(unter uns gesagt) langsam zum Auswachsen. — Aber dies nur nebenbei." —
Man weiß nicht, welche Gründe für oder gegen die Abhaltung der nächsten Olympiade in Tokio sprechen. Aber das ist sicher, daß Japan das Jahr 1940 zu einem Feiertag sei ne s Volkes gepalten will, zu dem Gäste aus aller Welt geladen sind. Selbst die ältesten „Westlerischen Dingen" nicht immer gewogenen Herren aus der Feudalzeit wollen diesmal beide Augen zudrücken. Da kam kürzlich, 95jährig, ein alter Daimyo den uralten Weg der Feudalherren von Hiroshima nach Tokio gezogen, um seinen Kaiser zu sehen. Viele glaubten, dieser alte Gras Azano würde in der Gewandung eines Daimyos in die alte Kaiserburg einziehen. Aber dem war nicht so, im Gegenteil, ein elegantes Auto brachte den in schwarzen Rock mit hohem Hut gekleideten Feudallord zur Audienz. Uebrigens äußerte der Graf den Wunsch, seinen 100. Geburtstag in Tokio zu feiern, wenn Japan selbst 2600 Jahre alt wird. Er begrüßte auch noch einige Olympiakämpfer, die gerade nach Deutschland fuhren. Eine neue Zeit, wenn man überlegt, daß vor 70 Jahren der Junge Azanoc, im Harnisch mit Doppelschwert, den Sturz des Feudalsystems mit- erlebte . . .
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie Verwertung der Pilzschätze unseres Waldes.
Die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde, Darmstadt, teilt mit:
Wir dürfen uns nicht beschweren, daß es uns schlecht gehe, solange noch Millionen an Pilzschätzen im Walde nutzlos verfaulen.
Zu einer besseren Pilzoerwertung ist aber zunächst eine weitgehende Pilzaufklärung notwendig, damit die alljährlich wiederkehrenden Pilzvergiftungen vermieden werden.
„Iß nur, was d u ganz genau als efe- bar kenn st", ist die erste und wichtigste Pilzregel. Aus diesem Grunde lassen wir seit langen Jahren unsere Pilzmerkblätter durch die ganze deutsche Presie an das Volk immer und immer wieder herantragen. Dazu veranstalten wir alljährlich Lehrwanderungen usw. in allen Teilen Deutschlands. Zum gleichen Zweck sind überall die örtlichen Beratungsstellen tätig, um durch Marktkontrolle, Beratungsstunden, Wanderungen und Ausstellungen die beste Pilzaufklärung, die persönliche Beleh- rung zu verbreiten. Nur so werden wir der Vergiftungen Herr, nur auf diese Weise werden unsere Waldesschätze vollkommen genützt. Wo keine derartigen örtlichen Beratungsstellen vorhanden sind, wende man sich an unser Mykologisches Institut in Darmstadt oder an unsere Vertrauensleute in allen deutschen Gauen, die wir als Verbindungsmänner zur Abteilung Schadenverhütung bei jeder Gauleitung zu benennen haben.
Zur Ausnützung der Pilze, die wir dem Werte nach dem Gemüse gleichzusetzen haben, empfehlen wir folgende P i l z r e z e p t e, die sich aus jedem billigen Kochbuch beliebig vermehren lassen.
Gedämpfte Pilze.
Nur junge, gesunde Pilze sollen möglichst frisch verwandt werden. Die bereits im Walde geputzten Schwämme erfordern zu Hause nicht mehr viel Arbeit. Sie werden gesäubert, in kleine Stücke zerschnitten und sorgfältig gewaschen. Nun werden sie im eigenen Säst ohne Zusatz von Wasser und je
Der „Culvacher Markt".
Zehniausende beim Volksfest des Odenwaldes.
NSG. Erbach, 27. Juli. Der „Eulbacher Markt", das Heimatfest des Odenwaldes in Erbach, das am 19. Juli mit einem Volksfest begann, am 20. Juli ein gut verlaufenes SS.- und SA.-Reit- und Fahrturnier mit ausgezeichneten Ergebnissen brachte, erreichte am vergangenen Sonntag seinen Höhepunkt. Zehntausende kamen nach Erbach, um hier ein bodenständiges Volksfest zu feiern, in dessen Mittelpunkt diesmal die vom Odenwälder Rennver- ein veranstalteten Pferderennen standen. In einer umfangreichen Budenstadt, in der es alles zu kaufen gab was der Bauer an Gegenständen seines täglichen Bedarfs in Haus und Hof braucht, drängten sich die Massen Kopf an Kopf, und auch der sehenswerte Vergnügungspark erfreute sich eines ungeheuren Zuspruchs, ebenso die großen Festhallen und Zelte, die wie sämtliche Gaststätten des Städtchens die frohgestimmten Menschenmassen kaum zu fassen vermochten.
Der „Eulbacher Markt" kann auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Seine ersten Anfänge reichen bis ins Mittelalter, doch ist über die damalige Zeit wenig in den Archiven enthalten. Im Jahre 1802 wurde er in seiner jetzigen Gestalt von dem damaligen Erbacher Grafen zu Eulbach gegründet; nach dessen Tod wurde er unter Beibehaltung des alten Namens nach Erbach verlegt. Das schöne, alte Städtchen zeigt regen Gewerbefleiß. Es wurde in allen Teilen der Welt bekannt durch seine hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiete der Elfenbeinschnitzerei, die hier eine ganz besondere Pflegestätte gefunden hat. In den Nachkriegszeiten sank die Bedeutung des Marktes ganz erheblich; der Verkauf war fast ausnahmslos in jüdischen Händen, aber nach der Machtergreifung wurde hierin ein gründlicher Wandel geschaffen, und nun ist der Eulbacher Markt judenfrei. Er erfreut sich der besonderen Förderung durch Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, der auch am vergangenen Sonntag den Markt besuchte, den Pferderennen beiwohnte und noch mehrere Stunden im Kreise der Volksgenossen verweilte.
Während der Vormittagsstunden strömten Zehntausende nach der schönen Stadt Erbach; die Eisenbahnzüge und ununterbrochen verkehrenden Postomnibusse waren überfüllt; auf den Landstraßen bildeten die Motorfahrzeuge und Radfahrer eine schier ununterbrochene Kette. Das Schloß mit seinen schönen Sammlungen war während des Vormittags das Ziel Tausender, und schon um die Mit
tagszeit wanderten wahre Menschenschlangen zum Festplatz und zu den Pferderennen, die sich der besonderen Unterstützung und des Interesses des Gauleiters erfreuen.
Die Rennen begannen mit dem Preis des Reichs st atthalters für SA. und SS, den G. Darmstädter mit feiner Stute „Käthe" gewann. Der Hessenpreis, ebenfalls ein Preis des Reichsstatthalters, brachte sieben Pferde an den Start. Er wurde von Oberleutnant Z i e r v o g e l auf „Gastrolle" glatt gewonnen, nachdem es kurz vor dem Ziel noch zu einem packenden Kampf gekommen war. Das Odenwaldflachrennen und der Ehrenpreis der Hessischen Landeszeitung wurde von drei Pferden bestritten. Dr. El. D e n cf e r siegte überlegen auf seinem Fuchswallach „Amethyst", mit dem er auch den abschließenden Amazonenpreis gewann, ein Nennen, das sechs schneidige Reiterinnen im Sattel sah. Das „Eulbacher- M a r k t" - R e n n e n war ein Offiziersrennen. Fünf Offiziere der Wehrmacht stiegen in den Sattel — Sieger wurde nach schärfstem Kampf, sozusagen erst im Ziel, mit einer Halslänge Oberleutnant Ocker auf dem von ihm selbst trainierten Fuchswallach „Lockvogel". Der Preis ÜerStadt Erbach sah abermals sieben Pferde am Start. Er wurde von der braunen Stute „Lockvogel" gewonnen, auf der A. U h l im Sattel saß. Sehr spannend verlief das „Graf-Eberhard-Er- innerungsrenne n", ein Halbblut-Amateurreiten, das der SS.-Mann Schmeer auf „Marschall" sicher gewann. In einem eingelegten HJ.- Reiten zeigten vier junge Reiter ausgezeichnetes Können.
Die Rennen fanden das ungeteilte Interesse aller Zuschauer. Auch dem Totalisator wurde gut zugesprochen. Zweifellos haben sich die Erbacher Rennen einen ganz besonderen Platz im deutschen Rennsport erobert. Das war aber nur möglich durch die Beseitigung der zahlreichen Hemmnisse, die eine verständnislose Zeit allem Heimatlichen und Bodenständigen in den Weg legte. Auch zeigte sich abermals der Erfolg nationalsozialistischen Wollens und Handelns. Der „Eulbacher Markt", der durch die besondere Pflege des Pferdesports im Rahmen unserer heimtlichen Volksfeste einen ganz besonderen Rang einnimmt, steigt in seiner Bedeutung seit der Machtübernahme von Jahr zu Jahr. Er ist das Fest des Odenwaldes und eines unserer größten Heimatfeste überhaupt. P. K
nach der Pilzart zehn bis zwanzig Minuten gedämpft. Der Pilzsaft wird nicht weggeschüttet (Gemüse!); falls zuviel Saft, dann Verwendung zur Suppe. Dann wird mit Zwiebel und sonstigen Gewürzen, je nach Geschack, eine Mehlschwitze bereitet. Dazu werden die fertig gedämpften Pilze mitsamt dem Saft gegeben, worauf man sie genügend durchziehen und noch etwas braten läßt. So ist ein einfaches und schmackhaftes Pilzgericht fertig.
pilz-Frikadelleu.
Hartnäckige Pilzfeinde kann man leicht zu eifrigen Pilzfreunden bekehren, wenn man ihnen Pilzfrikadellen — ohne Kenntnis der Zusammensetzung — vorsetzt.
Die Pilze werden wie oben gedämpft, der überschüssige Saft zur Suppe verwandt. Die gedämpften Stücke werden durch die Fleischmaschine getrieben und mit den gleichen Zutaten wie bei Fleisch-Frikadellen versehen und dann genau wie jene in Fett gebraten. Ein Zusatz von etwas Fleisch erleichtert die oben beabsichtigte „Täuschung".
Mzvorrcite.
Für den Winter können die Pilze entweder g e - trocknet, fterilifiert oder eingesalzen werden. Aus den hart getrockneten Pilzen (Sonne oder Backofen) empfiehlt sich die Herstellung von Pilzpulver durch Mahlen in der Kaffeemühle oder bergt Das äußerst schmackhafte Pilzpulver kann zur Herstellung von Suppen, Tunken, zum
Verfluchtes Gold!
Roman von 3- Schneider-Zoerstl.
Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
(Schluß.) (Nachdruck verboten.)
Rolf taumelte aus dem Operationszimmer.
„Blödsinnia, nicht?" sagte der Chefarzt, als sie sich die Hände wuschen. „Da scheint nun draußen so schön die Sonne und so ein junges Leben ist nun ein für allemal verpfuscht.--„Was haben
Sie denn?" fragte er, als Rolf plötzlich beide Hände ans Gesicht hob.
„Mir wurde nur schwarz vor den Augen."
„Ach so! — Sie sind noch jung. Sind Sie irgendwie mit der Verunglückten befreundet?"
„Sie ist meine Braut! —"
Es dauerte lange, bis sich der Chefarzt von dieser Ueberraschung erholt hatte. „Und das sagen Sie jetzt erst? — So leid es mir tut — ich kann kein Wort zurücknehmen von dem, was ich gesagt habe."
Der alte Mediziner sah ein bißchen abwesend nach dem Garten hinunter, wo sorgende Hände Rollstühle über die Wege schoben.
„Mutter", fragte Rolf Steffen, als er sie von Marias Krankenbett weg nach dem Hotel begleitete, „glaubst du, daß es eine Macht gibt, die über uns bestimmt, über uns richtet, uns Lohn und Strafe zudiktiert und uns erhört, wenn wir mit einer Bitte zu ihr kommen?"
„Ja, Rolf! Wie hätte ich ohne diesen Glauben die vielen Jahre des Alleinseins ertragen?" sagte sie ernst. „Wie dich und mich über Wasser gehalten? Zu wem wäre ich gekommen, wenn du im Fieber lagst? An wen hätte ich mich gewandt, wenn ich das Leben nicht mehr zu ertragen meinte?"
„Und du bist nie enttäuscht worden, Mutter?"
„Nie!"
„Dann bete, daß mir Maria erhalten bleibt."
Im Dahinschreiten griff sie nach seiner Hand und drückte sie. ,Hch will dich nicht tadeln, Rolf, daß es nicht mehr so ist, wie früher.--Aber wenn
du als Arzt mit deinem letzten Wissen und Können zu Ende bist — wohin fliehst du bann?"
„In das Nichts, Mutter!"
„Es gibt kein Nichts, mein Sohn. Wo du dich auch immer hinflüchten wirst, immer läufst du ihm in die Arme."
„Gott, meinst du?"
„3a, Gott meine ich, mein armer Junge!"
Hertha Amselmann kam. Hylmar war zwei Tage geblieben und wieder abgereift. Elisabeth Steffen und die Mutter der beiden Jungen verstanden sich, als wären sie schon immer eng befreundet gewesen. Jede sah und erkannte in der anderen die Frau, die ebenfalls durch Leid und Nacht gegangen war.
Maria befand sich dem Tode näher als dem Oe* nejen. Sie war jetzt bei Bewußtsein und suchte mit grübelnden Augen in den Gesichtern, die sich über sie neigten. Einmal beugte sich Rolfs Mutter tief herab und küßte sie auf Den Mund. „Rolf läßt bitten, daß du ihm verzeihst." Sie wußte nicht, ob ihre Worte gehört worden waren, denn Marias Augen waren schon wieder geschlossen.
Hertha Amselmann trieb es nach München. Terrys Verhandlung stand knapp bevor. Rolf mußte seine Praxis als Assistenzarzt in einer Klinik antreten. Nur seine Mutter blieb. Albert Stef- fanelli befand sich auf. einer Amerikatoumöe, so hatte sie Zeit und Muße, sich ganz Maria Terry zu widmen.
Welch eine Frau! dachte der Chefarzt. Es schien, als seien ihre Hände voll des Segens, und je mehr Hilfe und Güte man von ihnen erwartete, desto überreicher spendeten sie.
Er sprach mit ihr, wie er schon lange mit keinem Menschen mehr gesprochen hatte, ganz aus der Tiefe seines Seelenlebens heraus. Es gab nichts, das sie nicht begriff, das ihr fremd gewesen wäre, das sie verurteilte, verdammte, über Das sie gerichtet hätte.
Am Fenster stehend, erzählte sie ihm von Rolfs Frage, ob sie gläubig sei, und daß sie beten sollte, daß Maria ihm erhalten blieb. „Haben sich die beiden irgendwie entzweit?" fragte er, mit einer Pinzette spielend. „Ich möchte so gern klar sehen und will doch nicht zudringlich erscheinen."
Sie gestand, daß sie selbst nicht ganz im Bilde sei. Sie wisse nur das eine, daß ihr Sohn das Mädchen über alles liebe.
„Haben Sie mit ihm von einer möglichen Lähmung gesprochen? — Es wäre entsetzlich."
„Entsetzlich, ja! Mit zwanzig Jahren an einen Rollstuhl gefesselt sein, den man vielleicht sein Lebtag nicht mehr verläßt. Der Wille vermöchte viel, aber Fräulein Terry will nicht. Und ihr zu sagen: Wenn Sie so weitermachen, reichen zwei Krücken nicht aus, sie von einer Zimmerecke zur anderen zu tragen — das Experiment wäre mir zu gefährlich, das Risiko viel zu groß. Bleibt nur die Hoffnung, daß sie eines Tages selbst auf diesen Gedanken kommt. Dann ist es aber möglicherweise schon zu spät."
„Soll ich mit ihr reden?" fragte Elisabeth.
„Sie haben keine Angst davor?"
„Durchaus nicht. Vielleicht versuche ich's gleich heute. Ich sage Ihnen dann, was ich ausgenchtet habe."
Aber Frau Steffanelli konnte ihren Vorsatz erst am anderen Morgen verwirklichen. Als Maria ihr Frühstück kurzerhand beiseiteschob, rückte es ihr Elisabeth lächelnd wieder herzu. „Wissen Sie, daß ich nur noch ein paar Tage bei Ihnen bin, liebes Kind?" Der erschrockene Blick, der sie traf, sagte ihr genug.
„Sie können nicht mehr bleiben?"
„Können wohl, aber es ist zwecklos. Der Chefarzt hat gemeint, mein Hiersein würde Ihre Genesung beschleunigen. Nun ist er aber enttäuscht, weil eher das Gegenteil der Fall ist. Vielleicht wird es besser, wenn ich fort bin."
„Wie können lvie das nur annehmen, gnädige Frau?"
„Oh", meinte Elisabeth leichthin. ,Jch bin so ein eitles Wesen liebes Kind, daß ich mir einbilde, Sie werden Sehnsucht nach mir kriegen und sich eines Tages selbst aufmachen, zu mir zu kommen. Ich habe jetzt ein kleines Haus in Lugano. Waren Sie schon einmal in Lugano?"
„Früher einmal!"
Elisabeth bemerkte den sehnsüchtigen Blick und lächelte ermunternd: „Blauer Himmel, Maria, und Palmen und blaues Wasser und verschleierte Berge. Dom Morgen bis zum Abend lockt der See. Sie sind sicher eine gute Schwimmerin?"
„Eine sehr gute!"
„Ich auch. Sich so dahintragen zu lassen und dann im Sand zu liegen. — Lieben Sie Musik, Maria?"
„Sehr!"
„Schön, nicht, daß wir so vieles gemeinsam haben, das wir lieben?" Ein flüchtiges Rot glitt Marias Wangen hinauf und erlosch wieder. „Es blüht schon alles dort. Die Verwaltersleute haben mir geschrieben, sie wüßten gar nicht mehr wohin mit all den Blumen. Soll ich Ihnen welche schicken, Kind?"
Statt einer Antwort, drückte Maria die Hände Dors Gesicht.
„Nicht meinen!" bat Elisabeth. „Sonst zankt der Chefarzt, daß ich so unvernünftig war, zu Ihnen von all dem zu sprechen."
„Ich möchte mit", kam es von einem Stöhnen begleitet. „Glauben Sie, daß ich mit kann?"
„Sie sind so sehr entkräftet, Maria."
Wieder ein Stöhnen. „Aber wenn ich zu essen anfange. Wenn ich eine Arznei bekäme, daß es rascher geht? Wenn die Schwester mir helfen wollte, meine Füße wieder zu üben, glauben Sie, daß es dann —?"
„Ja, dann", sagte der Chefarzt von der Tür her, „sind wir möglicherweise in vierzehn Tagen schon ausgeflogen. Man kann es seinen Patienten noch so schon machen, keiner will bleiben. Schwester--
Fräulein Terry bekommt jetzt eine Tasse heiße Fleischbrühe. Die hier ist schon ganz kalt. Um Hehn Uhr dann Rotwein mit Ei und eine Schinkensemmel und mittags ißt sie nach freier Wahl; und zum Nachmittag ein Schokolädchen mit Biskuit oder Zwieback, ober sonst etwas und abends nach Belieben."
„3a, bitte", sagte Maria so innig, daß es ihm ein herzliches Lachen abnötigte.
„Sieh einer! Erst haben wir gebeten. Nun bitten Sie. Nur daß wir nicht so hartherzig sind. Und ein Medizinchen gibt es! Fein! Nicht ein bißchen bitter. Und wenn mir den ersten großen Ausflug durchs Zimmer machen, wird auf dem Pascherkofel ein Feuerwerk abgebrannt."
„Und wann darf ich fort?"
Dieser Antwort entzog sich der Gute durch rasche Flucht. Ach, es würde noch viel Wasser den Inn hinunterlaufen, ehe Maria Terry wieder auf eigenen Beinen durch die Welt ging, wenn es überhaupt je dazu kam. Die Aussichten waren noch immer äußerst trostlos.
Aber wenn man so viel Gottesglauben hatte, wie Frau Elisabeth, würde der Himmel doch ein Wunder für sie tun.
*
Terrys Verteidiger war ein Genie. Die Kollegen schmunzelten. Sein Plädoyer hört sich an, als sei Terry der Kläger und die Dysoltwerke beziehungsweise die Aktionäre die Angeklagten.
Daß er aus Gewinnsucht ober um sich unb seiner Tochter eine Vergünstigung zu erschwindeln, gehandelt hatte? — Wer konnte das behaupten? Wer war der Lügner, der das zu sagen wagte? Der Mann, der mit seinen 56 Jahren vollständig ergraut vor den Richtern stand, war den umwälzenden Verhältnissen zum Opfer gefallen. — Und die Tochter? — Erst von Freunden aus Barmherzigkeit ausgenommen, dann Magd auf einer Touristenhütte, von der Dienstherrin um ein Dutzend
Panieren von Koteletten, Frikadellen üsw. guk verwandt werden. Die Totentrompete z. B. gibt durch ihr massenhaftes Vorkommen leicht Gelegenheit zur Herstellung eines schmackhaften Pilzpulvers.
Genau so beliebt ist die Bereitung von Pilz- ex t r a k t unb seine Verwenbung als Suppenwürze usw. Zu diesem Zweck wird der Pilzsaft mit entsprechendem Gewürzzusatz (Salz und bergt) aus ben gedämpften Pilzen ausgepreßt (wie bei Jo. hannisbeeren) und auf dem Feuer immer mehr eingedickt. Dieser eingedickte Pilzsaft bleibt in Gläsern lange haltbar. Massenpilze wie der Hallimasch, die Tintenpilze und viele anderen eignen sich vorzüglich zum Pilzextrakt.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebeserwachen".
äO Die deutsche Arbeitsfront
n.9.=6emeinf(haft „ßraft durch freude"
Omnibusfahrt nach Heidelberg.
Am Samstag und Sonntag findet eine Omnibus- fahrt nach Heidelberg statt. Die Fahrt geht ab in Gießen am Samstag, 1. August, 14 Uhr. Rückfahrt erfolgt am Sonntag gegen Abend. Der Fahrpreis einschließlich Uebernachtung, Frühstück und Mittagessen beträgt pro Teilnehmer 11,30 Mark. Nur wenige Plätze sind noch nicht besetzt. Wir nehmen noch bis spätestens Mittwoch früh Anmeldungen für diese Fahrt auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, entgegen.
Urlaubsfahrt 45/36 Bayrischer Duld vom 31. Juli bis 8. August.
Unberührte alte, deutsche Kulturlandschaft zeigt sich hier mit ragenden Schlössern und kunstreichen Kirchen, freundlichen Dörfern mit Volksbräuchen, die die Bevölkerung in ihrer ganzen Ursprünglichkeit bewahrt hat. In der bayrischen Ostmark gibt es noch deutschen Urwald, in dem noch keine Axt erklang. Von den Bergen reicht der Blick bis zu ben weißen Firnen ber Alpen. Dunkle Bergseen, endlose Wälder, die größten zusammenhängenden Waldgebiete verleihen der Landschaft einen besonderen Reiz. So ist diese Gegend, vergessen zwar und wenig bekannt, ein Kleinod deutscher Landschaft. Hier in der Unendlichkeit der Wälder mit dem ewigen Wiegen und Wogen grüner Wipfel kann der erholungsuchende Urlauber wirklich neue Kraft mit nach Hause nehmen. Für diese Fahrt sind noch einige Plätze frei. Teilnehmerpreis beträgt 37,50 Mark.
Besuch in der alten Heimat.
Die Hessen-Vereinigung Rheinland-Westfalen, Sitz in Essen, der Zusammenschluß der im Rhein-Ruhr- Gebiet wohnenden hessischen Landsleute, hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch gemeinsame Urlaubsfahrten in die verschiedensten Gegenden ber allen Heimat bie Verbunbenheit ber hessischen Lanbsleute unb ihrer Kinder mit ber Heimat ber Väter aufrechtzuerhalten bzw. bei ben Kindern zu wecken unb zu vertiefen. Von biefem schönen Gebauten geleitet wurde auch am gestrigen Montag wieder eine gemeinsame Urlaubsfahrt aus dem Industriegebiet nach dem Stammlande im Rhein-Main-Bezirk unternommen. An der Fahrt waren rund 650 Personen beteiligt, bie 10.14 Uhr in Essen abgefahren waren unb, nachbem ein Teil in Wetzlar ben Zug zur Weiterfahrt nach ber Limburger Gegenb be
dürfte geschickt unb wegen biefer lächerlichen Würste Verunglückt unb möglicherweise zu lebenslänglichem Krüppelbasein verurteilt.
Terrys Gesicht war bleich.
„Es ist gleich vorüber", tröstete Hertha Amselmann, bie hinter ihm saß.
Wolfgang unb Hylmar wagten kaum zu atmen. Auch bie Zuhörer — es waren nicht einmal übermäßig viel — verhielten sich vollkommen ruhig. Der Mann ba vorne war kein Betrüger, keiner von benen, bie anbere aussaugten; unb hatte er nicht schon genug gebüßt? 7 Monate Untersuchungshaft? Alles verloren bis auf ben letzten Pfennig. Das Haus versteigert, bie Tochter zum Krüppeldasein verdammt.
Aber Recht mußte Recht bleiben.
Der Staatsanwalt erkannte auf zwei Jahre Gefängnis mit Anrechnung ber Untersuchungshaft unb infolge ber bisher straffreien Führung und des Mangels jeder gewinnsüchtigen Motive, auf fünf Jahre Bewährungsfrist.
Terry schwankte zwischen seinem Verteidiger unb ben beiben Amselmanns aus bem Saal. Herthas Wagen stand am Ausgang. Sie nahm seine Hänbe in bie ihren und drückte sie schweigend. — Schuld, die man begangen hat, kommt dem Gewissen gegenüber nur dadurch zum Schweigen, daß man sie sühnt. Schuld aber, die gesühnt ist, verliert ihren bittersten Stachel. Mehr wie bereuen unb büßen können wir nicht. Unb baß wir straucheln, ist menschlich, hatte sie bamats in Köln gesagt.
Terry hielt erst bie Lider gesenkt, bann hob et ben Blick unb suchte in ihren Augen. Sie nicktt ihm tröftenb zu.
Man fuhr in bie Villa Amselmann unb setzte sich bort mit dem Verteidiger zu einem kleinen Imbiß zusammen. Am Nachmittag wollte Terry nach Mittenwald abreifen.
Oskar meldete Herrn Steffen. Wolfgang und Hylmar sprangen gleichzeitig auf, ihn zu begrüßen.
In Rolfs Augen stand ein feuchtes Glänzen. ..Vor einer Viertelstunde hat meine Mutter telephoniert, daß Maria die ersten Schritte gemacht hat. Aber der Chefarzt glaubt jetzt, Hoffnung geben zu dürfen, daß noch alles gut wird. Man mußte nur Geduld haben/
„Herrlich!" begeisterte sich Wolfgang. „Kommen Sie doch einen Augenblick herein, Herr Steffen. Marias Vater ist eben hier und wird sich ungemein freuen, wenn er Sie kennenlernt." Und auf Rolfs fragenden Blick erklärte er leise: „Er hat Bewährungsfrist bekommen und fährt noch heute nach Mittenwald."
Wolfgang führte Steffen in das Herrenzimmer und bat Terry hinaus. Was bie beiden miteinander sprachen, hörte kein dritter. Aber als sie bann zusammen zu den anderen traten, stand in ihren Augen ein feuchter Schimmer.
Hertha Amselmann erhob sich, ging Rolf entgegen und nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände: „Ihre Mutter unb ich haben uns verstehen und lieben gelernt. Seien Sie auch meinen Söhnen ein guter Freund."
Es war gegen 2 Uhr, als man aufbrach. Wolf« gang schlug vor, statt bes Schnellzugs, den matt versäumt hatte, ben Wagen zu nehmen.
Zu fünfen fuhren sie nach Garmisch unb wanderten von bort aus ben Weg, ben Maria in jener Winternacht so bitterschweren Herzens gegangen war.
— Ende. —


