BerüDchtigung der Verhältnisse im Osten. Hierbei verwies er auch auf die Sonderausgaben der Ost- dünde, die durch die Wachhaltung der Heimatliebe die Volksgenossen in allen Teilen des Reiches mit den Sorgen und Aufgaben der Menschen an den Grenzen vertraut machen und damit am Ausbau ver Volksgemeinschaft mithelfen wollen. An den Beispielen aus der Vergangenheit zeigte der Redner, daß einem Volke nichts geschenkt wird oder erspart bleibt und nur ein in fick gesundes und geschlossenes Volk sich gegen alle Anstürme behaupten kann. Die Sammlung der Ostdeutschen im Reich bedeute die Bildung von Stützpunkten für die große Aufgabe, das ganze Volk mit den Fragen der Ostgrenzen vertraut zu machen.
Die Gießener Bundesgruppe hat durch die Veranstaltung von Vorträgen zur Aufklärung über den Osten beigetragen. In verschiedenen Vorträgen wurden die Sonderfragen für das Grenzland und seine in stetem Kampf um ihr Volkstum stehenden Bewohner eingehend behandelt. Außerdem sprach der Bunüesgruppenleiter in Friedberg, Wetzlar und Marburg. Die Zahl der Mitglieder ist gestiegen, wenn auch noch nicht alle Ostdeutschen Gießens und der Umgebung erfaßt sind. Die Gruppe zählt auch in einigen Orten der Provinz Mitglieder.
Nachdem nun die Umbildung durchgeführt ist, soll eine lebhafte Tiefen- und Breitenarbeit in An- §riff genommen werden. Es ist beabsichtigt, am erienkinderaustausch teilzunehmen, größere Vorträge zu veranstalten und die Verbindung mit den Nachbargruppen zu vertiefen. Die Ausgabe der Ehrenzeichen für die Abstimmungsberechtigten soll mit einer Kundgebung für den deutschen Osten verbunden werden. Mit den Mitgliedsbeiträgen, die der einzelne dem Bund an die Hand gibt, ermöglicht er nicht nur die Förderung der kulturellen Einrichtungen, sondern hilft auch Die Not in der alten Heimat lindern. Außerdem ist darin eine Sterbefall-Unterstützung und eine Wöchnerin-Beihilfe für das zahlende Mitglied eingescylossen. Es sind ferner wieder Sommerausflüge zu den Nachbargruppen vorgesehen.
Der Kassenbericht gab Aufschluß über geordnete Verhältnisse. Neu in den Beirat wurde Franz Kramer berufen. Die Versammlung schloß in üblicher Weife. Ein gemütlicher Teil schloß sich an.
Einstellung von Freiwilligen beim Inf.-Regt. 36 in Gießen.
Beim Inf. - Regiment 36 können noch Freiwillige für Oktober eingestellt werden. Die Bedingungen zum freiwilligen Eintritt können bei jedem Wehrmeldeamt ober Wehrbezirkskommando erfragt werden. Die Gesuche müssen bis zum 31. Januar 1936 beim Truppenteil eingehen.
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Der Nachrichtenzug Art. -Regiment in Fulda nimmt noch Freiwillige an. Bevorzugt werden technische Berufe und Berufsmusiker. Bewerbungsgesuche sind bis spätestens 31. Januar 19 3 6 zu richten an: Nachrichtenzug Art.-Rgt. Nr. 45 in Fulda.
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** Weitere Wohnungsbauten im Eichgärtengebiet. Nachdem die Fröbelftraße (Parallelstraße zur Kaiser-Allee) in kaum Jahresfrist ausgebaut ist, wird jetzt mit Errichtung von mehrgeschossigen Wohnhäusern an der Curtmannstraße begonnen. Die Curtmannstraße ist die Verbindungsstraße zwischen der Kaiser-Allee und der Straße „In den Eichgärten", während der Ta.n- nenroeg in nördlicher Richtung von der Curtmann- ftraße abzweigt und nach dem Schliefplatz läuft. Die Baufirma H. W. Rinn hat Ecke Curtmannstraße- Tannenweg mit den Ausschachtungsarbeiten für ein zweigeschossiges Doppelwohnhaus vor einigen Tagen beginnen lassen; im Erd- und im 1. Obergeschoß dieses Neubaues sollen je zwei Vierzimmerwohnungen mit allem Zubehör eingerichtet werden, während im Dachgeschoß eine Dreizimmerwohnung eingebaut werden soll; außer einem ca. 6 Meter tiefem Vorgarten soll auch ein kleiner Hausgarten angelegt werden. Mit der Fertigstel- gung dieses Bauvorhabens wird bis zum Sommer gerechnet. Weitere Wohnungsbauten in ähnlicher Ausstattung sollen hier alsbald in Angriff genommen werden.
♦* Eine Ermäßigung der Fahrpreise der Straßenbahn (Knipskarten) betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Es fei besonders darauf aufmerksam gemacht.
* * Fahrplanänderung auf der Strecke Gießen — Marburg. Vom 1. Februar ab wird der Personenzug 729 Gießen—Mar
burg, seither Gießen ab 22.40 Uhr, werktags fünf Minuten und Sonntags 20 Minuten später gelegt. Der Zug wird dann in Gießen werktags um 22.45 Uhr und Sonntags um 23 Uhr abfahren. In Marburg hat der Zug Anschluß bis Treysa.
* * Zur Richtigstellung. Der zweite Teilbetrag des Beitrags zum Reichsnährstand ist nicht am 25. Januar fällig gewesen, sondern wird erst am 2 5. Februar fällig. Nähere Mitteilung ergeht noch durch das Finanzamt.
* * Unfall bei der Arbeit. Gestern kurz nach Mittag ereignete sich auf einer Baustelle ein schwerer Unfall. Der Beifahrer auf einem Traktor, Karl Wetter aus Corbach, erlitt bei einer Re- paraturarbeit an der Maschine einen schweren Schädelbruch und mußte durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Der bedauernswerte Mann liegt schwer darnieder.
* * Ein billiger Sonderzug nach Berlin verkehrt vom 21. bis 25. Februar anläßlich der Großen Automobilausstellung, an dem sich jedermann beteiligen kann. Näheres in der heutigen Anzeige.
GoitesdienstezumIv.Ianuar.
Evangelische Gemeinden.
Mittwoch, den 2 9. Januar.
Dieseck. 20 Uhr: Gottesdienstliche Feier unter Mitwirkung der Gesangsabteilung des Turnvereins; Kollekte für die örtliche Kriegerehrung. — Albach. 19.15: Gottesdienst. — Steinbach. 20: Evangelische Frauenhilfe; 20.15: Evangelischer Frauenchor. — Rödgen. 20.30: Gottesdienst. — Annerod. 19: Gottesdienst. — Heuchelheim. 20: Gottesdienst aus Anlaß der Machtergreifung durch Adolf Hitler. — Klein-Linden. 20: Dankgottesdienst. — Garbenleich. 20.30: Gottesdienst zum 30. Januar. — Hausen. 19.30: Gottesdienst zum 30. Januar. — Lich. 20: Stiftspfarrer Naumann; Kollekte. — Langsdorf 20.30: Adendgottesdienft. — Bellenhausen. 19: Abendgottesdienst.
Donnerstag, den 30. Januar.
Steinbach. 19 Uhr: Gottesdienst. — Langd. 19: Gottesdienst.
Obecheffen.
Ein schöner Erfolg der Lollarer Segelflieger.
A Lollar, 27. Ian. Bereits vor Jahren hat der Segelflugsport in unserem Orte — besonders in den Kreisen der in der Main-Weserhütte beschäftigten Jungens — eifrige Anhänger gefunden. Unter Leitung von Ingenieur Scrabeck wurde unermüdlich zunächst am Bau von Segelflugzeugen und dann an der praktischen Flugausbildung gearbeitet. Mit den Erfolgen können alle Beteiligten durchaus zufrieden fein. Dies bewies aufs neue der gestrige Sonntag. Galt es doch, ein in gemeinsamer Arbeit erbautes Segelflugzeug, welches außerdem mit einem von Ingenieur Scrabeck konstruierten Drei-Zylinder-St'ernmo- tor ausgestattet ist, der Fliegerlandesgruppe Darmstadt zur Abnahme vorzuführen. Schon in früher Morgenstunde, bei starkem Nebel, gings mit dem Auto — das Flugzeug wurde im Anhänger transportiert — auf den Flugplatz nach Darmstadt. Nach der Montage erfolgte in Anwesenheit der Führung der Landesgruppe die Vermessung und Abnahme des Flugzeuges, die zur vollen Zufriedenheit ausfielen. Daher konnte man bald an die praktische Prüfung gehen. Jetzt mußte es sich erweisen, ob die Berechnungen richtig waren. Die Erwartungen wurden nicht getäuscht. Vor einer großen Zuschauermenge erhob sich die Maschine zu ihrem ersten Flug und landete nach einigen Kreisen über dem Platz wieder wohlbehalten. Die Freude über den Erfolg war natürlich groß und in froher Stimmung möchte man sich auf den Heimweg. Möge unseren Segelfliegern auch weiterhin der Erfolg ihrer rastlosen Tätigkeit nicht ausbleiben!
Ein neuer Altertumsfund bei Ausgrabungen.
* Ettingshausen (Kreis Gießen), 28. Ian. Bei den Ausgrabungen im Kreuzerfeld bet Harbach, Gemarkung Ettingshausen, wurde gestern em Schwert aus Eisen, zweiseitig geschliffen, aufgefunden, das aus der gleichen Zeit stammt wie die bisherigen Funde. Der Schwertgriff, dessen einzelne Stücke zum größten Teil gefunden wurden, ist ebenfalls noch gut erhalten. Der interessante Fund wurde für Museumszwecke sichergestellt.
Drillinge in Muschenheim.
□ Muschenheim (Kreis Gießen), 26. Ian. Heute mittag schenkte die Ehefrau des Milchfuhrmannes Heinrich Nier drei Mädchen das Leben. Mutter und Kinder sind wohlauf. Nier ist nun Vater von 4 Mädchen und 2 Buben.
Bürgermeistertagung in Schotten.
(tl Schotten, 25. Ian. Im Rathaussaal zu Schotten fand gestern eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises statt, die von Regierungsrat Schwan eröffnet wurde. Regierungsassessor Denzer gab zunächst eine Reihe von Verfügungen und Rundschreiben bekannt, die sich auf die verschiedensten Gebiete — Luftschutz,
Abrechnung bei Notstandsarbeiten, Holzeinschlag, Verwertung der Gemeindebullen usw. — bezogen. Anschließend wurde die Neuorganisation der Po- lizei erörtert. Nebenstellenleiter H e ß vom Arbeitsamt in Schotten sprach im weiteren Verlaufe der Versammlung über die Ausstellung der Arbeits- bücher und gab auf verschiedene Fragen aus der Versammlung Ausschluß. Lebhafte Klage wurde darüber geführt, daß die elektrischen Birnen der Straßenbeleuchtung so rasch unbrauchbar werden. In einer Beschwerde soll das Ueberlandwerk um eine Untersuchung der Sachlage gebeten werden. Regierungsrat Schwan schloß die Tagung mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer.
Landkreis Gießen.
* Wieseck, 28. Jan. Am heutigen Dienstag, 20 Uhr, findet in unserer Kirche ein Gemeinde- abend statt, bei dem Pfarrer Trapp aus Gießen sprechen wird.
wg Großen-Buseck, 28. Jan. Dieser Tage konnte in geistiger und körperlicher Frische Balthasar Hahn seinen 84. Geburtstag feiern. 45 Jahre war er in der Oberhessischen Nebenwerkstatt zu Gießen als Bohrer beschäftigt. Dann trat er in den Ruhestand. Im Dorfe erfreut sich der Hochbetagte allgemeiner Beliebtheit. Stets macht er noch feinen Spaziergang in das Feld. Aus feiner Jugendzeit weiß der Vierundachtzigjährige viel zu erzählen. An allen Geschehnissen der Gegenwart nimmt er regen Anteil. Schon 58 Jahre ist er Leser des Gießener Anzeigers.
wg Großen-Buseck, 27. Jan. Der Ge- flüaelzuchtverein Großen-Buseck hielt bei Gastwirt Hahn feine Generalversammlung ab. Der Vereinsführer, Lehrer Jung, gab einen kurzen Ueberblid über die Arbeit des Vereins im vergangenen Jahre. Schriftführer Münch gab an» schließend den Tätigkeitsbericht bekannt. Die Kasse, von Rechner Wilhelm Weiß mustergültig geführt, von den Revisoren Wilhelm Hahn und Heinrich I o st für richtig befunden, verzeichnete einen guten Stand der Vereinsfinanzen. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Anschließend gab der Zuchtwart Wilhelm M e I i o r die Ergebnisse der Brutmaschine im vergangenen Jahre bekannt und berichtete von einem Schlupfergebnis von 75 bis 100 v. H. aller eingelegten Eier. Zum Schluß der Versammlung wurde noch über gemeinschaftlichen Bezug von Geflügelfutter beraten. In der üolichen Weise klang die Versammlung aus.
CD Lollar, 27. Jan. Am Samstag versammelten sich die Gefolgschaftsmitglieder der Abteilung „Stadulo" des Buderusfchen Eisenwerks Lollar in der „Germania" zu einem Kameradschaftsnachmittag, der den Arbeitskameraden einige frohe Stunden bereitete. Für die musikalische Unterhaltung hatte man die Kapelle des Wetzlarer Werkes verpflichtet, die mit ihren munteren Weifen zur Hebung der Stimmung wesentlich beitrug. Nach dem Eingangsmarsch sprach zunächst der Vertreter der Deutschen Arbeitsfront. Gedichtvorträge, Einzel- und gemeinsame Lieder schlossen sich in bunter Folge an. Im Verlaufe des Nachmittags richtete auch der Direktor des Lollarer Werkes, Jantzen, beherzigenswerte Worte an die Arbeitskameraden. In den Abendstunden fand
die Kameradschaftsveranstaltung, die man in jeder Weise als gelungen bezeichnen muß, ihren Abschluß.
§ Staufenberg, 27. Jan. Durch einen Lehrgang für Bedienung des Spinnrades, der hier unter Leitung der stellv. NS.-Frauenschafts» führerin Frau B ä u m l e abgehalten wird, kommt ein alter Brauch wieder zu Ehren. Der Lehrgang findet regen Zuspruch. Die Anregung hierzu ging vom Lehrer Rabenau aus.
# Allertshausen, 27. Jan. In der Ra- benauschen Waldung kam dieser Tage eine Holz- Versteigerung zur Durchführung. Buchenscheitholz (4 rm) kostete 30 bis 33 RM., Buchenprügel 20 bis 23, Buchenreisig (10 rm)ll bis 12, Tannen- unb Fichtenprügel (je 2 rm) 6 bis 7, Eichenknüppel bis 13 RM.
* Beuern, 27. Jan. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung und sämtlicher Gliederungen der Partei wurde hier ein Stürmerkasten seiner Bestimmung übergeben. Zellenwart Schwalb sprach habet über die Judenfrage. Die Feier wurde mit einem „Sieg-Heil!" auf den Führer und mit dem Horst-Wessel-Lied geschlossen.
< Beuern, 27. Jan. Bei der H o l z v e r ft e i • g e r u n g im Gemeindewald, zu der auch viele auswärtige Interessenten erschienen waren, wurden folgende Preise (je 2 Raummeter) erzielt: Buchenscheite 20 NM., Eichenscheite 10, Buchenknüppel 16, Buchenstöcke 8, Buchenreisig 3, Eichenstöcke 6 RM. — Die Holzhauerarbeiten in unserem Walde werden demnächst beendet. Die Gemeinde hat nunmehr beschlossen, ihre sämtlichen Obstbäume unter der Leitung eines Baumwartes auslichten, die Rinde abkratzen und die Bäume vorschriftsmäßig spritzen zu lassen.
- S t e i n b a ch, 24. Jan. Am gestrigen Donnerstagabend hielt der Ob st- und Gartenbauverein feine Jahresgeneralversammlung bei Mitglied August Haas ab. Der Leiter des Vereins, Balthasar Jakob Haas, gab zunächst den Jahresbericht für 1935 bekannt. Infolge der Umstellung des Vereinsjahres, das seither vom 1. April bis 31. März lief, auf das Kalenderjahr umfaßte der Bericht nur % Jahre. Planmäßig hat der Verein feine Aufgaben verfolgt, das Spritzen der Bäume und das Anbringen von Kleberingen für Mitglieder und Nichtmitglieder durchgeführt. Es beide aber immer noch vieles zu tun, um das Ziel der Erzeugungsschlacht auf dem Vereinsgebiet zu erreichen. Die Rechnungsablage durch den Rechner Wil- helb N e e b ergab einen günstigen Kassenbestand, die Geschäftsführung des Rechners fand ebenso wie die des Vorstandes wohlverdienten Beifall. Auf Vorschlag des Ortsbauernführers Ludwig Balser wurde der Vorstand durch Zuruf neu bestätigt, nachdem ihm vorher Entlastung gewährt wurde. Die neue Zeitschrift der Landesbauernschaft „Der Gärtner" wird für jedes Mitglied gehalten und der Vereinsbeitrag festgesetzt. Es fand dann eine Aussprache über hie Aufgaben des Vereins im neuen Jahr statt, die helfen soll, das Ziel der Erzeugungsschlacht zu erreichen. Auf die Bezirksversammlung in Gießen am 1. Februar wurde besonders hingewiesen. Nachdem noch Fragen der Düngung und die geplante Süßmostbereitungsanlage besprochen waren und der Ortsgruppenleiter, Bürgermeister Pg. Rink, auf die im vaterländischen Interesse nötigen Verkäufe von alten Birnbäumen hingewiesen hatte, schloß der Vereinsleiter in üblicher Weise die Versammlung.
= Steinbach, 28.Jan. Die hiesige Kriegerkameradschaft hielt am Samstag im Saale des Vereinswirtes G ö r l a ch einen Kame- rädfchaftsabend ab, Der sehr gut besucht war. Kameradschaftsführer Jakob Sehrt eröffnete den Abend mit einer Ansprache, gedachte besonders der durch den Führer wiedergewonnenen Wehrfreiheit des deutschen Volkes und brachte ein dreifaches Sieg- Heil auf Den Führer aus. Dann gedachte er in üblicher Weife Der Toten Des Weltkrieges und Der Bewegung. Nach ihm sprach Der Kreisschießleiter der Kyffhäuser-Kameradschaft Albin Klein- Gießen, betonte Den vaterländischen Wert des Schießsportes innerhalb der Kriegerkameradschaften und erkannte an, daß die Steinbacher Kameradschaft
1 ausgiebig
und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend
WWMMklWM.
Roman von H. von Hellermann.
Copyright 1936 by Aufwäris-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Bald darauf saß der Maler seiner Wirtin in der Wohnküche gegenüber, ließ stumm Redeschwall und Nötigen über sich ergehen und aß; denn er war sehr hungrig. Nur ab und zu glitt ein verlorenes Lächeln über seine Züge, wie es Menschen haben, die freundlich erscheinen wollen, deren Gedanken aber weitab weilen.
Frau Alma merkte es nicht. Sie wir in ihrem Element, tischte geschäftig auf, aß, schmatzend wacker mit und plätscherte fröhlich wie ein Fisch im Gewässer ihrer unaufhörlich dahinströmenden Geschwätzigkeit. Jeden Menschen in der Nachbarschaft kannte sie, und seine intimsten Familienangelegenheiten dazu. Wo das Wissen nicht langte, half eine blühende Phantasie nach. Und vom Konkurs des kleinen verwachsenen Uhrmachers nebenan kam sie auf die Zeiten zu sprechen — womit man bei den Bratäpfeln angelangt war.
„Ach ja, die Zeiten!" Sie seufzte beklommen. Der Rockbund begann zu drücken. Es war gar nicht leicht, sich als Witwe heutzutage durchzubringen. Man hatte ja Gottlob noch ein bissel Erspartes und sei auch in der Krankenkasse, man brauche niemanden zur Last zu fallen, im Gegenteil! Der volle Busen wölbte sich selbstbewußt noch höher. Aber wenn man heimkam und so alleine 'rumsaß und niemand hatte, der ein bißchen ,für einen war... „Schmeckt Ihnen der Kuchen nich? Viele nehmen Fett zu den Streusel, aber das gibt’s bei mir mm, da is reine Butter drin! Noch ein Täßchen Kaffee — ach, kommen Sie nur, Herr Drau, der is gut fürn Magen! Sie müßten überhaupt öfters mal bei mir essen, das schmeckt doch anders als in so nem Gasthaus, nich? Ich bin sehr für Fleisch. Ja, was ich sagen wollte — ein Mann hat s besser. Der braucht nicht allein zu fein. Der findet schnell jemand --"
Hier folgte eine längere Pause, während die Jettäuglein über Den RanD Der Kaffeetasse hinweg zu dem Maler hinüber lichterten, Der mit keinem Wort das Schweigen brach, sondern beharrlich Den Blick auf seinen Teller gesenkt hielt, nachdem er leise und höflich „Jawohl" gesagt hatte.
Der Wortschwall war so gut wie unverstanden an feinem Ohr verprasselt. Er war satt, zum ersten Mal in vielen Wochen, und voll angenehmer Schläfrigkeit. Die Wärme tat wohl, und das Sofa, auf das er genötigt worden, war weich. Erst als er, aufsehend, die schwarzen Augen zärtlich auf sich ruhen sah, als Das Lächeln auf dem dicken Gesicht breiter und deutlicher ward, erwachte er aus seinem Dahindämmern.
Mochte er auch im Augenblick wunschlos fein, die Frau da war es nicht. Verfluchter Narr, der er gewesen! Oder war es wirklich nur Mitleid, das ihm helfen wollte, gaukelten Einbildung ober Eitelkeit ihm etwas vor, das gar nicht bestand? Du lieber Gott, wer war er denn, daß er sich gegen die Hand wehrte, die ihm Gutes tat, die einzige Hand.
Und aus der satten Müdigkeit ward eine stumpfe Ergebung. Statt aufzustehen und fortzugehen, wie er es im ersten Impuls gewollt, blieb der Mann sitzen, rauchte eine der herbeigeholten Zigaretten nach der anderen, während Frau Alma abräumte, eine Decke über den Tisch breitete und sich mit einem Strickstrumpf — „ich werd mir mal Ihre Socken vornehmen!" — wieder zu ihm setzte. Allerlei Fragen brannten ihr auf dem Herzen. Aber allzu neugierig durfte man diesem Mann nicht kommen, der ihr gar so gut gefiel in seiner aufrechten Schlankheit, mit dem schwarzen welligen Haar über Dem hageren Gesicht, in dem Die Augen manchmal wie dunkle Juwelen glühten, wenn er vor feiner Staffelei ftanD. (Sie mußte noch herauskriegen, wer die Blonde war, die er jetzt malte.) Was für schöne Hände er hatte--
Unwillkürlich betrachtete sie ihre roten Wurstfinger mit Widerwillen, tröstete sich aber gleich harauf. Wer gut verdiente und was auf der Sparkasse hatte, konnte sich die ruhig leisten, und noch manches dazu!
Hatte Herr Drau noch Eltern? — Nein, die waren lange tot, und Geschwister hatte er nie gehabt. Er stamme gewiß nicht aus dieser ©egerib?
„Ich bin Schlesier." Ein weiches Sinnen stand plötzlich in Des Gefragten Blick.
„Und Ihr lieber Vater — war Der auch Maler?"
„Nichts weniger, Frau Müller." Das Sinnen vertiefte sich zu einem stillen Schmunzeln, als Drau Der Prügel gedachte, die seine erste Malerei — an der Wand und Stalltür — ihm eingetragen. „Er war Oberförster im Fürst Pleß'schen Revier und hatte für meine Kleckserei wenig übrig."
Fürst Pleß — Ein Hauch von höfischem Glanz und Reichtum umwehte das Wort. Frau Alma kriegte runde Augen und atmete tief vor lauter Ehrfurcht. Hatte Herr Drau je den Fürsten gesehen?
Drau sah fragend auf. Seine Gedanken waren weit fort gewesen. „Wie meinen Sie? Ach so, Den Fürsten? Ja, oft, er war riesig nett zu uns Kindern, ich spielte ja mit seinen beiden Jungen damals.
Nun war der Fragestrom nicht mehr aufzuhalten. Aber Drau unterbrach ihn endlich, indem er kurzerhand aufstand. Er müsse noch arbeiten. Ihm war plötzlich, als müsse er ersticken in diesem kleinen, mit abgestandenem Kochdunst erfüllten Raum, er empfand die Neugier der fragenden Frau wie eine körperliche Belästigung. Was gingen diese Fremde seine Verhältnisse an?!
Aber der Dank fiel sehr höflich aus. Denn es war Dem Mann jäh zum Bewußtsein gekommen, Daß er seiner Gastgeberin noch Die Monatsmiete schulDete. —
8. Kapitel.
„Guten Morgen, sind hier zwei Zimmer zu vermieten?"
Grete Mervius, die auf das Klingeln geöffnet, riß Die Tür weit auf. „Zwei Zimmer, jawohl. Darf ich Sie bitten, näherzutreten? Gleich hier links —" Sie lief voran. FreunDlich lagen Die beiben behaglich eingerichteten Räume vor Des EintretenDen prüfenDer Betrachtung. „Das Bett ist wie neu, Die Matratze wurDe erst aufgearbeitet", betonte Grete, Die grüne Satinsteppbecke einlaDenD zurückschlagenD. „Sehen Sie? Hier, der Schrank —" tabellos sauber, mit weißem Papier ausgeschlagen waren Die Fächer für Die Wäsche. „Der konnte auch gegen Die WanD geschoben werben, aber wir fanDen ihn so quer- gestellt hübscher. Es gibt zwei Kontakte für Die Leselampe, da an Der Chaiselongue nochmal. Und
wenn Die Blumen am Fenster stören, nehmen wir sie natürlich fort —"
Der FremDe lächelte. Er wußte nicht, was ihm besser gefiel, Die helle, heimelige FreunDlichkeit, Die so gar nichts von „möbliertem Zimmer" an sich hatte, ober bas frische Mäbel ba. Das mit eifergeröteten Wangen Die Wohnung zeigte, kinDliche Erwartung in Den blauen Augen, ob Die also gepriesene ihm auch gefiele.
„Die Blumen werben keinen stören", erroiberte er, „im Gegenteil, sie werben ben glücklichen Bewohner Dieser schönen Zimmer stets erfreuen. Und Der Schreibtisch könnte gar nicht besser stehen, auch Des Lichtes wegen."
„Welch angenehme Stimme!" Dachte Frau Margret, über Die Schwelle tretenb. Sie fjatte in ber Küche zu tun gehabt. Nun war Die große Schürze abgebunben. In zierlicher Feingliebrigkeit, frisch und rosig ftanb sie vor bem sich umroenbenben Herrn, Der sie mit ritterlicher Verneigung grüßte unb seinen Namen nannte: „Dr. Goebel. Hierher berufen an bie ©emälbegalerie."
Margret Mervius sah interessiert auf. „Der Name scheint mir bekannt. Sinb Sie etwa ber Verfasser ber interessanten Artikelserie über gefälschte Bilber berühmter Meister unb ihre Ent- beckung?"
Der Frembe bejaht. „Daß Sie Die kleinen Plau- bereien interessierten, ehrt mich, gnäbige Frau! So wissen Sie auch wenigstens, weß' Nam unb Art' ber Frembe ist, ber bei Ihnen ein Obbach sucht. Sie hatten bie Güte, mir zu schreiben" — aus seiner Brieftasche eine Anzahl Briefe hervorholenb. „Ich habe von ben zweihunbertsechzig Angeboten nur Die besten ausgesucht."
„Zweihunbertsechzig?" wiederholte Grete fassungslos. „Da ist's ja der reinste Glückszufall, daß Sie zu uns kamen!"
„Ein Glückszufall, bem ich bankbar bin", errat- bette ber Herr mit feinem Lächeln. „Die ruhige Lage am Park lockte mich. Unb nun ich bie Blumen unb ben schonen Schreibtisch gesehen habe, werben Sie mich kaum mehr loswerben, mein Fräulein!" Er sah von bem strahlenben Jungmäd« chengesicht roieber zur Mutter. „Das heißt: wenn Ihnen mein Einzug recht ist, gnädige Frau?"
(Fortsetzung folgt!)


