Ausgabe 
27.1.1936
 
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Schwere Bluttat im Oberurseler Rathaus.

Ein Polizeibeamter im Wachtlokal niedergestochen und getötet.

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1900 Sauliga - Tv. 61 Eschwege Sauliga 7:6 (2:1).

Oberursel, 26. Ian. (LPD.) In den Abend­stunden des Sonntags ereignete sich auf. der Poli­zeiwache im Oberurseler Rathaus eine schwere Bluttat. Der Polizeihauptwachtmeister h o m m, der sich allein in Bereitfchaftsdienst auf der Polizei­wache befand, wurde von einem Mann, der offen­bar mit irgendeinem Anliegen das Dienstzimmer betreten hatte, durch acht Stiche in die V r u st e r m o r d e t. Der Tat muh wohl ein Kampf vorausgegangen sein. Auf die Hilferufe des Haupt­wachtmeisters wurde der Hausmeister aufmerksam, der sofort einen anderen noch im Hause befindlichen Polizeibeamten verständigte. Diesem gelang es schliehlich, mit Hilfe seines Revolvers den Täter in Schach zu halten und f e st z u n e h m e n.

Es handelt sich bei dem Täter um den 38 Jahre alten Friedrich Georg aus Oberurfel-Bommers- heim. Der Mörder hatte bereits vor der Tat im Rathaus im Haufe seiner Braut im Stadtteil Born- mersheim eine Auseinandersetzung mit seinem zu­

künftigen Schwiegervater, in deren Verlauf er die­sem mit dem gleichen Messer, das später zu dem Mord benutzt wurde, einen Stich in das rechte Handgelenk beibrachte.

Der getötete Polizei-Hauptmachtmeister ist 48 Jahre alt und seit dem Jahre 1919 im Polizei­dienst. Er hinterläßt eine Frau und fünf Kinder. Der Getötete weist insgesamt neun Stiche in die Brust auf, von denen fast jeder einzelne tödlich wirken mußte.

Bei der Verhaftung des Täters durch einen Polizeibeamten und drei Passanten setzte sich dieser zur Wehr und konnte nur mit Gewalt an der Flucht gehindert werden. Der Mörder wurde von der Mordkommission in das Frankfurter Unter­suchungsgefängnis eingeliefert und wird im Laufe des Montag verhört werden.

Das Motiv der Tat ist noch nicht bekannt. Bei seiner Verhaftung behauptete der Täter, daß der Polizeibeamte ihn beleidigt habe. Der Getötete war jedoch als ein außerordentlikch ruhiger und pflicht­treuer Beamter bekannt.

OJL-fport

Lleberall Misterschaflskämpfe.

Die neuen Hallenmeister im Kunstspringen.

Deutsche Hallenmeister im Kunstspringen wur­den bei den in Dresden abgewickelten Titelkämpfen bei den Männern Werner G r e u s i n - Spandau 04 und bei den Frauen Hertha Schieche- Span­dau 04.

Ballangrud Europameister imEisschnellau

Europameister im Eisfchnell-Laufen wurde im Gesamtergebnis wieder der Norweger Ivar Bal­langrud mit 189,956 Punkten vor Eh. Mathi- s e n - Norwegen mit 190,790 und Harry Harald- sen-Norwegen mit 191,767 Punkten. Die Titel­kämpfe fanden in Oslo statt.

Europameisterschaften im Eiskunstlauf.

Bei den Europameisterschaften im Eiskunstläu­fen, die in Berlin zur Durchführung kamen, fielen die Titel im Einzellaufen wieder an Sonja Henie bei den Frauen und Karl Schäfer bei den Män­nern. Die zweiten Plätze belegten Cecilia Colledge bzw. Sharpe (beide England).

Im Paarlaufen erfüllten die deutschen Europameister Maxi Herber-Ernst Baier die in sie gesetzten Erwartungen und sicherten sich durch eine vollendete Vorführung zum zweitenmal den Titel.

Deutsche Hallentennismeisterschaften entschieden.

Deutsche Hallentennis-Meister wurden bti den Männern der Schweizer E l l m e r und bei den Frauen Hilde Sperling-Krahwinkel. Im Männerdoppel holten sich die Franzosen Boussus- Gentien den Titel und im Frauendoppel errangen Frau Sperling - Frl. Horn den Endsieg. Meister im Gemischten Doppel wurden Frl. Horn-Henner Henkel.

Oie Einholunq der Olympia-Glocke in Berlin.

Die Olympiaglocke ist am Samstag gegen 10 Uhr wohlbehalten in Berlin eingetroffen. Sie machte bis Sonntag früh unweit des Reichssportfeldes Rast, wo sie für die feierliche Einholung aufgeschmückt wird. Für das Zurücklegen der letzten Wegstrecke von Potsdam ab benötigte sie nur zwei Stunden. Die fast 600 Kilometer lange Fahrt Bochum-Berlin dauerte neun Tage.

Zehntausende bildeten Spalier in der Charlotten­burger Chaussee, Am Brandenburger Tor und Unter den Linden, um der Glocke ihren Gruß zu entbieten, die ein Festzug von 6000 Jugendlichen mit Fahnen als Gefolge aufwies.

Am Kaiser-Franz-Jofeph-Platz an der Staats- vper fand die feierliche Uebergabe statt. In An­wesenheit zahlreicher Ehrengäste und Vertretern von Partei und Staat übergab Generaldirektor D.-Jng. E. H. W. Sorbet im Namen des Lochumer Vereins die Glocke dem Präsidenten des

Organisationskomitees der XI. Olympischen Spiele, Exzellenz L e w a l d. Exzellenz Dr. Lewald übernahm die Glocke und dankte dem Bochumer Verein für den gelungenen Guß und für die hochherzige Spende und schilderte, wie es kam, daß zu den bis­herigen Symbolen der Olympischen Spiele noch ein weiteres augefügt wurde, die Glocke.

Reichssportführer von Tschammer und Osten übernahm die Glocke als der verantwort­liche Reichssportführer und als Vertreter des Bauherrn, in einer Ansprache führte er u. a. aus: Die Glocke soll die Jugend der ganzen Welt nach Deutschland rufen, eine Jugend, die den Kampf liebt, nicht um Kulturwerte zu vernichten, sondern um sie in friedlichem Wettstreit neu zu erschaffen. Immer wird ihr Ruf der Jugend der Welt gelten, der deutschen Jugend, die ihren Schall hört und ihre Botschaft versteht. Sie wird uns Deutschen mehr als die Olympia-Glocke, sie wird zum ewi­gen Mahner an den Opfertod unserer Helden und an die Verpflichtung aller derer, die durch das Opfer der Gefallenen leben.

Das vom Reichssportführer auf das deutsche Volk und seinen Führer ausgebrachte Sieg-Heil schallte machtvoll über den weiten Platz.

Vereinsführerta gung des VfL. in Gießen.

Gestern vormittag fanden sich im Katholischen Dereinshaus zahlreiche Vereinsführer der Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen in Stadt und Kreis Gießen ein, um dort die Anweisungen über die Durchführung der Bestandserhebung des Deut­schen Sportes entgegenzunehmen. Der Obmann für den Hilfsfonds des Deutschen Sportes im Kreise Gießen, Herr P i tz (Watzenborn-Steinberg) hielt eine kurze Ansprache, in der er den Sinn der Be­standsaufnahme darlegte und anschließend einen Ausruf des Reiechssportsührers verlas, in dem dazu aufgefordert wurde, sich energisch für diese neue Großtat des deutschen Sportes einzusetzen. Anschlie­ßend wurden die Formulare verteilt, in denen die Erhebungen über die Mitgliederzahlen, über die Al­tersklassen der Mitglieder und über deren sport­liche Betätigung einzutragen sind. Den Abschluß der Versammlung bildete die Verteilung der zum Ver­kauf ausgegebenen Olympia-Briefmarken.

Kurze Gportnotizen.

Auf der Pariser Winterbahn startete in einem 80-Kilometer-Dauerrennen auch der Deutsche Lohmann. Er wurde hinter G. Wambst und Reynaud guter Dritter.

I n Ulm fand ein Boxkampf zwischen einer württembergischen Mannschaft und einer italieni­schen Auswahlstaffel statt. Die Italiener siegten vor 2000 Zuschauern mit 10:6 Punkten.

Deutschlands Olympia - Eishockey- Mannschaft spielte am Samstag in Düsseldorf zum zweiten Male gegen eine Mannschaft kana­discher Lehrer. Die Kanadier siegten mit 4:2

Das wäre beinahe eine unangenehme Heber* raschung geworden! Ums Haar hätte der Tabellen­letzte den Siegeszug der Spielvereinigungsleute un­terbrochen! Das überraschende Moment lag zum weitaus größten Teil bei den Eschweger Gästen, die mit einer Mannschaftsleistung aufwarteten, die Achtung abzwingen mußte. Andererseits darf natür­lich auch nicht übersehen werden, daß die Platzbe­sitzer bis zu einem gewissen Grade diese Leistung zuließen, indem sie sich dem Gegner nicht früh ge­nug anpaßten. Vor allem ließ der Sturm das flüs­sige Spiel vermissen. Das Fehlen Göings machte sich eben stark bemerkbar. Die Blauweißen traten an mit: Enders; Cremers, Funke; Reift, Knop, Hofmann; Wlodarek, Steines, Hamman, Krüger, Schüler.

Auf beiden Seiten wurde sofort sehr forsch ge­spielt. Die Eschweger bestätigten ihren Ruf als eine der schnellsten Mannschaften des Gaues. Allerdings wirkte ihr Spiel manchmal etwas überhastet. Beide Tore kamen in Gefahr. Es war jedoch festzustel­len, daß die 1900er die besseren Torchancen hatten. Fast jeder der Gießener Fünferreihe bekam einmal den Ball in aussichtsreicher Wurfstellung. Aber entweder wurde zu weich oder zu unplaziert ge­worfen. Zugute muß allerdings gehalten werden, datz Wiegland im Eschweger Tor mit glänzenden Pa­raden aufwartete. Der Bann wurde durch Krüger gebrochen, der einen Strafwurf zum ersten Tor für die blauweißen Farben verwandelte. Die Gäste forcierten nun das Tempo immer und mehr und 1900s Hintermannschaft mußte schwere Arbeit ver­richten. Ein verschuldeter Strafwurf führte zum Ausgleich durch den ausgezeichneten Eschweger Stürmer Lüttge. Der Kampf wogte hin und her. Die Hintermannschaft der Gäste arbeitete so geschickt und schnell, daß der im Gegensatz zu früher fast schwerfällig wirkende Gießener Sturm nicht recht zur Entfaltung kam. Bis zur Halbzeit konnten die Gießener auch nur noch ein Tor anbringen (Straf­wurf Krüger).

In der zweiten Spielhälfte traten die Blauweißen mit verändertem Sturm an. Wlodarek wurde in der Mitte eingesetzt, Hamman und Steines stürmten halbrechts bzw. rechtsauhen. Bevor sich jedoch diese Umstellung auszuwirken vermochte, hatten die Esch­

weger Turner ausgeglichen. Enders war ein bereits gefangener Ball über die Hand ins Tor gerutscht. Aus beiden Seiten wurde nun mit allem Einsatz, jedoch stets im Rahmen des Erlaubten, gekämpft. Schüler gelang im Anschluß an einen Alleingang eine 3:2-Führung. Die Freude dauerte nicht lange. Die Gäste setzten den gefährlichen Luttge geschickt ein, der nicht nur den Ausgleich schuf, sondern auch seine Mannschaft durch einen 20-Meter-Wurf in Front brachte. Dann spielte sich Krüger, obwobl scharf bewacht, schön durch und stellte den Gleich­stand von 4:4 her. Wieder rannten die Eschweger Stürmer gegen die Hintermannschaft der Blau-

Am 1. und 2. Februar sammeln SA., SS., RSKK. und RSDSlB. gemeinsam für das Winlerhilsswerk. Opfert an diesem Tage, ein jeder nach Kräften!

weißen an. Diese wehrte sich so gut es ging, konnte jedoch nicht verhindern, daß die Gäste zwei weitere Tore oortegten. Acht Minuten vor Spielende war das! Der größte Teil der Zuschauer hatte sich schon mit einer Niederlage der Spieloereinigungsleute ab­gefunden, als diese sich noch einmal zu einer bewun- derswerten Energieleistung aufrafften. Nachdem Krüger auf 5:6 verkürzt hatte, spielte sich der Läu­fer Hofmann geschickt durch und stellte den stark be­jubelten Ausgleich her. Und zwei Minuten vor Schluß war es Wlodarek vergönnt, den Siegestref­fer anzubringen.

Schiedsrichter Walter (Marburg) war ein kor­rekter Leiter.

Wetzlarer Spv. 05 Iugd. 1900 Iugd. 3:12 (3:4).

Daß sich die Jugend in aufsteigender Form be­findet, zeigte schon das am vergangenen Sonntag gegen Tv. 1846 Gießen errungene Unentschieden, oaß sie aber aus Wetzlar mit einem Sieg, und gar einem von 12:3 Toren, heimkehren würde, hatte niemand erwartet. Mit ausgezeichneten Leistungen warteten der Torwart und der Mittelläufer auf, die übrigen verdienen ein Gesamtlob.

Fußball der heimischen Mannschasten.

Oer Stand der Spiele der Bezirksklasse Gruppe Gießen - Oill.

Die Ergebnisse des Sonntags.

Spiele

Gew.

Unentsch. Verl.

Pkte.

Naunheim

14

9

3

2

21: 7

Bissenbera SV. 05 Wetzlar

15

15

10

9

1

2

4

4

21: 9 20:10

Frohnhausen

15

8

1

6

17:13

BC. Sinn

17

8

1

8

17:16

VfB.-R. Gießen

15

7

2

6

16:14

1900 Gießen

15

3

8

4

14:16

Dillenburg

15

5

2

8

12:18

W.-Steinberg

16

3

2

11

8:24

Niedergirmes

15

2

2

11

6:24

Dillenburg Watzenborn-Steinberg 0:3.

Frohnhausen Sinn 3:1.

Niedergirmes 1900 Gießen 1:1.

VfB.-Reichsbahn Gießen Bissenberg 4:0

Die Teutonen aus Watzenborn haben wieder ein­mal erneut bewiesen, daß sie die Ueberraschungs- mannschaft der Klasse sind. Dillenburg wurde trotz des Vorteils des eigenen Platzes klar geschlagen. Durch diesen Sieg ist die Abstiegsfrage zwischen Dil­lenburg und Watzenborn-Steinberg wieder offen.

Frohnhausen siegte erwartungsgemäß gegen die tapfer sich wehrenden ©inner.

Das Unentschieden der Blau-Weißen in Nieder­girmes bedeutet eine Ueberraschung, da man be­stimmt die Gießener als Sieger erwartet hatte.

Die VfB.er waren gut in Form und ließen die Bissenberger nie zum Zuge kommen.

DfB.-Reichsbahn Gießen.

Viffenberg 4:0 geschlagen.

Die Mannschaften fanden sich gestern erstaunlich gut mit den denkbar schlechten Platzverhältnissen

auf dem Waldsportplatz ab. Trotz des grundlosen Bodens bot sich den etwa 800 Zuschauern ein an­regendes Spiel. Das Ergebnis, das der Kampf brachte, überraschte in angenehmer Weise. Der Sieg der Grünweißen war nie gefährdet und vollauf ver­dient. Von den Gästen, die an zweiter Stelle der Tabelle stehen, hätte man weitaus mehr erwartet.

Die Platzbesitzer traten in der angekündigten Aufstellung, also mit Helcher; Leutheuser I, Leut­heuser II; -Hauptfeld, Mundt, Lehrmund; Fehling, L. Schmidt, Schorge, Heß und Szponick an. Die Mannschaft spielte ausgezeichnet zusammen; ein schwacher Punkt war lediglich der Mittelstürmer.

Der Kampf begann sehr ausgeglichen, und lief meist über die Flügel, da in der Platzmitte der Ball kaum vorwärtszubringen war. Die Gäste schienen zunächst bemüht, die Grünweißen mit einem wuch­tigen hohen Spiel aus dem Konzept zu bringen. Es gelang ihnen aber nicht. Die VfBer verließen sich trotz des schlechten Bodens auf ihre flache Kombi­nation und taten daran gut. Immerhin verging die Hälfte der ersten Halbzeit, bis Heß zum ersten Torerfolg kam. Er jagte den Ball mit einem schar­fen Schrägschuß an die Latte und der Ball sprang in das Tor. Der Tormann war machtlos. Kaum eine halbe Minute später erzielten die Stürmer der Platzbesitzer in einer begeisternden Manier das schönste Tor des Tages. Mundt hatte klar vorgelegt, Sponick nahm den Ball mit dem Kopf auf und gab ihn erstaunlich exakt Heß vor den Fuß. Heß ver­wandelte mit großer Geschicklichkeit den Ball aus der Luft zu feinem zweiten Erfolg. Auch hier blieb dem Tormann nichts zu tun übrig. In der 35. Mi­nute wurde der Sieg bereits sichergestellt. Einen Eckball vermochte Fehling sehr entschlossen und un­ter vielen Beinen hindurch zum dritten Tor zu ver­wandeln. Da die Stürmer der Gäste gegen die schlagsichere Verteidigung der beiden Leutheuser nichts auszurichten vermochten, außerdem auch

mimMMii.

Roman von H. von Hellennann.

Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

5. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Ja, liebstes Mamachen, ich muß gehen, soll Teddy um halb eins auf der Bank treffen. Ich kam nur, um euch alle zu Donnerstag abend zu uns zu bitten. Nachher können wir uns gerade och den letzten Akte deines geliebten ,Tristan' an* tzören, Gretelein. Nicht wahr, ihr kommt doch?"

Weder Mutter noch Schwester verspürten die ge­ringste Lust, Theodor Stallings Gäste bei einem jener üppigen Diners zu fein, die sie in ihrer auf* »ringlichen Aufmachung schon genügend kannten. In denTristan" ging man nicht so nebenbei nach t»em Mokka, sondern innerlich gesammelt, hochge­stimmt, wie zu einer hehren Feier. So unmusika­lisch Grete persönlich war, so leidenschaftlich liebte [ie gute Musik. Aber sollten sie Elfe enttäuschen? Sie sagten zu, dankten. Begleiteten ihren Gast Roch bis zur Treppe.

Unten fand Frau Stalling ihren Bruder vor, der »oller Bewunderung um das wunderhübsche, ele­gante kleine Opelkabriolett herumstrich.Halloh, München! Gefällt er dir? Fein, nicht wahr? Teddy frat ihn mir neulich geschenkt. Willst du mich zur Deutschen Bank fahren? Dann kannst du den Wa- $en für den Rest des Tages behalten, Teddy nimmt mich in feinem nach Haufe."

Der große blonde Junge bejahte begeistert, setzte scch ans Steuer, prüfte mit Kennermiene die Fein­heiten der Konstruktion und fuhr stolz wie ein König die schöne Schwester zur Bank, den Weg absichtlich durch alle Hauptstraßen nehmend.

Die Elfe ist doch ein tadelloses Frauenzimmer- Hen," dachte er und wandte heimlich schnuppernd «in wenig den Kopf nach ihr. Wie gut sie roch irgenbfo ein zarter Dufthauch umschwebte sie im­mer. Fein, daß er den Wagen haben konnte -vielleicht fährt Kurt Hartmann ein bissel mit, und Lisa," überlegte er und hatte schwärmerische Augen. Die Lisa fuhr für ihr Leben gern Auto.

Aufpassen, Hänschen, wir sind schon da," lachte Frau Elfriede.

Schuldbewußt zuckte er zusammen, lenkte den Wagen an die Bordkante, bremste. Als er heraus­gesprungen und seiner Schwester gerade beim Aussteigen behilflich war, blieb ein vorübergehen­der Herr stehen und zog den Hut.

Servus, schönste Frau," grüßte er vergnügt, daß ich Sie gerade hier treffe, ist ein gutes Omen! Gestatten Sie mir, an Ihrer Seite ins Allerheiligste des Oberbonzen zu schreiten wenn dem die Huld Ihres Lächelns blüht, pumpt er mir glatt alle gewünschten Summen!"

Elfriede Stalling lachte.Ein schöner Wahn der Ihnen wohl gleich grausam zerstört werden wird, Sie Armer! Aber was ich tun kann, geschehe. Kennen Sie schon meinen Bruder? Doktor Se­kunder"

Die Herren begrüßten sich. Dann wandte Selan- ber sich wieder Elfriede zu.

Schrecklich lange hab ich Sie nicht gesehen, gnädige Frau, seit dem famosen Silvesterabend bei Brucks."

Ein zartes Rot huschte über das reizende Gesicht. Die junge Frau hob die Brauen.Bei Brucks wohl, aber nicht am Silvesterabend," korrigierte sie liebenswürdig unbefangen,da lag ich bald nach Mitternacht schon mit Migräne im Bett."

So? Nein, verzeihen Sie, das" er stockte. Die tiefblauen Augen strahlten ihn so groß und befehlend an--Aber das werden Sie

natürlich am besten wissen", vollendete er gewandt. Wenn man so viel herumkommt, wirft man die Daten leicht mal durcheinander."

Ein bezauberndes Lächeln dankte ihm. Dann wandte Elfriede sich zum Bruder.Danke für deine Ritterdienste, Hänschen! Amüsiere dich gut heute nachmittag und grüße Mama und Grete nochmals? Auf Wiedersehen bei uns am Donnerstag, Lie­ber" Zärtlich strich sie über feinen Arm. Aber der Junge nickte nur, schluckte, murmelte ein paar nur halbverständliche Abschiedsworte, stieg in den Wagen, knallte den Schlag zu und fuhr davon. Ein schlaksiger Bengel", dachte Selander.

Elfriede Stalling aber erkannte die Ursache feines seltsamen Benehmens. Und ebenso zornig auf Teddy, der ihr die Sache eingebrockt, war sie ungerechter­

weise auf den Bruder, der sie, ohne es zu wollen, auf der Lüge ertappt hatte.

Hans Meroius aber fuhr auf dem schnellsten Weg nach der Stallingschen Villa, lieferte den heißbe­gehrten Wagen in der Garage ab und lief dann mit verkniffenem Mund nach Hause.

Mochte Elfriede denken, was sie wollte? Die ganze Freude an dem so schön geplanten Nachmit­tag war ihm verdorben. Pfui Deubel, die Mutter so'anzulügen Ob er's der Grete sagte? Die konnte dicht halten. Aber nein, besser nicht. Am Ende merkte Mutti dann doch etwas. Natürlich hatte Teddy Stalling Elfriede dazu gebracht, aber daß die Schwester es getan, das wurmte so.

Sehr grimmig sah das blonde, etwas schmale Jünglingsgesicht aus. Aus der Freude war Bitter­nis geworden.

7. Kapitel.

Dieses elende Wetter?

Joachim Drau warf in weitem Bogen den Pinsel in den äußersten Winkel des Zimmers und starrte oerzweiflungsvoll zum Fenster hinaus. Das man nicht mit der Faust hineinschlagen konnte in diese graue Nebelmasse, die seit Tagen wie die Hoff­nungslosigkeit selber auf der Erde lastete? Alle Farbigkeit tötete sie, täuschte das Auge, lähmte die Hand, und kroch wie Todesstarre durch die Glieder.

Fröstelnd bewegte der Maler die Schultern, zog den Mantel unter dem weißen Kittel fester über die Brust zusammen. Eiskalt war's in diesem Loch, erst jetzt spürte er es. Der glühende Maleifer der letzten Stunden hatte ihn alles um sich her vergessen lassen wie immer, wenn der Schaffensdrang ihn packte. Ader nun, da er, vom Porträt auf der Staf­felei zurücktretend, seine Arbeit kritisch prüfte, über­fiel ihn tiefe Mutlosigkeit. Geradezu kränklich wirk­ten die Farbentöne, die doch nur überaus zart, gleichsam hingehaucht erscheinen sollten. Und hier der Fleischton viel zu gelb, wo blieb das Blut, das durch die Haut schimmerte? Rosenblattzart war die doch ...

Ein seufzendes Atemholen. Der Svachtel trat in Tätigkeit. Dann nahm Drau die Palette wieder auf, griff nach einem anderen Pinsel, mischte von neuem die Farben und trug sie vorsichtig auf mit feinen, fast zagen Strichen. Aber der Eifer von vorhin war verschwunden. Verbissen, unlustig pin­selte er drauf los, als es bei ihm anklopfte.

Herein!" Es klang nicht ebert freundlich. Trotz­dem empfand der Maler es als willkommene Unter­brechung, daß feine Wirtin in der Tür erschien.

Ich störe doch nicht?" Ohne die Antwort abzu­warten, trat sie näher. Ein appetitlicher Duft von gebratenem Fleisch drang hinter ihr in die Stube.

Ich wollte nur mal fragen, ob Sie heute nicht mit mir zu Mittag essen wollen" kleine fett» umpolsterte Jettaugen glänzten ihn vergnügt an. Morgen ist nämlich mein Geburtstag, und da hat mein Bruder, was der Fleischer in Rockwitz is, ein feines Kalbsfilet geschickt, zart wie Butter, sag ich Ihnen, das zerschmilzt einem auf der Zunge! Aber viel zu groß für mich allein, und da dacht ich mir es gibt Rotkraut und Kartoffeln dazu, und essen Sie auch gern Bratäpfel?" Wieder eine kleine auf­munternde Pause.

Nun wollte Joachim Drau seinen Stolz hervor­kehren, den Sieg des Geistes über die Materie be­weisen. Freundlich wollte er danken für die gütige Einladung, er habe jedoch dieser Tage schon des öfteren Kalbsbraten genoffen und leide an unüber­windlicher Abneigung gegen Bratävfel. Er straffte auch die Schultern und hob den Kopf ein wenig, um feiner Absage möglichst durch Haltung und Ge­bärde den Anschein der Wahrheit zu geben. Er öffnete auch den Mund, um zu sprechen. Aber da stieg ihm der Duft des Bratens, des Kohls und der brotzelnden Aepfel stark und verführerisch in die Nase und da geschah es, daß sich die Worte auf seiner Zunge ohne jegliches Zutun wandelten Aus der stolzen Absage wurde ein verlegenes Lächeln:

Ach, danke vielmals, Frau Müller, Sie sind ja sehr freundlich"

Was die kleine Dicke ohne weiteres als Zusage auffaßte.Na, also", nickte sie befriedigt, über das ganze Gesicht strahlend,inner Viertelstunde is fertig."

Die Tür knallte zu, in der Eile aus der Hand gerutscht.Sie hat sie absichtlich affenstehen gelas­sen", dachte Drau, erbittert über seine Schwäche und doch auch wieder froh, aus seinem trübseligen Allein­sein an diesem grauen Tag herausgerissen zu wer­den. Es war nun einmal so im Leben die hohen Feierstunden der Seele waren von kurzer Dauer, und der Alltag lang.

(Fortsetzung folgt!)