Nr.M Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zreitag, 24. Zuli (9Z6
Der Führer und Reichskanzler traf am Mittwochnachmittag mit seiner Begleitung in Nürnberg ein, um das Reichsparteitaggelände zu besichtigen und sich von dem Fortgang der Bauten zu überzeugen. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Geheimnisse um das Wachstum.
Neue Korschungsergebniffe über eine wichtige Frage.
laß geben muß. Soweit allerdings die Wachstumszunahme der Kinder schon bei Schulbeginn besteht, ist das nur als erfreulich zu bezeichnen, denn es beweist, daß durch die Besserung der sozialen Hygiene die Entwicklung des Kleinkindes in allen, auch den ärmeren Beoölkerungsschichten, begünstigt worden ist; daher rührt der einheitlich festzustellende Wachstumsvorgang der heutigen Schulanfänger. Bedenklich wird die Sache erst um die Mitte der Schulzeit, vor allem in der Pubertätszeit. Soweit in diesem kritischen Stadium eine anormale Wachstumsentwicklung festzustellen ist, besteht eine gewisse Gefahr für die harmonische Entwicklung des Heranwachsenden Menschen; Dr. Koch betont, daß seine Ergebnisse in dieser Beziehung einen Warnruf bedeuten — einen Warnruf gegen jede Ueberanstrengung unserer Jugend in diesem besonders kritischen Alter.
Kürzlich veröffentlichte Dr. Koch im „Reichsgesundheitsblatt" die Ergebnisse neuer Feststellungen zu dieser Frage, die sich in erster Linie auf eine unlängst erschienene Statistik stützen, bei der es sich um die größte bisher überhaupt veröffentlichte Versicherungsstatistik handelt. Sie gibt unter anderem die Durchschnittsgrößen und -gewichte aller derjenigen Personen an, die in den Jahren 1930 bis 1932 bei irgendeiner deutschen Lebensversicherungsgesellschaft eine Versicherung abgeschlossen haben. Diese Statistik erfaßt allein über eine Viertelmillion männliche Personen, sie ermöglicht also sehr zuverlässige Nachprüfungen auch des Längenwachstums, wenn man sie mit den entsprechenden Ziffern früherer Statistiken vergleicht. Dr. Koch hat diese Statistik sehr eingehend ausgewertet, von seinen Angaben ist zunächst die Tatsache besonders bemerkenswert, daß im Vergleich zu früheren Jahrzehnten das Körpergewicht bis zu einem Alter von 40 Jahren ziemlich gleichmäßig um zwei bis drei Kilo niedriger als in früheren Jahren zu fein pflegt — eine außerordentlich erfreuliche Folge der gesteigerten sportlichen Tätigkeit aller Schichten unseres Volkes. Neu ist ferner die Tatsache, daß heute die Körper- höch st großen der trauen in den meisten Fällen schon mit 17, der Männer mit 19—20 Jahren erreicht werden, während das Wachstum früher bis in die Mitte des dritten Lebensjahrzehntes an
zuhalten pflegte. Die erwähnte Statistik erbringt damit den bisher noch fehlenden Beweis dafür, daß die Beschleunigung des Wachstums lediglich eine Verkürzung der Wachstumsperiode, nicht aber eine Erhöhung der Körperlänge des Erwachsenen bedeutet. Dr. Koch hatte schon vor längerer Zeit im Gegensatz zu manchen Stimmen, die bereits von einem „Größcrwerden der Menschen" sprachen, darauf hingewiesen, daß nur eine Beschleunigung, nicht aber eine Verstärkung des Gesamtwachstums festzustellen ist. Diese Ansicht ist nun durch das überaus reiche Zahlenmaterial der Versicherungsstatistik als richtig erwiesen und damit ist diese sehr bedeutsame Frage abschließend geklärt worden, lieber die Ursachen des beschleu- nichten Wachstums sagt uns die Statistik dagegen nichts, die Lösung dieses vorläufig noch recht ungeklärten Problems muß weiteren Untersuchungen überlassen bleiben.
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Eine andere hierher gehörige, sehr wichtige Untersuchung hat ebenfalls gezeigt, daß die Wachstumsperiöde sich seit der Vorkriegszeit deutlich verkürzt hat. Darüber hinaus liefern diese Feststellungen einen erfreulichen Beweis für den Erfolg der heute von allen Volksschichten betriebenen Leibesübungen. Wie Dr. Fürst in der „Münchener medizinischen Wochenschrift" mitteilt, zeigt nämlich der im Jahre 1935 gemusterte Rckrutenjahrgang gegenüber den Musterungsergebnissen des Jahres 1914 eine deutliche Zunahme der Körpergröße, aber auch des Körpergewichts. So betrug beispielsweise in einigen oberbayrischen Musterungsbezirken im Jahre 1914 die mittlere Körpergröße 166,6 Zentimeter, diesmal aber 168,05 Zentimeter, während das mittlere Körpergewicht sogar von 61,25 Kilogramm im Jahre 1914 auf 66,1 Kilogramm im Jahre 1935 gestiegen war. Dies bedingte wiederum einen ganz merklichen Rückgang der wegen „allgemeiner Körperschwäche" zurückgestellten Gemusterten. Man kann also mit Genugtuung feststellen, daß trotz der Kriegs-, Jn- flations- und Krisenjahre dank einer durch Sport, Turnen, Wandern usw. besseren Körperschulung, sowie dank einer vernünftigeren Ernährungsweise ein erfreulich ^kräftiges junges Männergeschlecht in Deutschland herangewachsen ist.
Don Dr. H. Carstensen.
Großer Fang der Frankfurter Kriminalpolizei.
Drei Oentlemen-Einbrecher, sechs Fahrrad- und zwei Automatendiebe gefaßt.
In letzter Zeit war verschiedentlich von neuen Forschungsergebnissen die Rede, die eine in ihrer Ursache noch geheimnisvolle Wachstumsbeschleunigung unserer Schulkinder nachgewiesen haben. Diese Untersuchungen sind allerdings vielfach mißverstanden worden — so trifft es keineswegs zu, daß die Menschen etwa in letzter Zeit größer geworden sind, sondern nur die Wachstumsperiode als solche hat sich verkürzt. Jetzt liegen nun einige neue Arbeiten auf diesem Gebiet vor, die bei der Wichtigkeit des Themas besonderes Interesse verdienen.
Im Nachlaß eines Arztes, der in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts an der Universität Jena tätig war, sind vor einiger Zeit außerordentlich interessante Aufzeichnungen gefunden worden. Der Gelehrte hat sich in den Jahren 1878 bis 1880 die Mühe gemacht, rund 2000 Jenaer Schulkinder sehr genau zu untersuchen und vor allem zu rnes s e n. Man hat jetzt die Jenaer Schulkinder nach den gleichen Gesichtspunkten wiederum untersucht — mit dem überraschenden Ergebnis, daß die heutige Schuljugend sich ganz zweifellos in einem rascheren Tempo entwickelt als die damalige Generation; unsere Schulkinder wachsen tatsächlich rascher als früher. Zu dem gleichen Ergebnis sind in letzter Zeit auch verschiedene andere Untersuchungen gekommen, die in Deutschland und anderen Ländern vorqenommen wurden. Geradezu alarmierend sind aber die Feststellungen, zu denen der Leipziger Stadtmedizinalrat Dr. E. W. K 0 ch bei seinen vergleichenden Messungen der Leipziger Schulkinder'gekommen ist. Er hat nachgewiesen, daß sich die Wachstumsgeschwindigkeit bei den Schulkindern in den letzten 10 bis 15 Jahren außer
ordentlich erhöht hat — die einzelnen Altersklassen eilen in dieser Beziehung der damals gleichaltrigen Vorkriegsgeneration um etwa eineinhalb Jahre voraus.
Die Ursachen dieser Erscheinung sind vorläufig noch keineswegs geklärt. Es ist möglich, daß die in den letzten beiden Jahrzehnten stark geförderte Bevorzugung einer vitaminreichen Nahrung dabei eine Rolle spielt; Dr. Koch selbst gibt emen anderen Erklärungsversuch, der aber wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. Er ist der Meinung, daß vielleicht das Licht als Ursache der „Wachstumskrise" in Betracht kommen könnte und zieht Vergleiche mit dem rascheren Wachstum der Bewohner heißer Gegenden, etwa der Tropen. Nun ist in der Tat unsere heutige Jugend durch die Zunahme des Sports, der Sonnenbäder usw. dem Licht weit stärker ausgesetzt als die frühere Generation — aber andere Untersuchungen haben bewiesen, daß die in den Tropen auftretende raschere Entwicklung des Heranwachsenden Menschen weit weniger auf das Licht als auf die Wärme des dortigen Klimas zurückzuführen ist. Wärmer aber ist es bei uns in den letzten Jahrzehnten bestimmt nicht geworden.
Eine gewisse Zunahme der Durchschnittslängen und Durchschnittsgewichte der Schulkinder war schon vor diesen Untersuchungen verschiedentlich beobachtet worden, aber man hielt diese Abweichungen für harmlos oder gar für den Ausdruck eines besonders guten Allgemeinzustandes. Die Untersuchungen Dr. Kochs und anderer Aerzte haben aber gezeigt, daß die in den letzten Jahren noch erheblich verstärkte anormale Wachstumsgeschwindigkeit der Schulkinder zu gewissen Bedenken An-
LPD. Frankfurt a. M., 23. Juli. Seit etwa zwei Jahren wurden in Frankfurt a. M. immer wieder Büro- und Geschäftseinbrüche in großer Anzahl verübt, ohne daß es gelang, die Verbrecher zu fassen. Sie mußten mit unglaublicher Raffinesse und Dreistigkeit arbeiten, denn nie waren Spuren zu finden, die wesentliche Anhaltspunkte hätten geben können Die Einbrecher hatten es in der Hauptsache auf Bargeld, Schmucksachen und andere wertvolle und leicht transportierbare Gegenstände abgesehen. Sie wurden auch mehrfach gesehen, aber die Personenbeschreibungen waren so schlecht, daß sie keine Rückschlüsse zuließen. Oft wurden 30 bis 40 Personen monatlich überwacht, aber ohne Erfolg.
Im Laufe der Zeit schälten sich bestimmte Verdachtsmomente heraus, und nun gelang es endlich nach monate langen, mühevollen Fest- st e l l u n g e n der Beamten des Frankfurter Ein- bruchskommissariats, die Einbrecherbande hinter Schloß und Riegel zu bringen. Als den geistigen Urheber dieser Bande, die
im Verlaufe von etwa zwei Jahren insgesamt 197 Einbrüche
in Geschäfte, Büros und auch Wohnungen verübte, kann man wohl den bereits einschlägig vorbestraften Otto Pätzold bezeichnen, der den Beamten schon seit langer Zeit hinreichend verdächtig erschien.
Seine rechte Hand war der ebenfalls einschlägig vorbestrafte Einbrecher Richard Kothenschulte,
der gleich Pätzold die modernsten Sicherheitsschlösser zu öffnen verstand. Oftmals standen die Spezialbeamten des Einbruchskommissariats morgens am Tatort vor einem Rätsel, wenn Pätzold und Kothenschulte am Abend vorher in den frühen Morgenstunden einen „B 0 ck" in der raffiniertesten Weise „aufs Kreuz gelegt" hatten. Von den Beamten hinzugezogene Fachleute waren sich .n manchen Fällen darüber einig, daß die fraglichen Schlösser niemals mit einem Nachschlüssel geöffnet worden seien, und doch hatten der „Schrecken der Nacht" und sein Mittäter es verstanden, „d a s Schloß zu schlachte n", denn sie hatten in dem Feinmechaniker Max Keil einen Techniker an der Hand, der selbst den „verwöhntesten Geschmäckern" — wie einer der Einbrecher sich bei der Vernehmung ausdrückte — gerecht werden konnte. In schwierigen Fällen hat Keil zwar mehrere Woche^n zur Herstellung der Nachschlüssel, die er in seiner Wohnung anfertigte, benötigt. Wenn die Arbeit aber beendet war, dann garantierte er für deren Richtigkeit, und Kothenschulte bescheinigte sie am Tatort mit dem Ausdruck „M u s i k", das sollte heißen, daß die Sache in Ordnung geht. Uebrigens war Keil nicht nur der Spezialist im Anfertigen von Nachschlüsseln für Schlösser bis zu acht Zuhaltungen, er hatte sogar ein nach eigenen Ideen gebautes Instrument zum gewaltsamen Deffncn von Sicherheitsschlössern älterer Systeme konstruiert, womit Pätzold und Kothenschulte in den
Am Rande der Ernte.
Don Loses Husch.
Wenn die Saaten noch stehn, sind die Felder groß und die Dörfer klein; erst bei der Ernte stehst du, wie weit die geschäftigen Arme der Dörfer reichen. Durch die Stille kreisen dann die Mähmaschinen mit blitzschnell tanzenden Messern. Immer kleiner wird die Runde, die ein Traktor zieht. Schmaler wird der lange Streifen, den die Schnitter entlang schreiten. Unter den Sensen, die heiß und weiß wie Flammen zischen, fällt gelb und gut das Korn. Da räumt sich die Flur vom Halm. Zwischen Himmel und Erde stehen reihenlang die Korn- hausten im Sonnenbrand. Du siehst nun eine Hand, die in ein Aehrenbündel greift und zwischen Daumen und Zeigefinger ein einziges Korn Zerbricht. Wenn es knackt, schirrt man Kühe, Ochsen und Pferde em.
Gehst du mittags in ein Dorf hinein, siehst du wohl einen Mann auf dem Prellstein an Der Scheune hocken, gleichmäßig die schartige Sense dengeln. Das Läuten klingt in einem fort, auch noch Dann, wenn der Härnrnerer aufgestanden und, die Sense geschultert, in die Felder gegangen ist. Oester triffst du wohl auch auf einen Schnitter, Der im schattigen Hof, mit Dem Buckel an Die kühle NorDwind kauert, Den sonnverbrannten Kops vornübergebeugt, Das Gesicht verschaltet; vom Schweig gebüschelt, fällt das Haar wirr in die Stirn, er hält die Arme verschränkt, auf den Knien liegen Die bunten Erntestricke. Seine Sense steht neben ihm, am Nagel Über ihm hängt Geschirr. Maßlos flutet Das Licht Des Mittags an das Aus heran. Er hört, wie Die Frauen mit Den Milchkannen klappern, KinDerstimmen flirren die satten Tiere tauen; er sieht, wie Das Geflügel sich nn Sand des Hofes kuschelt und im Schlaf die Flügel rührt. Seine Augen blinzeln noch einmal zur Katze hm, und Dann fallen sie ihm zu. Für eine halbe Stunde mag es sehr still um ihn fein.
Der Drescher am Dorfrand brummt unentwegt. Grau und einsam hockt der große Vater am Fenster und starrt hinaus. Da draußen rumpeln die Fuder mit quietschenden Achsen, Erntebaume knirschen. Hufe stampfen, erschüttern das paus, daß Die Fensterscheiben leise klirren. Und die Uhr m Der Stube tickt, tickt, tickt... Da legt der Ahn die Hände auf Die Knie: Vielleicht schläft er em, während die da draußen ...
Unter der offenen Halle des Dreschplatzes summt und brummt der große Drescher, der die Hausten von Den Feldern frißt. Hier heißt es flmk Die
Hände regen. Mächtig spannt die Maschine den Menschen an. Fuhren kommen und fahren von bannen. Vom Fuder reicht man die Garben zum Dxescher, da rutschen sie ins lärmende Getriebe, müssen die Frucht lassen und kommen leer und taub in die Presse, die aus dem langen Stroh Ballen macht. Indessen häuft sich die Spreu, und das Korn läuft in die Säcke. Hier wird Schweiß gelassen, und viel Staub stöbert auf, das macht den Hals dursttg, und dem Maschinendrescher geht es nicht anders als dem bekannten Scheunendrescher, den man zittert, wenn jemand ordentlich ins Essen einhauen kann. Heiß ist das Ringen der Arbeit um Frucht und Brot. Hier ist nicht die Rede davon, den Weizen tonnenweise ins Meer zu schütten oder die Frucht, wie Briketts gepreßt, in die Kesseln der Lokomotiven hineinzufeuern. Hier lesen die Kinder die im Staub verlorenen Aehren auf, damit nicht die Pfunde verkommen. So wirkt das Land an dem, was ihm von Zeit und Schicksal zugewiesen wurde: das Volk zu ernähren. — Noch brummen die Drescher, bald mahlen lauter die Mühlen im Lande, und schon orgeln die Karussells der dörflichen Kirmes; in unverwüstlicher Lebenslust steigt das ländliche Fest.
„RaufP auf dem "Römerbera.
Nach verschiedenen, an der Ungunst der Witterung gescheiterten Versuchen konnte jetzt die Erstaufführung von Goethes „Faust" auf dem Frankfurter Römerberg ftattfinben. Der immerhin gewagte Versuch, den „Faust" auf dem Römerberg zur Aufführung zu bringen, gelang ausgezeichnet und gab denjenigen recht, die sich von vornherein eine großartige Szenerie versprachen, in erster Linie also Dem Generalintendant der Städtischen Bühnen, Hans Meißner. Für eine ganze ReM von Auftritten, namentlich bei den Szenen rmt Mephisto, in Auerbachs Keller und der Hexenküche gab Der Römerberg einen Hintergrund ab, wie er nicht idealer und stimmungsvoller erscheinen kann. Gewiß gab es auch Situationen wie z. B. den Osterspaziergang, bei denen Die Szenerie gewisse Mängel aufwies, aber Diese ging so schnell vorüber und man war von Dem vorher Geschauten noch so benommen unD wurde durch Die folgenden Auftritte wieder so sehr in den Bann der Ereignisse gezogen, daß dadurch der große und nachhal- haltige Gesamteindruck nicht wesentlich gestört werden konnte. Hervorragend war Robert Taube als Mephisto. Hier stand der Künstler einer Ausgabe gegenüber, Die ihn ganz erfüllte. Der Faust von Hans Jungbauer, in Sprache und Spiel gleich
überzeugend, erreichte in dramatischen Szenen seinen Höhepunkt Maria W i m m e r als Gretchen konnte namentlich in Den Schlußauftritten gut gefallen, besonders in der Kerkerjzene. Lotte Brackebusch gab die Marte Schwerdtlein, Walter K i e s l e r den Wagner. Alles in allem: eine Aufführung, Die dazu beitragen wird, den Ruf Der Römerbergspiele zu festigen und zu verbreiten. L.
Unbekannte Wagner-Briefe.
Unbekannte Briefe Richard Wagners aus Dem Besitz der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin veröffentlicht Dr. Marta Becker im Augustheft von Velhagen & Klasings Monatsheften. Sie stammen aus verschiedenen Zeiten. Der schönste von ihnen ist aus dem Jahre 1849, aus Zürich, wohin sich Wagner nach den Ereignissen der Revolution hatte flüchten müssen. Er hatte das Glück, in Dresden gute Freunde zu hinterlassen, Die auch an dem Verbannten hingen, und er fühlte dieses hohe Glück als Trost und Stärkung in der Fremde. An einen seiner Freunde schreibt er: „Wenn ich mit Feinden zu thun habe und begreife, daß es gilt, mein innerstes Wesen, meine Anschauungen, meine Erkenntnis und meinen überzeugtesten Kunstdrang gegen jede Zumuthung unerschütterlich fest geltend zu erhalten, so lebt in mir ein Stolz auf, der sich zum unbeugsamsten Trotz steigert, so daß ich jedes Opfer, selbst das meines Lebens, für gering halte, um niemand mich zu fügen, da ich nicht leben mag um den Preis Der Erniedrigung vor mir selber, möge sie andern auch nur als ein kluges Zugeständnis erscheinen. In äußeren Lagen, wo sich alle Umstände vereinigen, mich zu solchem Zugeständnisse zu drängen, wächst nur mein Trotz, und oft wünschte ich dann bloß ganz allein in der Welt zu stehen, um ganz allein auch, wenn es mir nothwendig erschiene — untergehen zu können. So muß ich Dann leider manchem als hochmüthig, eingebildet und eigensüchtig erscheinen, und die Pein, die mir dieser Vorwurf verursacht, wird mir um so schmerzlicher, als ich in mir allein nicht das Vermögen fühle, das Unrecht desselben überzeugend darzutun. Dieses Vermögen erwächst mir aber plötzlich durch ein Zeichen der Liebe und Theilnahme von außen: ein Freund, der mir schweigend die Hand reicht, bricht all meinen Trotz, und dem Mitgefühl gegenüber beherrscht mich nur eine Empfindung, die der freudigsten Demuth." Dieser Brief läßt uns einen tiefen Blick in den Stolz des Künstlers und in die Gefühlswärme Des Menschen Wagner tun.
Familien von Olympiasiegern.
Die Geschichte Der Olympischen Spiele kennt eine Olympia-Familie, Die einzig Dasteht. Es ist Dies, wie in Der Leipziger „I l l u st r i r t e n Zeitung" ausgeführt roirD, Die berühmte finnische Leicht- athleten-Familie Järvinen, Die sich eines seltenen olympischen RekorDs rühmen kann. Vater Järvinen eröffnete Den Reigen Der Erfolge 1906 in Athen mit Dem Sieg ifri Diskuswerfen, Durch Den Suomis weißblaue Flagge zum erstenmal am Siegesmast emporstieg. 22 Jahre später setzte Dann sein ältester Sohn Achilles Diese ruhmreiche Tra- bition fort, inDem er sich in Amsterdam Die Silbermedaille im Zehnkampf eroberte. UnD 1932 in Los Angeles kamen abermals zwei MeDaillen in Den Besitz der Familie, Durch Matti, Den zweiten Sohn, Der im Speerwerfen Die Goldmedaille errang, und wieder Achilles, der abermals im Zehnkampf „feine" Silbermedaille erhielt. Vier Olympiamedaillen, wirklich ein seltener und stolzer Familienschatz. Und in Berlin ist Matti wiederum erster Anwärter auf Die Medaille im Speerwerfen. Auf drei Medaillen brachte es immerhin schon die norwegische Springer-Familie Ruud, von der Birger jetzt die zweite Goldmedaille zu Der silbernen von 1932 feines Bruders Siegmund fügte. Schließlich Darf auch das französische Ehepaar Brun et ermähnt werden, daß sich 1924 und 1928 zwei Goldmedaillen im Eiskunst-Paarlaufen holte, nachdem es bereits 1920 die Bronzemedaille, damals noch als Mlle. Joly und Mr. Brunet laufend, erobert hatte.
Zeitschriften.
— Im Augustheft von „W eftermanns M 0 - nats heften" beschreibt u. a. der Schöpfer des Reichssportfeldes Architekt Walter March „Das Olympische Dorf"; Text und Bilder geben einen ausgezeichneten Einblick in Die Stätte, in der beinahe 5000 internationale Sportler leben und sich vorbereiten auf die großen Kämpfe. Max Oftrop beschäftigt sich mit einer sportlichen Vorschau auf die XL Olympischen Spiele „Wer wird olympischer Sieger?" Oftrop untersucht Die Aussichten Der teil- nehmenDen 53 Nationen und gibt gleichzeitig einen Einblick in die harte Arbeit des Trainings. Der Aufsatz „Deutschland klingt durch Die Welt" sch'l- Dert Aufbau unD Arbeit Des deutschen Kurzwellensenders. lieber „Das unbekannte Deutschland" spricht Professor Dr. Walther Scboenicben und führt nn* m feinem herrlich bebilderten Reitraa durch deutsche Lande, deren Schönheit nur wenigen bekannt ist, dis aber Allgemeingut werden sollte.


