Ausgabe 
24.11.1936
 
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Zusätzlicher Fischtag.

Wie

plätzcken" i Kaufyauses

Zahlen als Mahner.

uninter- finb ab*

aber gilt, lassenheit Frommen geradezu lässigkeit!

preise sollen.

Vie deutsche Arbeitsfront

: N.S.-öemeinschzttKraft durch Freude"

Streifzug durch Alt-Gießen.

Aus den Erinnerungen eines «.hochgeborenen"" 80jährigen.

mischen Hauswirtschaft einbürgert.

Verkehrsunfall.

Auf der Landstraße Großen-BuseckWten-Buseck ereignete sich am gestrigen Montagvormittag gegen 11 Uhr ein Verkehrsunfall, der zum Glück noch ver­hältnismäßig glimpflich verlief. Ein Personenkraft­wagen, der aus der Richtung Großen-Buseck kam, befand sich vorschriftswirdrig auf der linken Stra­ßenseite, als ihm aus der Richtung Alten-Buseck ein Lieferkraftwagen aus Gießen begegnete. Infolge des vorschriftswidrigen Fahrens des Personenautos wurde der Lieferkraftwagen bei der Begegnung in einer Kurve zur Seite gedrängt und stürzte in den Straßengraben. Dabei wurde der ganze Inhalt des mit Spirituosenflaschen beladenen Lieferwagens hcrausgefchleudert und ging beim Aufschlagen auf die Straße und den Acker verloren. Das Lieferauto wurde stark beschädigt, der Fahrer und sein Beglei­ter wurden leicht verletzt. Der Führer des Per­sonenautos entzog sich der Feststellung seiner Per­sonalien durch schleunige Flucht. Die Ermittlungen der Gendarmerie sind im Gange.

Gießener Dochenmarktpreise.

* G i e ß e n , 24. Nov. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk.» f. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 10 Pf., 50 kg 4,50 bis 5 Mk., Weißkraut, % kg 5 bis 6 Pf., 50 kg 3 bis 3,50 Mk., Rotkraut, % kg 8 bis 10 Pf., gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 7 bis 8, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4, 5 kg 40 Pf., Aepfel, N kg 15 bis 25 Pf., 50 kg 15 bis 25 Mk., Tafeläpfel, kg 25 bis 30 Pf., 50 kg 25 bis 30 Mk., Birnen, kg 10 bis 25 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Blumenkohl, das Stück 35 bis 55 Pf., Endivien 5 bis 10, Ober­kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf.

Woche um Woche werden die Listen der Toten und der Verletzten veröffentlicht. Die Zahlen sind ergreifend, aber schauriger noch ist die Tatsache, das unendlich viele Menschen über die Zahlen h i n- w e g l e s e n , ohne innerlich von ihnen Notiz zu nehmen. Man braucht nur einmal in einer größe­ren Stadt mit polizeilicher Verkehrsregelung zehn Minuten Beobachtungen zu machen, und man wird eine Fülle von Verletzungen der Verkehrsregeln bemerken, wenn das Auge des Gesetzes gerade in eine andere Richtung schaut. Und dabei muß fest- gestellt werden, daß in den Städten die Unfälle sehr viel weniger gestiegen sind, als in den Land-

19. Dezember beendet fein. In Frankfurt a. M. wird er bereits am 7. Dezember seinen Anfang nehmen. Für den Kleinhandel werden die Leiter der Wirt­schaftsgruppeAmbulantes Gewerbe" herangezo­gen. Die Christbäume sind in vier Gruppen nach Größen bis zu vier Meter geteilt, für die Mittel- ' von 0,60 bis 3,60 RM. festgesetzt werden

im täglichen Verkehr mit ein wenig Ge- und Vorbedacht zu eigenem Nutz und Sekunden zu zögern, dort herrscht eine erstaunliche Gleichgültigkeit und Nach-

Zu dem Dichterabend Edwin Erich Dwin - g e r am 25. November in der Neuen Aula der Universität hat uns der Goethe-Bund einige Kar­ten zum Preis von 50 Pfennig zur Verfügung ge- stellt. Die Karten sind auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 7, zu haben.

Einsatz um Kleinigkeiten.

Ueberall führt die HI. jetzt die Altmaterial-Samm­lung durch, die der Reichsjugendführer kürzlich an­geordnet hat. Der materielle Gewinn, der der deut­schen Volkswirtschaft so mit dem Einsatz der fort­laufenden Kleinarbeit einer Millionenorganisation ersteht, wird allein daran deutlich, daß beispiels­weise laut statistischer Untersuchung jährlich sechs- bis siebentausend Tonnen Aluminiumfolien in Form von sogenanntemSilberpapier" achtlos fortgewor- sen werden, wodurch eine Wiederverwendung des Ausgangsmaterials ausgeschlossen ist. Ein noch klareres Bild von der Größe des Materialverlustes (und der verlorenen Arbeitskraft!) erhält man durch die Tatsache, daß diese Aluminiummenge mehr als 6 Prozent der gesamten deutschen Produktion aus­macht.

Hilf dir selbst dann hilft dir Gott!" sagt das Sprichwort. Das deutsche Volk weiß sich zu helfen, nachdem ihm der Führer durch die Proklamation des Vierjahresplanes und durch Sie Betrauung eines seiner ältesten Mitkämpfer mit der praktischen Ver­wirklichung den Weg gewiesen hat. Die deutsche Jugend, die stets, wenn es von ihr gefordert wurde, ihre Einsatzbereitschaft bekundete, sei es durch frei­willige Hilfe bei der Ernte, bei der Steigerung des Flachsanbaues, beim Beerensammeln zur Herstel­lung von Brotaufstrich, der an das Winterhilfswerk gegeben wurde sie war immer mit all ihren Kräften ganz bei der Sache. Sie wird sich auch bei der neuen Aktion, die sich mit dem Sammeln von an sich unscheinbaren kleinen Dingen befaßt, voll einsetzen. Scheinbar Nebensächlichem gilt dieser Ein­satz. Aber zu gewissen Zeiten kann an Kleinigkeiten alles hängen. Man sage auch nicht, jeder einzelne könne hier doch nur wenig zusammenbringen. Es heißt ja so richtig:Diele Wenig geben ein Viel."

Unö diesesDiel" aber, das nur ein bescheidener Beitrag der HI. am Aufbauwerk des Führers ist, wird übertroffen werden durch das Viel, das auch in diesem Falle wieder an charakterlicher Haltung gewonnen wird, das zwar nicht meßbar und an Statistiken abzulesen ist, das aber seine Spuren in der Erziehungsarbeit der HI. hinterlassen wird, in einer Haltung zur steten Einsatzbereitschaft und einer Erziehung zum realpolitischen Denken.

H. S.

Bon der Universität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Forstrat Dr. Zentgraf in Lauterbach hat vom Reichserziehungsminister den Auftrag erhalten, die Professur für forstliche Produktionslehre an der Universität Gießen zu übernehmen und seinen stän­digen Wohnsitz von Lauterbach nach Gießen zu verlegen.

Polizeibericht.

Die Kriminalpolizeistelle bei der Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:

Wegen schwerer Kuppelei wurde am Samstag eine 47jährige Frau aus Gießen festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt. Die Festgenommene hat ihre noch minderjährige leibliche Tochter an einen verheirateten Mann verkuppelt. Die Frau wurde in Untersuchungshaft genommen.

Wegen Jagdvergehens wurde am Samstag der in Heuchelheim wohnhafte 32 Jahre alte Bernhard Michalik festgenommen. Am Freitag fand ein Einwohner von Heuchelheim in der Nähe der Heu­chelheimer Mühle an einer Hecke einen in einem Tellereisen gefangenen Fasanenhahn. Der Finder teilte seine Wahrnehmung sofort dem Jagdberechtig­ten mit. Dieser setzte die Kriminalpolizei in Kennt­nis, der es nach langem Warten gelang, den Täter Michaelek, als er seine Beute am Samstagfrüh ab­

gebieten, wo die Verkehrskontrolle naturgemäß viel weniger dicht ist. Nun sollte man zwar annehmen, daß der Mensch auf dem flachen Lande nicht von der spezifischen Hast der Großstadt erfaßt ist, aber die Zahlen reden doch ihre bestimmte und eindeutige Sprache und zeigen den Umfang der Gleichgültig­keit, um nicht zu sagen eines gewissen Mangels an geistigem und seelischen Auffassungsvermögen.

In der Schlacht von Königgrätz hat es insgesamt bei Preußen, Oesterreichern und Sachsen 40 686 Tote, Vermißte und Verwundete gegeben. In der Schlacht von Sedan wurden auf deut- cher Seite rund 9000 Offiziere und Mannschaften getötet und verwundet. Was sind Königgrätz und Sedan gegen die Opferzahl des Straßenverkehrs? Oder, um in einem anderen Bilde zu sprechen: Die Zahl der Toten, die der Straßenverkehr fordert, ist fast so aroß wie die Einwohnerschaft von Nau­heim, und die Zahl der Verletzten erreicht den Ein­wohnerstand einer Großstadt wie Augsburg! Wenn zur See, oder im Berabau, oder im Eisenbahnver­kehr gelegentlich die bekannte Pechsträhne großer Unglücksfälle beginnt, dann fühlt das ganze Volk den eisigen Hauch eines großen Unglück; wo es

holen wollte, festzunehmen. Ein weiterer, bereits gerupfter und ausgenommener Fasan wurde beim Erscheinen des Kriminalbeamten und eines hinzu- gezogenen Gendarmeriebeamten in der Wohnung des Beschuldigten freiwillig von dessen Cheftau her­ausgegeben. Michaelek gab dann auf Vorhalt zu, noch einen weiteren Hahn gefangen und mit sei­ner Familie verzehrt zu haben. Der Mann wurde dem Amtsgericht zugeführt und kam in Unter­suchungshaft.

Lehrlingsbücher für Kaufmannslehrlinge.

LPD. Nach dem im Rhein-Mainischen Wirt­schaftsgebiet verwendeten einheitlichen Lehrvertags- mufter für Kaufmannslehrlinge sind diese verpflich­tet, ein Lehrlingsbuch zu führen. In diesem Lehr­lingsbuch hat der Lehrling in bestimmten Zeitab­ständen niederzulegen, welche Ausbildung ihm in der Lehre zuteil geworden ist. Auf diese Weise soll erreicht werden, dem Lehrling den Sinn der von ihm verrichteten Tätigkeit nahezubringen. Für den Lehrherrn stellt das Lehrlingsbuch im übrigen ein ideales Mittel dar, den Erfolg feiner Ausbildung feftzuftellen.

Die Deutsche Arbeitsfront, Abteilung für Berufs­erziehung und Betriebsführung, und die Wirtschafts­gruppe Einzelhandel, Bezirk Hessen, sind übereinge­kommen, daß das von der Wirtschaftsgruppe Ein­zelhandel, Berlin, inzwischen für kaufmännische Lehrlinge im Einzelhandel herausgebrachteLehr­heft" im Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebiet zu­nächst nicht zur Anwendung kommen soll, um Lehrling und Lehrherrn, die bereits zur Führung eines Lehrlingsbuchs verpflichtet find, vor unnöti­gen Ausgaben zu bewahren. Im Rhein-Mai- nifchen Wirtschaftsgebiet ist daher auch im Einzelhandel das in dem ein- heitlichen Lehrvertrag für Kaufmanns« lehrlinge vorgesehene Lehrlingsbuch vom Lehrling zu führen. Dieses Lehrlings- buch ist nicht schematisch eingeteilt, sondern als sol­ches kann ein dickeres Schreibheft mit starkem Ein­band verwendet werden. Es wird erwogen, für die Ostern 1937 neu einzustellenden Lehrlinge im Einzel­handel dasLehrheft" einzuführen.

Marktregelung für Weihnachtsbäume.

Lpd. Auf Grund der Verordnung des Reichsforst­meisters über die Regelung des Marktes für Ehrist- bäume ist Landesforstmeister Dreyer in Kassel Regierungsgebäude (Schloßplatz 6), zum Bezirk^ beauftragten für die Provinz Hessen-Nassau, Land Hessen (Provinz Oberhessen), Land Thü­ringen und Regierungsbezirk Erfurt ernannt wor- den. Als Großmärkte wurden Kassel, Wiesbaden Frankfurt a. M. und Erfurt bestimmt. Die Groß­märkte sollen am 10. Dezember beginnen und am

bandlung von Justin Eberhard. Ein kurzer chmaler Eingang zur Straße führte zu einem kleinen, freien Platze, dasElefantenplätzchen" ge­nannt, zur Erinnerung an einen etwa 1864 dort zur Schau gestellten Rüsselträger. DemElefanten- gegenüber, an der Stelle des heutigen > Kerber, befand sich eine städtische

(Schluß.)

Wenn man zum Rahnschen Schuleingang zurück- : kehrte, stand man am Eingang in die Hintergasse der Teil der jetzigen Wetzsteinstraße, der in der Walltorstraße bei Metzger L. S a ck mündet. Nach der Nordanlage war noch kein Zugang geschaffen. Hier befand sich die Franzsche Schule. Die Rahnsche und die Franzsche Schule galten als Vorschulen zu den höheren Schulen, die damals Abcschützen nicht aufnahmen. Beide Institute rivalisierten mitein­ander, insbesondere die Schüler. Die Häuser beider Schulen sind verschwunden, sie leben nur noch in den Bildern der Erinnerung. Die Rahnsche Schule besaß ein großes Schulzimmer, geräumigen Hof und schönen Garten. Die Franzsche Schule, mir als Rahne-Schüler nur wenig bekannt, konnte sich dieser Räume, durch die enge Gasse bedingt, nicht rühmen.

Der Burg meiner Ahnen", dem Stadtkirchen­turm gegenüber, in südlicher Richtung, lag der da­mals wohl am wenigsten erfreuliche Teil Gießens, der sogenannte Burggraben. Düngerhaufen mit ihren Abflüssen bildeten den Hauptinhalt. Stallun­gen und ähnliche Gebäude, die zu den mit der Front nach dem Marktplatz zeiaenden Geschäfts­häusern gehörten, bildeten keine Zierde. Vor allem waren es zwei Metzgereien, die ihre Schlachtungen in den Hintergebäuden vornahmen (Träubel Vogt" undMatsche Vogt" genannt), welche zu dem Un­rat und zu dem die ganze Gegend durchziehenden Wohlgeruch viel beitrugen. Ein Schlachthaus gab es damals noch nicht. Das Eckhaus von Kirchstraße und Marktplatz (jetzt Kaufmann Loos) und das danebenstehende waren die Geschäftshäuser der beiden Metzgereien. Beiden schloß sich Bäcker Lenz mit einer kleinen Wirtschaft an. Hier ließen wir Jungen unsereAeppelleibchen" backen, eine be­liebte Frühstücksspeise der Schuljugend. Der Inhaber der Bäckerei verstand uns und kam uns stets freund­lich und hilfsbereit entgegen. Das folgende Ge­schäftshaus gehörte dem Kolonialwarenhändler Oefer. Dann kam das Anwesen des Metzgers Plank, des dritten Metzgers in dieser Gegend.

Große Veränderungen waren an und in der Schulstraße zu verzeichnen. Der Eingang zur Sttaße war nur etwas mehr als ein Wagen breit. Die Engelapotheke nimmt heute den Platz ein, wo ehemals das Geschäftshaus von Alexander Meier tand. An den Verkaufsladen schloß sich ein Ge­bäude an, daß als Lumpen- und Knochenmagazin diente, das einen gefährlichen Vazillenherd dar- 1 teilte.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts brannte dieser Seuchenherd ab und verursachte noch wochenlang einen entsetzlichen Gestank und weitere Feuersgefahr durch die bei den Aufräumungs­arbeiten aufgewühlten und Herumliegenden bren­nenden Lumpen. Nach diesem Brand wurde die Aufbewahrung von Knochen und Lumpen inner­halb der Stadt verboten. Jetzt stehen an der Stätte dieses Lumpenmaga^ins schmucke Geschäftshäuser.

Das südliche Eckhaus enthielt eine Musikalien-

26. November, verpflichtet. Die Theaterleittrng macht darauf aufmerksam, daß eine nochmalige Wiederholung ^unmöglich ist. Dies zweite Gastspiel dauert ebenfalls von 20.15 bis 23 Uhr. (Siehe heu­tige Anzeige.)

Dichler-Abend: Edwin Erich Dwinger.

Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein haben, wie uns geschrieben wird, zu ihrem zweiten dieswinterlichen Dichter-Abend den bekannten Dichter Edwin Erich Dwinger gewonnen. Seine beiden großen WerkeDie Armee hinter Stacheldraht" und Zwischen Weiß und Rot" sind neben seinen neueren Büchern weithin bekannt geworden. Der Dichter ist ein ausgezeichneter Mittler seiner Werke, und seine Lesungen hinterlassen überall tiefen Eindruck. (Siehe heutige Anzeige.)

Hitler-Zugend Bann 116 Gießen.

Am Sonntay, 29. November, findet im HJ.-Heim in Klein-Linden eine Führertayung der Ge­folgschaftsführer und Stellenleiter statt. Beginn 8.30 Uhr, Ende gegen 16.30 Uhr. Die angesetzten Wochenendschulungen fallen für diesen Tag aus.

Wünsche für die Pfundsammlung.

Die Kreisführung des WHW. für den Kreis Wet­terau stellt mit Dankbarkeit fest, daß die Opfer­freudigkeit der Bevölkerung unseres Kreisgebietes bei den Pfundsammlungen für das WHW., die be­kanntlich monatlich einmal in jedem Ort durchge­führt werden, im Vergleich zu Den Vorjahren noch weiter gestiegen ist.

Die Kreisführung ist dadurch in die Lage versetzt, den zahlreichen hilfsbedürftigen Volksgenossen zu­sätzliche Lebensmittel aller Art aushändigen zu können.

Bei diesen Pfundsammlungen ist nun zu beobach­ten, daß bei dem Spendenaufkommen, vor allen Dingen in Gebieten der Städte, von den Volks­genossen vorwiegend Reis gegeben wird, und zwar Reis in derartigen Mengen, daß die Vertei­lung auf Schwierigkeiten stößt und Gefahr läuft einfeitig zu werden.

Die Kreisführung gibt daher dem Wunsche Aus- , druck, vor allen Dingen auch im Hinblick auf unsere Devisenlage in Zukunft von Reis-Spenden bei der Pfundfammlung Abstand nehmen zu wollen und dafür etwas anderes zu geben.

Erwünscht sind besonders Nudeln und Zucker, die beide bei der Vielseitigkeit ihrer Verwendungs­möglichkeit in jedem Haushalt außerordentlich begehrt sind. Weiterhin kommen für diese Pfund­sammlungen in Frage Mehl, Hülsenfrüchte, i Graupen usw., und soweit die Volksgenossen dazu in der Sage sind auch hochwertige Lebens- ; und Genußmittel wie Kaffee, Fischkonfer- j oen, Wurst, Fleischwaren usw.

Kreisführung des WHW.

Witwe Harnisch, später Beifuß, schloß sich in öst­licher Richtung, also nach dem Kirchenplatz zu, Barbier und Heilgehilfe Gerlipp, Buchbinder Sonn­tag, Lampenfabrikant Habenicht, Putzgeschäft Fang­mann und dann der erste Gasthof Gießens, das weit und breit berühmteEinhorn" an, wo stets der Landesfürst, wenn er in Gießen weilte, Woh­nung nahm. (Jetzt steht ein Neubau an dessen Stelle.) Auch alle hohen Offtziere, die zur Regi- ments-Jnspektton hier weilten, nahmen dort Woh­nung. DemEinhorn" gegenüber, jetzt ein Musik­geschäft, befand sich in meinen jungen Jahren ein Caft Rollos (etwa 1865), das seinen Wirtschafts­betrieb sogar auf dem vorliegenden Bürgersteig, nach dem Lindenplatz zu, mit einigen Lorbeer­bäumen als Garten vorgetäuscht, ausüben durfte. Die späteren Besitzer dieses Hauses waren: Zigar­renhändler Frech, Friseur Gerhard, Musika­lienhändler Busch und dann Schneider. Dunkel er­innere ich mich auch, daß in dem zweiten Hause nach dem Kirchenplatz zu die Post ihr Heim hatte. Ich sehe es noch heute im Geiste deutlich vor mir, wie der Postwagen nachmittags um 4 oder 5 Uhr nach Lich von einigen Reisenden erwartet wurde, der Postschaffner (damals sagte man Condukteur) sich mit dem Postillon, dessen Horn mich sehr inter­essierte, bemühte, die Fahrgäste gut unterzubringen und eventuell einen sogenannten Beiwagen zu be- sorgen.

Wir Jungens umstanden den Postwagen und sahen ihm mit sehnsüchtigen Reisegefühlen nach. Die Welt laa verschlossen und schier unerreichbar vor unseren Augen. Nach der Verlegung der Post verwandelte sich dieses Haus in ein GasthausZum lahmen Esel". D. h. diesen Namen trug es nicht offiziell, sondern nur in Bürgerkreisen. Eine Be­gründung für die Beilegung dieses poettschen Namens habe ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob es eine Bezeichnung für den Hausbesitzer oder Gast­wirt war. In gutem Gerüche stehendes und von der Jugend gern besuchtes Haus war das linke Eck­haus am Eingang zur Schloßgasse vom Kirchen­platz aus gesehen. Hier wohnte Konditor Lind, der mit den Erzeugnissen seiner Tätigkeit die herr­lichsten Düfte verbreitete. Verschiedene im Erker ausgestellte Marzipangruppen waren in ihrer humorvollen Zusammenstellung eine Freude für groß und klein.

Diese Häuserreihe, Eckhaus Lindenplatz und Kir­chenplatz bis zum Lindschen Hause (Ecke Schloß­gasse), ist dem Untergang geweiht. Durch den Ab­bruch dieser Häuser soll der für den Verkehr ge­fährlich enge Eingang zum Lindenplatz und wm Walltor verbreitert werden. Eine sehr notwendige Maßregel! Das Eckhaus der südlichen Seite der Schloßgasse enthielt die Ferbersche Universitäts- Buchhandlung, daran schloß sich die Engelapotheke, jetzt Wollwarengeschäft.

Der kleine Platz vor der alten Engelapotheke war zeitweise Zeuge besonderer kommunaler Er­eignisse. Es war für unsere Gegend der Standort des Sendeboten der Stadtverwaltung, der die Bürger mit neuen Begebenheiten bekannt machte. Eine'mit Kraft geschwungene große Schelle lenkte mit ihrem Klingen die Aufmerksamkeit auf den städtischen Ausrufer. Rühe und Stille trat ein. Der Schusterjunge hörte auf zu pfeifen, Konditor, Metzger, Apotheker erschienenen, Neues erwartend, vor der Ladentüre. Alle Fußgänyer und alle Wagen machten halt. (Ein Bild, das einen Vergleich mit der heutigen Zeit geradezu herausfordert.)

Dann wurde die Glocke mit energischem Schwung unter den linken Arm verstaut, der rechte Arm mit dem behördlichen Schriftstück in der Hand erhob sich würdevoll, und laut und deutlich schallte es über den Platz:

Es wird hiermit bekanntgemacht ... br.

NSG. Kennzeichen der arischen Ge - chäfte. Die Kenntlichmachung der arischen Ge- chäfte wird fortgesetzt. Die DAF.-Einzelmitglieder ind berechttgt, ein Schild der DAF. zu führen, das ie als solche kenntlich macht und das nur die ari- chen Geschäftsleute erhalten. Dadurch wird die auf diesem Gebiet dringend nötige Klärung weiter ge­fördert.

** Eine Fünfundsiebzigjährige. Am heutigen Dienstag, 24. November, kann Fräulein Berta Landmann, Hindenburgwall 7 wohn­haft, in bester Frische ihren 75. Geburtstag begehen. Die Jubilarin ist durch ihre Handarbeits- und Haus­haltungsschule, die sie etwa 40 Jahre lang leitete, in breiten Bevölkerungskreisen bekannt geworden.

** Das Stammholzrücken In den tädtischen Waldungen wird in einer Be­kanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil zur Vergebung ausgeschrieben. Näheres in der Bekannt­machung.

** O -Züae während der Weihnachts­zeit für Fahrten mit Preisermäßi­gung gesperrt. Während des diesjährigen Weihnachtsverkehrs wird die Benutzung der V-Züge in der Zeit vom 22. Dezember 0 Uhr bis 24 De­zember, 24 Uhr, sowie vom 27. Dezember, 0 Uhr, bis 28. Dezember, 12 Uhr, und vom 3. Januar 1937, 0 Uhr, bis 4. Januar 1937, 12 Uhr, für Reise mit Fahrpreisermäßigung für Gesellschafts- ährten gesperrt. Bei Schul- und Jugendpflegefahr­ten treten Beschränkungen nicht ein.

Rundfunkprogramm.

Mittwoch, 25. November.

6 Uhr: Choral; Morgenspruch; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11.40: Landfunk. 11.45: Sozialdienst. 12:In den Domen der Arbeit." Mu­sik großer Meister in Betrieben. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Die schöne Stimme (XXVI). Aureliano Pertile. 15: Volk und Wirtschaft. Edel­steine in Deutschland geschliffen. 15.15: Die rö­mische Villa von Nennig an der oberen Mosel (Kreis Saarburg). Es spricht: Direktor des Landes- museums, Trier, Professor von Massow. 15.30: Rheinische Histörchen. Von Jörg Ritzel. 16: I. Kam­mermusik. II. Unterhaltungsmusik. 17.30: Wir blät­tern um: Bücher, die wir uns zu Weihnachten wün­schen! 18: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation. Va­renholz eine Führerinnen-Schule des BDM. 20.45:Sehr verehrtes, unbekanntes Fräulein!" Ein Liebesbrief mit sehr viel Musik. 22: Nachrichten.

Donnerstag, 26. November.

6 Uhr: Choral; Moraenspruch; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Lustiges Kunterbunt zur Morgenstund. 9.30: Nur Koblenz-Trier: Nachrichten. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Landfunk. 11.45: Sozial- bienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Bunter Melodienreigen. 15: Volk mb Wirtschaft. Die Soja-Bohne. 15.15: Kinder- unf. Wir Kinder wollen auch nicht beiseite stehen! 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Diener des Volkes. Querschnitt durch neue deutsche Geschichtsromane. 17.45:Entartete Kunst". Ein Zwiegespräch. 18: Konzert. 20: Nachrichten. 20.10: Paul Graener di- rigiert eigene Werke. 21.10: Kreuz und quer durch deutsches Land. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. Nachrichten der DAF.

Schule. Große Veränderungen fanden auch auf der Südseite der Schulstraße statt. Das Eckhaus Schul- 'traße-Sonnenstraße, das früher Kattreinsche Haus, machte einem schmucken Kaufhaus (Zigarrenladen Sonntag) Platz. Fast alle bis zum Marktplatz sich anschmiegenden Gebäulichkeiten verschwanden bzw. wurden erneuert.

Nun mag mir der Leser wieder in die Nähe meinerAhnenburg" folgen: An das Haus der

___schon wiederholt berichtet wurde, gilt in um ferer engeren Heimat der Mittwoch als zusätzlicher Fischtag jeder Woche. Durch diesen zweiten wöchent­lichen Fischtag soll eine Steigerung des Fischver­brauchs und damit eine weitere Belebung der deut­schen Seefischerei erreicht werden, die im gesamt­deutschen Interesse dringend wünschenswert ist. Wenn man sich dazu noch die außerordentliche Nahr­haftigkeit des Fisches und die Schmackhaftigkeit eines gut zubereiteten derartigen Gerichts vor Augen hält, so wird jedermann sicherlich gern nach bester Möglichkeit dazu beitragen, daß dieser zweite Fisch, tag, der bisher schon erfreulicherweise viel Anklang gefunden hat, sich noch immer mehr in unserer hei-

Es ist nicht war, daß die Zeitungen essant geworden sind. Sondern Die Leser gestumpft. Eben ist die Jahresbilanz der Unfälle im Straßenverkehr erschienen. Wohl gemerkt, nicht im Verkehr überhaupt, sondern nur im Verkehr auf der Straße. 8500 Tote und 171000 Verletzte sind dem Straßenverkehr in einem einzigen Jahre vom 1. Oktober 1935 bis zum 30. September 1936, bei insgesamt 263 000 Straßenverkehrsunfällen zum Opfer ge­fallen!