Ausgabe 
26.10.1936
 
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Grundsteinlegung zum Hause des Deutschen Rechts. Reichsminister Rust spricht vor der Akademie für Deutsches Recht.

München, 24. Ott. (DNB.) Am Samstagvor­mittag fani) im Rahmen der dritten Jahrestagung der Akademie für Deutsches Recht in der Großen Aula der Münchener Universität ein F e st a k t statt, bei der Reichswissenschaftsminister Rust sprach. Dankbar gedachte der Minister des 75. Todestages des deutschen Rechtslehrers Friedrich Carl von S a v i g n y am 25. Oktober, der als erster zünftiger Rechtslehrer darauf hingewiesen habe, daß das Recht immer gebunden bleibt an ein lebendiges Volksdasein und daß es genau so die Züge seines Volkes trägt wie Sprache, Sitte und Verfassung. Der Minister verwies darauf, daß das Vertrauen zur Rechtsprechung gerade da schwinden muß, wo noch natürliche Rechtsformen lebendig sind, wie beim Bauern, daß sich aber auch der moderne Indu­striearbeiter ein echtes und leidenschaftliches Gefühl für Gerechtigkeit bewahrt hat. Auch die in einem modernen Großstaat erforderliche differenzierte Ge­setzgebung müsse durchblutet sein von dem einheit­lichen Strom des natürlichen Volksrechtes und daß der Gesetzgeber sich das Vertrauen seines Volkes versichern müsse. Als Aufgabe des Rechtswahrers bezeichnete es der Minister, immer wieder das tech­nische Element mit dem politischen Element in Ein­klang zu bringen.

Mittags fand dann in der Ludwigstraße beim Siegestor die Grundsteinlegung für das Haus des Deutschen Rechtes statt. Reichs­minister Dr. Frank rief nochmals die Erinnerung an die Blutzeugen der nationalsozialistischen Be­

wegung wach. Wir Nationalsozialisten schreiben nicht Geschichte in Büchern, wir bauen Ge­schichte. Wir formen auch nicht das Recht in leeren Formeln und abgezirkelten Paragraphen, sondern wir bauen das Recht aus den un­zerstörbaren Fundamenten unseres heiligen Vol­kes auf. Das Haus des Deutschen Rechtes soll aus der schöpferischen Kraft unserer Bewegung eine völlig neue nationalsozialistische deutsche Rechts­geschichte symbolisch eröffnen. Das Haus des Deut­schen Rechtes möge dienen der Einheit von Führer und Bewegung, der Einheit von Recht und Volk und dem Willensausdruck des nationalsozialistischen Rechtes.

Gauleiter Adolf Wagner betonte, daß mit der Grundsteinlegung bie deutschen Juristen einen Wunsch des Führers vollziehen, der darin besteht, daß im Laufe der Zeit sämtliche Gliederun­gen und sämtliche Verbände der NSDAP, ihre Heimstätte und ihre Führung hier in München als der Hauptstadt der Bewegung be­kommen sollen. Dr. Frank bat dann Reichsminister R u st als den Betreuer der deutschen Wissenschaft und damit auch der deutschen Rechtswissenschaft, den Grundstein zu dem neuen Werk zu legen. Während die Festgäste die Hand zum deutschen Gruß erhoben und Raketen krachten, versenkten die Steinmetze in ihrer alten Zunfttracht die Urkunde in das Gemäuer. Reichsminister Rust vollzog hier­auf die feierliche Grundsteinlegung.

Bergung der Hacksruchiernie.

Göring ordnet den Einsatz des Reichs­arbeitsdienstes an.

Berlin. 24. Oft. (DJIB.) Ministerpräsident Generaloberst Göring hat in Verfolg der dring­lichen Maßnahmen für die Durchführung des Vierjahreplanes den Einsatz des gesamten Reichsarbeitsdienstes zur Bergung der Hackfruchternte im Einvernehmen mit dem Reichs­arbeitsführer Reichsleiter hier! angeordnet. Der Befehl, der sich notwendig gemacht hat durch den frühen Eintritt der kalten Witterung, hat bei der gesamten Bauernschaft lebhaften Widerhall gefunden. Die beschleunigte Bergung der Hackfruchternte ist bereits in vollem Gange. Die Anforderungen des Reichsarbeits­dienstes werden von den Ortsbauernführern für die einzelnen Betriebe gesammelt und an die Kreis­bauernführer weitergeleitet. Diese geben sie an die Führer der Reichsarbeitsdienstgruppen weiter. Der Einsatz erfolgt für ein geschlossenes Arbeitsgebiet in Abteilungs- oder Zugstärke, im Rotfalle auch in Truppstärke. 3n jedem Arbeitsbereich wird dann die Verteilung der Arbeitsmänner zur Arbeit auf die einzelnen Betriebe vorgenommen. Der Einsatz erfolgt auch an Sonn- und Feiertagen. Es ist Vor­sorge getroffen, daß in den Gebieten, in denen die Stärke des Arbeitsdienstes nicht ausreicht, Reichs- arbeitsdiensiabteilungen aus anderen Bezirken ein­gesetzt werden.

Reichsdeutsche Crntedankfeier in Wien.

Gauleiter Bohle und Botschafter v. Papen sprechen.

W i e n , 24. Okt. (DNB.) Im Konzerthaussaal fand die große Erntedankfeier der reichsdeutschen Kolonie statt, die ihre besondere Note durch die Anwesenheit des Gauleiters der Auslandsorganisation, Bohle, und des österreichischen Bundesministers G l a i f e » Horftenau erhielt, lieber 4000 Personen begrüß­ten stürmisch den Gauleiter, als er in Parteiuniform den Saal betrat. Konsul Vernarb erklärte, bah sich bie Reichsbeutschen Oesterreichs niemals in die innerpolitischen Angelegenheiten des Gastlandes ein­mischen würden, aber diszipliniert und geschlossen hinter Adolf Hitler ständen. Dann sprach Gauleiter Bohle, immer wieder von jubelndem Beifall unter­brochen.

Anschließend betrat Botschafter von Papen das mit Erntekränzen geschmückte Rednerpult. Uns, so sagte er, die wir außerhalb des Reiches Gren­zen, aber doch in diesem wunderbaren kerndeut­schen Land wohnen, packt das geschichtliche Ge­schehen dieser Zeit, der Umbruch der Geschichte, vielmehr noch ans Herz als die daheim. Männer, nicht Maßnahmen machen Geschichte. Das wird uns klar, wenn wir die Politik des Führers in ihren großen Linien sehen. Wie würde es möglich gewesen sein, die ganze starke gesammelte mora­lische Kraft des deutschen Volkes den zersetzenden nihilistischen Tendenzen, die Europa bedrohen, ent­gegenzustellen, hätten wir uns nicht an dieser ge­schichtlichen Wende größten Ausmaßes wieder in Einigkeit zusammengefunden. Daher muß man den mutigen und weisen Entschluß, den der Führer des Reiches und der Bundeskanzler Oesterreichs am 11. Juli in die Tat umsetzten, zuerst von dieser großen Perspektive aus betrachten. Es ist ein ver­heißendes Symbol, daß wir heute zum erstenmal in unserer Mitte Seine Exzellenz den Bundes­minister Glaise-Horstenau begrüßen dürfen, den Waffengefährten aus großer Zeit, den Heimattreuen Oesterreicher und überzeugten

Deutschen, den Garanten des neuen Weges, auf dem Oesterreich nach Geschichte und Berufung eine wichtige Sendung im Donauraum zufällt. Wir treiben eine Politik der nationalen Notwendigkeiten. Und deshalb wünschen wir, daß andere Nationen das Werk europäischer Rekonstruktion mit uns gemeinsam för- d e r n möchten, indem sie den Grundsatz durch­führen, künstliche, nur aus machtpolitischen Grün­den errichtete Interessensphären aufzugeben und sich auf das zu beschränken, was ihre wohlver­standenen nationalen Notwendigkeiten erfordern. Niemand hat allein Anspruch auf imperiale Be­herrschung der Welt oder ihrer Güter, die für den Fortschritt der gesamten Menschheit unentbehr­lich sind. Die Welt soll wissen, daß es neben dem britischen Weltreich, der großen französischen Na­tion und dem jung erstandenen italienischen Im­perium im Herzen Europas ein deutsches Volk gibt, das in allen seinen Stämmen einer tausend­jährigen Tradition getreu für den Frieden und die Wohlfahrt der Welt alle seine Kräfte einzusetzen gewillt ist.

Ehrentag -er Hochseefischerei.

GörmgweihtdasEhrenmalinGeestemünde-

Wesermünde, 25. Okt. (DNB.) Unter großer Beteiligung der Bevölkerung fand die Grundstein­legung des Hochseesischer-Ehrenmals in PZeser- münbe statt. Ministerpräsident Generaloberst G ö- r i n g würbe von Tausenden Volksgenossen mit jubelnben Zurufen begrüßt. An ber Geestemole würbe er vom Leiter des Verbandes der deutschen Hochseefischereien, Direktor A h l f, begrüßt. Nach dem Abschreiten der Front der Formationen führte der Ministerpräsident u. a. aus: Auch die Arbeit der Hochseefischerei, ihr Erfolg und ihre Leistung sind von Bedeutung für den Vierjahresplan, dessen Durchführung der Führer mir übertragen

hat. Wenn manchmal Fett und Fleisch vorüber­gehend knapp werden, bann wirb bie Fischerei um so höhere Bebeutung gewinnen. Die Binnenfische­rei unb auch bie ber Küste, so wichtig sie sinb, sinb babei nicht ausschlaggebend; bas Schwerge­wicht kann hier nur bei ber Hochseefischerei liegen. Die letzten vier Jahre haben der Hochsee­fischerei einen großen Aufstieg gebracht. Wir müs­sen jetzt erst recht beginnen, in den nächsten vier Jahren bis an bie Grenze bes Möglichen Zu gehen. Wir werben bie Hochseefischerei, zu ber nun neuerbings auch ber Walfang zu rech­nen ist, mehr unb mehr ausbauen, bie Leistung unb ben Ertrag steigern.

Worte des Dankes unb der Anerkennung fand der Ministerpräsident für die schwere Arbeit und Tätigkeit der Hochseefischer. Schon allein diese schwere Arbeit und der Leistungseinsatz sowie die mit der Hochseefischerei verbundenen Gefahren geben ein Recht, den Hochseefischern ei n Ehren- mal zu setzen. Den fast 2500 Opfern aus diesem schweren Arbeitsgebiet zum Dank und zur Erinne­rung ein Ehrenmal zu errichten, ist uns eine Ehrenpflicht. Sodann fand der feierliche Akt der Grundsteinlegung des Ehrenmals statt. Im An­schluß daran fand im Rathaus zu Wesermünde die feierliche Uebergabe des Ehrenbürgerbrie­fes der Stadt Wesermünde an den Mi­nisterpräsidenten statt.

Aus aller Wett.

Führer des Deutschen Sängerbundes in Graz herzlich begrüßt.

Die auf einer Besuchsfahrt durch Oesterreich be­findlichen Führer des Deutschen Sänger­bundes sind aus Wien in Graz eingetroffen. Rach Besuchen beim Landeshauptmann Dr. Ste - pan und beim Bürgermeister der Stadt nahmen sie an einer ihnen zu Ehren gegebenen Festveran­

staltung teil, zu der die Gesangvereine aus ganz Steiermark Vertretungen entsandt hatten. Auf die mit großem Beifall aufgenommene Begrüßungs­ansprache des Obmannes des Steierischen Sänger­bundes erwiderte der Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes, Oberbürgermeister Dr. Meister aus Herne i. W., indem er für den brüderlichen Empfang in der Steiermark dankte und auf die Kulturmission des Sängerbundes verwies, der überall dort, wo Deutsche wohnen, das deutsche Lied pflegen will.

Großfeuer in einer englischen Munitionsfabrik.

In einem großen Packraum der Munitionsfabrik der Vickers-Armstrong-Werke in Crayford brach ein Großfeuer aus, das in Anbetracht der großen Munitionsoorräte leicht hätte äußerst gefährlich werden können. Die Feuerwehren sämtlicher um­liegender Städte sowie sämtliche Arbeiter und An­gestellte beteiligten sich an den Löscharbeiten, und den gemeinsamen Anstrengungen gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden ist erheblich. Zahlreiche Arbeiter wurden verwun­det. Sonderbarerweise ist dies bereits die zweite Brandkatastrophe, die sich innerhalb eines halben Jahres in dem Werk ereignete, ohne daß man die Ursache feststellen konnte. Ein zweiter Brand suchte den Flugplatz von Brookland heim. Das Feuer vernichtet 8 von 40 Flugzeugen, die sich in den Schuppen befanden. Brookland ist der älteste Zioilflughafen Englands, der während des Krieges zu Ausbildungszwecken benutzt wurde.

Feuergefecht mit Schmugglern an der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze.

In einer der letzten Nächte kam es an der öster­reichisch-tschechoslowakischen Grenze bei Lunden- burg zu einem schweren Feuergefecht zwi­schen Schmugglern und Grenzwäch­tern. Drei Tabakschmuggler wurden von einem österreichischen Zollbeamten überrascht. Während der Beamte die tschechoslowakischen Grenzbehörden alarmierte, bestiegen die Schmuggler einen Kraft­wagen und flüchteten über die tschechoslowakische Grenze. Die Verfolgung wurde sofort aufgenom­men, doch gelang es den Schmugglern, sich durch ununterbrochenes Schießen die Verfolger vom Leibe zu halten und zu entkommen.

Wetterbericht

des Relchswelterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Vom Atlantik her setzt sich die lebhafte Wirbel­tätigkeit fort. Dabei werden mit heftigen westlichen Winden aus den verschiedensten Meeresgebieten stammende Luftmassen auf das europäische Fest­land verfrachtet; sie geben zu rasch wechselndem, aber auch regnerischem Wetter Anlaß.

Aussichten für Dienstag: Nach ver­breiteten Regenfällen wieder mehr wechselnd be­wölktes Wetter mit einzelnen Schauern. Bei kräfti­gen, zeitweise westlichen Winden anfänglich mild, bann wieder frischer.

Lufttemperaturen am 25. Oktober: mittags 13,6 Grad Celsius, abends 9,2 Grad; am 26. Oktober: morgens 4,5 Grad. Maximum 14,2 Grad, Minimum heute nacht 4,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Oktober: abends 10,5 Grad; am 26. Ok­tober: moraens 7,7 Grad. Niederschläge 2,2 mm. Sonnenscheindauer 1,5 Stunden.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags

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