und den guten Leumund, den der Angeklagte in seinem Heimatsdorfe genießt.
Schöffengericht Gießen.
Der W. G. aus Bad-Nauheim, 36 Jahre alt, wurde wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug, sowie des Diebstahls unter Annahme mildernder Umstände zu einer Gesamtstrafe von zwei Monaten und drei Tagen Gefängnis verurteilt. Von dieser Strafe gelten 8 Wochen erlittene Untersuchungshaft als verbüßt. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Angeklagten auferlegt. Der Angeklagte entwendete einer ihm bekannten Firma ein Scheckformular, stellte den Scheck auf sich aus, fälschte die Unterschrift seines Arbeitgebers und gab dann diesen Scheck gegen ein Darlehen an einen Bekannten als Sicherheit weiter mit der Auflage, den Scheck nicht in Zahlung zu geben. Da der Angeklagte nicht, wie versprochen, das Darlehen zurückzahlte, gab der Geldgeber den
Scheck zur Bank, wodurch sich die Fälschung herausstellte. ,r ,
Der 55jährige E. R., gebürtig von Wolfenborn, im Kreise Büdingen, Inhaber einer außergewöhnlich großen Vorstrafenliste, wurde wegen Verleumdung, sowie wegen versuchter Nötigung in Tateinheit mit Verleumdung zu einer Gesamtge- fängnis strafe von zehn Monaten und zur Kostentragung verurteilt. Der Angeklagte hat in diesem Jahre an verschiedenen Orten wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen Unwahrheiten behauptet. Er teilte in einem Brief an einen Pfarrer in Darmstadt ein unsittliches Vorkommnis mit, das sich angeblich in Wohnbach zugetragen haben sollte. Er war wegen Verbreitung dieser Erzählungen schon einmal vom Amtsgericht Büdingen rechtskräftig verurteilt worden. Trotzdem erzählte er es wieder, obwohl ihm durch die Verurteilung bekannt war, daß er sich durch den Inhalt dieses Briefes erneut einer strafrechtlichen Verfolgung aussetzen würde.
S.Jl-tfport
Kußball der Gauliga Heften.
3m Gau Hessen.
Das Programm der hessischen Gauliga war infolge des Länderspiels aus drei Begegnungen zusammengeschrumpft. „Hessen" Bad Hersfeld schlug den SC. 03 Kassel knapp mit 3:2 (2:1) und errang dadurch — Hanau und Wachenbuchen spielten nicht — die Führung in der Tabelle. Die Spvgg. Niederzwehren leistete auf eigenem Platz Germania Fulda erbitterten Widerstand und ergab sich erst nach Kampf 1:2 (0:0). Im dritten Spiel brachte Borussia durch einen schönen Erfolg mit 4:3 (2:2) über Kurhessen Marburg ihren Anhängern eine freudige Ueberraschung.
Gau Südwest: FSV. Frankfurt — Union Niederrad 9:0; Kickers Offenbach — FD. Saarbrücken 5:4; Wormatia Worms — SV. Wiesbaden ausgefallen; Borussia Neunkirchen — Eintracht Frankfurt 4:2; Spfr. Saarbrücken — FC. 03 Pirmasens 1:1.
Gau Bayern: 1. FC. Nürnberg — VfB Jn- golstadt-Ringsee 2:1; 1860 München — Spvgg. Fürth 0:2.
Sporttag des pi-Stmmes 15/116 in Wieselt.
Fußball-Ergebnisse der hrimischen Mannschaften.
Frohnhausen — 1900 Gießen 6:0.
Lollar — Dillenburg 4:0.
Naunheim — Bissenberg 1:0.
BfB.-Reichsbahn Gießen — Burg 1:2.
Alsfeld — Wetzlar 1:6.
Bis zur Halbzeit konnten die 1900er in Frohnhausen das Spiel offen gestalten, unterlagen dann aber unerwartet hoch.
Die Lollarer befanden sich in großer Fahrt und hatten schon bei Halbzeit ihren Sieg sichergestellt.
Obwohl die Bissenberger den Naunheimern an Schnelligkeit überlegen und auch eifriger waren, mußten sie doch zum Schluß sich dem vorjährigen Meister beugen.
Die Niederlage der VfB.er bedeutet eine Ueberraschung, denn man hatte ihnen auf eigenem Platze einen knappen Sieg zugettaut.
In Alsfeld errangen die Wetzlarer den erwarteten Sieg.
und Fragen des deutschen Lebens, wie auch über ihre Lösung auf dem Gebiete der Technik und auf allen übrigen Wegen.
Znu Punkt 1 erinnerte der Redner daran, daß in früheren Jahren manche gute Erfindung lediglich den patentrechtlichen Schutz erhallen habe, aber nicht ausgeführt wurde, nur weil sie dem betr. Unternehmer andere wirtschaftliche Pläne behinderte, der Erfinder selbst aber kein Geld hatte. In Zukunft müsse als oberster Grundsatz gelten, alle Erfindungen, die dem Wohle und dem Fortschritt des Volkes dienen, unter allen Umständen auszunützen. Zu Punkt 2 erinnerte der Vortragende an die früheren ungünstigen und vielfach unsozialen Verhältnisse in Betrieben zwischen dem Inhaber und ihren Mitarbeitern, er stellte demgegenüber die starke Achtung, die im nationalsozialistischen Staat dem Arbeiter entgegengebracht wird, und forderte auf, diesen Weg immer weiter auszubauen und damit das Verhältnis zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft nach dem vorbildlichen Verhältnis zwischen Offizier und Soldat zu gestalten, die beide in bester Kameradschaft und innigster Verbundenheit im gemeinsamen Dienst sichtbar sind. Zu Punkt 3 betonte er an eindrucksvollen Beispielen die dringende Notwendigkeit der Aufklärung auch im Lebens- und Arbeitsbereich der Techniker und auf allen Gebieten, mit denen der Mann der Technik überhaupt in Berührung komme.
Nach der eingehenden Darlegung einer Reihe von technischen Fragen und Aufgaben, bei denen es, wie auch der Führer in Nürnberg bereits betonte, das Wort „Unmöglich" nicht geben dürfe und könne, erklärte der Redner zum Schluß,
die Sturmbataillone der Technik hätten die Aufgabe, den Bierjahresplan des Führers mit aller Kraft durchzuführen, damit unser Volk neben der Nahrungsfreiheit auch die Rohstofffreiheit erringe.
Der Führer habe unser Deutschland wieder zu lehren gebracht und stark gemacht, ihm wieder Geltung und Ansehen in der Welt verschafft, nun sei es eine neue Aufgabe, die in dem Vierjahresplan vom Führer gestellt sei, an der alle Kräfte mit voller Hingabe mitzuarbeiten hätten.
Kreisamtsleiter Eronjaeger unterstrich mit kurzen Worten die Appelle der Vorredner und forderte die Männer der Technik auf, die von den Rednern ausgesprochenen Gedanken weiterzutragen und damit dem Führer und seiner Bewegung im Interesse des gesamten deutschen Volkes zu dienen.
Sodann wurde die Kundgebung mit dem Gruß und Treugelöbnis an den Führer geschlossen.
Schwurgericht Gießen.
Am Samstagvormittag wurde die Beweisaufnahme in dem Meineidsverfahren gegen den Ludwig Belzer II. aus Borsdorf, über das wir bereits in unserer Samstagausgabe berichteten, fortgesetzt. Mit der Beeidigung der Hauptbelastungszeugen wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen.
Nach den Plädoyers des Staatsanwalts (Gerichtsassessor Dr. Bechtoldt) und des Verteidigers (Rechtsanwalt L u l e y) verkündete das Gericht nach längerer Beratung das Urteil. Das Schwurgericht erkannte gegen den Angeklagten auf eine Zucht» hausstrafe von einem Jahr und drei Jahren Ehrverlust. Außerdem wurde gegen den Angeklagten auf dauernde Unfähigkeit, als Zeuge oder Sachverständiger vor Gericht vernommen zu werden, erkannt.
Der Vorsitzende des Schwurgerichts, Landgerichtsdirektor Dr. Speckhardt, führte in seiner Begründung aus, daß erwiesen sei, daß der Angeklagte einen Meineid geleistet habe. Der als Zeuge vernommene Oberamtsrichter habe bestätigt, daß ihm der Angeklagte in dem neben dem eigentlichen Zivilprozeß, den die Zeugin M. gegen den Angeklagten wegen Verlöbnisbruchs angestrengt hatte, hergelaufenen Verfahren auf Befragen, ob er der Zeugin die Heirat versprochen, mit. „Ja" geantwortet habe. Die Behauptung des Angeklagten, daß er von einem am Amtsgericht Nidda tätigen Beamten falsch belehrt worden sei, was man unter Verlöbnis verstehe, sei durch die Aussage des in Frage kommenden Beamten einwandfrei widerlegt. Straferschwerend berücksichtigte das Schwurgericht, daß der Angeklagte mit der Ehre der Zeugin M. Schindluder getrieben und, um finanziell keine Einbuße zu erleiden, den Meineid geleistet hat. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht die seitherige Unbestraftheit
Auf den Schießständen des Schützenhauses zu Gießen waren die Teilnehmer an den Wettkämpfen frühmorgens zum Kleinkaliberschießen angetreten. Es wurden durchschnittlich hohe Ringzahlen geschossen. Außer den Pionier-Stürmen 15/116 und 16/116 beteiligten sich an den Wettkämpfen noch eine Mannschaft der SA.-Reserve sowie 2 Mannschaften der Hitlerjugend von Wieseck. Dann wurde der Marsch nach Wieseck zum Sportplatz angetreten. Nach der Flaggenhissung und Meldung an den Brigadeführer Schmidt ermahnte der Führer des Sturmes 15/116, Obertruppführer M artin, die Teilnehmer zum ehrlichen Wettkampfe.
Wettkampf in der Leibesübung.
An mehreren Stellen zugleich wurden die einzelnen Sportarten des Fünfkampfes, 100-Meter- Lauf, Kugelstoßen, Keulenweitwurf und Weitsprung ausgetragen. Anschließend wurde mit dem Dreikampf, Steinstoßen, Keulen-Zielwurf und 150-Meter-Kampfbahn begonnen. Zu Mittag hatte die Feldküche ein schmackhaftes Essen zubereitet, dem tüchtig zugesprochen wurde.
Als wieder das Kommando zum Antreten gegeben wurde, waren alle Teilnehmer wieder frisch wie am Vormittag.
Oie pioniertechnischen Wettbewerbe.
Der Nachmittag brachte eine ganz andere Sportart, und zwar pioniertechnische Wettbewerbe. Als erster und wohl auch schönster Wettkampf wurde ein Beseler Steg über die durch Ad- stauung verbreiterte Wieseck gebaut. Das Material lag für die wetteifernden Stürme 15/116 und 16/116 zurecht, und auf einen Pfiff des Adjutanten des Sturmbannes IV/116 begann die Arbeit. Zu bewundern war die Ruhe der aus je 10 Mann, einschließlich einem Führer, bestehenden Mannschaften, mit der sie ihre Arbeit verrichteten. Jedem einzelnen sah man die Durchbildung an. Da gerade die Pi
onierstürme zu den jüngeren Stürmen der Standarte 116 zählen, war diese ausgezeichnete Facharbeit um so lobenswerter.
Nach 26 Winulen war der erste Steg fertig, und konnte der Benutzung übergeben werden.
Die Bauart des Steges war derart fest und dauerhaft, daß es schade war, ihn nach kurzer Zeit wieder abbauen zu müssen. Die Abbauarbeit ging ebenso sachkundig vonstatten wie der Aufbau.
Der Mannschaftslauf mit Gasmaske zeigte die Männer auch hier auf voller Höhe. Als weitere sportliche Hebung war den beiden Radfahr- Pionier-Spähtrupps der Stürme 15 und 16 die Aufgabe gestellt, einen auf der Karte bezeichneten Platz an der Lahn zu erreichen und dort Flußbreite, Stromgeschwindigkeit in der Strommitte sowie Wege- und Hserverhältnisse festzustellen, ob sie für einen Stegbau geeignet seien. Weiterhin war an der Stelle selbst der Rechts- und Hochwert zu ergründen. Außerdem mußte von dem ganzen Platz eine möglichst genaue Skizze hergestellt werden. An der genauen Lösung der Aufgaben konnte man die gute Durchbildung und Leistung der Stürme erkennen. Als letzte Hebung war ein Tau-Wett- z i e h e n der beiden Stürme angesetzt. Diese Mannschaftskraftübung löste sowohl bei den Beteiligten wie bei den Zuschauern viel Freude aus.
Nach der feierlichen Flaggeneinholung marschierten alle Kampfteilnehmer, SA., SA.- Reserve und Hitler-Jugend unter klingendem Spiel des SZ. und MZ. der Standarte 116 durch Wieseck. Die Einwohner hatten es sich nicht nehmen lassen, durch reichen Fahnenschmuck ihre Verbundenheit mit der SA. zu bekunden. Dor dem Schulhaus nahm Standartenführer Lutter den Vorbeimarsch ab. Sodann versammelte man sich zu einer
Kundgebung
im Saale der Gastwirtschaft Scheppers. Nach dem Fahneneinmarsch und einem Gedicht, oorgetragen
von Rottenführer Janssen, dankte der Führer des Sturmes 15/116, Obertruppführer Martin allen für ihre Teilnahme. Wenn wir heute, so führte er u. a. aus, zusammengekommen sind zu einem Wettkampf innerhalb eines Sturmbannes, so wollen wir keine Spitzenleistungen oorführen, sondern wir wollen zeigen, daß jeder SA.-Mann eine sportliche Ausbildung erfährt und bei dem Sport die Kameradschaft übt. Dazu dienen gerade die Mannschaftskämpfe in erster Linie. Von der heutigen Veranstaltung wollen wir mit nach Hause nehmen, daß wir gewappnet sind, auch für größere Aufgaben, die uns der Führer stellen möge.
Nach dem gemeinsam gelungenen Liede „Volk an's Gewehr" sprach Standartenführer Lutter zur SA. und führte aus:
„SA.-Kameraden, Nationalsozialisten! Wir sind heute hierher gekommen, um ein Sportfest abzu- halten. Es hat sich von anderen Deranstaltunaen dieser Art ausgezeichnet durch die pioniertechnischen Leistungen, die überraschend gut waren. Kameraden, wer von euch mit in Nürnberg war und durfte seinem Führer ins Auge blicken, der hat wieder neuen Mut und neue Kraft gefunden für die Arbeit im kommenden Jahre. 2)er SA.-Mann muß mehr leisten als alle anderen, er muß Vorbild sein. Der SA. sind vom Führer hohe und hehre Aufgaben gestellt worden, für deren restlose Erfüllung wir eintreten müssen. Zur Erfüllung dieser Aufgaben gehört aber vor allen Dingen eine vollkommene Durchbildung eines jeden einzelnen SA.- Mannes. Wir dürfen nicht ruhen, im Gegenteil, wir ziehen den Riemen fester und marschieren weiter bis auch der letzte deutsche Volksgenosse er- süllt ist von dem Glauben an den Führer und sein großes Werk. Denken wir zurück an die Kampfzeit, wie es in Wieseck, im Lande, ja im ganzen Reiche aussah. Nur durch unseren Führer ist Deutschland wieder das geworden, was es heute ist. Wir danken ihm für feine große Tat, für die Einigung Deutschlands und grüßen unseren Führer nach alter SA.- Art und schwören ihm erneut Treue." Nach dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied erfolgte der Ausmarsch der Fahnen. r
Abends fand noch ein Manoverball statt, der die Teilnehmer und Bevölkerung noch lange zusammenhielt.
Oie Ergebnisse der Wettkämpfe.
Fünfkampf: 1. Sieger Pi-Sturm 16/116, mit 335,5 Punkten (Mannschaft Schmidt); 2. Sieger Pi- Sturm 15/116, mit 310 Punkten (Mannschaft Wel- ler I.). — 1. Sieger Hitler-Jugend: Mannschaft Singel (Wieseck) mit 300 Punkten.
Dreikampf: I. Sieger Sturm 16/116 mit 443 Punkten (Mannschaft Haus); 2. Sieger: Pi-Sturm 15/116 mit 401 Punkten, Mannschaft Scherer. — 1. Sieger der Hitler-Jugend: Mannschaft Kreiling mit 398 Punkten.
Gasmaskenlauf: 1. Sieger Hitler-Jugend Wieseck mit 74.Sekunden; 2. Sieger Pi-Sturm 15/116 (Trupp Heuchelheim) mit 75,6 Sekunden. •
Spähtruppaufgabe: 1. Sieger Pi-Sturm 16/116.
Tauziehen: Sieger Pi-Sturm 15/116.
Beseler-Stegbau: Sieger Pi-Sturm 15/116 in 26 Minuten 11 Sekunden.
Kurze Sportnotizen.
Eine große Wintersportwoche, die die Erinnerung an die Olympischen Winterpsiele in Garmisch-Partenkirchen wachhalten soll, kommt in der Zeit vom 23. bis 31. Januar des nächsten Jahres an den olympischen Stätten zum Austrag.
Der Internationale Luftsport-Verband beschloß auf seiner Tagung in Warschau die Schaffung eines internationalen Sporsliegerabzei- chens. Die große Goldmedaille der FAJ. für besondere fliegerische Leistungen erhielt der Sieger des Luftrennens England-Australien, der Engländer Scott.
Auch am Schlußtage des Wiener Reitturniers feierten die deutschen Reiter noch einen großen Erfolg. Rittmeister Brandt (Alchimist) und Rittmeister Momm (Baccarat) gewannen den Siegerpreis vor dem Italiener Capt. Montfort auf Fe- lino.
Sei den Meisterschaften der Tennislehrer in Berlin gab es am Sonntag eine Riesen-Heber- raschung, da Nüßlein gegen Ramillon mit 6:4, 2:6, 2:6, 4:6 verlor. Nüßlein wurde aber doch deutscher Meister, da er im Gesamten das bessere Satzverhältnis aufzuweisen hatte. Ramillon wurde Zweiter vor Goritschnig und Rott.
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Vornan von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Guten Abend, Hanna."
„Paul! Wo kommst du denn her?", erfreut sieh sie auf und nimmt von dem einzigen freien Stuhl Schläger und Bälle weg. „Setz dich und erzähle.
„Ich war bei euch, dein Vater ist nicht da, aber Friedel wußte wenigstens, wo du bist." Der Verleger nimmt Platz und sieht nun erst, daß noch jemand am Tisch sitzt, der mit Hanna gegessen hat. „Du bist nicht allein, entschuldige, aber —
„Du kannst getrost sitzen bleiben, Paul, du kennst den Mann sogar. Vielleicht freut dich auch die Be- 9 Da kommt Herbing zurück, er erkennt Paul La- verenz sofort.
„Mein Himmel, Laverenz, Sie hier? Das ist ja nun wirklich ein Novum!"
Laverenz ist sichtlich überrascht, Hanna und dieser Mann? Das ist denn doch —! Er erhebt sich und gibt Herbing die Hand.
„Nett, Sie zu treffen, Herbing Wenn ich nicht störe, bleibe ich auf eine halbe Stunde. Ich habe den Wagen mit unb kann die Herrschaften umschichtig heimfahren." .
„Sie kennen Fräulein Brandes —?
„Fräulein Brandes ist gut, was Hanna? Aber vielleicht darf ich zurückfragen: du kennst Herrn ^Dtt"beiden^lachen, John Herbing lacht nicht. Er sagt nur, verbindlich gegen das Mädchen gewandt:
„Ich habe seit drei Stunden den Vorzug Ihrer Gesellschaft!"
„Hanna und du —" Ä .. . n
@5 nimmt ihm für kurze Zett ine gute Laune ...
5. Kapitel.
Die Heimfahrt ist recht schweigsam. Paul Laverenz hat zwar nicht viel aufzupassen, denn der Verkehr in den Grunewaldstraßen »st übersichtlich, er
hätte längst fragen können, wie Hanna Brandes zu der Einladung Herbings gekommen ist. Als sie der Binger Straße immer näher kommen, tut er es endlich.
„Das war sehr einfach, Paul. Wir spielten einen Satz zusammen, und da lud er mich eben ein."
„So. "Dann ist es wieder eine Weile still zwischen den Beiden. Am Breitenbachplatz setzt Laverenz hinzu: „Nimm dich da ein bißchen in acht, Hanna!"
„Wieso?" Es kommt nicht ohne Schärfe. Das Mädchen hat nie viel Sinn für Ratschläge in Dingen, denen sie allein auf den Grund kommen will.
„Der Mann ist nicht uninteressant und deshalb nicht ganz ungefährlich."
Hanna Brandes sieht den Freund ihres Vaters erstaunt an, dann lacht sie kurz auf.
„Unb das sagst du mir, Paul? Ich dachte, du kenntest mich ganz gut!"
„Ich hoffe es, Hanna. Warum hat er es übrigens abgelehnt, mitzufahren?"
„Ich weiß es nicht, und es interessiert mich auch nicht. Willst du noch auf einen Sprung mit ins Haus kommen? Vater scheint daheim zu sein, in seinem Zimmer brennt Licht."
„Es ist schon spät und —"
„Ich dachte, du wolltest ihn sprechen?" Wieder richtet Hanna Brandes ihre großen, klaren Augen voll auf des Mannes Gesicht. Sie versteht ihn heute nicht ganz, er ist nervös, fast gereizt, und das kennt sie an ihm nicht. „Was ist denn los mit dir, Paul? Jetzt bringe ich sogar barauf, baß du mit herein» kommst."
Er preßt die Lippen zusammen, die Muskeln in seinem Gesicht spielen. Er schiebt die leichte Sportmütze von der Stirn und fährt sich mi^ der Hand durch das dichte angegraute Haar. Dann stoppt er seinen Wagen ein paar Meter vor dem Hause ab.
„Entschuldige, Hanna, aber ich — ich möchte doch lieber nach Hause, es wird mir zu spät. Grüße schön. Wenn du noch ein wenig Zeit gehabt hättest, wäre ich gern noch ein bißchen herumgefahren, aber du bist müde —"
„Ja, das bin ich, Paul. Der Wein ist daran schuld und ein scharfes Spiel, ich muß bester trainieren, ich will auch das Turnier mitspielen."
„Mit Herbing?"
„Ja. Du hast sehr viel gegen ihn, wie es scheint. Warum?"
„Nichts, was ich beweisen könnte, Hanna. Er hat mir den Abend verdorben, deshalb bin ich wohl ungerecht."
„Er hat dir den Abend verdorben? Das verstehe ich nicht, Paul. Du mußt schon deutlicher werden."
„Ein andermal. Ich bin ein alter Esel, entschuldige."
Verbindlich lächelnd öffnet er den Schlag, unb nimmt bie Hand, bie sich ihm entgegenstreckt, mit festem Druck. Er wartet, bis Hanna bie Haustüre aufgeschlossen hat unb brinnen bas Licht aufflammt, bann gibt er Gas unb fährt sehr rasch bavon.
Hanna bleibt fetunbenlang in der Diele stehen unb horcht bem Geräusch des Wagens nach. „Sonderbar," benkt sie. Aber ba geht bie Tür zum Arbeitszimmer bes Vaters auf, helles Licht flutet heraus, benn Brandes hat alle Lampen eingeschaltet.
„Guten Abend, Hanna, ich warte schon eine Stunde auf dich und —"
„Du wartest auf mich, Vater? Das tut mir leib, Friedel wußte, wo ich war, bu hättest mich ruhig anläuten können, bann wäre ich auch heimgekommen. Paul war auch hier, er traf dich aber nicht an."
„Hast du ihn gesprochen? Komm, trink noch einen Schluck Wein mit mir."
„Danke, Vater, aber mein Bedarf ist gedeckt."
Hanna hat ihre weiße Leinenmütze in der Hand, steht schlank unb groß vor ihrem Vater. Der weiße Rock geht bis knapp über bie Knie, der ärmellose Pullover hat eine einzige Verzierung auf der rech- ten Brustfelle, ein rotes Monogramm. Brandes erfaßt das mit einem einzigen Blick. Er sieht die Tochter heut zum ersten Mal mit anderen Augen an. Sie ähnelt ihrer Mutter immer mehr, aber was bei Agnes Mathufius scheue Zurückhaltung war, ist bei Hanna eine Verschlossenheit, bie an Hochmut grenzt. Er versucht, seinen Freund Paul zu ver- stehen unb entdeckt nun auch, baß seine Tochter ein schöner Mensch geworben ist. Für einen Mann wie Laverenz wohl das Ziel von Wünschen.
„Dann wirft bu aber eine Zigarette nicht ablehnen. Hanna. Komm, setz dich hierher. Ist dir bas
Licht zu hell? Ich kann nur arbeiten, wenn alles klar und deutlich um mich herum ist, verwischte Konturen sind nichts für nuch." Er dreht bas Dek- kenlicht aus unb schiebt Hanna den Stuhl so, daß sie im Lichtkegel der Schreibtischlampe sitzt. Sie lächelt, als der Vater ihr gegenüber Platz nimmt, sie kann kaum sein Gesicht erkennen.
„Wie bei einem Verhör," sagt sie.
„Mein Kompliment, Hanna. Du bist also doch auch meine Tochter, sonst hättest du es wohl kaum bemerkt," meint der Anwalt, ihm ist nicht ganz wohl in seiner Haut. Hanna ist deutlich unb hat ihn burchschaut. Also nimmt er sich vor, keine Fragen zu stellen, bei benen sie vielleicht nur überlegen lächelt. „Aber biesmal ist es wirklich nur eine Gewohnheit, keine Absicht. Warum ist Paul nicht mit- gekommen?"
„Angeblich war es ihm zu spät." Hanna nimmt von den Zigaretten, bie ihr Vater vor sie hingestellt hat, unb benutzt ihr Feuerzeug. Mehr sagt sie nicht.
„Angeblich? Wie meinst bu bas?"
„Er war sehr sonderbar heute Abenb. Ich muß erst mal eine Nacht darüber schlafen, morgen bin ich vielleicht klüger."
Herbert Brandes hat aufgehorcht.
„Mir ist er auch ausgefallen, vielleicht hat er Sorgen unb will sie nicht eingestehen."
„Halte ich für ausgeschlossen. Er kam in den Klub, um mich zu treffen. Ich war nicht allein, unb wenn es nicht eben Paul Laverenz, dein Freund gewesen wäre, hätte ich annehmen können, daß ihn das gestört hat."
„Vielleicht — hat es ihn gestört."
Das Mädchen sieht auf, ihre ohnehin eigenwillig nach oben strebenden Augenbrauen wölben sich zu mongolischem Schwung unb verändern jäh das Gesicht. Auch bas bemerkt Brandes mit leichter Verwunderung.
„Das wäre doch lächerlich, Vater. Außerdem täte mir das — sehr leib."
Der Anwalt versteht sofort. Es erscheint ihm ratsam, einen Wink zu geben, nichts zu überstürzen.
„Dars ich wissen, mit wem bu zusammen warst?"
„Mit John Herbing, wenn dir der Name etwas sagt. Paul hat ein Buch von ihm verlegt."
(Fortsetzung folgt.)


