Ausgabe 
28.4.1936
 
Einzelbild herunterladen

sich In früheren Zeiten am Brunnen abgespielt. In dem trockenen Jahre 1893 hatte der Brunnen die gan^e Stadt gespeist. Es ist auch jetzt Vorsorge ge­troffen, daß das Wasser des 21 Meter tiefen Brun­nens für Notfälle erhalten bleibt.

Kreis Alsfeld.

Ober-Ohmen, 27. April. Nachdem vor einigen Jahren die Schafhaltung hier auf­gegeben worden war, weidet jetzt eine sogenannte Ga st Herde in unserer Gemarkung. Von der Ge- meinde wurden die grasbestandenen Feldwege und Triften als Weide zur Verfügung gestellt.

Wertungssingen des Sängerkreises Golms - Wetzlar.

O Groß-Rechenbach, 27. April. Im Rah­men der Kreisliedertage fand hier gestern im Saale Bepler das Wertungssingen der Hütten­berger Vereine statt. An dem Wertungs­singen nahmen folgende zehn Vereine aus dem Hüttenberg teil: Männergesangverein Vollnkirchen, Germania Volpertshausen, Liederkranz Dornholz­hausen, Eintracht Hörnsheim, Männergesangverein Klein-Rechtenbach, Liederkranz Groß-Rechtenbach, Frohsinn Hochelheim, Männergesangverein Lützel­linden, Liederkranz Niederkleen, Männergesangver­ein Concordia 1887 Münchholzhausen. Anwesend waren der Führer des Sängerkreisos Solms-Wetz­lar. Lehrer Majewski (Oberndorf) und Musik­direktor Knettel (Bingen), der das Singen be­wertete. Die Bevölkerung nahm regen Anteil an der Veranstaltung, so daß der Saal überfüllt war. Erstmalig wurden Stundenchöre von sechs Ver-

gebrachE Ameise gutem Erfolg zum Vortrag Nachmittags fand auf dem Adolf-Hitler-Platz eine Kundgebung statt, die mit dem Deutschen Sangergruß, gesungen von sämtlichen Vereinen, eingelettet wurde. (Dirigent Lehrer Svory (Groß- Rechtenbach.) Der Sängerkreisführer, Lehrer M a - j e w s k i (Oberndorf) legte in einer Ansprache die Ziele der deutschen Sängerbünde klar und wies dann auf die Bedeutung der Kreisliedertage hin. Während im vorigen Jahre mehr die alten Meister gepflegt worden seien, ständen in diesem Jahr auf den Kreisliedertagen die Volksweisen von Silcher und das zeitgebundene Lied im Vordergrund. Jeder Sänger müsse mit dem Herzen dabei sein, mit einer äußeren Gleichschaltung sei es nicht getan, auf den inneren Wert des Menschen komme es im heutigen Staat an. Nach dem Gesang des Deutschlandliedes übermittelte Bürgermeister Langsdorf die besten Wünsche der Ortsgrupp der NSDAP, und der Ge­meinde Groß-Rechtenbach. Er betonte, daß in dem nattonalsozialistischen Kulturaufbauprogramm auch den Sängerbünden . ihre Aufgabe zugewiesen sei. Ihnen läge es ob, das deutsche Lied zu pflegen. Von dem nationalsozialistischen Standpunkt der Volksgemeinschaft aus seien hier zwei Punkte von besonderer Bedeutung: die Pflege des alten deut­schen Volksliedes und die Förderung des zeit- gemäßen Gesanges. Jede große Zeit habe ihre Lieder. Aufgabe der Sängerbünde fei es, mitzuhel­fen, daß die Kampflieder der NS.-Bewegung All­gemeingut des Volkes werden.

Mit dem Gruß an den Führer und dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes wurde die Kundgebung, an der sich die Bevölkerung zahlreich beteiligte, geschlos­sen.

Aufstiegsspiele in Hessen.

Am letzten Aprilsonntag standen wieder alle Ver­eine im Kampf, nachdem am Vorsonntag wegen der Vereinspokalspiele nur zwei Treffen stattgefunden hatten. In der Gruppe Nord scheint sich die Lage etwas zu klären. Spvgg. Niederzwehren siegte am Sonntag auch in Eschwege mit 4:1 (2:1) und führt nun in der Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung vor Reichsbahn SD. Elm, der in Wallau ein 2:2 (2:0) Unentschieden erreichte. In der Gruppe Süd hat der SV. Naunheim, der beim VfR. Büdingen nur 4:4 (4:1) spielte, weiter die Ta­bellenspitze inne, dicht gefolgt von Kewa Wachen­buchen, das am Sonntag auch in Limburg mit 3:2 (1:1) erfolgreich blieb.

Ergebnisse der Aufstiegspiele.

Burg Lollar 1:2.

Sportfreunde Wetzlar Aßlar 1:2.

Der Sieg von Lollar in Burg kommt etwas über­raschend, ist aber trotzdem in dieser Höhe verdient. Zu allem Ueberfluß verschossen die Lollarer noch einen Elftneter.

Auch die Aßlarer konnten sich in Wetzlar behaup­ten, allerdings erst nach einem schweren und harten Kampf.

Auf Grund dieser Ergebnisse hat die Tabelle fol­gendes Aussehen:

Verein Gew. Unentsch. Verl. Pkte.

Lollar

4

0

0

8:0

Burg

2

0

2

4:4

Aßlar

2

0

2

4:4

Sportsr. Wetzlar

0

0

4

0:8

, FC Teutonia"Wahenborn-Giemberg

Watzenborn-Steinberg I Oberschmitten I 3:1 (1:0).

Die erste Mannschaft von Oberschmitten weilte am Sonntag bei den Teutonen und lieferte ein Ge­sellschaftsspiel. Man hatte sich mit diesem Gegner nicht vergriffen. Die Gäste bewiesen durch ihr schnelles schönes Spiel, daß sie ihren Titel (Kreis­klassenmeister) verdient haben.

In der ersten Halbzeit sah man die Gastgeber im Vorteil, aber es reichte nicht zu Zählbarem, bis dann Haas von Halblinks einen schönen Schuß und somit das einzige Tor der ersten Halbzeit erzielte. Die Schüsse der Gäste waren für den Tormann Happel meist leicht zu halten oder waren ungenau. In der zweiten Halbzeit ergab sich dasselbe Bild. Gekämpft wurde ritterlich, denn es standen sich

fast zwei gleichwertige Mannschaften gegenüber. Der Mittelstürmer Brücke! schoß kurz hintereinan­der zwei Tore, denen die Gäste nur ein einziges entgegensetzen konnten. Damit war der Siea für die Gastgeber sicher. Schiedsrichter Holzapfel (Lich) lei­tete sehr korrekt.

Die Schülermannschaft spielte gegen die zweite Schülermannschaft von VfB.°R. und gewann nach anfangs mäßigem Spiel mit 5:0 Toren. In der zweiten Halbzeit war das Spiel technisch mehr auf der Höhe und dadurch gelang es auch den Teuto­nen, die Gäste so hoch zu schlagen. Die Gießener traten nur mit neun Mann an.

Epielvereinigung 1926 Leihgestern.

Leihgestern 1. Schüler Butzbach 2. Schüler 3:1. Leihgestern 1. Jgd. Grohen-Linden 1. 3gb. 5:1.

Leihgestern I Hungen I 2:2.

Die Schülermannschast trat am Sonntag zum Zweiten Male auf den Plan und konnte gegen Butzbach 2. Schüler auch einen verdienten 3:1-Sieg feiern.

Die Niederlage des Tv. Großen-Lindens Jugend in Leihgestern war vorausZusehen. Daß aber die Gäste mit 5:1 das Feld verlassen mußten, hatte wohl niemand erwartet. Die Blauweißen traten mit einer sehr starken Besetzung an, trotzdem in der Verteidigung W. Schäfer fehlte. Großen-Linden ging vom Anstoß weg vor das Leihgesterner Tor, konnte aber vorerst nichts Zählbares erreichen, bis endlich der gegnerische Mittelstürmer aus einem Gedränge heraus den Ball zum 1:0 einköpfen konnte. Dann machten sich die Einheimischen ftei und belagerten das Tor der Gäste. Aber sie hatten Schußpech! Mit 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Nach dem Wechsel drehten die Einheimischen auf und schossen Tor auf Tor. Die Tore schossen Krick, Laux (Kopfball), Martini, R. Arnold und noch­mals R. Arnold. Die Jugendmannschaft wird die Spielvereinigung 1926 Leihgestern sicherlich würdig bei den Serienspielen vertreten.

Das Spiel der ersten Mannschaften war ein Spiel, das nur die kampfkräftigste Mannschaft ge­winnen konnte. Die Gäste spielten sehr schnell und hart. Es war eines der schlechtesten Spiele das die Blauweißen bis jetzt ausgetragen haben. Der Grund dürfte darauf zurückzuführen fein, daß drei de^Besten ersetzt werden mußten.

Sportverein 1928 Garbenteich.

Baubringen I Garbenleich I 0:3 (0:1).

Am Sonntag weilte die hiesige erste Mannschaft zu einem Aufstiegspiel in Daubringen. Zahlreiche

Zuschauer, etwa 500, hatten sich auf dem Platz des Gastgebers eingefunden. Sie alle wurden Zeugen eines interessanten Kampfes, wie er 'von Mann­schaften der 2. Kreisklasse wohl nur selten gezeigt werden kann. Beide Mannschaften begannen in scharfem Tempo. Man war sich der Bedeutung des Kampfes bewußt. Ein Elfmeterball für Garben­teich, in der 20. Minute gegeben, wurde unhaltbar vom Halblinken verwandelt. Kurz darauf gab es einen Elfmeterball auf der Gegenseite. Der Tor­hüter von Garbenteich hielt aber den ausgezeichnet getretenen Ball in großartiger Manier. Bis zur Halbzeit änderte sich an dem bisherigen Ergebnis nichts mehr. Nach der Pause sah man die Blau­weißen wieder leicht im Vorteil. Während einer Drangperiode der Gastgeber zeigte sich die Gäste- Hintermannschaft sehr auf dem Posten. Der Mittel­läufer Stumpf und der linke Verteidiger Mohr erwiesen sich dabei als fast unschlagbar. Im weite­ren Verlauf des Kampfes konnte der Halblinke noch zweimal erfolgreich fein und damit den Schluß­stand herstellen. Der Meister der 2. Klasse führt

nach diesem Spiele die Tabelle der Kämpfe um den Aufstieg mit 4:0 Punkten und 8:2 Toren an.

BfB.-Reichsbahn Gießen.

BfB.-R. 1. Jugend Tv. Butzbach 1. Jugend 2:1.

Die Butzbacher fanden in den Gießenern den er­warteten starken Gegner, der sie zur Hergabe ihres ganzen Könnens zwang. Die Leistungen der beiden Mannschaften waren derart gut, daß man behaupten kann, daß bei akttoen Mannschaften solche nicht ge­zeigt werden.

DfB.-R. 2. Jugend Großen-Linden 2. Jugend 1:0.

Bei ansprechenden Leistungen beider Mannschaften errangen die Gießener einen knappen, jedoch in dieser Höhe verdienten Sieg.

Die 3. Jugend wurde in Klein-Linden zwei­stellig geschlagen.

VfB.-R. 1. Schülermannschast Butzbach 1. Schü­lermannschaft 0:1. Ein glücklicher Sieg der Gäste. Die 2. Schülermannschaft wurde in Watzenborn- Steinberg mit 4:1 verdient geschlagen.

Um die Vezirksmeisterschast im 6er Rasenradball.

1885 Gießen Bezirksmeister im 6 er Rasenradball.

Am Sonntag fanden in Aßlar die Bezirksmeister- schaften im 6er-Rasenradball des Bezirks Gießen im Deutschen Radfahrer-Verband statt. Die Mann­schaften von 1885 Gießen, Wetzlar-Niedergirmes und Aßlar hatten ihre Meldungen hierzu abgegeben.

Im ersten Spiel standen sich 1885 Gießen und Aßlar gegenüber. Die Gießener, die den Aßlarern technisch weit überlegen waren, hatten das Spiel stets in der Hand. Mit 7:1 Toren konnten die Gießener sicher gewinnen.

Das zweite Spiel sah wiederum Aßlar sowie Wetzlar-Niedergirmes am Start. Die Aßlarer, durch das vorausgegangene Spiel gegen Gießen etwas ermüdet, leisteten den Girmefern zähen Widerstand. Doch die Balltechnik und das Zuspiel der Nieder- girmeser triumphierte schließlich über die körperlich stärkere Mannschaft von Aßlar. Mit 4:0 Toren mußten sich die Aßlarer geschlagen bekennen.

Somit waren 1885 Gießen und Wetzlar-Nieder­girmes punktgleich. Die Begegnung dieser beiden Mannschaften mußte die Entscheidung bringen. Die beiden Mannschaften traten in folgender Auf­stellung an:

18 8 5 Gießen: Hauck; Stammel, O. Don-Eiff; Deibel, W. Von-Eiff, Baum.

Niedergirmes: Nolte; Willy Göbel, Elms­häuser; Lotz, Walter Göbel, Freitag.

Die Gießener hatten Anspiel und konnten so­gleich den Führungstteffer erzielen. Bald darauf gelang aber den Girmefern der Ausgleich. Ein Weitschuß von Lotz konnte von dem Gießener Tor­hüter nicht gehalten werden und damit lagen die Girmeser mit einem Tor in Führung. Eine schöne

Kombinatton vom Gießener Sturm schloß mit dem Ausgleichstor ab. Die Gießener Hintermannschaft, die sich gegen den anstürmenden Sturm von Niedergirmes nicht so recht durchzusetzen vermochte, ließ sich noch zweimal umspielen, so daß Nieder­girmes mit 4:2 Toren in Führung gehen konnte. Kur^ vor Halbzeit gelang dem Gießener Deibel im Alleingang noch ein Tor. Halbzeitergebnis von 4:3 Toren für Wetzlar-Niedergirmes.

Die Gießener stellten nun um. Stammel ging in den Sturm, Hauck und Deibel in die Verteidigung, O. Dan-Eiff ins Tar. Nun klappte es bei der Gieße­ner Mannschaft besser. Die Verteidigung vermachte dem Ansturm der Niedergirmeser, die den Vor- sprung nach vergrößern wallten, standzuhalten. Dem Gießener Sturm gelang in den ersten Minu­ten der zweiten Halbzeit der Ausgleich und gleich darauf das Führungstar. Die Gießener wurden immer mehr überlegen und die Niedergirmeser konnten nur noch selten in den gegnerischen Straf­raum kommen. Während Gießen nochmals erfolg­reich sein konnte, gelang es Niedergirmes nicht mehr, das Ergebnis für sich günstiger zu gestalten. Nach einem schönen Kampf trennten sich die Mann­schaften mit dem Ergebnis von 6:4 Toren für Gießen. Damit verteidigte Gießen seinen Titel als Bezirksmeister erfolgreich.

Am kommenden Sonntag finden in Nieder- girmes die Gaumeisterschaften statt. Für den Bezirk Gießen starten Gießen (1885) und Wetzlar-Nieder- girmes. Die Vertreter des Bezirks Kassel wurden ebenfalls am Sonntag ermittelt, doch sind diese bis zur Stunde noch nicht bekannt.

Handball im Kreis N Mn-Dill).

Durch das schöne Wetter begünstigt, kam am Sonntag eine Reihe von interessanten Spielen zum Austrag, von denen besonders die z. Zt. laufenden Aufstiegspiele interessieren. Ueberraschend kommt der hohe Sieg des Tv. Wetzlar über Tv. Vilbel in der Bezirksklasse, das Unentschieden, das der Tv. Dutenhofen dem To. Grüningen abtrotzen konnte und vor allem auch der klare Sieg der Lang-Gönser Jugendmannschaft. Aber auch die Freundschafts­spiele brachten aufschlußreiche Ergebnisse, die wieder einmal mehr besagen, wie schwankend doch die ein­zelnen Mannschaften in bezug auf ihre Spielstärke sind.

Tv. Wetzlar Tv. Vilbel 14:2 (9:1). Die Soldaten haben der Wetzlarer Mannschaft wieder ihre alte Stärke zurückgegeben. Denn, es will schon etwas heißen, den komplett angetretenen Tv. Vilbel in dieser eindeutigen Weise zu schlagen. Dam't ist die Frage des Aufstiegs wieder ganz offen ge­worden.

II. kreisklasse.

Tv. Grüningen Tv. Dutenhofen 9:9 (3:3). In einem außerordentlich erbittert durchge­führten Kampf ist es Dutenhofen gelungen, wenig­stens einen Punkt sicherzustellen. Beide Mannschaf­ten gaben alles aus sich heraus, um Sieger zu werden. Wie aber das Halbzeitergebnis besagt, ist das Endergebnis schon gerecht. Es wird abzuwar­ten bleiben, wie beide Mannschaften, die sich in

einer sehr guten Form befanden, die weiteren Spiele bestehen werden.

Tv. Alsfeld Tv. Allendorf (Lumda) 13:4 (7:1). Höher als erwartet, mußten sich die Gäste in Alsfeld geschlagen bekennen. Es soll ihnen zugutegehalten werden, daß sie mit reichlichem Er­satz antraten. Der Mannschaft fehlt es aber darüber hinaus an innerem Zusammenhalt. Erst wenn der einmal hergestellt ist, wird der Sturm auch Tore schießen können. Immerhin ist der Sieg der Platz­besitzer bemerkenswert.

Jugendklasse.

TV. Lang-Göns TV. Lützellinden 10:3 (7:3). Das Endergebnis entspricht nicht ganz dem Spielverlauf. Wohl war Lang-Göns besser, wohl zeigte fein Sturm besseres Wurfoermögen, so daß auch der Sieg berechtigt ist. Die Gäste hätten auf Grund ihres Eifers aber noch einige Tore ver­dient gehabt, zumal sich ihre Mannschaft immer mehr als viel stärker erweist, als sie ursprünglich beurteilt wurde.

TV. Münchholzhausen TD. Rutters­hausen 12:6 (2:3). Der Halbzeitstand ist keines­falls etwa eine Ueberrafchung. Die Gäste waren in diesem Zeitpunkt klar überlegen. Sie hatten sich allerdings dann aber auch so ausgegeben, daß sie zum Schluß immer mehr abfielen, so daß die Platz­besitzer schließlich doch noch zu einem hohen Sieg kamen.

ui im«

MMiMMWAMk

Roman von Marlise Köllina.

Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.

2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

II.

Die Halle des großen, vornehm wirkenden Hotels im Berliner Westen war hell erleuchtet. Autos hiel­ten in langer Reihe. Damen in geschmackvollen Pel­zen entstiegen ihnen, Herren, schon zum Ausgehen angezogen, im schwarzen Abendanzug oder Frack, standen plaudernd in dem eleganten Vestibül.

Ein großer blonder Herr trat gerade aus dem Fahrstuhl und schlenderte zum Empfangstisch hin­über, hinter dem die Hotelangestellten hantierten, Kursbücher einsahen, Auskunft erteilten, Zimmer­schlüssel aushändigten, die an den Brettern hin­gen, Briefe sortierten, Telephonate vermittelten.

Herr Stessens schon zurück?" fragte er auf dänisch.

Der Portier sah nach dem Schlüsselbrett.

Bedauere, Herr Gras, der Schlüssel hängt noch aber da kommt Herr Steffens ja!"

Der Däne wandte sich lebhaft um, winkte mit der Hand:

Guten Abend, Steffens. Wir haben schon auf Sie gewartet. Haben Sie die Theaterkarten?"

Er sah den Mann mtt den scharfen dunklen Augen gespannt an.

Alles in Ordnung, Graf. Ich habe, obschon es ausverkauft war, doch noch ganz gute Plätze be­kommen."

Der blonde große Herr atmete hastig auf. Es schien ihm unendlich viel an den Theaterkarten zu liegen.

Da werden sich meine Damen aber freuen. Wie ist es, Steffens, kommen Sie vor dem Theater noch auf einen Sprung auf mein Zimmer zu einem

Gemacht, Graf, ich will mich nur schnell um­ziehen. Sie sind, wie ich sehe, fertig."

Die beiden Herren trennten sich.

Während der große Blonde sich am Zeitungsstand ein paat skandinavische Zeitungen kaufte und, be­

quem in einen der großen Sessel gelehnt, die Sei­ten durchblätterte, fuhr der Dunkle in jein Zim­mer hinauf. Dort verschloß er sorgfältig die Tür zum Korridor, ließ die Rolläden an den Fenstern herunter. Er ging zu dem eingebauten Kleider­schrank, öffnete ihn und klopfte viermal in einem bestimmten Rhythmus an die Tür des benachbarten Hotelzimmers. Nach einer Minute wurde das Signal in gleicher Weise wiedergegeben.

Zur selben Zeit schritt eine zierliche rotblonde Dame suchend durch die Hotelhalle dem Abendrestau­rant zu. Wie sie an dem großen blonden Herrn vorüberkam, faltete der wie zufällig feine Zeitung zusammen, erhob sich dann und begab sich langsam zum Fahrstuhl.

Verzeihung, Herr Graf, soll ich dem Chauffeur Bescheid sagen, daß er zur Zeit vorfährt? Die Ga­rage hat vorhin angefragt, ob der Herr Graf den Wagen heute noch befehlen Herr Graf sprachen doch vom Theaterbesuch."

Der Portier war dem Gast nachgeeilt.

Ach so, ja natürlich," sagte der und schien im Augenblick nicht zu wissen, was man eigentlich von ihm wollte,ja, wir fahren zur Oper, lassen Sie den Wagen um neun Uhr vorfahren."

Der Portier verkniff sich den Hinweis, daß die Oper bereits Punkt acht Uhr anfinge. Komisch waren diese reichen Leute doch. Erst regten sie sich auf, ob sie noch Karten erhielten, dann kam es ihnen gar nicht darauf an, eine geschlagene Stunde später zu erscheinen.

Portier Gruner, im Privatleben ein leidenschaft­licher Musikliebhaber, sah Gras Lonne mit einer leisen Mißbilligung nach.

Um sieben Ühr klopfte es bei Graf Lonne an der Zimmertür. Aus das lauteHerein" erschien Herr Steffens, nun auch schon im Abendanzug.

Gerade stellte der Kellner den eisgekühlten Kog­nak auf den Tisch und rückte die opalisierenden sta­chen Gläser handgerecht.

Ich schenke selbst ein, danke," winkte Graf Lon­ne ab. Der Kellner verschwand.

Steffens wartete, bis sich die Doppeltür hinter ihm geschlossen hatte. Dann zog er aus der Innen­seite seines Rockes ein dünnes, m Papier gewickeltes Päckchen heraus:

J)ier von de Heer, wie verabredet," sagte er.l

War nicht so leicht, durchzukommen. Den andern Teil kriegen wir wahrscheinlich heute, in"

Lonne legte hastig die Hand auf den Mund. Still, ich weiß ja Bescheid!"

Steffen lachte geringschätzig.Seit wann so ner­vös, Lonne? Ist doch noch immer alles gut ge­gangen."

Berufen Sie es nicht." Lonne steckte sich eine Zi­garette an und rauchte in hastigen Lungen­zügen.Man kann nicht vorsichtig genug fein. Wissen Sie nicht mehr, wie in Amsterdam plötz­lich die Wände Ohren hatten?

Weil Robertson ein Verräter war. Hier dagegen sind wir ja unter uns. Immerhin", er ging an die Tür und öffnete sie schnell; aber niemand war auf dem Korridor zu sehen.

Beruhigt kehrte er wieder zurück, schloß die Tür. und nun begann ein gedämpftes Gespräch zwischen den beiden Mannern. Steffens machte sich ab und zu ein paar Notizen in einer Geheimschrift, Lonne verglich sie auf ihre Richtigkeit.

Silbern schlug die kleine Kaminuhr 9 Uhr. Es war Zeit, zur Oper zu fahren.

Lonne ließ sich durch das Haustelephon mit einem anderen Zimmer verbinden.

Ach, Sie find es, Helene, ist die Gräfin fertig? Gut, ich erwarte die Damen unten in der Halle."

Das Auto, das sich Graf Lonne für die Zeit fei­nes Berliner Aufenthaltes gemietet hatte, hielt schon vor dem Hotel. Die Gäste in der Halle sahen mit einem gewissen Interesse den beiden schmucken Paaren nach, die ein Weilchen später dem Hotel­ausgang zuschritten, um in den dunkelblauen Lu­xuswagen zu steigen.

Die Herren, den Mantel über dem Abendanzug offen, waren in ihrer Eleganz eine diskrete Folie für die beiden schonen Frauen. Die Gräfin Lonne, verhältnismäßig groß, sehr schlank und blond, hatte ein etwas hochmütiges regelmäßiges Gesicht, dessen starre Züge mie von einem Bildhauer geformt waren. Sie trug ein schwarzes Spitzenkleid, unter dem eine weichblaue Seide mild hindurchschimmerte, und eine dreifach geschlungene Kette milchweißer Perlen um den schlanken Hals. Lose über das Kleid geworfen lag ein Abendmantel aus schwarzem Samt mit einem hohen Hermelinkragen.

Ihre Begleiterin, ein zierliches rotblondes Per­sönchen mit einem unregelmäßigen aber reizenden

Jungengesichtchen, hatte ein giftgrünes Chiffonkleid mit unendlich viel Rüschen und Falbeln an, die bei jedem Schritt unter dem halblangen grünen Seiden­umhang wippten. Um den Hals lag eine Ichwere Kette von Türkisen, in den zierlichen Ohren, die halb unter dem Lockenhaar verborgen waren, zit­terten ebenfalls zwei Türkisen an dünnen Kettchen, und auch den schlanken Oberarm umspannten Arm­reifen aus den gleichen kostbaren Steinen. Hoch­hackige grüne Seidenschuhe tarnen unter dem weiten Rock hervor und eilten über die roten Läufer, die bis auf die Straße hinaus gelegt waren.

Wer waren die Herrschaften", fragte ein Hotel­gast den Portier.

Ein Graf Lonne mit seiner Gattin und Freun­den, er wohnt in jedem Jahre ein paar Wochen bei uns."

Lonne? Schwedischer Adel?"

Ich glaube wohl, aber die Herrschaften wohnen meines Wissens gewöhnlich in Paris."

Elegante Frauen", murmelte der Fragende an­erkennend vor sich hin. Er schien Lust zu haben, noch mehr zu erfahren, aber der Portier war schon dabei, einem andern Hotelgast eine Auskunft zu geben.

*

Die Oper hatte natürlich schon längst begonnen, als Sonne mit feinem Begleiter und den beiden Damen in die Loge trat. Leise nahmen sie in dem verdunkelten Raum Platz, die beiden Frauen an der Brüstung, die Herren hinter ihnen.

Gräfin Lonne legte ihre Brokattasche neben sich auf den Samt der Logenbrüstung. Dicht daneben lag der Theaterzettel der benachbarten Loge, in der ein anderes Paar saß.

Die Aufmerksamkeit des ganzen Hauses war auf die Bühne gerichtet, der Tenor, ein berühmter pol­nischer Gast, begann gerade seine große Arie.

Der Herr in der Nebenloge griff nach dem Opern» glas, das auf der Brüstung lag, scheinbar aus Ver­sehen erfaßte er dabei den Theaterzettel von nebenan und zog ihn 3U sich hinüber. Das Panier ver­schwand, man hörte ein leises Knittern. Der Herr schien sehr zerstreut zu sein, denn er steckte bcp Zettel, anstatt ihn wieder hinzulegen, in seine Tasche. Dann lehnte er sich zurück und schien völlig in die Musik versunken.

(Fortsetzung folgt!)