Ausgabe 
25.8.1936
 
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irgendwie kn eine Kriegspsychose zu verfallen. Es handelt sich um eine Maßnahme, die allen Mög­lichkeiten der Zukunft vorbeugen will und dadurch das Gefühl der Beruhigung und der Sicherheit erhöht."

In derBerliner B ö r s e n z e i t u n g" heißt es: Wenn ein Volk für seine Sicherheit in einem Maße Vorsorge trifft, das angriffssüchtigen und riedlosen Elementen die Lust zum Angriff nimmt, o erweist es nicht nur sich selbst, sondern auch der Imme 11 einen unschätzbaren Dienst im Interesse der Erhaltung des Friedens.

So erweist sich auch die Einführung der zwei- jährigen Dienstzeit als eine Maßnahme, die dem deutschen Volk und dem Welt­frieden dient. Nachdem jetzt Rußland die ungeheure Vermehrung des Aktivbestandes feiner Wehrmacht beschlossen und dadurch die Herstellung des europäischen Gleichgewichtes er­neut gefährdet hat, war es für das Deutsche Reich, dessen Wehrkraft noch dazu die schwachen Geburtenjahrgänge zu überwinden hat, eine vom Gebot der Selbsterhaltung vorgeschriebene Pflicht, durch die Einführung der zweijährigen Dienstzeit seine Sicherheit zu vervollständigen und dem deut­schen Staatsbürger das für die normale Ab­wicklung des Volkslebens notwendige Gefühl der Sicherheit des Landes zu geben.

Auch dieDeutsche Allgemeine Zei­tung" betont: Wir Deutsche wollen auf keinen Fall den Krieg. Wir wollen nicht, daß unser Wiederaufbau gestört wird, und wir wollen uns erst recht nicht von den Bolschewisten das Gesetz des Handelns vorschreiben lassen. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit haben erneut die rote Weltgefahr erwiesen, leider aber auch die Tatsache, daß diese Gefahr in den großen Ländern des Westens nicht richtig erkannt wird. Das nationalsozialistische Deutschland hat den Schutzwall gegen den Kommunismus errichtet, nicht nur im Innern, sondern gleichzeitig dadurch, daß Deutsch­land wieder ein wehrfähiges Volk wurde. Angesichts der verstärkten Aggressivität des Kommunismus mußte dieser Schutzwall verstärkt werden, und dies ist geschehen durch den Erlaß des Führers, der die aktive Dienstpflicht auf zwei Jahre festsetzt.

DieKreuzzeitung" sagt: Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Deutschland stellt keine Aggressivmaßnahme dar, durch sie wird nur etwas nachgeholt, was die anderen um uns herum bereits voraushaben.

Es handelt sich dabei lediglich um einen vorbeugenden Schritt und um die Dokumentierung, daß Deutschland und seine nationalsozialistische Regierung in gar kei­ner Weise gewillt sind, sich zu einem Kriegsschauplatz für die Role Ar­mee machen zu lassen. Der Schritt des Füh­rers legt dem deutschen Volke Opfer auf, Opfer, die vor allem die deutsche Jugend zu tragen haben wird. Aber wir sind sicher, daß die deutsche Jugend ihre Pflicht in stol- zer Haltung tragen wird, und in dem Bewußtsein, daß sie dies dem Vaterlande, dem deutschen Volke und seiner Sicherheit schuldig ist.

DasBerliner Tageblatt" schreibt: Wir sind uns dessen bewußt, daß die Notwendig­keit diesen Schritt diktiert hat, daß er friedens- fördernd wirkt durch die vermehrte Si­cherheit, die er dem allgemeinen Bestand Deutschlands und Europas bringt. Die Be­deutung der Wehrmacht wird durch den Beschluß vom 24. August uns noch stärker vor Augen stehen als bisher. Das Gewicht der Gründe für die Ver­doppelung der Dienstpflicht wird die persönlichen Opfer, die jeder junge Deutsche vor allem zu brin­gen hat, im Ansehen des Landes heben, und die Armee wird mehr denn je von dem Vertrauen und der Achtung der Gesamtheit getragen werden.

DieG e r m a n i a" erklärt: Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist die logische Antwort auf die außenpolitische Entwicklung. Sie ist kein Alarmsignal, sie bedeutet nicht, daß ernste Er­eignisse vor der Tür stehen, sie soll vielmehr gerade den Eintritt derartiger Ereignisse verhindern. Sie ist ein Vorbeugungsmittel und keine Gewaltkur und darum letzten Endes eine neue Friedensgarantie.

Roter Flugtag in Moskau.

Französische Offiziere als Gäste.

Moskau, 25. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der bereits für den 18. August geplant gewesene F l u g- tag der roten Luftfahrt fand nunmehr am Montag auf dem Moskauer Flughafen Tuschino statt. Unter den vielen Zuschauern, die die Tribü­nen bevölkerten, fielen zahlreiche franzö­sische Offiziere und die Mitglieder einer vor kurzem in Moskau eingetroffenen Abordnung französischer Flugzeugindustrieller und Ingenieure auf. Das Programm brachte Vorführungen der sowjetrussischen Sport- und Militärluftfahrt. Von be­sonders demonstrativen Charakter waren aber die Vorführungen der Militärflieger, mit denen man die französischen Gäste wohl am meisten zu interessieren gedachte. So war auf dem Flugplatz u. a. dasModelleinerEisenbahnstation errichtet, die durch ein Bombengeschwa­der vernichtet wurde, Schlaggeschütze und Jagdflieger-Luftkämpfe wurden weiter vorgeführt. Großes Interesse fanden neue st e Jagdflug­zeuge mit einziehbarem Fahrgestell, die eine sehr beachtliche Geschwindigkeit entwickel­ten und Fallschirmabsprünge. Aus acht großen Maschinen sprangen 200 Soldaten ab. Vor­führungen weiblicher Fallschirmpiloten und das Erscheinen zwei halbstarrer Luftschiffe bildeten den Abschuß des Programms, das den Eindruck von einer sehr erheblichen Stärkung der sowjetrussischen Luftrüstungen gegen­über dem vergangenen Jahr übermittelte.

Kommunistischer Geheimbund in der Mandschurei.

Schanghai, 24. Aug. (DNB ) Arn 20. August sind in Hailar neun Russen standrechtlich e r - schossen worden. Sie hatten gestanden, a n terroristischen Akten beteiligt gewesen zu sein, die der Vorbereitung eines be­waffneten A u f st a n d e s für den Fall von russisch-japanischen Feindseligkeiten dienen sollten. Weitere 28 Russen wurden zu Gefängnisstrafen von zwei Jahren bis lebenslänglich verurteilt. Durch die Untersuchung wurde das Vorhanden­sein eines etwa 300 Mann starken kommu­nistischen Geheimbundes aufgedeckt, der

OeuischesWaffenausfuhrverboigegenüberGpam'en in Krast getreten.

Berlin, 24. Aug. (DRV.) Wie wir hören, ist die deutsche Regierung davon in Kenntnis gesetzt worden, daß sich alle in Frage kommenden Staaten der vorgeschlagenen Erklärung über ein Waffenembargo gegenüber Spanien an ge­schlossen haben. Die deutsche Regierung hat dar­aufhin der französischen Regierung mitgeteilt, daß sie das Waffenembargo in Deutschland nunmehr mit sofortiger Wirkung in Kraft sehen werde.

Dieser Beschluß ist gefaßt worden, obwohl die Erörterungen mit der Regierung in Madrid über die Freigabe des deutschen Transportflugzeuges noch nicht haben abgeschlossen werden können. Selbstverständlich wird dadurch die an die spanische Regierung gestellte Freigabeforderung nicht berührt. Die deutsche Regierung hat im übrigen bei ihrer Mitteilung an die französische Regierung der dringenden Erwartung Ausdruck ge­geben, daß jetzt auch die übrigen beteiligten Regierungen, soweit dies noch nicht geschehen ist, das Erforderliche veranlassen, um die verabredeten Maßnahmen wirksam zur Durch­führung zu bringen.

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Am 17. August erklärte die deutsche Regierung auf Grund einer französischen Anregung ihre Be­reitschaft, ein Wafsenausfuhroerbot nach Spanien zu erlassen. Sie knüpfte aber daran die Vor­aussetzung, daß erstens das von der Madrider Regierung festgehaltene deutsche Transport­flugzeug freigegeben werde und daß zweitens auch alle übrigen Staaten mit nennenswerter Waffenproduktion sich in glei­cher Weise binden, sowie die Lieferungen privater Firmen oder Personen durch das Embargo mit erfaßt würden. Außerdem gab Deutschland seinem Wunsche Ausdruck, daß auch die Ausreise von freiwilligen Teil­nehmern an den spanischen Kämpfen verhin­dert werde. Inzwischen sind alle in Frage kom­menden Regierungen dem geplanten Neutralitäts­abkommen beigetreten, und England hat von sich aus ein Wafsenausfuhroerbot ausgesprochen, nach­dem Frankreich bereits vor Wochen seine aller­dings sehr löchrige Waffensperre gegen Spanien verhängt hatte. Da Deutschland von Anfang an auf dem Standpunkt der Nichteinmischung in die inneren Auseinandersetzungen Spaniens gestanden hat und weil es wünscht, daß der Ausbreitung des spanischen Bügerkriegsfeuers über das restliche

Europa kein Vorschub geleistet werde, hat es die Tatsache der Zustimmungserklärung durch die üb­rigen Mächte zum Anlaß genommen, um seiner­seits aus freien Stücken jegliche deutsche Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Spanien zu verbieten.

Wie sehr Deutschland von dem Verlangen beseelt ist, im Interesse der europäischen Einigung au han­deln und jede mögliche Kriegsgefahr auszuschalten, erhellt schon daraus, daß die Reichsregierung die zweite Bedingung vom 17. August, nämlich die Freigabe des bei Madrid beschlagnahmten Junkers­flugzeuges, aus eigenem Antrieb zurückgestellt, wenn auch nicht aufgegeben hat. Wir haben damit wieder einen Beweis unseres guten Willens gegeben und müssen hoffen, daß auch die ü b r i a e n Mächte, die sich an der Waffen­sperre beteiligen wollen, nach Geist und Buchstaben dieser Konvention verfahren, damit eine wirk­same und vollständige Neutralität erreicht wird. Wir knüpfen an unsere Zusage also die ganz bestimmte Erwartung, daß von den an­deren Ländern nun auch wirklich alles verhindert wird, was einer Einmischung in den spanischen Bürgerkrieg gleichkommt, daß also beispielsweise nicht nur die Regierung und Amtspersonen, son­dern auch die Parteien und Gewerk­schaften in das Verbot der Waffenlieferung und Hilfeleistung für die eine oder andere spanische Bürgerkriegspartei einbezogen werden.

Leider lehren die Ereignisse der letzten Tage, daß man an verantwortlicher Stelle in Moskau und Paris zu einer solchen Auffassung von strik­ter Neutralität noch immer nicht durchgedrungen ist. Bis zur Stunde hat die Uebersendung von Gra­naten, Flugzeugen, Maschinengewehren und Gel­dern seitens der französischen Volksfront an die marxistischen Genossen in Madrid nicht aufgehört, und selbst den französischen Botschafter hinderte seine amtliche Funktion nicht, 500 Peseten für die spanische Volksfront zu stiften. Auch der allmäch­tige Gewerkschaftsführer Jouhaux erklärte in Lille neuerdings seine Solidarität mit dem roten Spa­nien. Es ist ganz klar, daß solche Vorfälle nicht geeignet sind, den Wert einer allgemeinen Neutra - litätsDereinbarung zu erhöhen. Wenn Frankreich sich nicht dem begründeten Verdacht aussetzen will, Waffenembargo und Nichteinmischung nur zum Schein gefordert zu haben, wird die Pariser Re­gierung sich schnellstens bemühen müssen, solche Uebergriffe zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Nur unter dieser still­schweigenden Voraussetzung ist der Erlaß des deut­schen Waffenausfuhrverbots erfolgt.

Genugtuung in England.

London, 25. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenblätter verzeichnen durchweg mit großer Genugtuung die Nachricht über das deutsche Ver­bot der Ausfuhr von Waffen nach Spanien. All- gemein wird die Auffassung vertreten, daß jetzt der Weg für den Abschluß einer Nicht, einmischungsvereinbarung frei fei. Daily Telegraph" schreibt, jetzt müßten noch Italien, Portugal und Sowjetruß. land überredet werden, unverzüglich ähnliche Ausfuhrverbote zu erlassen. Darüber hinaus müsse jetzt der Wortlaut eines Abkommens formuliert werden. In der Frage geldlicher und moralischer Unterstützung werde es bei dem Gedankenaustausch zwischen den Haupt- ftäbten vielleicht noch zu einer lebhafteren Kritik kommen, aber die eigentliche Neutralität- und Nichteinmischungsverpflichtung sei das Verbot der Ausfuhr von Kriegsmaterial.

Der sozialistischeDaily Herold" erklärt, durch das deutsche Waffenembargo habe sich die Lage mit einem Schlage geändert. Wenn auch die Regierun. gen Italiens und der Sowjetunion Was. fenaussuhrverbote erließen, dann sei das Nichtein. Mischungsabkommen so gut wie gesichert. Daily Expreß" sagt kurz, jetzt fei eine reale Chance gegeben, daß alle Mächte ihreFinger" dem spanischen Ofen" fernhielten.

Das Echo in Pans.

Paris, 24. Aug. (DNB.) Deutschlands Ent­schluß wird vom Tempos als eine Tatsache von größter Bedeutung bezeichnet, die-die besten Aussichten für die Verwirklichung der von Frankreich vorgeschlagenen Nichteinmischung biete. In dieser Maßnahme sehe man um so mehr eine Geste guten Willens der deutschen Regie­rung, als diese nicht gezögert habe, ihre Zustim­mung zu geben, bevor sie von der spanischen Regierung die geforderte Genugtuung und Wiedergutmachung erhalten habe. Das Er. eignis könne die internationale Lage fühlbar klä­ren. Man müsse sich dazu um so mehr beglückwün­schen, als die spanische Krise selbst jeden Tag neue Vorwände für gefährlicherer- Wicklungen liefere. Deutschlands Zustimmung zum Nichteinmischungsoorschlag wird auch vom Pe- tit Parisien als ein Beweis guten Willens bezeich- net, den man unterstreichen müsse. Nun werde die Hauptverhandlung über die Nichteinmischung in ihren entscheidenden Abschnitt treten.

Die Volkssrontregierung in der Gewalt der Anarchisten.

feinen Mitgliedern unter Todesandrohung Schweigepflicht auferlegt hat und schon seit Jahren in der Mandschurei tätig ist, um kom­munistische Iden zu verbreiten.

Die Freunde des Bolschewismus.

Eine italienische Abrechnung.

Mailand, 25. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der MailänderP o p o l o d'Jt ali a" veröffentlicht einen Aufsatz mit der UeberschriftMenschen­rechte", in dem das Blatt scharf gegen das Trei­ben der kommunistischen Zerstörer Stellung nimmt. Während man mit der üblichen Heuchelei über die unsterblichen Grundsätze der Selbstbestimmung der Völker und der Nichteinmischung im Namen der Freiheit herumrede, unter st Ütze man mit Geld und Waffen Menschen, die sich gegen jedes menschliche Gesetz auflehnten und sich selbst in sonderbarer Umkehrung der Werte alsLegalisten" bezeichneten. Die Parteien, die sich bisher um dasunzivilisierte" Abessinien erregt hät­ten, zollten nun denjenigen Beifall, die alsRe­bellen" hingestellt würden, weil sie sich zu diesen Grundsätzen von Familie, Eigentum, Religion, Mo­ral und Patriotismus bekennen. Die Regierungen, die sich rühmten, zivilisierte Staaten zu leiten, wüschen die Hände in Unschuld und schlimmer noch, sie unter st ätzten die Kommunisten und Anarchisten nur deshalb, weil sie die natür­lichen Feinde des Faschismus feien ohne zu beden­ken, daß es gegen die Humanität und die tausend­jährige europäische Zivilisation gehe.

Das Todesurteil gegen öiel STrohkisten vollstreckt.

Moskau, 25. Aug. (DNB) Das Exekutiv­komitee der Sowjetunion hat, wie die Taß meldet, die Begnadigungsgesuche der 16 wegen angeblicher Verschwörung zum Tode Verurteilten abgelehnt. Das Urteil soll gegen alle 16 Ver­urteilten bereits vollstreckt worden sein.

Kommunistische Kundgebungen vor dem deutschen Konsulat in Preßburg.

Prag, 25. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Vorführung des Sowjetpropaganda­zugesW i r a u s K r o n st a d t" in Preßburg be­gaben sich etwa 100 Kommunisten, meist junge Leute, in zwei Gruppen vordasdeutscheKonsulat, wo es zu Lärmkundgebungen kam. Unter den Demonstranten bemerkte man zahlreiche Juden. Es wurden Hochrufe auf die spanischen Marxisten und auf Sowjetrußland ausgebracht. Die Polizei säuberte energisch die Umgebung des Konsulats und verhaftete zwei Personen.

Tagung des Völkerbundsrates.

Genf, 24. Aug. (DNB.) Das Völkerbundssekre­tariat veröffentlichte die vorläufige Tagesord­nung der 93. ordentlichen Ratstagung, die am 18. September beginnt. Als politisch wichtige Angelegenheiten stehen darauf der Locarnooertrag und unter der UeberschriftVerwirklichung der Grundsätze des Völkerbundspak­tes" die Frage der Völkerbundsreform. Hierzu soll der Generalsekretär auf Grund der von Frankreich auf der letzten Tagung der Versamm­lung angeregten und vom Rat beschlossenen U m - frage bei den einzelnen Regierungen der Sep­temberoersammlung einen Bericht vorlegen. Der Rat als deren Exekutioorgan ist gleichfalls mit der Angelegenheit befaßt. Bekanntlich ist aber b i s jetzt nur von Frankreich eine Antwort beim Generalsekretariat eingegangen.

Kopenhagen, 24. Aug. (DNB.)Politiken" veröffentlicht einen Bericht ihres nach Spanien ent­sandten Sonderberichterstatters, der nicht der spa­nischen Zensur unterworfen war. Auf Grund eines Besuches an den verschiedenen Frontabschnitten bei Madrid stellt er fest, daß der Würgegriff der natio­nalistischen Generale um die Hauptstadt von Tag zu Tag fester werde. Die eigentliche Gefahr für die Regierung komme im Slugenbüd aber nicht von außen, sondern angesichts des wachsenden Ter­rors des roten Mobs von innen. Nach seiner Rück­kehr von der Front sei das ganze dicht bevölkerte Stadtviertel Bario Moncloa im wilden Auf­ruhr gewesen. Eine rasende Menschenmenge habe versucht, das Carcel Modelv, das sogenannte Mo­dellgefängnis, in Brand zu fetzen, wo über 400 politische Gefangene eingesperrt gewesen seien. Alle Straßen in der Nähe des Gefängnisses seien von bewaffneten Männern und Frauen besetzt ge­wesen, die in größter Errgeung alle Vorbeigehen­den mit ihren Gewehren und Nevolvern bedroht hätten. Sie hätten fast ausschließlich den beiden extremen Gruppen, der anarchistisch-syndi­kalistischen nationalen Arbeitervereinigung CNT. und den Sturmtruppen der Vereinigung Iberischer Anarchisten FAJ. angehört, die beide in scharfer Opposition zu der Sozialdemokratie stünden. Aus dem Gefängnis habe man das Schreien der Gefangenen gehört, während draußen die Anarchisten unter Toben ihre Waffen geschwungen hätten.

Vor dem Tor des Gefängnisses habe totenbleich und mit verzerrten Gesichtszügen der Direktor des Gefängnisses gestanden, der erklärte, daß der Brand, der durch Zufall ausgenommen sei, bereits gelöscht sei. Jrn selben Augenblick habe man aus dem Gefängnis etwa 2 0 Schüsse und beim Wegfahren noch eine Salve gehört. Die FAJ., die glaubte, die Hinrichtungen gingen nicht schnell genug vor sich, habe das Gefängnis in Brand gesteckt. Auf den Anruf des Gefängnisdirek­tors beim Ministerium fei ihm erklärt worden, daß man versuchen wolle, mit der FAJ. zu verhandeln. Eine Viertelstunde später sei von dem Ministerium der Befehl gekommen, 5 0 der Gefangenen z u erschießen. Das sei die Mindestforderung der FAJ. gewesen. Am Abend habe die Regierung eine Erklärung veröffentlicht, wonach es sich um eine Verschwörung faschistischer Gefangener gehan­delt habe, die versucht hätten, das Gefängnis in Brand zu stecken, die Schuldigen feien jedoch bestraft worden.

Am Tage vorher hätten die Angehörigen der FAJ. den alten General Lopez Ochoa, der wegen der Ereignisse von 1934 verhaftet worden war, sich aber im Militärhospital befand, aus dem Bett geholt und verlangt, daß er ihnen im Pyjama folgen solle. Nachdem sie ihn erschossen hätten, hätten sie ihm den Kopf abgeschnitten und diesen auf einer Stange im großen Freudenzug vor die Wohnung des Generals in Madrid und dann den Paseo del Prado entlang getragen. Einige Zeit vorher hätten sich 110 Mönche, darunter Zchei weltbekannte katholische Gelehrte, aus Esco­rial nach Madrid begeben, da sie glaubten, dort in größerer Sicherheit zu sein. Keiner von ihnen habe jedoch jemals Madrid erreicht.

Berichtet wird ferner, ein Eisenbahnzug mit 2 0 0 Gefangenen aus der Provinz Jaen sei acht Kilometer vor Madrid zur Entgleisung ge­bracht und in einen Abgrund gestürzt. Man rechne in Madrid mit über 6000Morden.

Die FAJ. habe die Macht in Barcelona, wo sie am stärksten sei, und in Valencia, wo die Morde in

wachsendem Tempo vor sich gingen. In Madrid hatten die Sozialisten die überwiegende Mehrheit. Die Partei sei sich jedoch klar darüber, daß es keinen Frieden gebe, ehe sie mit der FAA. fertig sei. In Barcelona gehörten die Zusammenstöße zwischen der FAJ. und den Sozialisten bereits zur Tagesordnung, und in Madrid hätten ihm drei sozialistische Abgeordnete erklärt, sie wagten nicht ihre Kinder und Enkel auf die Straße gehen zu lassen.

Vermittlungsbemühungen?

London, 25. Aug. (DNB. Funkspruch.) Mov ning Post berichtet, daß im Gefolge der Nichtein» mischungsoerhandlungen, die durch die deutsche Zu­stimmung zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht worden seien, jetzt Schritte unternommen wurden, um dem Krieg in Spanien ein Ende zu bereiten. Diese Schritte gingen von einzelnen Spaniern aus, die einerseits von dem Wunsche er­füllt seien, weiteres Blutvergießen zu vermeiden und andererseits verhindern wollten, daß Spanien in die Hände irgendeiner der radika­len Parteien falle. Das Blatt bringt den Be­such des Londoner spanischen Gesandten in Paris mit diesen Bestrebungen in Verbindung. Unterhal­tungen mit dem Ziele eines Waffenstillstan­des seien im Gange. Sehr wahrscheinlich nehme Graf Romanones an diesen Unterhaltungen teil. Das Ergebnis werde von den vom argen­tinischen Botschafter in Madrid einge­leiteten Verhandlungen, die von den französischen und britischen Botschaftern in Madrid unterstützt würden, abhängen. U. a. sei der Austausch von Zivilgefangenen angeregt. Das jetzt erreichte Uebereinfommen der Mächte eröffne einen günstige­ren Ausblick für eine Intervention, die jedoch durch einen entscheidenden Sieg einer der Parteien be­einträchtigt werden könnte.

Das neutrale Frankreich.

Lissabon, 25. Aug. (DNB. Funkspruch.) In einer Ansprache über den Sender Sevilla bestätigte General Queipo de Llano das erfolgreiche L u f t b o m b a r d a m e n t der Flugplätze von Madrid durch nationalistische Flugzeuge und teilte mit, daß das von den Roten in Tolosa zurück­gelassene Flugmaterial zu einem größten Teil fran­zösischen Ursprungs gewesen sei. Auf die parteiische Stellungnahme eines Teiles der franzö­sischen Presse eingehend, erinnerte der General an den Weltkrieg, wo die Franzosen wegen der durch feindliche Granaten geschädigten Kirchen die ganze Welt in Bewegung gesetzt hätten. In Spanien könn« ten jetzt sämtliche Kirchen zerstört werden, ohne daß Frankreich auch nur ein Wort der Verurteilung finde.

Neue englische Flugplätze im Fernen Osten.

London. 22. Aug. (DNB.) Nach einer Siet- bung aus Singapore soll von dort aus nach dem Innern der Malaienstaaten eine strategische Kette von Flughäfen und Lande­plätzen angelegt werden. Gegenwärtig befindet sich der Hauptflughafen auf der Insel Singa» pore selbst, ein anderer großer Flugplatz in Se« letar, dem Hauptverkehrspunkt des Fernostkom» mandos. Zwei weitere Flughäfen der britischen Lust­macht seien an der .Südtuüsts iter Jns-I bzw»