadratmeter, hat der Reichswetterdienst Frankfurt gemessen. Im Taunus waren es 20, stellenweise sogar 22 Millimeter.
Bluttat in Mainz.
Eine Frau durch einen Schuh verletzt.
Main-z 27. Okt (LPD^) Wie di- HMche Polizeidirektion rnitteilt, ereignete sich am ver losse- nen Samstag gegen 18 Uhr in der Goethestraße folgender mysteriöser Fall: Eine dort wohnende Frau beobachtete, daß Kinder in dem tiefgelegenen und unbebauten Gelände der Goethestraße Feuer anzündeten. Die Frau verwehrte dies den Kindern, was jedoch keinen Erfolg hatte. In diesem Augenblick kam aus der Scheffelstraße ein der Frau gänzlich unbekannter junger Mann von
gutem Aussehen. Sie ersuchte diesen, einzugreifen, was der betreffende junge Mann auch tat. Danach kam er zu der Frau wieder zurück, frug sie, ob sie in der Nähe wohnen würde, was die Frau bejahte. Darauf sagte er, er wolle mit ihr das Haus betreten, um bei den Kindern den Anschein zu erwecken, er würde auch in dem Haus wohnen. In dem Hausflur angekommen, erkundigte sich der Mann bei der Frau nach einem hinteren Ausgang des Hauses, da er durch diesen das Haus wieder verlassen wolle. Als die Frau ihm ahnungslos den Ausgang zeigte und sich nach dem Manne, der ihr dicht folgte, umdrehte, gab dieser plötzlich einen Schuß aus einem Terzerol auf sie ab. Die Kugel drang der Frau oberhalb des rechten Auges in den Kopf. Auf die Hilferufe der Verletzten verließ der Täter das Haus. Nach Ueberwindung des ersten Schrecks besaß die Frau jedoch die Geistesgegenwart, den Täter unter lauten Hilferufen zu verfolgen. Darauf aufmerksam geworden, gelang es Passanten, den Täter zu stellen, obwohl er sie mit erhobener Schußwaffe einzuschüchtern versuchte. Durch das sofort herbeigerufene Notrufkommando wurde der Täter, der heftigen Widerstand leistete, fe st genommen, während die verletzte Frau, die heftig blutete, in das Krankenhaus verbracht wurde. Nach ärztlichem Befund ist die Verletzung der Frau nicht lebensgefährlich. Es handelt sich um einen Steckschuß. Das Motiv der Tat konnte bis jetzt noch nicht seine Aufklärung finden. Als Täter kommt der 33jährige Richard H ö r r aus Wiesbaden in Frage.
Oberhessen.
Oer Leichenfund in Lauterbach.
In unserem gestrigen Blatte berichteten wir über die Auffindung einer männlichen Leiche in d e r Lauter in Lauterbach. In diesem Polizeibericht war auch auf einen jungen Mann hin- gewiesen, der unter Tatverdacht festgenommen wurde. Wie wir heute früh von der Kriminalpolizeistelle Gießen weiter hören, haben sich die Verdachtsmomente gegen diesen jungen Mann im Laufe der Ermittlungen während des gestrigen Dienstags so verstärkt, daß der vorläufig Festgenommene dem Amtsgericht in Lauterbach zugeführt und dort unter Haftbefehl gestellt wurde. Es handelt sich um den 27 Jahre alten August Wegener aus Northeim bei Hannover.
Autobrand auf der Landstraße.
* Lich, 27. Okt. Am Montag zwischen 20 und 21 Uhr geriet auf der Landstraße Lich—Nieder-Bessin- gen, innerhalb der Gemarkung Lich, das Personenauto des Lehrers Gröninger aus Münster bei Lich während der Fahrt plötzlich in Brand. Dem Besitzer des Wagens, der selbst am Steuer saß, und seiner ihn begleitenden Frau gelang es, rasch aus dem brennenden Auto herauszukommen, so daß beide ohne Schaden davonkamen. Das Auto wurde durch die Flammen völlig zerstört.
Landkreis Gietzen
* Klein-Linden, 27. Okt. In unserem Orte ereignete sich am Montagmittag an der Straßengabelung beim Abzweig nach Wetzlar, die sogen. Todesfälle, ein Verkehrsunfall. Dort kamen ein Lastzug, der aus Richtung Wetzlar in die Hauptstraße einbiegen wollte, und ein aus Richtung Großen-Linden kommendes Personenauto so dicht aneinander, daß der Personenwagen scharf auf die Seite gedrängt wurde und dabei die Bäume streifte. Das Personenauto und die Bäume wurden beschädigt, Personen kamen aber zum Glück nicht zu Schaden.
* Großen-Linden, 27. Okt. Auf der Durchfahrtsstraße in unserem Orte geriet am Montagnachmittag ein Personenauto, das aus Richtung Gießen kam, plötzlich auf den rechten Fußsteig. Der Autolenker verlor dabei die Herrschaft über den Wagen, fuhr quer über die Straße hinüber auf die linke Seite und rannte dort gegen ein entgegenkommendes Fuhrwerk. Der Fuhrwerkslenker wurde leicht verletzt, sein Fahrzeug und das Auto wurden beschädigt.
I Großen-Linden, 27. Okt. In Großen- Linden soll ab 1. November 1936 eine Gendar - meriestation errichtet werden. Die hierher versetzten Beamten haben bereits Wohnungen gemietet. Der Station werden voraussichtlich folgende Orte zugeteilt werden: Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn-Steinberg und vielleicht Allendorf (Lahn). Wenn man bedenkt, daß bis jetzt bei einer so verkehrsreichen Straße zwischen Gießen und Butzbach keine Station ist, dann hat diese Errichtung ihre Berechtigung. Bei Verkehrsunfällen in der Gemarkung Lang-Göns hat der Beamte jetzt zur Aufnahme 10 bis 12 Kilometer mit seinem Rad zurückzulegen.
* Lollar, 27. Okt. Gestern abend hielt in der Gastwirtschaft „Zum Schwanen" Fräulein Schumacher von der Gauabteilung „Ausland und
Grenzland im Deutschen Frauenwerk" einen Vortrag über „Deutsche Kolonien". Die zahlreich erschienenen Zuhörer, Angehörige der Frauenschaft, sowie der Partei und ihrer Gliederungen folgten den Ausführungen der Rednerin mit großem Interesse und spendeten ihr reichen Beifall. — Die vom Jungvolk durchgeführte Brotsammlung hatte ein gutes Ergebnis. Nachdem am Freitagnachmittag vor der Schule die feierliche Eröffnung der Sammlung für das Gebiet des Stammes Burgund stattgefunden hatte, sah man allenthalben die Pimpfe mit großem Eifer am Werk. Im ganzen kamen im Bereich der hiesigen Ortsgruppe 409 Brote zusammen, davon entfallen auf die Gemeinde Ruttershausen 47.
_L Lollar, 28. Okt. Die Eheleute Ludwig K l i n - k e l XII., Lumdastraße, können am morgigen Donnerstag, 29. Oktober, das Fest der silbernen Hochzeit begehen.
£ Lollar, 27. Okt. Am vergangenen Sonntag hielt die Freiwillige und Pflichtfeuerwehr ihre Schlußübung ab. Um 8 Uhr war die Wehr angetreten. Der 1. Beigeordnete der Gemeinde, Hermann Schwalm, verpflichtete 19 Wehrmänner, die den Eid noch nicht abgelegt hatten. Hierauf ernannte Hauptbrandmeister Schelm 6 Feuerwehranwärter, die ihre Probedienstzeit mit Erfolg abgelegt hatten, zu Feuerwehrmännern. Ein Fuß- und Geräteexerzieren schloß sich an. Nach der Hebung marschierte die Wehr unter Vorantritt des Musikzuges zum Gerätehaus. Hier wurden noch geschäftliche Angelegenheiten besprochen und das Winterprogramm bekanntgegeben. Hauptbrandmeister Schelm ernannte den von der Feuerwehrfachschule zurückgekehrten Wehrmann Paul Wendt zum Oberfeuerwehrmann. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer fand die Schlußübung ihr Ende.
<3 Lollar, 27. Okt. Am Samstag fand hier in der „Bergschenke" die Monatsversammlung des Bezirks Lollar im NS. - Lehrerbund statt. Der Bezirksobmann, Lehrer E m m e I (Staufenberg), machte einleitend auf die große Bedeutung der Reichsautobahnen aufmerksam, von denen nunmehr der tausendste Kilometer fertiggestellt ist. Er stellte die aufbauenden, gewaltigen Kulturleistungen in unserem Vaterland in Gegensatz zu dem kulturvernichtenden Zerstörungswerk in Spanien. Anschließend tagte die Arbeitsgemeinschaft „Volksschule" unter Leitung von Lehrer Eberle (Lollar). Dieser berichtete zunächst über eine Arbeitstagung der Bezirksarbeitsleiter in Gießen und legte dann zwei Entwürfe der neuen Bildungs- und Lehrpläne vor. Diese wurden einer allgemeinen Besprechung unterzogen. Hierauf erstattete Lehrer Henkel (Daubringen) einen Bericht über seine Erfahrungen, die er bei der Durchführung einer Landschulwoche mit seiner Schule in diesem Sommer machte.
* Harbach, 27. Okt. Dieser Tage weilte Fräulein Lanz von der Bäuerlichen Werkschule Gießen in unserem Orte, um einige Aufklärung über zeitgemäße Geflügelwirtschaft zu geben. Sie stattete verschiedenen bäuerlichen Betrieben einen Besuch ab und nahm dabei auch die Beringung von Junghennen vor. Gleichzeitig gab sie beherzigenswerte praktische Ratschläge. Sie sprach über die Notwendigkeiten der Steigerung der Leistungen in der Hühnerzucht, über schlechte Legeleistungen, und bestehende Perbesserungsmöglichkeiten, über Stallverhältnisse und den notwendigen Auslauf für die Hühner und schließlich über die Wirtschaftlichkeit
Der Hungener „Allerheiligenmarkt
# Hungen, 27. Okt. Am 2. November findet in Hungen, getreu einer alten Ueberlieferung, der „Allerheiligenmarkt" statt. Dieser Tag ist von jeher für die Bewohner des Städtchens, wie auch für die Landbevölkerung der Umgebung ein Ereignis. Vielfach ruht an diesem Tage die Arbeit, und an vielen Orten der benachbarten Gemeinden werden die Schulen geschlossen, um den Markt zu feiern. Vielerorts wird dieser Tag zum Anlaß des „Spinn- stuben-Beginns" genommen. Es ist daher fein Wunder, daß an diesem Tage in dem Städtchen ein beängstigendes Getriebe herrscht. Schon frühzeitig entwickelt sich das gewohnte Bild des „Allerheiligenmarktes". Auf dem neuen Marktplatz findet der Rinder-, Schaf- und Ferkelmarkt statt. In der Hauptstraße des Städtchens zieht sich die lange Kette der Schaustände zu beiden Seiten der Straße von der unteren Hälfte der Unterstadt im bunten Wechsel bis zur Oberstadt hin. Auf dem alten Marktplatz haben gewöhnlich Karussell, Schießbuden und sonstige der Polksbelustigung dienende Einrichtungen Aufftellung genommen. Auf den Straßen, an den Ständen, in den Geschäfts- und Wirtshäusern herrscht Hochbetrieb.
Unwillkürlich wirst sich die Frage auf: „Was gibt eigentlich dem Markt einen so eigenartigen Reiz?" Ohne Frage ist es das hohe Alter, auf das dieser Markt zurückblicken kann! Vielerlei an buntem Markttreiben, an froher ausgelassener Marktstimmung, aber auch an traurigen Pegebenheiten könnte er erzählen. Die Wirren des '30jährigen Krieges, des Siebenjährigen Krieges, die krieoe- rischen Ereignisse in der Zeit von 1794 bis 1813 und die Bewegungen in den Jahren 1830 und 1848, die nach den lleberlieferungen der Chronik das Städtchen stark in Mitleidenschaft gezogen haben
der verschiedenen Hühnerrassen. Des weiteren beschäftigte sie sich mit Fragen der Fütterung, mit der Behandlung der Tiere während der Mauser, mit der Bekämpfung des Ungeziefers an Geflügel und mit dem Auftreten der Tuberkulose in den Hühnerbeständen. Ihre Ausführungen wurden dankbar aufgenommen.
Kreis Hriedberg.
)( Aus der We11erau, 27. Okt. Die Feldarbeiten haben einen guten Fortgang genommen. Gegenwärtig werden die Dickwurzeln noch ringe» bracht. Da sie in diesem Jahre einen überaus guten Ertrag bringen, reichen die Kellerräume nicht aus. Sie müssen größtenteils im Felde eingemietet werden. Schon jetzt finden in den Dörfern, in denen größere Flächen Zuckerrüben angebaut werden, Ge- marfungsrunbgänge statt, bei welchen durch ©ad)» oerständige bereits die Feldteile ausgesucht werden, aus denen im kommenden Jahre die Zuckerrüben zum Anbau kommen sollen. — Allgemein hört man Klagen über den weniger günstigen Ertrag der Kartoffelernte, und zwar handelt es sich um die Sorte Industrie. Da sie nach dem Jahre 1940 nicht mehr zum Anbau kommen soll, hat ihr der diesjährige ungünstige Sommer den Todesstoß versetzt. — Die Herbstaussaaten sind bis auf die restliche Weizensaat beendet. Das Korn läuft bereits auf. Das starke Auftreten der Mäuse ist wieder zur Plage geworden. Auch hat die junge Saat unter dem Schneckenfraß sehr zu leiden.
)( Butzbach, 26. Okt. Von herrlichem Herbstwetter begünstigt, unternahm gestern die hiesige Ortsgruppe des Vogelsberger Höhen- Clubs ihre Monatswanderung in den Krofdorfer Forst. Von dem Bahnhof Gießen aus führte die Wanderung zunächst auf den Gleiberg. Durch prächtig farbige Herbstwälder ging es weiter durch das Fohnbachtal nach dem Waldhaus und der Altenburg, lieber Odenhausen brachte die Bahn die Wanderer wieder nach Butzbach zurück. — Die erste Bratsammlung, die durch das Jungvolk vor- genommen wurde, erbrachte das ansehnliche Ergebnis van 574 Laiben. — Der älteste Einwohner unserer Stadt, Friedrich Grauer, vollendete gestern sein 9 0. Lebensjahr. Er ist trotz seines hohen Alters noch recht rüstig und körperlich gesund. In seinem arbeitsreichen Leben betrieb er das Schmiedehandwerk und verband damit ein Wagenbaugeschäft. — Die diesjährige Generalversammlung hielt der Alice-Frauenverein und das Rote Kreuz im Saale des „Deutschen Hauses" ab. Die Vorsitzende, Frau Patz, gab nach kurzen Begrüßungsworten einen lieber» blick über die Tätigkeit im verflossenen Jahre. Wieder war, neben der sozialen Fürsorge im Winterhilfswerk und der NS.-Volkswohlfahrt, die Hauptarbeit die Ausbildung junger Mädchen zu Samariterinnen und Helferinnen des Roten Kreuzes, ebenso Ausbau des Bereitschaftsdienstes. Gegenwärtig zählt die Gemeinschaft 256 Mitglieder. Im kommenden Winter werden, wie im Vorjahre, neue ärztliche Ausbildungs- und Unterrichtskurfe abgehalten werden. Apotheker Matthäus erstattete, den Kassenbericht, der mit rund 1400 Mark in Einnahme und Ausgabe abschließt.
krels Alsfeld.
△ Alsfeld, 26. Okt. Die Gauabteilung „Ausland-Grenzland" im Deutschen Frauen» werk veranstaltete im Saale des Gasthauses „Vaterland" dahier einen Vortragsabend mit Lichtbildern. Es sprach Fräulein S ch u» macher von der genannten Organisation. Die Rednerin, die mehrere Jahre auf einer Farm in Deiitsch-Südwest-Afrika tätig war, gab zunächst einen Rückblick über die deutsche Kolonisationsarbeit vom Beginn der Kolonisationsarbeit des Deutschen Ritterordens im Osten an bis zum Kriegsbeginn 1914. Die Vortragende ging dann auf die Verhältnisse in Deutsch-Südwest-Afrika ein. Dieses Land mache auch heute noch den Eindruck einer deutschen Kolonie. Die Kolonie brauche deutsche Frauen als Kulturträgerinnen und vor allem als deutsche Mütter. Eine große Anzahl guter Lichtbilder gab einen anschaulichen Begriff von dem Leben und der Wirtschaft in Deutsch-Südwest-Afrika. Die Orts» gruppenführerin der NS.-Frauenschaft dankte der Rednerin für ihren interessanten Vortrag. Der Abend wurde dann in üblicher Weise geschlossen.
# Ober-Ohmen, 26. Okt. Bei der Bro t- s a m m I u n g für das Winterhilfswerk wurden in unserem Dorfe insgesamt 97 Brote aufgebracht.
£ Groß-Felda, 26. Okt. Die hiesige Molkereigenossenschaft war genötigt, die B e - trieb sräumlichkeiten wesentlich zu er- weitern, da sie den neuzeitlichen Anforderungen nicht mehr entsprachen. Der Maschinenraum wird vergrößert, sowie die Maschinenanlage erneuert. Die Kesselanlage wird umgebaut. Das seitherige Mühlrad, das z. T. als Antriebskraft ausgenutzt wurde, wird durch eine moderne Turbinenanlage ersetzt. Zu diesem Zwecke wird der seicherige Mühlgraben in Röhren gefaßt und das natürliche Gefälle noch künstlich gesteigert. Die Räumlichkeiten für die Belegschaft fehlten fast ganz. Es sollen nun ein Bade- und Waschraum und neue Abortanlagen gebaut werden, außerdem noch ein Aufenthalts- und Umkleideraum für die Belegschaft. Der Dachstuhl wird ausgebaut, es werden darin Wohnungen für die Gehilfen gewonnen. Da die Ablieferung der Milch aus 8 Dörfern z. T. mit zwei Fuhrwerken erfolgt und sich auf 2 Stunden zusammendrängt, ergab sich oft eine unliebsame Verzögerung. Aus diesem Grunde wird auch die Anfahrtsrampe wesentlich erweitert, so daß die Ablieferung der Kannen beschleunigt erfolgen kann. Die Gesamtkosten dieses Umbaues sind auf ca. 30 000 RM. veranschlagt. Die Arbeiten werden von Maurermeister B l ö s e r aus Kestrich ausgeführt. Nach dem Umbau wird die hiesige Molkerei zu den modernsten unserer Provinz gehören. Täglich werden 10 000 Liter Milch geliefert, wovon ein Fünftel als Magermilch wieder an die Lieferanten zurückgeht. Die anderen vier Fünftel werden zu Butter verarbeitet — je nach Bedarf 5 bis 6 Zentner — und zu Weichkäse. — Das Jungvolk sammelte hier 31 Laib Brot und 8,04 RM. in bar für das Winterhilfswerk. — Der Arbeiter Johannes Dörr aus Kestrich, der bei der Reichsautobahn in der Nähe von Alsfeld beschäftigt ist, kam so unglücklich zu Fall, daß er mit einem Beinbruch in das Kreiskrankenhaus eingeliefert werden mußte.
sollen, sind sicher nicht ohne Einfluß auf diesen alten Markt geblieben.
Leider gibt die Chronik, so reichhaltig sie über diese Begebenheiten zu berichten weiß, über den genauen Zeitpunkt der Entstehung dieses Marktes keinen näheren Auftchluß. Es ist ohne Zweifel, daß der Zeitpunkt schon vor Einführung der Reformation in Hungen zurückliegt. Das besagt schon sein Name! Und wenn auch der genaue Zeitpunkt des Einganges der Reformation in dem Städtchen ebenfalls nicht festliegt, so weiß man doch, daß im Jahre 1564 — also noch zu Lebzeiten Luthers — sie bereits eingeführt war. Es ist nicht unwichtig hierbei zu erwähnen, daß Luther selbst auf feiner Rückreise vom Wormser Reichstag im Jahre 1521 durch Hungen gekommen sein soll. Vielleicht wurde diese Begebenheit zum Anlaß der Einführung der Reformation genommen?
Aber wie dem auch sei. Im weiteren Verfolg der Geschichte sehen wir, daß im Jahre 1361 die Gräfin Agnes von Karl IV. die Ermächtigung erhält, das Dorf Hungen zu einer befestigten Stadt zu machen, mit Mauern, Gräben, Türmen und Toren zu versehen und daselbst einen Wochenmarkt einzurichten.
Im Jahre 1494 erhält Graf Otto zu Hungen von Kaiser Max l. das Marktprivilegium. All diese festliegenden Geschehnisse geben Grund zu der Annahme, daß im 14. bzw. 15. Jahrhundert die Geburtsstunde des „Allerheiligenmarktes" zu suchen ist. Sei es nun, wie es sei, das hohe Alter und die allgemeine Peliebtheit, deren sich-der Markt in zunehmend steigendem Maße in den letzten Jahren erfreuen konnte, geben glaubhafte Annahme, daß er auch fernerhin nichts von seinem Glanz und seiner Bedeutung verlieren wird.
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