Europa und der Islam.
i»n Oho Vordach
Aus allen Betrachtungen, die tn maßgebenden britischen und französischen Kreisen zu den blutigen Ereignissen in Spanien angestellt werden, läßt sich heraushören, daß die westlichen Demokratien weniger die örtlichen Wirkungen des Brandes bedauern, als die Funken, die nach Afrika hinüberfliegen. Um die junge Schwester- republik hat man sich Huben wie drüben des Kanals nie viel gesorgt. Ein starkes Spanien, ganz gleich welcher Staatsordnung, würde für England wie für Frankreich ein unbequemes Hindernis auf den Wegen zu eigenen kolonialen Besitzungen und Machtstellungen bedeuten. Was für Staatsmänner jeweils in Madrid auch am Ruder sein mochten; besonderer Förderung durch die führenden Westmächte hatten sie sich nie zu erfreuen, wenn sie nachdrücklich das Wohl des eigenen Landes wahrzunehmen juchten. Wenn heute in London wie in Paris die Einsicht zu wachsen scheint, daß man sich auch mit unliebsamen Ordnungsstiftern in Spanien leichter abfinden kann, als mit dem weiteren Zerfall jeglicher Autorität, so spielt dabei die Besorgnis vor einem Ueberspringen aufrührerischen, von bolschewistischer Propaganda genährten Geistes auf Nordafrika und damit die Welt des Islams die Hauptrolle.
Nicht, als ob europäische Staaten heute so leicht von Söhnen des Propheten unmittelbar bestürmt und bedrängt werden könnten. Eine Weltlage, wie zu den Zeiten, wo der Islam Europa nicht nur bedrohte, sondern teilweise beherrschte, wo die Türken den ganzen Balkan fest in Händen hielten und Wien nur mit Mühe ihren Belagerungen widerstehen konnte, nachdem die Araber mehr als ein halbes Jahrtausend Spanien besetzt gehalten hatten und sich noch unerschüttert in ihren nordafrikanischen Machtstellungen behaupteten, könnte gewiß nur wiederkehren, wenn das Abendland sich selbst völlig zugrunderichtete. Noch am Ausgang der Regierungszeit Luwigs XIV. hatte England weniger als 10 Millionen Einwohner, Spanien 8 Millionen; Deutschland war nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges fast entvölkert; Rußland, das heute 160 Millionen Menschen beherbergt, hatte zur Zeit Peters des Großen 14 Millionen Einwohner. Nur in Frankreich war die Bevölkerung seit der Entdeckung Amerikas stark gewachsen, auf 24 Millionen. Das moderne Europa mit seinen gelichteten Wäldern, seinem dichten Straßen- und Eisenbahnnetz, seinen voll entwickelten industriellen Hilfsquellen, seinen gewaltigen Machtapparaten, seinem ganzen wissenschaftlichen und technischen Rüstzeug für die Ausnützung erdumspannender Verbindungen und Beziehungen, ist das Ergebnis der Ueberwindung islamischer Handelsmonopole durch Flankenangriffe, die erst die Entdeckung des Seeweges nach Indien und die fast mühelose Erschließung der natürlichen Reichtümer einer „neuen" Welt jenseits des Atlantik möglich machten. Keine machtpolitischen Anstrengungen islamischer Staatsmänner können daran viel ändern.
Weder die Lage seiner Schauplätze, noch seine natürlichen Reichtümer, noch die zweifellos vorhandene kriegerische Gesinnung seiner Bekenner macht den Islam als Gesamterscheinung zu einer ernstzu- nehmenden Gefahr für das Abendland. Die Wohnsitze von ungefähr einer Viertelmilliarde mohammedanischer Menschen liegen größtenteils innerhalb oder in unmittelbarer Nachbarschaft eines breiten, etwa 30 Millionen Quadratkilometer umfassenden Gürtels, der sich über Nordafrika, den Sudan, Arabien und Anatolien, Iran, Afghanistan, Nordwestindien, Turkestan erstreckt, das Kaspische Meer umschließt und weit nach China hineinreicht; dazu kommen beträchtliche Außengebiete in Ostindien, auf Celebes, in den Malayenstaaten, auf Borneo und besonders auf Java. Größere Massen von Jslam- Bekennern wohnen im Bezirk Kalkutta, in Westchina, in den Küstenstrichen Ostafrikas, kleinere Gruppen in Albanien und Teilen Bosniens, sowie in Zentralafrika. Unbewohnte oder dünn besiedelte Wüsten und Steppen machen jedoch den weitaus größten Teil dieser Länderstrecken aus. Der Reichtum an Rohstoffen ist im ganzen genommen gering.
Die Abhängigkeit der Lebensmittelversorgung und künstlicher Bewässerung macht die Bevölkerung auch dort, wo sie in dichteren Massen zusammen-
geballt ist, schwer beweglich, für kriegerische Vorstöße über die Wohngebiete hinaus wenig taualich. Die meisten Mohammedaner I n d i e n s wohnen in einem Gebiet mit weniger als 50 cm jährlichen Niederschlages. Aegypten hat weniger als 25 cm jährlichen Niederschlag; seine 13 Millionen Bewohner, durch Wüste und Meer von der übrigen mohammedanischen Welt abgesondert, ist ganz von den Fluten des Nil abhängig, deren Kontrolle sie zu stark in Anspruch nimmt, um für kriegerische Zwecke über die bloße Verteidigung hinaus Kraftaufwände sich leisten zu können. Die 35 Millionen Mohammedaner Javas verfügen zwar über hochentwickelte landwirtschaftliche Produktionskräfte, da aber ihre Insel von europäischer Seeherrschaft kontrolliert wird, so haben diese Produktivkräfte für den Islam im ganzen keine politische Bedeutung. Keiner der Meeresarme, die tief in die mohammedanische Welt hineinreichen, befindet sich unter der Kontrolle eines Jslamstaates; nur die türkische Kontrolle über den Bosporus, die, zeitweise gelähmt, jetzt wieder kraftvoll auflebt, kann die abendländische Seeherrschaft im östlichen Mittelmeer stark beeinträchtigen. Die Türkei allein unter den Jslam- ländern verfügt wieder über ein Aufmarschgebiet für kriegerische Unternehmungen größeren Stils, so sehr man sich hüten muß, die Kräfte der Erholung auf stark geschrumpftem Staatsgebiet zu überschätzen. Die politische Bewegung der Mohammedaner i n China ist, als Ganzes gesehen, nicht wuchtig genug, um aus sich heraus, ungestützt, staatenbildeno wirken zu können, schon weil die zivilisatorischen Voraussetzungen in diesem wüstenartigen, armen, dünn bevölkerten Gebiete (2 bis 3 Einwohner je Quadratkilometer für Sinkiang) fehlen.
Der schwache Punkt in den Beziehungen zwischen den europäischen Kolonialmächten und den Söhnen des Propheten liegt aber darin, daß die Kostspieligkeit ihrer gewaltsamen Niederhaltung in gar keinem Verhältnis steht zu dem Nutzen, den sie daraus ziehen können. Man ist vielmehr für die weitere Ausnützung kolonialer Reichtumsquellen in steigendem Maße auf das Wohlverhalten mohammedanischer S ch u tz b e f o h l e n e r angewiesen. Alle Umstände, die die Hauptwohngebiete der Jslambekenner ungeeignet machen, als Aufmarschgebiete für Angriffskriege zu dienen, begünstigen den örtlichen Widerstand gegen fremde Eroberer. Fortgesetzte Unruhen in der Welt des Islam, von abendländischen Mächten gegeneinander oder von bolschewistischen oder panasiatischen Verschwörern gegen den weihen „Kolonialimperialismus" überhaupt angezettelt, können leicht den Bankrott jeglicher kolonialen Wirtschaft heraufbeschwören. Das wird durch nichts schlagender bewiesen als dadurch, daß England innerhalb der Welt der Farbigen mit einem Mindestmaß unmittelbarer Machtentfaltung seine traditionelle Geltung aufrechtzuerhalten sucht. Die Italiener sind schon durch ihre Schwierigkeiten mit den Senussis während oes Weltkrieaes dazu bekehrt worden, sich gewissermaßen in die Herrschaft über Libyen mit ihnen zu teilen, während die Franzosen nach ihren kostspieligen militärischen Vorgehen in Marokko und Syrien nicht wenig darüber entsetzt sind, daß sich nach Abschluß des Paktes mit der Sowjetunion in der kolonialen Sphäre kein Burgfriede mit den von der Dritten Internationale aufgezogenen Organisationen einstellen will.
Was man gewöhnlich unter „P a n i s l a m i s - m u s" versteht, als ob sich unter dieser Losung eine kriegerische Einheitsfront aller kampffähigen Jslambekenner entwickeln könne, ist gewiß ein bloßes Hirngespinst. Mehr oder weniger liegt aber dem Gesamtverhalten aller führenden Kreise des Islam gegenüber der abendländischen Kultur eine g e - meinsame Tendenz zugrunde, die panislamische politische Wirkungen ausübt, ohne daß sie immer beabsichtigt zu sein brauchten. Die kirchenfeindlichen Maßnahmen der Türkei können keinen gläubigen Muslimen anderer Länder darin beirren, nach wie vor überzeugt zu sein, daß jeder türkische Soldat im Ernstfälle jeden Blutstropfen für die Sache Allahs hergeben würde. Die Strategie des modernen Islam rechnet vor allem mit ihren g e i st i g e n Waffen, und das erstaunliche ununterbrochene Anschwellen der Gläubigen in allen Teilen Afrikas und Asiens legt die Erwägung nahe, daß sich die islamische Glaubensgemeinschaft zum mindesten in Afrika einst mächtiger erweisen könnte, als die militärischen Organisationen her-
Das Buch in dieser Zeit
Don Hans Franck.
Nicht nur wer berufsmäßig sein Leben auf das Leben des deutschen Buches eingestellt hat, sondern jeder, dem die Zukunft unseres Volkes am Herzen liegt, muß bei sorgsamer Ueberdenkung der Sachlage zu der Erkenntnis kommen, daß in dem entscheidenden Kampfe, den das deutsche Volkstum gegenwärtig nach außen und auch noch immer nach innen führt, uns in dem Buch eine Waffe in die Hand gegeben ist, deren rechter Einsatz und zweckmäßige Nutzung noch viel zu wünschen übrig läßt.
Es hat ohne Zweifel eine Zeit gegeben, da man in Deutschland die Bedeutung des Buches über» schätzte. Mit der allgemeinen Wandlung der Dinge ist auch darin ein Wandel eingetreten. Die Gefahr der Ueberschätzuna des Buches besteht nicht mehr Dem Körper ist sein Recht zuteil geworden. Buch und Buchwissen sind nicht mehr Selbstzweck. Sie haben zu dienen. Und zwar dem Neuwerden unseres deutschen Volkes durch Heranbildung des einzelnen, durch Klärung und Förderung der allgemeinen Aufgaben. Aber da die Dinge der Entwicklung niemals gradlinig verlaufen, das Pendel des Geschehens vielmehr von dem höchsten Punkt auf der einen Seite nach dem höchsten Punkt auf der anderen Seite schwingt, wenn es nicht gewaltsam an» gehalten wird, so ist an die Stelle der früheren Gefahr nun die gegenseitige getreten. Vor Ueber- schätzung des Buches zu warnen ist heute nicht mehr nötig. Wohl aber gilt es nun, die Stimme zu erheben gegen die Unter schätzung des Buches. Denn noch immer hat das werthafte Buch, also jenes, das vom Leben genährt wurde, die Aufgabe, Wege zu neuen Erlebnisgestaden nicht nur aufleuchtend anzuzeigen, sondern den Bereitwilligen durch die von ihm vermittelte Schau seines Geistes, durch die — kraft seiner Kunst geweckten — Empfindungen des Herzens dorthin zu tragen.
Ein Buch, das diesen Namen mit innerem Recht verdient, das nicht den Menschen von seinem Eigensten ablenken, sondern zu feirftm tiefsten Selbst hinlenken will, und die Zaubermacht besitzt, diesen seinen Willen Tat werden zu lassen, ein solches Tag und Stunde überdauerndes Buch ist gerade heute ein Gärungsstoff von großer Wichtigkeit. Denn wie em Sauerteig den ganzen Teig zu durchsäuern vermag, so kann von den Anschauungen, den Zielsetzungen, den Empfindungen, den Gefühlen eines Buches, einiger hundert Seiten bedruckten Papiers, ein ganzes Volk erfaßt und gewandelt werden.
Also ist es an der Zeit, der offenkundigen Gefahr, das Buch zu unterschätzen, mit allen Mitteln zu begegnen. So dankenswert aber öffentliche Hilfe, wie die Woche des Buches, in dieser Hinsicht ist — das Entscheidende kann auch hier nur der einzelne leisten, indem er das Buch zu sich ins Haus holt^ es erlebt, denen, die mit ihm in irgendwelcher Form zur Gemeinschaft verbunden sind, von seinem Erlebnis kündet und mit ihnen anstrebt, daß Worte nicht Worte bleiben, sondern wieder dahin den Weg zurückfinden, woher alle bedeutsamen Bücher kommen: zu vorbildlich gelebtem, bodenverwurzeltem, volkhaftem Leben.
Das ist das Entscheidende: Die Bücher dürfen nicht Bücher, die Worte nicht Worte bleiben. Weil alle wahrhaften bedeutsamen Schriftwerke, gleichviel ob es sich dabei um wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen handelt, aus gesteigertem Leden hervorgegangen sind, so ist es auch ihr innerster Sinn, das Leben des einzelnen und der Allgemeinheit zu mehren. Dauernde, wertvolle Lebensmehrung aber ist nur dann möglich, wenn die Kräfte in der rechten Weise und Richtung eingesetzt werden. Es kann sich für das bleibende Buch weder darum handeln, die Wirklichkeit abzuschildern und sie damit nur zu wiederholen; noch darf es, wie in verwichenen Zeiten seine Aufgabe sein, den reinen, das ist den entwurzelten Geist an die Stelle der Wirklichkeit zu setzen und dadurch einen bedeutsamen Teil des Menschentums auszuschalten. Da uns die Welt nach den Worten Fichtes nicht gegeben, sondern a u f gegeben ist, gilt es, diese Aufgabe — die Bezwingung, die Durchdringung der Welt mit unserer seelischen und geistigen Kraft — zu leisten. Erst wenn der Menschengeist sich allen Anforderungen der Wirklichkeit gewachsen gezeigt hat, erst bann ist das Leben als Aufgabe erfüllt. Wie die Dinge liegen, wird diese Doppelleistung ohne Kampf nach innen und nach außen nicht durchzuführen sein. In diesem Kampf aber, der zu einem nicht geringen Teil uns selber gilt, nicht nur den anderen, ist das Buch eine der wertvollsten und wirkungsvollsten Waffen. Weil es uns zur Klarheit verhelfen kann in all den Fragen, die über den Tag hinausgehen.
Das Wort, auch das geschriebene, ist eine gewaltige Macht. Mühen wir uns, das rechte Wort zu sagen und zu schreiben, und, wenn es da ist, den Weg zu ihm zu finden! Denn es stimmt noch immer, was schon vor vielen hundert Jahren der chinesische Weise sagte: „Wenn die Worte in Unordnung geraten, geraten die Dinge in Unordnung." Also nicht das Buch an sich, wohl aber jenes Buch, welches der blutbedingten Ordnung unseres Volkes
kommsicher „Wostmachte", zumal sich diese in Abwesenheit einheitlicher geiftiger Führung immer mehr gegenseitig aufzuheben orohen.
Würde je wieder die innere Ordnung Europas aus der Sphäre des Islam ernsthaft erschüttert werden, so könnte nur die Anwendung massenhafter farbiger Truppen auf europäischem Boden dafür die Voraussetzung schaffen. Im Weltkriege lieferten die französischen Kolonien über 700 000 farbige Soldaten und ungefähr 240 000 farbige Arbeiter, davon die Atlasländer allein 262 700 Soldaten und 293 000 Arbeiter. In einem künftigen Kriege würden nach Oberst Fabry Frankreich im ganzen 1,5 Millionen farbige Krieger, davon rund 700 000 aus Nordafrika und Senegarnbien, zur Verfügung stehen. Es läßt sich unschwer vorstellen, wie solche Massen fremd-
rassiger Krieger in einem durch die Verluste während eines neuen Krieges geschwächten dolschewi- fierten Frankreich die „politische Macht" erobern könnten, um immer neue Verstärkungen aus dem schwarzen Erdteil nach sich zu ziehen. Das römische wie das arabische Weltreich führten auf ähnliche Weise mit eigener Hand ihren Untergang herbei. Die Länder des Islam sind zu rohstoffarm und haben eine zu ungünstige geopolitische Lage, um Heere für erfolgversprechende Eroberungszüge gegen europäische Staaten ausrüsten zu können; nur eigenes Verschulden europäischer Völker könnte dazu führen, daß sie dieser Schwierigkeit überhoben würden, um das Abendland, nachdem es sich selbst zerfleischte, mit den Waffen zu erledigen, die es den von ihnen gemieteten Söldnern in die Hand drückte.
Empfang in der italienischen Botschaft.
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Zu Ehren des italienischen Außenministers Gras C i a n o gaben der italienische Botschafter und Frau A11 o l i c o in den Räumen ihrer Botschaft in Berlin einen großen Empfang, an dem führende Männer des Reiches teilnahmen. Dieser Schnappschuß zeigt Graf Ciano im Gespräch mit Ministerpräsident Generaloberst Göring und Frau Emmy Göring. — (Scherl°Bilderdienst°M.)
Auf Pfaden der Geschichte durch Frankreich
Don Or. Pool Rohrbach.
IV.
Alesia.
Nicht weit von Dijon, der Hauptstadt der Bour- gogne, erhebt sich auf einem hohen, nach allen Seiten abfallenden Plateau ein einsames Kolossalstandbild. Napoleon III. hat es Dercingetorix, dem Füh- rer der Gallier im letzten entscheidenden Kampf um ihre Freiheit gegen die Legionen Cäsars, fetzen lassen. Der Gallierfürst steht da, auf sein Schwert gestützt, mit finster traurigem Blick in die Ferne schauend. Mächtig umwallt ihn sein Haupthaar, und der lange Schnurrbart sinkt bis tief unter das Kinn herab. Der Freiheitskrieg ist verloren. Bald wird sich der Mann aus seinem Hinbrüten aufraffen, fein Schlachtroh besteigen, vom Berge herab in das Lager des Römers sprengen, den Feldherrnsitz umreiten, auf dem unbeweglichen Gesichts der Imperator sitzt, und dann werden Waffen und Rüstung diesem zu Füßen fallen.
Napoleon hatte historischen Sinn. Er ließ durch den Obersten Stoffel, einen Schweizer von Geburt, denselben, der ihm als Militärattache in Berlin die zum Schaden Frankreichs unbeachtet gebliebenen Berichte über die Fortschritte der preußischen Armee schrieb, Untersuchungen über die Lage und die alten nen und römischen Befestigungswerke in und esia anstellen, wo im Jahre 52 v. Chr. die Entscheidung über Freiheit ober Untertanenschaft Galliens fiel. Cäsar ging darauf aus, sich durch die Unterwerfung Galliens ein Heer zu schaffen, mit dem er später vielleicht nach der Alleinherrschaft über Rom würde greifen können. Die schwierige Voraufgabe, den germanischen Heerkönig Ariovist, der das gleiche Ziel verfolgte, aus Gallien hinauszuschlagen, war geglückt. Auch die Unterwerfung der gallischen Gaue schien in jahrelangen Feldzugen vollendet. Da gelang es Dercingetorix, den größeren Teil der Gallier zu einem großen Aufstand zu vereinigen. Es fragte sich, ob es ihm gelingen würde, seinem
entspricht, der Ordnung seines tiefsten und reinsten Lebenswillens, ist das gute Buch, dem alle Förderung der kommenden Buchwoche gilt.
„Maria, die Magd."
Lichtspielhaus
Die Fabel dieses Films, der vor vierzehn Tagen in Frankfurt seine süddeutsche Uraufführung erlebte, geht auf eine bereits 1902 entstandene Erzählung des verstorbenen Dramatikers Walter Harlan zurück. Veit Harlan, sein Sohn, ursprünglich Schauspieler, neuerdings als Filmregisseur auch in der Provinz bekannt geworden (die Inszenierung von „Krach im Hinterhaus" stammte beispielsweise von ihm), hat die Geschichte der mütterlichen Magd Maria vor der Kamera lebendig gemacht — ohne Zweifel sehr geschickt, denn der Kern der Fabel ist, rein handlungsmäßig betrachtet, nur ein Zwischenfall, eine kleine, alltägliche Episode — mit einem Temperament und Impuls, der sich ganz spürbar auf alle Darsteller übertrug, am unmittelbarsten auf Hilde Körber, die die Hauptrolle spielt, Maria, die Magd, ganz im Mittelpunkt der Begebenheit, weil an ihrer Gestalt das Grundsätzliche des an sich unbedeutenden Geschehens sichtbar wird, das Problem, wenn man will, obwohl es sich um einen Sonderfall handelt, der in feiner Ausformung wohl bewußt zugespitzt und auf Kontrastwirkungen hin betont ist. Maria, ein schlichtes Kindermädel vom Lande, hängt mit abgöttischer Liebe an dem kleinen Gerd, den sie unermüdlich und mit rührender Fürsorge betreut, und der ihr auch viel zärtlicher zugetan ist als seiner Mutter. Diese, Alice Winter, ist eine gefeierte Berliner Schauspielerin und kümmert sich nur oberflächlich um den kleinen Kerl. Als sie eine Gastspielreise antritt, darf Maria den Buben für ein paar Tage mit heimnehmen in ihr Dorf, wo ihre Eltern silberne Hochzeit feiern, und wo überdies „eine besondere Ueberraschung" auf sie wartet: ihr Bräutigam Franz nämlich, schneidiger Kesselpauker bei einem Reiterregiment, auf Urlaub. Maria will den Jungen beim Fest nicht von ihrer Seite lassen, aber in den paar Minuten, wo sie mit ihrem Reiter den Derlobungs- tanz tanzt, läuft der unbeaufsichtigte Bub davon: an den Fluß, Krebse fangen... gerät in ein Gewitter, ins reißende Wasser, in große Gefahr.. und wird im letzten Augenblick von der mit ihrem Verlobten verzweifelt suchenden Maria gerettet. Alles geht gut, und auch die unausbleibliche „Auseinandersetzung" zwischen Maria und der „richtigen"
Mutter findet die einzig mögliche Lösung: Marin reiht sich los, besinnt sich und weiß nun, wo sie ihre Liebe und ihr überströmendes Muttergefühl, bas ihr hier, wie sie es ausdrückt, jederzeit gekündigt werden kann, am natürlichsten betätigen wird; das Schlußbild zeigt sie, an der Seite ihres Soldaten, zum Altar ihrer heimatlichen Dorfkirche schreiten ... Die Schauspielerin Hilde Körber hat sich mit verhaltener Hingabe und einer zärtlichen Leidenschaft in dieses Mädchen vertieft, sie gestaltet ihre Rolle aus einem starken inneren Impuls, einem gespannten Gefühlsantrieb, den man ihr vom ersten Augenblick an glaubt: das innige Wiegenlied am Bett des Kleinen; die wache Aufmerksamkeit, die immer gleichsam auf dem Sprung ist; die fliegende, flatternde Angst auf der Suche nach dem verlorenen Kinde und ihre wild ausbrechende Verzweiflung; in einer einzigen Szene gegen Ende, in der Auseinandersetzung mit der Mutter, wirkt sie ein ganz klein wenig theatralisch, auch ein wenig zu „fein , wenn man das Wort nicht mißverstehen will, geistig zu überlegen, zu absichtlich in ihrer wild heraus- sprudelnüen Anklagerede... Hilde Hildebrand, ihr gegenüber, in der Rolle der Mutter, hat eine nicht sehr dankbare Position zu verteidigen; die allgemeine Stimmung ist gegen diese Mutter, deren „Wandlung" unterwegs auch nicht gerade hervorragend überzeugend wirkt: Frau Hildebrand behandelt die Figur mit einem Takt und einer Reserve, die sehr anzuerkennen sind. Es wird überhaupt gut gespielt: der kleine Arthur Fritz Eugens gibt dem Gerd eine wohltuende Frische und natürliche Unbefangenheit; sehr gepflegt Alfred Abel als Dr. Winter; Hans S ch l e n ck , der Soldat Franz, ruhig, gutartig, zuverlässig; eine hübsche Charge, mit un- aufdringlichem Humor, sieht man von Legal. Harlans Regie ist besonders tn den ersten Teilen bewußt auf unmittelbare Wirkung, auf sehr scharfe, durch schnellen, schroffen Bildwechsel erzeugte Kon- trafte gestimmt: zwei Welten sollen einander gegen- übergestellt werden; die beste Leistung gelingt ihm aber in der ganz unabsichtlichen Ausmalung des ländlichen Festes: da setzt sich seine Begabung für volksmäßige, nicht bloß volksstuckmaßige Szenen stark und unbefangen durch. Die Begleitmusik von Leo Leux und die klaren, sauberen Bilder von Werner Bohne und Erich Grave sollen nicht vergessen sein. — (Tobis Rota.)
Im Beiprogramm: ein sehr hübscher, frischer Bildbericht „Jungvolk im Sommerlager"; Bilder aus Stolberg am Harz; Fox tönende Wochenschau; und je ein Vorspann zu den Filmen „Ein Lied klagt an" und ,Lrei Mädel um Schubert", htb.
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