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sagt der Prüfungskommissar,nun wollen wir einmal sehen, wie es um Ihr All, gemeinwissen steht!" Er stellt ein paar Fragen, aber jetzt versagt der Prüfling bei den einfachsten Dingen. Die neuen Gesetze und Verordnungen kennt er nur oberflächlich. Über politische Wandlungen der letzten Zeit, über die Ereignisse In Spa, men, Abessinien oder Griechenland weiß er kaum etwas zu sagen. Wirtschaftliche Fragen sind ihm ein Buch mu sieben Sie, geln. - Der Prüfling fällt durchs Ex, amen! Auf ferne Beschwerde, er hätte das Fachliche doch beherrscht, während die all­gemeinen Fragen im Umerricht gar nicht behandelt worden seien, bekam er zur Antwort:Darüber weiß doch heutzu­tage tedes Kind Bescheid, das sieht ja jeden Tag ausführlich in der Zeitung!"

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macht gegeben, wobei nicht außer acht gelassen werden darf, was das für einen Entschluß der Zweibundmächte zum Kriege bedeutete, denn gerade die schlechte Verbindungsmöglichkeit zwischen Ruß­land und Frankreich in Kriegszeiten hatte bei allen früheren Generalstabsbesprechungen die Hauptsorge gebildet. Diese Sorge war behoben." Auch auf dem dornigen Gebiet des russischen Eisenbahn­bau e s wurden nun, durch den Abschluß einer neuen großen Anleihe Rußlands in Frankreich in Höhe von 2,5 Milliarden Francs, bedeutende Fortschritte erzielt. Der Weltkrieg hat die russisch­französischen Finanzpläne dann nicht zur Auswir­kung kommen lassen, und gerade Rußland war es, das durch seine Gesamtmobilmachung von Heer und Flotte am 30. Juli 1914 den Mechanismus der Bündnisse, Ententen und Generalstabsabmachun­gen auslöste.Wer ohne Voreingenommenheit auf die stanko-russischen Generalstabsbesprechungen von 1892 bis 1913 und auf die Marinekonoention vom 16. Juli 1912 zurückblickt, kann sich der Ueberzeu- gung nicht verschließen, daß in diesen Besprechun­gen für Deutschland bei seiner gefährdeten geopoli­

Letzte Erntetage.

Von Karl Benno von Mechow.

Roch in den letzten Erntetagen des Roggeneinfah­rens begannen die Maschinen, die Gerste abzumähen und dann gleich anschließend den Hafer. Die Gerste wurde gar nicht erst aufgestellt, sondern aus breiten Schwaden in dicke Gebunde zusammengenommen und gleich auf den hinterdrein fahrenden Wagen geladen. Der Hafer stand in ganz kleinen Stiegen, die nicht höher waren als die niedrigen Borstenhindernisse einer Reitschule für Anfänger, über die man auch zu Fuß mit geringem Anlauf leicht hinwegspringen konnte, was öfters geübt wurde. Es sah kläglich aus, und das Abräumen dieser Sommersrucht ging allzu schnell vonstatten.

Die Lupinenfelder hatten ihr herrlich gelbes Blühen bis weit in den August hinein ausgedehnt und schienen nicht von ihrer Pracht lassen zu wollen. Die ganze Sommerluft war von ihrem süßen Blü­tenatem erfüllt, und der Abendwind wehte ihn weit über das Dorf hin und zu den Fenstern hinein. Er brachte auch schon zuweilen ein herbstliches Schaudern mit und die leisen Vorboten einer Som­merwende. Aus den Wiesen stiegen Dämpfe ins Mondlicht hinauf und breiteten sich empfindlich kühl über die Niederungen. In schier grenzenlose Weiten dehnten sich die kahlen Stoppelfelder, und mit ihrem Erscheinen war das Land von der so gewaltsamen Einteilung in regelmäßige Felder mit unnatürlich geraden Grenzen nahezu befreit.

Im dichten Schilf des Seeufers plätscherten leise die kleinen Wellen, die der Nachtwind ans Ufer drängte. Das eifrige Geschnatter des Rohrschwätzers, der den ganzen Tag lang munter gewesen war, ließ sich auch nur noch selten hören. Statt dessen quarrten von überall her, aus allen Teichen und Pfuhlen auf den Feldern und in den stillen Seewinkeln die Frösche im Chor.

Eine süße, schwermütige Verzauberung legte sich über das Land, dessen allzu strenge Kargheiten der silberne Mond mit weicher Güte überstrahlte und dem nüchternen mittäglichen Ausdruck entrückte. Die Wohlgerüche der Nachtblumen und des welkenden Heus der zweiten Ernte der leise Derwesungsduft mächtiger Gewächse an den feuchten Ufern vermisch­ten sich mit dem überall hindringenden Duft der Lu­pinen zu einem trunken machenden Atem der Nacht.

Und durch die duftende Stille und Einsamkeit ging oft kein anderer Laut als der von unten nach oben hinziehende Ruf des großen Brachvogels, als wolle oer in Tönen laut werden lassen, was Farbe und Pinie den Augen, was der betäubende Duft dem Geruchsinn vermittelten.

tischen Lage Im Innern Europas eine außergewöhn­lich schwere Bedrohung gelegen hat". So faßt Schwertfeger zusammen.

Die Kriegsoorbereitungen Frankreichs und Ruß- lanvs vor 1914 waren völlig auf Deutschland ab­gestellt. Das deutsche Memorandum vom 7. März 1936 sagt:Es ist unbestritten, daß sich der fran­zösisch-sowjetrussische Vertrag ausschließlich gegen Deutschland richtet". Die neuen Gene­ralstabsbesprechungen zwischen Frankreich und der Großmacht, die eingestandenermaßen die Weltrevo­lution anstrebt, setzen das Verfahren der Vorkriegszeit fort. Sie bedeuten also für Deutschland die gleiche Gefahr, ja, sie bedeuten eine

noch vielfach größere Gefahr, denn die Gestaltung der staatlichen Grenzen im osteuropäischen Raum durch Versailles (die Abtrennung Ostpreu- ß e n s vom Reich und die Schaffung der neuerdings ebenfalls mit Moskau verbündeten T f ch e choslo- w a k e i) hat Deutschlands Lage gegen früher erheb­lich verschlechtert. Die Kenntnis der gemeinsamen franko-russischen Generalstabsarbeit vor dem Welt­krieg liefert der Haltung der neuen Außenpolitik Deutschlands wichtige neue Grundlagen. Der neue Beistandspakt zwischen Paris und Moskau hat dem Locarno-Abkommen von 1925 tatsächlich den letzten Sinn genommen.

Besinnliche Weltreise.

Von unserem E. M.-Sonderberichterstatier.

ix.

Eindrücke auf Sumatra.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Padang, im August 1936.

Mit einem Ruck hielt plötzlich das Auto und neben mir fragte jemand:Ziege oder Huhn?" Die Frage war berechtigt, denn insgesamt fünf dieser Tiere hatten wir seit Medan schon erlegt. Wir lehnten uns also pflichtschuldigst aus dem Wagen heraus. Nichts war zu sehen als ein gesti­kulierender Chauffeur, der mitdi kanan toewan rechts, Herrauf eine hohe weiße Säule zeigte. Die Aequatorsäule! Richtig, die hatten wir ja ganz vergessen.Jetzt werden wir also langsam Antipoden", lautete die Frage, die gewissermaßen als Kommentar zu einem Spaziergang über den Aequator an mich gerichtet wurde.Sehr langsam, denn bis Neuseeland ist noch ein weiter Weg!" antwortete ich allwissend.

Kaum zwei Stunden später sollte ich aber dar­über belehrt werden, wie schnell die Welt Kopf stehen kann. Zu diesem Zeitpunkt waren wir näm­lich in Fort de Kock, dem Ferienort fast aller Europäer an der Westküste von Sumatra. Die Stadt liegt 900 Meter hoch zwischen den gewaltigen Vulkanen Merapi, dem Berg des Feuers, und dem S i n g a l a n g, die ehedem diese ganze Land­schaft wild zerrissen haben und zwei traumhafte Seen von gewaltigen Ausmaßen, die von Manindjau und Singkarak hinterlassen haben. In der Stadt selber liegt das imposante K a r b a u e n a a t, riesige Canons, die unmittelbar von der Straße senkrecht 125 Meter in das Flußbett klarer Gebirgsbäche hinabfallen. Schön und kühl genug ist es hier, man braucht des Nachts sogar wieder Wolldecken, um Wochen bleiben zu können. Wir erreichen den Ort gerade zur Mittagszeit. Als wir im Speisesaal des Hotels erschienen, trafen uns mißbilligende Blicke. Ich konnte mir zunächst gar keinen Vers darauf machen und stutzte erst, als sich auf meinen Ruf Boy" niemand meldete, obwohl der Saal von malayischen Bedienten nur so wimmelte.

Ein Herr grinste mich schadenfroh an und rief dann laut und provozierend:Djongos", ein Ruf, auf den hin sofort Bewegung unter den Malayen entstand.

Ich musterte mein Gegenüber etwas genauer: Ein schmaler, schwarzhaariger Mann, der unver­kennbar stark östliche Züge zeigte, ein I n d o - europäer. Es waren im Saal noch zahlreiche andere Rassegenossen anwesend. Urplötzlich tauchte vor mir die Aequatorsäule wieder auf. Ich begriff auf einmal, daß sie mehr als ein geogra­phischer Punkt ist. Es wurde mir klar, daß sie Welten trennt. Nördlich von ihr herrscht eng­lische Lebensweise und Einstellung vor. Dort sprechen die Europäer ganz offen von Halfcasts oder Gemengten, Wörter, die südlich von ihr, vor allem in Java, beleidigend sind. Hier kommt es häufig genug vor, daß die Jndoeuropäer die höchsten Stellen am Platze einnehmen, dort sind sie auch gesellschaftlich gemieden. Wie ist das möglich? Nun, die Westküste Sumatras ist wie Südsumatra und Java altes holländisches Kolonialland, während nördlich vom Aequator moderne, kaum fünfzig­jährige Grohplantagenwirtschast vorherrscht, die noch

dazu das englische Singapurs als Nachbarn und nur mit zugewanderten Kulis zu tun hat. Die Mischungen zwischen weiß und braun stammen fast ausnahmslos aus der alten Kolonialzeit, in der die europäische Frau nur ein Durchschnitts­alter von knapp dreißig Jahren erreichte, was man auf dem Friedhof von Batavia immer wieder er­schüttert feststellen muß.

Hat ipan all diese Eindrücke schon in dem relativ neuen Fort de Kock, so zerstreut die nur rund 100 Kilometer von hier entfernt liegende Hauptstadt Padang den letzten Zweifel, daß man südlich vom Aequator ein anderes Land betreten hat. Ich wanderte eines Morgens über die Handelskade dieses Hafenplatzes. Dort bot sich mir ein über­raschendes Bild. Die Straße zeigte eine nur lose zusammenhängende Front. Im wesentlichen besteht sie aus kleinen weißgestrichenen Häusern. Unmittel­bar neben der asphaltierten Straße ziehen sich die Gleise der Eisenbahn entlang. Die andere Seite der Straße ist Flußufer mit einem breiten Grasstreifen davor. Vergeblich suchte ich nach modernen Schiffen, Lastautos, Kränen und was sonst noch zu den Häfen unserer Zeit gehört. Auf dem Fluß lagen nur malayische Hochseesegler, keine Diermastbarken, son­dern einmastige Schoner. Sie kommen von den Inseln und bringen Kopra, Rotang und andere Produkte der Wälder. Neben den Schienen standen endlose Reihen von zweirädrigen Ochsenkarren, die aus dem Innern des Landes gekommen waren. Sie waren auHgeschirrt und die Karbauen mit ihren pflugschargroßen Hörnern grasten friedlich auf der Handelskade. Zwischen den Schienen lag Kopra und Rotang zum Trocknen in der Sonne; unter einem Baum flochten malayische Seefahrer Schiffs­taue aus Pflanzenbast.

Hier schienen die Jahrhunderte spurlos Darüber» gegangen zu sein. So wie heute handelten sicher auch die ersten Holländer, die sich an der Westküste von Sumatra niedergelassen haben. Nur ist an die Stelle von Tuch, Spiegeln und anderen den Be­wohnern des Landes damals unbekannt gebliebenen Gegenständen das Geld getreten. Das alte Ver­hältnis zwischen den Europäern und den Minangia- bauern, wie die Malayen hier heißen, hat sich er­halten.

Ich muß auch einmal über dem Weltmarktpreis einkaufen können", sagte mir der nach Ansicht Padangs erfolgreichste Kaufmann der Stadt, der ein Deutscher ist.

Die Menschen leiden hier sehr unter der Krise, und das wichtigste ist, daß man ihnen auch bei ge­ringen Preisen das Gefühl der sicheren Einnahme gibt."

Die Verdienste sind gering. So erzielen die Minangkabauer für 60 Kilogramm (ein Pikol) Kaffee 10 bis 11 Mark! Die Kopraverdienste zählen nach Gulden für die Tonne und es ist ein Glück, daß auch der Reis der besten Sorte nicht mehr als 5 Pfennig das Pfund kostet. Trotzdem rechnet man in den hiesigen Handelskreisen mit der Ausfuhr von einer Million Gulden an Gold zum Ausgleich der kaum noch einzuschränkenden Bedürfnisse der Bevölkerung, obwohl diese längst wieder in ver­stärktem Maße zur Heimarbeit zurückgekehrt ist. Das ist wenigstens ein Glück, denn die Minangka­bauer waren einstmals berühmt wegen ihrer Handwerkskunst. Man muh sich die alten Silber­und Goldschmiedearbeiten, die geschmackvollen We-

Jn diesem dreifachen Bemühen drang die Nacht in das empfängliche Menschenherz, öffnete es und legte die Seele bloß.

Das Geschenk.

Von 3- H Nösler.

Mit einem Geschenk ist es ein eigenes Ding: Es gibt Geschenke aus dem vollen Herzen, Geschenke aus der leichten Hand, es aibt Geschenke, die man gern macht, und es gibt Geschenke, die man machen muß.

Bruno Bauer muß ein Geschenk machen. Seinem Wohnungsnachbarn zum fünsundzwanzigstsn Hoch­zeitstag. Wenn es nach Bruno Bauer ginge, pfiffe er dem Nachbarn lieber eins. Denn erstens haben sie sich nie sonderlich gut vertragen, zweitens war immer der Krach, wer das Licht im Keller hatte brennen lassen ober wer von den Frauen das Waschhaus vorher benutzen durfte, und drittens war Bruno Bauer überhaupt kein Freund von Geschenken. Aber was blieb ihm übrig? Das Ge­schenk mußte gemacht werden. Nun kam es nur noch darauf an, daß es nach viel aussah und nicht viel kostete. Wer kennt diesen Wunsch nicht? In solchen Fällen kauft man bann meistens eine Kristallvase. Die sieht teurer aus, als sie ist, macht ein großes Paket, wird besonders gut verpackt und wie gesagt macht eben etwas her. So dachte auch Bruno Bauer, unö er dachte recht daran.

Bruno Bauer betrat einen Kristallwarenlaben. Was kostet denn das? Was kostet denn dies? Oder jenes?"

Während Bruno Bauer baftanb und mit feinem Geiz kämpfte, fiel ihm ein Haufen Scherben in bie Augen. Nicht daß ihm eine Vase von oben herab ins Auge gefallen wäre, fonbern fein Blick fiel nach unten in eine Ecke, unb bort lagen sie, eine Menge schöner Kristallscherben.

Was ist denn bas?" fragte Bruno Rauer.

Der Inhaber bes Kristallwarenladens sagte be­trübt:Eine große Vase ist uns gestern zerbrochen!"

Da werben Sie vielleicht einen schönen Schreck gekriegt haben", meinte Bruno Bauer,war die Vase sehr teuer?"

Fünfundzwanzig Mark."

Fünfundzwanzig Mark? Eine Masse Geld! Und was machen Sie denn nun mit den Scherben?"

Wegwerfen natürlich!"

Bruno Bauer stand eine Weile stumm.

Könnte ich sie nicht", fragte er dann und es war ihm ein wenig peinlich,ich meine, wenn Sie

sie sowieso nicht brauchen, würden Sie sie mir schenken?"

Schenken?"

Ja. Umsonst. Sie nützen Ihnen doch nichts mehr."

Aber gern."

Bruno Bauer ist entzückt. Bruno Bauer drückt dem Kaufmann die Hand.Ich kaufe auch etwas anderes. Meine Frau braucht ein kleines Senf­näpfchen. Aber Sie müssen mir dafür die zer­brochene Vase für fünfundzwanzig Mark besonders schön einpacken und an diese Adresse senden."

Aber gern. Noch heute?"

Noch heute."

Bruno Bauer ist seines Einfalles mächtig froh. Sein Nachbar wird das Geschenk mit Bruno Bauers Visitenkarte bekommen unb wirb glauben, die teure Vase sei auf bem Transport zerbrochen. Er wird sich aber genieren, dem noblen Spenber etwas von bem Unglück zu erzählen. Denn wenn schon einer für einen so viel Geld ausgibt, bann barf man ihn nicht betrüben. Das verlangt ber Takt unb das verlangt der Anstand.

Am nächsten Morgen läutet Bruno Bauer an bes Nachbarn Türe. Er möchte noch einmal per­sönlich seine Glückwünsche aussprechen, die er gestern mit einer kleinen Aufmerksamkeit

Der Beschenkte schüttelt Bruno Bauer herzlich die Hand.Herzlichen Dank, recht herzlichen Dank."

Hat Ihnen die Vase gefallen?" fragt Bruno Bauer scheinheilig.

Der andere nickt:Sehr. Nur eine Frage, mein lieber Herr Bauer: Warum haben Sie eigentlich jede Scherbe einzeln in Papier packen lassen?"

Bad-Nanheimer Musikfest 1936.

Das dieser Tage veranstaltete Bad-Nauhei­mer Musikfest 1936 war von dem Ringen deutscher Komponisten um eine neue Gestaltungs­form getragen. Ein aus vier Sätzen bestehendes Streichquartett von Johann Friedrich Hoff ver­riet architektonische Geschlossenheit und Klarheit. Max Zipperers Sonate für Klavier und Vio­line ist in ihrer lebendigen Improvisation von frischer Wirkung. In drei Gesängen nach Versen von Hölderlin für mittlere Stimme, Klarinette und Harfe von Alfred v. Beckerath verbindet der Kom­ponist zwar öfter gehaltvolle Formen mit etwa schwächeren, aber bas Ganze trägt auch eigen­geprägte Züge, bie es hörenswert machen. Bruno Stürmer ist ein stark impulsiver Musiker, bas zeigte ein Concertino für zwei Klaviere, ein färben» schillernbes Spiel mit Tönen, bas ein gutes pia-

bereien und die schön geschwungenen Häuser ein­mal ansehen, um zu begreifen, was hier unterzu­gehen drohte. Es wird noch lange dauern, ehe ber falsch verstandene europäische Einfluß wieder vek- schwanden ist: die Wellblechdächer, die Ersatzdecken, die Gold und Silber nur noch vortäuschen, aus denen sie einmal gewebt waren, und die modernen Silberarbeiten, die das Städtchen Kota Gadang heute anbietet.

Merkwürdigerweise hat Padang selbst in den letzten vier Jahren der hoffentlich nur eine Episode vorstellenben Krise weitere Anstrengungen zur Modernisierung gemacht. Schabe, es wirkte damals noch so romantisch mit seinen auf Pfählen gebauten, vor vielen Jahren Schutz gegen Tiere unb lieber» schwemmungen bietenben Holzhäusern. Diesmal fuhr ich sogar am Hause eines Bekannten vorbei, der sich eine zwar wunderschöne, aber moderne Villa an Stelle des blättergedeckten Hauses gebaut hatte. In ber Stabt sinb ihm andere und auch ein imposantes neuzeitliches Rathaus gefolgt. Man sagt, daß bie Stobt sich in ber Hoffnung Gouvernements- Hauptstadt von Sumatra zu werden, umgestellt habe. Aber bie Anstrengungen sollen vergeblich sein gegenüber Medan, das nie anders als modern war, riesige Mengen an tropischen Erzeugnissen ausführt und an der großen Schiffahrtslinie nach China und Japan liegt. Umsonst verweisen hier bie Menschen auf bie Solbatengräber, bie halb von ben Wassern ber Sübsee umspült sein werden, weil die Küste Westsumatras abbröckelt man hört den Donner ber Brandung des Nachts bis in die Stadt hinein. Sie sind Zeuge dafür, baß man ehe­mals um diese Länder kämpfte und nicht um die Sümpfe Medans. Die Zeit hat das längst ver­gessen. Heute zählen die geschichtlichen Erinnerungen nicht mehr. Es geht um das Ganze und dafür kann Padang nur einen bescheidenen materiellen Beitrag geben.

Ich bin lieber in Padang und feinem Hinterland als in Medan. Nie kann das Auge hier ermüden wie an der Ostküste, wo man nur auf Gummi» bäume, Delpalmen unb Tabak sieht, während an ber Westküste gewaltige Vulkane, einsame Pässe, riesige Seen, R i v i e r a k ü st e, Hitze und Kühle wechseln. Sicher werden kommende Generationen einmal ebenso denken und finden, daß sich Größe nicht mit Millionen von Schiffahrtstonnen deckt. Man wird an ber Westküste bie eigenen Grenzen erkennen lernen unb zufriedener leben alls je zuvor. Man muß ben Menschen ihre Sicherheit geben", so sagte jener Deutsche, und das ist das Geheimnis hier, das noch entdeckt werden muß.

Die Verteidigung der Philippinen

Bisher war die militärische Sicherung der Philip­pinen Aufgabe der Vereinigten Staaten. Aber in USA. huldigte man schon lange der An­sicht, daß es bei einem Zusammenprall mit Japan unendlich schwer sein würde, diese Inseln zu hal­ten. Sie sind auch mehr als einmal eine Mause­falle für die hier stationierten amerikanischen Kriegs­schiffe bezeichnet worden. Denn jede vom amerika­nischen Festland kommende Hilfe für das Philip­pinen-Geschwader müßte sich erst durch die Süd­see Vorarbeiten und eine ganze Reihe japanischer Riegelstellungen passieren. Aber was gestern stra­tegisch unvorteilhaft erschien, wird vielleicht morgen in den Vereinigten Staaten mit ganz anderen Blicken angesehen. Denn vorläufig haben die Ame­rikaner ihre Flottenbasis auf den Philippinen keineswegs zur Auflösung verurteilt, wenn auch die uneingeschränkte Unabhängigkeit 1944 vollzogen sein soll und inzwischen bereits bie Selbstverwal­tung der Philippiners kaum noch nennenswerten Einschränkungen unterworfen ist. Diese Selbstver­waltung hat es mit sich gebracht, daß bie Philip­pinen nun auch aus eigenen Mitteln für ihren militärischen Schutz zu sorgen haben.

Das hat für sie mancherlei finanzielle Belastun­gen im Gefolge gehabt, bereu Notwenbigkeit nicht bestritten wird. Denn niemand ist sich im unklaren darüber, daß es nur ein Volk gibt, das der neu­gewonnenen philippinischen Unabhängigkeit unter Umständen gefährlich werden könnte, und daß dieses nistisches Vermögen voraussetzt. Interessant war die Begegnung mit Karl Höller, dessen Quartett für Klavier, Violine, Bratsche und Violoncello von einem starken Hauch des Neuen und Problema­tischen umweht war. Vor allem werden in den beiden eine Verbindung von tänzerischer und figu­rierter Form darstellenden Außensätzen romanttsche Stimmungen mit modernen harmonischen Mitteln erzielt. Oscar H i e g e ließ mit fünf Stücken für Klavier zu zwei Händen eine beachtenswerte In­spiration erkennen. Ein Nachtstück und eine Ro­manze zeigten gesunde und solide Arbeit. Hans Fleischer drückte in einer mit schöner rhythmi­scher Vitalität gestalteten Sonate für Viola unb Klavier echtes musikalisches Empfinden aus. Her­mann Ungers Versuche, in feinen Kammervaria­tionen über ein eigenes Thema für zwei Klaviere die Verschiedenheit der beiden Spieler und Instru­mente zu einer dialogischen Ausdrucksform zu ver­wenden, kann man als gelungen bezeichnen. In dem Streichquartett d-mollWelt über Wolken" will Hermann E r d l e n mit realistischen Wirkungen ein musikalisches Erlebnis bei den Hörern erzielen. Die von wirksamen technischen Einfällen zeugende Mu­sik ist durchaus interessant.

In bem von Generalmusikdirektor Walter Stover geleiteten Kammer « Orchester - Konzert horte man zunächst eine Suite für Streichorchester von Emil Peeters, die klar und fortschrittlich disponiert ist. Nach den gut gearbeiteten, steilich manchmal etwas farblos erscheinenden Variationen über ein Menuett von Beethooen zeigte Cesar Bresqens Concerto großo für konzertante Flöte, Oboe, Trom­pete, Geige und Orchester die beste kompositorische Leistung des Abends. In diesem an Bach orien­tierten, thematisch glänzend durchgearbeiteten Werk bricht auch der Geist eigenen schöpferischen Strebens durch. Drei Gedichte von Carl Hauptmann waren der Vorwurf zu Liedern für Frauenstimme und Orchester von Ludwig L ü r m a n n , die zwar nicht neue Wege suchen, aber ganz gefällig sind. Den Abschluß bildete Ernst Gernot Klußmanns aus sinfonischen Vorspielen zum ersten, zweiten, dritten unb fünften Auszug der GoetheschenIphigenie" bestehende Musik.

Mitwirkende waren das Kammerorchester des Hessischen Staatsbades unter Leitung von General­musikdirektor Walter Stover, das Lenzewski- Quartett Frankfurt. Henny Schmidt, Frankfurt (Mezzosopran), Elisabeth Kramer, Darmstadt (Violine unb Viola), Rose Stein, Frankfurt (Harfe), Georg Kuhlmann und Erich Flinsch, beide Frankfurt, Hans Fleischer, Wiesbaden, Max Zipperer, Heilbronn (alle Klavier), und Eduard L i e b h o l d, Frankfurt (Klarinette.). L.