Ausgabe 
24.10.1936
 
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Nr. 250 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 74. Oktober 1936

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Pilocereus Trollii.

Echinocactus senilis.

Opuntia papyracantha.

Opuntia cereiformis.

*"«11111111 vyvytiiucii uenuuyen eine zuuinie uun 816 Grad Celsius; man stellt diese an das Fen-

I ft er des wärmsten Zimmers. Recht vorsichtig muß

ManLconsßiGua, Pilocereus Celsianus, Piloc. Hoppenstedt»,

Obeni Cephalocereus senilis, Unten: Mamillaria plumosa,

Sollte der Anschaffungspreis zurückschrecken? Man kann sich doch für wenig Geld Samen erstehen und in zwei bis drei Jahren eine Menge ansehnlicher, junger Pflanzen haben! An der Aufzucht allein schon kann man sehr viel Freude finden.

Gar nicht selten sieht man in den Wohnungen schönere Pflanzen als in mancher Gärtnerei; die Ur­sache ist wohl in der gleichmäßigen Pflege zu suchen, die man in der vielseitigen Gärtnerei den einzelnen Pflanzen nicht zukommen lassen kann, besonders den langlebigen. Wem find nicht schon die mit Blumen überladenen Phyllocactus an den Fenstern der klei­nen Ortschaften in Württemberg, Baden, an der Nahe und der Saar und in vielen anderen Gegenden aufgefallen?! In der Blütezeit sind diese Pflanzen eine Augenweide für jeden Naturfreund. Ueberhaupt machen Pflanzen und Blumen die Zimmer immer behaglicher, auch wenn es nur stachlige Kaktusse sind. Durch ihre wundervolle Form und die intensive Farbenpracht ihrer Blüten sind sie aber besonders reizvoll. Alle die lanbhaarigen Arten, bis auf Opun­tia ursina und cereiformis, sind nicht empfindlich,

Folgende Arten lieben pralle Sonne: Cephalo- cereus senilis (Greisenhaupt), die Heimat ist das Tal Hidalgo (Mexiko), wächst am besten in sandiger Erde mit etwas Kalkstücken-Beigabe; Echinocereus senilis, beheimatet in Chile, blüht gelbrosa, liebt ebenfalls Kalkstückchen unter der Erde; Cereus Straussii, kommt aus Bolivia, blüht rot, dieser darf nicht be­spritzt, sondern mit einer feinen Zerstäuberspritze benebelt werden; Pilocereus Trollii, aus den Hoch­anden Boliviens, blüht rosa, liebt Kalkstückchen- Beigabe; P. Celsianus, auch aus Bolivia, blüht rot, liebt recht sandige Erde; P. Hoppenstedt», aus Mexiko, blüht rosa, liebt Kalkstückchen - Beigabe; P. Dautwitzii, kommt aus Peru, darf nicht bespritzt, sondern nur benebelt werden; Mamillaria bomby- cina, aus Mexiko, blüht rot, ebenfalls nur benebeln; Marn, micromeris, aus Texas, blüht weiß; Echino­cereus De Laetii, aus Süd-Coahuila (Mexiko), blüht rot; Echinoc. stramineus, aus Arizona, blüht rot (auch nur benebeln); Echinoc. pectinatus var. rigi- dissimus (Regenbogenkaktus), aus Texas, nur be­nebeln, erfreut uns im Juni mit rosa Blüten; Cory-

weichlicht sie. Die Pflanzen büßen dadurch an Widerstandskraft ein. Für die Arten aus den

gefangen hat und dabei Erfolg sah, wird sich schwer, wärmeren Gegenden benötigen eine Wärme von wieder von ihnen trennen können. \n -n ~ ~ "

man mit dem Gießen sein, bei trockener Zimmer­luft wöchentlich ein- bis zweimal mit lauwarmem Wasser, ein Benebeln mit der Zerstäuberspritze schadet ihnen auch nichts, nur muß man Maß und Ziel halten; denn besonders die langhaarigen Kakteen faulen sehr leicht. Im Sommer benötigen sie reichlich Wasser, auch ein öfteres Bebrausen tut ihnen gut. Während der warmen Jahreszeit von Mitte Mai bis Mitte September bringt man sie, wo es angeht, in den Garten oder Hof an einen sonnigen, geschützten Ort, noch besser senkt man die Töpfe in einen Kasten (ähnlich dem Mistbeet) in die Erde ein. Auf beiden Seiten werden dann kurze Pfähle so eingeschlagen, daß sie die Kastenwand 20 cm überragen, auf diesen befestigt man zwei Latten, damit man bei anhaltenden Regenperioden ein Fenster darauf legen kann, um sie vor Nässe zu schützen. So kann dann von allen Seiten die Luft durchstreichen, und die Pflanzen bleiben ab­gehärtet. Sobald die Regenzeit vorüber ist, wird das Fenster wieder abgenommen. Je geschlossener der Kasten ist, je mehr Wärme und Feuchtigkeit entwickelt sich darin und regt die Pflanzen zum Wachsen an. Dieses Wachstum verhindert aber das erwünschte Blühen. Darum müssen die Kakteen dann karggehalten werden, besonders in Bezug auf das Gießen. In der Anfangszeit müssen sie auch gegen die starken Sonnenstrahlen geschätzt werden, die im Freien stehenden mit Fichtendeckreisig, die unter Glas mit Schattenleinen, oder man muß das Fen­ster leicht mit Kalkmilch bestreichen. Nach einiger Zeit fängt man allmählich an, mit der Beschattung nachzulassen, indem man den Schatten später auf- legt und früher wieder abnimmt, um ihn später ganz fortzulajsen. Schwachbewurzelte oder kranke Pflanzen sucht man aus und läßte ihnen besonders

Bor allem muß man darauf achten, daß tue | fter Pflanzen während der Wintermonate den hellsten' Platz im Zimmer, möglichst am Fenster, erhalten, denn ein zu dunkler und zu warmer Standort ver-

höheren Lagen Mittel- und Südamerikas genügt eine Zimmerwärme von 58 Grad Celsius. Hält man sie wärmer, werden sie zum Wachsen gereizt und vergeilen. Auch das unerwünschte Ungeziefer stellt sich ein. Einige Arten können sogar im trok- kenen Zustand leichten Frost vertragen; solche aus

willig blühen; leider ist es uns nicht möglich, ihnen ihre heimatlichen Lebensbedingungen genau zu er­füllen, wenn auch anzugleichen, denn verschiedene Arten benötigen eine abweichende Pflege, die sogar dem Fachmann Schwierigkeiten bereitet. Der Lieb­haber, der einmal mit den stacheligen Gesellen an»

phantes pallida, aus Me­xiko, blüht weiß, liebt et­was Lehmbeigabe; E. Be- guinii v. senilis, aus Mexiko, muß sandige Erde mit Kalkstückchen haben; Opuntia papyra­cantha (Popierstachelkak- tus), aus Argentinien, blüht gelb; Op. cereifor­mis, von Coahuila (Me­xiko), blüht gelb; Op. ur­sina, aus Mexiko, blüht ebenfalls gelb.

Die übrigen lieben Halb­schatten: Echinoc. Hassel- bergii, aus Brasilien, blüht orangefarben im Juli; Mamillaria plumo- sa, aus Nord - Mexiko, blüht weiß - rosa im De­zember (darf nur benebelt werden); Mam. conspi- cua, aus Mexiko, blüht weiß; Mam. angularis v. longiseta, von Zentral- Mexiko, blüht rot, ge­wöhnlich im Juni; Mam. Klissingiana, aus Mexi­ko, blüht weiß-rosa. Mam. candida, von San Luis Potosi (Mexiko), blüht rosa im Juli; Mam. Hah- niana, aus Mexiko, blüht rot im Oktober, darf nur benebelt werden; Mam. spinosissima, aus Zen- tral-Mexiko, blüht rot im Juli, liebt sandige Erde; Mam. lanata, von Nord- Mexiko, blüht rot Juli; Mam. nivea, von San Luis Potosi, blüht rot im Juli und Mam. Parkin­son», aus Mittel-Mexiko, blüht gelb im Juni und liebt sandige Erde. Außer diesen schönsten gibt es noch weit schö­nere, empfehlenswerte, auch gelb und rötlich be- ftachelte Arten; auf diese hier einzugehen, würde aber zu weit führen.

Nun in Kürze die allge­meinen Richtlinien zur Pflege und Aufzucht der Kakteen. Wir können bei richtiger Behandlung schö­ne, große Pflanzen her­anziehen, die alljährlich

1. Reihe: Mam. spinosissima, Echinocerus De Laetii, Echinoc. stramineus. 2. Reihe: Coryphantes pallida, Mam. lanata, Echinoc. pectinatus v. rigi- dissima, Mam. nivea. 3. Reihe: Mam. micromeris, Echinocactus Beguinii v. senilis, Mam. Parkinson».

1. Reihe, links und rechts: Pilocereus Dautwitzii. Mitte: Mamillaria angu­laris v. longiseta. 2. Reihe: Mam. bombycina, Mam. Klissingiana. 3. Reihe: Mam. candida, Mam. Hahniana, Echinocactus Hasselbergii.

Von langhaarigen und schönbestachellen Kakteen.

Kakteenschähe im Botanischen Garten. Einiges über pflege und Kultur.

Opuntia ursina.

3n folgenden Zeilen möchte ich, angeregt von meh­reren Liebhabern, über diese interessanten Pflanzen, die der Stolz und die Zierde einer jeden Sammlung sind, etwas erzählen.

Im allgemeinen findet man in den kleineren Sammlungen der Wohnungen, die allerdings auch oft sehr reichhaltig sind, sehr wenig solcher Stücke. Immer sind es nur die alten Bekannten der Phyllo­cactus-, Echinopsis-, Mamillarien-, Cereus-, Epi- phyllum- und Opunlien-SIrten; nur vereinzelt findet man da und dort eine Abwechslung. Aber warum so wenig, wo doch die genannten Arten auch keine be­sonders großen Ansprüche an ihre Pfleger stellen!?

Cereus Straussii.

wie man gewöhnlich annimmt, nur das richtige Ver­ständnis für lebende Wesen dieser Art muß man auf­bringen, dazu ein wenig Geduld. Die Freude an den Pfleglingen wird nicht ausbleiben.

An Hand der beigefügten 10 Bilder werden dem Leser 28 der schönsten Arten gezeigt, und diese sind alle, bis auf die zwei schon erwähnten, ohne große Mühe in der Wohnung zu halten, in der man zwei Fenster dazu verfügbar hat: eines, das die volle Sonne von früh bis abends hat, und eines für Pflanzen, die Halbschatten lieben. Eine Veranda mit verschiedenem Lichteinfall macht die Pflege noch leichter.