Ausgabe 
24.10.1936
 
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Ilr.250 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 24. Oktober M6

Mr den Büchertisch.

Sie Voischast an Garcia

hth.

Pfund Gewandtheit auf.

Freundschaft mit einem Tier

noch zu vertiefen.

hth.

Forschungsreisen und Abenteuer

hth.

drückliche Anerkennung.

ich- i Erscheinungen als ungemein anregtno unu em- !. drucksooll, aber niemals trivial und oberflächlich l hervor.e-

Wir denken beispielsweise an

Unterwelt",

.Brüllender Monat",

Seine eingehende Beschäftigung mit den Quellen und ein persönlicher Besuch auf St. Helena er­möglichen ihm, seinen Lesern das Milieu nahe zu bringen wie wohl niemand vorher. Die Schilde­rung der letzten Tage ist von erschütternder Un­mittelbarkeit.e.

toten Feindes entfalten, um sich der ihnen entglei­tenden Bolksstimmung noch einmal zu versichern, kündigt schon die neue Aera an, die den Neffen des Korsen zum Herrscher Frankreichs machen wird. Das Buch Aubrys ist trotz der vielen Details von großer Geschlossenheit und Eindruckskraft.

Richard E. Byrd: Mit Flugzeug, Schlitten und Schlepper. Meine zweite Ex­pedition nach dem Sechsten Erdteil 1933/35. 283 Seiten. Mit 89 Abbildungen und 2 Karten. Geh. 8. RM, Ganzleinen 9.50 RM. F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1936 (287.) Seinem früher erschienenen BucheFlieger über dem Sechsten Erdteil", der seinen ersten Vorstoß nach dem Süd­pol (1928/30) schilderte, läßt Admiral Byrd nun­mehr den großzügigen und vortrefflich ausgestatte­ten Rechenschaftsbericht von seiner zweiten For­schungsexpedition in die Antarktis aus den Jahren 1933 bis 1935 folgen: es ist ein famoses, lebendig, anschaulich und mit Humor geschriebenes Buch ge­worden, das den Wissenschaftler gleicherweise an­regen und beschäftigen wie den Liebhaber aben­teuerlicher und höchst ungewöhnlicher Reisebeschrei­bungen fesseln muß Das Buch liest sich bei aller Sachlichkeit, mit der die Dinge angesehen und be­schrieben werden, so spannend und gelegentlich auf­regend wie ein Roman. Das wissenschaftliche Er­gebnis wird mit den allerletzten Sätzen in ein paar nüchternen Zahlen knapp zusammengefaßt: Das durch Einsicht oder Peilung erschlossene Ge­biet deckt 1125 000 Geviertkilometer. Davon waren 725 000 bisher unbekannt. Zur See ergaben sich rund 400 000 neue Geviertkilometer. Wir kommen

Vom deutschen Schicksal.

Sigmund Graff: Unvergeßlicher Krieg. Ein Buch vom deutschen Schicksal. 146 Seiten. Mit farbigen Tafeln von Herbert

Schnürpel. Verlag von Breitkopf & Härtel in Leipzig. (361) Der Dramatiker Sigmund Graff, dessen SchauspielDie endlose Straße" an vielen deutschen Bühnen (auch bei uns in Gießen) aufgeführt worden ist, unternimmt es in diesem Buche,als Angehöriger der jüngsten und darum dem heutigen Deutschland am nächsten stehenden Kriegsgeneration ... das Volks- und Fronterlebnis des Weltkrieges weniger darzustellen als zu deuten, mehr zukunftweisend als historisch zurückschauend zu behandeln ..." Er unternimmt dies aus einer tief innerlichen Verpflichtung und sieht, dem Sinne der Darstellung entsprechend, den Krieg nicht in der Spiegelung eines Einzelschicksals oder eines Sonderfalles, nicht von einer Schlacht, einem Kriegsschauplatz, einer Waffengattung aus oder sonstwie als Teilerscheinung und Sonderproblem, sondern den Krieg als Totalität, als gemeinsames Schicksal und Gesamterlebnis einer, seiner Nation; er sucht als Mann, der selber vorne und mittendrin war, sich noch einmal, von höherer Warte gleich­sam, Rechenschaft zu geben, die Summe zu ziehen und den Sinn zu finden, der allein gefunden und fruchtbar und zukunftweisend sich auswirken kann. Dennes ist nicht wahr und es darf nicht wahr sein, daß die Geschichte nur beweist, daß die Men­schen aus der Geschichte nichts lernen." In solcher Ueberzeugung wollen die Kapitel dieses Buches, dasnur für das Volk und für das Vaterland" ge­schrieben wurde, gelesen und verstanden sein. Und es lohnt sich nicht nur für die, welche damals an der Front gestanden haben, sondern auch für alle andern, für die jüngste Generation vornehmlich, zu erfahren, was ein Mann wie Graff sich für Ge­danken darüber macht. Es ist da die Rede von der großen Stunde des 1. August 1914, der uns heute längst in mehr als einem Sinne historisch gewor­den ist; von den Kriegsfreiwilligen und von Lange- marck; von der Front wie sie wirklich gewesen ist. Graff spricht darüber mit der Schlichtheit und Sachlichkeit, mit dem Ernst und mit dem Ingrimm des Feldsoldaten, der das Trommelfeuer und auch den Papierkrieg erlebt hat, der den Schützengraben kennt und nicht vergessen hat, daß weit dahinter die Etappe kam und ganz hinten der Stammtisch. Das Buch gibt eine kleine Wesensgeschichte des Front­soldaten, seiner Haltung, seines Denkens und seiner Sprache, und Graff weiß auch Bescheid, was es mit den Worten Verwundung, Lazarettzug und Ge­nesendenkompanie auf sich hat. Auf ein paar Sei­ten wird beschrieben, in welch grauenhafter Ge­stalt der Tod dem Manne an der Front entgegen­trat. Man sollte das lesen, dies und anderes noch, wovon Graff berichtet, vom freiwilligen Heldentum und vom Nebenmann, von der Verwandlung zur Gemeinschaft, von der tragischen Wendung zum Untergang, von der Heimkehr anno 18 und vom Wiedersehen mit der Front. Ein männlichesBe­kenntnis" faßt zum Schluß in beherzigenswerten Sätzen das Vermächtnis der Kämpfer und der Ge­fallenen des Weltkrieges zusammen. Die Bild­tafeln sind geeignet, die Anschaulichkeit des Textes

Am Rande des Irrsinns",Vorstoß ins Unbe­kannte", um nur einiges herauszugreifen. Die knappe Schilderung jener denkwürdigen Märznacht mit ausbrechendem Feuer und einer wahrhaft im­provisierten Blinddarmoperation bei minus 29 Grad Außentemperatur ist uns etwa als kleine Kostprobe noch in frischer Erinnerung. Wer in der Geschichte der arktischen und antarktischen For­schungsreisen ein wenig Bescheid weiß, wird finden, daß dieses Buch von Admiral Byrd sich jenen Auf­zeichnungen und Berichten, die heute zum Teil schon als klassisch gelten dürfen, nicht unebenbürtig an die Seite stellt. Die solide Ausstattung und das gute Bild- und Kartenmaterial verdienen aus-

Held des Kubanischen Krieges war, der sich allein auf einen langen und gefahrvollen Weg durch Feindesland machte und dem General Garcia eine wichtige Botschaft überbrachte. Der Mann und seine Tat selbst werden nur gestreift; nur in paar knappen, wiewohl eindringlichen Sätzen ist davon die Rede. Und Rowan wie Garcia sind heute tot und vergessen. Nicht zu vergessen ist aber die Tat, ist die Art, wie hier ein Auftrag gegeben und aus­geführt wird. Dies erscheint beispielhaft, und für Hub- bard wurde jene verschollene Botschaft zu einem Sinnbild und einem Leitmotiv, das nicht bloß im Kriege, sondern auch im täglichen Leben, auch heute noch aufzurichten und anzuwenden ist. Viel­leicht konnte nur ein Amerikaner darauf verfallen, gerade dieses Beispiel so zu deuten. Jedenfalls ist es sehr lesenswert und zum Nachdenken anregend, welche Folgerungen Hubbard aus der winzigen Geschichte ableitet. Die Lektüre hält nicht lange auf ein paar Minuten; aber es lohnt sich schon. Man begreift dann den unglaublichen Erfolg und die riesige Verbreitung, welche dieliterarische Kleinigkeit" aus dem Jahre 1899 gefunden hat. Ihr Motto lautet: Ein Gramm Treue wiegt ein

die Geschichte, der kleine Roman eines großen, rassigen und klugen Tieres. Eine vorbildliche Ge­schichte, wie man hinzufügen darf, denn sie ist nicht zum Zeitvertreib oder zum privaten Vergnügen ausgeschrieben, sondern mit dem Herzen, aus einem starken Gefühl. Das Gefühl aber, das den Mann mit dem Tier verbindet, wird nie enttäuscht; es ist eine Freundschaft und Gemeinsamkeit, aus die sich beide Partner verlassen können. Denn das Tier ist der Freundschaft wert, ist treu und klug, voller An­hänglichkeit und Vertrauen zu dem Menschen, dem es zugehört. Eippers Buch gibt nicht nur einen feinfühligen, oft von liebenswürdigem Humor er­füllten Berichtvom äußeren Leben" Tag für Tag, sondern zugleich ein Stück ganz unsystematischer, aber erlebter Tierpsychologie. Eine Fülle von Ein­drücken, Beobachtungen, Erlebnissen, die man lange nicht vergißt, und über die es sich lohnt, ein wenig nachzudenken. Die Schilderungen von der Reise nach Berlin, vom Glück der Mutterschaft, vom Paradies der Doggenkinder, vom Abschied und vom letzten Geschenk werden, um nur einiges herauszu- areifen, den Leser lange begleiten und bewegen. Der Photograph Gorny hat das Buch mit Bildern geschmückt, die schlechterdings mustergültig sind; es ist ein ästhetischer Genuß, diese Aufnahmen zu be­trachten, die eine beseelte Wirklichkeit widerspiegeln und nicht bloß Bilder, sondern wahrhaftig Tier- Bildnisse sind, in die man sich vertiefen kann wie in ein Menschenporträt. Wir wünschen recht vielen Lesern die Freude der Bekanntschaft mit dem Buche, das überdies vorzüglich ausgestattet und sehr wohlfeil ist. hth.

Erlebtes Leben.

B 0gisla0 von Selchow: Hundert Tage aus meinem Leben. Preis in Ganz­leinen 6,50 Mark. Verlag Koehler und Amelang, Leipzig. (302) In hundert Episoden aus einer Ueberfulle des Erlebens zieht deutsches Schicksal der letzten fünf Jahrzehnte an uns vorüber, gesehen von einem Manne, der, bester Typ des deutschen Marine­offiziers, den klaren Blick für Menschen und Dinge, die harte Unbedingtheit der Lebensauffassung, aber auch den jedem echten Seemann eigenen Sinn für Humor mit einer unstillbaren Sehnsucht nach Ver­tiefung verbindet. Schon aus der Schule hatte er das Glück, die Grundlagen einer nicht alltäglichen Bildung zu erhalten, im Kreise der Kameraden fand er dann Gleichgesinnte genug, die trotz Erfüllung höchster Anforderungen im Dienst nicht müde wur­den, ihren geistigen Horizont auch nach Seiten hin zu erweitern, die dem Seemannsberuf an sich fern­liegen. Kaum wird man die Lektüre griechischer Klassiker, englischer Romanttker, moderner deutscher Philosophen neben eifrigen Studien der Sprache und Kultur fremder Völker an Bord unserer Kriegs­schiffe vermutet haben. Und doch war es so, und wir danken Bogislav von Selchow für diese unbe­wußte und ungewollte Ehrenrettung unseres früher oft einseitig gescholtenen Offizierskorps. Freilich bot das Leben eines deutschen Seeoffiziers die ja auch heute wieder der Anregungen auch sonst genug, auch wenn man nicht das Glück gehabt hat, wie Selchow in Begleitung eines Kaisersohns eine zweijährige Weltreise nach Dftafien, Indien und Afrika zu machen, später lange an der Goldküste stationiert zu sein und unter Führung bester Kenner die Stätten altgriechischer Kultur kennen zu lernen. Selchow hat aber auch außerhalb des Dienstes mit für die damalige Zeit erstaunlicher Vorurteilslosig­keit danach gestrebt, seinen Gesichtskreis zu er­weitern. So ist eins der interessantesten Kapitel in seinem Lebensbuch das Gespräch, das er in der Tarnkappe eines wandernden Seemannes 1902 in einem kleinen böhmischen Städtchen mit dem ihm unbekannten russischen Revoluttonär Fürst Peter Kropotkin hatte. Im Weltkrieg kämpfte Selchow in Flandern, später in der Skagerrakschlacht, von der er eine zwar durchaus unromantische, aber durch die harte Nüchternheit der Tatsachen besonders packende Schilderung entwirft. Auch zum Ausbruch der Revolution auf den großen Schiffen der Flotte weiß er wichtige Zeugnisse beizubringen. Nach kurzer aufschlußreicher Tätigkeit im Reichsmarineamt in den schmählichen Novembertagen 1918 nimmt

Richard N. Wegener: Zum Sonne n- tor durch altes Jndianerland. Erlebnisse und Aufnahmen einer Forschungsreise in Nord­argentinien, Bolivien, Peru und Pukatan. Zweite, neu bearbeitete Auflage mit 226 Abbildungen, Preis geb. 9 Mk. Verlag L. C. Wittich in Darmstadt. (276) Die Reise des bekannten Frankfurter For­schers hatte den Zweck, vergleichend-anatomisches Material zur Rassenentwicklung südamerikanischer Völker in ihrer so verschiedenartigen, vom Hoch­lande zur tropischen Tiefebene wechselnden Um­gebung zu erlangen. Die Reise führte in den Jahren 1927/29 durch Einöden und fernste Urwaldwinkel in Brennpunkte südamerikanischer Kultur. Wegeners Schilderung ist alles andere als ein trockener Be­richt eines Gelehrten, der nur seine Wissenschaft im Auge hat. In farbenreichen, eindrucksvollen Bildern ersteht vor unseren Augen die in ihren extremen Gegensätzlichkeiten besonders grandiose Natur dieses seltsamen Erdteils, der Chaco, die Kordilleren, die Salzsteppe, der Urwald Boliviens, das peruanische Hochland und die pazifische Küste. Aber wichtiger sind für Wegener die Menschen. Mit seinen ge­schulten Augen lernen wir die Jndianervölker in ihrer Verschiedenheit in Rasse, Tracht, Gebräuchen kennen. Wir werden vertraut mit den altindiani­schen Hochkulturen der Inkas und Mayas, deren Monumentalbauten selbst noch in den auf uns über­kommenen Resten merkwürdig genug abstechen von dem dürftigen Leben ihrer Nachfahren. Ein er­staunlicher Reichtum an Abbildungen zeichnet das auch drucktechnisch mustergültig ausgestattete Buch aus. Landschaft, Volksleben, Bauten, besonders aber eine Fülle verschiedener Jndianertypen sehen wir in durchweg vorzüglichen eigenen Aufnahmen des Verfassers und seiner Mitarbeiter. Eine Be­reicherung gegenüber der ersten Auflage bedeuten die dem Charakter des Buches gut angepaßten

Paul Eipper: Die gelbe Dogge Senta. Die Geschichte einer Freundschaft. Mit 32 Bildern von Hein Gorny. Brosch. 4,20 RM., Ganzleinen 5,50 RM. Verlag Ullstein, Berlin. (354) Was für ein schönes, warmherziges und nachdenkliches Buch! Es ist entstanden wie alle oder doch die meisten guten und dauernden Bücher zu- ftandekommen aus Zufall, wenn man das viel mißbrauchte Wort recht verstehen will. Paul Eipper, der Tierfreund, der mit feinen Büchern, Geschichten und Bildern schon so vielen Menschen in Deutsch­land Freude bereitet hat, erzählt selber, er habe dieses Buch der Freundschaft mit einem Hundegar nicht mit Vorsatz geschrieben; ja, ich glaube, man kann auf solche Weise überhaupt keine richtigen Tierbücher schreiben". Eigentlich war es nämlich nicht auf die gelbe Dogge Senta abgesehen, sondern auf die Gemsen in den bayerischen Alpen: zwischen zwei Pirschgängen mit der Filmkamera machte Eipper in einem Forsthause Rast, sah dort die Dogge,und als ich das Tier sah, war's um mich geschehen: Ich spürte, daß wir zwei für alle Zu­kunft zusammengehörten". So reift die große Dogge eines Tages nach Berlin, hält ihren Einzug in Eippers Haus am Hegewinkel, wird fein Hund, gehört von nun an zur Familie, macht Bekannt­schaft mit der Schildkröte Mikra, mit dem Kanari Johannes und mit dem blauen Wellensittich Zacha­rias: so beginnt die Geschichte einer Freundschaft, einer Gemeinschaft mit dem Tier, die etwas Er­greifendes und Großartiges hat, weil es eine ganz reine, edle, uneigennützige und ungetrübte Kame­radschaft ist; aus Tagebuchblättern wächst ein Buch,

somit auf insgesamt 1 125 000 Geviertkilometer neuer Oberfläche. Das entspricht ungefähr einem Neuntel von Europa." Ein paar Zahlen bloß, aber eine imponierende Sache. Uebrigens sollte man nicht am Schluß anfangen, sondern vorne, wie es sich gehört: Das Buch entrollt ein ungemein reiz­volles Bild des langen, abenteuerlichen und gefahr­vollen Weges, der schließlich zu den mitgeteilten Endergebnissen geführt hat. Das beginnt gleich mit der Schilderung von Plan und Vorbereitung der Expedition. Man bekommt einen Begriff davon, was so ein Unternehmen bedeutet, was das kostet, was alles gebraucht wird, was zusammengetragen und bedacht werden muß, ehe sie ausbrechen kön­nen: mit 120 Mann (darunter fünf blinden Passa­gieren), 153 Hunden, zwei Schiffen, vier Flug­zeugen und sechs Raupenschleppern. Wir können natürlich in einem knappen Referat wie diesem nicht annähernd eine Inhaltsangabe geben; das ist auch nicht der Zweck der Besprechung. Wir möchten vielmehr den Leser dazu anregen, sich selbst in Byrds Buch zu vertiefen; er wird sich nicht ent­täuscht finden, er wird einen Begriff vom täglichen Leben auf dieser Expedition bekommen, vom Ar­beitsplan, von der Lebensweise, von der Unter­kunft. der Kleidung den täglichen Mahlzeiten

Selchow den Abschied, von dem Drang erfüllt, durch geistesgeschichtliches Studium zur Erkenntnis vorn letzten Sinn des Geschehens zu kommen. Aber Kapp-Putsch und Spaitttzkusaufstand fordern von dem alten Soldaten noch einmal vollen Einsatz. Als Führer des Marburger Studentenkorps erwirbt er sich hohe Verdienste um die Rettung der Nation vor >m Zerfall in Kommunismus P.'ir^er^'i.'g. Das Buch Selchows ragt aus der Flut ädnhcher

Elbert Hubbard: D i e Botschaft an Garcia. 2. Auflage. Poeschel & Trepte Ver­lag, Leipzig. (392) Das ist kein Buch, nicht einmal ein Büchelchen, sondern ein kleines, schmales Heft von insgesamt 15 Seiten Umfang. Aber diese literarische Kleinigkeit", wie der Verfasser sie nennt, die 1899 an Washingtons Geburtstag in einer Stunde niedergeschrieben wurde und im glei­chen Jahre zuerst als Aussatz in einer amerikani­schen Zeitschrift erschien, hat mittlerweile Auflagen von mehr als 40 Millionen erlebt. Eine merk­würdige kleine Schrift.Fürst Hilakoff, der Präsi­dent der russischen Eisenbahnen, . . . ließ sie ins Russische übersetzen und zur Verteilung an sämt­liche Angestellten der zaristischen Eisenbahnen brin­gen. Während des Russisch-Japanischen Krieges fanden sie die Japaner in den Tornistern der russi­schen Kriegsgefangenen, übersetzten sie ins Japa­nische und verteilten sie an alle Staatsbeamten und Soldaten ... In der Tat: ein erstaunlicher und ganz außergewöhnlicher Erfolg. Was hat es damit auf sich? Was das Gegenständliche dieser Betrach­tung angeht, so handelt es sich um eine Episode aus dem Kubanischen Kriege zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten, um die Geschichte

eines Mannes namens Rowan, der der eigentliche *

Geschichte

Werner Beumelburg: Kaiser und Herzog, Kampf zweier Geschlechter um Deutsch­land. Preis geb. 8,50 Mk. Verlag Gerhard Stalling Oldenburg i. O. (336) Der Kampf um Sie Idee des Reichs füllt diese Blätter. Der Staufer Traum ist das weltumspannende Imperium das den Besitz Italiens voraussetzt, der Staufer Er­kenntnis ist aber auch, daß in Deutschland und über Deutschland nur herrschen kann, wer stark genug ift, der römischen Kirche seinen Willen aufzuzwin­gen und daß dies nur in Rom geschehen kann. Der Welfen Ziel aber ist ein geschlossener Staat deutscher Art und deutschen Blutes, der nicht im fernen Italien jenseits der Alpenkette, sondern im angrenzenden ostelbischen Raum seine natürliche Ergänzung sucht. F r i e d r i ch B a r b a r 0 s s a und Heinrich der Löwe waren berufen, nach langer Rivalität ihrer beiden so eng miteinander versippten Geschlechter die beiden Grundprinzipien deutscher Politik des Mittelalters als Einheit zu begreifen. Aber das Schicksal hatte es mit Deutsch­land nicht so gut gemeint. Der Traum des Staufers, eine kaiserliche Macht in unangefochtenem Besitz Italiens, im Rücken gedeckt von der allen Territo­rialfürsten und ihren parttkularistischen Gelüsten weit überlegenen Macht eines welfischen Herzog­tums von den Alpen bis zum Meer, er blieb ein Traum. Keiner von beiden, die vom Schicksal be­stimmt waren, die Einheit zu schaffen, die den Kampf zwischen geistlichem und weltlichem Im­perium hätte beenden und unendliches, bis in unsere Tage nachwirkendes Unglück von Deutschland hätte abwenden können, konnte trotz besten Willens nicht im guten, aber auch nicht im bösen die Anlagen ändern, die ihr Geschlecht ihnen vererbt hatte und mit ihnen den Keim der verhängnisvollen Zwie­tracht, die nach jahrzehntelangem Zusammenstehen in persönlicher Freundschaft und politischem Hand- in-Hand-Arbeiten in Stunden letzter Entscheidung beide in klarer Erkenntnis der fernwirkenden Folgen und doch wie gelähmt nur auf das Nächste starrend voneinander riß zu furchtbarem gegen­seitigem Vernichtungskampf. In schlichtem, wohl­tuend sachlichem Stil alter Chroniken entrollt Beumelburg dieses spannungsreichste und folgen­schwerste Pergament deutscher Geschichte. In weiser Zurückhaltung läßt er die Tatsachen selber sprechen, wo jeder Versuch einer Kritik müßiges Unterfangen wäre. Aber die Kunst Beumelburgs vermag mit sparsamsten Mitteln die großen politischen Linien dieses schicksalvollen Jahrhunderts deutlich zu machen, wie auch eine Fülle großartiger Gestalten eindrucksvoll herauszuarbeiten: Neben Friedrich und Heinrich die greise Kaiserin Richenza, die dem Wunsch der beiden Jungen nach Versöhnung der beiden Geschlechter mit prophetischem Blick die un­abwendbare Schicksalsbestimmung ewigen Kampfes entgegenhält, der große Gegner des Kaisers Papst Alexander III., unbeugsam und hart bis zum endlichen Siege, Reinald von Dassel, des Kaisers kluger Kanzler, Gunzelin von Hag en, Heinrichs getreuester Gefolgsmann auch in Unglück und Verbannung, und schließlich ein hoffnungsloser Ausblick auf die Fortsetzung des Kampfes in kom­menden Generationen, der junge Staufenkaiser Heinrich VI., der eiskalt und brutal die letzte Demütigung des großen Welfen befiehlt. So schuf Beumelburg hier als Geschichtsschreiber und Dichter ein Werk, das sich seinen besten roütbig anreiht.

e.

_ £) c t a d e Aubry: Sankt Helena II Band. Der Tod des Kaisers mit 14 Bildtafeln. Preis in Seinen geb. RM 7.50, Verlag Eugen Rentsch Erlenbach-Zürich und Leipzig C 1

390). In der furchtbaren Einöde dieses Felseneilandes im Weltmeer, fern aller großen Handelsstraßen, vollendete sich das Drama des Mannes, dessen Entschlüsse einst eine ganze Welt erzittern ließen. Mit peinlicher Genauigkeit hat der Verfasser auch die letzten Quellen erschlossen, die über die letzten Lebensjahre des Kaisers und den Tod in der Gefangenschaft Auskunft geben können. Die Natur Sankt Helenas, dessen ungesundes tro­pisches Klima Europäer langsam zermürbt, die Menschen in den beiden Lagern, müde, gereizt, argwöhnisch ein jeder den Augenblick herbei- sehnend wo ihm der Tod des Kaisers die Freiheit zurückgibt, diese Atmosphäre voller Spannungen, Eifersucht, Mißtrauen, Habgier und Niedertracht, all bas wird bis ins kleinste deutlich, em graufiges und niederdrückendes Rankwerk um das Kolossal­gemälde vom Untergang eines Helden. Es waren feine ritterlichen Kerkermeister, die Engländer, die im Auftrage Europas den furchtbaren Gegner von einst auf der trostlosesten Insel ihres wetten Kolonial­reiches in Verbannung hielten, weder der britische Minister in London Lord Bathurst noch der klein­liche ewig mißtrauische und bis zur Grausamkeit zAsch^ ^^te^He^ens

Größe ihrer Ausgabe. Sie haben kalten Herzens den ihrer Obhut anvertrauten Gefangenen langsam seelisch sterben lassen, lange bevor der von dem ö u^nd dem Mangel an Ereichend^rBewe-

LstÄm°Eife?Iucht Mißgunst vttgist°^ d°- machte. Der besiegte Gemus kann mch °°rges n, was er gewesen ist, die bem <5obn

die Sehnsucht nach Frankreich und nach ^m^oyn, den er in den Händen der Habsburg r weitz ^.m ten ihn aufrecht, aber je mehr d H Gefangenschaft detz/daß seine mildern oder gar die Nuckkeyr nuuj Erlischt statten werden, verzehrt ihn das H $ampf

der Lebenswille, zerbricht feine /tischen Gou- d-n kleinlichen W" » verneurs und den Jnlrigueu 1 Qpupn ;n

Begleiter. Immer wonotoner Ed^,^^ dieser schauerlichen f^o/' ^we/ teiIcn im, von Maschen die seine Gef^ g sch^s Wunsch mer offener steht auf ihren Krankheit,

nach Erlö ung. So fommt me wo Don bem von unfähigen Aerzt bis zunehmende

Gouverneur nicht ernst genom f «p<t unx nacb

Schwäch, d«. «-'s«»" ...... ........... ..................

furchtbarem Leiden fdliIbern die Rückkehr des ebenso wie von den Schwierigkeiten, den unvorherge

Kapitel dieser CP p I Lr ^^^jch der Restaura- sehenen Zwischenfällen, den Strapazen und Gefahrer

Toten, desien Ge s o Sa5 feierliche Ge° einer solchen Reise. Wir denken bei hon im Sturm Heimbolung des die KapitelBrü

prange, das die *-r"nn5 «ei

uuiuKiue* Kopfleisten in Strichzeichnung. Dis schöne Buch L---v ~

Gefahren! wird auch außerhalb des engeren Kreises der Fach- i Erscheinungen als ungemein anregend und eiw

gelehrten viele Freunde finden.e. 1 i.nh nhprfinrhhrf