Ausgabe 
26.6.1936
 
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SJL-fpot i

Die deutsche Frau in -en Kolonien

Vortragsabend der Ortsgruppe-Nord der NSDAP.

11 Uhr: GesangvereinHeiterkeit" auf dem Kreuzplatz, und anschließend vor der GastwirtschaftZum Schipkapaß (Bahnhofstraße).

GesangvereinFrohsinn-Quartettoer, ein" an der Ecke Asterweg-Walltorstraße.

16 Uhr:Groß'scher Männerchor" auf derPul- vermühle" (Rodheimer Straße).

Um nun auch den Zweck des Liedertages erfüllt zu sehen, hofft man, daß sich die Bevölkerung zu diesem öffentlichen Singen zahlreich einfinden wird. Die Zeiten des Singens sind so gelegt, daß es je- dem Volksgenossen möglich sein wird, an einer dieser Veranstaltungen teilzunehmen.

Infolge Teilnahme desBauer'schen Gesang- Vereins" an der Feier des 100jährigen Bestehens des GesangvereinsEintracht" in Hungen mußte er von Mitwirkung an dem Liedertag in Gießen Abstand nehmen.

Oer Oeuische Lie-ertag 1936

Oeffentliches Singen in Gießen.

Abaeiehen davon, daß es eine nationale Wurde- loßakeit bedeutet, vor einem so entscheidenden Kampf einen deutschen Sportler von vornherein jede Gewinnchance abzusprechen, ist das Verhalten Bülows angesichts seines früheren ZwifchenMes mit Schmeling als ganz besonders verwerslich zu

Wie wir hören, hat der Reichsmimster für Dolks- aufklärung und Propaganda die deutsche Presse an- gewiesen, Beiträge des Arthur Bülow nicht mehr zu veröffentlichen.

Stadt Frankfurt empfängt 7Nax Schmeling.

Max Schmeling wird am heutigen Freitagnach. mittag mit dem LuftschiffHindenburg" auf dem Frankfurter Weltflughafen eintreffen. Bom Flug­hafen aus wird Schmeling im offenen Wagen durch die Stadt zum altehrwürdigen Römer fahren, wo Bürgermeister Linder in Vertretung von Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs im Kur»^ fürstenzimmer im Kreise geladener Gäste den Boxer feierlich empfangen wird. Max Schmeling wird sich bei dieser Gelegenheit in dasGoldene Buch" der Stadt Frankfurt eintragen.

85000 Pimpfe messen ihre Leistungen.

Zu den Fähnleinsporttagen des Deutschen Jungvolks.

Als Abschluß der Monate der sportlichen Ertüch. tigung un Deutschen Jungvolk steigt am Sonntag, dem 28. Juni, bzw. am Sonntag, dem 5. Juli, im Gebiet Hessen-Nassau der Fähnleinsporttag.

Das ist ein Festtag für das gesamte Fähnlein. Hier zeigen sich die Erfolge der Breitenarbeit im Sport, hier zeigt es sich, ob das Fähnlein auch den schwächsten Pimpf angespornt und auf eine ge- wisse körperliche Leistungsstufe gebracht hat.

Der Fähnleinsporttag ist mit anderen Worten ein großer Leistungsvergleich, denn alle Pimpfe ohne Ausnahme nehmen teil und werden bewertet. Dabei müssen die geforderten Mindestzeiten und -maße erreicht werden regelmäßiges Neben war also Vorbedingung. Zugleich können die Prüfungen für das DJ.-Leistungsabzeichen abgelegt werden.

Der Wettkampf wird in zwei Altersstufen durch- geführt:

Stufe A 10 und 11 Jahre (1925/26)

Stufe B 12 bis 14 Jahre (1922/24)

In Stufe A wird gefordert: 1. 50-Meter-Lauf mit Ueberwindung eines Hindernisses in 14 Sek.; 2. zweimal Purzelbaum vorwärts; 3. Handballweit­werfen rückwärts über den Kopf 8 Meter; 4. Ball- zielwerfen drei Treffer bei fünf Würfen. 5. 20 Me­ter Sackhüpfen in Sek.

zeigter Tonfilm unter dem TitelForschen und Schaffen" vermittelte einen starken Eindruck aus großen deutschen Jndustriewerken. Mit dem Vortrag war eine Ausstellung vieler neuzeitlicher elektrischer Geräte verbunden.

Schutz d e r Tiere vor Hitze und Sonnenbrand. Im Hinblick auf die heiße Jah­reszeit macht der Reichs-Tierschutzbund nachdrücklich darauf aufmerksam, daß eine strafbare Vernach- kässigung der Haustiere auch dann vorliegt, wenn den Tieren nicht der nötige Schutz vor Sonnen­brand gegeben wird. Zugtiere dürfen jetzt nicht bei firoßer Hitze, besonders auf Straßen, längere Zeit n der Sonne anstatt im Schatten flehen gelassen werden. Es wird auch gegen die Vorschriften des Reichs-Tierschutzgesetzes verstoßen, wenn Zugtiere nicht genügend getränkt werden oder Hunde, insbe­sondere wenn sie angekettet, zum Ziehen einge­spannt oder eingesperrt sind, nicht genügend Schutz vor der Hitze und nicht ständig frisches Wasser er­halten. Auch Weidetieren muß die Möglichkeit ge-

12 Stabte, 15 U"^ein7UenVnbe®?db D>e ^uXten Die Wegebezeichnung hat im demnächst crW_' eientiidie Fortschritte gemacht, vergangenen Jahr w s nu a) u ^imüboereins Die fteimaWufet ^"nnfter 3ufammenart.it mit öirenor uiriLi, e:nft;mmiq auf die Dauer Jahren mne hat. wurb I Scinc Mitarbeiter Don.ö:2 B mieber aus ihre Pasten berufen. rtUrbCnrn6e Reihe von Witgliebern konnte für 100 h mehr6 ffianberunqen mit der Ehrennabel ausge- ÄÄSffi. Auszeichnungen für 100 ^Bonberungen war auch ein iWhr'ger Junge, bie Auszeichnung für 500 Wanderungen wurd- S mnnfieb Otubolf Nieß in Köln verliehen.

Nach der Tagung verfammellen sich die Teilneh- nJr 7u einer großen Wanderkundgebung, m der Smfrtüra ?meifter D on Drehen-Rengsdorf und B^reinsführer Ulrici die große Bedeutung des Westerwalboereins als Hort zur Stärkung deutschen Vo ksiums unterstrichen. Der Gaumusikzug des Reichsarbeitsdienstes gab der Tagung einen fest- litfjen und unterhaltenden Rahmen.

Im ganzen Deutschen Reiche erklingt am kom­menden Sonntag auf öffentlichen Plätzen in allen Städten und Dörfern das deutsche Lied. In erster Linie ist bei diesem alljährlichen Liedertag an das Volkslied gedacht. Das deutsche Volkslied, das See- lengut des deutschen Volkes, das sich seit Jahrhun­derten im Volke fortgepflanzt hat, muß auch fer­nerhin dem Volke erhalten bleiben. Gerade die Männergesangvereine haben es sich zur Hauptauf­gabe gestellt, das deutsche Lied zu pflegen, zu för­dern und dem Volke in seiner Unverfälschtheit zu erhalten, es wieder hineinzutragen in das Volt, aus dem es einst gekommen ist. Ein Volk, das singt, mit dem geht es aufwärts allezeit, während ein Volk ohne Lied einem Volke ohne Seele gleicht. Dieses Hineintragen des Liedes in das Volk ist der Zweck der deutschen Liedertage.

In Gießen singen am kommenden Sonntag fol­gende Vereine:

geben werden, sich vor den fenaenben Strahlen der Sonne zu schützen und ihren Durst zu Men. Do ael, die in Käfigen gehalten werden, "^ssen eben­falls eine schattige Ecke als Schutz vor dem Sonnen­brand haben. Das gleiche güt für Flsche, Laub frösche und bergt., bie in Glasern gehalten werden. Leider werden diese und ähnliche Dernachlaßigun- gen in Haltung, Pflege und Unterbringung von Tieren noch nicht genügend erkannt und vermieden. Es ist deshalb die Pflicht aller einsichtigen Volksge­nossen, andere zu belehren und^Unbelehrbare und Rücksichtslose bei der Polizei oder dem Tierschutz verein zur Anzeige zu bringen. Hierzu ist jedermann berechtigt. , , .

** Der Sommerfahrplan der Köln- Düsseldorfer R h e i n d a m p f s ch i f f a h r t tritt am nächsten Sonntag, 28. Juni, m Kraft. Da- durch werden die Fahrtmöglichkelten von und nach Mainz ganz wesentlich vermehrt. Für mehrtägige Reisen bestehen günstige Sonderbedingungen. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.

Hirzenhain - Karlsruhe im Segelflugzeug.

Fliegerlager Hirzenhain, SS. Dum. (LPD) Der seit Sonntag un Gange befindliche Hirzenhainer Seaelflugwettbewerb zeitigte bei ganz ausgezeichnetem Fliegerwetter am Mittwoch wieder hervorragende Ergebnisse. Es konnten insgesamt 25 Ueberlandflüge ausgefuhrt werden, da­von zehn über 40 Kilometer. Die beste Tages­leistung vollbrachte der Flieger O p l tz von der Flieger-Ortsgruppe Fulda, der in Hockenheim bet Karlsruhe niederging und damit eine Strecke von etwa 170 Kilometer bewältigte. Ihm am nächsten kam der Flieger Gierlisch von der Landesgruppe Westfalen, der mit seiner Maschine in Geinsheim bei Groß-Gerau aufsetzte, eine Strecke, die einer Entfernung von etwa 105 Kilometer entspricht. Eine schöne Leistung vollbrachte auch der Flieger Arends von der Landesgruppe Rheinland, der nach Frank­furt am M. segelte und hier auf dem Flughafen Rhein-Main landete; die Entfernung von Hirzen­hain beträgt etwa 90 Kilometer Luftlinie. Bei allen diesen Flügen wurden zum Teil sehr beträchtliche Startüberhöhungen erzielt. 1000, 1500, ja sogar 1800 Meter wurden registriert.

Auch am heutigen fünften Wettbewerbs tag ist bas Wetter wieder ausgezeichnet Während der Wind gestern die Maschinen in südlicher Richtung entführte, trieb er sie heute nach Südosten, so daß die Landemeldungen aus anderen Gegenden Deutsch­lands zu erwarten sind.

»Max hat diesmal keine Chance.^

Der frühere Trainer des deutschen Boxmeisters Max Schmeling, Arthur Bülow, hat es für nötig befunden, vor dem Boxkampf dem12-Uhr-Blatt" eine Aeußerung zuzuleiten, in der er Schmeling jede Gewinnchance absprach und seine völlige Nie­derlage schon in den ersten Runden als sicher hin­stellte. Gleichzeitig äußerte er sich in außerordent­lich lobender Weise über den Gegner Schmelings, den Neger Joe Louis, den er alsabsolute Aus­nahmeerscheinung von ungeheurer Kraft" bezeich­nete und dem er zusprach, daß er wahrscheinlich in der Lage sei,Max glatt zu überrennen". Es ist allgemein bekannt, daß Bülow nicht zu den Freunden Schmelings gehört und sich von ihm unter Umständen getrennt hat, die alles andere als freundschaftlich zu nennen sind. Bülow war also in der ganzen Angelegenheit befangen. Dazu kommt noch, daß 'er, wie er selbst schreibt, Joc Louis nie­mals gesehen hat, und somit überhaupt kein objek­tives Urteil abgeben konnte.

feinen WW«

n°ch einer hir3en kolonialen

Kolonie zu zeigen,der sie 'hre eig

^^em* Treuegelöbnis zum Führer schloß Orts- gruppenleiter Thomas den Abend.

Jahres-Tagung des Westerwald-Vereins.

Lpd Rengsdorf, 23. Juni. In dem Luftkur­ort Renasdorf hielt der Westerwaldoerem am Samstag und Sonntag seine Jahreshauptversamm­lung ab9 Der Dereinsführer, Derwaltungsgenchts- direttor Ulrici, konnte 28 von 54 Ortsgruppen begrüßen. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen daß die Tätigkeit des Vereins gekennzeichnet war dmch die Eingliederung der Wandervereme m benJReid?5- bunb fürßeibesubungen. Eine rege Tätigkeit wurd auf dem Gebiet der Mitgliederwerbung und der W edererweckung eingegangener Ortsgruppen en - faltet. Es war jedoch nicht zu oerhmdern daß die Zahl der Ortsgruppen von 62 im Vorjahr auf.54 mit 2600 (2800) Mitgliedern sank. Wie im Vorjahr gehören auch jetzt noch dem Verein 146 Gemeinden,

Kulturleben wie in der Heimat ab, es^bestehe dort die Partei, ein Werk wie das WHW. bei uns, die NS.-Frauenschaft, die HI., Gesang- und Sportver­eine. Wenn sie beim Aufrufe des Führers ihren Beitrag zum WHW. geleistet haben, so wollten sie nur dafür danken, daß ihnen vom Vaterland wie­der die Hand gereicht wurde.

Bis jetzt sei von den Mandataren nicht erreicht worden, das Deutschtum so auszumerzen, daß sie sich leichthin die Kolonien aneignen konnten. Im Gegenteil seien wieder viele alte Afrikaner in ihre zweite Heimat zurückgekehrt; denn sie hätten es nicht überwinden können, daß man durch einen Rechts­bruch jene Lande nahm, für die sie 30 und mehr Jahre gekämpft, gearbeitet und gesorgt hatten.

Die Rednerin ging bann auf die augenblicklichen Besitzverhältnisse ein und machte die Stellung unter dem Schutze des Völkerbundes klar. Die Wiedergabe unserer Kolonien sei, so betonte die Vortragende, eine Forderung unserer Ehre. Die koloniale Schuld­lüge könne nicht anders getilgt werden, als durch die Rückgabe jener Landstriche, die 1916 von ben Feindmächten schon untereinander ausgeteilt wor­den seien, als wir noch siegreich im Kampfe gegen sie standen. Die Rednerin streifte dann Fragen der Kolonialverteilung und betonte unsere deutschen moralischen Verpflichtungen zur Aufrechterhaltung der Ansprüche gerade auf jene Lande, für die so viel Schweiß aufgewendet und so viel Blut ge­opfert wurde. Wenn auch theoretisch die koloniale Schuldlüge längst widerlegt sei, so könne der Lüge nur dann der Boden entzogen werden, wenn die letzte Konsequenz aus der Erkenntnis aezogen werde.

In ihren weiteren Ausführungen beschäftigte sich die Rednerin mit Südafrika, seiner Landschaft,

Trotz des sommerlichen Wetters war der gestrige Vortragsabend der Ortsgruppe Nord der NSDAP, imCaf6 Leib", vorwiegend durck das Erscheinen der NS.-Frauenschaft, sehr gut besucht. Der Spiel­mannszug auf der Bühne und die Fanfarenbläser und Landsknechtstrommler auf der Galerie eröffne­ten durch abwechselnde Darbietungen, die unter­brochen waren von sehr gefälligen Schargesängen einer weiteren Gruppe des Jungvolks, den Abend. Ortsgruppenleiter Thomas sprach davon, wie sehr durch den Krieg mit Abessinien die Kolonialfrage im Vordergrund stehe und erteilte der

(Baureferentin der Abteilung Ausland, Ruth Schuhmacher,

bas Wort. Die hier schon aus früheren Jahren be­kannte Rednerin beschäftigte sich zunächst mit der Frage, warum und weshalb wir Kolonien unbe­dingt brauchen. Sie führte die Kritik des Führers an der früheren Kolonialpolitik an und hob dabei besonders den bemängelten Fehler hervor, daß nicht genügend weiße Frauen in den Kolonien waren. Dabei waren nicht so sehr bevölkerungspolitische Ge­sichtspunkte maßgebend, sondern die Tatsache, daß eben die Frau als Kulturträgerin gefehlt habe. Als treue Gefährtin des Mannes stelle sie die Ver­bindung mit der Heimat her, gebe dem Wirken des Mannes das heimatliche Gepräge. Wenn wir darum von unseren Kolonien sagen könnten, daß deutsche Wirtschaft und deutsche Kultur sich dort durchgesetzt habe, so sei das auch unseren deutschen Frauen zu danken. Gerade nach den Erfahrungen des Weltkrieges wisse man, wie notwendig die Frau dort drüben sei; denn ohne sie könne sich das Deutschtum dort nicht so sehr behaupten.

Heute spiele sich in unseren Kolonien das gleiche

Oie Azalie.

(Erzählung von Karl Llde

Im Frühling jenes unvergessenen Jahres, das der Welt den großen Krieg gebracht hat, schenkte der Vater unserer Mutter zu ihrem Geburtstag einen Azalienstrauch. Er brachte ihn bei seiner Heimkehr am Mittag selber auf dem Arme mit und als die weiße Hülle aus leichtern Seidenpapier von dem Topf gelöst war, erfüllte der Strauch die Stube mit dem wundersamen Glanz seiner Blüten, die sich in unberührter Schönheit aus der grünen Manschette des Topfes heraushoben. Wir Jungen hatten längst am frühen Morgen der Mutter mit unfern Glückwünschen ein kleines Geschenk bärge« bracht, das wir zuvor mit Vaters Hilfe erstanden hatten, und wir waren recht zufrieden mit uns ge­wesen, denn die Mutter hatte mit vielen Küssen beteuert, wie sehr sie sich darüber gefreut habe; als nun aber der Vater mit dieser Blume der Mutter neues Lebensjahr feierte und sie ihn dan- kend umarmte, da rührte uns im Innern eine feine Beschämtheit an und wir nahmen uns vor, einstmals gar tüchtige Männer zu werden, um der Mutter dann eine ähnliche Freude bereiten zu können.

Im Herbst nahm uns der Krieg den Vater fort, und als es wieder Frühling wurde und sich der Geburtstag der Mutter abermals näherte, war der Vater ferner von uns als je im Leben: die Verlustliste des Heeres nannte ihn unter den Ver­mißten und keiner seiner Kameraden, die mit ihm an der Front zusammengelegen hatten, wußte uns etwas von ihm zu berichten. Großes Leid wollte mit feinen Schatten ben Geburtstag ber Mutter verdunkeln unb bie Azalie, bie vor einem Jahre soviel lichte Festlichkeit um sich verbreitet hatte, war trotz Mutters behutsamer Pflege ohne neue Blü­ten unb Blätter geblieben; sie stanb, ein kleiner herbstlicher Baum, der seine Zweige wie verzwei­felte Hänbe in bas Licht ber Sanne krallt, in einer Ecke ber Fensterbank unb bettelte vergeblich um ein neues Leben ...

Nicht, baß wir Brüder den drückenden Ernst hät« ten erfassen können, der über dem ungewissen Schicksal des Vaters lag: wir erkannten nur dieses eine, daß die Mutter traurig war unb baß ber Geburtstag ihr nichts als Schmerz bringen wollte unb Tränen. So beschlossen wir, etliche Tage zuvor an einem Abenb, an bem wir beide nicht einschla- fen konnten und uns im Dunkeln flüsternd von Bettchen zu Bettchen verständigten, der Mutter ge­nau die gleiche Blume wieder zu schenken, die der Vater im letzten Jahre mitgebracht habe bann

werbe sie an ben Hellen Tag benfen müssen und es werbe ihr fein, als wenn ber Vater selber wie- ber da sei unb als ob es keinen Krieg mehr gäbe unb auch nicht mehr bie tote Blume auf ber Fen- terbanf, in deren Geschick sie ahnungsschwer ein dunkles Vorzeichen für das Leben des Vaters sehen zu müssen glaubte.

Jeder von uns war bereit, ben letzten ber aus» gesucht blanken Pfennige in seiner Sparbose her­zugeben; schon am nächsten Tage aber, als wir bei einem Blurnenhänbler nachfragten, mußten wir er­kennen, baß selbst bie kleinste unb bescheibenste Azalie für uns unerschwinglich blieb, unb wir ge­dachten mit noch größerer Achtung des Vaters, der damals eine Blume mitgebracht hatte, die schöner und reicher war als die größte, bie man uns ge­zeigt, unb wir grollten mit ber Langsamkeit unse­res eigenen Wachstums, bas uns in einem ganzen Jahre nicht um das Geringste männlicher unb eigenmächtiger hatte werben lassen! ...

Aus bieser lastenden Stimmung aber wuchs uns ein Entschluß: Als wir am Nachmittag allein in unserem Spielzimmer waren und die Mutter in der Küche oder beim Einkäufen wußten, nah­men wir unfern Farbkasten hervor und malten in großer Anzahl kleine grüne Blätter auf bas Papier. Unb bann, währenb ber eine um sechs rote Pfen­nig rosafarbenes Seidenpapier besorgte, löste ber anbere vorsichtig in ber Küche Don ben Brennholz­bündeln bie bünnen Drähte, bie das Holzrab zu­sammenhielten, und aus Draht und Papier erstan- den kleine Blumen, frühlingshaft Helle Blumen, die nicht dufteten und die auch nicht zu einer bestimm­ten Gattung von Blüten gehören mochten, und die grünen Blättchen wurden ausgeschnitten, in um­ständlich mühsamer Arbeit aufeinandergeklebt unb mit langen Drahtstengeln versehen, und als dieses säuberlich durchgeführt war, wurde alles, Blätter und Blumen, auf jenes leblose Geäst aufgepflanzt, das ber Mutter von Vaters stolzer Azalie geblie­ben war. Es war wirklich keine Azalie, was bann am Abend vor uns stand, unb einer, ber sich mehr in ben Lebensgesetzen ber Planzen ausgekannt hätte als wir bamals, hätte über diesem nirgends registrierten Gewächs nur ben Kopf geschüttelt, aber dennoch unverkennbar war es eine großzügig blühenbe Blume, was wir in gemeinsamer Ar­beit geschaffen hatten, und je weiter man von ihr entfernt war, so schien es uns, um so stärker wurde das Bedürfnis, die Nase in diesen fremdartigen ® ~ stecken und seinen verheißungs-

vollen Duft zu atmen ...

Zwei Tage zu früh waren wir mit unferm Werk fertig und so versenkten wir es, damit es nicht vorher schon von dem aufmerksamen Auge der

Mutter entdeckt wurde, mittels einer G'-'rbel hin­ter ber über Eck stehenben Kommobe in unserm Zimmer, wo es im tiefsten Dunkel, vyne Schaden zu nehmen, sechsunbbreißig Stunden verblieben ist. Als bann ber Geburtstag da war unb wir, von ber Schule zurück, ber Mutter bie sehr vrbnungs- gemäß in weißes Papier eingeschlagene Blume überreichten, ba erschrak sie sehr, denn sie wußte nicht, wir wir bas Gelb bafür hatten aufbringen können.Aber Kinber!" rief sie unb löste vorsichtig bas Papier von ben Blüten, bie sich auf ihren trockenen Aesten wenig nachgiebig nach oben rech ten. Dann wurde es offenbar, welcher Art diese Blume war, und die Mutter umarmte uns und begann zu meinen.

«Siehst du", sagten wir indessen,es ist doch nicht wahr, daß etwas Schlimmes mit dem Vater ge­schehen ist, und es bedeutet auch gar nichts, daß fie nicht von selber neue Blüten und Blätter be­kommen hat!"

Glaubt ihr?" fragte die Mutter zurück und wischte sich mit dem Taschentuch die Augen klar. Wir nickten sehr zuversichtlich, aber wir taten es nur weil wir sie trösten wollten, und weil wir uns ."'äst Renten konnten, daß wir den Vater s-m!Dtct)er^cn. sollten. Die Mutter blickte wieder die Blume an, die beinahe strahlender als im Vor­jahr vor ihr stand, und glaubte uns.

viele Jahre später der Vater zurückkam, stand seine Azalie noch immer auf der Fenster- Danf, aber es waren, wenn auch verblaßt und voller Staub, unsere Blüten, die sie trug, und der gefdjaut ^^m ^anfle und nachdenklich an=

Die Bremen zu Gustav Adolf kam ...

Bremen, wenige Schritte vom historischen Marktplatz entfernt, findet man ein überlebens» großes Denkmal des Schwebenkönigs Gustav Adolf In einer totabt wie Bremen, die im 17. Jahr-

S°n r?n. Schweden stark bebrängt wurde, mutet dieses Denkmal seltsam an. Die Bremer aber iUr$4 er3Q1)!cn folgende wahre Geschichte: Im ÄmJf ^de ^5 für Gotenburg bestimmte = Lunchen modelliert und in Bronze gegoffen. Auf dem Wege nach Gotenburg scheiterte ?5 $ransportf$iff und wurde von Helgoländern Morgen. Doch die Schweden ver- Auslösung des Denkmals die - unÄ ^rechneten recht hohe Bergungskosten rtitE»« Jie6n von dem Modell einen zweiten Ab- rhr Die Helgoländer aber verkauften

d^s -br°ndgut an Bremer Kaufleute, die

bas Standbild vor nunmehr 80 Jahren auf der

Bremer Domsheide aufftellen ließen. Der evange­lische Glaubensheld ist in Bremen als der ersten unter den norddeutschen Städten, die sich der Refvr- mation anschlossen, wohl am rechten Platze.

Alte Tiergeschichten, die nicht wahr sind.

Niemals werden wohl jene uralten Geschichten ganz auszurotten sein, daß ein verfolgter Strauß seinen Kopf in den Sand steckt und sich dann ein­bildet, daß ihn niemand sehen könne, ober daß eine Giraffe einen Tobesschrei von sich gibt, wenn sie stirbt, ober daß Schlangen Vögel hypnotisieren. All diese Vorstellungen entbehren, wie ein engli­scher Zoologe feststellt, jeder Grundlage im wirk­lichen Beben. Der Strauß denkt gar nicht daran, seinen Kopf im Sande zu verstecken. In Augen­blicken ber Gefahr wirb sich ber Strauß möglichst platt auf ben Boben legen, auch ben Hals flach ausgestreckt halten. Aber ben Kopf wirb er ein paar Zoll hoch erheben, um ben Feinb im Auge zu behalten. Unb ebenso gewiß ist ferner, baß eine Giraffe roeber schreit, wenn sie stirbt, noch sonst etwa, weil man festgestellt hat, baß sie überhaupt keine Stimmbänber besitzt. Ein Elefantenwärter im Neuyorker Zoo lachte verächtlich über bie Mei­nung, daß Elefanten vor Angst in Ohnmacht fal­len, wenn eine Maus an ihrem Rüssel hochklettern würbe.Wenn eine Maus an Alicens Rüssel hoch­klettern wollte", sagte er unb zeigte auf eines seiner Lieblingstiere,würde sie nur sagen: Weg damit! und den Rüssel so schwenken, daß die Maus zer­schmettert irgendwohin flöge." Dieser Wärter wollte auch die Geschichte von dem gekränkten Elefanten nicht glauben, der die Rachepläne still im Busen bewahrte, bis der Moment kam, um die Kränkung heimzuzahlen. Niemals hatte er einen glaubwür­digen Bericht darüber gehört, wenn er auch zugab, daß Elefanten ein gutes Gedächtnis unb gute Orts­kenntnis hätten.Wenn ein Elefänt einmal einen Weg gegangen ist, braucht er noch nach langer Zeit dort keinen Führer."

Wenn man einmal einen Vogel dicht vor einer Schlange ziellos herumflattern sieht, so ist das eher ein geschicktes Täuschungsmanöver des Vogels, der die Schlange von seinem Nest fortlocken will, als die Hypnotisierungskunst der Schlange. Schlangen verschlingen auch keineswegs ihre Jungen, um sie m iljrem JDtagen zu verbergen unb wenn bie ®e- faf)r vorüber ist, fie unversehrt wieder auszubre- chen nein, kannibalische Schlangen frnb bekannt bafur, baß sie wohl gelegentlich ihre Jungen her- unterroürgen, aber bie kleinen Schlangen würben burchaus nicht mehr schlangenähnlich aussehen, wenn sie wieder hervorkömeo