Ausgabe 
28.9.1936
 
Einzelbild herunterladen

Der besondere Dank des Führers gatt dem Generattnspektor für das deutsche Strahenwesen Dr. Todt, der sich als einer der gläubigsten IdeaHlen und zugleich nüchternsten Realisten vom einstigen Straßenbahnarbei- ter 3 um größten S t r a ß e n b a u m e i - ster aller Zelten emporgerungen habe und auf den der deutsche Arbeiter darum be­sonders stolz sein könne.

Brausende Begeisterung löst die Ankündigung des Führers aus, daß in fünf Jahren die ersten 7000 Kilometer Reichsautobahck fix und fertig fein wer» den, sowie die weitere Ankündigung, daß in 18 Mo­naten Deutschland von jedem Zwang zur Benzin­einfuhr frei sein werde. Nach den Schlußausfüh­rungen des Führers fetzt stürmischer Beifall ein.

Generalinspektor Dr. Todt schließt den Festakt mit einem Sieg-Heil auf den Führer, in das die riesige Menschenmenge begeistert einfällt. Das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied bilden den Abschluß des eigentlichen Festaktes, worauf der Führer sich z u den Abordnungen der 15 Obersten Bau­leitungen begibt.

Führer und Volk in inniger Verbundenheit.

Der Führer drückt immer und immer wieder die sich ihm eingegengestreckten Hände der Arbeiter. Für jeden hat er ein freundliches Wort, er erkun­digt sich nach ihrem Befinden, wo sie herstammen, und laßt sich mit ihnen in Gespräche ein, die nur dadurch abgekürzt werden, daß die nächst folgenden Arbeiter nicht abwarten können, ebenfalls vom Führer angesprochen zu werden. Zwischen den Ar­beitern haben sich Jungen und Mädel durchge­drängt und stehen vor dem Führer. Er erblickt sie, zieht sie an sich heran und fragt sie, wo sie Her­kommen, wie sie heißen und wie sie es fertigge­bracht haben, sich durch die Absperrung hindurchzu­schmuggeln. Liebevoll streichelt er ihre Wangen. Ein Arbeiter richtet ihm als Steiermärker einen Gruß aus Oesterreich aus. Immer und immer wie­der drückt ihm einer der Arbeiter die Hand und spricht ihm im Namen feiner Arbeitskameraden den heißen Dank für die Arbeitsbeschaffung durch den Bau der Autobahnen aus. Diel wird auch eine fachliche Besprechung mit einem der Beamten von einer der anderen Baustellen eingeflochten. In je­dem Fall ist der Führer von der betreffenden Bau­strecke unterrichtet, gibt Auskunft und erteilt Rat­schläge. Und dann immer wieder Jugend, deutsche Jugend. Der Führer fällt sogar in schlesischen Dia­lekt, als ihm ein Kind erklärt, daß es aus Breslau sei und in echtem Schlesisch kommt es aus dem Munde des Führers zurück;So, aus Breslau bist Du?" Ein kleines weinendes Mädel fällt dem Füh­rer auf. Der Führer widmet sich ihm und fragt es, warum es meine. Antworten kann das blond­haarige Geschöpf nicht, so ist es übermannt, vom Führer angesprochen zu werden, der sich danach er­kundigt, ob es sich im Gedränge wehgetan habe. Wieder keine Antwort. Aber aus dem tränenüber- stromten ist ein freudestrahlendes lachendes Gesicht geworden. Dann hat der Führer noch alle Abord­nungen der 15 Bauleitungen begrüßt und fast allen die Hand gedrückt, während die Menge immer wieder in Heilrufe ausbricht. So kommt die enge Volksverbundenheit des Führers mit jedem Deut­schen, ob Arbeiter, ob Beamter, ob deutsche Ju­gend, auf das sinnfälligste zum Ausdruck, für die­jenigen, die Zeuge hiervon fein konnten, ein un­vergeßliches Erlebnis.

Die Fahrt über die Autobahn.

In vorerst langsamer Fahrt wurde dann zum ersten Male die Reichsautobahn befahren. An der Spitze der Führer mit feiner Begleitung, hinter ihm die Ehrengäste, die Vertreter der Partei, der Wehrmacht, der Behörden usw., denen die Last­kraftwagen mit den beim Bau der Reichsautobahn beschäftigten Arbeitern und die anderen Fahrzeuge folgten. Nach wenigen 100 Meter tauchte d i e erfte Brücke auf, und wie diese, so waren auch alle folgenden Brücken mit Fahnenabordnungen der Gliederungen der Bewegung besetzt. An diesen Stellen hatte sich die Bevölkerung besonders zahl­reich emgesunden, die begeistert dem Führer zu- jubelte. Zahlreich waren auch Hitler-Jugend und BDM. vertreten. Um 13.30 Uhr ist K o st e n b l u t erreicht wo der Führer die Dorbeifahrt der ;hm folgenden Wagen abnahm. Zu Tausenden hatte sich die Bevölkerung aus der näheren und weiteren Umgebuxig eingefunden, die den Führer jubelnd be- grußte Die kurze Wartezeit bis zum Eintreffen der nachfolgenden Wagen benutzte der Führer, um Volksgenossen, besonders die Jugend, zu begrüßen Immer wieder ertönten Heilrufe. Als sich die mit ©rün geschmückten Lastkraftwagen mit den Ar­beiterabordnungen näherten, nahm der Führer in seinem Wagen Ausstellung, und nun fuhren fast eine halbe Stunde lang die Wagen an ihm vorbei, besetzt mit freudig erregten Arbeitern, die ihm leuchtenden Auges ihre Ovationen darbrachten. Aus allen Gesichtern strahlte Freude. Immer wieder er- konten die Heilrufe. Dann setzte sich die lange Wagenreihe wieder in Bewegung, um nun in be­schleunigtem Tempo die zweite Hälfte der 91 Kilometer langen Strecke zu befahren. In­zwischen hatten sich von der Anschlußstelle in Lieq- nitz aus in Richtung Breslau motorisierte Formationen der Wehrmacht in Bewe­gung gesetzt, die auf der entgegengesetzten Seite der Autobahn am Führer vorbeifuhren. In schneller Fahrt wurde nun die Anschlußstelle Liegnitz er­reicht, wo wieder zu Tausenden die Bevölkerung an der Strecke Aufstellung genommen hatte. HI. und Jungvolk begrüßt mit Trommeln und Fanfaren den Führer. Begeistert ertönten die Heilrufe der Volksgenossen. Der Führer fuhr dann mit seiner Begleitung noch den letzten Teil der Strecke ab, um dann von Kaiserswaldau aus die Rückfahrt anzutreten. Nach den Feierlichkeiten war die Reichs­autobahn das Ziel zahlloser Kraftfahrer die zum erstenmal Gelegenheit hatten, die fertiggestellte Teil­strecke in ihrer ganzen Schönheit kennenzulernen.

Eröffnung weiterer Teilstrecken.

Am Sonntag wurde zur gleichen Stunde auch die 65 km lange Teilstrecke Joachirnstal-Eol- bitzow der Reichsautobahn Berlin Stettin feierlich dem Verkehr übergeben. Gauleiter und Oberpräsident S ch w e d e-Koburg überbrachte den Arbeitern, die an dem großartigen Werk geschafft haben, seine besonderen Grüße. Auch im Gau Halle-Merseburg wurde ein weiteres Teil­stück der Nordsüdstrecke BerlinMünchen seiner Bestimmung übergeben. Bei Günthersdorf hielt Gauleiter Staatsrat Jordan die Eröff­nungsrede. Im Westen des Reiches wurde ein weiteres Teilstück der Reichsautobahn Köln- Industriegebiet durch Gauleiter Florian

dem Verkehr übergeben. Es handelt sich um die 10 km lange Strecke von Düsseldorf-Süd bis Düsseldorf-Lippe. Sie besitzt eines der größten Bauwerke der Reichsautobahn, die 550 Meter lange Brücke bei Erkrath, die in einer Höhe von 22 Meter den Auslauf des Neandertales überspannt. Die feierliche Eröffnung der Reichs­autobahnteilstrecke M a n n h e i m-H eidelberg- Bruchsal fand durch Reichsstatthalter Robert Wagner statt. In Heidelberg sand für die am Bau beteiligten Arbeiter ein Kameradschaftsfest statt. In der bayerischen Ostmark wurde der Bauabschnitt der Reichsautobahn von Lanzen­dorf bei Berneck bis zur Gaugrenze eingeweiht. Gauleiter Wäcktler ermahnte die Jugend, niemals diesen restlosen Einsatz der älteren Generation zu vergessen. Durch Gauleiter Sauckel wurde die Autobahnteilstrecke Lehe- stenbrücke-Schleizer Seenplatte der fünftigen Linie MünchenBerlin feierlich eröffnet. Reichsminister Or. Goebbels

in Athen.

Feierliche Einweihung der VII. balkanischen Sportschule.

Athen, 28. Sept. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels wohnte am Sonntagnachmittag der feierlichen Einweihung der V 11. Balkanischen Sportschule im Athener Stadion, an denen Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien, Ru­mänien und die Türkei beteiligt sind, bei. Als der Reichsminister, vom Kommunalminister K o d z i a s geleitet, vor dem Eingang des Stadions erschien, erwies ihm eine Ehrenkompanie der griechischen Gardetruppe, der malerisch gekleideten Evzonen, die Ehrenbezeugung. Beim Betreten der Kampfbahn brachen die 70 000 Zuschauer in nicht enden­wollenden Jubel aus. Etwas später traf der griechische Ministerpräsident Metaxas, der ebenfalls stürmisch begrüßt wurde, ein.

Die Begeisterung der Massen erreichte ihren Höhe­punkt, als Dr. Goebbels und Metaxas nach herz­licher Begrüßung ihre Ehrenplätze einnahmen. Reichsminister Dr. Goebbels wohnte dann zwei Stunden lang mit größter Aufmerksamkeit den Spielen bei. Als er das Stadion verließ, bereitete ihm die Volksmenge einen begeisterten Abschied. Anschließend empfing der Reichsminister im Hotel eine Abordnung von Griechen bayeri­sch e r 21b ft a mm u n g aus dem unweit von Athen gelegenen Dorf Herakleion. Die Vorfahren dieser Griechen, die noch deutsche Namen führen, wurden seinerzeit von dem ersten König von Griechenland, dem Wittelsbacher Otto, ins Land gebracht. Reichsminister Dr. Goebbels wird mit seiner Be­gleitung am Montagmorgen Athen im Flugzeug wieder verlassen.

Deutsch-ungarische Besuchsfahrt des 7!SKK.

Graz, 27. Sept. (DNB.) Die deutsch-ungarische Besuchsfahrt unter Führung des Korpsführers Hühnlein nahm in Berchtesgaden ihren An­fang. Die erste Etappe führte über Salzburg, den Petfchenpaß, Leoben nach Graz (305 Kilometer). In Leoben begrüßte der Vizepräsident des Steiri­schen Automobilklus Dr. Koch die deutschen Gäste. Die Herzlichkeit des Empfangs durch die Bevölkerung war außerordentlich. In allen Städten und Dörfern winkten und jubelten die Menschen. In Leoben konnten sich die Kraft­wagen, die mit den Hoheitszeichen des Reiches versehen waren, kaum einen Weg durch das Spalier der Tausende bahnen; ebenso war es bei dem Empfang in Graz. Die Begrüßungs­szenen durch die Bevölkerung waren von dem reinen G e i st der Volksverbundenheit deutscher Menschen diesseits und jenseits der Reichs­grenzen getragen. Abends fand in Graz ein Emp­fang durch denSteirifchen Automobil­klub statt, an dem Landesstatthalter Stürgkh und Bürgermeister Dr. Schmid, sowie der Prä­

sident des Steirischen Automobilklubs, Dr. Graf Meran, teilnahmen. Kurze Anspra« chen, die von herzlichem Geist getragen waren, wurden gewechselt. Am Montag geht die Fahrt von Graz weiter nach der ungarischen Grenze bei St. Gotthard, dann bis zum Plattensee, wo in Balatonföldvar Station gemacht wird. Von dort geht die Reise weiter über Debreczin nach Budapest und bann nach Wien, wo die deut­schen Kraftfahrer am 3. Oktober eintreffen werden.

Einstellung von Freiwilligen in der Luftwaffe im Frühjahr 4937.

Berlin, 26. Sept (DJIB.) lieber die einsiel, lung von Freiwilligen in die Luftwaffe im Früh­jahr 1937 wird befannfgegeben:

1. 3m Frühjahr 1937 werden bei der Flie­gertruppe und Luftnachrlchtentruppe Freiwillige eingestellt. Bewerber können sich schon jetzt melden, und zwar bei jedem Truppenteil der Fliegertruppe und der Luftnachrichtentruppe. Auskunft über die Bedingungen für den Eintritt und über den vorher abzuleistenden Arbeitsdienst erteilen die Truppenteile, die Wehrbezirkskomman­dos und die Wehrmeldeämter.

2. Einstellungsgesuche bei anderen militäri­schen oder staatlichen Dienststellen sind zwecklos. Sie verzögern nur die Bearbeitung zum Rächtet! des Bewerbers.

3. Bei der Flak-Artillerie und beim Re­gimentGeneral Göring- werden im Frühjahr 1937 keine Freiwilligen ein­gestellt.

4. Der Zeitpunkt für die Meldungen von Frei­willigen für die Herbsteinstetlungen bei der Fliegertruppe, Flak-Artillerie, Luftnachrichtentruppe und RegimentGeneral Göring" wird noch durch Presse und Rundfunk bekanntgegeben werden.

Oer Abwertungsplan -es Kabinetts Blum.

In Erwartung -er Kammerdebatte. - Man erwartet Billigung -er Regierungsmaßnahmen.

Paris, 28. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die mit großer Svannung erwartete währungspoli­tische Aussprache der Kammer, die das Schicksal des Frank besiegeln soll, ist durch den Finanzausschuß der Kammer und Erklärungen der maßgebenden Minister von der sozialistischen Kam­mergruppe derart vorbereitet worden, daß von unvorhergesehenen Zwischenfällen abgesehen die Abwertungsoorlage durchkommen wird. Der Finanzausschuß hat Sonntagnachmittag die Wäh­rungsprojekte der Regierung erörtert. Die Vorlage soll fünf Abschnitte umfassen. Im ersten wird die Aufhebung des Währungsgesetzes vom Juni 1928, die Festsetzung des neuen Frank-Kur- es auch für die Kolonialbanken festgeleg werden, sowie ein Goldaus - und - einfuhr- verbot während der Stabilisationsdauer, des wei­teren die Schaffung eines Stabilisierungs­fonds. Im zweiten Abschnitt sind Maßnahmen zur Beschlagnahme des Goldes und g e - genSpekulanten enthalten; jede Privatperson soll genaue Angaben über das in ihrem Besitz be­findliche Gold in Barren und Münzen und über sämtliche Devisenoperationen vom 20. Sep­tember ab machen. Der dritte Abschnitt sieht Maß­nahmen zum Schutz der Gehalts- und Lohnempfänger vor, deren Bezüge den Le­benshaltungskosten angeglichen werden sollen. Die Regierung soll die Berechtigung erhalten, Lohn- und Gehaltsangleichungen der Beamten und An­gestellten, sowie der Frontkämpfer und Ren­te n b e z i e h e r in der gleichen Weise vorzunehmen. Der Abschnitt vier ermächtigt die Regierung, die Zolle auf ausländische Lebensrnittel, wie Zucker, Kaffee oder Kakao zu senken, um ein Steigen der Preise bestimmter Leb"nsmittel zu verhindern. Der fünfte Abschnitt sieht Maßnahmen für die von den öffentlichen Gesellschaften auf­genommenen Schulden vor; zu diesem Zweck wird ein Vorschuß von drei Milliarden bereitgestellt werden. Nach einer Bemerkung über die Kontingente für landwirtschaftliche Erzeugnisse wurde die Gesamtheit der Vorlage mit 20 gegen 12 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen.

Das Stimmenverhältnis im Finanzausschuß der Kammer ist nun allerdings noch keine Bürgschaft für den Ausgang der Plenarberatungen, zumal die kommunistischen Ausschußmitglieder sich nur d e r Stimme enthalten haben. Aber die Be­willigung der gleitenden Lohn- und Ge­halt s s k a l a , die Heranziehung des Gold- Hortes, die Erfassung von Devifengewin- n e n sind immerhin Zugeständnisse, die in der Voll­versammlung von der Opposition scharf be­kämpft werden und schon deshalb die Kommu­nisten zu einem Ja für die Regierung veranlassen dürften. Diese Zustimmung haben maß­gebende Vertreter der kommunistischen Partei deut­lich durchblicken lassen.

Andererseits haben die in den Wandelgängen bekannt gewordenen Erklärungen der Minister auf die bisher noch stark zögernden radikalsozial i- stischen Elemente einen gewissen Eindruck gemacht. So hat der Innenminister unter Zustim­mung des Ministerpräsidenten die Aufrechter­haltung von Ruhe und Ordnung als unbedingt notwendig bezeichnet. Bei Arbeitsstrei­tigkeiten sei die Besetzung der Fabriken durch die Belegschaften unzulässig, nur die Neutralisierung" sei erlaubt. Andererseits kündigte der Pensionsminister an, daß die großen Front- £ ® m p f er-Verbände sich mit den im Rahmen öer Währungsreform zu ihren Gunsten vorgesehenen Schutzmaßnahmen einverstanden erklärt hät­ten. Sonntagabend war eine etwas freund­lichere Stimmung in den Kreisen der par- lamentarischen Mehrheit unverkennbar. Daß der Kampf um die Abwertung sich vielleicht bis in die Morgenstunden des Dienstag hinziehen wird, nimmt man aber allgemein an. Daß aber die Kammer mit einer Mehrheit, die von der bisherigen Regie­rungsmehrheit nicht wesentlich abweichen dürfte, sich für die Annahme der Vorlage aus- sprechen wird, scheint man in gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen nicht mehr für zweifel­haft zu halten, immer vorausgesetzt, daß keine Zwi­schenfälle eintreten. Wie alsdann der Senat sich zu verhalten gedenkt, ist eine andere Frage, die auf Grund der bisher recht mageren Anzeichen noch nicht beantwortet werden kann.

Der Innenminister hat sämtliche Präfekten tele­graphisch angewiesen, darauf zu achten, daß keine plötzliche Preissteigerung der wichtigsten Gebrauchsgüter erfolge. Die Präfekten sollten Preis­

wucherer ober Ruhestörer verhaften. Die Kom- m u n i ft e n haben durch ihren Generalsekretär Thorez erklären lassen, daß sie Gegner derAb- mertung bleiben, aber doch für die Regierung stimmen würden, um die Volksfront nicht zu ge­fährden. Im übrigen haben die Kommunisten eine Gesetzesvorlage eingebracht, die eine geftaf feite Vermögensabgabe von 15 bis 25 v. H. von Vermögen von 1 bis 15 Millionen und darüber vorsieht. Die kommunistische Partei verlangt ferner bis zur Durchführung dieser Vermögensabgabe eine einmalige gestaffelte Vermögenssteuer von 1 bis 4 o. H. für Vermögen von 100 000 Francs aufwärts.

Die Vorbetrachtungen der Montagmorgenpresse spiegeln die Stimmung wider,' in der die Kam­mer ihre Beratungen aufnehmen wirb.Resigna­tion: allerdings Begeisterung: keineswegs!" so stellt der frühere Minister de M o n z i e imJour­nal" fest. Gerade dieses Sich-abfinden mit der vollendeten Tatsache, daß in parlamentarischen Krei­sen zu überwiegen scheint, treibt die Oppositions­blätter zu heftigen Ausfällen gegen die Regierung. Aber auch diese Blätter setzen ihre ein­zige Hoffnung nur noch auf Zwischenfälle und die noch ziemlich undurchsichtige Haltung des Senats.

Das radikalsozialistische Ere Nouvelle erklärt, die

Abwertung könne nur dann gut ausgehen, wenn man dem französischen Volk die Ueberzeugung gebe, daß es sich wirklich um eine Angelegen­heit des nationalen Aufschwunges handele, und daß die Abwertung nicht von Schika­nen, gegen wen es auch sei, begleitet sein werde. Im Petit Journal begrüßt der als Abwertungs- vorkämpfer bekannte frühere Unterftaatsfefretär Patrenotre die Maßnahmen der Regierung, erklärt aber auch, daß man für ausreichende Kre­dite zur Minderung der Steuerlasten und die Inangriffnahme großer Öffentlicher Arbeiten und für Aenderung des Zoll­systems sorgen müsse. Der ebenfalls als Abwer­tungsfreund geltende rechts gerichtete ehemalige Finanzminister R e y n a u d, erklärte unter Anspie­lung auf die Fabrikbesetzungen, daß ein Aufschwung der französischen Wirtschaft nur denkbar fei, wenn d i e Herstellungskosten nicht durch Streiks beeinflußt würden, und wenn der Unternehmergeist sich ohne Befürchtungen entwickeln könne. Eine Belebung des Fremdenver» kebrs und eine Rückkehr des abgeflossenen Ka­pitals nach Frankreich sei nur möglich, roerth Frankreich wieder ein friedliches Land f sei und Vertrauen einflöße.

Der Schweizer Franken nm 30 v. H. abgewertet.

Der Eidgenössische Bundesrat Verb etet preis- und Tariferhöhungen.

V e r n, 27. Sept. (DRV.) Der s ch w ei z e r i s ch e Bundesrat hielt am Samstag eine vierstündige Sitzung ab, in der er sich eingehend mit der finan­ziellen Lage befaßte, wie sie durch die neuerliche Abwertung des französischen Franken entstanden ist. Rach Schluß der Sitzung wurde folgende offi­zielle Mitteilung ausgegeben:

Rach Kenntnisnahme des Beschlusses der fran­zösischen Regierung, den Franken um ungefähr 30 v. h. abzuwerten, hall der Bundesrat dafür, daß das Interesse der nationalen Wirtschaft auch die Schweiz zwingt, ihre Valuta den führenden Weltvaluten anzu­nähern. Er wird am Montag den eidgenössischen Röten seine Anträge unterbreiten. Die Börsen werden an diesem Tage sowie am Dienstag ge­schlossen sein."

Der Bundesrat genehmigte am Sonntagabend Zwei Bundesratsbeschlüsse. Die wesentliche Bestim­mung lautet:Die Schweizerische Ratio­nal b a n k ist angewiesen, den Goldwert des Franken zwischen 190 und 215 Milli­gramm Feingold zu halten. Dies ent­spricht einer Abwertung des Franken im Mittel von 30 v. H." Das Volkswirtfchafts- departement hat eine Verordnung erlassen, deren Hauptbestimwung besagt:Vom 28. September 1936 an ist es untersagt, die Groß - und De- tailpreise jeder Art von Waren, die Tarife der Hotels, die Tarife für Gas und Elek­trizität, die Tarife für Honorare sowie die Miets- und Pachtzinsen ohne Genehmigung des Eidgenössi­schen Volkswirtschaftdepartements und der von ihm bezeichneten Organe zu erhöhen."

*

Bundespräsident Meyer begründete den Ab­wertungsentschluß in einer an bas Schweizer Volk gerichteten Ansprache. Nach einer Darstellung der wirtschaftlichen Lage in Frankreich, die das Kabi­nett Blum zur Abwertung des französischen Fran­ken bestimmt hat, bemerkte der Redner, daß die Abwertungsmaßnahmen in Frankreich keines­wegs automatisch die Abwertung der schweizerischen Währung herbeizuführen vermocht hätten. Denn dazu sei die Stellung der Na­tionalbank in Bern viel zu solide, die Lage der schweizerischen Banken im allgemeinen wieder ziem­lich normal, und auch der eidgenössische Staatshaus­halt weise zur Zeit keine Anzeichen besonderer Ge­fahr auf. Die Gründe kämen diesmal vorwiegend von der Wirtschaft. Prohibitivzölle, Kontin­gentierungen, Zahlungserschwerungen in vielen Staaten hätten d i e Ausfuhr immer mehr eingeengt und auch die Schweiz genötigt, ihrer­seits Schutzmaßnahmen gegen die Überschwemmung durch Waren zu Schleuderpreisen zu ergreifen. Seit einem Jahre habe namentlich infolge einer Schrump­

fung im Baugewerbe auch die Jnnenwirt« s ch a f t zu leiden begonnen. Die Arbeitslosig­keit habe auch in der Schweiz um sich gegriffen. Die großen Aufwendungen für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hätten es aber nicht vermocht, die allgemeine Wirtschaftslage wesentlich zu bessern. Nachdem während der letzten fünf Jahre bereits vier große Rohstoffländer vom Gold- standard abgegangen seien und nunmehr auch das Nachbarland Frankreich infolge der Abwertung des Franken als Käufer für schweize­rische Ausfuhrwaren auszufallen droht, dagegen aber als Konkurrent auf dem Weltmarkt infolge der Ab­wertung um fo wirksamer aufzutreten vermag, sei dem Bundesrat die Lage als kaum länger tragbar erschienen. Die Abwertungsaktion Frankreichs wäre im Rahmen eines Versuchs der international len Festigung der Währungsverhältnisse er­folgt. Unter diesen Umständen glaube der Bundes­rat, die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen zu sollen, um die Einordnung in die i n t e r n a t i o r n a l e n Verhältnisse mitzumachen und sich damit eines Druckes zu entledigen, der in den letzten Jahren auf diesem Lande gelastet habe. Eine Ab­wertung bringe gewisse Nachteile namentlich in Form von Preiserhöhungen mit sich. Die Bundesregierung habe den festen Entschluß, den 1 schon durch die starke Kürzung der festen Bezüge Betroffenen nicht noch eine weitere Last aufzuer- ' legen durch die Geldentwertung. Die Bevölkerung ' müsse sich bewußt fein, daß die Kaufkraft des Geldes ' 'M Jnlande keine Aenderung erfahre. Die Einlagen öer Sparer würden im ganzen Lande unbehelligt und unverkürzt bleiben.

En<?lWe Hoffnungen.

London, 28. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Lage, die durch die Abwertung des Frar ken und die ihr folgenden Währungsmaßnahmen der Schweiz und Holland entstanden ist, wird von den Montag- morgenblättern aller Richtungen mit einem offen- j sichtlich von amtlicher Seite unterstützten O p t i m i s- m u s behandelt. Sie erklären, daß das englisch-fran- l zösisch-amerikanische Währungsabkommen der erste Schritt zu einer neuen internationalen Angleichung und Stabilisierung der Währungen sei, die zu einer Neubelebung des ganzen internationalen Handels führen werde. An diese Betrachtungen wird die Hoffnung geknüpft, daß in absehbarer Zeit inter­nationale Verhandlungen über Öle Verbesserung ö es gegenseitigen Han- ' D eis, über den Abbau Der gegenseitigen Handels- rl i?r<?n^un$cn.unö über eine Neuregelung der wirt­schaftlichen Beziehungen eingeleitet werden können. *

DieTimes" erklärt, daß die Handels - und, 'L Währungsbeschränkungen, die von eini­gen Staaten zur Selbstverteidigung eingeführt war- > den feien, jetzt erörtert und, wenn möglich, durch eine gemeinsame Uebereinfunft gemildert werden könnten. Das Ziel müsse ein