Ausgabe 
26.6.1936
 
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In Stufe B wird gefordert: 1. 60-Meter-Lauf in 10 Sek.; 2. Weitsprung 3,25 Meter; 3. Ballweit­wurf 35 Meter; 4. Klimmzüge; 5. Bodenrolle zwei­mal vor und zurück; 6. 10OO-Meter-Lauf zwischen 4,5 und 5,5 Minuten.

Jeder Pimpf erhält zum Fähnleinsporttag eine kunstvoll ausgeführte Wettkampfkarte zur Kontrolle und als Urkunde, die seine ' Leistungen festhält und ihm Vergleichsmöglichkeiten gibt, wenn er sie verbessert.

Ist der Vormittag den eigentlichen Wettkämpfen vorbehalten, steigen nachmittags große Spiele und Schaukämpfe, die Hunderte von Pimpfen zu glei­cher Zeit in Bewegung setzen.

Entscheidungskämpfe im deutschen Handball.

In Dortmund werden am Sonntag die neuen deutschen Handballmeister ermittelt. Bei den Frauen, die zuerst spielen, haben der SC. Charlottenburg und der DfR. Mannheim wohl gleiche Aussichten. Die Tagesform und das Glück sollten hier entschei­den. Das anschließende Spiel der Männer sieht MSV. HindLnburg Minden gegenüber MTSA. Leipzig in der Favoritenrolle, doch haben die Sach­sen zweifellos mehr als nur eine kleine Außen- seiter-Chance.

Fußball vor der Sommerpause.

Trotz der sommerlichen Hitze hat der Fußball noch nicht die wohlverdiente Ruhe. Sogar ein Länderspiel, das der Studentenmannschaften von Deutschland und Ungarn in Heidelberg, steht auf der Karte. In Süddeutschland erwartet man die letzten Entscheidungen im Aufstiegskampf, der Tschammer-Pokal tritt mit der zweiten Hauptrunde in ein entscheidendes Stadium. Dabei gibt es einige sehr pikante Begegnungen, wie 1. FC. Nürnberg gegen SC. Planitz, Polizei Chemnitz Viktoria Berlin, 1860 München 1. FC. Pforzheim, Werder Bremen Spogg. Oberhausen und andere mehr. In Homburg (Saar) messen Auswahlmannschaften von der Saar und von Rheinhessen die Kräfte, in der Pfalz kämpfen FV. Saarbrücken Phönix Ludwigshafen und VfL. Neustadt Borussia Neun­kirchen um den Pokal des Gauleiters.

Ueberraschend groß ist die Zahl der Freund­schaftsspiele im Süden, die zum Teil namhafte Mannschaften gegeneinander führen. In erster Linie geht dabei wohl das Bestreben dahin, den Nach­wuchs an Stelle der Spielerverluste noch vor der Sommerpause richtigeinzuschießen". Die Spvgg. Fürth kann das Reisen nicht lassen; am Samstag ist eine Magdeburger Kombination, am Sonntag Eintracht Braunschweig der Gegner.

Die besten mitteleuropäischen Vereinsmannschaf­ten tragen die Rückspiele der ersten Mitropa-Pokal- runde aus. Hollands Nationalelf-Nachwuchs, die Schwalben", weilt in Polen.

Zuqendfußball der Spielvgg. 1900.

1900 I Jugend Leihgestern I Jugend.

Am letzten Sonntag vor der Sommersperre setzt der Spielbetrieb noch einmal im vollen Ganae ein. Die erste Jugend empfängt zum letzten Verbands­spiel Leihgestern. In diesem Kam^f geht es um Den Meister 5et Zwischenspiele. Beide Mannschaften werden alles daransetzen, um sich die wertvollen Punkte zu sichern.

1900 III Jugend GroheN'Vuseck II Jugend.

Die dritte Jugend weilt zu einem Freundschafts­spiel bei der Zweiten Großen-Busecks. Wer wird m diesem Kampf Sieger bleiben?

Die zweite Jugend nimmt an einem Kursus teil. 1900 I Schüler Kirchhain I Schüler.

Die erste Schülermannschaft trägt ein Spiel gegen Kirchhain aus. Man sollte den Blau-Weihen einen Sieg zutrauen können, obwohl verschiedene Spieler ersetzt werden müssen.

1900 Ib Schüler Mendorf I Schüler.

1900 II Schüler Garbenkeich I Schüler.

Der schwerste Kampf steht der zweiten Schülerelf bevor, die gegen die erste Garbenteichs antreten muß. Garbenteich stellt eine sehr gute Mannschaft, gegen die selbst die erste Schülermannschaft immer nur unentschieden spielen konnte und nur einen Sieg errang. Die Mannschaft wird also kaum um eine Niederlage herumkommen.

1900 III Schüler Garbenteich II Schüler.

Ebenfalls in Garbenteich trifft die dritte Schüler­elf auf die zweite des Gastgebers. Im Vorspiel konnten die kleinen 1900er Sieger bleiben, ob sie

Sonntag allerdings wiederholen kön- S* "genem Platze empfängt die Ib Schuler die Jungens aus Mendorf. Auch hier hofft man auf einen Sieg der 1900er

1900 II Jugend VfB. R. II Jugend 2:2.

^Jn.®er0anQenen Mittwoch trug die zweite Ju­gend das fällige Verbandsspiel gegen den Lokal­gegner auf dessen Platze aus und befriedigte sehr. Man sah em flottes spannendes Spiel. Die Grün- Weißen gingen immer in Führung. Der Vorsprung wurde von den Blau-Weißen jeweils aufgeholt. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf.

1900 II Schüler VfD.-R. II Schüler 2:0.

Dor dem Spiel der Handballmannschaft erprob» sEN Die zweiten Schülermannschaften beider Vereine ljFe Kräfte. Der Kampf ging zugunsten 1900s aus. Du Kleinen zeigten sehr schöne Leistungen und hat­ten das Spiel jederzeit in der Hand.

Handball: 1900 Jugend Io. 1846 Jugend.

Die jugendlichen 1900er Handballspieler empfan- Fen am Samstagabend die erste Handballjugend des To. 1846 Gießen. Die 1900er konnten bis jetzt gegen diese Mannschaft nur ein Unentschieden er­zielen, alle anderen Spiele waren die Beute Des Gegners. Wenn Die Stürmerreihe Der 1900er gegen 1846 etwas schneller ist als am letzten Samstag, ist ein Erfolg nicht ausgeschlossen.

Sportverein 1920 Heuchelheim

Die erste Jugendmannschaft fährt am kommen­den Sonntag zum fälligen Sonderspiel nach Wiß­mar und wird hier mindestens ein Unentschieden herausholen können.

Die 2. Jugend-Elf empfängt Die 3. JugenD vom VfB.-R. Gießen zum letzten Pflichtspiel unD wirD sich sehr anstrenaen Müssen, wenn Die Punkte nicht verloren gehen sollen.

Die neu aufgestellte Schüler-Mannschaft spielt be­reits morgens auf eigenem Platze gegen VfB.-R. 2. Schüler.

SportamtKrast durch Freude".

Heute folgende Kurse:

Allgemeine Körperschule (Frauen und Männer). Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.

Schwimmen (Anfänger und Fortgeschrittene). Von 20.30 bis 21.30 und von 21.30 bis 22.15 Uhr, Frauen und Männer, Volksbad.

Reiten. Von 20 bis 21 Uhr, Universitäts-Reit- institut, Brandplatz.

fteuer Schwimmkursus für Anfänger!

Am Montag, 29. Juni, beginnt um 18 Uhr in der Müllerfchen Badeanstalt ein neuer Schwimm­kursus für Anfänger (Frauen und Männer). Die Kosten betragen 30 Pf. für Den Uebungsabend. An­meldungen nimmt Die Geschäftsstelle, Schanzen­straße 18, oder der Schwimmlehrer vor Beginn der Uebungsstunde entgegen.

Jleue Kurse für Allgemeine Körperschule.

Montag, von 19.15 bis 20.30 Uhr, Frauen und Männer, Universitätssportplatz. Mittwoch, von 20 bis 21.15 Uhr, Frauen und Männer, Müllersche Badeanstalt. Vorherige Anmeldung zu diesen Kur­sen ist nicht erforderlich. Die Kosten betragen 20 Pf. für Den ÜebungsabenD.

Zum 83. Feld bergfest.

DaS älteste Volksfest der Laude um Main und Rhein.

Die deutschen Bergturnfeste sind immer Feste wahrer Volksgemeinschaft gewesen. Es ist das Erbe Fr. L. Jahns, das uns seit über 100 Jahren un­verfälscht erhalten gbüeben ist. Die ersten Kampf­plätze solcher Art waren auf der Hasenheide bei Berlin, wo der deutsche Turnvater und der Schöp­fer der völkischen deutschen Leibeserziehung seine Saat ausgestreut hatte. In fast unveränderter Weise ist dem deutschen Volke dieses Gemeingut natürlicher Leibesübungen durch die Bergfeste er­halten worden. In der frohen Natur, weitab vom Getriebe der Menschen, auf naturgegebenen Lauf­und Sprungbahnen wurden die Wettkämpfe abge­halten, und dies ist bis auf den heutigen Tag durch die Bergfeste weitergeführt worden.

Das älteste der deutschen Bergfeste ist das Feld- bergfeft, dessen Geschichte bis auf Ernst Moritz Arndt zurückgeht, der bei der ersten Zusammen­kunft vaterlandsbegeisterter Männer auf dem Gip­fel des Feldberges am 18. Oktober 1814 am Berg- feuer die Feuerrede hielt. Noch Jahrzehnte vergin­gen, bis 1844 Das erste Fest Der Turner und Sän­ger auf dem Berge durchgeführt werden konnte, und seitdem hat das alte Fest der Lande um Main und Rhein eine fesselnde Geschichte gehabt. Oft hemmte und störte die Reaktion Die Entwicklung des Festes, dem man vor allem in den 40er und 50er Jahren Fesseln anlegte. Aber Der Geist Der Väter Des herrlichen Bergfestes hat sich immer wie­der Durchgesetzt und bas Fest mit seiner stolzen Ueberlieferung dem Volke um Main und Rhein er­halten. Das Feldbergfest blieb, wenn es auch als Turnfest technisch neue Formen brachte, immer Das Volksfest, Das in keinem Jahre etwas von seiner Anziehungskraft verloren hat.

Ein Markstein in Der Entwicklung unseres Berg- unD Heimatfestes ist Die diesjährige Veranstaltung, Die am 27. und 28. Juni auf Der Bergeshöhe dur ch - geführt wirD. Die volkstümlichen Wettkämpfe, Ein­zel- und Mannschaftskämpfe, Die im Mittelpunkt Des Festes stehen, erfolgen auf breitester volksge­meinschaftlicher Grundlage. Turner und Sportler treten als Kameraden im Reichsbund für Leibes­übungen gemeinsam an, und zu ihnen kommen die Kameraden von den Wehroerbänden, die mit ihren Mannschafts-Wehrkämpfen den Volkssport des neuen Deutschland als ein Ideal alter deutscher Leibesübung im Sinne Jahns darftellen werden. Mit über 2000 Teilnehmern an den Kämpfen des diesjährigen Festes erlebt das alte Bergfest eine Beteiligung wie noch nie zuvor. Der Ruf des Feld­berg-Festausschusses und Des Gaubeauftragten, SA.- Gruppenführer B e ck e r l e , an Turner, Sportler und die Kameraden in den Wehrverbänden ist überall freudig ausgenommen roorben.

Und nun ergeht nochmals ein Ruf an die vielen Freunde des altbeliebten Bergfestes, die zu Tau­senden als Besucher anwesend sein müssen, soll bas Fest wieder werden bas herrliche Volks- unb Hei­matfest an geschichtlich benkwürbigem Ort, wo jeder Stein- und jede Scholle Geschichte erlebt unb in sich ausgenommen hat. Zu festlichem Erleben über ben Alltag hinaus werden alle Freunde naturnaher Leibesübung, werden alle Volks- und Heimat­freunde aufgerufen. Erdverbunden mit der heimat­lichen Scholle, in Jahnfcher Auffassung von der Leibesübung unser Volksturnen hineingestellt in die weite Gottesnatur, soll und wird unser Feld­bergfest wieder dazu beitragen, allen Teilnehmern neue Kraft unb neuen Schwung für ihre zukünftige Arbeit zu geben:

Der Ruf ist erklungen! lieber Berg und Tal ist er ins weite Main-Rheinland gedrungen, hat er aufgerüttelt und angespornt. Unb außer ben Wett­kämpfern werben sie kommen, all die alten und neuen Freunde des Festes, auf ben herrlichen deut­schen Freiheitsberg. Sie werden kommen, denn sie gehören zu dem Feldbergfest, wie die ausübenden Turner, Sänger, Wehrkameraden dazu gehören.

So wird das 83. Feldbergfest lebendiger Zeuge deutscher Kraft, vaterländischer Begeisterung, treuer Heimatliebe und verantwortlicher Arbeit werden und alle im Reichsbund für Leibesübungen verein­ten Turner und Sportler mit ben Kameraden in ben Wehrverbänden zu einem festgefügten Bunde deutscher Me-nschen zusammenfassen.

Eine weibliche Diebesbande vor Gericht.

LPD. Mainz, 23. Juni. Eine Gruppe von drei weiblichen Angeklagten stand heute vor der Großen Sttafkammer Mainz. Die Hauptangeklagte Anna Jäger wird als gefährliche Ge­wohnheitsdiebin bezeichnet und ist bereits zwölfmal vorbestraft, darunter mit Zuchthaus. Auch die beiden andern Angeklagten, die Lina Koos unb die Margarete Neder, find wiederholt vor­bestraft. Sie standen jetzt wegen fortgesetzten Taschen- und Ladendiebstahls vor Ge­richt. Wegen Bandendiebstahls erhielt die Jäger zweieinhalb Jahre Zuchthaus und Siche­rungsverwahrung, die Neder erhielt zwei Jahre und die Koos ein Jahr neun Monate G e - fängnis. Der Geliebte der Jäger, Willi Rücker, erhielt wegen Hehlerei eineinhalb Jahre Gefängnis.

300 Jahre Universität Utrecht.

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In Utrecht sanden aus Anlaß des 300jährigen Be­stehens Der Universität große Feiern in der Dom­kirche statt, an denen auch bie Königin ber Nieberlanbe teilnahm. Bei ihrem Eintreffen würbe bie Königin von bem Rektor ber Universität begrüßt. (Presse-Vilb-Zentrale-M.)

Oberhessen.

ZurlSO-ZahrfeierderStadtGrünberg

Sonderverkehr der Reichsbahn, der Reichspost und der Butzbach-Licher Eisenbahn.

+ Grünberg, 25. Juni. Nach den letzten Verhandlungen des Hauptfestausschusses mit ber Reichsbahn, ber Reichspost unb ber Butzbach-Licher Eisenbahn sind nunmehr folgenbe Regelungen für bie Bewältigung bes Frembenverkehrs bei ber 750-Jahrfeier getroffen worden:

Die Reichsbahn gibt an ben brei Festtagen (27. bis 29. Juni) auf 50 Kilometer Entfernung Sonntags­karten aus. Am Sonntag (28. Juni) werben sämt­liche Hauptzüge aus den drei Richtungen: Gießen, Alsfeld unb Lonborf mit sechs bis acht Wagen Verstärkung gefahren. Außerbern geht an biefern Abenb um 24 Uhr ein Sonberzug zur Rück­fahrt nach Gießen. Er ist im Hinblick auf bas Feuerwerk am Diebsturm, bas erst gegen 23 Uhr nach Schluß ber Wieberholungsaufführung ber lebenden Bilber in ber Turnhalle ftattfinbet, so spät gelegt worben, so baß allen Festbesuchern Gelegenheit geboten ist, bas Feuerwerk zu sehen. Die Reichspost läßt ihre Kraftomnibusse burch bie- jenigen Orte laufen, bie nicht an ber Bahn liegen. Eine Linie kommt aus ber Richtung Deckenbach Rübbingshausen, eine zweite von Ulrichstein und eine dritte von Laubach. Die Fahrten sind so gelegt, daß sie vor ber politischen Kunbgebung in Grün­berg eintreffen. Die Omnibusse stehen ab 19 Uhr zu Rückfahrten bereit.

Die Butzbach-Licher Eisenbahn hat ebenfalls meh­rere Sonderzüge eingelegt. Der erste verkehrt am Sonntag in folgender Weise.:

Butzbach ab 10.55, Lich ab 11.40, Grünberg an 12.32. Vorgesehen ist noch ein weiterer Zug, ber um 14.55 ab Lich gefahren werben soll. Für bie Rückfahrt finb zwei Sonderzüge vorgesehen: Grün­berg ab 18.30 (mit planmäßigem Anschluß in Lich bis Butzbach); ferner: Grünberg ab 23.40 Uhr.

Werkkunst-Ausftellung in Butzbach.

+ Butzbach, 25. Juni. In ben großenButz­bacher Werken für Eisenbearbeitung" ist seit gestern eine Werkkunstausstellung eröffnet roorben, bie zwei Wochen hinburch ben schaffenben Volksgenossen zugänglich gemacht ist.

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Verfluchtes Gold!

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Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

9. Fortsetzung. Nachdruck verbotenk

Wie soll ich bas aushalten bis zum Samstag!" seufzte er unb preßte ihre Hanb an seine Lippen. Wie soll ich beim noch schaffen können? Sieh doch her!" Sie erschrak, als er ihr plötzlich die zer­sprungenen Handflächen entgegenhielt. Sie waren voll tiefer Rinnen und Furchen.

Lieber!" Tränen traten ihr in bie Augen.Muß Das sein?"

Verachtest bu mich beshalb?" Statt einer Ant­wort neigte sie sich herab und legte ihr Gesicht in seine Hände.Maria! Der Chauffeur!"

Aber Anton hatte sich schon wieder über seine Karte geneigt. Na, aber so etwas! Wenn der Herr Kommerzienrat das wüßte: Du gütiger Him­mel! Es war höchste Zeit, daß man nach Hause kam. , . v

Und doch tat ihm das Mädchen auch wiederum ein bißchen leid. Tja das hatte sich weiß Gott wahrscheinlich von gestern auf heute angesponnen. Er war ein hübscher Bengel unb sie hatte vielleicht die glatten Gesichter satt, die ihr in der Stadt so beflissen ben Hof machten. Was lag schon baran, wenn man eine halbe Stunbe später eintraf? Die vierzig Kilometer, die der Mechaniker für an­gebracht hielt, ließen sich nötigenfalls auch auf sechzig hinaufsetzen. Außerdem verstand er sich besser auf eine Maschine.

Er warf einen raschen Blick von der Karte weg nach ben beiben, bie jetzt ein Stück näher gefom« men waren. Ab unb zu konnte er sogar em Wort auffangen, obwohl er burchaus nicht barauf er­picht war, zu hören, was sie sprachen. Wenn sie sich jetzt die Hände gedrückt hatten, war s ja so ein für allemal vorbei. Sollten sie die kurze Freude haben. .

So habe ich es mir nicht gedacht", sagte Mana, Den Blick nach Der Wiele gerichtet.Ohne Umar- mung, ohne Kuß--'

Maria!"

Sie hob Das Gesicht unD suchte in seinen Augen.

Sieh mich nicht so an!" flehte er.Ich vergesse sonst, daß wir nicht allein sind. Am Samstag sollst du für alles entschädigt werden."

Muß ich Angst haben?" fragte sie mit leichter Beklemmung.

Wie meinst du bas?" Unb als sie errötete, sagte er ernst:Ich bin boch sicher nicht ber erste, mit Dem bu bich zusammenbestellt hast?"

Aber ber erste, ber weiß, baß ich ihn liebe."

Du brauchst nur zu sagen, baß ich nicht kommen soll."

Ihre Augen blickten jetzt klar wie ber Muhlbach. Am Samstag um fünf Uhr, einen Kilometer außerhalb ber Stabt."

Du wirst nicht roieber so ein unsinniges Tempo vorlegen, ja?" , ,

Ich bars ja nicht", lächelte sie.Sonst noch etwas, mein Lieber?"

Ja", bettelte er,jetzt nur noch eine Minute Alleinsein!"

Am Samstag bann", tröstete sie.Lebe wohl! Unb sollte es bir unmöglich sein zu kommen, so weißt bu ja meine Telephonnummer."

Ich komme", versprach er.Auf Wiedersehen, Maria!"

Den Steffen hafs gepackt", lachte ein Arbeiter, als Rolf sich eben über Marias Hand neigte.Dem gönn' ich's übrigens. Sie ist ein schönes Frauen­zimmer! Teufel noch einmal! Er macht sicher fein Glück mit ihr. Warum soll's nicht auch ein armer Kerl mal zu etwas bringen?"

Der hätt's auch ohne ein Mädel zu etwas ge­bracht", brummte fein Nachbar, einen raschen Blick nach bem Wagen roerfenb, besten Motor eben an- sprang.Wenn sie ihn nur nicht foppt! So Stabt- qesichter habe ich bitte! Die machen bir schone Äugen unb wässern bir ben Munb, unb wenn sie weg finb, hast bu sie gesehen unb nicht roieber.

Müssen nicht alle gleich sein, Peter!"

Müssen nicht! Nein! - - Äst em schwerer Abschied gewesen, was?" wandte er sich an Rolf Steffen, als dieser die Schaufel roieber aufnahm. Gut, baß jebe Woche einen Sonntag hat. Bist noch ein junger Kerl, Steffen! Trau ben Weibern nicht zuviel!" , ... ...

Steffen hob das Gesicht und strich sich mit bem

Hanbrücken über bie Stirn.Hast bu trübe Erfah­rungen gemacht, Peter?"

Der grunzte erst unb spie in großem Bogen zur Seite:Früher mal, ja, wie ich noch so ein junger Hahn war roie bu. Äber es hat auch sein Gutes gehabt. Sonst wäre ich vielleicht schon lange unter ber Erbe."

Alle lachten.

Die nackten Rücken gebückt, fuhren sie mit Hacke unb Schaufel roieber in bas kantige Gestein.

An Georg Amselmanns Begräbnistag schritten nur feine beiden Sohne als nächste Angehörige hin­ter bem schweren Eichensarg, in bem man ihn zur letzten Ruyestätte trug.

Seine Frau war nicht gekommen. Auch keine De­pesche von ihr. Man mußte annehmen, baß sie bie Nachricht vom Tobe bes Gatten noch nicht erhalten hatte. Vielleicht befanb sie sich gar nicht in Paris, sonbern möglicherweise in Aegypten ober auf Capri.

Die ganze Nacht war bie Dienerschaft im Hause Amselmann wachgeblieben, um zur Stelle zu fein, wenn bie Herrin eintraf. Äber es war umsonst ge­wesene

Äm Morgen hatte Wolfgang ben Bruber wie ein Verzweifelter geschüttelt unb feinem Schmerz Luft gemacht:Das kann sie uns antun! Das! Nicht einmal biefes letzte Opfer bringt sie ihm! Nicht einmal diesen kleinen Beweis ber Zusammen­gehörigkeit will sie ihm vor ber Welt geben. Unb er hat boch immer so großzügig für sie gesorgt, baß sie ein Leben führen konnte, roie sie es nun ein­mal geführt hat. Ich lasse bas Parktor versperren. Keinen Schritt barf sie mehr herein! Keinen Schritt mehr! Sie soll sich unterstehen, irgenbroelche Rechte geltenb zu machen!"

Wolfgang! Unsere Mutter!"

Wir haben immer nur einen Vater gehabt! Wenn bu zu ihr hältst, Hylmar, sag ich mich los von dir, roie ich mich von ihr losgesagt habe."

Das erschütternbe Schluchzen, mit bem Hylmar Lebe wohl, Vater!" sagte, ergriff mehr, als bie Leichenrebe bes Geistlichen unb bie vielen An­sprachen.

Nun, seine Jungen wenigstens haben ihn ehrlich geliebt", meinte Kommerzienrat Ansolt, ber mit Dr. Singer ben Friebhof verließ.Daß sie nicht gekom­men ist, finbe ich herzlos."

Sie wirb wahrscheinlich roieber irgenbroo am Ende ber Welt sein, an einem ausgefallenen Platz, roo bie Post alle zehn Jahre einmal hinkommt."

Ansolt stieß verärgert einen Kiesel mit ber Spitze feines Lackschuhes zur Seite.Ich habe gar nicht gewußt, daß sie so sehr für Einsamkeit ist."

Singer brummte etwas.

Ober?" fragte Ansolt hartnäckig.

Ich weiß es nicht." Dr. Singer konnte schwei­gen bis zur Unhöflichkeit, wenn er nicht in ber Laune war zu sprechen, unb das war er selten.

Hylmar hatte ben Kopf auf bie Brust herab» gesenkt. Bis zum letzten Augenblick, selbst bann noch, als schon Die Schollen auf ben schwarzen Eichensarg polterten, hatte er gehofft, sie würbe kommen. Wenn auch verspätet, verhinbert aus irgenbeinem Grunbe, um dann im allerletzten Augenblick noch ein Wort der Liebe, ober wenig­stens bes Verzeihens in bas offene Grab hinein zu sprechen.

Abenbs aber, als bereits ber große Lüster in bem Speisezimmer ber Villa Amselmann brannte, und Oskar lautlos abzuservieren begann, fuhr ein Wa­gen am Parktor vor. Der Portier stürzte auf bie Flügeltür zu unb brückte an bem Hebel, ber bas Tor öffnete. Langsam rollte bie große, schwere Reiselimoufine bie breite Auffahrt herunter und stoppte.

Die gnädige Frau!" Der Portier riß den Schlag auf unb verneigte sich vor ber schlanken, stattlichen Gestalt, bie eben den Fuß über bas Trittbrett setzte. Äus ber Halle kam Oskar. Jeder Schritt Zu­rückhaltung.

Oben faßen bie beiben Sohne unb hatten keine Ahnung. Noch vor einer halben Stunbe hatte Wolfgang befohlen:Das Tor bleibt versperrt! Wir empfangen niemanb mehr!"

Auch bie Frau Mama nicht?" hatte er gefragt.

Nein! Auch bie gnädige Frau nicht!" war ihm erwidert worden.

Und nun stand er hier und wußte sich nicht zu helfen, und sie legte eben die Hand auf ben Aermel seiner Livree.Ich bin zu spät gekommenl"

Der gnädige Herr ist heute morgen beerdigt roorben."

Wie schrecklich! Wo finb meine Söhne?"

Die Herren finb oben. Wünschen gnädige Frau gemeldet zu werden?" Fortsetzung folgt