Ausgabe 
26.10.1936
 
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ttr.251 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 26. Moder 1936

Verkehrserziehung

Als vor wenigen Tagen der Führer des Natio­nalsozialistischen Kraftfahrkorps, Hühnlein, auf einer großen Führertaguna zu den Leistungen des Korps im zurückliegenden Jahr Stellung nahm und Zugleich Richtung und Weg für das kommende Jahr wies, da befaßte er sich ganz besonders eingehend mit dem Gebiet des Verkehrserziehungsdienstes bei dem das NSKK. hinfort im Einvernehmen mit'dem Chef der deutschen Polizei, Reichsführer SS. Himmler, eingesetzt wird und damit in aller Oeffentlichkeit eine Tätigkeit ausüben wird die Füh- rer^unb Mann vor gewiß nicht leichte Aufgaben

Gerade angesichts der so unbedingt notwendigen Hebung der Verkehrsdisziplin, bei der noch immer so erschreckend hohen Zahl von Unfällen, die Woche um Woche Tote und Verletzte fordern, kommt diesen programmatischen Ausführungen des Korpsführers Hühnlein besondere Bedeutung zu. Es liegt auf der Hand, daß bei der Entwicklung unseres Verkehrs, der gerade angesichts der vom Führer so zielbe- wußt geförderten Motorisierung einen immer stär­keren Aufschwung nimmt, auch d i e Gefahren­momente eine Zunahme erfahren, so daß es der Zusammenfassung aller Kräfte bedarf, um bei dieser für das Volksganze so wichtigen Frage endgültigen Wandel zu schaffen.

Wir haben auch in früheren Jahren jene Be­mühungen verfolgen können, die darauf abzielten, die Verkehrsdisziplin zu verbessern. Die Praxis hat jedoch gezeigt, daß diesen Anstrengungen der Er­folg versagt geblieben ist und zwar vor allem des­halb, weil man diese Dinge nicht von oben herab lediglich befehlsgemäß regeln kann, sondern vor allem bestrebt sein muß, die Notwendigkeit der He­bung der Verkehrsdisziplin in alle Kreise des Volkes zu tragen. Das kann aber nur geschehen, wenn die Polizei so fest im Volke wurzelt, wie es jetzt der Fall ist, da wir von einer wahren Volks­polizei sprechen können, und weiter ist dabei die Unterstützung all der Organisationen erforderlich, die sich die Lösung dieser Aufgabe besonders ange­legensein lassen. Und daß dabei das NSKK. eine überaus wichtige Rolle spielt und bereits Erfolge aufzuweisen hat, das hat der planmäßig durchge­führte Einsatz des NSKK. bei der Olympiade ge­zeigt, wo in den Straßen der Reichshauptstadt die für diesen Sonderdienst eingesetzten NSKK.-Männer ihre Pflicht und Schuldigkeit getan und sich durch ihr höfliches und freundliches Auftreten rasch die Sympathien aller gewonnen haben.

Wir haben oben ausgeführt, daß bei der Ver­kehrserziehung es vornehmste Aufgabe sein muß, olle Bevölkerungskreise von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Daß dabei auch vor allem die Jugend erfaßt werden muß, wird besonders ein­leuchten und wird noch erhärtet durch die Tatsache, daß lc^der der Moloch Verkehr sich unter den Kindern, die den Gefahren der Straße unacht- sam gegenüberstehen, besonders zahlreich seine Opfer holt. Bei den Bemühungen, die Heranwachsende Ju­gend zur Verkehrsdisziplin anzuhalten, hoben schon die Schulen wertvolle Aufklärung geleistet und Belehrung erteilt. Nicht nur, daß die Kinder im Unterricht vom Lehrkörper besonders eindringlich darauf hingewiesen werden, beim Straßenverkehr größte Aufmerksamkeit walten zu lassen, man hat darüber hinaus durch Anlage von kleinen Modell­straßen die Kinder selbst mit ihren kleinen Fahr­zeugen, wie Holländer, Roller usw. praktisch belehrt, wie sie sich in diesem und jenem Falle zu verhalten haben. Der Erfolg gerade dieser Aufklärungsarbeit, bei der, was jedermann einleuchten wird, die Jun­gens und Mädels mit besonderem Eifer bei der Sache sind, hat bereits reiche Früchte getragen und wird sich auch weiterhin günstig auswirken'.

Wenn man die Zahlen überprüft, die regelmäßig über die Verkehrsunfälle herausgegeben werden, dann kommt man, ob es nun Kraftfahrer, Radler oder Fußgänger betrifft, immer und immer wieder zu dem betrüblichen Ergebnis, daß der weitaus größte Teil der Unfälle hätte vermieden werden können, wenn die Betreffenden mehr Vorsicht

und Aufmerksamkeit hätten walten lassen. Hält man sich vor Augen, daß in jedem Jahr der Verkehr allein mehrere tausend Todesopfer fordert, so wird die Notwendigkeit, alle Kräfte bei dieser Volkserziehung einzusetzen, so recht offensichtlich.

Gewiß ist in den letzten Jahren schon manches besser geworden. Wir haben ober auch die Feststel­lung treffen können, daß die Fortschritte, die hier erzielt worden sind, nicht überall gleich­mäßig sind, sondern daß sich beachtliche Unter­schiede ergeben, die doch zeigen, daß die Notwendig­keit der Hebung der Verkehrsdisziplin immer noch nicht überall erkannt wird. Uebereinstimmend konnte jedoch ermittelt werden, daß die Verkehrsdisziplin in den Großstädten erheblich besser ist als in der Pro­vinz. Im Interesse des großen Ganzen steht drin­gend zu hoffen, daß dieses Beispiel möglichst rasch überall Nachahmung findet.

Die Männer, denen die Hebung der Verkehrs­disziplin besonders am Herzen liegt, der Reichs­verkehrsminister und der Chef der deutschen Polizei, haben in den letzten Monaten in mehreren Verlaut­barungen mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, daß, um diesen erschreckend hohen Unfallziffern Ein­halt zu gebieten, in Zukunft scharf durchge- griffen werden würde. Neben der rein erziehe­rischen Aufgabe, Aufklärung in die Bevölkerung zu tragen, müssen nun diejenigen, die sich allen Be­stimmungen zum Trotz verkehrsfeindlich zeigen, durch einschneidende Maßnahmen dahingehend be­lehrt werden, daß keine falsche Milde mehr am Se ist, sondern daß Exempel statuiert werden

m, wenn das Leben und die Gesundheit der

Bevölkerung es erfordern. Wir wissen, daß diese Worte, die für jeden einzelnen eine ernste Mahnung darstellen, nicht Worte bleiben, sondern im gegebe­nen Augenblick in die Tat umgesetzt werden.

Die Tatsache nun, daß in der kommenden Zeit bei dem Kampf gegen die Verkehrsunfälle das NSKK. eingesetzt werden wird, läßt zur Genüge erkennen, daß an die Lösung dieses so brennenden Problems mit einer Energie und Zielbewußtheit herangegan­gen wird, die frei von irgendwelchen bürokratischen Hemmungen ist. Es ist klar, daß es zur Durchfüh­rung dieses Zieles intensiver Vorarbeiten bedarf, um all' die Führer und Männer des NSKK., die bei dem Verkehrserziehungsdienst eingesetzt werden, so zu schulen und mit besten Kenntnissen auszustatten, daß sie mit einem guten Rüstzeug sich dieser neuen Aufgabe ihrer Formation widmen können.

Aufklärung und Belehrung auf der einen Seite, scharfes und energisches Durchgreifen auf der ande­ren Seite, das sind die beiden Grundpfeiler all der verkehrspolizeilichen Maßnahmen, die zur Anwen­dung gelangen werden. Die Verkehrserziehung ist eine brennende Tagesfrage und geht so sehr jeden einzelnen an, daß wir nicht an der freudigen Mit­arbeit aller zweifeln. Wenn einjederseinTeil dazu beiträgt und alle Kräfte angespannt wer­den, dann kann auch der Erfolg nicht ausbleiben und dann werden aus der täglichen Zeitungschronik auch jene Unzahl von Meldungen verschwinden, die von immer neuen Unfällen mit Toten und Verletzten berichten. Und um hier endgültig Wandel zu schaf­fen, darf keine Anstrengung zu groß sein, darf kei­ner abseits stehen.

Zunge Deutsche im Dienst an deutscher Erde.

Vereidigung im Arbeitsdienstlager »Justus von Liebig".

Vereroigung im Aroeusolen,uager liegen, unierfeiomeqter Weigel verliest die Eidesformel. Im Vordergrund die Ehrengäste. (Aufnahme: Pfaff, Gießen.)

In einer von ernster Stimmung getragenen Feier fand am gestrigen Sonntagoorrnittag im A r - beitsdien ft lager 5/222I ustus von Liebig" die Vereidigung der jungen Arbeitsdienstkameraden statt, die vor kurzer Zeit im hiesigen Lager Einzug hielten. Auch diesmal waren es frische 19- und 20jährige aus der Trierer Gegend, aus der Eifel und dem Hohen Venn, die die Eidesformel sprachen und Treue der deutschen Erde, dem deutschen Volke und dem Führer gelobten.

Den Blickpunkt des Saales der Unterkunft, in

dem die Feier stattfand, stellte ein plastisches Bild­werk, ein Porträt des Führers Adolf Hit- l e r dar, vor dem die Mannschaften im offenen Viereck angetreten waren. Zur Feier hatten sich zahlreiche Gäste aus dem Kreise der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht und der Be­hörden unserer Stadt teil.

Die Einbringung der Fahne bildete den würdi­gen Auftakt der Feier. Dann wurde gemeinsam das Lied gesungenHeilige Flamme brennt überm Land". Die Rezitation eines Wortes des Füh- rers folgte. Dann hielt der Führer des Lagers

Oberfeldmeister Lösch.

eine kurze Ansprache an die jungen Kameraden. 2lm heutigen Tag sind, so sagte er u. a., überall in den Lagern des Reichsarbeitsdienstes die neuen Arbeitsmänner angetreten, um auf den Führer Adolf Hitler und die Fahne des Reichsarbeits­dienstes vereidigt zu werden. Vereidigt auf die Fahne, die uns vorangetragen wird und die die Zeichen des Arbeitsdienstes und der Bewegung trägt! Im Kampf um die Fahne und für die Fahne fetzten schon immer die Besten unseres Volkes ihr Leben ein. An Euch, junge Kameraden, tritt nun auch die Frage heran, ob Ihr Euch einsetzen wollt für die Fahne. Mutig und ernst werdet Ihr im Dienst an der deutschen Erde stehen, die Euch zum Menschen macht und Euch auch den Glauben an die Fahne gibt. Ihr werdet im wahrsten Sinne des Wortes Nationalsozialisten sein, wenn Ihr alle Kraft in Führer und Volk zu geben bereit seid. Mit dem Bekenntnis zu Führer, Volk und Vater­land schloß Oberfeldmeister Lösch seine Ansprache. Gemeinsam und kraftvoll wurden das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied gesungen.

Der Ansprache des Lagerführers folgten zwei Ge- dichtoorträge von Kameraden des Arbeitsdienstes, die in Reih' und Glied stehen blieben, und damit zu überpersönlichen Sprechern wurden, die aus dem Geiste einer Gemeinschaft heraus für die Gemein­schaft sprachen. So bekamen die Worte, die mit gro­ßer Überzeugungskraft gesprochen wurden, tieferen Sinn und lösten starkes Miterleben und Mitbeken- nen aus.

Dann wurde die Vereidigung vorgenommen. Dor die gesenkte Fahne traten einzelne Kameraden als Abordnung der Mannschaft zum Schwur an. Unter­feldmeister Weigel sprach die Eidesformel vor, die von allen Arbeitsmännern nachgesprochen wurde. Mit folgenden Worten wurden die jungen Arbeits­dienstmänner vereidigt:

Ich schwöre: ich will dem Führer des Deut­schen Reiches und Volkes Adolf Hitler in un­verbrüchlicher Treue dienen, ihm und den von ihm bestellten Führern des Reichsarbeitsdienstes unbedingten Gehorsam leisten, meine Dienst­pflichten gewissenhaft erfüllen und allen An­gehörigen des Arbeitsdienstes ein guter Kame­rad fein!"

Mit dem Ausbringen der Fahne des Arbeitsdienst­lagers fand die denkwürdige Feier ihren Abschluß.

Aus der provinzialhaupistadt.

Weshalb nicht alles zeigen?

ZdR. Wir gewöhnen uns in Deutschland wieder daran, daß in immer stärkerem Maße der Aus­länder sich für Deutschland interessiert. Gesell­schaftsreisen, Besuche führender Persönlichkeiten und Vertreter der Presse häufen sich. Wir nehmen das mit einer gewissen Freude zur Kenntnis, denn es beweist, daß eine alles herabsetzende Gräuelpro­paganda langsam ihre Wirkungen zu verlieren be­ginnt. Das Interesse an dem gewaltigen Wiederauf­bau und an dem beispiellosen Meistern der vielen Probleme muß die Menschen von draußen nach Deutschland ziehen. Sie wollen sehen, was Wahres daran ist, wie es möglich ist, einen so schnellen Um­schwung auf allen Gebieten des öffentlichen und täglichen Lebens herbeizusühren. Was sie dann zu sehen bekommen, dürfte in den meisten Fällen seine Wirkung nicht verfehlen. Gerade die Olympischen Spiele haben gezeigt, wie ein Volk, das auf ein gleiches Ziel ausgerichtet ist, ohne bewußte Pro­paganda treiben zu wollen, für sich wirbt. Die selbstverständliche Gastfreundschaft und Hilfsbereit­schaft, die das ganze Volk während der Spiele durchflutete, hat überall bei den Ausländern, mit denen man sprach, Anerkennung gefunden und Aussehen erregt.

Und wie hier bei einer großen internationalen Idee, wie sie die Olympischen Spiele darstellen, so ist es auch auf den anderen Gebieten. Das natio­nalsozialistische Deutschland hat es nicht nötig und lehnt es bewußt ab, Potemkinsche Dörfer zu zei-

Wer älter wird...

Von Julius Kreis.

Das Aelterwerden geht so an: Die Leute kon­statieren, daß man sich gar nicht verändert hat; oder sie sagen: Sie sehen aber gesund aus; oder: In Ihren Jahren macht so was noch (noch!) keine Beschwerden. Oder sie fragen: Sind Sie noch immer unverheiratet? Oder: Sie wohnen noch immer in der Heugasse? Sie geben Ratschläge: Machen Sie jeden Morgen fünfzehn tiefe Kniebeugen. Un­ser Schneider: Nehmen Sie keinen tarierten Stoff. Er trägt auf. Nehmen Sie den dunklen, das macht schlanker. *

Wer älter wird, hört mit Interesse zu, wenn je­mand von seinem Rheumatismus erzählt oder von einer Badekur ober von einem wirksamen Nerven- ^Wer älter wirb, liest im , Aerztlichen Hausfreunb" den Artikel überPflege der Arterien" oberBe­kämpfung des Senkfußes". Er liest in der Litera­turgeschichte voll Befriedigung, daß Liliencron mit 40 Jahren das Dichten anfing und Fontane mit Siebzig feine besten Romane schrieb. Er unter­streicht' in der Statistik, daß die Staatsmänner durchschnittlich zwischen 50 und 60 die größten Er­folge aufweisen. Da hat man also noch lange hm!

Eines Tages gibts dann in der Trambahn den ersten fühlbaren Knacks. Ein kleines, nettes, artiges Schulmädel steht knicksend auf unb bietet dem Herrn, der älter wird, den Platz an .. -

Aber der Abend legt Balsam auf die Wunde. Die Sechzigjährigen im Verein klopfen ihm nach der Debatte gütig auf die Schulter und sagen. Ja, wie wir so jung waren wie Sie, da haben wir auch ... Und als ihn gar bei einem Zusammenstoß der Geg­ner einen Lausbuben nennt, da mochte er dem am liebsten ein FlaschePerle der Pfalz spendieren.

*

Wer älter wird, entdeckt voll Rührung über sich und sein Schicksal die. ersten grauen Haare und streicht sie unter die dunklen, er nimmt manchmal zur nächtlichen Heimkehr ein Auto, auch wenn er allein ist, er zieht bei sedem repräsentativen Anlaß feinen Bauch ein bißchen ein, er redet gern von vergangenen Zeiten, wie schon es früher war, unb er rneibet Menschen mit Schnupfen unb Husten, ent­giftet seinen Tabak und Kaffee mit allerhand Pa­tenten, unterscheidet mit Sachkenntnis unter den Rotweinen. Ein Haus mit einer guten Köchin ist

ihm lieber als eines mit einer schönen Tochter. Er ist ein Herr in den besten Jahren.

*

Ein Herr in besten Jahren! Gewiß, er räumt manches Feld, aber dann tauscht der Herr, der älter wird, doch allerhand ein: Verständnis für die realen Freuden des Daseins, wenn er glücklich ver­anlagt ist, eine heitere Resignation Er wird nicht mehr zornig um des Kaisers Bart. War das Lächeln imUebergang" manchmal ein bißchen krampfhaft unb bitter, nachher wirb es echt unb löfenb.

Unglücklich burch eine große Liebe glücklich burch eine große Liebe? (Wenn er ganz klug ge­worben ist, will er ba nichts vergeben), vorläu­fig ist er im schönen Gleichgewicht. Aber bas be­kommt er nicht umsonst. Da mußte er zwanzig JahreSturm unb Drang" brangeben unb alles Glück unb Beben halber Torheit unb alles Reiz­volle unb Schöne, bas in ber Trunkenheit junger Jahre liegt. Wer älter wirb, hat feine reiferen, feinebesten Jahre" bezahlt. Sanfte unb weife Hanb bes Schöpfers, daß man dann mit dem Tausch zufrieden ist!

pholosraphieren im Herbst

Bon Walther Appell

Zu allen Jahreszeiten muß der Photographierende eine sehr wesentliche Tatsache beachten: daß die bunten Farben der Natur in der photographischen Wiedergabe auf ein viel bescheideneres Maß von Schwarz, Weiß unb ihren Zwischentönen zurück­geführt werben. Ein Meister in feinem Fache ist hier, wer trotz dieser auferlegten Beschränkung so photographieren kann, daß seine Bilder alles Licht kontrastreich und alle Tiefe plastisch wiedergeben. Beides ist im Herbst nicht schwerer als in den andern Jahreszeiten. Aber im Herbst kommen wir öfter in Versuchung, eine Aufnahme um der Farbwirkungen willen zu machen, die im natürlichen Motiv enthalten find. Deshalb gibt es in diesen Monaten die meisten Enttäuschungen. Die Sonne scheint weicher, wie im Frühling, doch dessen Einfachheit der Linien und Ruhe im Gesamtbild fehlt. Dem starkfarbigen Blühen in den Gärten entspricht das bunte Laub ber Bäume, und noch ein Stoppelfeld ist in der Wirkung oft lebendiger als ein Feld mit sprießenden Halmspitzen. Im Kahlerwerden sind Hecken und Alleen, Baumgrup­pen und Waldränder meist noch eindrucksvoller als im ersten Knospen. Das braucht nichtschöner" zu bedeuten, sondern nur: herbstlicher. Darauf aber kommt es an: dieses Abklingen dieses vollen Som­

mers, das freilich nicht ohne leise Wehmut ist, bild­haft einzufangen.

Kartoffelfeuer in der Landschaft ober bie bazu- gehörigen arbeitenben Gruppen finb wie die Obst­pflücker genau so willkommene Staffage wie ein pflügender ober säender Bauer im Frühjahr. Aber sie sind ebenfalls mit Vorsicht, das heißt mit kluger Beschränkung zu verwenden. Leere Flächen, weite und womöglich noch dazu ebene Felder werden durch sie belebt aber in reicheren landschaftlichen Motiven führen sie leicht zu Ueberladung und Ver­wirrung, ba dem Silbe bie einheitliche Klarheit fehlt. Das Auge soll nicht suchenb unb immer aufs neue überrascht von einem Bildinhalt zu anberen gehen müssen. Wir stellen also berartige Motive menschlicher Tätigkeiten im allgemeinen nicht in herbstliche Landschaften, die für sich allein genug gegliedert unb in sich typisch sinb. Anbers mag es gerechtfertigt fein, wenn weidende Schafherden ober bergl. ganzen Fluren nach ber Ernte ihren beson­deren, herbstlichen Charakter geben.

Das T i e r I e b e n wird im Herbst sowohl ärmer als auch in mancher Hinsicht reicher an Motiven. Vögel und Schmetterlinge, bie sowieso für bie meisten als photographische Motive zu schwer finb, verschwinben mehr unb mehr aus ber Lanbschaft. Aber bas einheimische Grvßwilb bietet dafür gün­stigere Möglichkeiten. Es wird zur Nahrungssuche öfter aus dem Walde herauskommen auf die Wiesen unb Felber. Da biefe aber abgemäht, abgemeibet ober erst roieber im neuen Keimen finb, ist bas Wilb gut sichtbar. Doch haben wir babei zu be- benken, baß wir eine günstige, also nicht zu weite Entfernung von unferm berartigen Motiv haben müssen, unb baß auch die Farbe des braunen Felles sich gut von der des Untergrundes abheben soll. Da das Braun eine Schutzfarbe ist, ergeben sich heraus oft Schwierigkeiten zumal wenn das Tier auf einem frisch gepflügten Acker ober an einem herbstbraunen Walbranbe steht.

Diele Motive von Mensch ober Tier in ber Lanb­schaft sind photographisch nicht anders als sonst zu behandeln, wenn jetzt die Heide blüht und die Vogelbeeren reifen. Aber die Belichtungs - zeiten müssen der verminderten Leuchtkraft der Sonne entsprechen und gegen den Höhepunkt des Sommers schon fast verdreifacht werden. Daraus ergibt sich eine Bevorzugungoffener" Motive, die indessen nicht ängstlich übertrieben zu werden braucht. Da alleslichter" geworden ist, haben auch manche Objekte mehr photographisch verwertbares Licht bekommen. Nur gilt für sie noch mehr als für andere, daß bei Objektiven ober Abblenbungen bis in die mittleren Werte immer mehr die Stun­

den von 10 bis 16 Uhr bevorzugt werden müssen. Und rasch drängt sich diese Zeit immer enger zu- lammen.

Rechtsstreit um eine Krankengeschichte.

Ein eigenartiger Schadenersatzprozeß gegen einen Arzt wurde vor einem Wiener Gericht verhandelt. In dem Rechtsstreit dreht es sich, wie dieDeutsche Medizinische Wochensrchift" berichtet, um die lieber- laffung einer Krankengeschichte an den Kranken selbst. Dieser war in einer Heilanstalt wegen Schlafmittel- Vergiftung behandelt worden und wollte den Arzt, der ihm das Mittel verschrieben hatte, auf Schaden­ersatz verklagen. Er verlangte nun von der Anstalt die Ausfolgung der Krankengeschichte ober wenig­stens Einsichtnahme in bie Aufzeichnungen. Als dies verweigert würbe, forberte er es im Klagewege. Die Anstalt erklärte, daß die Krankengeschichte ihr Eigen­tum sei und daher nur dem Arzt zur Verfügung ge­stellt werden könne. Das Zivillandesgericht wies ebenfalls die Klage mit der Begründung ab, daß der Kranke über fein Leiden keine volle Aufklärung zu erhalten brauche, da er sonst unter Umständen noch mehr gefährdet werden und in feiner seelischen Ruhe gestört werden könne.

Zeitschriften.

Luftschutz unter dem Sowjetstern heißt ein großer Bild-Bericht im neuen Heft derS i r e n e" Er gibt Aufschluß über die Riesenorganisation der Ossoaviachim", ihre Kleinarbeit unb ihre groteske Propaganda. Die Aufnahmen zeigen eine Opera­tion unter ber Gasmaske, Entgiftungstrupps, Pro- paganba - Märsche von Frauen mit Hunben unter Gasmasken. In Anschluß baran gibt eine bilb» liche Gegenüberstellung ein gutes Beispiel für Tarnung im länblichen Luftschutz." Von den übrigen interessanten Artikeln seien genanntKrieg im Ameisenstaat" mit schönen Fotos,Unser Haus wirb luftgeschützt",Städte in Flammen"

Zur Woche bes beutschen Buches roibmet die neueste Nummer derI11 u ft r i r t e n Zei­tung Leipzig" (I. I. Weber, Leipzig) ber Buchhandelsstabt Leipzig einen reich illustrierten Beitrag, mit ben Büchermessen vor 100 Jahren be­ginnend bis zum mobernen, reich pulfierenben Buchhanbel, ber Leipzigs wichtigsten Wirtschafts­faktor barstellt. Als Künber beutscher Kultur in Grenzlanbgebieten treten uns ber Neubau bes Rathauses in Oppeln sowie bas neuerbaute Zit­tauer Grenzlanbtheater im Silbe entgegen.