Ur. 501 Erstes Blatt
186. Jahrgang
Donnerstag, 24. Dezember 1056
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Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen.
Ein Weihnachtsfinnen.
Don Pfarrer Marquardt
In dem „Buch vom deutschen Vater" (von Reinhold Braun) wird auch ein von Arbeit reichlich überlasteter Großstadtpfarrer gezeichnet, wie er trotz allem Abgekämpftsein in der Advents- und Weihnachtszeit wie ein rechter „Weihnachtsvater" noch Zeit und Kraft findet, seinen Kindern allerhand lustige Geschenke zu schaffen oder alte, im Spielgebrauche müde gewordene wieder in neuem Glanze erstehen zu lassen, und wie er allen als ein rechter Wundermann darin erscheint. Ja, wie er sogar darüber hinaus noch in manchen Spätabendstunden mit seinem Freunde, dem Dichter, unter dem Schein der traulichen Hängelampe ost bis in die tiefe Nacht hinein unter nicht gewöhnlichen Gesprächen sitzen kann ... in seinem Auge lag's wie Kerzenschimmer; sein ganzes Wesen schien zu schwingen in dem alten „Siehe, ich verkünde euch große Freude!"
Einmal redete er davon, wie er, wenn er so über'm frohen Werke säße, seine besonderen Gedanken hätte, wie sie oft magisch ihm aus dem alten Spielzeug flössen, als wenn das alles nun lebendig würde, was solch Kinderherz Üareingesreut, -gefühlt, -gesponnen hätte, und wies um diese Dinge wehte vom Odem wahren Glüsks.V om Weihnachtsgrund der Menschenseele sprach er als dem allerwunderbarsten unseres Innern, aus dem die wahre Kraft und unverwüstbar schöne Lichtheit kämen, wie aber nicht mehr Viele der Heutigen diesen Grund erreichen, viel weniger noch darin sich selbst zu ihrem und der andern Heil erfassen könnten. Und wie er diese wirklich, mit frohem Herzen seinem Tagewerke abgerungenen Stunden brauche, um durch den Verwaltungswust des eigenen Amtes, durch mancherlei Enttäuschung, durch den Irrgarten der hundertwegigen Meinung hindurch wieder sich selber in seinem Besten zu erobern, und wie er in diesen Stunden dann heimfände zu der Einfalt des Kindes tief in sich.
„Weihnachtsgrund der Seele" — das ist vielleicht das tiefste Geheimnis der Weihnacht. Daß sie uns einmal bis dahin führt, wo wir noch „wir selb st" sind, wo wir noch einmal zum Kinde werden können und Heimfinden können zur Einfalt des Kindes in uns, dem Besten, was wir überhaupt haben. Dort, wo die verstimmte und verstaubte und verschraubte Harfe unserer Seele wieder auf den Grundton der Freude gestimmt werden kann, daß auch wir wieder etwas vernehmen von der großen Freude, die allem Volke widerfahren ist. Dann geschieht wohl auch an uns zur Weihnacht noch einmal das Wunder, daß wir für eine Weile eine Weihnachtsseele bekommen, in der es bis in die tiefsten Tiefen erklingt von heiliger Sehnsucht und Freude, wie es uns sonst nicht mehr begegnet und eben nur noch zur Weihnacht vorkommt.
Weihnachtsgrund der Seele — ja, Weihnachten drängt nach innen wie kein anderes Fest unserer Seele, bis auf den tiefsten Grund, wie in einer kleinen Höhle, im kleinen Stalle, irrt kleinsten Raum das größte Wunder geschieht — „den aller Weltkreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß" — wie in der kleinen Brust eines kleinen Kindleins die große Zukunft zusammengedrängt ist in innerster Innerlichkeit, so ist auch Weihnacht das Fest der Innerlichkeit, der Zartheit, der Wärme, der Traulichkeit. Das Fest, das nur auf dem Grund der Seele verstanden und erlebt und gefeiert werden kann. Das ist der Weihnachtsgrund der Seele, zu dem sie sich zurückfinden muß, wenn sie einen Segen haberh will von Weihnachten. Dann aber gilt es auch für sie:
„Dann machst du mich gar reich und rein, Zum sel'gen Gotteskinde ...
Hilf mir, du liebes Jesulein, Daß ich dein Kripplein finde!"
Und es gibt, Gott fei's gedankt, auch heute noch solche Menschen, die den Grund ihrer Seele erreichen und dort ihr Ausruhen und Feiern haben. Menschen, die in viel Arbeit, Sorge und Mühe stehen, das ganze, lange hindurch. Wenn aber die Weihnachtszeit kommt, dann wird es in ihrer Seele lebendig, dann singt und klingt es in ihnen von lauter
Weihnachtsliedern. Die haben gut Weihnacht feiern! Sie sitzen mit den Kindern unter dem blitzenden Tannenbaum und singen mit ihnen von der stillen, heiligen Nacht und der fröhlichen, seligen, gnadenbringenden Weihnachtszeit!
Und wenn wir das nicht mehr oder noch nicht können, dann wollen wir wenigstens eine Sehnsucht danach haben. Der uns die Sehnsucht ins Herz gegeben hat, der kann und wird sie auch stillen. Dann werden wir es vielleicht doch noch erleben, was Dichtermund von der heiligen Nacht sagt:
„Ungezählte güld'ne Heimatbrücken, Baut die Sehnsucht in der heil'gen Nacht... Ungezählte Scharen seh' ich wandern Dorthin, wo das Glück der Kindheit lacht ...
Einsam gehen sie aus goldnen Brücken, Die die Liebe baut durch Raum und Zeit. Wortlos schreiten sie auf weiten Wegen, In den Augen Licht und Seligkeit.
Ungezählte Scharen seh' ich wandern, Treu geführt von Christkinds Segenshand.
Lassen sich von seiner Liebe leiten, Bis wohl jede still zur Heimat fand.
Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a. M.
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Kinder unferm Weihnachtsbaum.
Nichts ist schöner, als das Weihnachtsfest mit Kindern zusammen zu feiern. Schon die Tage vorher sind von ihrer kindlichen und ungeduldigen Freude erfüllt, und es ist sehr lehrreich zu beobachten, wie sich die verschiedenen Temperamente der Kleinen in dieser Zeit äußern.
Es gibt Kinder, die ihre Weihnachtsfreude in der Tiefe ihres Herzens verschließen, sie ruht wie im Kelch einer Blume, die ihre Blütenblätter über etwas Köstlichem zusammen- schließt. Diese Kinder gehen mit großen verträumten Augen umher, sie horchen auf das Kommende, ihre Gedanken wandern fort von ihren Spielen, sie sind nicht mehr bei der Sache.
In andern Kindern aber weckt diese Zeit der Spannung und Erwartung ein gesteigertes Maß an Lebenskräften, ihre Freude, vielleicht nicht so tief wie die der kleinen Träumer, zeigt sich sehr bemerkbar. Aus lauter Seligkeit und glücklicher Ungeduld fallen ihre Vorsätze, „artig zu sein", zusammen wie ein Kartenhaus. Man ist unartig, höchst unartig: Lärmen und Streit beim Spiel, Umhertoben beim Schlafengehen mit der begeisterten Erklärung: „In drei Tagen, in zwei Tagen — morgen ist Weihnachten!" und der Versicherung, überhaupt nicht mehr schlafen zu wollen! Wohl uns, wenn schließlich Ruhe eintritt, wenn der kleine Racker endlich eingeschlafen ist, und wir ungestört an die Festvorbereitungen gehen können. Einen Augenblick aber müssen wir noch an seinem Bettchen stehen. Wie der wilde
Bengel mit roten Backen und ruhig atmend daliegt, sieht er wirklich wie ein kleiner Cherub aus. Er lächelt. Sicherlich zeigen ihm, wie es so schön in dem von Brahms komponierten Wiegenliede heißt, „die Englein im Traum Christkindleins Baum". Obwohl er sich wachend als Skeptiker gibt und der kleinen Schwester gegenüber zu wissen behauptet, daß „Weihnachtsbaum und alles" von Vati und Mutti besorgt würden.
Im Augenblick der Bescherung aber ist gerade er am meisten überwältigt vom Glanz der Stunde. Er steht ganz still, und horcht andächtig, mit leuchtenden Augen, auf die Klänge des alten Weihnachtsliedes, während es vorkommen kann, daß der kleine Träumer aus seinem Weihnachtstraum zur Wirklichkeit erwachend den Schluß des Gesanges gar nicht abwartet, aufjubelnd zu dem neuen Spielzeug springt, gänzlich unbekümmert um die Erwachsenen davon Besitz nimmt und sogleich mit Inbrunst zu spielen beginnt.
Nur das Allerkleinste, noch unbeschwert von jedem Wunsch nach eigenem Besitz, jubelt vom Arm der Mutter in den Lichterglanz. Der Aelteste, der, obwohl schon Tertianer, sich doch genau wie die jüngeren Geschwister freut, hält anfangs gemessene Zurückhaltung im Ausdruck seiner Gefühle für würdiger, bis auch er seine Würde vergißt, bäuchlings auf der Erde liegt, das neue Buch und den bunten Teller vor sich. Denn auch er ist noch ganz Kind, glückseliges Weihnachtskind. M. v. O.
Deutsches Christfest.
Von Gustav Wittig.
Wir grüßen das heilige Fest mit freudigem und gläubigem Herzen. Es ist so recht ein deutsches Fest, dieses Weihnachten, die hohe Feier des Friedens und der strahlenden Jugend unter dem grünen Lichterbaum!
Wir werden auch diesmal wieder in tiefer Seele den Dank empfinden, den wir unserem Führer dafür schuldig sind, daß wir ein F r i e- d e n s s e st feiern dürfen, während um uns die Welt von Kämpfen und Unruhen erfüllt ist, große und mächtige Länder unter der Geißel des Bolschewismus Schrecken und Grauen erleben. Was aber hülfe uns aller Friedenswille und Freundschaftsglaube, wenn unser Land nicht durch die starke Hand unseres Führers die Wehr und Waffen erhalten hätte, die unsere Arbeit und unsere Heimstätte sichert!
So aber können unsere Kinder mit Sicherheit und Vertrauen sich der Festfreude widmen, die ihnen der Weihnachtsmann bescherte, sei auch das Heim noch so klein und die Lebenshaltung noch so bescheiden. Es ist in Deutschland dafür gesorgt, daß in diesen frohen Tagen keiner grollend oder verschämt abseits stehen muß. Unser Staat, aufgebaut auf dem Gedanken der Bruderhilfe und des praktischen Christentums, will keinen vergessen, sondern diese Festeszeit zu einem Erlebnis der großen Gemeinschaft machen.
Weihnachten wird mit solcher Einstellung zum rechten Feste der Großen wie der Kleinen, ein Ruhepunkt der Menschen im Hasten des Alltags, aber auch ein Sich-Besinnen auf die ewigen und unvergänglichen Werte unseres Volkes und seines Glaubens.
Das Fest verkündet uns „große Freude, die allem Volke widerfahren soll!" Allem Volke, nicht nur den Glücklichen und Gesunden, sondern auch denen, die im Schatten leben, oder bei denen Frau Sorge lange genug ein trüber Gast war. Heute ist Arbeit und Hoffnung im Lande, ist frohes Lied und gesundes Selbstbewußtsein zu Hause, wo früher Schwermut und Elend sich breit machten. Mögen auch die Spuren der schweren Zeit in vielen Häusern noch längst nicht getilgt sein, so wissen wir doch alle, daß es wiederaufwär t s geht, daß wir mit vereinter Kraft schaffen werden, was die Zeit und die Staatsführung von der Gesamtheit fordern, daß aus gutem Gelingen schließlich auch der einzelne seinen gemessenen Anteil haben wird.
Wir sprechen an unserem Weihnachtsfest wieder vom christlichen Glauben, ohne von Millionen verständnislos belächelt oder laut ausgelacht zu werden. Vor Jahren war in weiten Bezirken unserer Großstädte der Weihnachtsglaube nur ein Gegenstand des Spottes, die Gottlosenvereine ließen nichts unversucht, deutschen Kindern das hohe Gut des Gottesglaubens zu nehmen, es in der Öffentlichkeit verächtlich zu machen, ohne daß dagegen etwas schehen wäre! Niemand wird in Deutschland einen Glaubenszwang ausüben wollen, aber wir stellen mit innerer Freude fest, daß unser Volk sich in Ehrfurcht und Achtung vor dem echten Weihnachtsglauben beugt. Aeltere Generation und Jugend in kameradschaftlicher Zusammenarbeit auf allen Gebieten, das ist es, was uns beglückt und das Fest um so herrlicher werden läßt. Die alten Frontkämpfer, von denen der Führer in Nürnberg sprach, sind wieder froh geworden und denken am Weihnachtsabend an manche dunkle Nacht in Feindesland, aber doch mit dem Gefühl, daß das Opfer so vieler Kameraden nicht umsonst gewesen ist.
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir!" Ein altes gläubiges Wort an das Christkind, das sich nun in alle Dörfer und Städte begibt! Nun, wir deutschen Menschen dieser Tage werden dem lieben Gast mit offenen Herzen begegnen. Wir werden unser Inneres ganz und gar dem Segen und dem Frieden des hohen Festes erschließen. Wir wollen das- Bild einer harmonischen und dankbaren Familie zeigen und damit wieder Kraft holen zu neuem Schaffen.
Es ist das deutscheste aller Feste. Der grüne Baum, der es schmückt, ist deutsche Sitte. Deutsche Volkslieder geben ihm die Weihe, deutsche Kunst und Dichtung haben da» Fest vielfach verherrlicht. Inniger Volksglaube hat sich mit dem Weihnachtswunder vereint und so ein Fest gestaltet, das die Wintersonnenwende strahlend umgibt.


