Ausgabe 
28.1.1936
 
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Interessante Vogelforschungen.

Als Vogelwart auf Wangeroog.

In einer gemeinsamen Veranstaltung der Biolo­gischen Fachschaft an der Universität und der Orts­gruppe Gießen des Deutschen Biologenoerbandes berichtete vor kurzem Studienassessor H e l m u t h Henning über seine Arbeit als Vogelwart im Sommer 1935 auf der ostfriesischen Insel Wanger- o o g.

Sandige Dünen, salzige Sumpfwiesen und die unabsehbaren Flächen des bei Niedrigwasser aus dem Meer auftauchenden Watts bestimmen die wechselvolle Landschaft dieser Insel, liefern Brut­orte und Fraßstätten für zahllose Vögel. An erster Stelle stehen unter den Brutvögeln die See­schwalben; in den unter der Obhut des Vogel- wartes stehenden Brutgebieten konnten Heuer über tausend brütende Flußseeschwalben gezählt werden, seltener sind Küstenseeschwalben und Zwergsee­schwalben. Lichtbilder von den Nestern dieser Arten gaben Aufschluß über ihre Brutsitten und Gewohn­heiten am Nest. Die Seeschwalben brüten unfern dem Strand'e, die Gelege werden daher vor allem durch hohe Bluten bedroht, eine Gefahr, der gegen­über auch der Vogelwart machtlos ist. Die Sumpf­wiesen im Westen der Insel sind das Brutgebiet der melodisch rufenden Rotschenkel und der K a m p f l ä u f e r, die zur Paarungszeit bei ihren Kampsspielen beobachtet werden konnten. Auch Kiebitze und Austernfischer haben hier ihre Nester, beide bekannt dafür, daß sie sich flügellahm und krank stellen, um ihre Feinde vom Gelege oder von den Jungen fortzulocken. Einer der schönsten und größten Brutvögel der Insel ist die Brand­ente. Seit alters bietet man ihr auf den friesischen Inseln künstliche Nisthöhlen und gewinnt so, ohne ihr zu schaden, einen Teil der Eier. Das prächtige, durch unverständige Ausbeutung in den letzten Jahren vertriebene Tier konnte durch die Bemühun­gen des Vogelwarts im Schutzgebiet wieder zum

Nisten gebracht werden. Feldlerchen, Hänflinge, Kuckucke und Stare, Rauchschwalben und Gras­mücken schließen die Reihe der Brutvögel auf der Insel.

Die Zugzeit im Frühfahr und Herbst bringt andere Arten mit fremden Stimmen und unge­wohntem Gehaben auf die Insel. Außer Fischadlern, Weihen, Entenvögeln aller Art, Schwärmen von Buntspechten, kam manch seltener Nordländer zur Beobachtung, u. a. ein Baßtölpel, ein Vogel von Gänsegröße mit gefährlich spitzem Schnabel und hartblauen Augen zwischen rötlich überlaufenen Kopffedern.

Der Vogelwart schützt die Brutgebiete gegen menschliche und tierische Eierräuber, er wehrt der Zudringlichkeit neugieriger Badegäste, er sucht bei Sturmfluten von den Gelegen zu retten, was zu retten ist. Um zur Aufklärung des in vielen Punk­ten noch rätselhaften Vogelzuges beizutraaen, müssen möglichst viele Vögelberingt" werden. Aus diesem Grund bemächtigt sich der Vogelwart mit Netzen und Fallen der Brut- und Zugvögel, legt ihnen am Bein einen Ring um, der mit einer Nummer versehen ist und läßt sie wieder fliegen. Berin- gungs- uni) Beobachtungslisten sind täglich zu füh­ren, kurz, die Pflichten eines Vogelwartes sind mannigfaltig und nehmen ihn vom frühen Morgen bis tief in die Nacht hinein in Anspruch, lohnen aber auch durch reiche Eindrücke und Erfahrungen.

Nach einer regen Aussprache vereinigten sich die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologenverbandes, der Biologischen Fachschaft und einer Anzahl von Studierender der Landwirtschaft­lichen Fachschaft, die unter der Führung von Dr. Tempel gerade von einer Tagung aus Frankfurt zurückgekommen waren, zu einem kameradschaft­lichen Abend, der einen ausgezeichneten Verlauf nahm.

Lichtung! Verlegung von Kursen!

Am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche werden einmalig folgende Kurse in das Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18, verlegt:

Allgemeine Körperschule, Frauen And Männer. Mittwoch, von 20.30 bis 21.45 Uhr.

Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Donnerstag, von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr.

Baltikum- und Freikorpskämpfer!

Abwicklungsstelle: Gießen, Hammstraße 4II. Achtung, wichtig!

An alle AntragstellerEinsatz für Deutschland".

Die Prüfung der Anträge durch uns und die politische Zuoerlässigkeitsprüfung durch die zustän­digen Gau- bzw. Kreisleitungen umfassen mehr als 100 000 Kameraden und werden sich noch über mehrere Wochen erstrecken.

Es ist uns nicht möglich, vor dem endgültigen Abschluß der Prüfung eingesandte Unterlagen so­fort zurückzusenden. Wir sind auch außerstande, die unzähligen Anfragen einzeln zu beantworten. Die Portospesen, die wir durch Einholung von Informationen, Zeugenerklärungen usw. haben, sind schon kaum tragbar.

Es ist mehrfach bekanntgegeben worden, daß die eingereichten Unterlagen mit der Urkunde zurück­gehen. Eine Ausnahme bilden nur die Antragsteller, die die Bedingungen der Prüfung nicht erfüllen.

Wenn wir den Einzelwünschen der Kameraden auf Rückgabe der Papiere entsprechen, so benötigen wir, wie gemeldet, eine Frist von etwa drei bis vier Wochen.

Eine bevorzugte Bearbeitung von Anträgen ist ausgeschlossen. Täglich laufen hier Arbeitsvermitt- lungs- und Unterstützungsgesuche ein, zu denen wir im Augenblick nicht Stellung nehmen können. Wir hoffen, daß in kürzester Frist die in Aussicht ge­stellten Entscheidungen des Reichsinnenministeriums bekanntgebeben werden.

Uns würde viel Arbeit erspart und damit im Interesse aller Kameraden eine Verzögerung der Hauptarbeit vermieden, wenn die täglich steigenden Anfragen über den Stand der Dinge unterlassen werden. Alle wichtigen Meldungen können in Wehrfront, Ausgabe B, nachgelesen werden.

Reichsabwicklungsstelle des Reichsverbandes der Baltikum- und Freikorpskämpfer, Berlin W15, Lietzenburger Straße 12.

Für die Ausfertigung: gez. Paul Euler.

Schont die Weidenkätzchen!

Kaum haben die Weiden begonnen ihre Kätzchen zu zeigen, als auch schon Personen angetroffen wurden, die Sträuße aus Weidenzweigen nach Haus trugen. Das Pflücken der kätzchen- tragenden Weiden zweige ist durch Po­lizeiverordnung des Kreisamtes ver­boten. Wer dem Verbot zuwiderhan­delt, macht sich strafbar. Jeder Spazier­gänger und Naturfreund, der auf feinen Wande­rungen Personen antrifft, die sich gegen die polizei­lichen Schutzvorschriften vergehen und die Weiden­büsche ihres Schmuckes berauben, sei es auch aus Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit, sollte diese Naturzerstörer" auf das Strafbare ihrer Handlung aufmerksam machen oder zur Anzeige bringen. Es muß endlich dem Unfug des Abbrechens der Weiden­zweige, der die Ursache ist, daß in der Umgebung Gießens kein Weidenbusch angetroffen wird, wel­cher nicht irgendeine Verstümmelung aufzuweisen hat, ein Ende gemad)t werden. Auch in volkswirt­schaftlicher Hinsicht ist das Abpflücken der Kätzchen ein Schaden, denn die Bestäubung erfolgt in der Hauptsache durch Bienen, denen die Blüten reich­lich Honig bieten. Wir haben in Deutschland alle Ursache, darauf zu sehen, daß den Bienen die ersten Blüten, von denen aus sie ihre im Winter aufge­brauchten Honigvorräte wieder ergänzen können, erhalten bleiben. Die deutsche Reichsregierung hot in 'dem Reichsnaturschutzgesetz vom 26. Juni 1935 die Grundlage für die Erhaltung der einheimischen Natur geschaffen. Sie in ihren Bestrebungen zu unterstützen, ist Pflicht eines jeden Volksgenossen.

Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen (Naturschutz).

Goethe-Bund.

Dichterabend: Rudolf G. Binding.

Gestern las, wie schon einmal vor einer Reihe von Jahren, Rudolf G. Binding in der Neuen Aula vor einer yroßen Zuhörerschaft aus seinen Dichtungen. Er erinnerte sich zu Beginn jenes Be­suches und gab seiner Freude über die Wieder­begegnung mit der seit damals noch gewachsenen Gemeinde und Anhängerschaft Ausoruck. Dichter dürften, so fuhr er fort, eigentlich keine Stimme und kein Gesicht haben über ihr Werk hinaus. Dichter lesen immer gegen sich", und das Ein­malige in der Gestaltung eines Werkes komme in der Wiedergabe nicht mehr zum Vorschein. Die Zuhörer möchten aber wissen,ob es stimmt", ob Uebereinftimmung besteht zwischen Wesen und Werk eines Dichters. (Wer Binding nur einmal gesehen un'ö gehört hat, weih, daß es bei ihmstimmt".) Die alte romantische Vorstellung vom Dichter, den seine Muse küßt, sei begraben; heute gelte die Forderung, daß Dichtung Stimme des Volkes sei, aber was wäre denn Dichtung anders als seine verborgene Stimme. Volkstümlich sei nicht zu ver­wechseln rftitleicht faßlich", gerade das Aben- teuerlidje und das Gewaltige fei es, und der wahre Dichter (scharf geschieden vom Literaten) lei nie etwas anderes gewesen als Stimme seines Volkes. Der heutige Staat habe die Dichtung zu einer öffentlichen Angelegenheit gemacht, große Teile des Volkes seien dieser Stimme teilhaftig und stolz darauf. So sollen die Dichter vor uns stehen, jeder in seinen Grenzen, aber doch auch als Ausdruck der Nation, als Verkünder der deutschen Seele im Wettstreit mit andern Völkern. Der Hörer und Leser müsse Forderungen stellen: in solchem Wett­streit mit andern Völkern müssen wir mit dem höchsten Ausdruck und Anspruch auftreten; und so sind wir verständlich in aller Welt. Gegenstand der Dichtung sei immer das Leben, wir warten mit vollem Recht auf den Roman, auf d i e Dichtung des Volkes, die freilich, als ganz große Leistung, immer aus dem Zusammentreffen besonders glück­licher Fügungen hervorgehe.

*

Dies war in großen Zügen die Einleitung all- aemeiner und grundsätzlicher Art, die Binding feiner Vorlesung als Ansprache an die Hörer vor­ausschickte. Er las dann, gleichsam als Beleg für das zuvor Gesagte, eine Betrachtung, noch nicht gestaltet, einen Keim gewissermaßen:Ewiges Langemarck", ein Thema also, das in uns allen auf Ausdruck wartet. Beschworen wurde in der

Die Lustschutzpflicht.

Diese Pflicht ist für alle Deutschen, auch für die Frauen, seit dem 26. Juni 1935 gesetzlich festgelegt. Nachdem das Flugzeug zu einer gefährlichen An­griffswaffe geworden ist, war die gesetzliche Pflicht, im Selbstschutz der Bevölkerung mitzuarbeiten, eine zwingende Notwendigkeit geworden. Dies gilt für jedes Dorf und für jede Stadt. Nicht nur indu­strielle Anlagen sind in einem Kriege bedroht, auch die Getreide- und Futtervorräte, die Viehbestände und landwirtschaftlichen Maschinen sind sehr loh­nende Objekte für einen Angreifer. Jeder Bauer, jede Bäuerin muß dies wissen. Der Reicksluftschutz­bund ist beauftragt, auch auf dem Lande den Selbstschutz der Bevölkerung aufzubauen. Jeder, der den Bund unterstützt, dient der Landesverteidigung. HI.-Fahne für die kaufmännischeBerufs- schute in Gießen.

Von der Direktion der Kaufmännischen Berufs­schule in Gießen wird uns berichtet:

Nach erfolgreicher Werbung durch das Lehrer­kollegium der Kaufmännischen Berufsschule für die Staatsjugend gehören nunmehr 99 v. H. von den 421 Schülern der Schule zur HI. und zum BDM. Auf Grund dieser Zugehörigkeitsziffer ist die Schule berechtigt, die HJ.-Fahne zu hissen. Die Fahnenweihe, zu der auch die Vertreter der HI. und des BDM. einaelaöen waren, fand am 24. Januar um 8 Uhr statt. Der Leiter der Schule, Handelsstudiendirektor Dr. Wendel, gab zu Be­ginn der Feier das Ergebnis der Werbung zur Staatsjugend bekannt, worauf die Fahne gehißt wurde. Während der Hisfung der Fahne sprach die gesamte Schülerschaft den Sprechchor:Stellt euch um die Standarte rund" von Baldur von Schirach. Darauf wurde das Fahnenlied der HI.:Vor­wärts! Vorwärts! schmettert die Heldenfanfaren" gesungen. In seiner Ansprache charakterisierte der Schulleiter die Vorkriegsjugend als die Jugend der feldgrauen Generation, die Nachkriegsjugend in ihrer ungesunden Problemhaftigkeit und die heutige Staatsjugend in der Eindeutigkeit ihres Glaubens

edlen, männlichen und ritterlichen Haltung, die alles auszeichnet, was Binding schreibt noch einmal die über sich selbst hinausgehobene Auslese unserer jungen Mannschaft in Flandern, kärnpfeno, singend und sterbend in der heroischen Landschaft, die in jenen Herbsttagen 1914den größten Eingang in das Reich des Todes" bildete.Keiner der Singen­den kam zurück", aber ihre Tat steht wie ein Stern über allem, was damals geschah. Hier sprach Bin­ding, der Dichter und der Offizier, vom heiligen Vorbild derwahrhaft Geweihten", wie sie schon vorgeahnt scheinen in den Versen Hölderlins vom Tode fürs Vaterland". Die Tat ist ihr Vermächt­nis; wir wollen ihre Tat weitergeben an unsere Söhne.

Wer Gedichte nicht liebt, sagte Binding dann, entzieht sich dem Edelsten, was es in der Sprache gibt. Er kennzeichnete mit wenigen Worten das naturhaft-elementare Wesen des echten Gedichtes und wies dem Hörer einige Kunstgriffe, welche die Aufnahme gesprochener Lyrik erleichtern. Wir ver­nahmen dann denSpruch auf dem Hochzeitsturm in Darmstadt" (Die Sonnenuhr spricht") und die Grabschrift für eine junge Mutter": kristallen ge­bildet in der Form, einfach, zart, voller Gefühl und sprachlicher Melodie. Dann, ganz anders, die beiden Reitergedichte, von denen das erste jeneshöchste Glück dieser Erde" des alten Reiterspruches be­singt, während das zweite noch einmal in die Totenlandschaft des großen Krieges (über die Schlachtfelder der Somme") zurückweist. Zwei Naturgedichte,Gipfelgespräch" undFest der Wälder", leiteten zum Ausklang des Abends über.

Wir hörten zuletzt ein novellenhaftes Erlebnis aus dem BucheErlebtes Leden", auch dies als Beleg für das zu Anfang Gesagte: Wahrheit ist der Kern aller Dichtung; sie muß immer wieder von jeder Generation neu gestaltet werden. Das Er­lebnis ist überschriebenDas Tübinger Mädchen" und schildert die wunderliche Begegnung des jungen Studenten Binding im Garten seiner Hauswirtin, in einer hellen, warmen Nacht unterm Goldregen; öas Erlebnis setzt sich fort und endet mit einem gemeinsamen Kirchgang am folgenden Sonntag­morgen. Das ist ganz knapp und sparsam geschildert, könnte auf den ersten Blick nur als gefühlvolles Idyll in einer kleinen schwäbischen Stadt gelten, erweist sich aber dem von der Höhe des Lebens Rückschauenden als eine Begegnung von tieferem Sinn und, vielleicht, schicksalhafter Bedeutung.

Die Zuhörerschaft dankte mit herzlichem Beifall.

y

an Deutschland. Die Feier schloß in der üblichen Form mit dem Horst-Wessel- und dem Deutschland­lied.

Gratisabgabe von Verlosungsgegenständen.

Die Kreisgruppe Gießen der Wirtschastsgruppe Einzelhandel gibt von folgender Mtteilung der In­dustrie- und Handelskammer zu Berlin Kenntnis:

In letzter Zeit ist wieder, wie früher schon, in Kreisen des Einzelhandels darüber geklagt worden, daß Vereine, Betriebsgemeinschaften und andere Organisationen an Geschäftsinhaber mit dem Er­suchen herantraten, für eine anläßlich einer ge­selligen Veranstaltung durchzuführende Tombola Gebrauchsgegenstände sowie Lebens- und Genuß- mittel zu spenden.

Hiergegen bestehen Bedenken. Der Einzelhändler, an den das Ersuchen gestellt wird, befindet sich viel­fach in einer Zwangslage, weil er glaubt, die an ihn herantretenden Personen als Kunden zu ver­ärgern oder gar zu verlieren, wenn er die Spenden gewährung ablehnt. Grundsätzlich rst der Einzel­händler nicht in der Lage, seine Waren zu verschen­ken. Er schafft aber auch im Falle eines einmaligen Entgegenkommens eine Situation, die von der übrigen Kundschaft mißverstanden werden muß, der er keine derartigen Zuwendungen machen kann. Die Einzelhandelsoertretung bittet daher alle Einzelhändler, in jedem Falle von einer Spendengewährung für Tombola- und ähnliche Zwecke Abstand zu nehmen, und richtet auch alle Organisationen der Wirtschaft, der Arbeitsfront, so­wie gesellige Vereine die dringende Bitte, die Ein­zelhandelsgeschäftsinhaber nicht um derartige Spen­den anzugehen und dadurch zu einem Verhalten zu veranlassen, das wirtschaftlich und wettbewerblich in keiner Weise gerechtfertigt ist."

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 28. Jan. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, inlän-

Geheimnis eines Liedes.

Eine Anekdote von Karl Lerbö.

Zart und schön und von seltsam herzrührendem Zauber ist die Geschichte von dem Liede, das der junge Lehrer eines schwedischen Dorfes erdachte, als im Hellen Grafe über den Schären die ersten Gänseblumen aufglänzten. Es war ein einfaches Lied, voll sachter Schwermut und silbriger Herbheit, wie der schwedische Frühlingstag, den es fang, wie seine blasse Sonne und seine schimmernde Ver­haltenheit, wie die Frühnebelschleier und der Wind, dessen kühler Atem immer eine Ahnung vom Eis- Hauch des hohen Nordens in diesen lichtgrünen Frühling trug. Aber es war auch eine Sehnsucht darin, der das Helle zartdunstige Blau dieses Him­mels wie eine begrenzende Hülle erscheinen wollte. Der junge Lehrer war stolz auf das Lied, aber auch ein wenig scheu davor, wie vor den wunderlich süßen und beklemmenden Träumen, die ihn zuwei­len seiner Welt der kleinen Pflichten und der ge- wissenhaften Sparsamkeit, der kargen Bücher und des immerwährenden Einsamseins entrückten. Er sang es in seinem Schulzimmer und freute sich daran, daß die ruhigen, hellhaarigen Kinder die Weise, zögernd und leise erst, aufnahmen und dann heller und sicherer nachsangen und mit ihrem jungen Leben füllten; er fang es abermals: und nun er­griff ihn ein Gefühl, als vermöchte er zum ersten­mal in beschwingt steigendem Flug sich einen Herz­schlag lang über jene begrenzende Hülle hinwegzu­heben und einen kurzen glanzgeblendeten Blick in die Unendlichkeit tun. Es war ein ungeheures Erleb­nis, beseligend und tief verwirrend zugleich; aber später erst, als er in der Einsamkeit seines kleinen Zimmers der rätselhaften Kraft nachsann, die ihn getragen hatte, erkannte er, daß diese Kraft aus einem großen, unverwandt auf ihm ruhenden Blick strömte: dem Bück blauer Augen in einem schma­len blaffen Mädchengesicht. Der hätte der Lehrer dieser Verknüpfungen nicht Namen noch Deutung geben können, selbst wenn er nach solcher Deutlich­keit gesucht hätte. Er suchte sie nicht mied sie wohl gar.

Als er freilich im barauffolgenben Winter, durch einen Knecht herbeigerufen, sich durch eine winb- f auf ent) e Nacht bis zu dem Bauernhof hindurch- aekämpft hatte, der den Eltern des Mädchens ge­hörte, schien das Tor zu solcher Erfüllung für immer geschlossen, und das schmale blasse Gesicht war, augenlos geworden, in die geheimnisvolle Endgül­tigkeit eines rätselhaften Ausdrucks gebannt: Senn

dische, ungezeichnete 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10 bis 11 Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 7 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 70 bis 90, Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 65, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,30 bis 3,50 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 30 Pf., Birnen 25 bis 28, Nüsse 40 bis 50, Blumenkohl, das Stück 25 bis 45, Salat 20 bis 35, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 5 bis 40 Pf.

Ein fruchtbares Jahr der Marinekameradfchast Gießen.

Die Marine-Kameradschaft Gießen berichtet uns folgendes:

Die Kameraden der Marine-Kameradschaft Gie­ßen 1892 trafen sich am Samstag im Marineheim am Wißmarer Weg zur Jahres-Hauptversamm­lung. Erstmalig war von der Kameradschaftsfüh­rung ein gedruckter Jahresbericht mit Vermögens­bilanz herausgegeben worden, der allgemeine Zu­stimmung fand. Aus diesem ist als wesentlichstes herauszuheben, daß auch im vergangenen Jahre gute Arbeit für Volk und Reich geleistet wurde. Gutes Zusammenarbeiten mit der Marine-SA. wurde festgestellt, da ja die Kameradschaft der An­sicht ist, daß ein gemeinsamer Weg zum gleichen Ziele führt: Ein stolzes Deutschland! Die Förde­rung oer Jugend soll, wie in den vergangenen Jahren, sehr gepflegt werden. Als im abgelaufenen Jahre die Marine-HI. neu aufgebaut wurde, wur­den bereitwilligst Platz und Geräte zur Verfügung gestellt. Und so kann man heute auf dem Platz und im Haus der Marinekameradschaft die Marine-HI. ebenso wie die Marine-SA. bei ihrem Dienst für Führer und Volk sehen.

Der Mitgliederbestand ift ziemlich konstant ge­blieben; des im letzten Jahre Heimgegangenen Mit­gründers und Ehrenvorsitzenden Gg. H e b st r e i t wurde gebührend gedacht.

Durch den Willen des Führers wurde den im Nationalsozialistischen Deutschen Marinebund zu­sammengeschlossene Marinkameradschaften die Auf­gabe gestellt, alle jungen, aus der Kriegsmarine ausscheidenden Kameraden aufzunehmen und zu betreuen, und so konnte bereits in der Versamm­lung der erste dieser Kameraden vorgestellt wer­den. Es wurde der Wille bekundet, treu dem Füh­rer am Neubau des Dritten Reiches zu helfen.

Nach Behandlung der Bilanz und des Kassen­berichtes wurde vom Rechnungsausschuß die sau­bere Arbeit des Kassenführers Kamerad Seibert anerkannt. Nachdem noch die Einweihung des Ma­rine-Ehrenmals Labon und die Teilnahme berMarine- kameradfchaft besprochen war, sagte die Versamm­lung der Kameradschaftsführung Dank für die ge­leistete Arbeit. Nach kurzem Schlußwort und nach Gedenken und Gruß an den Führer schloß Kame­radschaftsführer Lich den offizellen Tell der Ver­sammlung.

Inzwischen warPapa S ch m e h l", der alte Fuchs vomWolf", erschienen, herzlich begrüßt von den Kameraden. Und dann folgte ein frohes tarne« radschaftliches Beisammensein, das nur der so rich­tig begreifen kann, der selbst einst die blaue Uni­form getragen hat. Es war sehr spät, als der ju­gendfrischeKäpn Schmehl" nach Hause ging, und es soll sehr früh gewesen sein, als die letzten ihren Heimweg antraten. Am Sonntagmorgen wurde die neue Bundesflagge des NSDMB. ge­hißt, und auf Wunsch der Marine-HI. die alte Kriegsflagge, die bis dahin über dem Marineheim geweht hatte, zur Ausschmückung ihres Heimes übergeben.

Die Marine-Kameradschaft Gießen wird die im Jahre 1892 begonnene Arbeit für Volk und Reich fortsetzen.

Versammlung der Ostdeutschen.

Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Oft- bund), Bundesgruppe Gießen, hielt am Samstag imPfälzer Hof" unter Bundesgruppenleiter H. Kostorz die diesjährige Jahreshauptversammlung ab, die gut besucht war. Hierzu waren auch zahl­reiche Gäste erschienen.

Der Bundesgruppenleiter verband mit dem Jah­resbericht eine politische Umschau unter besonderer

das Mädchen war an einem jähen 9eeber gestor­ben, und der Lehrer kam zu spät, um den letzten Wunsch zu erfüllen, um defsentwillen er herbeigeru- en war. Er vernahm von allem, was zu ihm ge- prochen wurde, nur dies: daß er ihr noch einmal ein Lied habe Vorsingen sollen, bevor sie sterben müsse; und er suchte dabei unablässig den Aus­druck dieses Gesichtes zu deuten. Sehnsucht, dachte er; und Liebe ja, Liebe; ein großes Verlangen, das über alles irdisch Endliche hinausgreift; und ein Wissen, eine Gewißheit, die der Erfüllung sicher ist. Danach wandte er fick plötzlich und lief so rasch in die Nacht hinaus, daß der Knecht, den sie ihm mit der Laterne nachschickten, Mühe hatte, ihn einzu­holen und heimzugeleiten.

Die Deutung der Botschaft, die das Antlitz der Toten ihm sagen wollte, muß zu ihm gedrungen sein wie ein unabweisbar zwingender Ruf. Die Bauern und die Kinder, die dem Sarge auf dem weiten Wege zum Friedhof folgten, fanden es kaum verwunderlich, daß der Lehrer barhaupt und stumm unter ihnen erschien; denn sie kannten es an ihm, daß er zuweilen auf eine seltsame und un­zugängliche Art anders war als sie. Der und je­ner sah wohl erstaunt auf, als er dann vor ihnen allen an der Spitze des Zuges dahinschritt. Alle aber hoben betroffen die Köpfe, als er zu fingen begann. Er fang der Toten sein Lied, das noch einmal zu vernehmen der Lebenden versagt worden war. Als er es zum ersten Male fang, schwankte seine Stimme ein wenig und verflackerte zuweilen im eisigen Winde. Dann aber, beim zweiten Male, hob sich die Stimme hoch und frei und siegte über Kälte und Wind und war ein Helles, sieghaft schwe­bendes Getön über der winterlichen Gebe. Sie sahen ihn schreiten und hörten ihn fingen, und sie mochten wohl ahnen, daß der Mann da vor ihnen einen Schicksalsweg ging. Noch aber ahnten sie nicht, daß dieser Weg vor ihren Augen in die Vollendung münden sollte: denn schon war der Singende dahingeschritten durch den aufleuchten- den Glanz, der ihn wie eine linde und zugleich mächtige Flamme ergriff. Schon hatte sie ihn steil- auf über alle irdische Begrenzung emporgetragen in die flammende Unendlichkeit einer Erfüllung, in die er, singend, völlig und selig sich verströmte: so daß, noch ehe der letzte Ton des Liedes verklun­gen war. Wissen und Erkenntnis des uns Unerkenn­baren ihn ganz in Klarheit hüllten und er, nieder­stürzend ins Endliche und dennoch emporgerisfen ins Unendliche, die Berührung mit der Erde nicht mehr spürte.