Ifr. 255 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 28.Oktober 1956
Aus Oer provinzialhauptsiadt
ist ja für viele un
erschwinglich.
H.
Ratgeber sein, er wendet sich auch an die Freunde guter Dolkspoesie. Wir finden darin nette Gedichte, kleine Erzählungen und etliche Anekdoten. Wir haben viele gute Volkskalender, die allen etwas sagen können. Ganz so einfach und bescheiden wie vor Jahrzehnten sind sie nicht mehr, denn das Leben ist vielseitiger, „technischer" geworden. Ge-
Deshalb sollte man die paar freundlichen Worte beherzigen und nicht vergessen, auch dem Volkska-
Tageskalender für Mittwoch.
NS.-Frauenschaft Gießen-Ost, 19.45 Uhr Versammlung. — Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Der Bettelstudent". — Gloria - Palast, Seltersweg: „Glückskinder". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 14.15 Uhr Märchen-Vorstellung „Hänsel und Gretel"; „Ein Lied klagt an". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr große Kunstausstellung von Oelgemälden, Tempera und Aqua-
Kampftag, startet B o e l ck e auf einen Hilferuf der Front hin mit der Staffel. Es kommt zum Luftkampf mit einem an Zahl doppelt überlegenen englischen Gegner. Im wilden Kurvenkampf jagen B o e l ck e, Erwin Böhme und Manfred von Richthofen — es sind die beiden Staffelkameraden, die dem Führer persönlich am nächsten stehen — einen Engländer und drücken ihn runter. In einem besonders dramatischen Kampfaugenblick streifen sich die Flugzeuge Boelckes und Böhmes im Bruchteil einer Sekunde. Es hat genügt, um Böhme die eine Fahrgestellhälfte, Boelcke aber das äußere Ende der linken Tragfläche wegzureißen. Von Böhme schützend begleitet, geht das Flugzeug Boelckes in einen sanften Gleitflug über, der jedoch in den Böen der unteren Wolkenschichten immer steiler wird, bis die Maschine neben einer deutschen Batteriestellung auf den Boden aufschlägt . . . Deutschlands großer Flieger ist nicht mehr . . .
Sein Tod wog mehr als der Verlust eines teuren Kameraden und tapferen Kämpfers. Das von Feinden ringsum bedrohte Volk sah den Niebesiegten fallen, den Mann, der eine Verheißung des deutschen Endsieges zu sein schien. Sein Tod bedeutete für Feldheer und Heimat mehr als eine verlorene Schlacht. Feierlich wurde er in seiner Heimat Dessau bestattet. Manfred Freiherr von R i ch t h o f e n , der große Schüler des großen Meisters, ihm ebenbürtig und artgleich, trug das Ordenskissen. Ganz Deutschland trauerte um seinen Helden, der als Mensch, als Soldat und als Führer gleichermaßen groß war. Der Tagesbefehl des Stabsoffiziers der Flieger der I. Armee, des Hauptmanns Wilberg — heute General der jungen Luftwaffe —, nahm von Oswald Boelcke mit den Worten Abschied: „Es fiel ein großer Held, ein edler Kämpfer, ein reiner Mensch, unser Boelcke. Seine Taten sind unsterblich! Sein Name unvergänglich! Sein Geist sei unser Geist!"
Dieses Gelöbnis ist erfüllt worden. Boelckes Geist hat in der Fliegertruppe des Weltkrieges weitergelebt und ist heute von neuem erwacht in der jungen Luftwaffe. Ihm zu Ehren trägt das Kampfgeschwader „Boelcke" der jungen Luftwaffe seinen unsterblichen Namen.
lender sein reges Interesse zu schenken.
Vornotizen.
Der Bolkskalender.
Wenn in diesen Tagen das gute Buch im Vordergrund steht, wenn wir ermahnt werden, unsere treuesten Freunde — die Bücher — nicht zu vergessen, dann wollen wir auch ein paar Worte über ein echtes Volksbuch sagen, nämlich über den guten, alten Hausfreund auf dem Lande, den Volkskalender.
Er steht vielleicht bescheiden in irgendeiner Ecke des Schrankes, ganz schmucklos, ohne Prunk, ohne Goldschnitt und Lederrücken. Aber was er für viele Volksgenossen bedeutet, davon wissen nur die zu erzählen, die ihren Kalender wirklich gelesen und benutzt haben.
Er legt nicht viel Wert auf sein äußeres Gewand, er hat es „inwendig". Auch im ärmsten Hause des kleinsten Dörfchens treffen wir neben der Bibel noch e i n Buch an, den Kalender. Er ist dem Landbewohner ein treuer Begleiter während des ganzen Jahres. Er wird zu Rate gezogen, wenn irgendeine Frage auftaucht, in ihn machen die Landwirte ihre Notizen über Verkäufe, über ihr Vieh usw.
Der Kalender gehört nicht zu jenen Büchern, die wir, nachdem sie gelesen sind, in den Schrank stellen. Er behält seinen Wert wenigstens ein ganzes Jahr lang, ja noch weit darüber hinaus. Und es ist recht ergötzlich, in einem alten Volkskalender zu blättern. In manchen Familien werden sie sorgfältig aufgehoben, wir können noch nach Jahr und Tag allerlei über Freud und Leid der Familie darin lesen.
Doch der echte Volkskalender will nicht nur ein
rade deshalb hat ein guter Kalender noch größere Bedeutung für einfache Menschen, denn hier finden sie oft Rat und Lehre für alle möglichen Fragen, die sie bedrücken. Ein Lexikon ".......
losen kleinen Gruppen zusammengefaßt, bis die Aufstellung von ganzen Jagdstaffeln im Juni 1916 die entscheidende Wendung in der offensiven Führung des Luftkampfes bringt. Boelcke selbst darf erst August 1916 seine eigene Jagdstaffel 2, die nachmalige Jasta „Boelcke", nach der Rückkehr von einem ihm auf Befehl des Kaisers zwecks zwangsweiser Fernhaltung von der Front auferlegtem Kommando, vollzählig aufstellen. Der unvergleichliche Kämpfer wird nun auch der unvergleichliche Erzieher der deutschen Jagdfliegerei. Boelcke als Erzieher und wegweisender Führer ist fast noch größer als der Kämpfer. Er überträgt auf seine Staffel nicht nur den eigenen Wagemut und Angriffsgeist, die sachlich-kühle Beherrschung jeder Phase von Angriff und Verteidigung in der Luft, die Ausnutzung und Meisterung aller technischen Gegebenheiten — das Größte, was er in seiner Erziehungsarbeit leistet, ist das Zusammenschweißen der Staffel zur schlagfertigen Kampfeinheit. Er lehrt seine Schüler, daß es nicht darauf ankommt, als Einzelflieger herumzuschwirren und auf Einzelerfolge auszu'gehen, sondern in harter Disziplin sich selbst um des Gesamterfolges willen zurückzustellen und in die taktische Einheit der Staffel einzufügen. Der Führer gibt die Richtlinien des Kampfes, die Staffel folgt und handelt befehlsgemäß und immer unter Einsatz aller Kraft bis zum letzten Hauch.
Glanzvoll sind die Siege, die die Jagdstaffel Boelcke im September und Oktober 1916 errungen hat, verschwindend dagegen die Verluste dank der Meisterschaft des Führers, der feine Flieger behütet wie eine Henne ihr Küchlein. Wie viele hat doch der getreue Kamerad, der Adler im Angriff zur Entlastung der ihm anvertrauten Untergebenen, vor dem sicheren Verderben bewahrt! Großes hat Boelcke geleistet. Größeres war von feiner allumfassenden Meisterschaft noch zu erwarten, wenn das Schicksal nicht anders bestimmt hätte. Am 28. Okt. 1916, 16.30 Uhr, an einem besonders bewegten
Und wenn sich die Leser in ihre Jugendzeit zurückversetzen, dann wird sicher i
, „ . , , in der Erinnerung
ein Kalender erscheinen, in dem sie einst zuerst die Bilder betrachteten und dann auch alle Geschichten und Aufsätze lasen und immer wieder lasen.
Unsterblicher Boelcke.
Don ßauptmann (($) Or. Gchepelmann, Reichslufffahriministermm.
Vor zwanzig Jahren, am 28. Oktober 1916, fiel der berühmte deutsche Kampfflieger Hauptmann Boelcke.
Vom Feinde unbesiegt, aber durch tückisches Mißgeschick doch vom Tode bezwungen, sank vor 20 Jahren H^iptmann Oswald Boelcke, Deutschlands großer Flieger, dahin. Ein ganzes Volk erschauerte in tiefem Erschrecken beim Verlust des Mannes, der strahlenden Glanz um feine Waffen gewoben hatte und, wie einst Achill unter den Helden bei; Griechen vor Troja, dem ruhmreichen Heere der Deutschen voranleuchtete.
Aus Boelckes Kriegsbriefen, aus feinen Taqebuch- aufz.uchnungen, aus den Zeugnissen seiner Vorgesetzten und den vielfachen Beiträgen des Elternhauses, der Kameraden und Bekannten formt sich ein Lebensbild von ungewöhnlichem Format. Diel legte ihm eine gütige Natur in die Wiege, mehr, unendlich mehr hat er daraus gemacht. „Treudeutsch bis in die Knochen, im Herzen fromm, ohne daß er jemals Worte darüber machte, makellos als Charakter, der Pflicht getreu bis zum Tode, wohlgemut und frohen Sinnes für das Leben, fest und stark, schlicht und ehrlich, sich seiner Kraft und seines Wertes bewußt und doch bescheiden, gegen jedermann freundlich und doch voll Würde, und immer dem Grundsatz getreu: „Mehr sein als scheinen!" So steht seine Persönlichkeit, von seinem Biographen Professor Werner mit beredten Worten geschildert, vor uns.
Der Offiziersberuf, den er schon als Knabe ersehnte, war der Beruf für ihn, der das ganze Glück feines kurzen und doch fo großen Lebens gewesen ist. Entsprechend seinen technischen Neigungen tritt er als Fahnenjunker in das Koblenzer Telegraphenbataillon Nr. 3 ein. Alle Strapazen der Ausbildung erträgt der sport- und willensgestählte junge Mann mit Leichtigkeit. Den Dienst nimmt er überaus ernst. Dabei aber ist er voller Lebenslust unö Lebensfrische. Man kann nur mit grenzenloser Hochachtung und Liebe all das lesen, was dieser seltene Mann in seinen Briefen zu sagen hat. Ob es die aus dem Herzen springende Teilnahme an der rheinischen Fröhlichkeit ist oder die gesellige Freude des Kasinolebens, ob es sich um die vielfachen Anforderungen des Dienstes handelt, immer steht ein Mensch vor uns, der an alle Dinge, die an ihn herantraten, das ihnen zukommende Maß verteilt. In jedem Augenblick ist Oswald Boelcke ein vorbildlicher Mensch und Soldat. Kriegsschule in Metz, Beförderung zum Offizier August 1912, Funkerleutnant in Darmstadt sind die äußeren Stationen seiner Laufbahn, bis er kurz vor Kriegsausbruch als werdender Flieger vor uns tritt.
Im Sommer 1915 beginnt fein Aufstieg und Siegeslauf. Dieser Ausstieg ist zugleich, untrennbar mit dem Namen Boelcke verbunden, der Aufstieg der deutschen Kriegsfliegerei überhaupt geworden. Fokker hat den ersten deutschen Kampfeinsitzer, dessen Maschinengewehr, durch eine sinnreiche Vorrichtung gesteuert, nach vorn durch den Propellerkreis schießen kann, konstruiert und führt ihn Boelcke als erstem in Douai vor. Mit dem Instinkt des geborenen Fliegers bildet Boelcke die Kunstregeln des Lustkampfes heraus und vervollkommnet sie so, daß feine Taktik die Regel für den Einzelkampf wird. Seine ganze Persönlichkeit spiegelt sich in der Ausübung des Kampffluges wieder. Trotz Verbot geht er über die eigenen Linien hinüber und faßt den Gegner „jenseits". Er kämpft nicht nur bei der zufälligen Begegnung, er pirscht auf den Feind, wie der Jäger sich auf der Jagd an das Wild heranpirscht und sich dabei die günstigsten Vorbedingungen für den Abschuß schafft.
Anfangs eine Einzelgänger-Jagdpassion, wird die neue Art des Kampffluges, die sich nun zur Jagdfliegers entwickelt, Anfang 1916 vor Verdun in
‘Srübfal blafen ?
aber warum denn? Eine Flasche Schaumwein, hüllt ja gleich die Welt in rosigen Schimmer.
SCHAUMWEIN
rellen. — Ausstellung „Das Buch" im Foyer des Stadttheaters. — Evangelische Frauenhilfe Gießen, 14.15 Uhr Verbandsoersammlung, Vortrag von Gerda Lukas (Potsdam) „Der Dienst der Frau in der Gemeinde, eine diakonische Aufgabe" im Caf6 Leib. — Bekenntnisgemeinde Gießen, 20.15 Uhr Bibel- und Bekenntnisversammlung, Vortrag von Pfarrer Gubalke „Die Kunst Albrecht Dürers und Matth. Grünewalds" im Johannessaal.
Stadltheater Gießen.
Heute abend geht die erfolgreiche Operette „Der Bettelstudent" von Carl Millöcker, in neuer Bearbeitung und Inszenierung, in Szene. Die musikalische Leitung hat Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul W r e d e. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr. Mitwoch-Miete. 6. Vorstellung.
Profeffor Nr. Ferdinand Werner 60 Jahre alt.
Am gestrigen Dienstag, 27. Oktober, wurde der im ganzen Hessenlande und weit darüber hinaus, besonders aber in Oberhessen bekannte Politiker und warmherzige Heimatfreund Professor Dr. W e r n e r, jetzt in Darmstadt wohnhaft, 6 0 Jahre alt.
Wer Professor Werner ist, und was er für das hessische Volk und sein Hessenland, insbesondere wiederum für fein Oberhessen, als Vorkämpfer für das neue Deutschland bedeutet, ist unseren Lesern so gut bekannt, daß wir uns darüber nähere Ausführungen ersparen können. Sein bisheriger Lebensweg, der den am 27. Oktober 1876 in Weidenhausen (Kreis Biedenkopf) Geborenen schon früh nach Oberhessen führte und ihn durch den Schulbesuch und das Studium in Gießen, sodann durch seine Berufstätigkeit in unserer Stadt, in Lauterbach, Laubach und Butzbach zum richtigen, mit der Heimaterde tief verwachsenen Oberhessen machte, ist ebenfalls allen Oberhessen so geläufig, daß es auch nach dieser Richtung hin keiner weiteren Worte bedarf.
Der 60. Geburtstag Prof. Werners gibt uns aber Anlaß, einmal besonders auf die tiefe Verbundenheit dieses Mannes mit der oberhessischen Heimat und insbesondere mit seinem Vogelsberg und der Bevölkerung unserer Provinz hinzuweisen. Es gibt wohl nur wenige Menschen in Oberhessen, deren ganze Liebe in so reichem Maße der oberhessischen Heimat und ihrer Bevölkerung gilt, wie es bei Professor Werner allezeit der Fall war und sicherlich auch bis an sein Lebensende sein wird. In Wort und Schrift, in Poesie und Prosa hat er immer wieder seine starken geistigen Waffen und die Kraft seines gewinnenden menschlichen Wesens für Oberhessen und seinen Vogelsberg eingesetzt. Besonders entfaltete er dabei im Vogelsberger Höhen-Club eine außerordentlich rege Tätigkeit, sowohl bei den großen Veranstaltungen dieser Vereinigung von heimatverbundenen Menschen, wie auch im Leben und Wirken der Zweigvereine des VHC., insbesondere im Rahmen des Butzbacher Zweigvereins. Wie stark er mit der heimatlichen Scholle und mit den schönen Sitten des bodenständigen Volkstums verwachsen ist, konnten wir — dies sei als Beispiel hier nur erwähnt — im Jahre 1931 bei der 50-Jahr-Feier des VHC. in Schotten bemerken, wo Professor Werner, der im öffentlichen Leben in vorderster Front stehende und außerordentlich stark beschäftigte Mann, trotz aller Anspannungen nicht verfehlte, in der Wanderkluft mit blauer Jacke, kur-
„Glückskinder."
Gloria-Palast.
Wenn der Film zu laufen anfängt und an der Spitze des Perfonenoerzeichniffes die Namen von Lilian Harvey und Willy Fritsch über den Neuyorker Wolkenkratzer-Himmel wandern, damit man gleich Bescheid weiß, wo das Abenteuer sich ereignet, kann man natürlich noch nicht ahnen, was das für ein Abenteuer fein wird. Aber es dauert gar nicht lange, dann kommt es einem bekannt vor, und man erinnert sich dumpf, diese oder eine ähnliche Geschichte schon einmal auf der Leinwand gesehen zu haben: hieß sie nicht „Es geschah in einer Nacht"? — richtig, so hieß sie, und damals war es ein leibhaftiger Amerikaner mit amerikanischen Schauspielern. Aber diesmal ist es ein deutscher, und er ist so lustig, daß man das Märchen aus USA. gerne noch einmal erlebt. Mit das Erfreulichste daran ist der Umstand, daß Curt Götz den Dialog geschrieben hat; es hat sich gelohnt, und man sollte das öfters machen, denn der Text, nicht bloß der gereimte und gesungene, läßt in unfern Filmen noch oft genug Verschiedenes zu wünschen übrig. Hier nicht; hier sitzt er, hier klappt er, hier herrscht Tempo, Witz und Schlagfertigkeit: so geht es in Amerika zu, jedenfalls im Film. Bei uns geht das alles ein bißchen anders zu, und schon die Voraussetzungen zu dem ganzen Fall wären hier normalerweise nicht vorhanden. Aber es macht Spaß, sich das mal anzusehen (so ähnlich ist es bestimmt), wie sie drüben eine Zeitung machen, wie und wo sie ihre Reportage holen, und was sie für Bilder auf die erste Seite stellen, die bei uns im allgemeinen nicht mal weiter hinten auftauchen würden. Und es ist ausgesprochen lehrreich und luftig, einer Verhandlung beim Neuyorker Schnellgericht beizuwohnen, selbst wenn sich dort minder amüsante Sachen ereignen als hier, wo sich ein träumerischer Reporter ritterlich zu einem armen Mädchen bekennt, das wegen Vagabundierens aufgegriffen wurde. Da der Schnellrichter ein Mann ist, der es genau nimmt, endet die Verhandlung mit einer Trauung (drüben geht das unter Umstanden schnell). Schlimmer ist, daß die Sache am andern Morgen in allen Blättern steht (mit dem Bild auf der ersten Seite) — bloß nicht in dem des vorschnell verheirateten jungen Mannes. Am schlimmsten, daß er infolgedessen befördert wird ... vom Chef persönlich, und zwar hinaus, fristlos, und mit ihm feine beiden besten Freunde, die chm das ganze Abenteuer aufgehalst haben. Zum Glück — denn i>er Titel hat was zu bedeuten — kommt dann die Sache mit der Millionennichte des Oelkönigs und mit dem viereckigen Leberfleck unter der linken
Schulter ... aber wir können ja nicht gut den ganzen Film erzählen. Was wir noch sagen wollten: es herrscht hier jene eigentümlich amerikanische Mischung aus Scherz und Ernst, aus Wirklichkeit und Phantasie, eine Mischung aus kindlichem Ulk und einer etwas bitter schmeckenden Groteske. (Man kennt diese Mischung aus amerikanischen Witzblättern und aus manchen der verschollenen amerikanischen Lustspielfilme im stummen Beiprogramm.) Jedenfalls hat der Regisseur Paul Martin die Sache mit soviel Humor und Temperament, mit soviel spürbarer Freude am Einfall und am Allotria aufgemacht, daß man willig mitgeht (auch wenn man schon merkt, wie das 'enden wird) und aus dem Schmunzeln und Lachen nicht herauskommt. Gepriesen sei G ö tz e n s erfrischender Dialog. Er befeuert Fritsch, der zwar mit dem Zeitungsbetrieb nicht ganz so selbstverständlich fertig wird wie seinerzeit Clark Gable „in einer Nacht", aber dafür seinen c,.. . m Charme einer sympathischen jungen Männlichkeit einzusetzen hat. Lilian Harvey, diesmal nicht große Dame, sondern armes kleines Mädchen und Hausfrau mit Schürze und Bratpfanne im Junggesellenheim: sehr niedlich. Zwei prächtige Burschen aus dem großen Reportersaal: Paul Kemp und Oskar Sima, von erstaunlicher Beweglichkeit und erstaunlichem Mundwerk; ein witziges Pärchen. Die entzückende Szene vor dem Scbnellrichter erwähnten wir schon: den macht Paul Bildt unwiderstehlich. (Vielleicht darf man bei der Gelegenheit sagen, daß dieser Darsteller einer der besten Chargenspieler der deutschen Bühne ist.) Erich Ke st in'und O. Stoeckel seien noch genannt. Das Drehbuch stammt von Robert A. Stemm le und Paul Martin, die Musik von Peter Kreuder, der einen luftigen Foxtrott mit Gesang für vier Personen beigesteuert hat; man muß ihn gesehen und gehört haben. — (Ufa.)
Im Beiprogramm läuft u. a. die neue Wochenschau mit Bildern von der Eröffnung des WHW. durch den Führer. hth.
Sochschulnachrichten.
Professor Dr. Hans K ö p p e, em. Ordinarius für Nationalökonomie und Finanzwiffenschaft an der Universität Marburg, begeht am 30. Oktober ö.I. seinen 7 5. Geburtstag. Köppe begann feine akademische Laufbahn 1904 als Prioatdozent an der Universität Gießen und habilitierte sich ein Jahr später an die Universität Marburg um, wo er 1908 zum ao. Professor und 1915 zum Ordinarius ernannt wurde. Hier hat er bis zu seiner Emeritierung 1929 gelehrt.
(SmfieOier in der Tierwelt.
Von Or. Th Iell.
Bei vielen Tieren ist der Herdentrieb sehr stark entwickelt. Von den Pferden ist z. B. bekannt, daß sie die für den Reiter so lästige Eigenschaft des Klebens haben, d. h. daß sie sich von anderen Pferden nur ungern trennen. Im Zweigespann erdulden sie manches, weil sie schon zufrieden sind, nicht allein zu sein. Wie die Pferde, so leben auch Rinder, Schafe, Ziegen, Gemsen, viele Antilopen, Elefanten, Biber und Ratten in Herden, insbesondere auch Affen. Fast allen Affenarten ist e»' ein schreckliches Gefühl, allein sein zu müssen. Der Mohammedaner, der sich aus religiösen Gründen schwer zum Töten eines Tieres entschließt, benutzt diese Furcht vor der Absonderung in folgender Weise. Affenherden sind eine furchtbare Plage für den Landwirt, da sie ungeheuer viel verwüsten. Hat mat einen solchen Plagegeist gefangen, so schnallt man ihm ein Schurzfell oder ein anderes Kleidungsstück möglichst fest um und läßt ihn laufen. Der Affe eilt sofort zu seiner Herde; die entsetzt sich jedoch vor ihm und will nichts von ihm wissen. Da sie flieht, und er beständig hinter ihr her ist, fo ist der Landmann fo lange, wie das Kleidungsstück hält, vor einem Besuch dieser Affenherde sicher.
Umgekehrt gibt es auch viele Tiere, die ausgesprochene Einsiedler sind. In unserer Heimat sind am bekanntesten hierfür Maulwurf und Dachs. Aber es gibt nicht nur Einsiedler in der Tierwelt in dem Sinn, daß gewisse Tierarten stets einzeln leben, sondern es kommen auch wunderbarerweise unter den Tieren, die sonst in Herden leben, Einsiedler vor. Besonders häufig ist diese Erscheinung bei den Rindern beobachtet worden. Die wilden Rinderarten trifft man ausnahmslos nur in Herden an, trotzdem findet man auch Ein- sidler, gewöhnlich ältere Stiere, die sehr bösartig sind. Alte, unverträgliche Stiere werden nämlich von dem jungen Nachwuchs gemeinschaftlich vertrieben und pflegen dann grollende und mürrische Einsiedler zu werden. Von den beiden Vettern, Wisent und Bison, ist dieselbe Erscheinung bekannt. Die einsiedlerisch lebenden Tiere können zu einer wahren Geißel für die Gegend werden und scheinen ein besonderes Vergnügen daran zu finden, mit dem Menschen anzubinden. Allgemein sind auch die Einsiedler unter den Kafferbüffeln gefürchtet.
Auch unter den Nilpferden, die sonst gesellig leben, findet man alte Bullen als Einsiedler. Ganz besonders ist diese Erscheinung bei den Elefanten. Ein ausgezeichneter Kenner der indischen Elefanten schreibt hierüber: „Ein wirklich einsamer Elefant, der nicht mehr mit seinesgleichen
zusammengeht, tritt recht selten auf und ist auch dann noch keineswegs immer ein bösartiger Bursche, ein Rogue, wie ihn die Engländer nennen. Dagegen bildet er sich oftmals zu einem tüchtigen Plünderer der Pflanzungen aus, der, mit den harmlosen Künsten der Wächter vertraut, sich nicht so leicht durch die üblichen Mittel verscheuchen läßt".
Fragen wir nach den Gründen, weshalb es Einsiedler unter Tieren gibt, bfe sonst gesellig leben, so ist folgendes darauf zu erwidern: Alle Tiere leben gesellschaftlich, die einzeln von ihren Feinden zerrissen würden. Alle Affen Afrikas sind schwächer als der Leopard, deshalb leben sie alle in Herden, nur der Gorilla ist stärker als diese gefährliche Katze, deshalb lebt er allein. Auf Borneo, wo es keine Tiger gibt, lebt der Orang- Utan allein, auf Sumatra, wo Tiger vorkommen, lebt der Orang-Utan in Herden. Ausschluß aus der Herde heißt so viel wie Auslieferung an die Feinde. Nun versteht man auch, warum der vorhin erwähnte Affe durchaus zur Herde zurückkehren will. Um ihrer Existenz willen muß nun die Herde alle kranken Mitglieder ausschließen, denn diese lähmen. die Bewegungsfähigkeit der Gesamtheit. Sie werden in kurzer Zeit von den Feinden zerrissen. Die alten Männchen, die als Einsiedler leben, scheinen dagegen regelmäßig freiwillig aus der Herde auszuscheiden. Wahrscheinlich sind sie früher Haupt der Gemeinschaft gewesen, sind dann von jüngeren Mitbewerbern besiegt worden und haben sich auf ihre alten Tage nicht mehr auf das Gehorchen verstehen wollen. Nun begreift man auch ihre gereizte Stimmung. Daß sie nicht ebenfalls den Feinden erliegen, erklärt sich daraus, daß sie das stärkste Glied der Herde waren und diese gegen Angriffe verteidigten.
Der grollende Alte, der sich mit dem Gefühl: Undank ist der Welt Lohn! in die Einsamkeit zurückzieht, sindet sich also auch in der Tierwelt. Das Volk sucht allerdings andere Erklärungen. Die Indianer haben beispielsweise von den einzeln lebenden Bibern die Meinung, daß diese deshalb von der Gemeinschaft ausgeschlossen wären, weil sie zu faul wären, bei den Bauten mitzuarbeiten.
Zeitschriften.
— „Handarbeiten aller A r t (Stickereien und Spitzen)" Verlagsanstalt Alexander Koch G. m. b. H. Stuttgart, Heft 1. Einzelheft 1,50 Mark. Als verheißungsvoller Auftakt zum neubeginnen- den 37. Jahrgang zeigt Heft 1 vorzügliche Bildvorlagen der Stepparbeiten Ina von Kardorffs oder der schönen Schwälmer Bauernstickereien aus der Werkstatt Frau Thielmanns. Hier sieht man, wie nahverbunden der Volkskunst die vorbildliche Handarbeit ist.


