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Für den Büchertisch
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Kulturgeschichte und Volkskunde
Leonardo da Vinci und Dürer
vollkommensten Einheit verbindet.
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Korrekturen und Ergänzungen „mit des Verfassers Vorstellung von Leonardos Wesen in Einklang
Wieckeln, mit dem Eva, die vermummte Kutscherin, den Zaren Nikolaus I. durch das nächtliche verschneite Kurland fährt. Deutlich fühlt man aus der überaus einprägsamen Naturschilderung den Künstler heraus — der Verfasser ist denn auch tatsächlich Maler —; aber ebenso erweist sich Hoerner als der geborene Erzähler, von dem wir hoffentlich noch größere Werke zu erwarten haben.
— Bernhard Blume: Das Wirtshaus zum roten Husaren. Roman. 272 Seiten. Schützen-Verlag, Berlin. — (93) — Blume, der als Dramatiker bekannt wurde, zeichnet hier ein düster-farbiges Bild aus der Zeit um das Jahr 1700. Die Türkenkriege und das Heerlager des
Prinzen Eugen, böhmische Schlösser und deutsche Städte, dunkle Kneipen, Gefängnisse und Folterkammern sind die Schauplätze der bunten Handlung. Heerführer, entlassene Soldaten, Lagerdirnen und Marodeure die Spieler .. - Dazwischen die Hauptfigur des Buches: Stefan Kreith, ein Soldat, der ehrlich versucht, sich im Wirrwarr einer aus den Fugen gegangenen Zeit eine Existenz zu schaffen und verzweifelt um sein Recht kämpft. — In einer knappen und männlichen Sprache, von Ereignis zu Ereignis, von Spannung zu Spannung vorwärts- eilend, erzählt Bernhard Blume diese Geschichte, die sich liest wie eine Landsknechtballade.
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Horaz, deutsch.
— Die Gedichte des Horaz. Deutsch von Rudolf Alexander Schröder. Gesamtaus- gäbe: Oden; Carmen saeculare; Epoden. 263 Seiten. Leinen 5.— Mark. Im Phaidon-Verlag, Wien, 1935. — (43) — Zwei Jahrzehnte sind vielleicht verstrichen, seit wir die Gedichte des Horaz auf der Schulbank gelesen und übersetzt haben: mit wie anderen Augen sehen wir sie heute an, da sie wiederum vor uns liegen, nun übertragen und nachge- dichtet von einem Meister der deutschen Ode in strenger, eindringender und liebender Arbeit. Nicht diese zwanzig Jahre Abstand aber geben uns heute die richtige Einstellung zu dem lateinischen Dichter und seinem Werk, sondern der Gedanke, daß eben jetzt zwei runde Jahrtausende vergangen sind seit seiner Geburt — und noch immer gehört das, was er hinterließ, in die Weltliteratur und rührt uns, die wir ihn lesen, mit einer zeitlos gegenwärtigen Kraft an. Gewiß erschließt sich, zumal dem Laien, nicht auf den ersten Blick jedes Gedicht in fugenloser Klarheit des Inhalts und der Form: der Herausgeber selbst hat darauf hingewiesen, daß sogar „heute noch über die rein sprachliche Deutung mancher Wendung die Kenner streiten", daß Horaz Schulautor war und geblieben ist nicht ohne Grund, und daß die Uebersetzung seiner Gedichte „zu den schwierigsten Aufgaben" gehört, „die der moderne Dichter sich stellen kann." Kein Zweifel also, daß der durchschnittliche Leser der leitenden Hand bedarf, die ihn wissend und weisend einführt in die antike Welt vor zweitausend Jahren; kein Zweifel auch, daß kaum ein anderer zu solchem Amte berufener sein konnte als eben Rudolf Alexander Schröder: seine Ausgabe verbindet die Kraft dichterischer Anschauung, Einfühlung und Nachschöpfung mit einer breit fundierten, umfassenden Kenntnis der alten Geisteswelt und mit einer ge- rade hier ganz unerläßlichen philologischen Akribie und Treue im Kleinen. Wohl bietet der eigentliche Text sich glatt und übersichtlich dem Leser dar ohne das meist schon äußerlich verwirrende Beiwerk eines gelehrten Apparates; aber die Anmerkungen zum Schluß geben Rechenschaft über jedes Gedicht, ja, wo es nötig ist, über die einzelne Zeile oder Wendung, und vermitteln jedenfalls Stück für Stück alles, was zum reinen Verständnis notwendig erscheint. Diese kommentierende Kleinarbeit aber wird im Nachwort großzügig zusammengefaßt und überbaut: hier gibt Schröder ein Gesamtbild nicht nur vom Leben und Werk des Horaz, sondern darüber hinaus auch ein Bild seiner Zeitgenossen (sehr bemerkenswert und verdienstlich scheint uns die Bemübung um eine gerechte Würdigung des Maecenas), ohne die man Horaz und seine Gedichte nie völlig wird begreifen und würdi- gen können. Was für jede mit künstlerischem Ehrgeiz auftretende Uebertragung und Nachdichtung gilt — daß sie im günstigsten Falle einen aus genialer und kongenialer Empfindung gewonnenen Annäherungswert darstellt — gilt in doppeltem Maße für eine Horaz-Uebertragung, schon um der vielfach unendlich schwierigen Versmaße willen, die fid) z. T. unserer eigenen Sprachform und unferm Rhythmus einfach entziehen. Mit solchem naturgegebenen Vorbehalt glauben wir allerdings, daß es heute niemanden in Deutschland gibt, der uns* das Werk des Horaz würdiger und vollkommener darbieten könnte als Rudolf Alexander Schröder, in dessen Uebertragung sich die eigenschöpferische Leistung mit dem Geiste des Originals zur denkbar
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zu bringen". So ist diese letzte Ausgabe des Leonardo-Buches ein Werk, das sich wohl am treffendsten mit einer Bemerkung des Verlages charakterisieren läßt: „ ... wir sahen keinen Grund, das Manuskript noch einmal überarbeiten zu lassen, „um es auf den heutigen Stand zu bringen". Ein Standardbuch wie das von Seidlitz ist kein Lehrbuch, das immer wieder zeitgerecht gemacht werden müßte, sondern zieht seine Kraft aus der Gesamtanschauung eines Forschers und aus der Vollendung der Darstellungskraft." Das ist eine Auffassung, die man angesichts der sieben Bücher, in welche Seidlitz seinen Stoff aufteilte und gliederte, wohl billigen muß. Die großzügige und weiträumige Betrachtungsweise, mit der das geschah, ist am nachdrücklichsten durch den Untertitel gekennzeichnet: „Der Wendepunkt der Renaissance." Seidlitz sah den einzigartigen Menschen und Künstler Leonardo im Gesamtbilde seiner Zeit und als Exponenten seines Jahrhunderts in Italien. Das gibt der Darstellung Format und Bedeutung. Indem die Gestalt in ihre zeitliche und geistesgeschichtliche .Umwelt gerückt und aus ihr heraus begriffen und dargestellt wird, gewinnt sie noch an Monumentalität: erst in solchem Zusammenhang erhält Leonardos Werk den epochalen Charakter, der es über seine Zeit hinaushebt. „Es gibt nur wenige vollendete Gemälde von seiner Hand; seine Plastiken aber sind verlorengegangen, seine Baupläne blieben unausgeführt, seine technischen Ideen liefen der Zeit so weit voraus, daß erst unser Jahrhundert mit der Verwirklichung beginnen konnte." Was es damit auf sich hat, lehrt mit voller Anschaulichkeit und Ueberzeugungskraft der auf 173 Seiten zusammengefaßte Abbildungsteil, der vorzügliche Wiedergaben der Originale vermittelt: hier empfängt man nicht allein ein imposantes Gesamtbild von Leonardos Werk, soweit es auf uns gekommen ist, sondern es spiegelt sich in diesen Tafeln auch die ganze Vielseitigkeit und revolutionierende Phantasiekraft eines seiner Epoche genial vorauseilenden Geistes. Die konstruktiv-spekulative Begabung Leonardos, die außerordentlich war und oft über ihren eigentlichen, künstlerischen Bezirk hinausreichte, wird dem Beschauer deutlich, wenn er etwa die Federzeichnung der Geschütze, die „Kuppelkonstruktion", die „Technische Skizze", die Proportionsfiguren, die Mörser und Sprenggeschosse, die „Studien zur Flugtechnik" oder die anatomischen Studienblätter betrachtet und bestaunt: indem man derartige Blätter nebeneinander hält, gewinnt man erst die rechte Vorstellung von der großartigen Weite des Weltbildes, über das Leonardo (1452 bis 1519!) schon verfügte. Auch rein künstlerisch bilden übrigens die zahlreichen Skizzen- und Studienblätter, die Entwürfe und Experimente die reizvollsten und aufschlußreichsten Dokumente für Leonardos Persönlichkeit und Werk. Die eigentliche Darstellung wie das Bildmaterial werden ergänzt und vertieft durch den allein über 130 Seiten umfassenden Anmerkungsteil; das Buch bleibt durch die Absonderung
— Woldemar von Seidlitz: Leonardo da Vinci. Der Wendepunkt der Renaissance. 728 Seiten. Mit 22 Bildern. Ausgabe letzter Hand, besorgt von Kurt Zoege von Manteuffel. 4,80 Mark. Erschienen im Phaidon-Verlag, Wien. — (582) — Die vorliegende zweite Ausgabe von Seidlitzens Standardwerk war schon vor dem Tode des Verfassers von diesem selbst in Aussicht und in Angriff genommen; das fertige Manuskript lag bereits 1928 abgeschlossen vor; aus äußeren Gründen hat sich die Veröffentlichung bis jetzt verzögert. Zoege von Manteuffel hat das Erbe Seidlitzens pietätvoll verwaltet: er gibt im Vorwort Rechenschaft über seine Arbeit, für die er Grundlagen und Richtschnur in Seidlitzens eigenen Vorbereitungen fand; so war er bemüht, die Ausgabe im Geiste des Verstorbenen zu gestalten, den Text möglichst unverändert zu lassen und, wo sich, auf Grund neuerschlossenen Materials und neugewonnener Ergebnisse, die Notwendigkeit dazu ergab,
kommt und durch Faksimilia wichtiger Dokumente ergänzt wird.
— Handbuch der Deutschen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. Wilhelm Peßler, Direktor des Vaterländischen Museums, Hannover. Auch die neu erschienenen Lieferungen 11 bis 14 halten die hohe Linie der bisherigen Beiträge. In Adolf Spamers Abhandlung über Sitte und Brauch zeigt sich das unverfälschte Gesicht und Herz der deutschen Landschaften, wenn wir das urwüchsige, selbst in den Städten noch nicht ganz verschwundene Brauchtum im Ablauf des Jahres verfolgen. Wesentliches zur Erkenntnis von „Stammesentwicklung und Ostbesiedlung" teilt Paul Zaunert mit, der die deutschen Stämme und Gruppen als Glieder einer Großfamilie schildert, die erst im Zusammenspiel zu rechter Entfaltung kommen. Georg Fischer behandelt die „Soziale Gliederung und ständische Schichtung des deutschen Volkes und ihre Bedeutung für die Volkskunde", Joseph Klapper schreibt einen hochinteressanten Beitrag über „Fahrende Leute und Einzelgänger" und Hermann Eckardt beleuchtet die Zusammenhänge von „Rasse und Volkstum". Die Arbeiten von Walter Geisler über „Siedlungsformen", Martin Frey tag über den „Deutschen Volkscharakter", Max Hildebert Boehm über „Volkstum des Grenz- und Auslandsdeutschtums", Martin Wähler über „Volkskunde an den deutschen Hochschulen", Wilhelm Peßler über „Volkskundliche Museen und Vereine" und Leo Weismantel über „Volkskunde und Erziehung" sind weitere Beispiele dieser hochwertigen Darstellungsart.
Drei Rußland-Vücher.
— Hermann Pörzgen: Ein Land ohne Gott. Eindrücke einer Rußlandreise. Preis gebunden 3,90 Mark. Societäts-Verlag Frankfurt a. M. — (87) — Ein Buch über Rußland, das nicht die weltanschaulichen Grundlagen, sondern die praktischen Auswirkungen des sowjetistifchen Staatsprin- Zips zum Gegenstand hat; und das in diesem Rah- men wieder bewußt fid) auf die unmittelbare Anschauung und das alltägliche Gesicht des heutigen russischen Lebens beschränkt. Ein Buch der kleinen und großen Erlebnisse in fremdem Land, der persönlichen Eindrücke eines aufmerksamen und geschulten Beobachters, der anregend und fesselnd zu schildern weiß. Ein reiches Bildmaterial nach eigenen Aufnahmen des Verfassers (ein Material, wie es bisher noch nicht veröffentlicht wurde) unterstützt die lebendige Anschaulichkeit des Berichtes. So ist die Vernichtung des religiösen Lebens, die sich im Anblick zerstörter und ruinenhafter Kirchen grau- ig bestätigt, jener Versuch, eine staatliche Gemein- schäft und eine soziale Ordnung aus jeder metaphysischen Bindung zu lösen und selbstherrlich aus sich selbst heraus zu begründen, als unmittelbare und greifbare Wirklichkeit klar dargestellt worden. Die Schilderung des Besuches bei den Wolgadeutschen, von deren Leben seit vielen Jahren niemand aus eigener Anschauung uns Deutschen berichten konnte, verdient besonderes Interesse.
— Georg Löbsack: Einsam kämpft das W o l g a l a n d. Ein Bericht aus sieben Jahren Krieg und Revolution. Mit 6 Bildern und 3 Karten. 405 Seiten. Seinen 4,50 Mark. R. Voigt- landers Verlag, Leipzig C 1. — (101) — Die deutschsprachigen Kolonien im ehemaligen Zaren- reich — an Der Wolga, am Schwarzen Meer, in der Krim, im Kaukasus und wo sonst noch im großen weiten Rußland — waren oolkswirtschaft- liche Musterbetriebe. Die Bolschewisten haben dann gerade diese Zellen der Ordnung und des friedlichen Aufschwungs sinnlos zerstört. Georg Löbsack, selbst ein Wolgadeutscher, hat die Jahre 1914 bis 1921 an der Wolga in allen Phasen miterlebt und schildert uns mit dramatischer Wucht unglaubliche Begebenheiten, die sich eben nur in Sowjet-Rußland zutragen können. Das Buch gibt keine bloße wolgaer Heimatchronik, sondern das Schicksal des Wolgalandes, gesehen im großen Raymen der Schicksale Rußlands und Deutschlands in ihren furchtbarsten Zeiten.
Prof. Dr. Karl Stählin: Russisch. Turke st an gestern und heute. („Quellen und Aufsätze zur russischen Geschichte", Band 12.) Kartoniert 4,50 Mark. Im Ost-Europa-Verlag, Königsberg Pr. — (585) — Eine Reise durch Russisch-Turkestan, das in dem riesigen Wirtschafts- gebiet der Sowjets zu immer größerer Bedeutung gelangt, bietet eine Fülle unvergeßlicher Eindrücke. Sie sind in diesem Buche vom Verfasser, dem bebe utenben Rußlandforscher der Berliner Universi- tät, auf Grund seines Reisetagebuches in sehr lebendiger Schilderung zufammengestellt. Russisch- Turkestan, mehr als dreifach so groß wie das Deutsche Reich, war seit unvordenklichen Zeiten das
Deutsche Erzähler.
— PaulErnst: „DasKaiserbu ch". Volksausgabe in 3 Bänden. Band II: „Die Frante n k a i s e r". Preis in Leinen geb. 8,50 Mark. Subskriptionspreis je Band 6 Mark bis zum Erscheinen des dritten Bandes. Verlag. Albert Langen/ Georg Müller, München. — (68) — Wie ein Drama von gewaltigstem Ausmaß ersteht uns in Paul Ernsts Kaiserbuch die deutsche Geschichte des Mittelalters. Kraftvoll zwar fetzt die Dichtung ein, wenn sie zunächst von Konrad II. und Heinrich III. erzählt, die das Reich vor den Angriffen von außen und den Gefahren im Inneren schützen, ja sogar an Macht stärken. Aber drohend wie ein langsam heraufziehendes Gewitter bereitet sich die große Entscheidung vor, die Auseinandersellung zwischen weltlicher und geistlicher Macht, zwischen Kaiser und Papst. Diesen Kampf mit seinem unerbittlichen Gegenspieler Gregor VII. auszutragen, ist das Schicksal Heinrichs IV. In Szenen von unheimlicher Wucht prallen die Gegensätze aufeinander. Doll fanatischer Härte und Einseitigkeit, aber mit dichterischer Gerechtigkeit gesehen, steht die Gestalt des Papstes vor uns. Mit menschlicher Wärme und feinster seelischer Einfühlung gestaltet der Dichter den oft mißverstandenen Kaiser Heinrich: als den früh enttäuschten und vereinsamten, doch im Grunde edlen Menschen, als den unentwegten, leidenschaftlichen Verfechter des Reichsgedankens gegen alle Widerstände. Wie immer in Zeiten ber Wirrnis, so zeigt sich der innerste Kern unseres Volkstums am reinsten gerade auch in dem hier geschilderten schweren Jahrhundert des deutschen Mittelalters. Hier blüht unser eigenstes Wesen in seiner ganzen Fülle auf: in stolzen Rittern, in bis zum Tod getreuen Freunden und Mannen, In dem tätigen Wirken von Bauern, Bürgern und Handwerkern, aber auch in der Anmut der Frauen, in der Weisheit einsamer Denker, in der Tiefe wundersamer Märchen und Sagen. Der Band schließt mit Heinrich V., der manchen seiner Zeit als eine Verkörperung des Antichrist galt, obgleich er in tragischer Verzweiflung als letzter Sproß feines Geschlechts auf feine Weife die ihm gefetzte Auf- fiabe zu meistern versuchte: Verwirrung und Zwie- palt sind sein Erbe. Erst ein neues Geschlecht, die Staufer, werden, wie der dritte Band zeigen wird, noch einmal das Reich zu Macht und Herrlichkeit führen.
— Enrica von Handel-Mazzetti: ,^J e s s e und Maria". Ein Roman aus dem Donaulande. Jubiläumsausgabe. 139. bis 147. Tausend. Preis in Seinen 4,80 Mark. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet, München. — (76) — „Jesse und Maria" führt uns mitten hinein in eine der geistig und politisch erregtesten Epochen deutscher Vergangenheit: in die Zeit der Gegenreformation. Der scheinbar unversöhnlich klaffende Zwiespalt der beiden christlichen Konfessionen wird in der schweren Seid- und Schuldverstrickung aufrechter und in ihrer Eigenart liebenswerter Menschen aus beiden Sagern überbrückt. In Jesse von Velderndorff, dem leidenschaftlichen jungen Protestanten, und in Maria, der tatkräftigen, unerschütterlich katholisch-gläubigen Förderin, verkörpern sich die ungestümen Kräfte und Forderungen der beiden streitenden Konfessionen. Beide ringen um die Seele des Försters und Richters Alexander Schinnagel. Sein ruhiger und besonnener Blick ahnt jedoch hinter überspitzten Kampfmethoden das ewige Gebot der Menschenliebe und die Gewißheit, daß alle Kreatur ohne Unterschied aus der Hand Gottes ist.
— Gottfried Rothacker: Das Dorf an der Grenze. Roman. Seinen 4,80 RM. Verlag Alb. Sangen/Gg. Müller, München, 1936. — (100) — In diesem Buche erzählt der Schullehrer Ortwin Hartmichel von den Geschehnissen, die er im Verlaufe weniger Jahre in Schatzdorf, dem heute Sko- polnica genannten Ort an ber Grenze, erlebt hat. Aus ber Beschreibung seiner Erlebnisse unb feines Wirkens unter ben 106 deutschen Einwohnern Schatzdorfs erfahren wir von dem großen Kampf, der von dreieinhalb Millionen Deutschen um die Erhaltung ihrer Art unb ihres Volkstums geführt wirb. Es ist ein ganz unb gar ungleicher Kampf, in dem ber Machtlose gegen Brutalität, ber Wehrlose gegen Gewalt steht, ein Kampf gegen seelische unb leibliche Aushungerung, in bem manch einer lau unb zum Verräter geworden ist, ber aber bie Treuen nur um so fester zusammenschweißt. Sie scheuen roeber Not noch Hunger, weder Kerker noch Opfer an Blut unb Seben, wenn es gilt beutsch zu handeln, deutsch zu fühlen und beutsch zu sprechen, so wie sie es von ben Vätern her gewohnt finb unb wie es ihren Nachfahren für alle Zeiten ein Vermächtnis fein soll. Trotz ber vernichtenden Niederlage, von ber am Ende berichtet wirb, ist biefes Buch ein aufrüt- telnbes, zuversichtliches unb notwendiges Buch. Denn es weckt im Reich bas Derstänbnis für bie ungeheuerliche Not jener gefchänbeten Deutschen, deren Glauben zu stützen unb Deren Standhaftigkeit zu stärken jebem von uns eine heilige Pflicht sein muß. So finb bie 106 Schatzborfer ein Sinnbilb ber breieinhalb Millionen Subetenbeutschen unb barüber hinaus ber Kampffront aller Deutschen im Osten, gegen ben vernichtenben feinblichen Ansturm.
— Manfred Hausmann: Die Begegnung. Mit einem Nachwort von Wilhelm Scharrelmann. (Nr. 7311.) Kartoniert 35 Pf. im Meisterband (Ganzleinen) 1 Mark. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. — (83) — Hausmann hat hier zwei neue Novellen vereinigt, die sich in ihrer Gegensätzlichkeit zu einem Wesensbild des Dichters ergänzen. „Die Begegnung" — so heißt die erste größere Novelle — verkörpert die zärtliche, romantische und überschwengliche Seite Hausmanns. Der arme kleine Buchhalter Jsemann und seine bittersüße Herzensgeschichte ist vom Dichter bei aller Ironie und Ueberlegenheit doch mit der Siebe heimlicher Wahlverwandtschaft geschildert. In ber Skizze „Vor ber Weser" geht es bafür herzhaft, bcrb unb seemannsmäßig zu, ber alte Seebär Lürs- fen ist ungefähr ber andere Pol in der Welt ber Hausmannschen Gestalten. Beide Novellen sind mit jenem Scharm, mit der Treffsicherheit und Wirklichkeitsschärfe erzählt, bie Hausmanns Bücher fo lebensnahe unb liebenswürbig machen.
— Herbert von Hoerner: Die Kutscherin b e s Zaren. Erzählung. Pappband 1,80 Mark, Seinen 2,40 Mark. I. Engelhorns Nachf., Verlag, Stuttgart. — (99) — Der Verlag Engelhorn stellt mit Herbert von Hoerner einen neuen, außerordentlich begabten Schriftsteller vor. Gerade die Kunst der anmutigen, dabei spannenden und heiteren Erzählung ist bem Deutschen selten eigen, umso erfreulicher, einer so liebenswürdigen Geschichte zu begegnen wie biefer, bie ebenso leicht bahinzuschweben scheint wie bas berühmte Viergespann ber Apfelschimmel von Baron Wok auf Gut
bes gelehrten Apparates vom Haupttext auch für ben minder anspruchsvollen Saien leicht, mit Ge- nuß und hohem Nutzen lesbar; Register, Abbil- dungs-, Quellen- und Standort-Verzeichnisse werden auch dem nicht wissenschaftlich Interessierten willkommene Hilfsmittel sein. In Anbetracht schon des äußeren Umfanges, der reichen Bildbeigaben und der so geschmackvollen wie soliden Gesamtausstattung muß ber Preis bes Buches unwahrscheinlich wohlfeil genannt werben. —y—
— Wilhelm Waetzolb: Dürer unb seine Zeit. 592 Seiten. Mit 350 Silbern. (Acht Farbtafeln.) Ganzleinenbanb 4,80 Mark. (Große illustrierte Phaibon-Ausgabe.) Im Phaibon-Verlag, Wien 1935. — (583) — Waetzold sagt im Vorwort: „Die Wissenschaft hat über ben schlichten Grabstem Dürers auf bem Nürnberger Johannis-Friebhof eine Pyramide von Büchern unb Aufsätzen gehäuft"; einen Begriff von ber kaum übersehbaren Fülle ber beutschen Dürer-Siteratur gibt im Anhang ber Hinweis auf bas Schrifttum, welcher mehr als sechs große Seiten beansprucht unb auch Kataloge unb Zeitschriften-Aufsätze einbezieht. Trotz so eindringlich beglaubigter, unablässiger Beschäftigung mit der Gestalt und dem Werk dieses großen deutschen Künstlers ist Dürer, wie Waetzold bemerkt, nie wahrhaft volkstümlich geworden. „Wir müssen wieder nach dem lebendigen Dürer fragen", sagt er und gewinnt von hier aus den Ansatzpunkt für die Konzeption seines Werkes —: „es sollte nicht in erster Sinie ein „gelehrtes", sondern ein „menschliches" Dürerbuch geschrieben werden". Das ist, wie wir glauben, auf eine schöne und überzeugende Weise gelungen, und es wäre sehr zu wünschen, daß sich von hier aus ein neuer Zugang zu dem Werk des Nürnberger Meisters öffnete; Waetzolds Dürer-Buch ist in der Tat geeignet, zu jener mit Recht vermißten Volkstümlichkeit beizutragen: es kann etwa als ein Gegenstück zu der ausgezeichneten, großen Darstellung Wölfflins gelten („Die Kunst Albrecht Dürers", 5. Aufl., München 1926). Aber während Wölfflins Dürer-Buch in jeder Zeile ein wissenschaftliches, ein kunstgeschichtliches Werk ift, von dem eine Wirkung in die Breite gar nicht Zu erwarten war, spannt Waetzold, zwar nicht minder wissenschaftlich und zuverlässig in seiner Darstellung wie in Einzelangaben, den Rahmen viel weiter: er gibt ein Gesamtbild, das Dürer und seine Kunst in die Zeit und Umwelt hineinstellt, der beide entwachsen sind; und er entwickelt dieses Bild in einer wechselseittgen Erhellung von der menschlichen wie von der künstlerischen Seite her. In 15 großen Abschnitten baut sich die weiträumige, dennoch sehr eingehende und oft bei Einzelheiten verweilende Schilderung zu einem Ganzen von imposanter Geschlossenheit auf. Zwischen dem ersten Abschnitt, der Dürers Herkunft und Stand behandelt, und dem letzten, welcher über Dürers Erbe handelt, entrollt sich, immer vor dem großen Hintergründe bes Renaissance-Jahrhunderts, die Ge- schichte von Dürers Leben und Werk in einer Dar- stellung, welche Intuition und wissenschaftlichen Blick auf ungewöhnliche Weife verbindet, übrigens auch in einem gepflegten, klaren, flüssig lesbaren Stil. Einige Kapitelüberschriften — „Apokalypse", „Europäische Kunst um 1500", „Bildnis", „Bürger, Bauern und Soldaten", „Grenzen der Liebe", „Mit Zirkel und Richtscheit" — mögen andeuten, wie Waetzold den riesigen Stoff gliedert und beziehungsvoll überschaut. Der Bilderteil ist — ebenso wie bei den früher hier besprochenen Kunstbüchern des Phaidon-Verlages — hohen Lobes wert, sowohl in ber Auswahl unb Reichhaltigkeit als auch in ber technischen Wiebergade bes Materials. Wer biefes Werk besitzt, nennt — vorn «Text einmal ganz abgesehen — einen köstlichen Hausschatz an Dürer« bildern sein eigen. Die Verzeichnisse der Abbildungen und der Standorte, sowie das Register runden bas schöne unb stattliche Werk in willkommener Weise ab. Noch eines Hinweises bedarf ber (bei vorzüglicher Gesamtausstattung) verblüffend geringe Preis. —y—
— Vom „Handbuch ber K u l t u r g e s ch i ch - te", bas bei der Akademischen Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H. in Potsdam erscheint, liegt jetzt der dritte Band abgeschlossen vor. Der Züricher Universitätslehrer Prof. Dr. Emil Ermatinger behandelt in seiner „Deutschen Kultur im Zeitalter der Aufklärung" eine der bedeutendsten Perioden der neueren Geistesgeschichte. Das 18. Jahrhundert: welch eine ungeheure, von stärksten Geistes- und Lebensmächten bewegte Welt liegt doch in ihm beschlossen! Ermatinger schildert die ungeheure Wirkung des Bekenntnisses zur Vernunfttdee auf die Umgestaltung des deutschen Lebens. Er zeigt, wie ein neues optimistisches Lebensgefühl durchbricht und in einem breiten Strom der Volksaufklärung eine Wandlung der bisherigen Lebensansichten und schließlich auch eine völlige Umwandlung des Lebens selbst herbeiführt. Die Unsumme der Kulturerscheinungen eines auf vielen Gebieten unerreicht fruchtbaren Jahrhunderts ist zu einem großartigen Bild des deutschen Lebens in allen feinen Verästelungen bis zur eingehenden Schilderung des damaligen bürgerlichen Alltags zufammengefaßt worden. Ermatinger beweist, daß das damalige Deutschland bei aller Zerfahrenheit und Ohnmacht der äußeren Gestalt doch eine tiefe Einheit und Stärke des nationalen Fühlens und Denkens im Kerne des Volkstums befaß. Andererseits schildert er die dunklen Seiten seines Themas — und es gibt deren sehr viele — ohne Beschönigung. Hand in Hand mit der textlichen Darstellung geht die Illustrierung des Werkes, die einem Bilderspiegel des deutschen Levens hn 18. Jahrhundert gleich-
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