Nr. 251 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Montag, 26. Oktober 1956
Einige Jahre nach der Beendigung der kaufmännischen Lehrzeit war aus Philipp Reis durch fleißigen Selbstunterricht und durch Nachhilfestunden ein Lehrer geworden. Und nun wirkte er in Friedrichsdorf bei Homburg vor der Höhe auf dem Gar- nierschen Institut, wo er einmal die Schulbank gedrückt hatte, als Lehrer
Und daneben als Erfinder. Denn ihn hatte die Idee befallen, einen Apparat zur Uebermittlung |
lichkeit der russischen Mystik entstanden war Nur allmählich konnte ein Wandel eintreten. Im
Anfänge der neuen Entwicklung stand die nati-
Neue Ziele in Sudosteuwpa
Von unserem Sch.-Berichterstatier.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Der sprechende Kupferdraht
Ium 75. Jubiläum des Telephons, n Hermann Ulbrich-Hannibal
r. „ . Belgrad, 22. Oktober 1936.
In Belgrad traf der rumänische Außen- Minister ein. Seine Ankunft war so überraschend und die Umstande waren so geheimnisvoll, daß allen Vermutungen Tur und Tor geöffnet wurde Besonders in der ausländischen Presse begann ein Rätselraten. In Paris sah man das französische Bündnis- ystem neuerdings bedroht, aber auch ein Kommen- Londoner Reuterbüros schlug in dieselbe Kerbe Er bezeichnete die Entwicklung im Südosten als ebenso wichtig, wie die jüngste Erklärung des belgischen Königs, weil a u ch die Kleine En- Vu 1 eJ?ranure Z" verlassen drohe. Rumänien habe nicht mehr die Absicht, seine strategischen Eisen- bahnlln.en an das Netz der Sowjetunion anzu- sch ließen, wie überhaupt die Furcht vor Moskau den politischen Stellungswechsel bewirkt habe. Was an diesen Vermutungen richtig ist, wird sich wohl in der nächsten Zukunft Herausstellen. Vorläufig kann man immerhin als Tatsache festhalten, daß die Sorge vor dem Kommunismus im Südosten in Öen letzten Monaten so stark zugenommen hat, daß eine weitgehende politische Umstel- l u n g erfolgt ist. Denn es haben nicht nur einzelne Symptome, sondern auch die Grundlagen der Politik eine Aenderung erfahren, die sich früher oder später auf einer breiten Linie auswirken muß.
Bis vor einigen Jahren gab es im Südosten nur einen politischen Begriff, um den sich alle Dinge drehten, ob sie wichtig oder unwichtig waren: Den R l v i s i o n i s m u s , bzw. den Antirevisionismus. Die besiegten Staaten setzten ihre Kräfte em, um die durch die Pariser Verträge geschaffene Lage zu Mildern, während die Sieger st aaten nur daran dachten, das Gewonnene festzuhalten und es mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Sieger waren daher leidenschaftliche Anhänger des Völkerbundes, der Bündnisse mit Frankreich und der Forderung nach kollektiver Sicherheit und unteilbarem Frieden. Außerdem traten sie für alle Strömungen ein, die geeignet waren, diese Politik zu verewigen. Der „Pazifismus" wurde von ihnen nicht nur zur beherrschenden Mode, sondern zur einzigen geistigen Möglichkeit erhoben. Nationale Regungen in den besiegten Staaten wurden nicht nur abgelehnt, sondern als durchaus verbrecherische Äußerungen gewertet und mit stärksten Ausdrücken des Abscheus („Vampyre") in Acht und Bann getan.
Die Sowjetunion wurde um diese Zeit noch nicht als unmittelbare Gefahr empfunden. Es erhielt sich im Gegenteil erstaunlich lange die Ansicht, daß der Bolschewismus eine „Krankheit der besiegten Völker" sei. Jugoslawien hatte wohl die diplomatischen Beziehungen mit Moskau niemals ausgenommen, allein es hielt sich nicht aus Sorge vor dem Bolschewismus, sondern aus gefühlsmäßigen, panslawischen Regungen Zurück. Die verantwortlichen Manner Belgrads und Petersburgs waren so eng befreundet gewesen, daß auf die neuen Männer in Moskau der ganze Groll wegen der Ermordung der in Rußland damals führenden Schichten fiel. Später wurde wegen mehrerer Attentate auch die k o m m u - niftifche Partei Jugoslawiens verboten, aber man ging dabei genau in derselben Weise vor, wie einige Jahre später gegen alle übrigen Parteien, die aus denselben Gründen aufgelöst wurden. Der Versuch, mit anderen als organisatorischen und polizeilichen Mitteln dem Bolschewismus entgegenzuarbeiten, wurde nicht unternommen Auch blieb die Rolle des Judentums bis in die jüngste Zeit dem Südosten unklar. Dazu ka^i daß jener Teil der Bevölkerung in Jugoslawien und Bulgarien, der dem kommunistischen Gift erlag, darin eine Art slawischer Heilslehre erblickte, die in der Unend-
Einige Jahre später stand als Vormund der Onkel des jungen Philipp Reis vor den Lehrern eines Institutes in Frankfurt a. M. „Die große Vorliebe Ihres Neffen", so sagte ein Lehrer zu ihm, „für die Mathematik und für die Naturwissenschaft verlangt es im Interesse der Menschheit, Philipp auf das Polytechnikum nach Karlsruhe zu schicken."
Aber was ging den Onkel und Vormund das Interesse der Menschheit an. Sein Neffe Philipp sollte Kaufmann werden und nichts anderes.
Und also wurde Philipp Reis Lehrling in einem Farbengeschäft in Frankfurt
nale Erhebung tn Deutschland, die zu- erst einmal eine grundlegende Verschiebung der zwi- chenstaatlichen Kräfte zur Folge hatte. Dann ent- larvte sie auch so manche innenpolitische Zusammen- hange, die bis zu dieser Zeit im Leben der einzelnen Staaten unsichtbar gewirkt hatten. Die Juden verließen ihre gedeckte Stellungen, traten vielfach in den Vordergrund und bewiesen einen Einfluß, der starkes Unbehagen auslöste. Das Spiel mit' den verteilten Karten hörte auf und drängte offen auf die Bildung von einheitlichen „Volks- fronten" hin, die alles zusammenfassen sollten, was ja auch früher schon zusammengehört hatte, a°crrUnfenntnis der Zusammenhänge getrennt marschiert war. Wie anderenorts wurde auch hier bald klar, daß d e r radikale Flügel den Ton anzugeben hätte.
Die veränderte Atmosphäre konnte den verantwortlichen Staatsmännern nicht verborgen bleiben. Allein die pazifistischen Schlagworte waren schon zu tief in den eigenen Organismus eingedrungen, als daß sich nicht schon ihre üblen Folgen gezeigt hatten. Ursprünglich waren die Phrasen dazu bestimmt gewesen, die ehemaligen Kriegsgegner zu betören, sie hatten aber, als sie diesen Zweck verfehlten, die eigenen Reihen zu zersetzen begonnen. So kam es, daß ein erheblicher Teil der Intelligenz, besonders des akademischen Proletariats, den Juden auf den Leim ging. Da außerdem die Wirtschaftskrise furchtbar auf den breiten Massen lastete, drang die kommunistische Lehre rasch in die verarmte Bevölkerung ein, die vielfach auch noch unter einem mangelhaften Derwal- tungsapparate sehr zu leiden hatte. Der Widerstand gegen den Bolschewismus wurde weiter durch den Tod so mancher bedeutender Staatsmänner und Parteiführer geschwächt, an die die Völker gewöhnt waren und zu denen sie aus Ueberüeferung standen So sanken in Jugoslawien der greife Paschitsch und der energische König Alexander ins Grab, die der Entwicklung zu ihren Lebzeiten das Gepräge gegeben hatten. In Griechenland starben hintereinander Kondylis und T s a l d a r i s. In Bulgarien aber war die Partei der Mazedonier, die an den Kämpfen gegen den Bolschewismus entscheidenden Anteil gehabt hatte, aus außenpolitischen Gründen aufgelöst worden.
Diese Lage suchten selbstverständlich die Agenten Moskaus, insbesondere die Juden auszunützen. Sie unterstützien zuerst insgeheim mit reichen Geldmitteln die linksradikale Bropa-
Am 26. Oktober 1861 führte Philipp Reis in einer Sitzung des Physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. seine Erfindung des Telephons vor, mit dessen Konstruktion er sich schon seit mehreren Jahren, während er Lehrer an einer Privatschule in Friedrichsdorf war, beschäftigt hatte
ganda und bemühten sich mit Erfolg um die ,-große" Presse, dann aber traten sie auch selbst hervor und gründeten, wie z. B. in Sofia eigene Blätter, die im Emigrantenstile wüteten und zum unmittelbaren Angriff vorgingen. In Rumänien allerdings waren diese Kampfvorbereitungen weniger notwendig, weil dort die Politik litu- le sc us den Sowjets eine reiche Ernte auf geradem Wege zu versprechen schien.
Das erste äußere Anzeichen eines heftiger einsetzenden Widerstandes gegen diese Entwicklung war der Sturz Titulescus. Damit verschwand zugleich ein Politiker, der unablässig bemüht war, die Blicke der süosteuropäischen Staaten ganz durch den Gegensatz Reoisionismus-Antireoisionismus gefangen zu halten In Sofia raffte sich die Regierung auf und oervot mit einem Schlage 17 Blätter, die linksralikale Propaganda getrieben hatten. In Griechenland wurden die Parteien aufgelöst und die Parlamentstore versiegelt. Die Verantwortung wurde von General Metaxas übernommen. In Jugoslawien setzten Vorträge gegen den Bolschewismus ein, und die Regierungsblätter begannen mit ausführlichen Schilderungen des neuen Deutschland Es drängte sich im allgemeinen der Eindruck auf, daß die Grundlagen der Politik ausgetauscht wurden und daß nicht mehr die Niederhaltung ehemaliger Gegner, sondern die gemein- same Be kämpf ung der gemeinsamen kommunischen Gefahr an die erste Stelle der politischen Programme gerückt ist.
Die enksetzlichen Greuel in S p a n i e n mögen wohl genug Anlaß zur Nachdenklichkeit gegeben haben und die belgische Neutralitätserklärung mag geeignet sein, weitere Entschlüsse zu erleichtern. Es fällt zumindest auf, daß in Südosteuropa keine empörten Ruse gegen Brüssel zu vernehmen waren, die z. B. noch gegen Warschau geschleudert wurden, als sich dieses aus der Unbedingtheit des französischen Bündnissystems gelöst hatte.
Der Südosten befindet sich zweifellos im Umbruch. Ob schon der derzeitige Besuch Antone s c u s in Belgrad weittragende Folgen gezeitigt hat, muß dahingestellt bleiben. Es wäre- ja schon bedeutungsvoll, wenn Rumänien und Jugoslawien eine gemeinsame Stellungnahme in der Bolschewikenfrage gegenüber Prag vertreten würden, für welchen Schritt der kurz bevorstehende Besuch des Königs Karol beim Staatspräsidenten Benesch den Anlaß geben konnte
Der Bäckermeister Reis aus Gelnhausen wartete im Flur der Volksschule ungeduldig auf den Lehrer feines Sohnes. Er hatte ihn rufen lassen, um mit ihm über seinen Sohn Philipp zu sprechen Sollte sein Fleiß und feine Aufmerksamkeit zu wünschen übrig lassen ober gar sein Betragen?
Nein, dort kam schon der Lehrer: „Ihr Sohn zeigt so ungeheure Begabung, Herr Reis, daß es Ihre Pflicht ist, ihn später auf eine höhere Schule ZU schicken" Bäckermeister Reis versprach es dem Lehrer in die Hand und ging stolz von bannen.
Er würbe alles Gelb voll Freube opfern, um aus feinem Sohn einen großen Mann werben zu lassen.
Aber als es so weit war, war ber Bäckermeister Reis schon seiner Frau in bie Erbe gefolgt
pon Tönen unb Geräuschen auf elektrischem Wege herzustellen.
^^ogefang, wochenlang jaß er einsam in feiner -ffierfjtätte hinter seinem Hause unb bastelte alle möglichen Apparate zusammen
Im Jahre 1861 glückte ihm bie Erfindung. Er nannte den geheimnisvollen Apparat, den er ge- baut Ijatte, „Telephon". — Er zog einen Kollegen ins -Vertrauen unb bat ihn, mit ihm zusammen lerne Jbee auszuprobieren, ber ber Gebanke zu- 9ru"beJa9' durch einen isolierten Draht die Töne musikalischer Instrumente und der menschlichen Stimme fortzupflanzen.
Der Kollege nahm an dem einen Ende der Telephonleitung Aufstellung, Philipp Reis am anderen. Dann sprach er einzelne Worte in den Draht, unö fein Kollege horte, wie tatsächlich Worte wie: „Gewiß, warm, kalt" aus dem eigenartigen Apparat herauskamen.
Das waren die ersten Worte, die auf unserer Erbe telephonisch gewechselt würben. Dann folgten bie ersten kurzen Sätze: „Guten Morgen, Herr Fischer. Ich komme gleich. Passe auf. Wieviel Uhr ift es? Wie heißt bu?"
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Neben einer Leitung von seiner Werkstatt in bie Wohnung legte Philipp Reis nun noch eine zweite Telephonleitung vom Physikzimmer bes Garnier- schen Institutes über einen Spielplatz hinweg in einen Klassenraum bes Schulinstitutes. Dann' saß er mit seinem Kollegen oft ftunbenlang am Telephon unb unterhielt sich mit ihm. Allerbings ging das manchmal noch etwas schwierig unb förderte auch manchen Spaß zutage.
Einmal sprach ber Kollege in ben Geber: ,Die Sonne ist von Kupfer." Philipp Reis aber hörte: „Die Sonne ist von Zucker."
Unb als Philipp Reis bann einmal seine '23 er- rounberung barüber ausbrückte, baß seine Schüler jetzt so still und artig waren, wenn er noch nicht im Schulzimmer war, entdeckte er, daß sie sich fürchteten Lärm zu machen, in ber Annahme, er könnte es burch seine geheimnisvollen Apparate hören.
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Ein Jahr später fanbte Philipp Reis eine Schrift über seine Erfinbung an ben Professor Poggen - darf unb bat um Veröffentlichung in ben Annalen ber Physik.
Poggenborf aber fanbte ihm bie Arbeit über seine Erfindung zurück, ba er bie Uebertragung ber Sprache auf elektrischem Wege für eine Erbichtung halte.
Inzwischen hatte Philipp Reis seine Erfinbung schon ber Physikalischen Gesellschaft in Frankfurt am Main unb bem Freien Deutschen Hockiftift in Frankfurt vorgeführt. Nun hatte er auch Geleaen» beit, sie ben in Frankfurt zu Besuch weilenben Herrschern Oesterreichs unb Bayerns zu zeigen, währenb ber Professor Röttger ihr auf ber beutschen Naturforschertagung in Stettin ben Weg ebnen wollte.
Aber erst bie beutsche Naturforschertagung m Gießen im Jahre 1864 brachte bem Erfinber bie Anerkennung ber gelehrten Welt Er führte sein Telephon persönlich vor, sprach Worte unb Sätze in ben Apparat unb sang ben gelehrten Herren bann auch ein Lieb burch bas Telephon vor unb Zwar: „Ach, bu lieber Augustin, alles ist hin"
Die Mitglieber ber Versammlung waren begeistert, ja fast ausgelassen vor Freube unb gratulierten bem Erfinber herzlich.
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Nachbem Philipp Reis nun schon seine Telephon- apparate an bie Physikalischen Laboratorien in München, Erlangen, Wiesbaben, Wien, Köln, Dublin unb Tiflis gef'anbt hatte, unb Telephonapparate Zum Preise von zwölf unb acht Talern, je nach ber Ausstattung, burch ben Mechaniker Wilhelm Albert in Frankfurt a. M. in ben Hanbel bringen ließ.
Josef Weinheber.
3um Vortragsabend im Goethe-Bund
Josef Weinheber ist 1892 in Wien geboren. Seine früheste Kinbheit verbrachte er in Purkers- dorf, einem damals noch ganz ländlichen Ort. Der Vater, ein gelernter Fleischhauer, war ein immer heiterer Mann mit einer wohlklingenden Stimme; er übersiedelte später wieder an die Peripherie von Wien und übernahm ein Gasthaus in Ottakring.
(Aufnahme: Jlsebild, Wien.)
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Die Mutter war eine stille, schöne Frau, deren Bild ber Dichter in Terzinen der „Heroischen Elegie" ergreifenb schlicht beschworen hat. Von ben Vor- fahren her, die im niederösterreichischen Weinlande seßhaft waren, hat Weinheber ein kräftiges Teil bäuerlicher Substanz mitbekommen. Aber er romantisiert dieses Erbe nicht, er bekennt sich zu Wien „nut all seinem Holden unb Häßlichen": „Ich liebe Wien, weil hier mein Werk gewachsen und gereift ist, aus kindlichen Anfängen herauf, um schließlich Über hie betörende, aber and) lähmende Aura dieser
Stadt hinauszuwachsen in eine strengere Welt ber Kunst..."
Kinbheit unb Jugenb finb von schweren Schicksalen überschattet. Früh verliert Weinheber ben Vater, wenig später stirbt bie Mutter. Das büftere Waisenhaus nimmt ben Knaben auf; nach sechs Jahren harter Aufzucht kommt er zu einer Tante roieber hinaus nach Ottakring, wo er schon einige glückliche Kinberjahre verlebt hatte. Hier entftanben die ersten Gebichte, in benen bie Problematik ber Werbejahre eingefangen ist, bas Suchen unb Grübeln, bas Hineintasten in bie Welt ber Kunst, in ber bes Dichters einsame Seele Trost unb Stärkung fand. Viele bittere Jahre, während deren er verkannt unb einsam gegen seine Zeit ftanb, versah er bann seinen Dienst bei ber Post- unb Telegraphenverwaltung in Wien, wo er über bie Vierzig hinaus bis vor kurzem beamtet geblieben ist.
In brei längst verschollenen Büchern finb seine ersten Gebichte gesammelt: „Der einsame Mensch" (1920), „Von beiben Ufern" (1923) unb „Boot in ber Bucht" (1926). Sie vermochten ebensowenig wie der Roman „Das Waisenhaus" den Namen bes Dichters bekannt zu machen. Das Echo blieb aus. Erft der Band „Abel und Untergang" brach 1934 den Bann des Schweigens und brachte bie verdiente Anerkennung im gesamten beutschen Sprachgebiet.
In seinem burch Jahrzehnte hinburch zu adliger Reise geläuterten Schaffen bedeutet sein neuestes (im Albert Langen-Georg Müller Verlag in München erschienenes) Gedichtbuch „Späte Krone" eine künstlerische Vervollkommnung, wie sie nur einem Dichter von höchstem Rang beschieden sein kann. Weinhebers dichterisches Werk wurde vor einiger Zeit mit dem Mozart-Preis sehr ehrenvoll ausgezeichnet.
Oberhefsischer Kunstverein.
Oelgernälde, Aquarelle. Tempera
Mit ber gestern vormittag eröffneten Ausstellung hat ber Oberhessische Kunstverein seine Winterarbeit 1936/37 begonnen. Es handelt sich um eine vielseitige Kollektion überwiegend malerischer Arbeiten von verschiedenen Künstlern unb in Der» schiebenen Techniken, Del, Aquarell unb Tempera; eine bunte, abwechslungsreiche Schau von erfreulicher motivischer Mannigfaltigkeit; ein Angebot, worauf befonbers aufmerksam gemacht werben barf, auch von wünschenswert unterschieblicher Preisgestaltung, wie man sich burch einen Blick in bie aufliegenben Listen überzeugen kann: es hanbelt sich ja hier nicht nur, woran sreunblich erinnert sei, um eine Ausstellung zum Betrachten, sondern auch zum Erwerb von Kunstwerken
Die Arbeiten von Elsa Feld (Berlin-Halensee) und Johannes Thiel (Ebnet bei Freiburg) finb jetzt z. T. aus ben Wanbelgängen bes Stabttheaters (wo sie kaum zur Geltung kommen konnten) in bas Turmhaus am Branbplatz übernommen worben. Thiel hat eine ganze Serie von Aquarellen ausgestellt, überroiegenb lanbschaftliche Motive, auch ein paar Blumenstücke unb Figürliches. In einer lockeren, aber keineswegs verschwimmenben Mal- weise, bie auch bem impressionistischen Einbruck eme gewisse Festigung, Plastik unb Umrißschärfe gewährt, gelingen ihm — in vielerlei Nuancen und behutsamen Uebergängen — so zart-koloristische und empfindsame Wirkungen wie etwa das „Drei» samtal" oder das sehr feine „Dorf vor den Bergen". Eine andere Seite feiner Begabung spiegeln die Federzeichnungen, Illustrationen zu „Tyll Uilenspiegel", ein bewegtes und figurenreiches, dankbares und nahezu unerschöpfliches Motiv. Im lockern Spiel der nachbildenden Phantasie ent» stehen Blätter, die gelegentlich an berühmte Vorbilder etwa aus der Feder des großen Illustrators Slevogt erinnern.
Elsa Felds Bilder wirken neben Thiels Aquarellen noch zarter im Ton. weicher hingegeben an bie bläulichen Schneeschatten ber winterlichen Berg- lanbschasten; allerbmgs war in biefer Folge von Blättern eine gewisse Einförmigkeit bes Einbrucks nicht völlig zu oermeiben. Außerbem sieht man eine Gruppe von Rötelzeichnungen: Tiermotive, ganz auf bie zarte Kontur hin versammelt
Ferner gibt es eine Reihe von größeren Oel- bilbern zu sehen, bie von verschiebenen, meist älteren, zum Teil sehr bekannten Künstlern stammen. Gleich am Eingang begegnet bem Besucher ein auslabenbes in kräftiger unb hanbfester Realistik aufgebautes Hafenbilb „Geestemünbe" von Rubolf Wille Lockerer in Auffassung unb Wiebergabe, in ber impressionistischen Verteilung von Licht unb Schatten wirkt ber „Wiesenbach" von Hans Licht. Eine stimmungsvolle Rieb-Lanb'chast sieht man von Prof. Earl K ü st n e r bem wir vor einiger Zeit eine ausführliche Würbigung in unserer „Heimat im Bilb" haben zuteil werben lassen
Mit tüchtigen Lanbschaften sehen wir weiterhin Hans von Hayeck („Fischerboote auf Java"), Wolf Kapshammer („Ziehenbe Wolken"), Erich Martin Müller („Märztag tn Schwaben"), Alfreb Mailick („Abenbstimmung tm Gebirge") unb Richard Kayser („Pappeln im Werratal") vertreten Hans Hassenteufel bringt einen sauber unb korrekt gemalten liegenben Akt; interessant, seine sachl'che Anschauung mit ber viel mehr auf bie farblichen Kontraste unb bie rein malerischen Möglichkeiten bes gleichen Motivs betrachten Arbeit von Hugo von Habermann zu vergleichen
Die „Venetianischen Fischerboote" von Lubwig Dill ergeben einen malerischen, in ber Farbgebung für ben Künstler sehr charakteristischen Einbruck. Von intimerer, z. T. fast genremäßiger Auffassung zeugen bie Interieurs von Ernst Liebermann unb Viktor Schramm, auch Professor W Geffckens „Gesellschaft im Schloß", bie um ihrer weichen Pastellwirkung willen zu beachten ist. Em anziehendes, vielfältige Probleme bes Lichtes unb ber Farbe andeutenbes Thema behanbelt Friebrich Gur litt in bem Gemälbe „Inneres ber Wies- nrc^e . Alexanber Koester bringt ein anmutiges Tierstuck („Enten unter Weiben"), bas nur leiber nicht befonbers vorteilhaft gegen bas Licht gehängt ist.
Mit brei Bilbern ist ber bekannte Maler-Roman- tifer H. Grabl vertreten; das mertroürbig flache Spitzweg-Motiv „Nach dem Frühstück" sticht übrigens auffallenb von bem feinen ganz altmeisterlich an« mutenben Ammersee-Bilb unb ber „Jbealen Laub» |d)aft" ab. Die beutschen Stäbtebi’ber von Rubolf Poeschmann, Dresben, eine Sammlung farbenfroher sonniger Tempera-Blätter, runden das Gesamtbild der ersten Ausstellung dieses Winters freundlich ab hth
„König Lear"
im Frankfurter Schauspielhaus.
Man hatte eine Festvorstellung angekündigt, unb bas Publikum war in überraschenb großer Zahl diesem Rufe gefolgt. Nicht nur das Parkett, sondern auch die obersten Ränge waren mit einer festlich ge- kleideten Menge dicht besetzt. Shakespeares „König Lar , der 25 Jahre hindurch von den Frankfurter Buhnen verschwunden war, sollte die Spielzeit des Frankfurter Schauspielhauses würdig eröffnen Wir muffen gestehen, und der etwas dünne Beifall des Publikums am Schluffe der Vorstellung schien dies zu unterstreichen, daß das Vorhaben nicht ganz geglückt ist. Wohl sahen mir eine im großen unb ganzen abgerunbete Vorstellung mit einigen ganz hervorragenben Leistungen (Taube holte sich in der Rolle bes Lear nach bem sechsten Bilb einen starken Sonberbeisall), aber unser heutige Zeit steht ben grausigen Vorgängen boch mehr ober weniger ablehnenb gegenüber, unb bie wunbervollen Weisheiten, bie Shakespeare auch in biefes Werk eingestreut hat, finb von ber Regie nicht wirkungsvoll genug herausgearbeitet worben. Darunter litt befonbers bie von Kiesler verkörperte Rolle des Narren, bie uns mit lebhaftem Bebauern an Ber» hoeven (jetzt in Berlin) zurückbenken ließ Hervor- gehoben feien noch bie ausgezeichneten Leistungen von Ellen D a u b als Goneril unb Marie Wimmer als Regan sowie bie einbrucksoollen Bühnen- bilber von Caspar N e h e r. Dr. A.


