Ausgabe 
24.11.1936
 
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Oberheffen.

Zungvolkführertagung in Wieseck.

£ Wieseck, 23. Nov. Am Samstag und Sonn­tag fand in Wieseck im Saale der Wirtschaft Braun der erste diesjährige Stammtag des Stam­me s VBurgun d" statt, an der etwa 80 Füh­rer des Jungvolks teilnahmen. Die Schulung, die unter der Leitung des Stammführers S ch m u l - b a ch (Lollar) stand, begann mit einer Liederstunde. Dann erzählte Junabannführer T a e s l e r Erleb­nisse von einer kürzlichen Balkanfahrt und ging zu einer politischen Auswertung dieser Fahrt über. An­schließend begrüßte der Ortsgruppenleiter, Bürger­meister Euler, die Führerschaft des Stammes und sprach den Wunsch aus, daß die Schulung einen vollen Erfolg bringen möge. Der Sonntagmorgen sah die Jungen im Freien bei Ordnungsdienst und Geländeübungen. Am Nachmittag sprach Jungbann­führer Taesler über die Winterarbeit des Jung­volks und über Sinn und Zweck der Führerlager. Stammführer Sch inulbach schloß den Stamm­tag mit dem Bundeslied der Hitlerjugend und dem Gelöbnis der Treue zum Führer.

Erfolgreiche oberhessische Geflügelzüchter.

Bei der vom 13. bis 15. November in Marburg durchgeführten Landesgruppenschau konnten auch zahlreiche oberhessische Geflügelzüchter mit Preisen bedacht werden. Wir lassen nachstehend einen Aus­zug aus der Liste der Preisträger folgen: von der Au (Lollar): Tauben: Steinheimer Bagdetten, weiß: sg 1, bester Täuber der Klasse, sg 1, E, beste Täubin der Klasse, sg, sg 1, sg 2, viermal g. Wilhelm Becker (Lollar): Tauben, Hessische Kröp­fer, blau: zweimal g; derselbe auf Brünner Kröpfer, weiß: zweimal b. Wilhelm Biedenkopf (Münster über Lich): Tauben, Koburger Lerchen: sg, E, bester Täuber der Klasse, sg 1, sg 2, g; der­selbe auf Hessische Kröpfer, weiß: sg 1, S. 3., fünf­mal sg 1, zweimal g. Heinrich Geiß II. (Lol­lar): Tauben, Nürnberger Lerchen: sg 1, zweimal sg 2, sg 3, zweimal g; dersrlbe auf Schönheitsbrief­tauben, blau gehämmert: 'b; derselbe aus Schön­heitsbrieftauben, rot: zweimal g; derselbe auf Schönheitsbrieftauben, weiß: g. Heinrich Grö­ßer (Großen-Linden): Italiener, schwarz: zweimal sg 2. Wilhelm Hofmann (Lollar): Rhode- länder: sg 1, Z, sg, sg 3. Alfred Jung (Gro­ßen-Linden): Wyandotten, silber: sg 1, bester Hahn der Klasse, sg 1, E, beste Henne der Klasse, zweimal sg 2, sg 3, g. Ludwig Klinket XIII. (Lollar): Wyandotten, schwarz: sg, fünfmal sg 2, g; derselbe auf Wyandotten, schwarz, Zwerge: sg 1, E, bester Hahn der Klasse, sg 1, dreimal g, zweimal b. Otto Muhl (Reichelsheim i. d. Wetterau): Rhode- länder: sg 2, zweimal g. Peter Pfeffer III. (Bad-Nauheim): Rhodeländer: sg, sg 1, sg 3. Karl Pitz (Laubach): Tauben, Hessische Kröpfer, fahl: sg, E, zweimal sg, dreimal g. Wilhelm Rau (Wieseck): Zwerg-Langschan, schwarz: sg 1, sg 3, g. Heinrich Reitz (Burg-Gemünden): Deutsche Zwerge, goldfarbig: sg 1, g. Heinrich Riehm V. (Lollar): Italiener, schwarz: sg 1, Z, bestes Tier der Klasse, sa, sg 1, g. Wilhelm Römer (Lollar): Ostfriesische Silbermöven: drei­mal sg 1, g. Rudolf Scherb (Lollar): Locken­tauben, blau: sg 1, g. Otto Soedler (Nieder- Gemünden): Wyandotten, weiß: sg, sg 1; derselbe auf Federfüßige Zwerge, porzellanfarbig: sg, E, bestes Tier der Klasse, sg 1, sg 2, g; derselbe auf einen Stamm 1, 2 Federfüßige Zwerge, porzellan­farbig: sg 1, Z; derselbe auf Lockentauben, blau: sg, E, zweimal sg 1, g. Ludwig Spuck (Lollar): Bantam, silber: sg, E, bestes Tier der Klasse, g; derselbe auf Bantam, gold: sg, g. Richard Stoffel (Echzell): Laufenten, weiß: sg, E, sg 2, sg 3. Karl Stoll (Lang-Göns): Rhodeländer: sg 1, sg. Friedrich Wolf (Laubach): Enten, Kajuka, schwarz: lg, zweimal sg 1, g. Ludwig Zecher (Wißmar): Rhodeländer: sg, E, sg 1, drei­mal, sg 2. Karl Zimmermann (Lollar): Thüringer Flügeltauben, schwarz: zweimal sg 1, sg 2, zweimal g.

Landkreis Gießen.

* Staufenberg, 23. Nov. Am Samstag wurde im Jagdrevier des benachbarten Hofgut Fri^elhausen eine Treibjagd abgehalten. Ge­schossen wurden 36 Hasen und zwei Füchse.

00 Staufenberg, 23. Nov. Die in diesem Jahre erzielten hohen Obstpreise gaben die An­regung, in unserer Gegend in größeremMaße Tafelobst anzubauen. Bevorzugt wurden die Sorten Schöner von Boskop, Goldrenette von Blenheim, Jakob Lebel und Kaiser Wilhelm.

* Daubringen, 23. Nov. Frau Katharine Weimer Wwe., geb. Kraushaar, konnte in gei­stiger und körperlicher Frische ihren 7 5. G e - b u r t s t a g feiern.

-- Mainzlar, 23. Nov. Heute wurde hier die Kartoffelsvende fürdas WHW. der Orts­gruppe Mainzlar (die Orte Daubringen, Staufen­berg und Mainzlar) nach Frankfurt geschickt. Das Jungvolk schmückte die Wagen mit frischem Grün. Bei den bisherigen Hausschlachtungen in unserer Gemeinde wurden für das Winterhilfswerk 28 Büchsen mit Fleisch - und Wurstkon- fernen gesammelt. Im hiesigen Wald wurde dieser Tage mit den Holzhauerarbeiten be­gonnen. 750 Festmeter sollen gefällt werden. Mit der Arbeit sind neun Mann beschäftigt.

Odenhausen a. d. Lda., 23. Nov. In den gesamten Freiherr v. Rabenauschen Waldungen wurde jetzt die Holzhauerei ausgenommen. Aus unserer Gemeinde sind zwei Rotten, meist Kleinbauern, dabei beschäftigt. Durch die Inan­griffnahme der Arbeiten an der R e i ch s a u t o - bahn ist unser Dors frei von Arbeitslosen. Die Kanalisierung in unserem Orte macht gute Fortschritte.

ch Allertshausen, 23. Nov. In unserem Gemeindewald wurde dieser Tage die Holz­hauerarbeit durch eine Rotte von sechs Mann ausgenommen. Unter den Holzhauern befinden sich auch einige Kleinlandwirte. Zu den Holzhauerar­beiten in den Nordeck-Rabenauischen Waldungen wurden aus unserem Orte zwei Rotten von je sechs Mann hinzugezogen.

5 Steinbach, 23. Nov. Im vergangenen Kirchenjahr wurden in Steinbach 10 Gemeinde­glieder beerdigt, 1 Kind, 4 Frauen und 5 Männer. Im vorhergehenden Jahre fanden 14 Beerdigungen in Steinbach statt. In Albach wurden im Kir­chenjahr 1935/36 4 Gemeindeglieder bestattet, 3 Frauen und 1 Mann, alle 4 starben innerhalb eines Monats. Die Zahl der Beerdigungen in Albach betrug im Jahre 1934/35 ebenfalls 4, wäh­rend im vorhergehenden Jahre 11 Beerdigungen in Albach stattfanden.

Sternbach, 23. Nov. Die große Brücke überdie Straße Steinbach Li ch, unter­halb des Dorfes zwischen den beiden letzten Häusern von Steinbach, soll nun gebaut werden. Seit Wochen rollt das Baumaterial mit Lastautos an. Die Spezialarbeiter für den Brückenbau sind eingetroffen und haben eine Wohnbaracke bezogen. Am letzten Sonntag war der Schwarm der Be­sucher der Baustelle den ganzen Tag über groß. Die Erdarbeiten für die Fundamentierungsarbeiten haben bereits begonnen, und ein automatischer Kran, der neben der Straße aufgestellt ist, hebt die Loren mit dem Aushub auf den Damm der Reichs­autobahn. Die Auffüllungsarbeiten an der Reichs- autobahn und an den beiden Zufahrtsfttaßen zum Reichsautobahnhof schreiten von Woche zu Woche fort.

+ Garbenteich, 23. Nov. Am vergangenen Samstag konnte der Küfermeister F. Fr. Dürin­ger, langjähriges Kirchenvorstandsmitglied, seinen 7 0. Geburtstag begehen. Der Kirchenchor der Evangelischen Frauenhilfe, dessen Mitbegründer er ist, brachte unter Leitung von Dirigent Schäfer (Garbenteich) dem Jubilar ein Ständchen. Pfarrer Steiner von Hausen sprach im Namen der Frauenhilfe und des Kirchenvorstandes herzliche Worte des Glückwunsches und überreichte einen großen Blumenkorb und ein Buch. Der Verein ehe- maliger Leibdragoner, dem Düringer angehört, ließ ebenfalls Glückwünsche übermitteln. Der Jubilar dankte für die Ehrungen und überreichte dem Kir­chenchor zur Förderung seiner Arbeit eine Spende. Der hochbetagte Mann, in Ober-Hörgern geboren, hatte als Küfer und Bierbrauer ein schönes Stück unseres deutschen Vaterlandes durchwandert und weiß noch heute manche lustige Begebenheit aus seiner Handwerksburscyenzeit zu erzählen.

* Lang-Göns, 23. November. Die Haus- schlachtungen haben nun begonnen. Immer mehr geht man dazu über, Fleisch und Wurst in Blechbüchsen, nicht in Gläser, einzukochen, um stets frische Ware im Haus zu haben. Viele

Privathaushaltungen haben einen bescmderen Appa­rat, um die Blechbüchsen zu schließen. Es versteht sich von selbst, daß bei den Hausschlachtungen das WHW. nicht vergessen wird. Einige gefüllte Büchsen werden stets gestiftet.

s. Lang-Göns, 22. Nov. Nachdem am vori­gen Sonntag die NS.-Frauenschaft Gaben und Geldspenden für Weihnachtspakete beim WHW. gesammelt hatten, zogen am Samstag die Jungmädel von Haus zu Haus, um gespendete Kinderwäsche und -kleidung in Cmpsäng zu neh­men. Beide Sammlungen hatten ein äußerst gün­stiges Ergebnis.

# Hungen, 23. Nov. Zur Vervollkommnung ihres Betriebs hat die Molkereigenossen­schaft Hungen, nachdem im Jahre 1934 die Betriebsräume und im vorigen Jahre die Büro­räume eine Erweiterung erfahren hatten, in diesem Jahre die technische Betriebsanlage durch den Ein­bau von neuen maschinellen Anlagen den neuzeit­lichen Erfordernissen weiter angepaßt. Die seiher in der Milchannahme zur Messung der Milchanlieferung aufgestellten Meßgeräte wurden durch Leuchtbildwagen ersetzt, die im Gegensatz zu der seitherigen Messung der täglichen Milchanliefe­rung nach Maß (Liter) eine genaue Feststellung nach Gewicht (Kilo) treffen. Die Entrahmungs­anlage wurde durch den Einbau von zwei moder­nen Zentrifugen mit einer Stundenleistung von je 5000 Liter wesentlich verbessert. Die bisherige Erhitzungsanlage wurde durch eine kombinierte Plattenerhitzungsanlage für Vollmilch, Magermilch und Rahm ersetzt. Die Umstellung der Betriebs­anlage erfolgt ohne Störung des Betriebes wäh­rend weniger Stunden in der Nachtzeit.

A Hungen, 23. Nov. Nach fachgerechter Wie­derherstellung der kürzlich abgenommenen schad­haften Bekrönung unserer Kirchturm­spitze wird dieser Schmuck unseres Kirchturms dieser Tage von dem hiesigen Dachdeckermeister Heßler wieder angebracht werden. Schlossermei­ster Herrn. Ebersohn hat den von Rost nahezu vollständig zerstörten Teil des Kreuzschmuckes wie-

derheraestellt. Spenglermeister Ritter führte die Jnstandsetzunasarbeiten an der in Bronze gegosse­nen Plastik Des Gockels und an dem unter dem Kreuz befindlichen Bleiknauf aus, während Weiß­binder Karl Heßler den Neuanstrich der gesamten Kirchturmsbekrönung vornahm. In dem Bleiknauf befanden sich bisher Urkunden aus den Jahren 1888, 1921 und 1928, denen nunmehr neue Zeitdokumente aus dem Jahre 1936 hinzugefügt wurden.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

CD Wißmar, 23. Nov. Die Spielschar der hie- gen NS. -Frauenschaft brachte am Samstag- und Sonntagabend im Saale des Gastwirts Wolf das SpielDer Totentanz" zur Aufführung. An beiden Abenden war der Besuch gut. Bei der Treibjagd am Samstag wurden 27 Hafen zur Strecke gebracht. Im Gemeindewalü wurde jetzt mit dem Holzfällen begonnen. Da die Zahl ber erwerbslosen Volksgenossen in unserem Orte stark zurückgegangen ist, sind in diesem Jahre die Land­wirte ohne Einschränkung zu den Holzfällungsarbei­ten zugelassen worden. Es merben außer großen Mengen Brennholz noch Stamm- und Grubenholz, sowie Holz zu Eisenbahnschwellen geschlagen.

+ Kinzenbach, 23. Nov. In diesen Tagen fand die Verpachtung der im Lahntal gelege­nen Gemeindewiesen statt. Diese Wiesen, die sehr gute Futtergräser brachten, waren bisher immer sehr begehrt und wurden bei den auf sechs Jahre laufenden Verpachtungen immer gut bezahlt. In diesem Jahre allerdings ging die Verpachtung schleppend vor sich und die Gebote bleiben hinter denen der Vorjahre zurück. Der Ar wurde mit durchschnittlich 2 Mark bezahlt. Freiwerdende Stücke fanden kaum einen neuen Pächter. Der Flachs­anbau hat sich auch in unserer Gemarkung be­deutend gesteigert. Es wurden über 40 Zentner ge­erntet und im Bahnhof Abendstern zur Verladung gebracht. Ein Teil der Ernte ging an die Adolf- Hitler-Flachsspende.

SJL^fport

Die WHW.-Opfertage des deutschen Sports.

NSG. Der Reichssportführer v. Tschammer und O st e n hat auch in diesem Jahr den deutschen Sport zu Opfertagen für das Winterhilfswerk auf- gerufen. Die einzelnen Fachämter haben für ihre Sportarten den Sportopfertag mit großem Erfolg durchgeführt. Die verschiedenen Sportarten haben ihre Veranstaltungen an folgenden Terminen fest­gelegt:

Radsport: Sonntag, den 29. November 1936;

Tennis: Sonntag, den 6. Dezember 1936;

Schießen: Montag, den 14. Dezember 1936;

Fechten: Sonntag, den 10. Januar 1937;

Bob: Sonntag, den 10. Januar 1937;

Kegeln: Sonntag, den 17. Januar 1937.

Die Bekanntgabe der Sportopfertage der übrigen Fachämter und Sportverbänüe erfolgt nach deren Festsetzung.

SchulungsarbeitimKachamtHandball.

Nachdem am letzten Sonntag die Uebungsleiter und Vereinsspielwarte in einem Wochenendlehrgang beisammen waren, hatte Kreisschiedsrichterobmann D r o l s b a ch die Schiedsrichter und -Anwärter des Kreises 8 am Sonntag eingeladen, um an Hand der Erfahrungen einmal die Mißstände zu beheben, die sich durch die neueDeutsche Handballordnung" zwangsläufig ergeben mußten. Wie wichtig gerade derartige Aussprachen sind, das hat der Verlauf der Zusammenkunft gezeigt. Nicht nur, daß sie einen sehr guten Besuch aufwies, auch die Aussprache zeigte in eindeutiger Weise, welchen Gefahren jede Neuord­nung zu Beginn in der Praxis ausgefetzt ist.

Aber nicht nur die Neuerungen, auch schon jahre­lang bestehende Regeln werden oft in einer Weife ausgelegt, die sich auf die Dauer nur schädlich aus­wirken kann. In klaren und leichtverständlichen Worten verstand es Obmann Drolsbach, alle auf­tauchenden Mißverständnisse aus dem Weg zu räu­men und die allein geltenden Bestimmungen so zu behandeln, daß eigentlich irgendwelche Zweifel nicht mehr bestehen sollten.

Als ein erfreuliches Zeichen konnte bemerkt wer­

den, daß eine ganze Reihe von Schiedsrichter-An­wärtern aufgenommen werden konnte, so daß der Bestand für die Zukunft also gesichert erscheint. Es gab eine Zeit die leider auch heute noch nicht endlich überwunden ist in der manches Spiel ab­gesetzt werden mußte, weil es tatsächlich an den er­forderlichen Leitern fehlte. Nicht zuletzt lag dieser Zustand an den Vereinen selbst, weil sie ihren dahin­gehenden Verpflichtungen oft nur teilweise nach- kamen.

Die Anwärter werden nun zu Uebungsgemein- schäften zusammengezogen, um in Lehrgängen für ihr verantwortungsvolles Amt vorbereitet zu werden. Erst mit dem Abschluß einer schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfung kann sich der Anwärter als vollwertiges Mitglied der Schiedsrichtergemeinschaft fühlen.

Sieben Klaffenrekorde in MonthlSry.

Die Fahrer Wimille, Veyren und Williams stell­ten mit einem 3,3-Liter - Bugatti in Linas Month- terg sieben neue internationale Klassenrekorde (3000 bis 5000 ccm) auf. Die neuen Rekorde sind: 1000 Meilen in 8:04:38 Stunden = 199,244 km/st (alter Rekord 187,2 km/st von Kaye-Don); 2000 Kilometer in 10:10:06,89 Stunden = 196,684 km/st (alter Rekord 186,8 von Kaye-Don); 12 Stunden: 2380 Kilometer = 198,388 km/st (alter Rekord 183,6 von Perrot); 3000 Kilometer in 15:03:51,31 Std. = 199,147 km/st (alter Rekord 179,6 von Perrot); 2000 Meilen in 16:08:51,40 = 199,329 km/st (alter Rekord 179,2 von Perrot); 4000 Kilometer in 19:57.-06,01 = 200,484 km/st (alter Rekord 179,2 von Perrot); 24 Stunden: 4786 Kilometer = 199,445 km/st (alter Rekord 179,2 von Perrot).

Niederlage: Jean Weisel, Gießen, Sonnenstraße 6, Tel. 3888

Wege im Nebel.

Roman von Käthe Mehner.

(Copyright by Aufwärts-Derlag, Berlin SW 68.)

15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Mit liebenswürdigem Lächeln dankte Olga, als der Ober schon nach wenigen Minuten die noch dampfende Pastete servierte. Wie beiläufig brachte sie jetzt ihre Frage an:

Sehen Sie dort drüben die blonde Dame in dem lachsfarbenen Kleid? Ein Fräulein Heller, die bei Ihnen wohnt. Könnten Sie mir vielleicht die Zimmernummer dieser Dame nennen?"

Diskret wies Olga auf das Spiegelbild ihr ge­genüber.

Der Ober nickte.Ganz recht! Fräulein Heller! Die Dame kenne ich! Wohnt schon seit einigen Ta­gen hier! $at Zimmer Nummer sechzehn, soviel ich weiß, im ersten Stock, nach vornheraus, glaube ich. Soll ich der Dame vielleicht etwas ausrichten?"

Olga verneinte hastig.

Nein, bitte erwähnen Sie doch meiner Frage! Ich wollte nur... ii lich die Dame überraschen!"

Wie Sie wünschen!"

Sich verbeugend nahm der Ober das auch jetzt wieder viel zu hoch berechnete Trinkgeld in Empfang und entfernte sich, in den Mundwinkeln ein kaum merkliches, aber mokantes Lächeln.

Olga sah es und verfärbte sich vor Aerger.

Ohne Zweifel hatte sie sich verraten, wenn nicht durch ihr nervöses Benehmen, so doch durch die unvernünftigen Trinkgelder! Wer weiß, ob der Ober nicht doch eine Bemerkung Sanna gegenüber machte, die alles verraten konnte, ihr den Erfolg noch in letzter Minute in Frage stellte!

Ein Chaos von wilden Gefühlen kochte in ihr. Wie sie die beiden dort drüben haßte, um derent­willen sie sich all' diese Qualen auferlegt hatte! Freilich, auch Beweise hatte sie nun in der Hand und nicht minder die Möglichkeit, noch klarere, un­trüglichere zu sammeln, da sie Jannas Zimmer­nummer in Erfahrung gebracht hatte. Und wenn

Jannas Zimmer in der Tat nach der Straße zu gelegen war...

Ein Gedanke kam ihr.

Noch einen Augenblick zögerte fiev bis von neuem ein Tanz begann, Gerhard und Janna durch das Gewühl der ausstehenden Paare verdeckt wurden.

Dann eichob sie sich schnell.

Die breite Flügeltüre klappte hinter ihr zu.

Nach wenigen Minuten war sie drüben im an­dern Hotel, stieg die Stufen zu ihrem Zimmer empor.

Dort angekommen, zog sie zunächst die Gardinen sorgfältig zu, löschte bann das Licht aus und nahm wie am Nachmittag wieder auf dem niedrigen Stuhl am Fenster Platz, von dem aus sie die Front desThüringer Hofes" beobachten konnte.

Diesmal sollten ihr die beiden nicht wieder ent­gehen, sollte ihr der letzte Beweis nicht wieder streitig gemacht werden!

Trotzdem mußte sie lange auf ihrem selbstge­wählten Posten ausharren, ehe ihre Ausdauer be­lohnt wurde.

Endlich, nachdem sich das Hinsehen und Entdecken immer wieder als Irrtum herausgestellt hatte, flammte wieder ein Licht in einem der Zimmer auf, in dem jetzt zwei Gestalten erschienen.

Ob sie es waren?

Alles vibrierte in Olga. Vorsichtig streckte sie eine Hand hinter der Gardine hervor, rieb die Fenster­scheibe, an der sich ein leichter Hauch von Eis gebildet hatte, der die klare Sicht trübte. Auch drü­ben fiel deshalb das Licht wohl so fahl wie durch Milchglas und zeigte, trotz der noch unverhange- nen Fenster nur schwache Umrisse, so daß die Ge­stalten unkenntlich waren.

Doch da--

Der Schein wurde plötzlich deutlicher. Eine zweite Lampe schien eingeschaltet worden zu sein.

Uun nun ein Schatten, ein deutliches, dunkles Profil, ein lachsfarbenes Abendkleid! Das war Sanna! Kein Zweifel war möglich, es war Janna und keine andere!

Und jetzt---alles krampfte sich in Olga

förmlich zusammen vor Haß und tödlicher Eifer­sucht, --jetzt sah sie auch Gerhard Brand! Ger­

hard Brand in Jannas Zimmer! Und da, noch

mehr,--beide sanken sich in die Arme, küßten

sich... Brauchte sie noch mehr Beweise? Noch mehr Nahrung für ihren grenzenlosen Haß?--

Noch lange hastete der Anblick in ihrer Vor­stellung, als drüben die Vorhänge längst zugezo­gen und die Lichter gelöscht waren. Daß Gerhard Brand schon wenige Augenblicke später den Thü­ringer Hof" verließ, Hane sie freilich nicht mehr beachtet!

Lange noch lag sie wach, schlaflos im Vibrieren der Nerven, im Aufruhr ihrer Gefühle und rach­süchtigen Gedanken.

Gegen Morgen endlich fiel sie in einen unruhi­gen, von schweren Träumen gequälten Schlaf.

Erst auf der vom eintönigen Rhythmus der Näder begleiteten Bahnfahrt, die sie noch im Laufe des Morgens in die Stadt zurückbringen sollte, beruhigte sich Olga Willnoff allmählich. Was es auch gekostet hatte,--sie war im Besitz von Ge­

heimnissen, für deren gewinnbringendes Preisgeben sich selbst die Qual der Eifersucht lohnen mochte! Hatte sie auch das eine Spiel ihrens Lebens ver­loren, um so sicherer wollte sie nun das andere gewinnen, das ihrer Rache und ihres eigenen Er­folges! Dr. Ralf Rammelt und Walter Brand soll­ten dabei die Mitwirkenden sein! Janna, ihre ver­haßte Nebenbuhlerin, und Gerhard, der sie ver­schmäht hatte, aber sollten verlieren, sollten jeden Atemzug ihres Glückes bitter bezahlen!

Eintönig klopften indessen die Räder des Zuges ihre eigentümliche Melodie über die Schienenstöße und ließen Olga Willnoff nach den Erregungen des Vorabends langsam einschlummern.

IX.

Im Zimmer des Generaldirektors ratterte die Schreibmaschine. Fräulein Schlicht hatte flinke, flei­ßige Hände, und man merkte es ihr an, daß sie ihren Beruf mit Befriedigung ausübte. Allerdings schien sie yeute eigenartig zerstreut, denn schon mehrfach hatte sie sich umgeschaut, als ob sie jeman­den erwartete.

Endlich nach einer langen Zeit, während deren sonst niemand sie störte, öffnete sich die Tür und der Generaldirektor trat ein.

Es war Inge Schlicht schon mehr als einmal in den letzten Tagen ausgefallen, daß das Benehmen

Walter Brands hastig und nervös war, heute aber schien er doppelt erregt und ungeduldig. Nach einem kurzen Gruß nahm er Platz, um dann je­doch sogleich wieder aufzustehen und in unruhigem Gang das Büro zu durchmessen. Finster zogen sich von Zeit zu Zeit seine buschigen Augenbrauen zusammen, als beschäftigte ihn eine besonders un­angenehme Angelegenheit.

Ja, was ist denn?" fuhr er schließlich seine Sekretärin an, die ihm unwillkürlich auf seinem Gang nachgesehen hatte.Warum starren Sie mich denn so an? Haben Sie sonst nichts zu tun?"

Ich dachte nur..." stammelte Inge Schlicht, ich dachte nur, der Herr Generaldirektor haben vielleicht Sorgen oder Aerger... und da..."

Wenn ich Sorgen habe, so ist das meine Sache!" fiel er ihr barsch in die Rede.

Dann aber hielt er plötzlich inne. Während sein Blick auf sie fiel, hatte er bemerkt, daß ihr zwei Tränen über die Wangen rollten.

Sofort war er an ihrer Seite. Noch niemals hatte er etwas derartiges an Inge Schlicht be- merkt, und um so mehr überraschten ihn ihre Trä­nen.

Nun, nun, kleines Fräulein, so habe ich es doch nicht gemeint! Ich bin eben etwas mit meinen Nerven herunter und habe wirklich allerhand Aer- aer und Unangenehmes. Aber das ist doch kein Grund, daß Sie auch gleich weinen!"

Sein Ton war so rücksichtsvoll, fast gütig gewor­den, daß sie schnell ihre Tränen trocknete und jetzt beinahe lächelnd zu ihm aufblickte.

Sehen Sie, so gefallen Sie mir viel besser, Fräulein Schlicht! Freilich, recht haben Sie ja doch, daß ich Sorgen und Aerger habe! Und schließlich wissen Sie ja auch einigermaßen Bescheid, warum sollte ich nicht offen zu Ihnen sprechen, besonder» da Sie wirklich Interesse zu haben scheinen!"

Deshalb habe ich mir die Frage von vorhin doch auch nur erlaubt", entgegnete Inge Schlicht leise, während ihre Wangen sich zart röteten und ein frohes Leuchten in ihre Augen kam. Es gab gewiß nicht viele im Werk, mit denen der General­direktor Brand offen sprach.

(Fortsetzung folgt!)

,ar nichts von möchte näm-