Ausgabe 
28.9.1936
 
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Ortsgruppe Sießen-Mitte.

Betr. Winterhilfswerk 1936/37.

Alle diejenigen, welche die Unterstützung durch das WHW- 1936/37 in Anspruch nehmen wollen, werden gebeten, sich an den Tagen, wie aus nach­stehendem Plan zu ersehen ist, auf der Geschäfts­stelle, Kaplansgasse 18, zu melden. Die als Beleg für die Einkommen- und Mietverhältnisse notwen­digen Unterlagen sind unter allen Umständen mit vorzulegen.

Am 3 0. September: Kaplansgasse, Weiden­gasse, Maigasse, Neuenweg, Ludwigstraße.

1- Oktober: Bleichstraße, Kreuzplatz, Katha­rinengasse, Wolkengasse, Löwengasse, Erlengasse, Teufelslustgärtchen.

2. Oktober: Bahnhofstraße, Grabenstraße,- berstraße, Plockstraße, Seltersweg, Hindenburgwall, Hinter der Westanlage.

5. Oktober: Bruchstraße, Goethestraße, Mühl- straße, Neustadt, Horst-Wessel-Wall.

6. Oktober: Alicenstraße, Bismarckstr., Schan­zenstraße, Marktstraße, Rittergasse, Wagengasse.

7. Oktober: Sandgasse, Mäusburg, Markt­platz, Tiefenweg, In ^oershof.

Meldezeit von 15 bis 18 Uhr und 20 bis 22 Uhr.

Der Ortsgruppenamtsleiter.

Gez.: Schelhorn.

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

Braune Messe: 10 bis 20 Uhr in der Volkshalle. Deutsches Frauenwerk, Abteilung Volkswirtschaft- Hauswirtschaft: 20 Uhr Einkochkursus für die Frauen­schaft Gießen-Ost im Einhorn, in der Lehrküche der NSV. Gloria-Palast (Seltersweg):Straßen­musik". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Der ver­kannte Lebemann".

Kammer für Handelssachen in Gießen aufgehoben.

Der Leiter der Justizpressestelle Darmstadt teilt uns mit:

Durch Verfügung vom 18. September 1936 hat der Reichsminister der Justiz die Kammern für Handelssachen bei einigen Landgerichten mit Ablauf des 30. September 1936 aufgehoben. Von dieser Maßnahme wird im Bereich des Oberlandesgerichts­bezirks Darmstadt die Kammer für Handelssachen bei dem Landgericht Gießen betroffen.

3 Minuten = 133,50 Mark.

Fernsprechverkehr mif Paraguay.

Das Reichspostministerium teilt mit, daß von so­fort an alle Orte in Paraguay zum Sprechver­kehr mit Deutschland zugelassen sind. Ein Drei­minutengespräch kostet 133,50 Mark.

Ueberwachung einer umfassenden Lehrausbildung eingeführt worden. Sollte die Einrichtung diesen Zweck erfüllen, so müssen die Bücher vom Lehrling gewissenhaft in Form regelmäßiger Monatsberichte geführt werden. Es soll vor allem daraus hervor­gehen, daß der Lehrling die Ihm übertragene Tätig­keit auch wirklich erfaßt hat und den Aufgaben des kaufmännischen Berufs gewachsen erscheint.

DieBraune Messe Deutsche Woche" war am gestrigen Sonntag der Anlaß dafür, daß aus weitem Umkreis unserer Stadt die ländliche Bevölkerung in großen Scharen nach Gießen kam. Besonders um die Mittagszeit waren die Züge von Alsfeld und Marburg her, ferner aus der Richtung von Lich, Friedberg und Wetzlar außerordentlich stark besetzt. Nach Schätzungen der Reichsbahn kamen in der Zeit zwischen 14 und 15 Uhr etwa 20003000 Personen in unserer Stadt an. Auch die Omnibusse der Reichspost waren stark besetzt. DieBraune Messe Deutsche Woche" in der Volkshalle war infolgedessen außerordentlich stark besucht, zeitweise mußten sogar wegen Ueberfüllung der Halle und des Freigeländes die Türen geschlossen werden. Der starke Besuch der ländlichen Bevölkerung in unse­rer Stadt dürfte auch für die Geschäftswelt (die Läden konnten gestern nachmittag offen gehalten werden) von Vorteil gewesen sein.

Innungstagungen.

Die Handwerker eröffneten mit ihren In- nungstagungen die Reihe der Veranstaltun­gen zuBraunen Messe Deutsche Woche". Zu­nächst war es die Dachdecker-Innung für die Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach, die im Krausmüller-Saal der Kreishandwerkerschaft ihre Versammlung abhielt. Nach kurzen Begrüßungs­worten des Obermeisters Hermann Röhrig (Gie­ßen) sprach der stellvertr. Kreishandwerksmeister Schneider-Obermeister Hartmann (Gießen), zur Wahl des Obermeisters. Er empfahl die Wieder­wahl Hermann Röhrigs zum Obermeister, die die Versammlung anschließend vornahm. Hierauf dankte der stellv. Kreishandwerksmeister den Ar­beitskameraden für die bekundete Einmütigkeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese fortbestehen

' Unfall auf dem Weg zur Arbeit. Heute morgen kam eine Arbeiterin aus Steinbach, die in einem hiesigen Werke beschäftigt ist, mit ihrem Fahrrad in der Licher Straße zu Fall und erlitt dabei eine Kopfverletzung. Die bedauernswerte Ver­unglückte wurde durch die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht.

möge. Jeder einzelne müsse mitarbeiten, wenn das Ziel erreicht werden solle. Der Führer habe gesagt, daß die Reichsregierung dem Handwerk den Rah­men der Organisation geschaffen habe, nun müsse das Handwerk diese Organisation sich selbst ausge­stalten. Das könne nur durch Disziplin, Einigkeit und Kameradschaft erfolgen. Wer mithelfe und mit­arbeite, der diene dem Volk und dem Führer und der Erfolg für ihn werde nicht ausbleiben. Der stell­vertretende Kreishandwerksmeister Hartmann beglückwünschte den wiedergewählten Obermeister Röhrig und verpflichtete ihn erneut durch Hand­schlag. Obermeister Röhrig dankte seinen Arbeits­kameraden und versprach, sein Amt auch fernerhin zum Wohle der Innung und des Handwerks zu fuhren. Anschließend wurden einige organisato­rische und fachliche Fragen der Innung besprochen.

Die Innung der Glaser für die gleichen Kreise tagte im Bayerischen Hof. Hier gab Ober­meister Marx im Anschluß an seine Begrüßungs­worte den Jahresbericht, der infolge der regen Bautätigkeit eine lebhafte Beschäftigung der Jn- nungsmitglieder cmfwies, die sich auch im Jnnungs- leben bemerkbar machte. Einen breiten Raum der Aussprache nahm die Abgrenzung zwischen dem Schreiner- und dem Glaserhandwerk ein. Im Mit­telpunkt stand das Berufsabgrenzungsabkommen zur Aussprache, das die Zuteilung der Arbeiten für die beiden Berufsgruppen sichert. Dann sprach ein Vertreter der Berufsversicherung über Versiche­rungsfragen. Der inzwischen eingetroffene stellv. Kreishandwerksmeister Hartmann leitete hier­auf die Wahl des Obermeisters ein. Durch Zuruf wurde Obermeister Marx wiedergewählt, den der stellv. Kreishandwerksmeister beglückwünschte. Ober­meister Marx dankte für das Vertrauen und ver­sicherte, das Amt auch fernerhin zum Wohle des Handwerks im Sinne des Führers zu versehen.

Gturmbataillone der Technik im neuen Bierjahresplan des Führers.

Starker Besuch der Braunen Messe in Gießen.

Lebhafter Verkehr auf der Reichsbahn.

des internationalen jüdischen Bolschewismus zu die­nen. Auch durch diese Ereignisse ergebe sich für uns erneut die Verpflichtung, an unsere eigenen Erfahrungen mit dem Bolschewismus in der Ver­gangenheit zu denken und daraus die notwendigen Schlußfolgerungen zu ziehen.

Der Redner wandte sich sodann den Aufgaben zu, die unserem Volke auf dem Gebiete seiner Ver­sorgungswirtschaft in allen Zweigen erwachsen, um unsere Selbständigkeit und wirtschaftliche Unab­hängigkeit vom Auslande unter allen Umständen sicherzustellen.

Lr bezeichnete es als besonders wichtige Auf­gabe der Technik, das Fehlen von Rohstoffen auszugleichen durch neue Schöpfungen aus den Gaben des Geistes und der Kunst der Technik, um auf diesem Wege das deutsche Volk nach bester Möglichkeit unabhängig zu machen von den ausländischen Rohstoffquellen. Der Führer habe uns den Weg für die nächsten Iahre ge­zeigt und vorgeschrieben. Runmehr sei es Sache der deutschen Wissenschaft und Technik, an die Arbeit zu gehen. Lins aber müsse gesagt sein: Die Aufgabe, die der Führer gestellt habe, könne nicht nur mit dem Verstand gelöst wer­den, sie finde vielmehr nur dann ihre gute Lö­sung, wenn die Männer der Wissenschaft und der Technik mit heißem Herzen an die Arbeit gingen, wenn sie sich immer als Diener der ge­samten deutschen Ration fühlen und ihr Ziel darin sähen, nicht nur der Technik und der Wissenschaft, sondern dem Volke, der ganzen deutschen Ration und dem nationalsozialistischen Staate zu dienen.

Der Kreisleiter erinnerte sodann an das große und starke Erlebnis, das in diesem Jahre wiederum vom Reichsparteitag ausgegangen fei und bekundet habe, daß unser ganzes Volk geschloffen und in ein­heitlicher geistiger Ausrichtung gemeinsam den Weg in eine bessere Zukunft gehe. Bei den großen Auf­märschen in Nürnberg fjabe es sich gezeigt, daß dort Männer nur auf Grund ihrer innersten lieber- zeugung marschierten in der Gewißheit, daß in ihrer Geschlossenheit und Einmütigkeit die gleiche Haltung der nationalsozialistischen deutschen Volks­gemeinschaft zum Ausdruck komme und darin un­sere größte Stärke liege gegenüber den anderen Völ­kern, die in ihrem Innern durch schwere Aus­einandersetzungen erschüttert würden.

Am Schlüsse seiner Ansprache forderte der Kreis­leiter die Männer der Technik auf, sich mit aller Kraft zu bemühen, jeder an seiner Stelle, im Geiste des Nationalsozialismus die vom Führer gestellte Aufgabe zu erfüllen und damit als wirkliche Sturm­bataillone der Technik an die Arbeit zu gehen.

Gaudienststellenleiter Or. Scholz,

** Arbeitsjubiläum. In diesen Tagen kann der Küfer bei der FirmaGießener Brau- haus" (Denninghoff) Fritz Dörr aus Hausen, auf eine 25jährige Tätigkeit in der genannten Brauerei zurückblicken. Der Jubilar erfreut sich aller Wert­schätzung sowohl der Betriebsführung wie auch der gesamten Arbeitskameraden. Eine besondere Freude wurde ihm dadurch zuteil, daß am gestrigen Sonn­tag die Belegschaft der Brauerei einen Familien­ausflug nach Hausen unternahm, um den Jubilar bei dieser Gelegenheit zu beglückwünschen.

** Gießener Geldinstitute heute nachmittag geschlossen. Wie aus dem An­zeigenteil am Samstag hervorging, haben die Gie­ßener Geldinstitute aus Anlaß des Gemeinfchafts- empfanges der Proklamation des Führers am heu­tigen Montagnachmittag ihre Schalter geschlossen.

** Eine öffentliche Mahnung zur Zahlung von Fälligkeiten gibt die Stadtkasse Gießen im heutigen Anzeigenteil be­kannt. Es sei besonders darauf aufmerksam gemacht.

** Kontrolle der kaufmännischen Lehrlingsbücher im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet. Im kaufmännischen Ein­zelhandel des rhein-mainischen Wirtschaftsgebiets werden zur Zeit durch das Amt für Berufs­erziehung und Betriebsführung sämtliche kaufmän­nischen Lehrlingsbücher einer Nachprüfung unter- gegen. Die Bücher sind als wichtige Hilfsmittel zur

Die Kreisleitung der NSDAP. Kreis Wetterau, Amt für Technik, und der NS.-Bund Deutscher Technik hatten auf Samstagnachmittag die Ange­hörigen der technischen Berufe zu einer Versamm­lung im Tagungszelt der Braunen Messe in Gießen eingeladen, auf der die Vorträge unter der Pa­roleSturmbataillone der Technik im neuen Vierjahresplan des Führers" standen. Die gut besuchte Versammlung wurde von

Kreisamtsleiter

Oipl.-Dergingenieur Croniaeger

mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in der er es als die besondere Aufgabe dieser Tagung bezeich­nete, durch die Ansprachen den Befehl des Führers über den neuen Vierjahresplan auf dem diesjähri­gen Reichsparteitag in Nürnberg zu verdeutlichen. Er forderte besonders auf, die Gedanken der neuen technischen Ordnung nicht nur sachlich und fachlich zu lesen, sondern sie auch immer mit nationalsozia­listischem Geist aufzunehmen und durchzuführen.

Kreisleiter Or. Hildebrandt

erinnerte in seiner Ansprache daran, daß in der Vergangenheit leider nur allzu oft der Fehler be­gangen wurde, die Bedeutung der Techniker für den Staat zu unterschätzen. Wenn man früher etwas von Technik hörte, dann sei irrtümlich immer ange­

nommen worden, daß das nur die Fachleute an- gehe. Im nationalsozialistischen Staat, im Dritten Reich gebe es jedoch kein Tätigkeitsgebiet, das Selbstzweck fei oder nur einem gewissen Personen­kreis Vorbehalten bleibe.

Genau so wenig wie die Wirkschask Selbstzweck sei, genau so wenig wie nach nallonalsoziall- siischer Auffassung die frühere Anschauung gelle, daß die Wirtschaft ein eigenes Lebensgebiel darstelle, genau so wenig könne die Auffassung bestehen, daß die Technik ein Lebensgebiel für sich sei.

Wir wüßten heute, daß alle Lebensgebiete ihren tiefen Sinn nur darin fänden, daß sie der gesam­ten Nation zu dienen bestimmt seien. Unter diesem Gesichtspunkt müsse auch zu der Technik Stellung genommen werden.

Wir alle wüßten, daß unser Volk in einer Schick­salswende lebe. Die Zukunft unseres Volkes hänge davon ab, wie wir die Probe bestünden, die das Schicksal uns in der Gegenwart stelle. Der jüdische Bolschewismus ringe mit dem Nationalsozialismus um die Seele der Völker. Was der Bolschewismus bedeute, werde uns und der Welt durch die furcht­baren Grausamkeiten und das Morden der Bolsche­wisten in Spanien klar und überzeugend vor Augen geführt, wo in diesem unglücklichen Lande die roten Machthaber alles nur tun, um den Bestrebungen

Frankfurt

von der Gaudienststelle des NSBDT. des Gaues Hessen-Nassau beantwortete als nächster Redner die Frage:Was heißt Technik?" in kurzer Zusammen­fassung dahin:Technik heißt im letzten die Kunst, unter Anwendung der Naturgesetze die Verwirk­lichung des menschlichen Freiheitsstrebens durchzu­setzen". Er gab sodann in großen Zügen einen Ueberblick über die gewaltigen Leistungen auf dem Gebiete der Technik im Verlause der Jahrhunderte bis heute, die uns unabhängig gemacht haben von Raum und Zeit. Er erinnerte dabei an die ver­schiedensten grundlegenden Erfindungen, die im Leben der Völker von der Technik ausgingen und völlig neue Lebensgrundlagen und Arbeitsmöglich­keiten mit sich brachten.

Als Aufgaben der Techniker für die Gegenwart und die Zukunft stellte er sodann drei Punkte als besonders wichtig und bedeutsam heraus.

1. Unser kostbarster Gut, das wir haben, d i e Erfinder, muß besser als bisher geschützt und vorangebracht werden.

2. Die Betriebssichrer müssen sich als Be- triebsoffiziere fühlen, die wirklich im Geiste der Offiziere in ihren Betrieben stehen und alles für ihre Gefolgschaft einsehen.

3. Aufklärung zu schaffen in allen Betrieben und an allen Stellen über die grundlegenden Aufgaben

Der Schauplatz des,FrankenburgerMrfelspiels'

Von unserem Wiener Miiarbeiier. -

Es war ein glücklicher Griff Eberhard Wolfgang Mollers, daß er den Stoff desFran k e n - bu/Zer Würfelspiels" zu einem Weihespiel gestaltete. Wurde doch durch die Ausführung auf der Dietnch-Eckart-Bühne während der Olympischen Spiele em Kapitel österreichischer Geschichte ins Bewußtsein der Nation gerufen, das man bisher nur im Schatten ähnlicher Ereignisse zu sehen ge­wohnt war. 0 1 J a

da es den Volksgenossen im Reiche wieder m°>? österreichischen Gaue zu bereifen,

unö dabei auch das unmittelbar an Bayern gren- 3enbe Öberösterreichische Innviertel regen Zuspruch ^halten wird, da in diesem Landstrich Braunau ^ssen Mauern Adolf Hitler das Licht ^^^E,/rbltckt hat, so wird es auch für jeden Reichsdeutschen wissenswert sein, daß m dem cm- grenzenden Hausruckviertel jene Stätte zu finden ist, die vor mehr als dreihundert Jahren der Schau­platz jenes blutigen und grausamen Geschehens war das auf der großen Freilichtbühne aus dem Dunkel der Vergangenheit ins Licht der Gegenwart gehoben wurde.

Im Sudosten ist das Innviertel von den waldi­gen Hohen des Hausrucks umrahmt. Hier verlief auch m der Zsit der oberösterreichischen Bauern­kriege ungefähr die bayrisch-österreichische Landes- grenze. Am südlichen Fuße dieses Waldrückens liegt Franken bürg, von dem die blutigen Wirren o ü Ausgallg genommen haben. Etwas weiter im Lande finden wir Hausham, der auf einer kleinen A"hohe gelegen eine halbe Wegstunde von der Bahnstatton Voklamarkt entfett, das typische Bild einer voralvinen Dorssiedlung gibt. Im Norden liegen die sanften Ausläufer des Hausruckwaldes im Süden breitet sich das großartige Panorama der Salzkammergutberge aus. Hier ist die Stelle an der einst jene Linde gestanden hat, in deren ©(hat­ten oberösterreichische Bauern um ihr Leben wür­feln mußten, und an deren Aesten dann ihre Leichen gingen!

Die Lehre Luthers hatte in den Alpenländern sehr rasch und fest Fuß gefaßt. Um 1600 war das Land beinahe vollkommen lutherisch, oft schon in der dritten Generation. Da bestieg Ferdinand II. den habsburgischen Thron, und mit ihm setzte in den Alpenländern jene Bewegung ein, die man ge­meinhin (Segenreformation nennt, die aber als eine

an Gewaltakten und blutigen Kämpfen reiche Zwangsbekehrung verstanden werden muß. Der Kaiser hatte sich entschlossen, die lutherische Ketzerei zu vernichten und feine Landeskinder, wenn es fein müsse, mit Feuer und Schwert wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückzusühren. So wurden die lutherischen Prediger und Lehrer landesver­wiesen und ihre heimliche Unterstützung unter schwere Strafe gestellt. In die leeren Pfründe wurde em katholischer Klerus eingesetzt, der meist sittlich verwahrlost und welscher Herkunft war. Der Gegensatz zwischen dem Volk und dieser aufgezwun­genen Priesterschaft ließ sich auch mit Gewalt- Mitteln nicht überbrücken. So kam es bald zu Auf­laufen, Priesteraustreibungen und ähnlichen Hän­deln. Zu der religiösen Unterdrückung gesellte sich auch eine soziale, die sich besonders durch die zahl­reichen Einquartierungen bayrischer Truppen ins unerträgliche steigerte. In dieser gewitterschwange- ren Stimmung entzündete sich der Funke der Rebel­lion. In Frankenburg wurde ein italienischer Prie­ster eingesetzt. Die Bauern verweigerten den Kir­chenbesuch, rotteten sich vor der Kirche mit Büchsen und Stangen zusammen, bedrohten den Pfleger, der aber entkommen konnte, und vertrieben den Geistlichen aus der Kirche. Am gleichen Abend wurde das Schloß, in das der Pfleger geflüchtet war, bereits von 1500 Bauern und Bürgern be- > 9^- Eilboten zogen durchs Land, die angrenzen- äur Erhebung aufzurufen. In den na?lnAAX'a??n schon war die Zahl der Belagerer aus 5000 gestiegen.

J^ ^attMter Graf Herberstorff zog alle Der ugbaren Truppen um Döklabruck zusammen, Derfpracfj den Belagerern Straflosigkeit und Ab- 2- ej-t.rer Beschwerden, wenn sie heimkehren und die Führer ausliefem wollten. Sonst habe jeder mit 5?b und Gut und mit dem Tode zu büßen. Der JJOerpfleger stellte außerdem noch einen Schein aus, Straflosigkeit und keine Neueinstel- lung katholischer Priester zusicherte. Darauf ver- .Bauern in ihre Gehöfte. Nun zog fernen Truppen vor Frankenburg und ließ von Haus zu Haus kundmachen, daß sich Me gesamte männliche Bevölkerung der beteiligten Gemeinden am nächsten Tage bei der großen Linde aus dem Haushamer Feld zu versammeln hätte. Wer kommt, der soll Gnade erhalten, wer aus- bleibt, verfallt dem Tode. Am 15. Mai 1625 fanden sich Segen 6000 Männer ein. Der Statthalter ließ sie von feinen Truppen umstellen, verlangte die BEung eines Ausschusses von Richtern, Räten ujL r ^euten aller Gemeinden, mit dem er ver­handeln wolle. An diesen Männern vollzog sich

dann jenes Geschehen, das alsFrankenbur­ger W ü r f e l s p i e l" bekannt ist. Der Statthalter Herberstorff ließ seine versprochene Gnade also walten, daß er einwilligte, der Hälfte das Leben zu schenken. Zwei und zwei hatten nun anzutreten und mit den Würfeln zu bestimmen, welcher von beiden dem Tod verfallen fei. Erst diese grauenvolle Bluttat rief jene allgemeine Empörung hervor, aus der der große oberösterreichische Bauernktteg reisen sollte.

Die ursprüngliche Linde ist nicht mehr erhalten. Sie stand bis 1850. Einzelne Zeichnungen sind in musealer Verwahrung. Das Grundstück, auf dem sie stand, wurde im Jahre 1900 von zwei Schulmän­nern angekauft, um die historische Stätte zu be­wahren. Bereits 1909 gründete sich ein Ausschuß, der sich die Errichtung eines würdigen Denkmales Zum Ziele setzte. Die Vorarbeiten und Sammlungen waren schon weit gediehen, als der Kriegsausbruch all dem ein Ende fetzte. Erst 1925, am dreihundert­sten Gedenktag, war es so weit, daß mit einer würdigen Feier das Denkmal am Haushamerfeld der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Nach einem Entwurf von Professor Ernst Lieber- m a n n in München, der Motive eines germanischen Hünengrabes gestaltet, zeugt es nun an der histo­rischen Stätte von dem Opfertode jener Bauern.

Kunst und Wissenschaft.

Der Vorgefchichksforscher Prof. Wolfgang Schultz f.

Zn München starb der bekannte Vorgeschichts- und Mythenforscher Professor Wolfgang Schultz. Er war 1881 in Wien geboren, wo er als Monats­schrift für vergleichende Mythenforschung die Mitra" herausgab. 1918 bis 1921 war er Sach­walter des Forschungsinstituts für Osten und Orient in Wien. Seit 1923 lebte er als Privatgelehrter in München, wo er die deutsche Staatsangehörigkeit erwarb. Weit über Fachkreise hinaus wurde er de- fannt durch seine gehaltvollen Aufsätze über die großen Brauchtumfeste des deutschen Volkes und ihren germanischen Sinngehalt in den NS.-Monats- heften und durch fein begeisterndes BuchAlt- germanische Kulturhöhe in Wort und Bild", das schon in dritter Auflage vorliegt. Professor Schultz war Hauptstellenleiter in der Dienststelle des Reichs- tfreö Rosenberg und Landesleiter des Reichsbundes für deutsche Vorgeschichte in Süd- deutschland. 55jahrig wurde er aus fruchtbarstem gerissen. In ihm verliett die deutsche Vor- geschichtsforschung einen der tapfersten und kom- vromißlosesten Vorkämpfer für die Ehre und Große der deutschen Kultur.

Reuerscheinungen des Verlages Ullstein und des Propyläen-Verlages.

Verlag Ullstein und Propyläen-Verlag, Berlin, kündigen folgende Herbst- und Weihnachts-Neu­erscheinungen an: D i e großen Deutschen i m B i l d. Fedor von Zobeltitz : Briefe deut­scher Frauen. Fürstin Marie R a d z i w i l l: Briefe vom deutschen Kaiserhof 18891915. Sally von Kügelgen: Stilles Tagebuch eines baltischen Fräuleins 18551856. Martin Le» 3 i u s : Das Ehrenkleid des Soldaten. Eine Kultur­geschichte der Uniform von ihren Anfängen bis 3ur Gegenwart. Mit 265 bunten Bildern. Norbert Jacques: Der Bundschuh-Hauptmann Joß. Ro­man. Kurt Maronde: Schiffer Nettelbeck. Der Roman eines abenteuerlichen Lebens. Klara Hofer: Das letzte Jahr. Ein Roman um Theodor Körner. Edgar Maaß: Verdun. Ro­man. Walther von Schoen: ,.Kreu3erkrieg führen!" Die Heldenfahrten unserer Auslandskreu­zer im Weltkrieg. Götz Otto S t o f f r e g e n : Spuk in Frankreich. Fünf Erzählungen aus dem Wettkrieg. Peter Eckart: Blockadebrecher Marie. Abenteuer-Fahrten des Kapitäns Sörensen im Weltkrieg. Bruno H. Bürgel: Sterne über den Gassen. Roman. Joses Martin Bauer: Das Haus am Fohlenmarkt. Roman. Hans Thyriot: Magische Welt. Gedichte. Hadrian Maria Netto: Leben jenseits der Liebe. Roman. Peter Weber: Götter über den Menschen. Roman. Max Me 3 ger : Der junge Florian. Theodor Bohner: Der ehrbare Kaufmann. Ein Jahrhundert in Deutschlands Kontoren und Fa­briken. H. W. vanLoon: Männer und Meere. Siebentausend Jahre Seefahrt. A. E. I 0 h a n n: Känguruhs, Kopra und Korallen. Fahrten und Er­lebnisse in Australien und der Südfee. Zweiter Band: Kulis, Kapitäne und Kopfjäger. Fahrten und Erlebnisse zwischen Peking und der Timor-See. Das Reich der Tiere. Das Tier in feinem Le­bensraum. Paul Eipper: Die gelbe Dogge Senta. Prof. Dr. K. von Frisch: Du und das Leben.1000 Worte Polnisch".1000 Worte Russisch". E. O. Plauen:Vater und Sohn", zweiter Band. Außerdem erscheint im Herbst eine Reihe neuer Ullstein-Bücher.

Hochschulnachnchten.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Papierfabrika» tion an der Technischen Hochschule Darmstadt, Prof. Dr.-Jng. Walter Brecht, wurde von der Königlich Schwedischen Akademie der Ingenieur- Wissenschaften zum korrespondierenden Mitglied er* nannt.