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HrJOS Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 25.August fyZ6

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125 Lahre Loh. Balth. Ttott in Gießen

Filiale Burkhardsfelden ein alter Gutshof wurde zur Fabrik erweitert.

Der Gründer der Firma I. B. Noll nach einem Gemälde im Familienbesitz.

In diesen Tagen kann die Zigarrenfabrik I o h. Balth. Noll in Gießen, eines der bedeutendsten Unternehmen der Tabakbranche in Gießen und Umgegend, auf das 125jährige Bestehen lder Firma zurückblicken. Durch seine gediegene 'Geschäftsführung und die hohe Qualität ihrer Er­zeugnisse, wie auch durch die enge Verbundenheit mit dem kernigen Volkstum unserer engeren .Heimat hat sich das Unternehmen im Kreise der Betriebe im Lahnbecken eine allgemein geachtete 'Stellung erworben, die ihm das Recht gibt, sich imit zu den tragenden Pfeilern unseres heimischen Wirtschaftslebens zu rechnen. Diese bedeutsame l Rolle der Firma Joh. Balth. Noll rechtfertigt es idenn auch, daß ihr an einem Wendepunkt, wie er iin dem 125jährigen Bestehen sichtbar wird, die Auf- imerksamkeit der Qeffentlichkeit sich zuwendet.

Der Großvater des jetzigen Seniorchefs der ! Firma, der am 29. Januar 1792 geborene Johann 'Balthasar Noll, entschloß sich im Jahre 1811 izur Gründung der Firma. Der Gründer war ein iSohn des damaligen Ratsschöffen und Gasthalters .Zum goldenen Ritter". Das junge Unternehmen «widmete sich zunächst dem Klein- und Großhandel imit Kolonialwaren und der Likörfabrikation in dem -alten GeschäftshauseZum Ritter" auf der Mäus- Iburg. Mitte der vierziger Jahre des vorigen Jahr- I Hunderts nahm das Geschäft außer dem früher »schon geführten Rauchtabak auch den Handel mit ^Zigarren auf, die in der Hauptsache von der im 'Jahre 1840 in Gießen gegründeten Tabak- und Zigarrenfabrik Gebr. Bücking bezogen wurden.

Der Zigarrenhandel wurde immer mehr zum 'Hauptgegenstand des Geschäfts, ganz besonders, «nachdem der am 6. November 1823 geborene Sohn Üdes Gründers, Adolf Karl Theodor Noll, öder am 4. Januar 1853 Prokurist des Unterneh- «mens geworden war, das Geschäft im Jahre 1859 -auf eigene Rechnung übernahm. Unter seiner Lei- ttung wuchs die Firma in kurzer Zeit immer mehr -empor, sie wurde zu dem bedeutendsten Abnehmer öder Firma Gebrüder Bücking und übernahm

Der großzügige und geschmackvolle Neubau aus dem Jahre 1919 am Burggraben.

weitere Zweigfabrik in Beuern in Betrieb zu neh­men. Den gesteigerten Anforderungen des mächttg emporgewachsenen Unternehmens konnte das alte Kontorhaus am Burggraben nicht mehr genügen. Es ergab sich daher die Notwendigkeit, an dessen Stelle im Jahre 1919 einen Neubau zu errichten, in dem sich die Hauptleitung des weitverzweigten Unternehmens heute noch befindet. Seit dem Jahre 1927 sieht der Firmeninhaber seinen Sohn, Dr. jur. Adolf Noll, als Mitarbeiter in der Firma wir­ken, ferner stehen ihm in langjähriger, treuer Mitarbeiterschaft bewährte Männer in der Leitung und in den verschiedenen Abteilungen des Geschäftes zur Seite. Im Jahre 1931 konnte die Firma weitere Filialfabriken in Großen-Buseck und in Garbenteich in Betrieb nehmen, denen im Jahre 1936 als jüng­ster Zweig an dem kräftig blühenden und auf­wärtsstrebenden Stamme die Zweigfabrik in Schot­ten folgte. Dr. jur. Adolf Noll wurde am 11. No­vember 1932 zum Prokuristen ernannt. Im Jahre 1934 wurde er durch seine Bestellung zum Be» ttiebsführer mit der Leitung des gesamten Be­triebes betraut.

Das Unternehmen ist, entsprechend den bettiebs- wirtschaftlichen Bedingtheiten der Tabakindustrie, seit vielen Jahren auch zu einer Quelle der wirt­schaftlichen Befruchtung für weite Bevölkerungs­kreise in den Landorten geworden. Das Problem der Aufgliederung der Produktionsstätten ist ja ge­rade im Tabakfach eine charakteristische Erscheinung, die sich aus der Verfügbarkeit der Arbeitskräfte und auch aus den landschaftlichen Verhältnissen er­gibt. Das sichtbare Ergebnis dieser Lösung des Problems tritt in der Schaffung von Arbeitsstätten in solchen Gegenden zutage, in denen die Acker­nahrung allein für die Aufrechterhaltung eines vollen landwirtschaftlichen Betriebes nicht ausreicht, entweder weil der Boden nicht ergiebig genug ist oder den einzelnen Menschen zu wenig Ackerland zur Verfügung steht. Daher wird in solchen Gegen­den des landwirtschaftlichen Klein- und Kleinst­besitzes, wie er um Gießen herum sehr stark auf­tritt, die Errichtung solcher Betriebsstätten begrüßt, wie sie von der Firma Joh. Balth. Noll in erheb­lichem Ausmaße oorgenommen wurde. Es hat sich dadurch im Laufe der Jahre ein so inniges Ver­hältnis zwischen dem Unternehmen und seiner länd­lichen Gefolgschaft ergeben, daß die Männer und i Frauen der Tabakbetriebe in den Dörfern oft von dem wirtschaftlichen Gesamtcharakter der Ortsbe­völkerung nicht zu trennen sind. Bedeutsam ist da­bei auch die Tatsache, daß bei dem Betrieb der i ländlichen Zigarrenfabriken in weitgehendem Maße

In A l t e n v e r s. Wohl kaum jemand vermutet in diesem Fachwerkbau eine Fabrik. Eine sehr glückliche Lösung des Fabrikbaues in Dorf und Landschaft.

(Aufnahmen [3J: Neuner, Gießener Anzeiger.)

durch ausgelösten wirtschaftlichen Nöte und weiter­hin die Jahre der verhängnisvollen Jnflatton mit ihren vielfachen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Hemmungen machten auch dem Unternehmen I. B. Noll viel zu schaffen. Dennoch gelang es der sorgsamen und mit kluger kaufmännischer Umsicht waltenden Geschäftsleitung, das Unternehmen auch über jene gefahrvolle und klippenreiche Zeit glücklich Hinwegzubringen, den Männern und Frauen der Gefolgschaft die Arbeitsstätte zu erhalten, ja sogar die Fabrikation noch mehr auszudehnen und eine

diese schließlich im Jahre 1868 mit ihren Betrieben in Gießen, Rodheim und Krumbach. Gleichzettig verlegte sie den Geschäftssitz von der Mäusburg nach dem Burggraben bei der Stadtkirche. Das Kolo­nialwaren- und Zigarren-Engrosgeschäft wurde an die Firma Gebrüder Adami übertragen. Adolf Karl Theodor Noll verstand es schon damals, die Firma erheblich zu vergrößern und in kurzer Zeit zu der angesehensten des Faches zu machen. In seine Ge­schäftsleitung fällt die Auszeichnung der Firma Joh. Balth. Noll mit den höchsten Medaillen auf den Weltausstellungen in Wien im Jahre 1873, in Philadelphia im Jahre 1876 und in Melbourne im Jahre 1880. In Anerkennung seiner kaufmännischen Tüchtigkeit wurde der Firmeninhaber im Jahre 1882 von dem damaligen Großherzog von Hessen zum Kommerzienrat ernannt. Als nächster Schritt auf dem Wege des Aufbaues des Unternehmens folgte die Errichtung von Zweigfabriken in Wie- seck, Burkhardsfelden und Launsbach.

Im Frühjahr 1890, kurz vor seinem Tode, über­gab Adolf Karl Theodor Noll, der sich neben sei­nem beruflichen Wirken auch im ehrenamtlichen öffentlichen Dienst viele Jahre lang als Mitglied der damaligen Stadtverordnetenversammlung, der Handelskammer und des Aufsichtsrats der Gewerbe­bank betätigt hatte, das Geschäft an seine Söhne Georg und Adolf Noll, sowie an seinen Prokuristen Georg Emil Möhl, die das Un­ternehmen gemeinsam in der überlieferten Weife fortführten. Im Jahre 1895 wurde die Firma Gebr. Bücking, die nebenbei immer noch formell weiter­geführt worden war, gelöscht. Im Jahre 1906 schie­den durch Todesfall die Mitinhaber Georg Noll und Georg Emil Möhl aus, das Geschäft übernahm nunmehr Adolf Noll als alleiniger Inhaber. Unter feiner umsichtigen und tatfrohen Leitung war dem Unternehmen eine weitere Ausdehnung ver­gönnt, die ihren sichtbaren Ausdruck fand in der Gründung von weiteren Filialfabriken' in Mu­dersbach und Altenoers. Bei der Hundertjahrfeier im Jahre 1911 wurde dem Firmeninhaber Adolf Noll, ebenso wie vordem seinem Vater, von dem Großherzog von Hessen der Titel Kommerzienrat verliehen.

Der Ausbruch des Krieges 1914, die Jahre des Kampfes des deutschen Volkes gegen eine Welt von Feinden, der furchtbare Niederbruch des Vaterlan­des nach dem unglücklichen Kriegsausgang, die da-

Tiro und Haro.

»Eine Plauderei zum Aufgang der Hühnerjagd.

Wieder ist die Zeit gekommen, wo es auch den i Stadtbewohnern vergönnt ist, einen Blick in das J (Betriebe des Weidwerks zu tun, wenn sie bei ihren i Spaziergängen die Jäger die Felder nach Reb­hühnern, vom Jäger kurzHühner" genannt, mit ühren mehr oder minderfirmen" Hunden absuchen sehen! Vielleicht bietet sich auch Gelegenheit, wenn ödie Wälder sich herbstlich färben und der Wind riiber die Stoppeln weht, eine Treibjagd auf Hasen imit anzusehen. Bemerkt sei hier, daß die so häufig yu beobachtende Suchjagd auf Hasen bei der streng iweidgerechten Jägerei verpönt ist. Genaue Beobach­tungen haben ergeben, daß dabei fast 70 vH. Ha- ssinnen erlegt werden, während der schlaue Ramm- Her sich fast immer rechtzeitig saloiert. Wer seine iJagd also hegen und schonen will, der ichießt auf fier Suche keinen Hasen Bei solchen Beobachtungen jagdlicher Betätigung klingen die RufeTiro aberHaro" häufig an das Ohr des«chlach- üenbummlers". Was bedeuten sie? In grauer Vor- igeit erhoben unsere Vorfahren in Fällen gemeiner Not" und bei der Verfolgung von Verbrechern das ..Gerüst". Der landschaftlich sehr verschiedene Rus war in erster Linie auf Erzeugung eines weithin schallenden Tones berechnet, daher wurden beson­ders Verbindungen mitie" gewählt, sogeurto , ..Mordio" oder der alte clamor ad arma (Alarm): .Feindio"!. Der RufHaro" wird von einigen Forschern aus dem Normannischen hergeleitet (ogl. Masson:Etüde historique sur le clameur de najo). Das germanische Gerüst sollhus-haro- tnaro gelautet haben, wobeiharo bedeuten soll ,her zu mir",herbei"hierher". Aus dielen Ruf erschienen die Nachbarn alle, die dasGe­lüst" hörten und folgten alsSchreimannen dem Verbrecher, bis sie seiner habhaft wurden. Der von enSchreimannen" ergriffene Verbrecher rouröe, wenn man ihn nicht alsFriedlosen Mann sofort Mete, nebst den körperlichen Beweisen gebunden ioor Gericht gesührt und aus Klage unb übliche Aussage bes Verletzten unb einer genügenden Zahl :oonSchreimannen" als Eideshelfer sofort ver- uirteilt. Wenn heute dasharo, haro1 ertönt bann loflegt balb barauf ein kurzer Knall zu verkünden, « der arme VerbrecherLampe sein Ende ge­funden, wenn nicht seine Gewandtheit ihn m letztem Augenblick gerettet hat. Wie Lampe seit grauer Vorzeit verfolgt wird, hat niemand trefflicher ge- childert als Altmeister Wildungen:

Menschen, Hunde, Wölfe, Luchse, Katzen^ Marder, Wiesel, Fuchse, Adler, Uhu, Raben, Krähen, Jeder Habicht, den wir sehen, Elstern ja nicht zu vergessen, Alles, alles will ihn fressen.

In der ältesten Zeit ist Lampe zu Todegehetzt" worden. Jäger zu Fuß und zu Pferd zogen über das Stoppelfeld, um ihn auszumachen; stand ein Hase aus dem Lager auf, so wurden auf den Wink des Jagdleiters die Windhunde gelöst, die ihn nach dem SpruchDiele Hunde sind des Hasen Tod", meist bald ereilten. Auch in Netzen wurde Lampe gefangen. Ein Feld- ober Walbesteil würbe mitfängisch" gestellten Netzen eingelappt bzw. umgestellt, unb zwar auf brei Seiten; von Der vierten gingen bie Treiber mit Hunben derart vor, daß sie das Wild nach den Netzen zu drängten. Das Wild jagte gegen die Netze, in die es sich so verwickelte, daß die Netze über ihm zusammenfie­len. Das Wild wurde dann von den Jägernab­gefangen", eine wenig weidmännische Art Der Jagd. Es hat Übrigens eine Zeit gegeben, in der die Jä­ger von Beruf aufHasenwechsel" Schlingen stell­ten, eine Betätigung, bie heute nur noch ber Schlingensteller unb Wilbdieb betreibt. Don bem Erlegen bes Hasen mit der Armbrust ist kein Nach­weis bekannt; im 16. Jahrhundert verdrängte bie Büchse bie Armbrust. Um 1517 würbe in Nürnberg basRabschloß" erfunben, welches bie Lunte über­flüssig machte, bie neuen Gewehre würben als zielselbstzünbenbe unb geschraubte Büchsen" ober Pirschrohre" bezeichnet. Der Magister Johannes Eolerus, ein gesittlicher Herr, rät in seinem Werk: viginti libri oeconomici de re rustica et de re venatoria ums Jahr 1632 dem Jäger, er solle, wenn er einen Hasen im Lager sitzen sähe, einen Stab in die Erde stecken und darauf seinen Hut setzen. Lampe sähe dann unentwegt nach diesem Geßler-Zeichen" und der Jäger habe Zeit, ihn zu erschießen. Bei Flemming, demVollkommenen teutschen Jäger" finden wir um 1719 den Rat, den Hasen mit Netzen zu umstellen und ihn in die Maschen zu jagen; er sagt aber selbst, daß sie mit Netzjagden" gar zu sehrvertilgt" würden und rät zum ,Llopf-Jagen", d. h. zur Treibjagd mit Schrotschuß, oder dazu, die Hasen auf flachen Feldern mit Windhunden zu hetzen, mit dem Habicht zu beizen oder in Gruben und Schlingen zu fangen! Durch die leichteren Gewehre, überhaupt durch die fortschreitende Verbesserung ber Feuerwaffen kam bas Fangen unb Hetzen ber Hasen allmählich ganz ab; ber Schrotschuß aus ber Suche, Ansitz unb Treibjagb mürben üblich. Eine weibgerecht betrie­bene Treibsagb auf Hasen ist ein Genuß, wenn jeber Teilnehmerweibmännisch" jagt, wie es sich gehört, ben Schöpfer im Geschöpfe ehrt. Etwas gräßliches finb bie großen Ireibjagben, bieHasen­schlächtereien"! Jeder Berg- und Waldjäger, der ein­mal einen solchen Hasenmo^d mitgemacht hat, bleibt für die Folge ferne. Geschrei der Treiber, lärmende Schützen, die geängstigten Tiere, die sich im ver­kleinerten Kessel zusammendrängen! Dort schleppt sich ein Hase mit durchschossenem Rücken mühsam unter Angst uni) Schmerzen auf den Vorderläufen

weiter, dort sind einem die Vorderläufe abgeschossen, er hoppelt auf den Hinterläufen weiter. Es ist kein schöner Anblick. Wie ganz anders, wenn der Hase auf schmaler Waldschneide das Rad schlägt; Blitz und Knall: ein schmerzloses Ende.

Der bei der Jagd auf Rebhühner oft zu hörende RufTiro" hat mit der Ableitung des Rufes Haro" nichts zu tun. Es handelt sich um das französischetirez Haut"schieß hoch" in die Höhe. Die Rebühner werden imTreibzeug",Ty- raß", Stecken- und Hochgarn mit und ohne Habicht gefangen; daneben trat nach Einführung der leich­teren Feuerwaffen das Schießen, das heute allge­mein üblich ist. Die Jagd auf Hühner mit einem guten Vorstehhund ist der schönste Genuß für Den Weidmann; Altmeister Diezel sagt von der schönen Zeit der Hühnersuche:

Heute will ich suchen, morgen geht's ans

Treiben

Unb übermorgen winkt der Dogelherd.

O könnte es Herbst im ganzen Jahre bleiben. Dann hätt ich alles was mein Herz begehrt."

Weidmannsheil!

Dr. Ludwig Roth.

Inkognito.

Gloria -Palast -Lichtspiele.

Eine zwar nicht neue, aber hübsche unb immer wirkungsvolle Jbee hat Harald Bratt hier amü­sant ausgesponnen. Der junge Chef eines großen Hauses, der Geschäft unb Reichtum ererbt hat, ohne etwas von ber Branche zu verstehen, bekommt es satt, mit Repräsentieren, Flirt unb Schachspielen seine Zeit totzuschlagen, er verschwinbet eines Tages spurlos. Mil seiner Unerfahrenheit in praktischen Dingen kommt er zwar nicht weit, aber die erste Autopanne läßt ihn mit einem arbeitslosen Kauf­mann bekannt werden, der darauf brennt, wieder eine Stelle zu bekommen. Er verschafft sie ihm durch einen Anruf bei der Direktion feines Werkes, aber geht selber als neueingestellter Vertreter in die Filiale seiner Firma und schickt den neuen Freund mit seinem Auto und seiner Brieftasche auf Reisen in die weite Welt. Wie der junge Chef sich nun in der Filiale 153inkognito" einfuhrt, sehr biereifrig zwar, aber unbeholfen und von Branche­kenntnissen unbeschwert, wird sehr lustig und frisch plausibel gemacht. Eine Liebschaft mit einer klei­nen hübschen Dorstadtkundin krönt das neue Dasein, während der kleine Verkäufer Fritz Schulze als reicher Mann sorglos in der Welt herumgonoelt. Alles hat einmal ein Ende, auch das beft gewahrte Inkognito. In der Filiale werden Unterschleife ent­deckt, der neue Angestellte kommt in Verdacht, die Kriminalpolizei erscheint und ber herbeigerufene

Generaldirektor findet seinen schon totgeglaubten Chef wieder, um vieles gewitzigter an Branchen­kunde und Menschenkenntnissen. Die kleine Liebe aus ber Dorstabt nimmt er als seine Frau mit heim und Herr Fritz Schulze macht den Flirt aus der verflossenen Zeit der Langeweile glücklich. Daran ist zwar manches unwahrscheinlich, aber das Leben ist oft wunderbar, besonders im Lustspiel- Film. Richard Schneider - Edenkoben hat chn flott und schmissig in Szene gesetzt. Besonders gut gelungen sind die Bilder aus der Filiale. Wie Filialleiter, Verkäufer und Stift den neuenKol­legen" empfangen und sich zu ihm stellen ist sehr hübsch gemacht. Gustav Fröhlich spielt den jun­gen Chef leicht melancholisch, erst vom Lauf der Dinge mehr getrieben als selbst handelnd, dann aber zusehends in die neue Rolle hineinwachsend und auch im Vorstadtmilieu seinen Mann stellend. Ernst W a l d o w ist sein Gegenpart, ein kesser Junge, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Besonders hübsch Hansi K n o t e ck , ein reizendes kleines Persönchen, das auch in heiklen Situatio­nen mutig zu ihrem Liebsten hält. Einen famosen Lehrjungen macht Hans Richter unb einen ulki­gen, auch in schwierigen Lagen brauchbaren Diener Hans L e i b e 11. Das saubere Ensemblespiel sichert eine amüsante Unterhaltung. Im Beiprogramm sieht man Albert Florath in einem kleinen Lust­spielfilm auf der silbernen Hochzeitsreise. Ein Kul­turfilm zeigt Warschau mit seiner winkligen romantischen Altstadt, seinen prächttgen Barock­palästen und herrlichen Parks. Von den Olympischen Spielen sieht man aufregende Szenen von den Schwimm-, Ruder-, Fußball- und Wasserball­meisterschaften und die ersten Bilder vom Reiten.

Im Lichtspielhaus wird der hier schon besprochene Ufa-FilmDie Gräfin von Monte Christo", den Hartl in Szene gesetzt hat, wieder auf­geführt. Es ist die Geschichte einer kleinen Film- komparsin, die auch einmal ihre Rolle als große Dame von Welt im wirklichen Leben spielen möchte, bei dem Versuch aber in die Hände internationaler Hochstapler gerät und froh sein muß, verhältnis- mäßig glimpflich davonzukommen. In dem Film, der auch seines Milieus wegen interessant ist, spie­len ein paar Große der Leinwand mit, deretwegen es sich lohnt, ihn sich noch einmal anzusehen. Vor allem Rudolf Forster, leidenschaftlicher Liebhaber und kalter Verbrecher, Gustaf Gründgens, Hoteldieb und Erpresser, der überlegen und skrupel­los im Streit um die Frau den ehemaligen Kum­panen der Polizei ausliefert. Etwas matt zwischen beiden Brigitte Helm, am eindrucksvollsten in ein par Augenblicken, wo sie nichts weiter ist als ein schlichtes kleines Mädel, das um ihre Liebe bangt. Im Beiprogramm ein interessanter Film über Volk und Landschaft Südserbiens.