ttr.251 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 26. Moder 1936
Verkehrserziehung
Als vor wenigen Tagen der Führer des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, Hühnlein, auf einer großen Führertaguna zu den Leistungen des Korps im zurückliegenden Jahr Stellung nahm und Zugleich Richtung und Weg für das kommende Jahr wies, da befaßte er sich ganz besonders eingehend mit dem Gebiet des Verkehrserziehungsdienstes bei dem das NSKK. hinfort im Einvernehmen mit'dem Chef der deutschen Polizei, Reichsführer SS. Himmler, eingesetzt wird und damit in aller Oeffentlichkeit eine Tätigkeit ausüben wird die Füh- rer^unb Mann vor gewiß nicht leichte Aufgaben
Gerade angesichts der so unbedingt notwendigen Hebung der Verkehrsdisziplin, bei der noch immer so erschreckend hohen Zahl von Unfällen, die Woche um Woche Tote und Verletzte fordern, kommt diesen programmatischen Ausführungen des Korpsführers Hühnlein besondere Bedeutung zu. Es liegt auf der Hand, daß bei der Entwicklung unseres Verkehrs, der gerade angesichts der vom Führer so zielbe- wußt geförderten Motorisierung einen immer stärkeren Aufschwung nimmt, auch d i e Gefahrenmomente eine Zunahme erfahren, so daß es der Zusammenfassung aller Kräfte bedarf, um bei dieser für das Volksganze so wichtigen Frage endgültigen Wandel zu schaffen.
Wir haben auch in früheren Jahren jene Bemühungen verfolgen können, die darauf abzielten, die Verkehrsdisziplin zu verbessern. Die Praxis hat jedoch gezeigt, daß diesen Anstrengungen der Erfolg versagt geblieben ist und zwar vor allem deshalb, weil man diese Dinge nicht von oben herab lediglich befehlsgemäß regeln kann, sondern vor allem bestrebt sein muß, die Notwendigkeit der Hebung der Verkehrsdisziplin in alle Kreise des Volkes zu tragen. Das kann aber nur geschehen, wenn die Polizei so fest im Volke wurzelt, wie es jetzt der Fall ist, da wir von einer wahren Volkspolizei sprechen können, und weiter ist dabei die Unterstützung all der Organisationen erforderlich, die sich die Lösung dieser Aufgabe besonders angelegensein lassen. Und daß dabei das NSKK. eine überaus wichtige Rolle spielt und bereits Erfolge aufzuweisen hat, das hat der planmäßig durchgeführte Einsatz des NSKK. bei der Olympiade gezeigt, wo in den Straßen der Reichshauptstadt die für diesen Sonderdienst eingesetzten NSKK.-Männer ihre Pflicht und Schuldigkeit getan und sich durch ihr höfliches und freundliches Auftreten rasch die Sympathien aller gewonnen haben.
Wir haben oben ausgeführt, daß bei der Verkehrserziehung es vornehmste Aufgabe sein muß, olle Bevölkerungskreise von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Daß dabei auch vor allem die Jugend erfaßt werden muß, wird besonders einleuchten und wird noch erhärtet durch die Tatsache, daß lc^der der Moloch Verkehr sich unter den Kindern, die den Gefahren der Straße unacht- sam gegenüberstehen, besonders zahlreich seine Opfer holt. Bei den Bemühungen, die Heranwachsende Jugend zur Verkehrsdisziplin anzuhalten, hoben schon die Schulen wertvolle Aufklärung geleistet und Belehrung erteilt. Nicht nur, daß die Kinder im Unterricht vom Lehrkörper besonders eindringlich darauf hingewiesen werden, beim Straßenverkehr größte Aufmerksamkeit walten zu lassen, man hat darüber hinaus durch Anlage von kleinen Modellstraßen die Kinder selbst mit ihren kleinen Fahrzeugen, wie Holländer, Roller usw. praktisch belehrt, wie sie sich in diesem und jenem Falle zu verhalten haben. Der Erfolg gerade dieser Aufklärungsarbeit, bei der, was jedermann einleuchten wird, die Jungens und Mädels mit besonderem Eifer bei der Sache sind, hat bereits reiche Früchte getragen und wird sich auch weiterhin günstig auswirken'.
Wenn man die Zahlen überprüft, die regelmäßig über die Verkehrsunfälle herausgegeben werden, dann kommt man, ob es nun Kraftfahrer, Radler oder Fußgänger betrifft, immer und immer wieder zu dem betrüblichen Ergebnis, daß der weitaus größte Teil der Unfälle hätte vermieden werden können, wenn die Betreffenden mehr Vorsicht
und Aufmerksamkeit hätten walten lassen. Hält man sich vor Augen, daß in jedem Jahr der Verkehr allein mehrere tausend Todesopfer fordert, so wird die Notwendigkeit, alle Kräfte bei dieser Volkserziehung einzusetzen, so recht offensichtlich.
Gewiß ist in den letzten Jahren schon manches besser geworden. Wir haben ober auch die Feststellung treffen können, daß die Fortschritte, die hier erzielt worden sind, nicht überall gleichmäßig sind, sondern daß sich beachtliche Unterschiede ergeben, die doch zeigen, daß die Notwendigkeit der Hebung der Verkehrsdisziplin immer noch nicht überall erkannt wird. Uebereinstimmend konnte jedoch ermittelt werden, daß die Verkehrsdisziplin in den Großstädten erheblich besser ist als in der Provinz. Im Interesse des großen Ganzen steht dringend zu hoffen, daß dieses Beispiel möglichst rasch überall Nachahmung findet.
Die Männer, denen die Hebung der Verkehrsdisziplin besonders am Herzen liegt, der Reichsverkehrsminister und der Chef der deutschen Polizei, haben in den letzten Monaten in mehreren Verlautbarungen mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, daß, um diesen erschreckend hohen Unfallziffern Einhalt zu gebieten, in Zukunft scharf durchge- griffen werden würde. Neben der rein erzieherischen Aufgabe, Aufklärung in die Bevölkerung zu tragen, müssen nun diejenigen, die sich allen Bestimmungen zum Trotz verkehrsfeindlich zeigen, durch einschneidende Maßnahmen dahingehend belehrt werden, daß keine falsche Milde mehr am Se ist, sondern daß Exempel statuiert werden
m, wenn das Leben und die Gesundheit der
Bevölkerung es erfordern. Wir wissen, daß diese Worte, die für jeden einzelnen eine ernste Mahnung darstellen, nicht Worte bleiben, sondern im gegebenen Augenblick in die Tat umgesetzt werden.
Die Tatsache nun, daß in der kommenden Zeit bei dem Kampf gegen die Verkehrsunfälle das NSKK. eingesetzt werden wird, läßt zur Genüge erkennen, daß an die Lösung dieses so brennenden Problems mit einer Energie und Zielbewußtheit herangegangen wird, die frei von irgendwelchen bürokratischen Hemmungen ist. Es ist klar, daß es zur Durchführung dieses Zieles intensiver Vorarbeiten bedarf, um all' die Führer und Männer des NSKK., die bei dem Verkehrserziehungsdienst eingesetzt werden, so zu schulen und mit besten Kenntnissen auszustatten, daß sie mit einem guten Rüstzeug sich dieser neuen Aufgabe ihrer Formation widmen können.
Aufklärung und Belehrung auf der einen Seite, scharfes und energisches Durchgreifen auf der anderen Seite, das sind die beiden Grundpfeiler all der verkehrspolizeilichen Maßnahmen, die zur Anwendung gelangen werden. Die Verkehrserziehung ist eine brennende Tagesfrage und geht so sehr jeden einzelnen an, daß wir nicht an der freudigen Mitarbeit aller zweifeln. Wenn einjederseinTeil dazu beiträgt und alle Kräfte angespannt werden, dann kann auch der Erfolg nicht ausbleiben und dann werden aus der täglichen Zeitungschronik auch jene Unzahl von Meldungen verschwinden, die von immer neuen Unfällen mit Toten und Verletzten berichten. Und um hier endgültig Wandel zu schaffen, darf keine Anstrengung zu groß sein, darf keiner abseits stehen.
Zunge Deutsche im Dienst an deutscher Erde.
Vereidigung im Arbeitsdienstlager »Justus von Liebig".
Vereroigung im Aroeusolen,uager liegen, unierfeiomeqter Weigel verliest die Eidesformel. Im Vordergrund die Ehrengäste. — (Aufnahme: Pfaff, Gießen.)
In einer von ernster Stimmung getragenen Feier fand am gestrigen Sonntagoorrnittag im A r - beitsdien ft lager 5/222 „I ustus von Liebig" die Vereidigung der jungen Arbeitsdienstkameraden statt, die vor kurzer Zeit im hiesigen Lager Einzug hielten. Auch diesmal waren es frische 19- und 20jährige aus der Trierer Gegend, aus der Eifel und dem Hohen Venn, die die Eidesformel sprachen und Treue der deutschen Erde, dem deutschen Volke und dem Führer gelobten.
Den Blickpunkt des Saales der Unterkunft, in
dem die Feier stattfand, stellte ein plastisches Bildwerk, ein Porträt des Führers Adolf Hit- l e r dar, vor dem die Mannschaften im offenen Viereck angetreten waren. Zur Feier hatten sich zahlreiche Gäste aus dem Kreise der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht und der Behörden unserer Stadt teil.
Die Einbringung der Fahne bildete den würdigen Auftakt der Feier. Dann wurde gemeinsam das Lied gesungen „Heilige Flamme brennt überm Land". — Die Rezitation eines Wortes des Füh- rers folgte. Dann hielt der Führer des Lagers
Oberfeldmeister Lösch.
eine kurze Ansprache an die jungen Kameraden. 2lm heutigen Tag sind, so sagte er u. a., überall in den Lagern des Reichsarbeitsdienstes die neuen Arbeitsmänner angetreten, um auf den Führer Adolf Hitler und die Fahne des Reichsarbeitsdienstes vereidigt zu werden. Vereidigt auf die Fahne, die uns vorangetragen wird und die die Zeichen des Arbeitsdienstes und der Bewegung trägt! Im Kampf um die Fahne und für die Fahne fetzten schon immer die Besten unseres Volkes ihr Leben ein. An Euch, junge Kameraden, tritt nun auch die Frage heran, ob Ihr Euch einsetzen wollt für die Fahne. Mutig und ernst werdet Ihr im Dienst an der deutschen Erde stehen, die Euch zum Menschen macht und Euch auch den Glauben an die Fahne gibt. Ihr werdet im wahrsten Sinne des Wortes Nationalsozialisten sein, wenn Ihr alle Kraft in Führer und Volk zu geben bereit seid. Mit dem Bekenntnis zu Führer, Volk und Vaterland schloß Oberfeldmeister Lösch seine Ansprache. Gemeinsam und kraftvoll wurden das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied gesungen.
Der Ansprache des Lagerführers folgten zwei Ge- dichtoorträge von Kameraden des Arbeitsdienstes, die in Reih' und Glied stehen blieben, und damit zu überpersönlichen Sprechern wurden, die aus dem Geiste einer Gemeinschaft heraus für die Gemeinschaft sprachen. So bekamen die Worte, die mit großer Überzeugungskraft gesprochen wurden, tieferen Sinn und lösten starkes Miterleben und Mitbeken- nen aus.
Dann wurde die Vereidigung vorgenommen. Dor die gesenkte Fahne traten einzelne Kameraden als Abordnung der Mannschaft zum Schwur an. Unterfeldmeister Weigel sprach die Eidesformel vor, die von allen Arbeitsmännern nachgesprochen wurde. Mit folgenden Worten wurden die jungen Arbeitsdienstmänner vereidigt:
„Ich schwöre: ich will dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler in unverbrüchlicher Treue dienen, ihm und den von ihm bestellten Führern des Reichsarbeitsdienstes unbedingten Gehorsam leisten, meine Dienstpflichten gewissenhaft erfüllen und allen Angehörigen des Arbeitsdienstes ein guter Kamerad fein!"
Mit dem Ausbringen der Fahne des Arbeitsdienstlagers fand die denkwürdige Feier ihren Abschluß.
Aus der provinzialhaupistadt.
Weshalb nicht alles zeigen?
ZdR. Wir gewöhnen uns in Deutschland wieder daran, daß in immer stärkerem Maße der Ausländer sich für Deutschland interessiert. Gesellschaftsreisen, Besuche führender Persönlichkeiten und Vertreter der Presse häufen sich. Wir nehmen das mit einer gewissen Freude zur Kenntnis, denn es beweist, daß eine alles herabsetzende Gräuelpropaganda langsam ihre Wirkungen zu verlieren beginnt. Das Interesse an dem gewaltigen Wiederaufbau und an dem beispiellosen Meistern der vielen Probleme muß die Menschen von draußen nach Deutschland ziehen. Sie wollen sehen, was Wahres daran ist, wie es möglich ist, einen so schnellen Umschwung auf allen Gebieten des öffentlichen und täglichen Lebens herbeizusühren. Was sie dann zu sehen bekommen, dürfte in den meisten Fällen seine Wirkung nicht verfehlen. Gerade die Olympischen Spiele haben gezeigt, wie ein Volk, das auf ein gleiches Ziel ausgerichtet ist, ohne bewußte Propaganda treiben zu wollen, für sich wirbt. Die selbstverständliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die das ganze Volk während der Spiele durchflutete, hat überall bei den Ausländern, mit denen man sprach, Anerkennung gefunden und Aussehen erregt.
Und wie hier bei einer großen internationalen Idee, wie sie die Olympischen Spiele darstellen, so ist es auch auf den anderen Gebieten. Das nationalsozialistische Deutschland hat es nicht nötig und lehnt es bewußt ab, Potemkinsche Dörfer zu zei-
Wer älter wird...
Von Julius Kreis.
Das Aelterwerden geht so an: Die Leute konstatieren, daß man sich gar nicht verändert hat; oder sie sagen: Sie sehen aber gesund aus; oder: In Ihren Jahren macht so was noch (noch!) keine Beschwerden. Oder sie fragen: Sind Sie noch immer unverheiratet? Oder: Sie wohnen noch immer in der Heugasse? — Sie geben Ratschläge: Machen Sie jeden Morgen fünfzehn tiefe Kniebeugen. Unser Schneider: Nehmen Sie keinen tarierten Stoff. Er trägt auf. Nehmen Sie den dunklen, das macht schlanker. *
Wer älter wird, hört mit Interesse zu, wenn jemand von seinem Rheumatismus erzählt oder von einer Badekur ober von einem wirksamen Nerven- ^Wer älter wirb, liest im , Aerztlichen Hausfreunb" den Artikel über „Pflege der Arterien" ober „Bekämpfung des Senkfußes". Er liest in der Literaturgeschichte voll Befriedigung, daß Liliencron mit 40 Jahren das Dichten anfing und Fontane mit Siebzig feine besten Romane schrieb. Er unterstreicht' in der Statistik, daß die Staatsmänner durchschnittlich zwischen 50 und 60 die größten Erfolge aufweisen. Da hat man also noch lange hm!
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Eines Tages gibts dann in der Trambahn den ersten fühlbaren Knacks. Ein kleines, nettes, artiges Schulmädel steht knicksend auf unb bietet dem Herrn, der älter wird, den Platz an .. -
Aber der Abend legt Balsam auf die Wunde. Die Sechzigjährigen im Verein klopfen ihm nach der Debatte gütig auf die Schulter und sagen. Ja, wie wir so jung waren wie Sie, da haben wir auch ... Und als ihn gar bei einem Zusammenstoß der Gegner einen Lausbuben nennt, da mochte er dem am liebsten ein Flasche „Perle der Pfalz spendieren.
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Wer älter wird, entdeckt voll Rührung über sich und sein Schicksal die. ersten grauen Haare und streicht sie unter die dunklen, er nimmt manchmal zur nächtlichen Heimkehr ein Auto, auch wenn er allein ist, er zieht bei sedem repräsentativen Anlaß feinen Bauch ein bißchen ein, er redet gern von vergangenen Zeiten, wie schon es früher war, unb er rneibet Menschen mit Schnupfen unb Husten, entgiftet seinen Tabak und Kaffee mit allerhand Patenten, unterscheidet mit Sachkenntnis unter den Rotweinen. Ein Haus mit einer guten Köchin ist
ihm lieber als eines mit einer schönen Tochter. Er ist ein Herr in den besten Jahren.
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Ein Herr in besten Jahren! Gewiß, er räumt manches Feld, aber dann tauscht der Herr, der älter wird, doch allerhand ein: Verständnis für die realen Freuden des Daseins, wenn er glücklich veranlagt ist, eine heitere Resignation Er wird nicht mehr zornig um des Kaisers Bart. War das Lächeln im „Uebergang" manchmal ein bißchen krampfhaft unb bitter, nachher wirb es echt unb löfenb.
Unglücklich burch eine große Liebe — glücklich burch eine große Liebe? (Wenn er ganz klug geworben ist, will er ba nichts vergeben) —, vorläufig ist er im schönen Gleichgewicht. Aber bas bekommt er nicht umsonst. Da mußte er zwanzig Jahre „Sturm unb Drang" brangeben unb alles Glück unb Beben halber Torheit unb alles Reizvolle unb Schöne, bas in ber Trunkenheit junger Jahre liegt. Wer älter wirb, hat feine reiferen, feine „besten Jahre" bezahlt. — Sanfte unb weife Hanb bes Schöpfers, daß man dann mit dem Tausch zufrieden ist!
pholosraphieren im Herbst
Bon Walther Appell
Zu allen Jahreszeiten muß der Photographierende eine sehr wesentliche Tatsache beachten: daß die bunten Farben der Natur in der photographischen Wiedergabe auf ein viel bescheideneres Maß von Schwarz, Weiß unb ihren Zwischentönen zurückgeführt werben. Ein Meister in feinem Fache ist hier, wer trotz dieser auferlegten Beschränkung so photographieren kann, daß seine Bilder alles Licht kontrastreich und alle Tiefe plastisch wiedergeben. Beides ist im Herbst nicht schwerer als in den andern Jahreszeiten. Aber im Herbst kommen wir öfter in Versuchung, eine Aufnahme um der Farbwirkungen willen zu machen, die im natürlichen Motiv enthalten find. Deshalb gibt es in diesen Monaten die meisten Enttäuschungen. Die Sonne scheint weicher, wie im Frühling, doch dessen Einfachheit der Linien und Ruhe im Gesamtbild fehlt. Dem starkfarbigen Blühen in den Gärten entspricht das bunte Laub ber Bäume, und noch ein Stoppelfeld ist in der Wirkung oft lebendiger als ein Feld mit sprießenden Halmspitzen. Im Kahlerwerden sind Hecken und Alleen, Baumgruppen und Waldränder meist noch eindrucksvoller als im ersten Knospen. Das braucht nicht „schöner" zu bedeuten, sondern nur: herbstlicher. Darauf aber kommt es an: dieses Abklingen dieses vollen Som
mers, das freilich nicht ohne leise Wehmut ist, bildhaft einzufangen.
Kartoffelfeuer in der Landschaft ober bie bazu- gehörigen arbeitenben Gruppen finb wie die Obstpflücker genau so willkommene Staffage wie ein pflügender ober säender Bauer im Frühjahr. Aber sie sind ebenfalls mit Vorsicht, das heißt mit kluger Beschränkung zu verwenden. Leere Flächen, weite und womöglich noch dazu ebene Felder werden durch sie belebt — aber in reicheren landschaftlichen Motiven führen sie leicht zu Ueberladung und Verwirrung, ba dem Silbe bie einheitliche Klarheit fehlt. Das Auge soll nicht suchenb unb immer aufs neue überrascht von einem Bildinhalt zu anberen gehen müssen. Wir stellen also berartige Motive menschlicher Tätigkeiten im allgemeinen nicht in herbstliche Landschaften, die für sich allein genug gegliedert unb in sich typisch sinb. Anbers mag es gerechtfertigt fein, wenn weidende Schafherden ober bergl. ganzen Fluren nach ber Ernte ihren besonderen, herbstlichen Charakter geben.
Das T i e r I e b e n wird im Herbst sowohl ärmer als auch in mancher Hinsicht reicher an Motiven. Vögel und Schmetterlinge, bie sowieso für bie meisten als photographische Motive zu schwer finb, verschwinben mehr unb mehr aus ber Lanbschaft. Aber bas einheimische Grvßwilb bietet dafür günstigere Möglichkeiten. Es wird zur Nahrungssuche öfter aus dem Walde herauskommen auf die Wiesen unb Felber. Da biefe aber abgemäht, abgemeibet ober erst roieber im neuen Keimen finb, ist bas Wilb gut sichtbar. Doch haben wir babei zu be- benken, baß wir eine günstige, also nicht zu weite Entfernung von unferm berartigen Motiv haben müssen, — unb baß auch die Farbe des braunen Felles sich gut von der des Untergrundes abheben soll. Da das Braun eine Schutzfarbe ist, ergeben sich heraus oft Schwierigkeiten — zumal wenn das Tier auf einem frisch gepflügten Acker ober an einem herbstbraunen Walbranbe steht. —
Diele Motive von Mensch ober Tier in ber Lanbschaft sind photographisch nicht anders als sonst zu behandeln, wenn jetzt die Heide blüht und die Vogelbeeren reifen. Aber die Belichtungs - zeiten müssen der verminderten Leuchtkraft der Sonne entsprechen und gegen den Höhepunkt des Sommers schon fast verdreifacht werden. Daraus ergibt sich eine Bevorzugung „offener" Motive, die indessen nicht ängstlich übertrieben zu werden braucht. Da alles „lichter" geworden ist, haben auch manche Objekte mehr photographisch verwertbares Licht bekommen. Nur gilt für sie noch mehr als für andere, daß bei Objektiven ober Abblenbungen bis in die mittleren Werte immer mehr die Stun
den von 10 bis 16 Uhr bevorzugt werden müssen. Und rasch drängt sich diese Zeit immer enger zu- lammen.
Rechtsstreit um eine Krankengeschichte.
Ein eigenartiger Schadenersatzprozeß gegen einen Arzt wurde vor einem Wiener Gericht verhandelt. In dem Rechtsstreit dreht es sich, wie die „Deutsche Medizinische Wochensrchift" berichtet, um die lieber- laffung einer Krankengeschichte an den Kranken selbst. Dieser war in einer Heilanstalt wegen Schlafmittel- Vergiftung behandelt worden und wollte den Arzt, der ihm das Mittel verschrieben hatte, auf Schadenersatz verklagen. Er verlangte nun von der Anstalt die Ausfolgung der Krankengeschichte ober wenigstens Einsichtnahme in bie Aufzeichnungen. Als dies verweigert würbe, forberte er es im Klagewege. Die Anstalt erklärte, daß die Krankengeschichte ihr Eigentum sei und daher nur dem Arzt zur Verfügung gestellt werden könne. Das Zivillandesgericht wies ebenfalls die Klage mit der Begründung ab, daß der Kranke über fein Leiden keine volle Aufklärung zu erhalten brauche, da er sonst unter Umständen noch mehr gefährdet werden und in feiner seelischen Ruhe gestört werden könne.
Zeitschriften.
— Luftschutz unter dem Sowjetstern heißt ein großer Bild-Bericht im neuen Heft der „S i r e n e" Er gibt Aufschluß über die Riesenorganisation der „Ossoaviachim", ihre Kleinarbeit unb ihre groteske Propaganda. Die Aufnahmen zeigen eine Operation unter ber Gasmaske, Entgiftungstrupps, Pro- paganba - Märsche von Frauen mit Hunben unter Gasmasken. — In Anschluß baran gibt eine bilb» liche Gegenüberstellung ein gutes Beispiel für „Tarnung im länblichen Luftschutz." Von den übrigen interessanten Artikeln seien genannt „Krieg im Ameisenstaat" — mit schönen Fotos —, „Unser Haus wirb luftgeschützt", „Städte in Flammen"
— Zur Woche bes beutschen Buches roibmet die neueste Nummer der „I11 u ft r i r t e n Zeitung Leipzig" (I. I. Weber, Leipzig) ber Buchhandelsstabt Leipzig einen reich illustrierten Beitrag, mit ben Büchermessen vor 100 Jahren beginnend bis zum mobernen, reich pulfierenben Buchhanbel, ber Leipzigs wichtigsten Wirtschaftsfaktor barstellt. — Als Künber beutscher Kultur in Grenzlanbgebieten treten uns ber Neubau bes Rathauses in Oppeln sowie bas neuerbaute Zittauer Grenzlanbtheater im Silbe entgegen.


