Ausgabe 
24.10.1936
 
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mir kreisen zwei Rhönsperber, während unten im Tal bereits viele Maschinen gelandet sind. Hoffent­lich finde ich den Anschluß, um nicht auch landen zu müssen!

Der schwache Aufwind hält zum Glück an, und allmählich erreiche ich nach endlosem Kurven etwa 700 Meter über Grund. Inzwischen versetzte mich der Ostwind etwa 2 km in westlicher Richtung. Die erreichte Höhe genügte mir nun, um mit Kom­paßkursWest" den Streckenflug anzutreten. Vor mir liegt das weite, nach Westen freie Tal, und im 80-km-Tempo geht es jetzt über weite Felder und kleine Rhöndörfer hinweg, halbrechts vor mir Fulda, im Dunst eben erkennbar. Ich beurteile sorgsam das Gelände vor mir und erwäge, wo etwa neuer Aufwind zu erwarten ist, und ändere dementsprechend, jedoch nur wenig meinen Kurs. Nach etwa 5 km Flugstrecke treffe ich in 300 Meter Höhe auf einen ziemlich kräftigen Aufwindschlauch, der mich schnell wieder hebt. Von einem ausge­dehnten trockenen Ackerfeld unten im Tal mochten» sich diese Warmluftmassen abgelöst haben. Mit einem Meter Steigen in der Sekunde geht es auf­wärts und bei 800 Meter ist die Aufwindenergie allmählich erschöpft. Bald überfliege ich südlich Fulda die Bahnlinie nach Schlüchtern, und nun liegt auf meinem Weg nach Westen zu ein riesiges Waldgebiet, über dem erfahrungsgemäß die Luft sich nur sehr langsam erwärmt und meistens ab­wärtsgerichtete Luftströmungen zu erwarten sind, ich weiche daher nach Südwesten aus. Bald ist im Geradeausflug meine kostbare Höhe wieder ver­loren und vergeblich warte ich darauf, daß mir irgendwo die Häusermassen eines der Dörfer, die ich überfliege, neuen Aufwind spenden. Kurz vor Flieden bin ich höchstens noch 150 Meter hoch und schaue bereits nach einem geeigneten Landeplatz aus, versuche jedoch noch einmal, ob nicht über den breiten Gleisanlagen oder über dem Dorf selbst Thermik" zu finden ist. Ich suche überall vorsich­tig, falle aber gleichmäßig mit 1 m/sec. Von Auf­wind ist nichts zu spüren! Auf den Dorfstraßen stehen Menschen und schauen herauf zu dem Seg­ler, der dort lautlos seine Kreise zieht. Ueberall flattern Tauben ängstlich auseinander, sie fürchten sich vor dem großen Adler, der hier über ihnen schwebt. Dreimal, viermal kurve ich über den Häu­sern und habe mich bereits damit abgefunden, lan­den zu müssen.

Endlich ein Aufwindschlauch!

Wohl 60 oder 70 Meter Höhe habe ich noch, da wird auf einmal die Luft unruhig, ich merke, daß ich gehoben werde, und schon hört mein Steig - Messer auf,Fallen" anzuzeigen, sein Zeiger klet­tert, ich kurve weiter und sprughaft gibt der Zei­ger einen Meter, schließlich sogar fast zwei Meter Steiggeschwindigkeit an. Endlich! Das Spiel ist ge­wonnen, jetzt gehts wieder aufwärts. Sehr eng nur ist der Aufwindschlauch so dicht über dem Bo­den, ich muß also ganz steil kurven, um nicht her­auszukommen. Die rechte Flügelspitze scheint über dem Boden stillzustehen, so steil liegt der Adler in

der Kurve. Eine ergiebige Warmluftblase hat sich hier über den Häusern abgelöst und wahrscheinlich habe ich selber dadurch, daß ich mehrmals drüber hinweaflog, die Ablösung bewirkt bezw. beschleu­nigt. Ich kurve immer weiter und die Steigge­schwindigkeit hält an; wohl hundert Kreise werden es, die ich hier ziehe. Bald liegt Flieden weit unter mir, die Häuser sind winzig klein und die Menschen kaum zu sehen. Erstaunt werden die Dorfbewohner zugeschaut haben, wie aus so niedriger Höhe das Flugzeug plötzlich sich wieder lautlos hochschraubte. Sie sehen nicht die Energien im Luftraum, die der Segelflieger auszunutzen gelernt hat. Mein Höhen­

eben hinter mir. Eigentlich mußte Gießen in der Feme jetzt schon zu sehen sein, ich schaue voraus, doch der Dunst versperrt die Sicht. Die Konturen des Dünsberges find zu erkennen. Halblinks vor mir entdecke ich einen Rhönsperber, anscheinend über Nidda kreisend, die einzige Maschine, die ich auf dem weiten Wege treffe, seit ich mich von den gleichzeitig mit mir an den Hängen der Wasserkuppe segelnden Flugzeugen trennte. Bald liegt Hungen vor mir. Auf langer Strecke war keine Thermik zu finden, und viel Höhe habe ich auch nicht mehr zu verlieren! Wider Erwarten nirgends neuer Auf­wind, dazu kurz vor Hungen auch noch ein Ab -

»

EinRhönsperber" über der herrlichen Landschaft der Rhön. (Aufnahme: Winterhoff, Gießen.)

meffer klettert immer noch, fast 1200 Meter beträgt die hier zu erreichende größte Höhe, und weiter gehts mit Kompaßkurs nach Westen im Gleitflug.

Hoch über dem Vogelsberg.

Tief unter mir ziehen die Südhänge des Vogels­berges langsam vorbei, herrlich ist der Rundblick aus die vielen, winzig erscheinenden Dörfer. Freien- Steinau überfliege ich in großer Höhe, rechts vor mir liegt der Hoherodskopf. Man erkennt dort unten keine Berge, nur flache, bewaldete Hügel scheinen es zu sein. Häufiger als zu Beginn meines Fluges treffe ich jetzt Aufwindgebiete an und kann daher meine Höhe einigermaßen halten. Immer wieder orientiere ich mich nach Kompaß und Karte, um richtigen Kurs zu halten. Gedern, erkennbar

an der engen Bahnschleife und den Teichen, liegt windgebiet, mit zwei Metern in der Sekunde geht es bergab. Direkt vor Hungen ist fschon eine Ma­schine gelandet, viel' Menschen stehen herum. Kaum hundert Meter unter mir erkenne ich jetzt den blaugelben Rhönsperber des bekannten Flugkapi­täns der Lufthansa Helm, der hier landen mußte.

Neuer Auftrieb über Hungen.

In der Erwartung, über den Häusern von Hun­gen wieder Aufwind zu finden, habe ich mich nicht getäuscht, denn knapp über den ersten Häusern schon beginnt meine Maschine zu steigen, zunächst langsam, bald werden es bann aber ein und schließlich zwei Meter. Steil muß ich wieder kur­ven, da der Aufwindkamin sehr eng ist. Die Zu­

schauer bdrf unten bei Ser gelandeten Maschtns kommen um das Vergnügen, auch mich landen zu sehen. Vielmehr kurve ich mich sehr schnell hoch. Der Weiterflug über Langsdorf und Lich bietet keine Schwierigkeiten mehr. Wiederholt sind auf dieser Strecke noch Aufwindgebiete zu finden und in 1600 Meter Höhe komme ich über dem Schiffenberg an, überfliege den Bergwerks­wald und bin gegen fünf Uhr über Gießen. Jetzt

Jeder hilft dem WHW.!

Opferspenden vom Lohn oder Gehalt sind an das Dinterhilfswerk des Deutschen Vol­kes, Kreisführung Vetterau in Gie­ßen. Postscheckkonto Jlr. 23 633, oder auf dessen Bankkonto 6100 bei der Bezirkssparkasse Gießen zu überweisen.

bleibt mir Zeit genug, mich über der Stadt auf» zuha^en und den Rundblick zu genießen. Ueber dem Südteil der Stadt finde ich zufällig noch ein ziemlich starkes Aufwindfeld, das mich auf 1800 Meter trägt, und damit erreiche ich die größte Höhe des ganzen Fluges. Fast eine Dreiviertel­stunde kann ich unter Ausnutzung von Wärmeauf­wind en, die das Häusermeer unten ausstrahlt, segeln, bis die Sonneneinstrahlung allmählich nach- läßt und mich zur Landung zwingt.

Landung im Flughafen Gießen.

Auf dem Flughafen sind schon vier Kameraden von der Wasserkuppe gelandet und beginnen be­reits die Maschinen zum Rücktransport abzumon­tieren. Auf verschiedenen Wegen erreichten fünf Piloten im Zielflug von der Wasserkuppe aus den Flughafen Gießen und legten damit in Luft­linie gemessen eine Strecke von 87 Kilometern zurück.

Kernihough fuhr Weltrekord.

Der Engländer Fernihough, der zusammen mit Ernst Henne am vorletzten Wochenende auf der Reichsautobahn bei Frankfurt a. M. Rekordversuche unternahm und dabei nicht sehr vom Erfolg begleitet war, hat sich nach Ungarn begeben und seine Ver­suche auf der bekannten Rekordstrecke, der Beton­straße von Gyon in der Nähe von Budapest fort­gesetzt.

Dabei gelang es dem Engländer, in der 1000* Kubikzentimeter-Klasse mit feiner Brough» Superior-Maschine mit 1 7 4,270 Kilometer« stunden einen neuen Weltrekord für die Meile mit stehendem Start aufzustellen. Der Engländer verbesserte damit den Weltrekord von Ernst Henne, den b?r Münchener auf BMW. am 21. Septemoer 1930 mit 171,21 Kilometerstunden in München auf- i stellte.

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innigsten Dank.

Im Namen der Hinterbliebenen:

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Wilhelm Menges.

Großen-Linden, den 24. Oktober 1936.

DANKSAGUNG

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Bl um en spenden bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen

Herrn Joh. Menges, Steiger i. R.

sage ich allen Verwandten und Bekannten, insbesondere Herrn Pfarrer Schultheis für seine trostreichen Worte und der Gemeindeschwester für ihre treue Pflege

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H. REINSCHMIDT

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Am 22. d. M. entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel

Philipp Menges VI.

Güterbodenarbeiter i. B.

im 76. Lebensjahr.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christine Menges, geb. Menges nebst Angehörigen

Großen-Linden, den 22. Oktober 1936.

Die Beerdigung findet Sonntag, 25. Oktober, nachmit­tags 2.30 Uhr, vom Sterbehaus Bahnhofstr. 56 aus statt

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Todesanzeige.

Unser treuer Zuchtkollege

Wilhelm Fuchs

wurde uns durch den Tod entrissen. Beerdigung: Sonntag, den 25. Oktober, nachmittags 27z Uhr.

Kleintierzuchtvereln Daubringen.

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Grüne Linie Bahnhof - GEevsweg - Marktplatz - LViesetLev weg - (Srtedhof) - Wiesers

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Rote Linie Bahnhof - Bahnhofstvaüe - Marktplatz - Lndtvigsvlatz - vrovinzial vflegeanstalt - volkshalle - Llvtillerie-^asevne

Bett. Friedhofsverkehr: An Sonn-unb Feiertagen fahren die Wagen 10.45, 11-00, 11-15, 11-20, 13.30 usw. wie an Werktagen ab Gießen, den 1. November 1936.

Bahnhof zum Neuen Friebhof. Ferner wirb im Sommerfahrplan der Friebhofsverkehr bis 18.1a Uhr ab Neuen Friedhof verlängert.

Städtische Betriebe Gletzen.

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Bahnhof................................

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