Ausgabe 
24.10.1936
 
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Moskau torpediert die Nichteinmischungspolitik.

Gowjetrußland kündigt in London die Absicht offener Unterstützung der spanischen Marxisten an

Lleberlegter Sabotageakt Moskaus.

Scharfe Kritik der englischen presse.

Die pariser Presse rtilkt von der sowjetrussischen Hetze ab.

Tätigkeit der dritten Internationale im Aus­lände umso nachhaltiger zu unterstützen, als Stalin versuche, sich im Jnlande von den Komintern freizumachen. Ls handele sich hier um das altbewährte Ablenkungsmanöver, aber es fei bedauerlich, dah gerade Frank- reich die Ko st en tragen solle.

Figaro" sagt, wenn es ein Land in Europa gebe, das soviel Anstand aufbringen müßte, um gerade in der Frage der Neutralität zu schwei­gen, so sei es das bolschewistische Rußland. Es habe auch den Anschein, als ob England dies im Londoner Ausschuß unverblümt ausgesprochen habe. Moskau wolle in Europa und besonders in Frank­reich Unruhe stiften. Aber es täusche sich über die Rückwirkungen in der französischen Oeffentlich- keit. Das französische Volk habe zuviel gesunden Menschenverstand, um den Weg zu beschreiten, den Moskau weise. Frankreich habe im Rahmen des Völkerbundes einen Pakt mit Sowjetruß­land abschließen können, um den Frieden zu festigen. Es habe aber keinen Pakt abge­schlossen, um die Revolution zu schüren und sich für Anarchisten zu verwenden, deren Aus­schreitungen eine Schmach der Menschheit seien.

Der sowjetrussische Vertreter wies auf seinen Vor­schlag hin, die portugiesischen Häfen einer englisch-französischen Kontrolle zu unterstellen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden trat der Ausschuß der Auffassung bei, daß ein derartiger Vorschlag nicht erwogen werden könne, solange nicht die Ant­wort der portugiesischen Regierung eingegangen sei. Der portugiesische Vertreter erklärte weiter, daß er einer Erörterung diese Angelegenheit nicht z u- stimmen könne. Der Unterausschuß wird am Samstagvormittag die Arbeitsmethoden überprüfen, ob das Nichteinmischungsabkommen wirksamer gemacht werden könne.

Der Ausschuß nahm davon Kenntnis, daß die ihm übermittelten Dokumente der deutschen und der italienischen Vertreter, die Einzelheiten über gewisseangebliche" (?!) Brüche des Abkommens (durch Sowjetrußland) ent­halten, dem Vertreter Sowjetrußlands mit der Bitte weitergeleitet werden, die erforderlichen Erklärungen zur Feststellung des Tatbestandes abzugeben. Der sowjetrussische Vertreter erklärte, daß er auf diese Beschuldigungen umgehend antworten wolle, es wurde aber entschieden, daß seine Antwort schriftlich unterbreitet werden solle. Die nächste Sitzung des Hauptausschusses soll am Mittwoch stattfinoen.

3n letzter Zeit sei es Mode geworden, Sowjetruß- land mit freundlicheren Augen anzusehen. So fei behauptet worden, Moskau sei nicht mehr so revo­lutionär eingestellt, wie einst, weshalb man ihm jetzt ohne Furcht die Hand der Freundschaft ent­gegenstrecken könnte. In Wirklichkeit hätten die Bolschewiken lediglich ihre Taktik im 11n- heilstiften geändert. Die Neigung Mos­kaus, im Trüben zu fischen, sei genau so stark wie vorher, und sie bringe dieselbe Bedrohung des Friedens mit sich. Der gestrige Schritt Sorojef- ruhlands sei ein überlegter Sabotage- a k t. Zwar habe Sowjetrußland formell den Nicht- einmifchungsausfchuh nicht verlassen, aber dah es bleibt, fei nichts als ein diplomatischer Trick. Der Beweggrund sei klar: Nachdem die Sache der spanischen Marxisten so gut wie ver­loren fei, wünschten die Herren Sowjetruhlands ihre Anhänger zu überzeugen, daß sie alles getan hätten, um ihren Freunden zu helfen, wenn ihr Vorgehenzufällig" die Folge hätte, zu Ver­wicklungen, zwischen den faschistischen und nichtfaschistischen Mächten zu führen, dann würde das nur den sowjetrusfifchen Absich­ten entsprechen. Die fowjekrussische Diploma­tie fei in Mißkredit geraten und das Mißtrauen gegenüber Sowjetrußland fei verstärkt worden.

des folgenden Jahres in ihrek Staatshauptstadt zu­sammen und geben hier ihre Stimme für den Prä­sidenten der Vereinigten Staaten. Das Ergebnis geht an den Präsidenten des Bundessenats nach Washington, wo es am zweiten Mittwoch des Fe­bruar in Gegenwart des Kongresses insgesamt be­kanntgegeben wird. Wenn nun auch die Verfassung von dem Wahlmann nicht verlangt, daß er im Ja­nuar seine Stimme für den offiziellen Partei­kandidaten abgibt, als dessen Vertrauensmann das Volk ihn im November gewählt hat, so ist das Gegenteil doch noch niemals der Fall gewesen. Wohl aber kann ein Präsidentschaftskandidat, der im November die Mehrzahl der Volksstimmen er­halten hat, im Januar durchfallen, weil nicht die Mehrzahl der Wahlmänner für ihn stimmte. Dieser Fall ist tatsächlich schon einmal eingetreten, weil der Partei, die die relative Mehrheit im Staate gewinnt, alle Wahlmännerstimmen zustehen, die Bundesstaaten also nur im ganzen demokratisch oder republikanisch wählen und fast die Hälfte aller Stimmen eines Bundesstaates bei diesem Zähl- system unter den Tisch fallen kann. Solche von einer Minderheit gewählte Präsidenten waren z. B. Lin­coln 1861 und Wilson 1913.

Wer uns bis hierher gefolgt ist, hat einen unge­fähren Eindruck brciDon bekommen können, wie un­geheuer verwickelt die W^ihlprozedur ist, aus der ein neuer Präsident der Vereinigten Staaten hervor- geht. Die große Zeitspanne, die sie beansprucht, von den vorbereitenden Schritten der Parteien im Frühjahr bis zum Amtsantritt des neugewählten Präsidenten im März des nächsten Jahres, ist neben den zahlreichen andern Wahlen ein Moment der Unruhe und Unsicherheit im politischen Leben Ame­rikas, das oft lähmend auf die gesamten Staats- geschäste, ja auch auf die Außenpolitik der Vereinigten Staaten einwirkt, da der amtierende Präsident im letzten Jahre seiner Amtsführung meist ängstlich darauf bedacht ist, seiner Partei nicht durch un­populäre Maßnahmen die Wahlaussichten zu ver­derben. So ist es auch um die großen Refvrmpläne Franklin Roosevelts mit dem Herannahen des Wahltermins immer ruhiger geworden, zumal große Telle des New deal als im Widerspruch mit den Rechten der Bundesstaaten vom Obersten Ge­richtshof beanstandet und zurückgezogen werden mußten. Das konnte nicht hindern, daß der Ge­danke der Wirtschaftsreform im Mittel­punkt des Wahlkampfes stand. Wer wie die Wahl­programme der beiden traditionellen großen Par­teien an sich keine große Verschiedenheit aufzuwei- fen pflegen, so hat man sich auch diesmal in der Frage der Wirtschaftsreform genähert. Roose­velt hat seinen Radikalismus gedämpft, um ängst­liche, an der hergebrachten Freiheit der Wirtschaft und dem föderativen Versassungssystem hängende Gemüter nicht zu beunruhigen, und sein republika­nischer Gegenkandidat Landon hat seinem im großen und ganzen auf die Verteidigung der hoch- kapitalistischen Wirtschaftsformen gegen Eingriffe des Staates eingestellten Programm einige Tropfen sozialen Oels bei geb en müssen, um es den Leuten seiner Partei schmackhaft zu machen, denen die sicht­baren Erfolge der auf Wirtschaftsbelebung und auf Schutz des kleinen Mannes vor der Allmacht der Konzerne und Trusts gerichteten Politik Roosevelts in die Augen stechen.

Und diese Erfolge sind natürlich auch das stärkste Argument Roosevelts im Wahlkampf. Er braucht nicht viel Worte zu machen. Das Land weiß, was er will: Bruch mit dem wirtschaftlichen Individualis­mus zugunsten einer das Wohl der Volksgemein­schaft voranstellenden Wirtschaftsgesinnung und Be­freiung des öffentlichen Lebens von dem Druck der Dollarkönige, die allzu oft im freiesten Lande der Welt die Politik zur Sklavin ihrer Geldsackinteressen gemacht haben. Begreiflicherweise hat Roosevelt mit diesem Programm, dessen Durchführung er in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit so energisch begonnen hat, bei den Massen der Arbeiter, An­gestellten, kleinen Gewerbetreibenden und Farmern gewaltigen Eindruck gemacht. Aber es ist nicht min­der verständlich, daß Roosevelts Staatssozialismus alle von ihm Betroffenen, und das sind ja keines­wegs nur die Gewaltigen der Wallstreet, die Minen­herren, Eisenbahnkönige und Jndustriemagnaten, in das republikanische Lager getrieben hat. Landon, dem durch solide Arbeit und persönliche Tüchtigkeit au Reichtum gelangten Farmerssohn aus Penn- sylvanien ist es als Gouverneur von Kansas ge­lungen, das Budget seines Staates durch eine ver­nünftige Verwaltungsreform und Sparsamkeit ohne Steuererhöhungen auszugleichen, während alle ande­ren Bundesstaaten tief in Schulden stecken. Seine Parole lautet:Laßt uns wieder frei arbeiten, wie es unsere Väter taten, verbannt jede Einmischung der Zentralgewalt in Washington aus dem Wirt­schaftsleben unseres Landes, werft alle Maßnah­men des New deal über Bord und Amerika wird wieder das Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden!" Es ist kein Zweifel, daß seine Kritik an der Ausgabenpolitik Roosevelts auch über die festen Zirkel der Republikanischen Partei hinaus in Mit­telstands- und Farmerkreisen ihren Eindruck nicht verfehlt hat.

Die sog.dritte" Partei spielt auch in diesem Wahlkampf eine Rolle. Wenn sie auch keinerlei Aussicht hat, ihren eigenen Kandidaten durchzu­bringen, so vermag sie doch ein paar Millionen Stimmen auf sich zu ziehen, die bann einem der Kandidaten der beiden großen traditionellen Par­teien zur Erlangung der Mehrheit fehlen werden. Es ist diesmal die Union Party des republi­kanischen Senators William Lemke, eines Far­mers aus Nord-Dakota, dem landwirtschaftlichen Notstandsgebiet des Mittelwestens, aus dem schon mehrfach eine dritte Partei ihre Wähler rekrutiert hat. Diesmal hat sie als Bundesgenossen jedoch ein merkwürdiges Dreigespann, das Anhänger in allen Teilen der Vereinigten Staaten zählt. Da ist ein­mal der irisch-amerikanische Pater C o u g h l i n aus Detroit, der durch seine religiösen Rundfunk­vorträge bekannt wurde und eine große Gefolgschaft um sich sammeln konnte, als er gegen die Allmacht des Kapitals und die politische Korruption zu Felde zog. Aus einem Anhänger Roosevelts wurde er dessen erbitterter Gegner, da ihm die Maßnahmen des Präsidenten nicht radikal genug schienen. Zu ihm stieß der kalifornische Landarzt Dr. Downs- e n d, der die amerikanische Wirtschaft durch Zah­lung einer staatlichen Altersrente von 200 Dol­lars an alle Sechzigjährigen mit der Verpflichtung sie wieder auszugeben, ankurbeln will. Die hierzu benötigten 24 Milliarden will der Wunderdoktor durch eine Verkaufssteuer von zwei Prozent auf­bringen. Trotz des reichlich utopischen Charakters seines Heilrezeptes ist es ihm vor einem Jahr schon gelungen, bei den Kongreßwahlen in Michi­gan alle seine Konkurrenten zu schlagen. Aehnliche Pläne hegt auch der dritte im Bunde der Union Party, der Reverend Gerald Smith, der Nach­folger des im September 1935 erschossenen Dik­tators von Louisiana Hue Song in der Führung derShare the wealth" - Bewegung (Teilung des Reichtums). Er nähert sich mit seinem Programm

London, 23. Okt. (DNB.) Der Internationale Ausschuß zur Ueberwachung des spanischen Nicht­einmischungsabkommens trat am Freitagnachmittag zusammen. Die Vertreter sämtlicher dem Ausschuß angehörenden 27 Staaten waren anwesend, dar­unter auch der Vertreter Portugals, der be­kanntlich die letzte Sitzung aus Protest gegen das Verhalten der Sowjetrussen verlassen hatte. Deutschland war durch seinen Geschäftsträger, Botschaftsrat Für st Bismarck, vertreten. Be­sonders zahlreich war die sowjetrussische Abordnung vertreten, lieber die Sitzung wurde kurz vor Mit­ternacht e^ne amtliche Mitteilung ausge­geben, in der es heißt:

Der Vorsitzende Lord Plymouth erinnerte den Ausschuß daran, daß die Hauptsorge der britischen Negierung, als sie der Einsetzung' des Ausschusses in London zustimmte, darin bestanden habe, emo Ausbreitung des Bürgerkrieges über die spanischen Grenzen hinaus zu verhindern und eine Zusammenarbeit der Mächte in einem Falle herbeizuführen, der sich zu einer höchst gefähr­lichen internationalen Lage zu entwickeln drohte. Lord Plymouth appellierte an den Ausschuß, seine schwierige Aufgabe durch eine im unparteiischen Geiste geführte Prüfung aller ihm unterbreiteten Informationen zu erfüllen. Die britische Regierung habe die in ihrem Besitz befindlichen Informationen sorgfältig studiert, um festzustellen, bis zu welchem Grade diese Informationen Beweismaterial dafür enthalten, daß ernste Verletzungen des Abkommens vorgekommen feien. Als Ergebnis habe sie Einzel­heiten hinsichtlich gewisser Zwischenfälle den inter­essierten Regierungen vorgelegt, von denen sie hoffe, daß sie dem Ausschuß mit Informationen zur Hand gehen werden. Der Vorsitzende verlas hierauf fol­genden

Brief des Vertreters der Sowjetunion:

Durch den gemeinsam mit anderen Staaten er­folgten Beitritt Sowjetrußlands zum Nichteinmi­schungsabkommen glaubte die Sowjetregierung, er­warten zu können, daß das Abkommen von feinen Teilnehmern erfüllt werden und daß infolgedessen die Dauer des Bürgerkrieges in Spanien verkürzt und die Zahl der Opfer vermindert werden würde. Die seither verstrichene Zeit hat jedoch gezeigt, daß das Abkommen von einer Reihe seiner Teilnehmer systemattsch verletzt wird, und daß die Waffen­lieferungen an dieRebellen" ungestraft fortgesetzt werden. Einer der Teilnehmer des Abkommens, Portugal, ist der Hauptstützpunkt für Lieferun­gen an dieRebellen" geworden, während diege- etzliche Regierung" Spaniens praktisch bog- fottiert und der Erleichterungen beraubt wird, außerhalb Spaniens zur Verteidigung des spanischen Volkes Waffen zu kaufen. Daher ist infolge der Verletzungen des Abkommens für dieRebellen" eine bevorzugte Lage geschaffen worden, die nicht im Sinne des Abkommens lag. Als Ergebnis dieser anormalen Lage wird der Bürgerkrieg in Spanien verlängert und die Zahl seiner Opfer vermehrt. Die Bemühungen des Vertreters der Sowjetregierung, Oer Praxis der Abkommensoerletzungen ein Ende Zu bereiten, haben im Ausschuß feine Unterstützung gefunden. Der letzte Vorschlag des Sowjetvertreters hinsichtlich einer Kontrolle d e r Häfen Por­tugals, das ein Hauptstützpunkt für die Lieferun­gen derRebellen" ist, hat ebenfalls keine Unter­stützung gefunden und ist nicht einmal auf die Ta­gesordnung der heutigen Sitzung gesetzt worden. In­folgedessen hat sich das Abkommen als ein leerer zerrissener Fetzen Papier erwiesen. Es hat prak- tischzubestehen aufgehört. (!)

Da die Sowjetregierung nicht in der Lage von Personen zu bleiben wünscht, die wissentlich einer ungerechten Sache beistehen, sieht sie nur einen Ausweg aus der geschaffenen Sage, näm­lich der spanischen Regierung die Möglichkeit des Waffenkaufes außerhalb Spa­niens zu gewähren, ein Recht, dessen sich die Re­gierungen der ganzen Welt erfreuen, und den Teil­nehmern des Abkommens das Recht zuzugestehen, Waffen an Spanien zu verkaufen oder nicht zu ver­kaufen. Auf jeden Fall ist die Sowjetregie­rung nicht gewillt, noch länger die Verant­wortung für die offensichtlich ungerechte Lage in bezug auf dielegale" spanische Regierung uno das spanische Volk zu tragen. Sie ist daher jetzt gezwun­gen, zu erklären, daß sie in Uebereinftimmung mit ihrer Erklärung vom 7. Oktober sich durch das Nichteinmischungsabkommen in kei­nem größeren Ausmaße für gebunden erachtet, als die ü b r i g e n T e i l n e h m e r des Ab- kommens."

Die Aussprache.

Der portugiesische Vertreter wider­legte mit äußerstem Nachdruck die in diesem Brief

schon den Kommunisten, deren eigener Kandidat Browder ebensowenig wie der Sozialist Nor­man Thomas auch nur die geringsten Aussichten hat, eine beträchtliche Anzahl von Wählern hinter sich zu bringen.

Daß diedritte" Partei ihre Hoffnungen auf die Farmer des Mittelwestens setzt, macht deutlich, daß hier das Zünglein an der Waage fein wird. Die vierzehn Staaten des Südens, die traditionelle Hochburg der Demokraten, werden ge­schlossen für Roosevelt stimmen, ebenso wie die Re­publikaner mit ziemlicher Gewißheit auf die Mehr­heit in den Neu-Englandstaaten, von denen Maine bereits bei den Gouverneurs- und Kongreßwahlen soeben republikanisch gewählt hat, ferner in Neu- york, Pennsylvanien und einigen Küstenstaaten des Atlantik und Pazifik rechnen können. Unsicher für beide Parteien ist der Mittelwesten und deshalb gelten auch die letzten Wahlreisen beider Kandida­ten den notleidenden Farmern am Mississippi-Mis­souri bis hinauf zu den kanadischen Seen. Hier wird vermutlich die Entscheidung fallen. Ob sie Roosevelt vier neue Jahre zur Durchführung seines Reformprogramms geben oder mit L a n - d o n einen neuen Mann ans Ruder bringen wird, vermag heute noch niemand mit einiger Sicher­heit zu sagen. Die vielen Probeabstimmungen, die meist von Zeitungen schon seit Monaten veranstal­tet werden, vermögen auch nicht annähernd ein zu­treffendes Bild der wirklichen Volksstimmung zu geben. Dafür ist die Auswahl der zur Stimmab- aabe aufgeforderten Wähler aus Telefonbüchern, Adreßbüchern ober Abonnentenlisten viel zu will­kürlich und meist auch die Fragestellung bewußt

gegen sein Land erhobenen Beschuldigungen, die jeder Grundlage entbehrt en, was sich Herausstellen werde, sobald die Antwort feiner. Re­gierung eingetroffen fei. Der Ausschuß einigte sich darauf, daß der Brief des sowjetrussischen Vertre­ters dem Unterausschuß übergeben werden solle, und daß der Vertreter Sowjetruß ° lanbs von diesem Unterausschuß ersucht werden solle, gewisse Gesichtspunkte seiner Erklärung zu erläutern.

Dem Ausschuß lag die Antwort der deutschen Regierung auf die Fragen vor, die sich auf gewisse angebliche Brüche des Abkommens beziehen. Der Vorsitzende gab der Ansicht Ausdruck, dah die deutsche Ant­wort mit Ausnahme von zwei Punkten, in denen er die deutsche Regierung um weitere Erklärungen bitte, in befriedigender Weife die erhobenen Beschuldi­gungen behandelt. Der deutsche Vertre­ter verwies auf die Antwort der deutschen Regierung, derzufolge alle aufgeworfe­nen Punkte behandelt worden seien. Er fügte jedoch hinzu, daß er bereit sei, die erbetenen zusätzlichenJnformationen zu beschaffen.

London, 24. Okt. (DNB. Funkspruch.) An dem sowjetrussischen Schritt, der praktisch die Kündi­gung des Nichteinmischungsvaktes durch Sowjet­rußland bedeutet, üben, mit Ausnahme der Oppo- sitionspresse, sämtliche Zeitungen schärfste K r i - t i k.Daily Telegraph" stellt fest, daß die sowjet- russische Note die zukünfttge Politik Moskaus i m Dunkeln lasse. Auch fehle in der Note eine ge­naue Begründung. Sie nenne keine einzige Groß­macht, sondern beschränke sich auf Anschuldigungen gegen Portugal, die nicht bewiesen seien und wahrscheinlich auch niemals bewiesen wer­den könnten. England müsse klar stellen, daß es nicht daran denke, sich in einen von Sowjetrußland entfachten Streit verwickeln zu lassen. Es müsse mit allen Großmächten in Fühlung bleiben und feinen vermittelnden Einfluß ausüben. Dabei dürfe aber kein Zweifel darüber gelassen werden, daß England, falls diese Einschlußnahme mißglückt, nicht im geringsten festgelegt sei. Eng­lands einzige Pflicht sei die gegenüber die seinem eigenen Volke.Times" svricht von der Zweideutigkeit der sowjetrussischen Note. Die Sowjetregierung wolle durch ihr Vorgehen dem Nachweis zuvorkommen, daß Sowjetrußland selb st das Nichteinmischungsabkom­men gebrochen hat.

Die konservativeHloming Poft" erklärt, das Vorgehen Sowjetrußlands habe wieder einmal die wahre Politik Moskaus enthüllt.

Paris, 24. Okt. (DNB. Funkspruch.) Das Ver­halten Sowjetrußlands im Londoner Ausschuß wird von der Presse scharf kritisiert. So schreibt derPetit Parisien", es liege klar auf der Hand, daß Sowjetruhland sich in Zukunft nicht mehr genieren werde, die spanischen Mar­xisten mit Waffen und Munition zu versorgen. Dies könne jedoch zu ernsten Zwischenfällen führen. Es könne keine Rede davon fein, daß Paris den Moskauern auf diesem gefährlichen Wege folge, der von den Sowjets weniger eingefchlagen worden fei, um den spanischen Marxisten zu yelfen, als um in Katalonien einen ständigen revolutionären Herd zu unterhalten. Barcelona liege jedoch zu nahe bei Perpignan, als daß eine französische Regierung ein derartiges Manöver begünstigen könne.

Journal" erklärt, Frankreich würde unver­zeihlich handeln, wenn es sich von dem forojef- russischen Dreh übertölpeln ließe. Das Vorgehen in London zeige wieder einmal sehr deutlich die Hintergedanken der sowjekrussi- fchen und bolschewistischen Politik, die darauf hinauslaufe, Konflikte in die Reihen der We st möchte zu tragen. Die Diktatur Stalins fei gezwungen, die revolutionäre

suggestiv. Sie werden als politisches Barometer nicht ernsthaft gewertet werden können. Erst am 3. No­vember wird sich ergeben, welcher Kandidat die Mehrheit der Wäblerstimmen auf sich vereinigen konnte, aber erst Anfang Januar bei der Abstim- muna der Wahlm nner wirb sich enticheiben, wer für die nächsten vier Jahre bas Weiße Haus in Washington beziehen wirb: Roosevelt ober Lanbon F. W. L.

Der Rex-Aufmarsch in Brüssel.

Scharfe Gegenmaßnahmen der Regierung.

Brüssel, 23. Okt. (DNB.) Der Kriegsminister hat sämtlichen Truppenteilen Befehl erteilt, von Sonntag früh 9 Uhr bis Montag indenKaser- nen z u bleiben und sich marschbereit zu halten. Die 6 2 Sonderzüge, die die Rex-Be- roegung bei der Eisenbahn angeforbert hatte, sind auf Weisung ber Regierung nicht genehmigt worden. Der Oberbürgermeister von Brüssel hat die Maueranschläge der Bewegung über­kleben lassen. Auch soll in ber ganzen Pro­vinz Brabant am nächsten Sonntag ber Fahrzeugverkehr scharf kontrolliert werden. Auf sämtlichen Zufahrtsstraßen nach Brüs- fei werben Absperrungen vorgenommen wer­den. Gendarmerie wird den Zugang der Rexisten auf Fahrzeugen verhindern.

Der Führer der Rex-Bewegung Lson De grelle hat in seinem OrganLe Pays R6el" seinen An­hängern erneut die Weisung gegeben, zu der Ver­sammlung trotz des Regierungsverbots in Massen zu erscheinen. Die Regierung

fei dabei, unter Mitwirkung der Regierungspar­teien alle verfassungsmäßigen Freiheiten zu verbie­ten. Gegen diese rote Diktatur, die das Land zu vernichten drohe, müsse ein gewalti­ges nationales Aufbäumen entstehen. Der Aufruf Degrelles schließt mit den Worten: Mut! Vertrauen! Vorwärts für unsere nationale Freiheit!"

In ber Nacht kam es in der Umgebung ber Börse, wo sich bas Haus ber Rex-Bewe­gung befindet, zu einem Zusammenstoß zwischen Marxisten und politischen Gegnern. Die Polizei nahm 40 Verhaftungen vor. Degrelle hatte seine Anhänger zu einemGemeinschaftsempfang" der Rundfunkrede van Zeelands eingeladen. Die Zufahrtsstraßen zum Rex-Haus waren so stark von Polizei abgeriegelt, daß die Versammlung nicht st a 11 f i n b e n konnte.

Verzweiflungsstimmung in Mdrid.

Die rote Regierung muntert ihre Kämpfer" auf.

Saint Jean de Luz, 24.Okt. (DNB. Funk­spruch.) Der roteMabrider Außenminister" Alvarez bei 23 a i) o hat im MabriberEl Liberal" einen Aufruf veröffentlicht, ber interessante Schlüsse auf die verzweifelte Stimmung im roten Lager zuläßt. Vayo sagt u. a.: Man könne Mabrib nicht verteidigen, wenn man an ber Front schreiewir werben um­gangen" oberwir werben auf den Schlachthof ge­führt" und auch nicht damit, daß man mehr Waffen