Ausgabe 
24.9.1936
 
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Aus der Provinzialyaupistadt

Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren....

Es war an einem der letzten schönen Sonnen­tage. Nach schwerem Morgennebel hatte sich die Sonne durchgekämpft. Die Welt lag in herbstlichem Glanze vor uns. Und er strahlte aus den Augen der jungen Mädchen, die zur Mittagspause aus dem Fabriktor strömten. In Gruppen zu dreien und vieren. Arm in Arm, spazierten sie mit munterem Geplauder auf und ab, aßen ihr Brot denn viele kamen von auswärts oder gingen hinein in das Dorf, um dort kurze Mittagsrast zu halten.

Die Fabrik lag einige hundert Meter vom Dorfe entfernt, an der Hauptdurchgangsstraße. Zu beiden Seiten war sie von schönen, gepflegten Gärten begrenzt. Gegenüber war ein hoher, mit Gras be­wachsener Rain, auf dem zahlreiche Obstbäume standen. Die Mädchen freuten sich des schönen Tages. Einige saßen am Straßenrand, andere be­suchten die Obstbäume, um zu sehen, ob ein paar Früchte herabgefallen waren, die dann einen kleinen Nachtisch bildeten. Sorgloses und fröhliches Ge­plauder begleitete die muntere Schar.

Plötzlich tönte ein neuer Klang durch die Land­schaft. Es war Gesang, ein Marschlied. Schon ver­stummte es wieder, aber durch die klare Herbstluft schallte ganz deutlich der feste Tritt einer mar­schierenden Kolonne. Die Mädchen auf dem Wiesen­rain machten lange Hälse und schauten. Da hatten sie auch schon etwas erblickt! Sie kamen herunter­gestürzt und riefen ihren Kameradinnen zu:Sol­daten kommen! Soldaten kommen!"

Nun tönte der Marschtritt schon ganz in der Nähe, und jubelnd zogen die Mädchen den Solda­ten entgegen. Es war nicht nötig, denn einige Kom­mandos erschollen, und schon löste sich der Zug der jungen Krieger auf. Die Gewehre wurden zusam­mengestellt, die Tornister flogen auf die Erde. Eine kurze Rast sollte die müden Glieder stärken.

Die Soldaten hatten schon einen schweren Marsch hinter sich. Um fünf Uhr waren sie abgerückt und waren fast ununterbrochen marschiert. Abgespannte Gesichter sahen unter den Stahlhelmen hervor, und die meisten der Soldaten legten sich an den Ab­hang des Hügels, um auszuruhen.

Da kamen die Mädchen aus der Fabrik, mit langsamen und stockenden Schritten, aber mit glän­zenden, neugierigen Augen. Nun war alle Müdig­keit auf den Gesichtern der Soldaten verflogen. Sie sprangen auf, lachten und gingen zu den Mädchen...

Es waren Gefährten der Freude: die jungen Mädchen mit den blanken Augen und die Männer im grauen Ehrenkleide des Vaterlandes. Es waren Kameraden des Frohsinns und der Jugend. Die Fröhlichkeit der jungen Menschen war gesund, auf­heiternd wie frisches Quellwasser, kräftigend wie der glänzend blaue Himmel über uns.

Munteres Geplauder und helles Gelächter er­füllten die Landschaft. Frohe Scherzreden flogen herüber und hinüber. Alles duzte sich, alles nannte sich mit Vornamen, ob sie stimmten, war einerlei. Die Mädchen vergaßen ihre Fabrik, die Soldaten ihre Müdigkeit. Unbekümmert, sorglos standen sie in Gruppen zusammen.

Längst hatte eine Glocke den Anfang der Arbeit in der Fabrik angezeigt, aber nun standen auch die Buben des Dorfes um die rastenden Soldaten, und niemand dachte daran, dem Rufe der Glocke zu folgen. Da flitzte ein Motorradfahrer heran und überbrachte eine Meldung. Befehle gellten durch die Luft ... Die Soldaten reichten den Mädchen die Hände, sprangen zu ihrem Gepäck ... Schon stan­den sie marschbereit ...

Im Gleichschritt ging es nun zum nahen Dorf, die Mädchen und Kinder links und rechts neben den Reiben.Singen!" kams von der Spitze. Und dann erscholl das alte schöne Soldatenlied:Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren ..." und Mädchen und Kinder sangen mit ...

Was das nicht wie eine kleine Feier im Alltags­leben? Da marschierten die Soldaten hinein in schweren Manöverdienst, dort saßen die Mädchen wieder wie sonst an ihrem Arbeitstisch. Aber sie summten immer nochWenn die Soldaten durch die Stadt marschieren ...", und in ihren Augen lag der Glanz der -Freude. H.

\ Dornoiizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Konzerte der Luftwaffe, 16.30 Uhr und 20.30 Uhr im Cafe Leib. Deutsche Arbeitsfront, Abt. für Berufserziehung und Betriebsführung, 20 Uhr

LichtbildervortragUrsachen der elektrischen Un­fälle und deren Bekämpfung" von Oberingenieur Aloensieben (Berlin) im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18. Gloria-Palast, Seltersweg:Mädchen-Pensionat". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Das Schloß in Flandern". Modeschau, 16 Uhr und 20.30 Uhr im Cafe Amend.

Modeschau im Cafe Amend.

Am heutigen Donnerstag, nachmittags und abends, findet im Caf6 Amend eine Modeschau statt. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige er­sichtlich.

Aufnahmen der Mrnbergfahrer des Gaues einsenden.

NSG. Don allen photographischen Aufnahmen, die anläßlich des Reichsparteitages 1936 in Nürn­berg gemacht wurden und die den Gau Hessen- Nassau betreffen, soll ein Exemplar an das Gau- organisattonsamt der NSDAP., Frankfurt a. M., Adolf-Hitler-Haus, eingereicht werden. Es handelt sich um solche Aufnahmen, die den Gau selbst be­treffen, die also in den Quartieren, bei den An- und Abmärschen zu oder von den Quartieren her­gestellt worden ftnb.

Gemeinschastsempfang des Handwerks im Gau Hessen-Hassan.

NSG. Sämtliche Handwerksmeister des Gaues Hessen-Nassau werden aufgesordert, am Montag, 28. September, in der Zeit von 16.30 bis 17.30 Uhr, ihre Handwerksgesellen und Lehrlinge anzu­

zur Last. Der Streitwert wurde auf 200 RM. fest­gesetzt.

Die Verhandlung der Klage des Hermann Röder in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamts Gie­ßen vom 10. Juni 1936 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für 1936 Kj. wurde zum Zwecke weiterer Beweiserhebung ausgesetzt.

Die Klage des Philipp Diener in Friedberg gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg vom 6. April 1936 wegen Versagung des Wanderge­werbescheins für 1936 Kj. wurde als unzulässig kostenpflichtig verworfen.

Die Verhandlung über die Klage des Moses Lindheimer in Lindheim gegen den Bescheid des Kreisamts Büdingen vom 27. Juni 1936 wegen Versagung der Legitimationskarte für 1936 Kj. wurde auf Antrag des Vertreters des Klägers vertagt.

^'.4? Die deutsche Arbeitsfront

WT' n.g.=6emeinfdiaft ,;firaft durch freute"

Am Sonntag, 27. September, findet eine Ornni- busfahrt nach dem Edersee statt. Die Fahrt geht über Gießen Marburg Frankenberg Edersee (Waldeck). Die Rückfahrt erfolgt über Bad Wildun­gen. In Waldeck wird Mittagessen eingenommen und ist längerer Aufenthalt vorgesehen für Damp­ferfahrten auf dem Edersee. Ebenso ist in Bad Wil­dungen Aufenthalt vorgesehen. Die Abfahrt erfolgt in Gießen um 8 Uhr, Rückkehr gegen 21 Uhr. Der Fahrpreis beträgt 4,70 Mark. Mittagessen kann durch die Kreisdienststelle vorbestellt werden. An­meldungen können umgehend noch auf der Kreis­

Fahnen heraus zur Braunen Neffe in Gießen

Vom Eröffnungstag Freitag, 25. September bis zum Erntedanktag, 4. Oktober.

Wir bitten alle Einwohner der Stadt Gießen und des Kreises Wetterau, durch regen Besuch der Braunen Wesse in Gießen dazu beizutragen, daß diese für unsere heimische Wirtschaft ein Erfolg wird.

Kreisleitung Gießen der NSDAP.

3.2L: Schmelz, Kreispropagandaleiter

halten, die Führerrede von der 4. Reichstagung der Deutschen Arbeitsfront auf dem Reichspartei­tag 1936 mit einem Vorwort Dr. Leys anzuhören. In den Betrieben, in denen es nicht möglich ist, daß die Gefolgschaftsmitglieder beim Meister in der Werkstatt oder in der Wohnung die Rede hören können, bittet die Gauwaltung der Deutschen Ar­beitsfront die Meister, ihren Gefolgschaftsmitgliedern freizugeben, damit sie an anderem geeigneten Platz die Führerrede mit anhören können. Es wird er­wartet, daß alle Handwerksmeister unseres Gaues diesem Wunsche nachkommen.

<3i ung des Provinzialausschusses.

In der jüngsten öffentlichen Sitzung des Pro- vinzialausschusses der Provinz Oberhessen am Sams­tag kamen folgende Verwaltungsstreitsachen zur Verhandlung:

Die Klage des Bezirksfürsoryeverbandes Stadt Frankfurt a. M. gegen den Bezirksfürsorgeverband Kreis Friedberg auf Erstattung von Krankenhaus­kosten für Reinhold Voigt wurde als unbegründet kostenpflichtig zurückgewiesen.

Dem Robert Jung in Freienseen war durch Beschluß des Kreisamts Schotten vom 18. Mai 1936 die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft in dem Hause Hauptstraße 4 zu Freienseen versagt worden. Die hiergegen erhobene Klage wurde, so­weit es sich um die Uebernahme der Schankwirt­schaft handelt, als unbegründet zurückgewiesen, und soweit es sich um die Errichtung einer Gastwirt­schaft handelt, wegen des bestehenden Sperrgesetzes als unzulässig verworfen. Die Kosten hat der Klä­ger unter Zugrundelegung eines Streitwertes von 500 RM. zu tragen.

Auf Grund der von dem Gastwirt Otto Wör - n e r in Geiß-Nidda gegen den Beschluß des Kreis­amts Büdingen vom 28. Januar 1936 erhobenen Klage wurde ihm die Ausdehnung seiner Schank­wirtschaft auf die neuerrichtete Kegelbahn geneh­migt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Kläger

dienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, entgegen­genommen werden.

Am Sonntag, 27. September, findet eine Fuß­wanderung statt. Der Weg führt von GießenAn­nerodSchiffenbergKlein-LindenGießen. Treff­punkt ist Ludwigsplatz 8 Uhr. Rucksackverpflegung.

Abschiedsabend

der Arbeitsdienstabteilung 5/222.

Im LagerJustus von Liebig" unserer Gießener Arbeitsdienstabteilung 5/222 waren gestern abend die Kameraden mit einer Anzahl Gäste zu einem letzten kameradschaftlichen Beisammensein vereinigt. Am morgigen Freitag verläßt die Mannschaft das Lager, nachdem ihre halbjährige Dienstzeit nunmehr zu Ende ist.

Der Leiter des Lagers, Oberfeldmeister Lösch, richtete herzliche Worte De* Abschieds an die fd)ei= denden Kameraden. Er erinnerte an ihren Einzug und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß, so betonte er, die jungen Menschen von Trier und von der Mosel, mit wenigen Ausnahmen, nach der guten Seite einschlugen und die Führung des Lagers mit der Mannschaft sehr zufrieden sei. Ober­feldmeister Lösch erinnerte dann an verschiedene Höhepunkte des vergangenen halben Jahres, an die großen Erlebnisse von vielen Kameraden des Lagers in Nürnberg, wo sie den Führer mehrmals sehen konnten, an die Arbeit auf dem Lande bei den Bauern im Busecker Tal, an das wohlgelungene Sommerfest und verschiedenes andere mehr. Der Redner forderte die scheidenden Arbeitsdienstmänner auf, die vielen schönen Stunden im Arbeitsdienst nicht zu vergessen, sich draußen im Leben für die Zukunft als ganze Kerle zu erweisen, die in das Dritte Reich passen. Sog.feine Pinkels" könne man nicht gebrauchen. Jeder solle sich selbst über­winden, solle schaffen, so viel er könne, solle immer die Ziele des Arbeitsdienstes vor Augen haben und immer weiter vorwärts streben. Jeder möge das

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Vornan von Ilse Schuster.

Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Morsen," ruft Leonhardt gut gelaunt. Aber die Habermann ist noch tücksch vom Tag zuvor, sie brummelt etwas in ihren sichtbaren kleinen Bart und knallt die Haustür wieder hinter sich zu.Na, denn nid)," sagt Leonhardt und zieht sich zurück. Seine Blicke wandern wieder über die vielen Bü­cherrücken, er weiß, es sind über sechstausend, alle wollen ihm helfen, das Geld zu verdienen, das der Mensch nun mal zum Leben nötig hat. Er seufzt ein wenig, es wird ihm, je mehr die Uhr die Stunde zu Minuten zertickt, immer schwüler. Er hat sehr wenig Ahnung von Büchern, noch weni­ger von den Leuten, die sie geschrieben haben, er fann nur hoffen, daß jeder Kunde, der die Leih­bücherei betritt, genau weiß, was er will.

2Iber so bald scheinen sie nicht aufzustehen, denn es wird zehn Uhr, ehe die Ladenklingel zum ersten Mal anschlägt. Leonhardt gibt sich einen Ruck und läßt den halb ausgepackten Koffer stehen.

Heil dir, mein Sohn!" schreit er fast, denn da steht ja Fritz!Menschenskind, das ist ja wunder­bar, aber woher nimmst du denn die Zeit? Ich denke, du knipst am Bahnhof Wedding deine U.- Bahnkarten?"

Mach ick, mach ick, aber jetzt habe ich Ferien. Janze fünf Tage. Gestern is nun schon einer wech mit Schaden, und die nächsten verleihe ich Bücher. Haste denn schon Kaffee getrunken, oder die kalte Milch ringeschüttet? Mutter hat mir ne kleine Tüte Bohnen spendiert, sie läßt dich schön grüßen, und wenn du uff den Sonntag nicht gerade bei nem Kommerzienrat zu Pute eingeladen bist, fannfte bei uns 'nen Löffel Suppe mitnaschen du, da kommt eener! Ick verzieh mir an den Jaskocher, ick hab doch feene Ahnung morjen, die Dame " Es ist eine schlanke, junge Frau, anscheinend aus der Nachbarschaft, sie hat keinen Hut auf und nichts weiter in der Hand als ein Buch. Leonhardt

im Wolde rückt sich den Schlips gerade, obgleich das gar nicht nötig ist, will eben nach den Wün­schen fragen.

Also, Sie sind der neue Mann hier? Na, da wirds wohl endlich mal klappen. Ich bin Frau Reinwaldt." Dabei nickt sie beifällig, stellt sich an den kleinen Ladentisch, und Leonhardt weiß im Augenblick nicht, was er tun soll. Sie hält ihm schweigend die Lesekarte hin du lieber Himmel was denn, wo denn!

Kundenkartothek," schreit es da von nebenan, steht rechts unten!"

Leonhardt nimmt sich vor, dem Kameraden für die erste Schützenhilfe einen Doornkat zu spendie­ren, immerhin eine verteufelte Sache, ohne jede Vorbereitung Lese- und Kartothekkarten richtig ab­zustempeln. Aber es geht besser als er dachte, und nun kommt der zweite Teil. Aber Frau Reinwaldt scheint eine von jener Kategorie Kunden zu sein, die weiß, was sie will.

Das Buch hat mir nicht gefallen, nur Kriminal, gar keine Liebe. Vier Tode, nee, das ist mir auf die Nacht viel zu traurig, da träumt man ja von. Ich kann nämlich immer nur abends lesen, wenn die Kinder im Bett sind, tagsüber hat unsereiner keine Zeit dazu. Ich will mal was mit viel Liebe, wo man auch bei lachen kann, und was auch mal meine Aelteste mitlesen fann, ohne daß sie einen Sachen fragt, die man selber nicht weiß."

Frau Reinwaldt steuerte auf die Abteilung Frauenromane" zu und langt sich nach kurzem Suchen selbst ein Buch vom Regal. Dann hält sie Leonhardt im Wolde wieder ihre Lesekarte hin, er stempelt, macht ein verbindliches Gesicht und streicht sich die ersten dreißig Pfennig Verdienst ein. Dann sagt erAuf Wiedersehen", macht Frau Reinwaldt die Tür auf, knallt die Absätze zusammen, und dann sieht er in Fritzes strahlendes Gesicht. Für Sekunden starren sie sich an. Der erste, der loslacht, ist Fritz.

Mensch, bet Jeschäft ist richtig! Bißchen stem­peln, 'nen Diener machen und ein nettes Kuller­auge, und schon regnet es Pinkepinke! Riechste was?"

Er steckt seine Stupsnase in die Luft und klopft sich den Magen. Mutter hat reine Bohnen spen­diert, Leonhardt, bloß Tassen haste keine, ich habe die Biergläser von gestern Abend bißchen frisch ge­macht. Am Tag siehts hier janz jemütlich aus,

weeßte. Sogar bißchen Sonne friegfte ab, nid) ge­rade uffn Tisch zum Anfassen, aber sie hängt doch überm Haupte in der Luft."

Dann sitzen sie vor den dampfenden Gläsern, streichen sich zur Feier des Eröffnungstages die Butter fingerdick auf die frischen Brötchen, und Leonhardt im Wolde ist heilfroh, daß -.er nicht allein hier herumsitzt.

Daß du nun aber deinen wohlverdienten Ur­laub hier in der Bude verhocken willst, Fritz, statt irgendwo im Grünen, steht ja nun nicht drin."

Halt die Luft an, halb so wild, dafür willste mich ja auch nach Hamburg fahren, und wennde da meine Mutter mitnimmft, Leonhardt, denn haste ein reichlich gutes Werk getan. Sie is doch nu schon bald fünf Jahre nich to Hus gewesen, und Groß­vater Petersen tät sich bannig freuen."

Ist in Ordnung, Fritz. Wenn ich euch am Sonntag in den Suppentopf falle, können wir ja alles Nähere bereden. Das mit deinem Milchmäd­chen hat übrigens wunderbar geklappt. Da brauche ich ja gar keinen Wecker, sie kommt so gerade rich­tig." Leonhardt holt sich die erste Morgenzigarette, gibt Fritz eine ab und hat nichts dagegen einzu­wenden, als der sagt:

Ick jehe nachher rum und kaufe das Mittag ein. Zwei Würfel für Kartoffelsuppe und für jeden ein Paar Würstchen. Dann werde ich hier erst mal bißchen Staub wischen, haste nen Pinsel für bas viele Schnitzzeug? Ein unmobernes Möbelstück, bie Truhe unb bie Uhr. Wie bu bie Ungetüme bloß alle in ben Wagen rin gekriegt hast, ich"

Du, Fritze, Wagen! Ist der Ingenieur Herbe­gen noch im Sturm?"

Nee, ber muß jetzt in Charlottenburg sein, der ist umgezogen. Kannste morjen wissen. Was willste benn von bem?"

b b?"^C^n $ßr ^0^ auch mit Motoren ge-

Fritz Labegast sagt nichts, er schüttelt"ben Kops unb interessiert sich für das Schnitzwerk ber fries­ländischen Truhe. Die Tür zum Laden läßt er offen, damit er immer im Bilde ist, was draußen vor sich geht.

Der Betrieb läßt sich fürs erste sehen, bie halbe Würzburger Straße rückt an, bringt Bücher zu­rück, verlangt neue unb wirft einen mehr als aus­giebigen unb interessierten Blick auf ben neuen In­haber unb seine Umgebung.

Arbeitsdienstlager Gießen in guter Erinnerung halten. Das Lager habe nicht Hvnigbrot bieten können, vielmehr habe es manchmal auch hart her« gehen müssen, wie es sich im Kreise deutscher Man« ner gezieme. Mit herzlichen Wünschen für bie Zy« funft schloß ber Oberfeldmeister seine Ansprache an die Kameraden.

In angeregter Unterhaltung vergingen Die Stun­den. Musik und Tanz schufen die notwendige Stim­mung, und Vorlesungen aus der humorvollen Ab­schiedszeitung lösten manches stürmische Lachen aus. In kameradschaftlichem Geiste fand der Abend gegen Mitternacht seinen Abschluß.

25 Lahre im Dienste der Gießener Straßenbahn

Am morgigen Freitag, 25. September, können die Straßenbahnwagenführer Wiegand G n a u, Licher Straße 103, und Konrad Damm, Anne- röder Weg 26 wohnhaft, auf eine 25jährige Tätig­keit als Wagenführer der Gießener Straßenbahn zurückblicken. Beide Jubilare zählen zum alten Mitarbeiterftamm unserer Elektrischen, denn sie traten bereits zwei Jahre nach der Einrichtung der Straßenbahn in deren Dienst.

Herr G n a u wurde, von bem Vertrauen seiner Arbeitskameraden getragen, neben seiner beruf­lichen Arbeit noch mit der ehrenamtlichen Tätigkeit als erster Kassierer des im Jahre 1910 gegründeten Gießener Straßenbahnervereins betraut, in dessen Vorstand er über 10 Jahre lang in vorbildlicher Amtsführung zum Besten der ^>traßenbahner- kameradschaft mitarbeitete. Sein Bestreben ging immer dahin, den Geist der Kameradschaft unter den Straßenbahnern im Dienst und auch außer­halb ber Dienstzeit nach besten Kräften zu pflegen unb zu vertiefen, um dadurch die Berufsgemein­schaft ber Straßenbahner so innig wie möglich zu gestalten. Diese vorbilbliche Arbeit im Dienste ber Gemeinschaft war es auch, bie ihm bas weitere Ehrenamt bes Blockwarts der Gruppe Straßenbahn innerhalb der Gesamtbelegschaft des Gießener Elek­trizitätswerks brachte; auch dieses Amt wurde von ihm allezeit in mustergültiger Weise versehen.

Herr G n a u sowohl, wie auch der andere Jubi­lar, Herr Damm, waren im Verlaufe ihrer bis­herigen Dienstzeit allezeit bestrebt, über ben Kreis ihrer Berufskameradschaft hinaus auch mit ber gesamten Gießener Bevölkerung, bie ja ben Haupt­teil ber Straßenbahnbenutzer barstellt, stets in gutem Einvernehmen zu stehen. Daher erfreuen sich beibe Jubilare auch sowohl bei ihren Vorgesetzten, wie bei ihren Arbeitskameraden unb in weiten Kreisen ber Gießener Bevölkerung großer Wert­schätzung unb vielfacher persönlicher Freundschaft.

Vorsicht beim Drachensteigenlassen?

Wieder steigen die Drachen hoch in die Luft. Aber nicht nur Vergnügen, sondern auch Gefahren können daraus entstehen. Deshalb soll folgende Warnung über bas Drachensteigenlassen in ber Nähe elektrischer Leitungen beachtet wer­ben:

Es wirb gewarnt, Papierbrachen im Gefahren­bereich elektrischer Starkstromleitungen steigen zu lassen. Dadurch, daß sich Drachen in den Stark­stromleitungen der Ueberlandwerke verfingen, ent­standen schon häufig erhebliche Schäden an den Leitungen. Ganze Bezirke wurden von der Strom­zufuhr abgeschnitten und Fabriken stillgelegt. Auch Lebensgefahr besteht für den Halter bes Drachens. Jugenberzieher unb Eltern werden deshalb geboten, auf ihre Kinder und Schutzbefohlenen im S'nne dieser Warnung einzuwirken, da sie für deren Tun und für den angerichteten Schaden zu haften haben.

Verwickelt sich nun ein Drachen in der Leitung, so ist bas Ziehen an ber Schnur wegen ber bamit oerbunbenen Gefahr unb mit Rücksicht auf Lei­tungsstörungen zu unterlassen. In solchen Fällen muß bas Elektrizitätswerk schnellstens benachrich­tigt werben (Telephonauslagen werben gewöhnlich vom Elektrizitätswerk ersetzt), bamit ber Drachen bei ausgeschalteter Leitung entfernt werben kann.

*

** Einstellung bes Postanweisungs« Verkehrs mit Spanien. Auf Veranlassung ber spanischen Postverwaltung in Mabrib wirb ber Postanweisungsverkehr nach unb aus Spanien ein­gestellt.

** Herb st fahrt ber Reichsbahn. In unserem gestrigen Anzeigenteil hat bie Reichsbahn­birektion Frankfurt a. M. zu einer Herbstfahrt zum Oktoberfest in München ober nach Berchtesgaden eingeladen. Näheres ist aus der Anzeige ersichtlich, auf die besonders hingewiesen sei.

Der machts länger wie die anderen," sagt drau­ßen ber Eisenhänbler Lorenz zur Habermann, bie ihre Schweinerippchen wohl versorgt im Sauerkohl­topf weiß.

Gloobste! Wenn eener schon mit vier Brötchen und nen halben Liter Milch anfängt! Sparen wird er erst mal lernen müssen, der Herr Ladeninhaber! Mehr wie tausend Mark hat er doch ooch nich ab- jezahlt, und zwölfhundert muß er noch abstottern, halb jeschenkt hat er ihn bekommen, den Laden"

Der alte Lorenz tippt nur an seinen Mützenrand und geht bann weiter. Der Habermann ihren Schandschnabel kennt er nun schon an bie zwanzig Jahre. Da hat ihr ber Blonbe wohl unversehens auf bie Hühneraugen getreten ... na, ihm ge­fällt ber Junge . . .

4. Kapitel.

Wer ist bie Blondine auf bem zweiten Platz, bie eben mit ©übt spielt?" John Herbing trinkt seine Drangeabe unb läßt babei keinen Blick von ben Spielern. Sein Klubkamerab Bartel wirb auf­merksam, er lacht kurz.

Hanna Brandes. Sie spielt heute miserabel."

Hat dem Güdt den ganzen Satz vermasselt. Aber das interessiert mich nicht. Mich interessiert bie Frau. Habe ich hier noch nie gesehen."

Du machst dich ja auch selten. Bei Hanna Branbes wirst bu kein Glück haben, Herbing, sie ist unsentimental unb burchschaut unlautere Absich­ten. Willst bu spielen?"

Unlautere Absichten?" Herbing nimmt erstaunt die Zigarette aus dem Mund. Seine lebhaften dunklen Augen weiten sich. Er verzieht das Ge­sicht zu einem kleinen Lächeln.Wer sagt dir benn, daß ich welche habe? Außerdem schwärme ich nicht für Sentimentale. Im übrigen weiß ich immer noch nicht, wer diese Hanna Brandes eigentlich ist. Aber wenn du selbst Absichten hast, bitte, ich will dir keine unangenehme Stunde bereiten." Herbing will aufstehen, er ist ärgerlich.

Moment. Ich hatte, habe unb werbe keine Ab­sichten haben, sie ist gar nicht mein Typ. Mir gefällt Lena viel besser.

Die Tochter vom Rechtsanwalt aus ber Singer Straße. Bist bu nun im Bilde?"

Schwer."

(Fortsetzung folgt.}