Nr. 148 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)
§amrtag, 27. Juni (956
Die schönen Schulgärten von Erda
Volkstums- und Heimatarbeit in der Schule.
Eine prächtige Nachbildung des Hauses Wachenfeld bei Berchtesgaden.
Es wäre billig, über die Schule der vergangenen Jahrzehnte oder eines vergangenen Zeitraumes zu schelten —- ganz abgesehen von den Tendenzen des Schulwesens der Systemzeit — vielmehr mag bester Wille und alles Bemühen um sinnvolle Jugenderziehung angenommen werden. Die Schule der Vergangenheit enthielt der Jugend aber manches vor, was ihr die Schule des Dritten Reiches gibt und geben kann: Wirklichkeitsnähe, bewußte Per-
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Inmitten eines kleinen Teiches sieht man den urzeitlichen Pfahlbau.
Anzahl von Blumenbeeten, die von den Schülerinnen und Schülern betreut werden. Manche Pflanze in diesem Garten ist von den Kindern selbst mitgebracht, gehegt und gepflegt worden, wächst, blüht und gedeiht. Der Garten ist rings von Sträuchern und Blumenstauden verschiedener Arten umgeben und bildet eine geschlossene Einheit. Lauben und Laubengänge beleben das Bild. Kletterpflanzen winden sich um die Stangen, aus denen die Lauben gefertigt sind. Selbstverständlich, daß dieser Garten eine Fülle des Anschauungsmaterials für den naturkundlichen Unterricht enthält.
Ein zweiter, etwa 13 Ar großer Garten, unweit des Dorfes, der einmal Wiesenland war, wurde als Nutzgarten angelegt. Hier kann sich die Jugend in größerem Umfang praktisch betätigen.
Ein ceizoolles und von schöner symbolischer Bedeutung durchleuchtetes Vorhaben des Schulleiters stellt die Absicht dar, für jedes Kind, das in die Schule kommt, ein Bäumchen zu pflanzen und zwar einen Wildling, der im Laufe der Schuljahre von dem Kinde gepflegt und unter sachverständiger Anleitung auch veredelt werden soll. Das Bäumchen soll dann mit dem Knaben oder Mädchen bei der Schulentlassung des Kindes auch den Schulgarten verlassen, um in dem Garten am elterlichen Haus verpflanzt zu werden. Kaum ist ein schönerer Gedanke zur Vertiefung der Heimatverbundenheit zu denken . . .
Glanzstück der Schule zu Erda ist aber die eigentliche Schulanlage, die sich unmittelbar an den Schulhof anschließt. Terrassenförmig baut sich die Anlage auf, die bis vor einiger Zeit lediglich ein stark abschüssiger sandiger und lehmiger Abhang und kein erfreulicher Anblick war. Die Jungens pflegten an diesem Abhang zu spielen, auf ihrem Schulranzen oder auch auf dem Hosenboden den steilen Hang hinunterzurutschen — sicherlich sehr zum Verdruß der Mütter.
Aus dieser wüsten Stätte ist nun unter der Tatkraft des Lehrers, unter der bereitwilligen Mithilfe der Jugend nicht nur eine reizvolle gärtnerische Anlage geworden, sondern eine Stätte, die dem Unterricht "in vieler Hinsicht zu dienen vermag. Kaum ist die Möglichkeit gegeben, all das, was es hier zu sehen gibt, eingehend genug zu bewundern. Die An
lage nimmt den ganzen Hang, nach der Schulhausseite zu, ein. Mehrere Wege, schmal zwar, aber ausreichend, führen an diesem Hang hin und her, hinaus und hinab. Zum Teil sind sogar Treppen angelegt. Einige Terrassen sind geschaffen worden, indem etwa meterhohe Mauern errichtet wurden, wie man sie von Weinbergen her kennt. Und die ganze Fläche des Hangs ist bepflanzt. Zu ebener Erde sind dem Hang einige Blumenbeete verschiedener Form vorgelagert, die gegenwärtig in schöner sommerlicher Pracht stehen. Viele bekannte Gartenblumen begegnen hier dem Beschauer, manche seltene Pflanze ist hier zu finden, die, wenn sie in der unmittelbaren Umgebung nicht zu finden war, aus der weiteren Heimat beschafft wurde. Manche Pflanze wurde aus anderen Teilen Deutschlands herbeigeholt, manches Gewächs wurde von Freunden des Gartens mitgebracht, geschenkt, gestiftet. Kollegen des Schulleiters unterstützten den Garten und trugen nach Kräften zur Bereicherung bei. Manche Blume ist sowohl in der wilden Form, wie in züchterischer Entwicklung, als Gartenblume, vorhanden. Ferner findet man auch hier die verschiedensten Ziersträucher vor.
Einen großen Teil des Gartens nimmt das Alpinum ein, das sich zwar noch nicht sehr üppig entwickeln konnte, da es noch nicht allzulange besteht, in dem aber bereits die verschiedensten Pflanzen anzutreffen sind. Vom einfachen Mauerpfeffer bis zum herrlich erblühten samtigen Edelweiß der Alpen ist vieles vertreten, was selbst dem zünftigen Botaniker große Freude machen müßte. Die Pflanzen sind für den Zweck des Anschauungsunterrichtes mit Namensschildern versehen und der Dorfjugend von Erda ist dadurch manche Pflanze auch dem Namen nach geläufig, wo andere vielleicht noch nicht einmal dem Aussehen nach zu unterscheiden vermöchten. .
Der Reichtum des Gartens ist aber mit seinem vielseitigen Pfanzenbestand durchaus nicht erschöpft. Es gibt da zum Beispiel auch noch eine Gesteins- s a m m l u n g , die zwar noch des Ausbaues bedarf, aber immerhin schon eine ganze Anzahl schöner Stücke aus der heimischen Landschaft enthält. Da findet man neben dem Säulenbasalt aus dem Vogelsberg, den Quarz, den Rotsandstein, Granit, Kalk usw. Die Sammlung soll — so ist beabsichtigt — so ausqebaut werden, daß an ihr den Kindern der Aufbau unserer Erde vom Urgestein bis zu den jüngsten Gesteinen veranschaulicht, werden kann. Die Auswirkung eines Anschauungsunterrichtes in solcher Form kann nur eine gute sein.
Hoch oben steht eine reizvolle Windmühle. (Aufnahmen [8]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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ein Fachwerkbau, der ebenfalls ein Strohdach und am Giebel auch noch die beiden charakteristischen Pferdeköpfe trägt.
In reizender Umgebung findet man dann eine prächtige oberschlächtige Wassermühle, deren Rad sich unter dem raschen Fluß eines kleinen Baches lustig dreht. Allerdings wird sie nicht von einem natürlichen Bach getrieben, denn eine Quelle war am Hang nicht aufzufinden. Man wußte sich aber zu helfen. Eine Tonne wurde in den Erdboden eingegraben, so daß sie völlig unsichtbar ist. Diese Tonne wird von den Kindern mit alten ausran- gierten ledernen Feuereimern immer wieder mit Wasser gefüllt. Ueber das Mühlrad hinweg ergießt
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Die urzeitliche Felsenhöhle wurde kunstvoll aus Stein gebaut.
ist. Der Eindruck ist der
Darüber hinaus enthält die Schulanlage aber noch etwas ganz Besonderes für den Volkstums- und Heimatkunde - Unterricht und zwar eine Reihe von Wohngebäuden. Hier entdeckt man an einer geschützten Stelle eine Felsenhöhle in kleinem Maßstab, wie sie die Urbevölkerung unserer Zone bewohnt haben mag. Es gibt keinen Zweifel darüber, daß man in diese Höhle hineingehen mutz.Und man würde sich nicht wundern, wenn ein rauhbehaartes menschenähnliches Wesen der grauen Vorzeit mit einer dicken Stange in der Hand plötzlich daraus hervortreten würde. Nahebei findetman noch einen schönen strohbedeckten Pfahlbau, der sachgemäß an einem kleinen kunstgerecht
aufgelegten Teich gebaut . einer völligen Wahrhaftigkeit.
Eine weitere Entwicklungsstufe ist in einem ausgezeichnet gearbeitetem Blockhaus dargestellt, das unmittelbar die Wohnkultur der Germanen veranschaulicht. Der Giebel trägt die beiden Pferdeköpfe, die so lebhaft an den Götterglauben unserer Vorfahren erinnern. Einer der eindrucksvollsten Bauten in diesem Freilichtmuseum ist dann das stolze niedersächsische Bauerngehöst,
sich das Wasser in Kaskaden in den Teich, in dem der Pfahlbau steht.
Auch eine wunderhübsche Windmühle steht hoch oben auf dem Hang, deren Flügel sich beim leisesten Windhauch in Bewegung setzen. Neben der Nachbildung eines Schwarzwaldhauses ist in diesem Garten auch noch eine mittelalterliche Ritterburg zu sehen, die die ganze Land, schäft überragt. Der Turm ist dem Turm der Burg zu Friedberg getreu nachgeschaffen.
bundenheit mit dem Volksganzen, mit der deutschen Vergangenheit und der Gegenwart, mit den wertvollen Kräften unseres Volkes und nicht zuletzt herzliche Verbundenheit mit der Heimat, mit der Heimaterde. Die Schule der Gegenwart führt bewußt zurück zu unseren Vorvätern, zu allem was ihnen heilig war, führt zu ihrer Art, aus der heraus die deutsche Jugend das Schicksalhafte unserer Blutsoerbundenheit zutiefst erfühlen kann.
Die Jugend hat heute mehr als zuvor die Möglichkeit, die Heimat zu erwandern, in Zeltlagern Volksgemeinschaft zu üben, sie genießt alle Förderung zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten im guten Sinne. Es war nicht immer so! Der Mensch pflegt erst als Erwachsener ganz zu empfinden, was ihm die Schule, das Elternhaus oder die Volksgemeinschaft gab oder nicht zu geben vermochte. Die Schule des Dritten Reiches ist sichtlich auf allen Gebieten bemüht, der Jugend zu geben, was sie erwarten darf. Die Möglichkeiten, der Jugend zu dienen, sind ungemein vielfältig. Hier soll von einem besonderen Aufgabengebiet gesprochen werden: vorn Schulgarten — allerdings nicht m grundsätzlichen Gedanken, sondern von ganz bestimmten Schulgärten, von den Schulgärten der Landschule zu Erda (im Kreise Wetzlar).
Die Schulgärten von Erda (es sind deren mehrere) sind sehenswert. Wer einen Ausflug in die Landschaft hinter dem Dünsberg macht und auf feiner Wanderung durch diese herrliche Gegend kommt, in der sich Wald und Feld, Berg und Tal in glücklichem Wechsel ablösen und dabei dem reizenden Dorfe Erda einen Besuch abstattet, sollte n'cht versäumen, über den Zaun des weitläufigen Grundstückes der Schule zu lugen, die an der Straße nach Hohensolms liegt. Es mag in unserer enoeren und weiteren Heimat noch manchen Schulgarten geben, der Beachtung verdient, zweifellos ober sind die von Erda nicht Schulgärten im ub- l chen Sinne, sondern Mustergärten. Für manchen Lchrer ist die Schule zu Erda das Ziel eines Ausfluges, viele Vorübergehende aus Stadt und lianö betrachten sich die schönen und interessanten Anlagen, immer wieder kommen Besucher und wohl jedermann geht angeregt und erfreut über diese Art Schularbeit seines Weges weiter.
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Im Grunde handelt es sich um drei verschiedene Gartenanlogen, die unter der Initiative des Schulleiters H e d r i ch , der dort seit drei Jahren wirkt, entstanden sind.
Der eigentliche Schulgarten enthalt eine
Der altgermanische Blockhausbau kündet von den Vorfahren.
Sn natürlichster Umgebung steht eine schindelgedeckte Wassermühle.
Das niedersächsische Bauerngehöft veranschaulicht bestes deutsches Volksgut.
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Mit großer Aufmerksamkeit betrachtet die Jugend das Schwarzwaldhaus.
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