Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 27. Mai (936
larFf.
Aus der Provinzialhauptstadt
aber wir
und besser hätte sagen können, lacht alles. Der
Wenn ein
Fisch aufs Land gerät und soll durch seine Kiemen
der Hand den Jüngsten der Verbrecher, hinter
ihr
Gießen:
die beiden andern. Das Ganze ist wie eine afrikanische Abordnung, geführt von einer entrüsteten weißen Lady.
„Ich sag's ja", sagt die Lady, „nicht eine Minute kann man aus dem Haus gehen! Sie haben den Ruß aus dem Müllkasten geholt und Wichse angerührt."
Jaja, so sehen sie wahrhaftig aus, denkt der Vater. Aber: „Wie soll ich diese Kleider nur wieder sauber bringen?" fragt die entsetzte Mutter.
„Ja wie? Du wirst sie wohl waschen müssen", antwortet der Mann vor dem Schreibtisch. „Es gibt doch sicher so Zeug gegen Ruß. Vielleicht probierst du's mal damit."
Darauf jedoch hat die Mutter nur ein ärgerliches Kopfschnicken und schiebt mit ihren Afrikanern ab.
Der Vater aber zündet sein Pfeifchen wieder an, nimmt einen neuen Bogen und denkt: Ein Glück, daß die Buben mal mitunter etwas anstellen. Ein wahrer Segen! Wo sollte man sonst immer den Stoff zum Schreiben hernehmen? Die Leute haben
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** Straßensperren. Wegen Ausführung von Umbauarbeiten auf der Reichsstraße Flensungen —Schotten sind die Ortsdurchfahrten F r e i e n s e e n und Flensungen vom 22. bzw. 28. Mai ab gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Grünberg und Laubach bzw. Ilsdorf—Groß-Eichen—Lardenbach.
** Maienblasen. Am heutigen Mittwoch ab 19 Uhr wird das Maienblasen vom Turme der Stadtkirche mit folgenden Darbietungen stattfinden: 1. Choral „Valet will ich dir geben", Melchior Teschner 1613; 2. „Preis und Anbetung" von Rink; 3. „Das treue deutsche Herz", Volksweise von Ottu.
** Impftermine. Die Stadtverwaltung gibt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte die Termine der öffentlichen Impfung bekannt. Die interessierten Eltern seien auf die Bekanntmachung hingewiesen.
** Bankenschluß amPfingstdienstag. Die Gießener Geldinstitute geben im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes bekannt, daß ihre Kassen- und Geschäftsräume am Dienstag, 2. Juni, geschlossen sind, während sie am Pfingstsamstag in der üblichen Zeit offenstehen. Man beachte die heutige Anzeige.
** Wem gehört das Fahrrad? Am 22. Mai, um 6 Uhr, wurde auf dem Hofe des Ludwig Abel in Gleiberg, Gießener Straße 83, ein fast neues Herrenfahrrad aufgefunden. Beschreibung: Marke „Wanderer", Rr. 628 504, schwarzer Rahmenbau mit blauen Streifen, hoher Lenker, schwarzer Sattel und neues Boschlicht. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Ortspolizeibehörde Krofdorf-Gleiberg.
ja keine Ahnung . . .
Dornoiizen.
Tageskalender für ANllwoch.
RS.- Kulturgemeinde, Studentenring
Vom Flugzeug zu Fröschen und Kröten
Ein Umweg zur hessischen Heimatnatur.
Don £r. Karl Rudolf Fischer.
seinen Jagdgründen. Das Abwässern und Ein- grasen der Teiche nimmt ihnen die Stätte zum Laichen, die Entwässerung der saueren Wiesen ihren Aufenthaltsort während der ausdörrenden Sommertage, da die Sonne der größte Feind ihrer schleimfeuchten Körperhäute ist, die Ueberführung der Täler in kultivierte Grasflur fetzt Mäuse und Grillen und Heuschrecken an ihre Stelle, und so wird, je weiter wir durch die Zeiten schreiten, auch eine weitere Abnahme zu erwarten sein. Das ist schade. Freilich sind diese Meliorationen des Oedlandes, von Risch- und Rohrgelände notwendig zur Kulturlandgewinnung im Interesse unserer autarken Volksernährung, auch ist das Zuschütten von Tümpeln in der Nähe menschlicher Wohnungen wünschenswert, wenn man anders nicht Herr über die Schnakenplage werden kann. Doch sollte man überall im Walde und Oedland dort um ihretwillen Vie Tümpel schonen und erhalten, wo eine letzte Heimstatt billig ihnen angewiesen werden kann.
haben jetzt nicht mehr April. Ein Tier auf dem Lande hat Lungen und atmet nur blanke Luft, ein Tier im Wasser aber hat Kiemen und atmet, äh... und atmet — Wasser." (Obwohl es keiner besser weiß
Luft atmen, dann geht er in die Binsen, und wenn du am Absaufen bist, hast du nicht mal mehr Zeit, drüber zu fluchen, daß du keine Wasserlungen hast. Na, wenn das ein Musterpott sein soll, dieses Amphibium, was aus solcher Anleihe stammt, dann Prost Mahlzeit." Sprach's und trank einen tiefen Schluck. Ich bestehe darauf, daß es d o ch solch ein doppel- lebiges Tier gibt und wette: — eine Runde, macht zwölf Schoppen. Er schlägt ein, die andern durch, siegesbewußt: „Aeh, wenn soo ein Tier überhaupt -existierte, müßte man doch schon mal was von ihm gehört haben."
Einer hat ein Allerweltslexikon da. Er schlägt nach und liest vor: „Amphibium, griechisch, doppel- lebige Tiere, Wirbeltierklasse, erhielten ihren Namen wegen ihres Lebens im Wasser und auf dem Lande. Dementsprechend atmen sie in der Jugend durch Kiemen, später durch Lungen, welches Verhalten sie den Fischen nähert und sie von den Reptilien trennt. Ihre Haut ist nackt, glatt und schlüpfrig und voll zahlreicher Drüsen, die Schleim oder ätzenden, stark riechenden und auf kleinere Tiere giftig wirkenden Saft absondern ..." „Pfui Teufel, was eine Schweinerei", sagt Meier, und haut das Buch voller Ekel zu. Nun, meine Wette hatte ich gewonnen, und als wir abends beim Vertrinken in der Fliegermesse saßen, habe ich privatissime und unentgeltlich über Lurche doziert. Aber eines ist mir seit jener Episode klar: ich weiß nun, warum die Lurche so unpopulär sind. Mein Erlebnis ist geradezu symptomatisch dafür. Schlägt einer wirklich einmal im zufälligen Vorüberhuschen das Wort „Amphibien" auf, dann „wendet sich der Gast mit Grausen". Und ich entsinne mich, daß schon in der Schule für viele Kameraden neben den Spinnen das Kapitel der beschwänzten, unbeschwänzten und Schleichenlurche eines der unsympathischsten in der gesamten Naturgeschichte war. Das mag allgemein bei der Menschheit so sein, deshalb sind die Tiere ihr fremd. Denn von Dingen, für die man sich nicht von vornherein interessiert, weiß man nichts.
Und das ist schade. Denn diese Tiergruppe hat es wirklich nicht verdient, stiefmütterlich behandelt zu werden, nachdem die Schöpfungskraft der Natur gerade in ihnen sich selbst gekrönt hat: doppellebige Geschöpfe, die im Wasser und zu Lande leben können, hat Natur ein einziges Mal geschaffen. Die Beschäftigung mit ihnen ist so voller intimen Reize, daß es sich verlohnt, ihrem nützlichen Schalten und Walten einen Augenblick zuzusehen.
Da ist zuvörderst, um bei dem umfangreichen Kapitel der schwanzlosen oder Froschlurche zu verharren, zum Beispiel unsere deutsche Geburtshelferkröte, der man in manchen Gegenden auch den klangschönen Namen Glockenunke gegeben hat, weil sie in wunderbarer Tonfülle und Reinheit ruft, ganz so, als sei es eine Silberglocke. Geburtshelferkröte aber heißt sie deshalb, weil das Männchen feinem Weibchen in ganz eigenartiger Weife beim Laichgeschäft hilft und die Eischnüre um den eigenen Leib gewickelt, eine Zeitlang mit sich herumträgt. In den Tagen unserer Altvordern allerdings gab man dem Unkenruf eine andere Deutung. Da waren es die Glocken eines untergegangenen Dorfes, das tief unter dem Spiegel Vcs Sees versunken liegt — ich weiß nicht, war das in einem der einsamen Eifelmaare, über das bleigraue Hängewolken schleichen, war's einer der Weiher, die fern in den Waldwinkeln des Dogelsberges liegen, war's Proben auf den heidblanken Höhen des Westerwalds, da der Wind umgeht, stets eisig und kalt, kurz, überall dort erklingt seit Ahnenzeit und -tagen bis in die fernsten Tage vom Glockenturm des Kirchleins das Geläut zum Seelenheil derer, die da Doreinft versanken unter Raum und Ewigkeit.
Obwohl trötenartig im Aussehen, so ist die Geburtshelferkröte doch ein recht niedliches, zartes Geschöpf, und nichts ist ungerechter, als daß Einfalt und Unverstand beim Anblick dieses harmlosen Tierchens in den Schmerzensruf ausbrechen: „Ach pfui, eine Kröte. Oh, wie häßlich."
Gern hält sich bie Glockenunke unter Geröllschot, lern feuchtgrünbiger, verlassener Steinbrüche auf, aud) im einsam-anmoovigen Gelände ist sie zu Gang, bas im Nahbereich von Teichen liegt, die sie zum Laichakt brauchen und wo sie sich nur feiten zeigen. Nur die Rufe pflegt man dann zu vernehmen aus dem zerklüfteten Gestein heraus, beginnend bereits in den letzten Tagen des März, ben Sommer überdauernd. Freilich rufen nur die
das zu gegebener Zeit im Wasser und auf dem Lande lebt." „Sehr schön, lieber Doktor,
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her, was hat er zu bedeuten? Ein Amphibium ist doch ein Tier, soweit man orientiert ist. Ach, sehr einfach, da hat beim Modell eben ein Tier Pate gestanden, man hat wieder mal Mutter Natur iopiert, wie man's bei der „Taube" tat, bei dem „Storch" und der „Ente". Ja, aber ist denn ein Amphib ein Vogel? Allgemeine Verlegenheit, gegenseitiges Anstieren, keiner weiß es genau. „Quatsch", lagt einer, „so ein Amphib ist doch so'n Biest wie ’ne Schlange oder Eidechse." Das war wieder der, der da gemeint hatte, mit dem Amphib hätten wir Mutter Natur kopiert. „Ja, aber um Gottes willen, was hat denn diese Kiste mit einer Schlange ge- mem?"
Da fiel ich ein: „Ein Amphibium ist ein Tier,
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8,00.
Segen der Kinder.
Der Jüngste streckt vorsichtig den Kopf zur Tür herein, wo der Vater am Schreibtisch sitzt und sich sein Pfeifchen stopft. Er wartet ein Weilchen und sieht dem Vater zu, der ihn nicht einmal bemerkt hat. Dann kommt er leise hinter den Stuhl, legt freundschaftlich die Hand auf Vaters Arm und fragt: „Wo ist denn die Mutti, Vati?"
Der Vater tut den ersten frischen Zug, dreht sich nach seinem Jüngsten um und stellt — warum soll er die angenehme Situation der Arbeitsunterbrechung nicht ein wenig auskosten? — die Gegenfrage: „Was willst du denn von der Mutti?"
Nichts will er, nein, wirklich gar nichts. Er will nur wissen, wo sie ist.
„Sie ist in die Stadt gegangen", sagt der Vater.
„Wann kommt sie denn wieder?"
„Das weiß ich nicht; aber es wird doch ein bißchen dauern; sie ist ja erst zwei Stunden weg."
Der Knirvs geht; geht bis zur Tür, bleibt stehen, dreht sich nach dem Vater um und tut ganz leise die Frage: „Und du, Datl, schreibst du jetzt wieder?" — Und da der Vater schon so gut wie beim Schreiben ist — in Gedanken wenigstens j— so brummt er nur etwas vor sich hin und denkt weder an Hinterhalt, noch an Spionage. „Jaja, aber jetzt mach, daß du rauskommst", brummt er.
Und der Jüngste kommt — voller Spannung erwartet — zu seinen Mitverschworenen und meldet, was er ausgekundschaftet hat: „Die Mutter ist in der Stadt und der Vater schreibt", sagt er.
Und damit ist der diplomatische Teil der Angelegenheit erledigt.
Der politische Teil offenbart sich eine Stunde später, als die Mutter nach Hause kommt.
„So, da bin ich", sagt sie zum Herrn des Hauses, „war ich nicht schnell wieder da?"
„Doch, doch, ja, natürlich."
„Oh, ich hab mich auch sooo abgerannt ... Wo sind denn die Kinder?"
„Einen Augenblick", sagt der Herr Papa und schreibt weiter ..., „die Kinder? Ich weiß nicht. Ich denke, in ihrem Zimmer oder im Hof."
„Soso, du denkst ..." und die Mutter geht ab durch die Mitte.
Nach wenigen Minuten kommt sie wieder, an
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Männchen. Aber sie konzertieren stets gemeinsam, und es ist dann ein Geläut in der Luft wie an einem richtigen Kirchensonntag. Leider ist die Geburtshelferkröte, deren Vorkommen sich in unserem deutschen Landschaftsraum bis weit in die Vergangenheit zurückverfolgen läßt, recht selten in unseren Heimataründen geworden, denn viel Hundert Teiche und Laichplätze haben der Kultur weichen müssen. In ihrer Gestalt erreicht die Glockenunke nur Ausmaße von drei bis vier Zentimetern, ist oberfeits aschgrau bis gelblich, unterseits aber weißlich, rahmsarben ober gelblichgrau gezeichnet. Vom Äopf zieht sich in der bekannten Krötenart eine Reihe von Warzen bis zu den Schenkeln der Hinterbeine, sorgfältig ins Längsreihe angeordnet. Wie gesagt, hilft bas Männchen bem Weibchen zur Laichzeit, bie in Monat Mai fällt, beim Fortpflanzungsgeschäft, unb zwar in ber Weise, baß es mit seinen langen Fingerchen an ben Hinterfüßen die auf eine Schnur gereihten Eier herauszieht unb sich nach ber Befruchtung um bie eigenen Schenkel wickelt. Ganze Schlingen trägt es so mit sich herum unb entlebigt sich ihrer erst, je nach ber Witterung unb ihrer Entwicklungsgunst nach dem elften Tage, an bem in der Regel bie Kaulquappen zum Vorlchein kommen. Auch ja, bie Kaulquappen!
Also bas ist bei ben Fröschen, Kröten unb Unken im allgemeinen so: Sobald das Froschweibchen die Eier abgestoßen hat, quillt die äußere Hülle im Wasser wie Gallerte auf. So ein Laichklumpen ist nun eine sehr sinnreiche Einrichtung. Es gibt Forscharten, vor allem diejenigen, bie sich weit nach Narben in bie Hochlagen ber Gebirge wagen, welche oft schon im März unbeschadet, daß gelegentlicher Nachtfrost noch Eiskrusten über ben Wasserspiegel legt, ihren Laich in großen Fladen an bie Seicht- ränber ber Gewässer legen. Mitunter ist es noch so kalt, baß das Tauwasser nur wenig Wärmegrade am Tag erreicht. Unb dennoch geht bie Eientwicklung ihren Gang, bas Froschjunge wächst. Wie ist bas möglich? Nun, bie Gallerthülle ber Schleimkugel ist ein schlechter Wärmeleiter. Sie gibt von innen her nicht einen Deut von Entwicklungswärme nach außen ab. Außerbem hat man ihr bie Fähigkeit eines Brennglases nachgesagt. Sie leitet jeben auf sie treffenben Sonnenstrahl nach ber Mitte zum Tierkeim hin unb führt ihm bamit Wärme zu. Bei Frühlaichern finb bie Eier oben schwarz. Wie wir vom Tragen unserer schwarzen Kleiber wissen, saugt Schwarz in befonberem Maße Wärme auf. Sie ist also auch im kalten Frühjahr schon bestens für Brutwärme gesorgt. Unter ihrem Einfluß beginnt bie Furchung, b. h. ber innere Teilungsprozeß. Aus ihm entsteht ein fadenförmiger Keim, ber alsbann bas Rückenmark zu bilden hat. In ihm ist ber Hauptsitz bes Seelenlebens. Noch bevor bas Junge einen Munb hat unb infolgebeffen noch vom Dotter zehren muß, verläßt es bas Ei: bie Kaulquappe ist geboren. Mit langem muskulösem Schwanz, verbreitert burch einen Flossensaum, zittert es im Wasser umher unb sammelt sich mit seinen Kameraben an ben leeren Gallerthüllen zu Häuf, um, wenn ber Munb jetzt burchbricht, zuerst noch von bem Eiweiß ber Hüllen zu zehren. Die Atmung im Wasser wirb gewährleistet burch brei Paar äußere Büschelkiemen, bie mittlerweile am Hinterhaupt entstauben finb. In langbauernder Nachverwandlung (Metamorphose) wirb bann aus ber Larve ber lanbbewohnenbe Frosch. Das nebenbei.
Von ben beiben in Deutschlanb heimischen Feuerunken, ber Bergunke unb ber Tieflanbunke, finbet sich in West- unb Mittelbeutschlanb, also auch bei uns, nur bie erstere, bie man auch bie gelbbauchige Unke nennt. Ihr Rücken ist gelbgrau, bis ins hellolivengrüne Moment hinein ausgetönt, ber Bauch bagegen herrlich zitronengelb mit schon bagegen ab- stechenben blaugrauen bis tiefbunfelen Flecken. Finger unb Zehen bagegen finb vollenbs gelb gefärbt. Die Bergunke finbet sich nur in Europa, bavon in Deutschlanb hauptsächlich in ber Rheinprovinz, in Westfalen, Hannover, Harz, Thüringen, Sübwest- beutschlanb, Hessen unb Bayern. Im nieberen Berg- unb Hügellanb West- unb Mittelbeutschlanbs ist sie bie einzig vertretene Unke. Dieses unscheinbare, nur vier Zentimeter große Tierchen nimmt mit jebem Dorfteich, unb fei es auch nur ein schlammiger Entenpfuhl, vorlieb unb haust hier ben ganzen Sommer über. Dann sieht man es, im Wasser ein Stückchen vom Ufer entfernt, mit bem Köpfchen herausgucken. Seinen Singsang läßt es, wie alle Lurche, bie boch von Natur aus Nachttiere finb, gegen Abenb erschallen, ber Ruf ist nicht heiter unb leicht wie ber bes Teichfrosches etwa, sonbern schwermütig unb traurig, genau wie bie Schwermut bes eintönigen Moores, bas feine ursprüngliche Heimat war. Wie ein Glasglöckchen klingt er auf, ganz leise, unb boch volltönig, aber so fern, baß man mitunter überrascht ist, wenn man bei näherem Zusehen auf einmal das Tierchen ganz bicht vor sich entbeckt. Nur brei-, vier-, fünfmal ruft bas Unkchen in ber Minute, ba aber alle Männchen gleichzeitig zu fingen pflegen, ist es allemal ein ununterbrochenes Konzert. Verfolgt man bas Tier, solange es sich auf bem Lanbe befinbet, bann nimmt es augenblicklich feine Schreck- ftellung ein, inbem es bie Vorberbeine über bem fopfoberft zurückgebogenen Rücken kreuzt unb so lange in biefer Haftstellung verweilt, bis es bie Gefahr vorüber wähnt. Bei biefer Gelegenheit kommt es benn auch vor, baß bas Tier einen feifengifchtigen Schaum vom Körper abfonbert, ber bitter unb auch leicht giftig ist, fo baß es von Schlangen aller Art gemieben wirb. Dennoch ist es überwiegenb nützlich, ba es Infekten, Würmer unb Schnecken vertilgt. Merkwürdigerweise kommen bei ihm mehr Weibchen als Männchen vor. Seine Paarungszeit fällt in ben Mai. Der in Klumpen austretenbe Laich entwickelt sich schnell in ber Heißzeit bes Sommers auf dem Boden der Gewässer, und schon nach neun Tagen kommt die Larve aus dem Ei.
Don verwandten schwanzlosen Lurchen finden wir bei uns noch die im Volk bekannteren eigentlichen Frösche, so ben Laubfrosch, weiterhin recht häusig ben grünen Wasserfrosch unb ben braunen Taufrosch. Der letztgenannte hält sich zur Laichzeit nur in ben Gewässern auf, ansonsten sieht man ihn auf Wiesen unb auch im Walde. Noch einige unserer Krötenarten aber wollen wir hinzu- fügen, zum Teil genau so bekannt, wie unsere Frösche, aber unverdientermaßen ob ihrer vermeinten Häßlichkeit viel stiefmütterlicher, um nicht zu sagen, feindselig von dummen Menschen behandelt. Da ist als häufigste bie überall anzutref- fenbe rötlich-braungraue Erd kröte mit ihren
> hergekichü-. 0M. unb h" jen Schick er Weile v ! und lifo, len und br» ütlichen, er« Schulhof iii ) bietet. (Eira rast M St-.. ber(d)ar. Di am 14. Imi
- „Amphibien" ober „Lurche" finb ben meisten iß Menschen ein böhmisches Dorf, etelerregenb unb u- unappetitlich bazu, unb nur hie unb ba gibt es einen verschrobenen Kerl, ein „Original", wie „man" so schön zu sagen pflegt, ber sich für sie interessiert. Gewiß, bas verborgene Leben biefer Tiere ist wie ein Geheimnis. Es macht sie beob- achtungsfremb. Ihre Artverwanblung aber ist wie ein Mysterium. Es macht sie unbegreiflich. Unb deshalb Übersieht man sie, wo man nur kann; man mag sich nicht gerne abgeben mit unverstänblichem Zeug, zumal bann, wenn es ekelerregend ist.
Neulich saß ich mit Fliegerkameraben vor ber Messe unseres Flughafens. Wir unterhielten uns über Arabos unb Jus, Kabetten unb Albatrosse, über bie neue H. E. 111, vorn „Blitz" unb allen möglichen neuen Flugzeugtypen. Plötzlich fiel bas Wort „Amphibium". Das ist ein Flugzeug für Lanb- u n b Wasserlanbung. Wo aber kommt ber Name
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8 Uhr, Neue Aula ber Universität, Heinrich Zil - l i ch lieft aus eigenen Werken. — Stabttheater: „Pygmalion". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Raub ber ©abinerinnen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Nach Büroschluß 11.20 Uhr Morbalarm".
Abschiedsvorstellung scheidender Künstler.
Aus dem Stadttheaterbüro wirb uns aeschrieben: Heute von 19.30 bis 22 Uhr zum letzten Mal „Pygmalion", Komöbie von Vernarb Shaw. „Pygmalion", bas bei seiner Erstaufführung im Stabttheater einen großen Publikumserfolg erringen konnte, ist eine lebenbig-humorvolle Geselllchaftskomöbie von launiger Ironie unb prächtiger Satire, voll geistreicher Einfälle unb svrühenben Dialogs, elenb mit bem Triumph echter Menschlichkeit. Die Vorstellung ist zugleich bie Abschiedsvorstellung von Cissy Henckell, bie zum letzten Mal Die Rolle ber Eliza Doolittle in Gießen spielen wirb, unb von Luise Decker in ber Rolle ber Clara. 32. (letzte) Vorstellung im Mittwoch-Abonnement.
Llnterrichtstaqunq an der Universität Gießen.
Don ber Pressestelle ber Universität Gießen wirb uns mitgeteilt: Bei ber Veterinärmebizinischen Fakultät ber Universität Gießen fanb am 22. Mai aus Anlaß ber 3. Reichsnährstanbsschau in Frankfurt am Main auf Vorschlag bes Reichshauptabteilungs- leiters Dr. Brummenbaum eine Unterrichts- tagung für Tierzuchtbeamte bes Reiches statt. Es würben Vorträge, oerbunben mit Vorweisungen, gehalten von Prof. Dr. S ch a u b e r über anatomische unb funktionelle ©runblagen ber Tierbeurteilung, von Prof. Dr. Jakob über bie Frage bes Viehkaufs unter befonberer Berücksichtigung von Abortus Bang und Professor Dr. K ü st über die Unfruchtbarkeit ber Haustiere, einschl. ber künstlichen Besamung. An bie Vorträge schloß sich die Be-
Der hiesicir ijtaüete ar: in 21 ntur« Weiluwr mb SporllÄ ber 3ugenh» olf Henkell . 3,20 MM -rbreft konnir; \eie ßeiftun-
?U-5' langweilige Nachmittag wirb interessant burch un- tt im Im -interessante Dinge.) Er aber fuhr fort: ig fachkuG —£- c -“-A '
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sichtigung ber Kliniken und Institute der Veterinärmedizinischen Fakultät an.
Gießener Marine-SA. beim Gepäckmarsch in Fulda.
Bei den am vergangenen Sonntag in Fulda aus- getragenen Ausscheidungskämpfen der SA.-Gruvpe Hessen für den Reichsgepäckmarsch hat der Marschblock ber Marine-Stanbarte 34 Frankfurt die ausgezeichnete Zeit von 3:30 ©tun« ben erzielt. (Der Sieger war, wie berichtet, ber Marschsturm bes Sturmbannes III/254 ber Brigabe 147 Oberhessen mit 3:22 © t unb en.)
Die Leistung ber Marine-SA., an welcher ber SA. -Marine-Sturmbann 11/34 Gießen heroorragenb beteiligt war, ist um so höher zu bewerten, wenn man bebenft, baß bie Marine-SA. als Sonberformation mit ihren örtlich meist weit ooneinanber liegenben Einheiten in Fulba gegen einen sehr starken Wettbewerb von gut aufeinanber trainierten Kameraben angetreten ist, denen außerdem das dortige Gelände (rund die Hälfte des Weges von Hünfeld nach Fulda führte ununterbrochen bergan!) vertraut ist. Auch bie auf Lastwagen durchgeführte lange Anfahrt von Gießen unb bie Uebernachtung im Stroh, bei ber bie meisten weber aus Kleibern, nach Schuhen kamen, hat vielleicht manchem Marine-SA.-Mann einiges von feiner sonstigen Frische genommen. Dennoch haben bie meisten Kameraben ausgezeichnet burch- gehalten, unb sie ernteten für ihre gute Haltung unb Verfassung am Ziele reichen Beifall ber Bevölkerung von Fulba.
Gießener Marine-Freunde fahren nach Kiel.
Aus Gießen werben ein größerer Teil ber Marine- Kamerabschaft Gießen mit Angehörigen, ferner Mitglieder ber Marine-SA. unb ber Marine-HI. zu ber Einweihung bes Marine-Ehrenmales in Kiel-Laboe fahren. Die Teilnehmer, insgesamt 70 Personen, werben Gießen am morgigen Donnerstag früh 5.46 Uhr mit einem Sonberzug verlassen unb voraussichtlich am Dienstag zurückkehren. Die Hauptfeier in Laboe am Samstag, 11 Uhr, wird bekanntlich über alle beutfchen Senber übertragen unb somit auch für biejenigen zugänglich sein, bie an ber Fahrt nicht teilnehmen können.
Oie Obstaussichten.
Von einem Obstbau-Sachverständigen in einem Orte bes Wiesecktales wirb uns geschrieben: Jetzt lassen sich bie Obstaussichten überblicken. Das gute Blütenwetter war für bie Befruchtung günstig, so baß in biesem Jahre bie Aepfel wieber einmal nach vier knappen Jahren eine Dollernte versprechen. Die frühen Sorten haben schon haselnußgroße Früchte angesetzt. Leiber machen sich zwei Obstfeinbe, ber Apfelwickler und ber Apfelstecher, bemerkbar, so baß jetzt noch mit Spritzmitteln vorgegangen werben muß. Die seitherige Witterung war auch ber Entwicklung ber Schorfkrankheit günstig. Auch alle Birnsorten zeigen starken Fruchtansatz- Beim Steinobst ist ber Behang recht unterschie'blich. Während bie Frühkirschen mancherorts stark unter ben Spätfrösten gelitten haben, hängen die Spätsorten büschelweise an den Tragästen. Auch Sauerkirschen unb Quitten versprechen einen Vollertrag. Zwet- schen, Pflaumen, Mirabellen unb Reinekloben haben sehr reichlich angesetzt. Nur beim Ebelsteinobst hort man Klagen. Aprikosen im Freien haben recht knappen Fruchtbehang, an Spalieren ist eine Mittelernte zu erwarten. Bei ben Pfirsichen hängt ber Ertrag ganz von ber Sorte ab. Frostwiberstanbs- fähige Sorten hängen zum Brechen voll, anbere erbringen nur bie Art. Stachel- unb Johannisbeeren fruchten überaus reich. Erb- unb Himbeeren stehen in voller Blüte.
hohen, monbsichelförmigen Ohrbrüfen unb verstecktem Trommelfell, weiterhin mit befonberer Ver- breitunasbichte im Westen unb Sübwesten Deutsch- lanbs die an bem schwefelgelben Rückenstreifen kenntliche Kreuzkröte unb bie mehr östlich orientierte grüne Wechselkröte. lieber bas Vorkommen ber Knoblauchskröte, eines echten Lanb- tieres mit glattem Rücken, braunen Flecken unb roten Drüsen, finb wir noch unvollkommen unterrichtet, obwohl sie ber erste Froschlurch ist, ber sich im Frühjahr zum Laichgeschäft in unseren Gewässern zeigt. Sie hat Den Ruhm, bie größten Kaulquappen unserer Heimat hervorgebracht zu haben.
Leiber ist unsere Froschfauna mit allen ihren Verwanbten eine recht seltene Angelegenheit geworben trotz bes anerkannten Nutzens für Garten unb Felb, ber von ihnen ausgeht. Das heimische Naturbilb hat sie schon zum großen Teil verloren, und nur ein Bruchteil von ehedem haust noch in


