Ur. 224 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 24. September 1936
Westen, und damit unsere Existenz,! Paktangebote immer aus einem kränkenden Miß- >5 französisch - sowjetrussischen Bund- trauen heraus geboren werden sie als Siche- itergeordnet wissen will. Die rung der „Friedlichen vor dem „Un- k ist Weltpolitik, für die Europa nur friedlichen" gewerte . Man bedenkt gar nicht,
Regelung im
Reisebilder aus der bayerischen Ösimark
können.
Bei Kauzenbach, abseits von jeglichem Verkehr, wohnt in einem einsamen' Häuschen im Walde ein H o l z d r e ch s l e r u n d -s ch n i tz e r , der gerade dabei war, hölzerne Abzeichen für eine RSB.-Samm- lung zu schnitzen. Die ganze Familie war damit beschäftigt, zu bemalen, zu lackieren, für gute Trocknung und schnelle Herbeischaffung des Materials zu sorgen. Auf Tischen und Arbeitsbänken stand eine Unmenge fertiger und halbfertiger holzgedrechselter Teller, Leuchter und Wirtschaftsgegenstände. Das Wohnhaus
le-icht geneigten Hauptes, wie der pantherbegleitete Bacchus an seinen Thyrsusstab, die Rebe scheint das süßeste Sinnbild der Leichtheit, der Erdenschwere enthobener Freude, Sinnbild des unablässig Winkenden. Sinnbild der Lyrik vielleicht auch, deren Vorrecht es ist, das Unsagbare zu jagen.
schaftsarbeit geleistet wird, die dem nationalen Aufbau dient. Wie dieses Beispiel zeigt, geht das auch ohne größere Mittel, wenn nur der rechte Wille da ist.
Verschiedene größere Güter des Bayerischen Waldes waren durch den verheerenden Windbruch im Jahre 1929, der einen großen Teil wertvoller Forstbestände vernichtete, in schwierigste Verhältnisse und zum Teil unter den Hammer gekommen. Hier wurde vor Jahresfrist eine Anzahl Reubauernstellen eing^richtet, denen man es schon heute ansieht, eine wie vorbildliche Arbeit geleistet worden ist. Die uns von dem zuständigen Wirtschaftsberater gezeigten Höfe in Buchenau, hart an der Grenze, und m Oberzwieselau waren uns hierfür Beweis genug. Mit großer Freude erzählen auch hier die Siedler und Siedlerfrauen von zielbewußter Gemeinschaftsarbeit und voller Stolz von bereits erzielten Wirtschaftserfolgen. Denn für diese Neubauern, die sich schließlich in gänzlich neue Wirtschaftsverhältnisse einleben mußten, bedeutet es sehr viel, wenn die Aufzucht- und Haltungserfolge z B im Milchviehstall, der hier ja eine besonders große Rolle spielt, so groß sind, daß sie schon im ersten Wirtschaftsjahr erste Preisträger auf Ausstellungen unter ihrem Vieh hatten.
Der bäuerliche Nachwuchs dieser Gegend findet die notwendige zusätzliche Fachbildung in den Landwirtschaftsschulen, in erster Linie in Z w i e s e l; und die kulturelle und weltanschauliche Schulung erfolgt m vorbildlicher Weise in der Bauernschule Waldkirchen. Mit einer Freude und Begeisterung sind die jungen Männer hier bei ihrem Tagesdienst, wie man es in früheren Jahren gerade für den Jungbauern nicht für möglich gehalten hätte. Mit Frühsport fängt der Tag an. Vorträge und Aussprachen, an denen sich die jungen Männer ausnahmslos sehr aktiv beteiligen, wechseln ab mit Turnen, Freiübungen, Volkstanz und Volksliedsingen. Und wenn die jungen Leute nach wenigen Wochen wieder nach Hause kommen, bringen sie eine kulturelle Grundlage mit, auf der sie ihre ganze Lebenshaltung aufbauen
den Weg der Zusammenarbeit mit Deutschland wieder freizumachen. Es ist nicht unsere Schuld, daß heute für ein gegenseitiges Garantie-Abkommen im Westen durch die französisch-sowjetrussische Bindung ganz andere — und gewiß nicht vorteilhafte — Verhältnisse geschaffen worden sind, denen wir Rechnung tragen müssen.
England ist sich seit der Märzkrise insofern treu geblieben, als es sich auch heute mit unverkennbarem Eifer um eine Ueb erb rückung dieses deutsch-französischen Gegensatzes bemüht. Aber diese Rolle des „ehrlichen Maklers" hat n o cf) keine Klarheit im Entscheidenden gebracht: ob nämlich England mit einem Westpakt einen neuen Anfang zugunsten vernünftiger europäischer Si- cherheits-Verhältnisse gemacht sehen oder ob es die
über die Konferenz selbst.
Herr Blum hat in der vergangenen Woche wieder sein Bekenntnis zur „kollektiven Sicherheit", zum „unteilbaren Frieden" erneuert. Kem Zweifel, daß er dem Ausgleich mit Deutschland in diesem System einen ehrlich gemeinten Platz einräumt und jeden Gedanken an Einkreisung entschieden zurückweisen wird. Maßgebend ist aber nicht die wohlklingende Formel, maßgebend ist vielmehr, daß diese „kollektive Sicherheit" durch die französische Bündnispolitik und das ganze Geflecht der Pakte den Charakter eines Netzes erhalten hat, das wir aus verständlichen Gründen mit Mißtrauen und Zurückhaltung betrachten: Im Grunde wurzelt ja auch der Eifer, den England für eine europäische Gesamtregelung entwickelt, in der Vorstellung, daß die gestärkte Energie und Macht des neuen Deutschland „gebändigt" werden müsse. Weil immer noch in den Köpfen mancher Leute die Vorstellung von dem sagenhaften „Expansionsdrang" Deutschlands spukt, deshalb werden alle
Vorfragen.
Von Or. Hans von Malotiki.
Eben erst von seiner Erkrankung genesen, hat der englische Außenminister die knappe Zeitspanne, die ihm bis zur Abreise nach Gens zur Verfügung stand, noch benutzt, um die Vorverhandlun - gen über d i e Westmächtekonferenz in Gang zu bringen. In diesem eiligen Schritt spiegelt sich das starke Interesse Englands wider. Zugleich bestätigt er, daß auch England eine gründliche diplomatische Vorbereitung für notwendig hält. Daran war freilich, gerade bei den Erwartungen, die die englische Politik an das Zustandekommen der Konferenz knüpft, nie zu zweifeln. Denn auch England weiß, daß bisher noch nichts geschehen ist, um die materiellen Konferenz-Voraussetzungen zu schaffen; andererseits ist man sich auch dort des Schicksals der internationalen Konferenzen der letzten Jahre, bei denen die Partner mit völlig verschiedenen Marschrouten erschienen, wohl bewußt. Wenn von deutscher (Seite auf die Notwendigkeit vorheriger Verständigung über Zweck und Umfang der Konferenz hingewiesen wurde, so geschah es ebenfalls, um der Serie der Konferenzmißerfolge nicht einen weiteren Mißerfolg anzufügen, der angesichts der ohnehin gespannten zwischenstaatlichen Verhältnisse erst recht folgenschwer wäre. Dies alles sind Selbstverständlichkeiten, und ein besonderer Hinweis darauf würde sich erübrigen, hätte nicht der deutsche Wunsch nach Klärung des Vorfeldes den Vorwand für allerlei unfreundliche Kommentare abgegeben.
Es ist also gegenwärtig noch nicht zu sagen, ob die Festsetzung eines Konferenzdatums gelingen wird. Das hängt von dem Ergebnis der Vorverhandlungen ab, die England nun mit Beschleunigung eingeleitet wissen will. Sie deutschen Ziele sind klar. Die Reichsregierung hat bereits im März, bei der Aufkündigung des alten Locarno-Vertrages, ausdrücklich ihre Bereitschaft erklärt, einen neuen Pakt im Westen, der die Grenzen der beteiligten Mächte garantiert, abzuschließen. Welche Absichten aber verfolgten d i e anderen? Es ist hier und da von Schwierigkeiten gesprochen worden, die sich aus dem Verlangen Frankreichs und Englands nach Hinzuziehung der Sowjetunion ergeben könnten. Das ist ein Irrtum, der auch in der am Ende der vorigen Woche den Mächten übermittelten Note des englischen Außenministers keine Stütze findet. Nicht die Hinzuziehung der Sowjetunion zu einem Kreis, in dem sie schon auf Grund ihrer geographischen Lage nichts zu suchen hat, steht zur Verhandlung. Wohl aber muß Klarheit über das Verhältnis geschaffen werden, in dem das Osten und Westen verklammernde französisch-sowjetrussische Baktsystem zu einer Regelung im Westen tehen würde. Dies und nicht etwa der Wunsch Frankreichs und Englands, nach Abschluß einer Westvereinbarung zu einer „allgemeinen Regelung" zu gelangen, ist die entscheidende Frage. Denn auch Deutschland will ja die Verhältnisse im Westen und im Osten bereinigt sehen. Wer das bestreitet, wird gut tun, den Friedensplan Adolf Hitlers nachzulesen. Allerdings: wie diese Regelung aussehen kann, das hängt nicht nur von unserer bereits ausgesprochenen Bereitschaft, sondern vor allem von dem Willen Frankreichs ab,
Ganz kleine Geschichten.
Der berühmte russische Sänger Schaljapin hatte einmal den größten Kummer mit dem amerikanischen Zollwesen. Er war von einer Gastspielrundreise nach Neuyork zurückgekehrt und wollte das Land wieder verlassen, der Dampfer wartete, aber die Zollbeamten hielten es für nötig, das Gepäck des fremden Herrn so gründlich zu durchsuchen, daß es haarsträubende Verzögerungen in der allgemeinen Abfertigung gab.
Endlich nahm eine ungeduldige Dame, deren Koffer ebenfalls zur N"vision Vorlagen, einen der Beamten beiseite und flüsterte ihm zu:
„Wissen Sie denn nicht..., der Herr ist doch der berühmte Schaljapin, der Mann mit den Millionen in der Kehle!"
„In der Kehle?" wiederholte der Zollbeamte erstaunt.
Und dann wandte er sich um, sah streng den Sänger an und sagte:
„Folgen Sie mir, bitte. Wir werden eine Röntgenaufnahme von Ihnen machen!"
und Moskau" die Rede ist, so läßt auch das erkennen, wie sehr England um seiner außereuropäischen Interessen willen bereit ist, in Europa krumm gerade sein zu lassen.
Da in Belgien der Wunsch nach einer ersprießlichen Regelung im Westen aus naheliegenden Gründen sehr ausgeprägt ist, andererseits die italienischen Vorbehalte wegen der noch ausstehenden Anerkennung der in Abessinien geschaffenen Tatsachen bekannt find, bleibt als weitere wesentliche Frage, von welcher Auffassung die französische Politik hinsichtlich des Westpaktes geleitet wird. Rein äußerlich gesehen, ist jenseits des Rheins seit den aufgeregten Marztagen eine sichtliche Beruhigung und eine maßvollere Beurteilung der Lage eingetreten. Aus den letzten Reden von Blum und Delbos war immerhin zu entnehmen, daß Frankreich gegenwärtig an einer Ersatz-Vereinbarung im Westen, die Deutschland mit umfaßt, mehr liegt, als an der Herbeiführung jenes Bündnisses auf Gegenseitigkeit, das mit England im März „für den Fall des Scheiterns" vorgesehen war. Daß der „Temps" sich trotzdem nicht enthalten konnte, diesen Trumpf vorsorglich auszu- spielen, wird man demgegenüber wohl auf sich beruhen lassen können.
Die Anknüpfung eines deutsch-französischen Gespräches vom Wirtschaftlichen her, die unter dem Einfluß des Generalstabs vorgenommene Gewichtsverlagerung der französischen Politik auf die Linie Warschau — Bukare st — Belgrad — dies alles schließlich sind ebenfalls Anzeichen einer Entwicklung, die dazu beitragen könnte, die unheilvolle Intimität mit Moskau abzumildern. Allerdings: Noch scheint Herr Blum der Ansicht zu sein, daß man das eine tun könne, ohne das andere lassen zu müssen. Und der Hinweis in seiner Rundfunkrede, Frankreich werde allen Verpflichtungen treu bleiben, soll doch wohl bedeuten, daß der französische Regierungschef die intime Freundschaft mit Polen mit dem französischsowjetrussischen Bündnis für vereinbar hält. Dies ist nicht unsere Sache. Um so mehr sind wir aber daran interessiert, ob Herr Blum mit dieser Einstellung etwa auch an die deutsch-französische Frage Herangehen und die Möglichkeit ehrlicher Verständigung und Zusammenarbeit, trotz dieses Bündnisses mit Moskau, immer noch behaupten will. Auch dies ist ein entscheidendes Problem der Vorverhandlungen, ja mit seiner Klärung in dem einen oder dem anderen Sinne fällt schon die Entscheidung
Ieitschn'^n.
— lieber den Bergtod auf der Eigei-Noi'dwand bringt das September-Heft der Alpcnvcrcmszcit- schrift „Der B e r g st e i g e r" (Verlag Bruckmann, München) einen erschütternden Bericht. In knappen und zu Herzen gehenden Worten schildert Gunther Langes das furchtbare Geschehen und bei der Frage, ob diese Tat zu verwerfen war, spricht er das einzig richtige Urteil: „Sein Leben geben zu müssen, ist die letzte Grenze der Vollkommenheit aller Sühne". Aus dem weiteren Inhalt seien hervorgehob-m: Der Aufsatz „Am sechsundzwanzigsten Juli", der die Bedeutung der ersten Alpennereinssonderfahrt nach Tirol bei' der Hauptversammlung würdigt und dem aiich eine Reihe von Bildern von diesem frohesten aller Feste beigegeben sind — „Frühe Alpen- darstellungen" von Heinz Landgrebe und ein Auszug aus „Goethes Brennerfahrt" mit alten Stichen illustriert — „Monte Rosa Ostwand" von Hermann Franke mit einem Farbbild nach einem Gemälde des Verfassers.
Während eines Manövers kam ein französischer Oberst in eine Stadt, wo er früher einmal in Garnison gelegen hatte. Gleich nach seiner Ankunft beschloß er daher, den alten Bekannten einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Er ließ einen Wagen kommen und stieg ein, entdeckte jedoch im letzten Augenblick, daß er die Besuchskarten hatte Hegern lassen.
„Berlin", sagte er zu der ihn begleitenden Ordonnanz, „laufen Sie hinein und holen Sie meine Karten, sie liegen auf dem Schreibtisch."
Vor vielen Häusern ließ der Oberst den Wagen halten, und die Ordonnanz mußte eine Karte abgeben. Nachdem sie eine gute Stunde gefahren waren, sagte der Oberst:
„Nun fehlen noch der Tierarzt X., Frau de 5)., der Postdirektor und der Bankdirektor Z., dann sind wir fertig."
„Aber das geht nicht, Herr Oberst , erwiderte die Ordonnanz, „ich habe nur noch Herzdame und Pikbuben." w-K-
„Wirt und Gäste
im Goldnen Mster zu Butzbachs
Frau Marie W a s l e , Gießen, schreibt uns:
Bezugnehmend auf die interessanten Ausführungen „Wirt und Gäste im ,Goldenen Ritter' zu Butzbach in den Jahren 1798 bis 1800" von Dr. jur. Moritz Hanfult („Heimat im Bild", Nr. 37 und 38, vom 10 und 17. September d. I.) möchte ich zu den angeführten Personen, die in Butzbach und Umgegend ein Amt verwaltet haben, ergänzend berichten, daß der mit dem Vermerk „Woher?" bezeichnete Marsch- commissär H i s s e r i ch aus Grünberg stammte, Jurist und erster Verwaltungsbeamter in Butzbach war. Es war mein Ururgroßvater; von den Franzosen soll er zum Fenster hinausg^stürzt worden sein, weil er deren unverschämte Forderungen nicht erfüllen wollte und wohl auch nicht konnte. Seine Töchter wurden während der Franzosenzeit versteckt gehalten. Seine r^ran, geb. S e i 1’ •> ( au* Butzbach, zählte unter ihren Vorfahren den Generallandschaftssyndikus Dr. jur. Hildebrandt in Pommern, der erster Beamter dieses Landes während des Dreißigjährigen Krieges war. Es ist schon viel über diesen charakterfesten Mann geschrieben roorb'n. In Albumblättern meiner Urgroßmutter Hisserich, vermählt mit Capitaine Mändl, finden sich zahlreiche Namen aus dem Hansiiltschen Bericht, ebenso Namen alt- hessischer Familien.
nun nach Südosten wenden würde. Am 11. Juli d. I. hat Deutschland den Ausgleich mit Oester- reich geschaffen. In England hörte man anerfen- nenbe Worte, aber zugleich auch die Frage, wohin sich Deutschland nun wenden würde, da seine bis dahin im „deutsch-italienischen Gegensatz gebundenen Kräfte frei" geworden seien! So seltsam es klingen mag: England sah in dem deutsch-österreichischen Ausgleich erhöhte Gefahr für den Osten, genau fo wie in der Rheinlandbesetzung. Daher das große!Interesse an der „Gesamtregelung", für die der Westpakt den Anfang bilden solle.
Wird aber jede deutsche Friedenstat nur Anlatz zu verstärktem Mißtrauen, wird jede Beruhigung, die Deutschland in seinem Lebensraum schafft, nur als ein Manöver gewertet, das unfriedlichen Absichten an anderer' Stelle desto sicherer den Weg bahnen soll, dann fehlen alle Voraussetzungen für eine wahre Verständigung. In diesem Zustand befindet sich aber noch immer die Politik Frankreichs und Englands, und das ist die eigentliche Schwierigkeit für die Schaffung vertrauensvoller Verhältnisse in Europa.
Streifen, und jeder Streifen hat seine eigene, streng persönliche grüne Farbe. Es läßt sich nicht nachzählen. Es mag hier fünfhundert Spielarten in Grün geben. Denn grün, grün ist alles. Strom, Wiese, Wald, Rebenhang.
Ich habe alle die Tage an der Mosel nach einem hellen Wort gesucht, das all diese liebliche Mannigfalt zusammenfaßt. Nicht ich, Hilde hat das Wort gefunden. Hilde, fünfundzwanzigjähvig, schöne Hilde, Reisegenossin von Alf bis Zeitigen. Wir hörten die Mutter fragen: „Wie gefällt dir das eigentlich. Hilde?" Und Hilde tat ihren hübschen Mund auf und antwortete ohne Besinnen: „'zückend, Mutti. Einfach 'zückend."
Am vierten Tag in der Dämmerung, dunkel gegen schwarzgrünen Grund, wurden die Türme von Trier sichtbar. Und dann kam das gewaltige Erlebnis dieser Stadt, herrlichen Kleinods des Vaterlandes. , ,,
Ernsthafte Gespräche. Es stand zur Debatte, ob Goethe den gleichen Weltruhm gefunden hätte, wenn er mit Vornamen Alfred getauft wäre. Die Frage wurde bejaht. Es wurde gestritten, wieviel Schwalben es in Deutschland gäbe. Otto und ich meinten, auf jeden Deutschen käme eine, aber Linde verschwor sich, auch nicht eine halbe. Die Frage kam auf, was von Propheten zu halten sei. Die Entscheidung wurde getroffen, daß es zu ihrem Berufsgeheimnis gehöre, sich möglichst undeutlich auszu- drücken. ,
Weshalb waren wir lustig? Wenn man auf Reisen geht, soll man sich selbst zu Hause lassen. Das hatten wir getan.
... Wer hat nicht schon einmal Moselwein getrunken? Mir war auf dieser Fahrt tagtäglich zumute, als tränke ich diesen Wein zum erstenmal. Es ist zu fingen und zu sagen von diesem Wem, der hier wächst, und der Rebe, die ihn reifen lasst. Dieser Wein der schon deshalb liebenswert ist, da er von allen Weinen der Welt der. blondeste ist, hat alle Eigenheiten sonst gewohnter Blondhest auch. Jene sanft berauschende Pastorentochterb'ondhe.t. - ach, so sah ich sie einmal als Kind tm Kirchdorf Goldbach unweit Tapiau. Honiggelbe Blondheit, leisen Duftes voll, in die Gottvater Vernunft und Unvernunft alles in eins gemischt hat; so freilich, daß Vernunft gegen sie nicht aufkommen kann und Unvernunft verständig gemacht, sagen mir: leicht lächelnd getröstet wird. Bernsteinblasse BlondheU, die man 'trinkt, wie man Mozartmusik trinkt. Moselwein ist wie erste Liebe.
Und die Rebe, u,nter deren gerollter Ranke und scharfgezeichnetem Blatt die Traube reift Rebe die sich an den dunklen festen Rebstock schmiegt,
Moselsahrt im Herbst.
Von Carl Bulcke.
Als wir zu dritt in Koblenz gegen Abend in die Bahn stiegen, um nach Kochern zu fahren, ließ uns das Mojeltal mif[en, daß mir willkommen fe,en. Das Moselland hatte uns nebenan junge Leute hm- gesetzt, und sie klangen und fangen juchhei. Das taten wir denn auch: Es gab Wern tm Zuge zu kaufen; wir standen am Fenster und sahen auf herbstbeglänzte, rebenhügelbekranzte..Landschaft sahen über den jagenden Strom und über ihm tue geheimnisvolle Verschleierung des Nebels, die den Schöpfungsvorgang der Traubenreife mütterlich bewacht. In drei Wochen sollte die Lese beginnen.
Damit fing die Reise an. ,
Um diese liebliche und edle Landschaft zuube.- sehen. muß man die Mosel °uf dem Damp er be- fabren, das ist die Hauptsache. Man Ichale kunstgerecht einen Apfel, die Schale darf nicht fe rnen ziehe die Schale lang und taffe ste zurückschnellen; man betrachte das kEse Gering . So und nicht viel anders windet sich
Dort steht auf dem Berg eine Burg. Nach emer Weile Dampferfahrt ist die Burg em zwe es Mal zu sehen. Geht das mit rechten. Dingen zu? Aber ja. Wir sind unmerklich eine Schseife gefahren und sehen jetzt die Burg von der Rucksette Nun ragen Berge steilhochi Wer die Reben an ihren Hangen betreut, muß klettern können "'E »n Gams,ageö Gleich daraus öffnet sich die Landschaft. Feld und Wiesen sind zu sehen und Wald >n d".S^ne. C ne Strecke tiefster Einsamkeit Seibern
Menschenseele; ein Zug von zehn, zwölf ureiyern steigt hoch: dort eine verfallene Sapelle
unb nun wieder dicht beieinander schmucke Stadt- chen mit ihren erlauchten Namen, jeder Reben Hang trag, seine Visitenkarte °uf weiß g«n°^
Nun gehen wir zu W DOn
Raubzeug in der Luft, -üas ' Annnr,n Reil. Moselschisfer in bc3r£
•na!?Lrnfaftel wo abwechselnd protestan-
bibbernder Koreaner. ' ... ^nllf
allein
■ t;- CFr, acht nicht an. Denn wenn
man^ricktt g zi,sieht, hat die schöngekammte Flache "nes ochen- .Hangs dreißig, fünfzig verschiedene
dem Spiel des , v . . , . , ....
nissystems untergeordnet wissen will, britische Politik ist Weltpolitik, für die Europa nur eines ihrer Betätigungsfelder darstellt. Ihre fernöstlichen Interessen lassen sie den Kontakt mit Moskau suchen, und diese positive Einschätzung der sow- jetrussischen Macht wiederum legt ihr auch eine positive Bewertung der franzöfifch-sowjetrusfischen Intimität nahe. Gewiß zu Unrecht, aber nichts defto- weniger liegt hier eine Realität, die sich immer wieder hemmen bei allen „europäischen Gesprächen" bemerkbar macht. Wenn jetzt in englischen Blättern von einer „Vermittlung zwischen Berlin
friedlichen" gewertet. Man bedenkt gar mäst, ' daß gerade diese moralische Einstellung zwangs- s läufig Verstimmungen auf deutscher Seite i Hervorrufen und selbst gutgemeinte Vorschläge von : vornherein entwerten muß. Es ergibt sich daraus ' aber auch, wie wenig der Bildung eines europai- : scheu Gemeinschaftslebens durch bloße Packtanhau- fungen und äußerliche diplomatische Technik geholfen wird, wenn die Gegenseite nicht endlich auch der Gesinnung nach die psychologischen und moralischen Voraussetzungen dafür schafft. Solange das nicht geschieht, wird alle diplomatische Kunst im tiefsten Grunde unfruchtbar bleiben.
Unter schwierigsten Verhältnissen hat Deutschland tm Januar 1934 durch die V e r st ä n d i g u n g m 11 Polen eine wahrhaft europäische Friedenstat vollbracht. Ihr Segen für Europa wäre aber noch großer gewesen, hätten die Westmächte sie nicht zum Anlaß erneuter Verdächtigungen genommen. Sie sahen leider weniger die Befriedung komplizierter Verhältnisse als die „Gefahr", daß der deutsche Drang sich I
Wir fahren von Passau aus ostwärts in herrlicher Fahrt an der Donau entlang. Auf beiden Seiten grüßen uns die herrlichen Wälder in ihrer Sommerpracht. Bis Obernzell geht die Fahrt. Unmittelbar an dem herrlichen Strom steht ein festes altes Schloß, ehemaliger Bischofssitz, in dem heute eine Abteilung Reichsarbeitsdienst untergebracht ist. Diese südlichste Ecke der Bayerischen Ostmark war bisher so vernachlässigt, daß die Bauern hier nicht einmal die Möglichkeit hatten, ihre Erzeugnisse auf brauchbaren Wegen zum Markt zu fahren. Es waren auch keine Mittel da, um die Lage zu bessern. Hier schafft jetzt der Arbeitsdienst Abhilfe. In kameradschaftlicher Arbeit wirken die jungen Männer am Aufbau dieses Grenzlandes. Gerade in der Bayerischen Ostmark herrschte in früheren Jahren derartige Not, daß es dort noch unheimlich viele Aufgaben zu losen gibt. Heute ist man aber mit aller Macht habet, Besserung zu Raffen. Ein großer Teil der Bevölkerung nährt sich von Heimarbeit als Leinweber, Holzschnitzer, Perlenmacher usw. Meist (?in hartes Brot, daß nur tue allerbescheidenste Lebenshaltung zuläßt.
In einem einsamen Haus in Breitenberg besuchten wir einen Leinweber, der seit 50 Jahren am Webstuhl sitzt und dessen Vorfahren alle Leinweber waren. Lange Zeit fehlte es an dem nötigen Rohstoff wie an Absatzmöglichkeiten. Inzwischen ist aber auch der Flachsbau zu neuem Leben erwacht. Die Förderungsmaßnahmen des Reichsnährstandes haben dazu geführt, daß auch die Verwertung genossenschaftlich durchgeführt wurde. Viele Hände, die bisher stilliegen mußten, bekamen neue Arbeit. Auch die Leinweber brauchten jetzt keine Sorge mehr um Rohstoff zst haben. Sie schlossen sich 'zusammen, und eine gemeinsame Verwertung sorgte dafür, daß ihre Arbeit gesichert war
Man kann es wohl als Glanzstück nationalsozialistischer Siedlungs- und Aufbauarbeit bezeichnen, was wir in Hauzenberg sahen: die Hans- Schemm-Siedlung. In einem kleinen Städtchen, in dem z. B. in einem Haus mit 13 Zimmern fast 50 Personen hausen mußten, ist eine große Arbeitersiedlung im Entstehen, wo Hunderte von Menschen ein eigenes Heim in Licht, Luit und Sonne mit einem eigenen Gärtchen haben sollen. Eine große Anzahl der im bodenständiaen Waldler- ftil gebauten Einzelhäuser — unten Granit, oben Holz' mit flachem Satteldach — ist schon bezogen. Drei Zimmer und Wohnküche bieten selbst für größere Familien reichlich Platz. Die Häuser können bewährten Arbeiterfamilien bei einer monatlichen Leistung von 18 Mark ohne Anzahlung über- neuerer uno ^irE|(i)ufibgege.iliu.iue lassen werden Alle Vorarbeiten werden gemeinsam I wie auch den Arbeitsschuppen hatte sich dieser Mann hi rdiaeführt In den freien Stunden bauen die! mit sieben Kindern eigenhändig aufgebaut. Trotzdem Siedler zusammen ihre Wege und Zäune. Wir alle er bis in die späte Nacht schafft, brachte es dieser könnten ^daraus lernen, wie wahrhafte Gemein-! Mann fertig, sich abendsnoch hmzusetzen und Eng-


