Ausgabe 
26.10.1936
 
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des realistischen Sinnes, der die deutsche Politik er­fülle. Das Beispiel verdiene nachgeahmt zu wer­den, damit die Politik Europas und der Welt zu jenem grundlegenden Ernst zurückkehren könne, von welchem sie sich durch den Sanktionismus und das äthiopische Possenspiel weit entfernt habe. In Bologna sei der Friedenszweig noch ausdrücklicher und ohne Vorbehalte angeboten worden, aber im gleichen Wirklichkeitssinn müsse er angenom­men und wieder vergolten werden.

Popolo d'Jtalia" schreibt, die Zusammenarbeit vom Obersalzberg sei ein Beweis dafür, daß es in dem Meer von Unruhe unseres Kontinents eine feste und gut verteidigte Insel der Eintracht gebe, die als Beispiel zur Ermutigung und als un­zerstörbare Realität bestehen bleiben werde. Die offizielle Anerkennung des italienischen Imperiums bilde einen Akt der Freundschaft, der die politischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten und die geistigen Verbindungen zwischen den beiden Völkern wesentlich versteifen werde. Diese Geste er­fülle die italienische Seele mit Befriedigung, um so mehr als die Anerkennung von dem national­sozialistischen Deutschland komme, mit dem gerade

in diesen Tagen s o viele gemeinsame geistige Bande festgestellt werden könnten.

Die Friedensbotschaft Mussolinis wird von V o c e d ' I ta l i a" als der erste und authentische Kommentar der glücklichen Arbeitsgemeinschaft der beiden großen Mächte Italien und Deutschland be­zeichnet. Zwischen den beiden Mächten gebe es kerne Komplotte und ebensowenig Einschüchterungs- oder Angriffsabsichten gegenüber Staaten oder politischen Ideen, sondern nur den gemeinsamen Willen, sich freimütig zur gegenseitigen Unterstützung und Ab­wehr die Hand zu reichen. Der Appell Mussolinis fordere zu der großen Zusammenarbeit unter den Völkern auf, zu der die herzliche und mächtige Ver­einigung der italienischen und der deutschen Kräfte einen sicheren Beitrag bilden könne. Der Friedens­appell Mussolinis ergehe in einem Augenblick, in dem Hunderttausende das Werk der Erschließung und Besiedlung Abessiniens beginnen und Italien, das man vereinsamt und geschwächt wähnte, mit seiner Aktion und mit seinen politischen Freund­schaften auftreten könne. Dieser Appell müsse g e - hört und reiflich erwogen werden. Musso­lini biete zum letzten Mal den großen Olioen- zweig an.

Oelzweig über Bajonetten.

Eine Friedensbotschaft Mussolinis.

Rom, 24. Okt. (DRV.) Als Auftakt des Jah­restages des faschistischen Marsches auf Rom hat der italienische Regierungschef die neue Siedlung Corridonia eingeweiht und eine Reihe von öffentlichen Gebäuden in Macerata und Bologna ihrer Bestimmung übergeben. In Bologna sprach der Duce vor den Schwarzhemden der 10. Legion, der Lieblingslegion von Julius Cäsar, dem Be­gründer des ersten römischen Imperiums".

Mussolini gab einen Ueberblick über die letzten zehn Jahre des Faschismus, die er in drei Etappen einteilte, die Etappe der Versöhnung von 1926 bis 1929, die alsgrößtes Ereignis am 11. Februar 1929 den Frieden mit der Kirche brachte". In der zweiten Periode von 1929 bis 1934 fei der korporative Staat aus­gebaut, ganz Libyen erobert und die Triko­lore bis nach Kufra 1000 Kilometer von der Küste entfernt getragen worden. Die -dritte Periode be­ginne mit dem Jahr 1934 und trage den Stempel des Imperiums. Ein Volk ohne Raum müsse ersticken. In sieben Monaten haben wir ein Kaiser­reich erobert gegen eine ganze Koalition, die ihr Hauptquartier an den Ufern des Genfer Sees auf­geschlagen hatte, wo eine Kongregation von poli­tischen Fanatikern den Geist mit dem Buchstaben töten und das übermächtige Leben der Völker durch Paragraphen ersticken möchte. In diesem Augen­blick rücken unsere Kolonnen in großen Märschen in die fruchtbarste Gegend der großen Seen i m Herzen Aequatorial-Afrikas vor. Eine

andere Kolonne stößt gegen den Westen vor, um zu sehen, wo die Phantom-Regierung von Gore noch ausgehoben werden kann. Wenn diese Gebiete, die sechsmal größer sind als Italien, erobert sind, wird Arbeit und Platz für alle sein. Wäh­rend der europäische Horizont im Durcheinander der Unsicherheit und Unordnung sich verdüstere, biete Italien der Welt ein bewundernswertes Beispiel der Geschlossenheit, der Disziplin, der alten römi­schen Bürgcrtugend.

Von diesem Bologna aus, das in den Jahr­hunderten eine Leuchte menschlicher Weisheit war, will ich heute an die Welt eine Botschaft richten, die über die Alpen und Meere reichen soll, eine Bot­schaft des Friedens, des Friedens in der Arbeit und der Arbeit im Frieden. Seit 1929 leiden Millionen und Abermillionen von Männern, Frauen und Kindern unter einer Krise, die, wie jetzt zu­gegeben werden muß, eine Folge des S y - st e m s ist. An der Schwelle des 14. und 15. Jahres der faschistischen Zeitrechnung erhebe ich einen großen Olivenzweig. Dieser Olivenzweig wächst aber wohlgemerkt über einem dichten Wald von acht Millionen Bajonetten." Ungeheure Probleme seien zu bewältigen. Aber sie sollen mutig angefaßt und überwunden werden. Denn es sei der Ge i st, der die Materie meistere, der Geist, der hinter den Bajonetten und Kanonen stehe, der Geist, der die Heiligkeit und den Heldenmut ver­leihe, mit dem Völker wie das italienische Sieg und Ruhm erwerben.

Portugal stellt Moskau als Anstifter des spanischen Bürgerkrieges bloß.

Oie portugiesische Note an den Londoner Nichteinmischungs-Ausschuß.

London, 26. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die portugiesische Regierung hat dem Londoner Nichteinmischungsausschuß eine 21 Sei­ten umfaßende Note überreicht, die sensationelle Enthülungen über die Rolle der kom­munistischen Internationale in Spa­nien enthält. Die Feststellung, daß die blutigen spanischen Wirren von Sowjetrußland ge­plant und angeführt worden seien, wird mit zahlreichen Einzelheiten belegt. Eines der Ziele sei die Entfachung eines Krieges gegen Portugal gewesen. Im vergangenen März seien die bolschewistischen Agitatoren Dena- kum, Losovski, Janson, Riedel, Primac, Berzin und Neumann in Barcelona eingetroffen. Bald dar­auf seien große Mengen von Waffen und Munition auf sowjetrussischen Schif­fen, die alle namentlich aufgeführt werden, in spa­nischen Häfen eingetroffen. Sowjetrußland versuche, eine Revolution in Portugal zu ent­fachen, um die portugiesische Regierung zu stürzen und damit die Möglichkeit zu schaffen, die Streit­kräfte Francos vom Rücken her anzugreifen.

Die Madrider Regierung werde von dem Sow­jetbotschafter Josef Rosenberg beherrscht, dem drei Gehilfen von anerkannter revolutionärer Er­fahrung zur Seite stehen, nämlich Sokolino, Bon- derenko und Winter, der Rüstungssachverständiger sei. Josef Rosenberg nehme an den soanischen Ka­binettssitzungen teil, eine Tatsache, die wohl einzigartig in der diplomatischen Geschichte dastehe. Kurz nach seiner Ankunft in Madrid habe Rosenbergeine Sitzung" einberufen, in der Ca­ballero zum Ministerpräsidenten gewählt wor­den sei. Auch in Barcelona werde die Regie­rung von einem Sowjetvertreter beherrscht, dem Konsul Antonow-Owsejenko.. 3m September seien in Barcelona 55 sowjetrussische Offi­ziere gelandet, die die Leitung der militäri­schen Dinge übernommen haben. In Katalonien seien zahlreiche sowjetrussische Flackgeschütze aufge­stellt. Ende September seien 10 Kisten mit Flug­zeugteilen und Munition aus Sowjetrußland ein­getroffen. Es wird dann mitgeteilt, daß das Sow­jetschiffNewa" und das mexikanische SchiffJua- lisco" im gegenwärtigen Augenblick große Men­gen sowjetrussischen Kriegsmate­rials in Alicante ausladen.

Unerhörtes Ansinnen Moskaus.

Französische Häfen als Stützpunkte für die rote Kriegsflotte.

Paris, 26. Okt. (DNB. Funksvruch.)Echo de Paris" berichtet aus Biarritz, daß Außenminister D e l b o s vor feiner Rückkehr nach Paris eine lange telephonische Unterredung mit dem eng­lisch e n A u ß e n m i n i st er gehabt habe über die gemeinsame Haltung gegenüber Moskau in der Frage der Neutralität. Die Moskauer Regierung beabsichtigt nämlich, Paris auf^ufordern, ihr auf Grund des französisch - sowjetrussischen Paktes d i e französischen Häfen für die sowjet- russische Kriegs- uund Handelsflotte zur Verfügung zu stellen, die bei ihren Fahrten in die spanischen roten Hafenstädte B r e n n st o f f oder Nahrungsmittel übernehmen wollten. (!) Der französische Außenminister halte diese For- berung für unannehmbar, weil der Sowjet­pakt in diesem Falle keine Anwendung finden könne.

DieDepesche de Toulouse", das größte und ein­flußreichste Organ der radikalsozialistischen Partei,

macht gegen das Ansinnen der Moskauer Regierung scharf Front. Es gebe hier nur eine klare Antwort. Frankreich habe mit Sowjetrußland einen Pakt abgeschlossen, um den Frieden zu festigen, aber nicht, um das Zeitalter der Kreuz­züge wieder ausleben zu lassen. Dies müsse man in Moskau gut verstehen.

Die Umklammerung Madrids.

Front vor Madrid, 25. Okt. (DNB.) Die strategischen Manöver des Generals Mola haben bewirkt, daß die bisher zerrissenen und untereinan­der kaum Verbindung haltenden Teilfronten nörd­lich, westlich und südlich von Madrid zu einer einzigen großen Angriffsfront zusam­mengeschmolzen sind, die sich einheitlich von drei Seiten gegen die Hauptstadt vorschiebt. Die Ge­samtfrontlinie um Madrid erstreckt sich ungefähr auf 75 Kilometer und wird teilweise von der Ge­birgskette der Sierra Guadarrama gedeckt. Die na­tionalen Streitkräfte beherrschen bereits vier auf Madrid führende Straßen: die von Toledo, auf der die Truppen bereits bis auf 30 Kilometer von Madrid vorgedrungen find, die Straße von Estremadura, deren letzter Stütz­punkt Navalcarnero sich seit Tagen im Be­sitze der nationalen Truppen befindet, dae Straße von A v i l a sowie die Straße von Segovia, die über das Guadarrama-Gebirge führt, wo der Bergpaß in einer Entfernung von 35 Kilometer von Madrid bereits erobert ist. Von einem Dorfe drei Kilometer südlich von Escorial konnten die Operationen der nationalen Truppen deutlich übersehen werden. Eine 15-Zentimeter°Batterie schoß vom Ortseingang mit gutem Erfolg auf die stark befestigten Stellungen der Roten, die das Artilleriefeuer heftig erwiderten. Escorial ist von den nationalen Truppen erobert worden.

Keine Fretlaffung von Gxiseln.

Paris, 25.Okt. (DNB.) Außenminister del Vayo hat auf eine Anfrage der englischen Regie­rung wegen der in Madrider Gefängnis­sen als Geiseln fe st gehaltenen Per­sonen geantwortet, daß von Geiseln keine Rede sei, sondern daß einige politische Gegner in Hast gehalten würden. Ihre Freilassung komme nicht in Frage. Weiter wiederholt del Vayo seine alte Behauptung wegen der Belieferung der nationalen Truppen mit ausländischen Waffen. Er appelliert an die demokratischen Regierungen Westeuropas, von deren Beschluß nicht nur das Schicksal Spaniens, sondern auch die Zukunft der

Die Totenbura bei A^oh'.

Für die deutschen Gefallenen der Mazedonienfront.

Bitolj, 25. Okt. (DNB.) Bitolj, früher Mo- nastir, stand im Zeichen der Einweihung des deutschen Ehrenmals, das der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge auf einem Hügel über der Stadt für die Gefallenen der maze­donischen Front errichtet hat. Die Totenburg liegt im Angesicht der Gebirge, auf denen vor zwanzig Jahren die Front verlief. Sie ist das schönste Ehrenmal, das Deutschland seinen Ge­fallenen bisher in der Fremde gebaut hat. 3000 deutsche Soldaten ruhen hier.

Demokratie und Friede.

Tendenziöse Propagandarede Blums.

Paris, 25. Okt. (DNB.) Am Samstag hat Mi­nisterpräsident Blum bei einer sozialdemokratischen Kundgebung in Toulouse eine an altbekannten Schlagworten reiche Propagandarede für dieDemokratie" gehalten. Zu Anfang stellte er die für die Bedeutung des sogenannten Experi­ments Blum wichtige Frage (und beantwortete sie vertrauensvoll mit: Ja), ob in Frankreich und in Europa der friedlichen Demokratie eine Chance bleibe. Wenn die allgemeine Weltherrschaft des Sozialismus hergestellt wäre, meinte Blum, würde der Krieg unvorstellbar sein. Welchen Grund könne das französische Volk haben, um Krieg zu führen? Lasse auch nur ein einziger Franzose den Gedan­ken an Krieg in seinem Geiste anders zu als um den besetzten Boden des Vaterlandes zu verteidigen oder denzur Sicherung des Friedens" übernom­menen Beistandspflichten (!) zu entsprechen?

In besonders tendenziöser Weise den Tatsachen widersprechend fuhr Blum u. a. fort: Wenn über Europa Kriegsgefahren schweben, so sei einer der Hauptgründe dafür, daß die Demokratie nicht unge­teilt herrsche und der Krieg heutzutage vom Ein­zelwillen abhängen könne; daß die Kriegsmöglich­keit im Geiste allmächtiger Männer, die Herren der Geschicke ihres Volkes feien, lebendig werden könne, daß der Krieg einem Prestigebedürfnis, dem Bewußtsein einer geistigen Mission und der Not­wendigkeit der Erhaltung einer Herrschaft oder eines als geschichtlich angesehenen Werkes entspre­chen könne. Frankreich habe versucht, in der Pra­xis das System der kollektiven Sicherheit und das System der Sonderpakte miteinander in Einklang zu bringen. Als er die Regierung übernommen dabe, seien seine Grundsätze stark in Mitleidenschaft gezogen aewesen; das System der kollektiven Sicherheit durch den Mißerfolg der Sühne­maßnahmen und die Eroberung Abessiniens, das System der Sonderpakte durch die Aufrü­stung Deutschlands und durch die Tatsache, daß Frankreich die anerkannte Vorherrschaft (!) seiner Militärstreitmacht verlor, ferner durch dieKündi- gun$ Locarnos" und die Wiedermilitarisierung der Rheinlandzone. Frankreich habe versucht, wieder aufzubauen und als Zement dabei den demokrati­schen Geist, den Geist der friedlichen Zusammen­gehörigkeit der Völker benutzt. Ohne Unterlaß habe man sich bemüht, die Locarnoverhandlungen bis zu einer allgemeinen Regelung der europäischen Probleme auszuweiten. Die Menschen werden nicht denen einen ungerechten Vorteil zugestehen, die innerpolitisch über den bürgerlichen Freiheiten die Drohuna ihres Komplotts und auf den Weltfrie­denswillen die Drohung des Kriegseistes lasten lassen.

Die Beweisführung, mit der der französische Ministerpräsident Blum seine These von den an­geblich friedensfördernden Kräften der Demokratie begründet, läßt sich mit der politischen Wirklichkeit nicht in Einklang bringen. Es genügt Spanien

als Beispiel dafür anzuführen, daß eine führerlos gewordene Demokratie widerstandslos dem Kom­munismus und damit dem Todfeind jeder Staats« und Gesellschaftsordnung anheimfällt. Wenn überall in der Welt Volk und Staatsführung in dem gleich engen Vertrauensverhältnis zueinander ständen wie in Deutschland, würden die Zeitungen heute nicht voll sein von der roten Schreckensherrschaft in Spanien, von der scharfen Kritik am Volkssront- experiment im demokratischen Frankreich oder dem Kampf zwischen Regierung und nationaler Opposition in Belgien. Ein besserer Zement für das europäische Friedensgebäude als blutleere Phrasen van der Heilkraft demokratischen Geistes ist eine Realpolitik, die die nationalen Interessen der Völker anerkennt und ihre Gleichberechtigung achtet.e.

Radikals ozialistischeFordemngen an Slum.

Das Ergebnis von Biarritz.

Paris, 25. Okt. (DNB.) Der Radikalsozialistische Parteitag in Biarritz hat eine Entschließung einstim­mig angenommen, die vorn Parteivorsitzenden D a lädier vorgeschlagen worden mar.

In der Entschließung wird auf die Unverletz­lichkeit des Eigentums verwiesen und er­klärt, daß die Besetzung von Fabriken und sonstigen Wirtschaftsbetrieben eine unzulässige Beein­trächtigung der Freiheit darstelle. Die un­aufhörliche Verhetzung der Straße, gleich­gültig von welcher Seite sie komme, sei unvereinbar mit der Ankurbelung des Wirtschaftslebens. Als Grundsätze der radikalsozialistischen Politik werden dann die Wahrung des internationalen Friedens durch Erhaltung der Freundschaften, Achtung der eingegangenen Verpflichtungen und des Dölkerbundstatuts, wachsame Ausschaltung der mög­lichen Konfliktsursachen in Europa und allgemeine Initiative zur Milderung der Bürgerkriegsgreuel bezeichnet. Die Entschließung tritt ferner für d i e Verstärkung der nationalen Vertei­digung sowie für die Verstärkung der nationalen Souveränität und der öffentlichen Ordnung unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften im Hinblick auf die Entwaffnung und Auflösung allerf a s ch i st i s ch e n" Verbände ein. Die sozialen Streitigkeiten sollen durch ein obliga­torisches Schiedsgerichtsverfahren einer Lösung zugeführt werden. Schließlich wird d i e Wahrung der Staatsautorität gegen alle Angriffe, insonderheit solche der großen Inter­essengemeinschaften, und der Ausgleich.des Staats­haushalts gefordert. Die radikalsozialiftifchen Ver­treter im Parlament seien beauftragt, für die ge­wissenhafte Durchführung dieser Grundsätze zu sor­gen, während die radikalsozialistischen Kabinettsmit­glieder diese Grundsätze im Rahmen der Regierungs­tätigkeit zu verwirklichen hätten.

Der kritische Sonntag in Belgien.

Der Führer der Bexbewegung verhaftet. Erregte Straßendemonstrationen in Brüstet.

Brüssel, 25. Okt. (DNB.) Am Sonntagvor­mittag fand anläßlich des Jahrestages der Schlacht an der Pser, wie alljährlich, ein Vorbeimarsch der Kriegsteilnehmer und der Kriegsopferverbände vor dem König statt. Auf der Ehrentribüne, auf dem Schloß platz, hatten außer dem König, der Ministerpräsident van Z e e l a n d, mehrere höhere Offiziere und die Mi­litärattaches Frankreichs und Italiens Platz genom­men. Der flämische Frontkämpfer- bunt) und der Verband der Kriegsinva­liden nahmen an dem Vorbeimarsch nicht teil. Die Rexisten hatten von ihrer ursprünglichen Absicht, bei dem Vorbeimarsch Spalier zu bil­den, A b st a n d genommen. Sie versammelten sich zu der gleichen Zeit in der Kathedrale St. G u - d u l e. Als die Messe vorüber war und eine zahl­reiche Menschenmenge, darunter besonders viele Rexisten und frühere Frontkämpfer, das Gottes­haus verließen, hielt Begreife vom Balkon eines Hauses, gegenüber der Kirche, eine An­sprache. Als er das Haus verlassen wollte, wur­den er und seine Begleiter von Polizeibeamten verhaftet. Die Massenversammlung, die um 13.30 Uhr trotz des Verbotes der Regierung statt- finden sollte, wurde daraufhin abgesagt.

Die Nachricht von der Verhaftung Degrelles ver­breitete sich in der Stadt wie ein Lauffeuer. Im Zentrum der Stadt war ein Heer von Polizei und berittenen Gendarmen aufmarschiert, um die Ord­nung aufrechtzuerhalten. In starken Trupps zogen die Anhänger Degrelles durch die Straßen und forderten im Sprechchor die Freilassung ihres Führers. Ueberall hörte man den Ruf:Es lebe Degrelle!" dazwischen wurden auch Hoch!-Rufe auf den König und auf Belgien laut. In den späten

Abendstunden versuchten die Rexisten, in einer der belebtesten Straßen eine improvisierte Versamm­lung abzuhalten, wurden aber von der Polizei daran gehindert. Besonders erregt war die Stim­mung in der Nähe des Rexlokals an der Börse, wo Rexisten mit marxistischen Gegnern aneinander- gerieten. Berittene Gendarmerie mußte wieder in Tätigkeit treten, um die Bürgersteige und Straßen von den Kundgebern zu säubern.

Der Vertreter Degrelles hat folgendes Manifest an die Bevölkerung erlassen:Am 25. Oktober hat die Regierung unter Verletzung der Verfassung unsere große Volksversammlung verboten. Vertreter aller rexistischen Organisa­tionen des Landes haben Leon Degrelle ihre tiefe Anhänglichkeit bekunden wollen. Gleichzeitig woll­ten sie der belgischen Bevölkerung ihre unerschütter­liche Treue in die nationalen Einrichtungen be­zeugen. Eine im Zeichen des Marxismus stehende Regierung fordert uns heraus. Wir werden stets die Legalität achten. Mitbürger! Fordert die Freilassung LeOn Degrelles, der ver­haftet worden ist, weil er die Plünderer des Volks- vermögens und die skrupellosen Parteipolitiker de­maskiert hat. Mitbürger! Widersetzt euch mehr denn je der drohenden roten Diktatur und den Ge­walttaten der moskowitischen Diebe!"

Degrelle auf freiem $u6.

Brüssel, 26. Oft (DNB. Funkspruch.) Am Monlagmorgen um 1 Uhr ist der Führer der Rex-Bewegung, der am Sonntag nach einer Kundgebung mit politischen Freunden verhaftet wurde, mit diesen wieder freigelassen worden.

Unter den wehenden deutschen und jugoslawischen Fahnen vollzog sich die Feierstunde, die beide Völ­ker gemeinsam begingen. Rach der zeremoniellen Handlung sprach für den Volksbund der Bunde«- führer Dr. Eulen. Das neue Deutschland und das neue Jugoslawien hätten ihren Ursprung in dem heldischen Opfer der besten Söhne ihrer Völker. Er überbringe die Grüße des Führers und Reichs­kanzlers an die Gefallenen und deren Eltern, die ihre Söhne dem Vaterland gaben. Der Stadt Bitolj, die Deutschland den Hügel für das Mal schenkte, übergab er ein Glockenspiel, das vom Stadtturm aus neben der jugoslawischen Hymne da« Lied vom guten Kameraden spielen werde. Außer dem deutschen Gesandten und Dr. Eulen legten Oberst Reinecke im Auftrage des Reichs- kriegsminifters, Ortsgruppenleiter Mühlmann, Ver­treter jugoslawischer Behörden, die Militärattaches von Oesterreich, Ungarn, Frankreich und Bulgarien, der rumänische Generalkonsul und verschiedene Ver­bände Kränze nieder Ein jugoslawischer Chor aus Bitolj sang das Deutschlandlied in deutscher Sprache.

Kleine politische Nachrichten.

Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, D. Dorpmüller, Reichsbahndirektor Prang und der Direktor der Deutschen Reichsbahn Dr. Sommer sind in Begleitung des Generaldirektors der Österreichischen Bundesbahnen, Schöpfer, in Wien eingetroffen. Zu ihren Ehren gab der

Generaldirektor Schöpfer ein Frühstück, an dem auch der Staatssekretär für Aeußeres, Dr. Schmidt, und der Präsident der Nationalbank, Dr. K n i e b ö ck, teilnahmen.

*

Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbe­fehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Göring, traf zur Teilnahme an der Weihe des Kom­mandogebäudes des Luftkreifes VI (See), dem sämtliche deutschen Seefliegerhorste an der Nord- und Ostseeküste unterstehen, in Kiel ein.

Botschafter von Ribbentrop hat Sonntag abend die Reise nach London angetreten, um dort die Geschäfte der deutschen Botschaft zu über­nehmen. Zur Abfahrt hatten sich Mitglieder der Dienststelle des Botschafters eingefunden. Ferner Vertreter des Auswärtigen Amtes, der Geschäfts­träger der britischen Botschaft.

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