Nr. 2V Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesstiy
Hreitag, 24. Januar 1956
Nach der tragischen Liebesgeschichte „Der Laufen" von Emil Strauß beginnen wir heute in den Zamilien- blättern mit einem neuen Roman.
„1 Geschütz, 16 Pferde, 20 Mnn!" heißt der aus Erlebnis und Erinnerung fließende Ve« richt des siebenbürgischen Erzählers Otto Zolberth von den Kriegszügen einer mit uns verbündeten Heinen Truppe im Osten,-ein Roman, in dem die Freude am Abenteuer, männliches Pflichtgefühl und soldatische Haltung sich zu harmonischer Einheit verbinden.
Mit der Kamera zum Wintersport
Art
stamme . .
Hochstämme
Aus her Provinzialhauptstadi
,Die lömonatige Fahrt des Hilfs-
mit dem Flugzeug „Wölfchen".
Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am
persönlich
oder schriftlich bis zum 31. Januar 1936 bei dem
eingestellt vollendet
9—10
10—12
8—10
Größe cm
16t.
RM.
2,50
2,80
3,20
2,20
Temesoary „Volkstümliche Musik der großen Meister". Ab 20.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum: 20.30 bis 21.30 und 21.30 bis 22.15 Uhr,
100 6t. RM.
8—10 10—12 12—14
10 6t. RM.
4,50 5,—
5,50
Verpflichtung in den Reichsarbeitsdienst werden, sofern sie das 17. Lebensjahr haben und arbeitsdiensttauglich sind.
Die Meldung zum Arbeitsdienst hat
400,—
450,—
Richtpreise für Obsthoch- und Halbstämme.
22,50 25,— 29,— 20,—
40,—
45,—
50,—
200,—
225,—
260,—
180,—
Ein wenig Pflege verdient auch die Kamera, die Walnüsse, Höchst. . treue Vewahrerin der winterlichen Naturschönheiten, desgl. Hochstämme .
Durch die Anordnung Nr. 12 der Hauptvereinigung der Deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft vom 4. Juli 1935 sind für die gangbarsten Größen und Arten von Baumschulerzeugnissen gesetzliche Mindestpreise festgelegt. Da es sich als wünschens-
völkerung zu leisten hat, durchgesührt werden können.
Aufruf der letzten Belriebsgruppen zur Aufstellung von Arbeitsbüchern.
DNB. Der 6tand der Durchführungsarbeiten bei der Ausstellung der Arbeitsbücher ermöglicht es, nunmehr auch die letzten Betriebsgruppen zur Aus. stellung der Arbeitsbücher aufzurufen. Dies ist durch eine dritte Bekanntmachung des Präsidenten der Reichsanstalt mit Wirkung vom 1. Februar 1936 geschehen Zu dieser dritten Gruppe gehören folgende Betriebsgruppen: 1. Holz- und Schnitz» stoffgewerbe, 2. Nahrungsmittel- und Genußmittel- gewerbe, 3. Verkehrswesen, 4. Oeffentlicher Dienst
beiträgt, daß die großen Aufgaben, die der RLB. im Interesse der Selbsterhaltung der gesamten Be»
Anleitung zum Photographieren in Schnee und Wintersonne
Von Herbert Starke.
Selten wird in der Ausrüstung des Wintersportlers die Kamera fehlen, die die Erinnerung an herrliche Tage in Schnee und Wintersonne aufbewahren soll.
Für den Wintersport verdient die K l e i n k a - mera den Vorzug: wegen ihrer größeren Handlichkeit und ihrer größeren Tiefenschärfe, die gerade bei Sportaufnahmen die Scharfeinstellung erleichtert. Wer die Wahl zwischen Platte und Rollfilm hat, wird dem Rollfilm den Vorzug geben. Seine Handhabung ist im ganzen bequemer, und seine Unzerbrechlichkeit ist gegenüber der Platte ein großer Vorteil. Auf der Ski- oder Rodelfahrt ist die Platte allzu leicht das Opfer einer unsanften Berührung mit dem Erdboden, auch wenn die Kassette im Rucksack wohlverwahrt zwischen anderen Dingen liegt. Wer auf seine Plattenkamera angewiesen ist, sollte für den Wintersport daher der Platte nur Filmpacks ober Planfilme benutzen. Planfilme bestehen aus einzelnen Zelluloidblättern in der üblichen Größe der Platten und sind billiger als die Filmpacks.
Die Anforderungen an kurze Belichtung, die das Tempo des Schneelaufs und des Rodelns bedingt, machen die Wahl von hochsternpfinb- lichen Filmen von 18/io bis 19/10 LIN zweckmäßig. Je höher nämlich die Empfindlichkeit des Aufnahmematerials ist, desto kürzere Verschlußgeschwindigkeiten können bei Momentaufnahme n eingestellt werden. In dieser Hinsicht kann mit Rücksicht auf die Schärfe der Sportaufnahmen namentlich bei raschen Bewegungen — sofern die Sonne scheint — nicht kurz genug belichtet werden. Ein Skiläufer in sausender Fahrt am Steilhang muß je nach der Entfernung mit Vioo bis 1I3OO Sekunde belichtet werden, im Moment des Abfvrungs von der Schanze sogar mit Vso0 Sekunde. Der am Wege vorbeisausende Rodelschlitten, der am besten aus der Innenseite der Kurve ausgenommen wird, verlangt zur scharfen Wiedergabe eine Verschlußgeschwindigkeit von V100 bis Vznn Sekunde, wenn man ihn nicht näher als zehn Meter an die Kamera herankommen läßt.
Allgemein ist es für die scharfe Erfassung der Bewegung vorteilhaft, eine seitliche Aufstellung für die Kamera zu wählen, so daß man im spitzen Winkel zur Bewegungsrichtung photographiert. Das gilt für die Aufnahmen von Eisläufern, die prachtvolle Studien ermöglichen. Es gibt kaum eine schönere Ausbeute von den großen Plätzen des deu<cchen Wintersports als Nahaufnahmen von Kunstläuferinnen, die in graziösem Schwung auf die spiegelnde Fläche des Eises ihre Figuren zeichnen. Bei einem Abstande von sieben bis zehn Meter genügt hier *A>0 bis Vioo Sekunde zur scharfen W'edergabe.
N'cht immer wird man sich auf der Winterreise an den von buntem Leben erfüllten Sportplätzen aufhalten, sondern auch einen Abstecher in die einsamen Täler machen, um die S ch ö n h e i t der schweigenden Minternatur zu genießen. Gerade bei solchen Spaziergängen sollte die Kamera als Begleiterin niemals fehlen, denn die herrlichen Gebilde aus Eis und Schnee sind einmalige Kunstwerke der Natur. Für solche Nahaufnabmen der winterlichen Pracht ist seitliches Sonnen licht oder noch besser Gegenlicht ratsam: wer großen W^rt auf klare Durchzeichnunq und Schleierfreiheit legt, wird auf die Mitnahme einer Sonnenblende nicht verzichten können. Zur wirkungsvollen Gestaltung solcher Ausschnitte aus dem Win- tprwald muß immer der Gegensatz von Schwarz- Weiß auf dem Bilde vereinigt fein. Zu einem verschneiten Waldweg bildet eine dunkle Bank den wirkungsvollen Gegensatz: die Einsamkeit eines Berghügels gewinnt durch einen Zaun im Vordergrund Kontrast und Tiefe.
Wer wünscht sich nicht einen blauen Himmel über den weißen Tummelplätzen der winterlichen Sport-
Aepfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Zwetschen, Hoch
filter. Auch das gehört zur Ausrüstung des photographischen Wintersportlers — ebenso wie der Schutzbeutel für die Kleinkamera,
Brandplatz): 11 bis 13 Uhr und 15.30 bis 18 Uhr Ausstellung des Künstlerbundes „Isar". —
Sladllhealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Wir geben heute mit der Erstaufführung des Schauspiels: „Der Kanzler von Tirol" einem neuen Dichter das Wort. Spielleitung dieser Spielplanneuheit hat Kurt L Ü p k e. Mitwirkende: Damen: Aenne Markgraf als Claudia und Inge Birkmann: Herren: Anton Neuhaus als Kanzler, sowie Bley, Frickhoeffer, Geiger, Greif, Hub, Kühne, Lindt, Lüpke, Mosbacher, Nieren, Rosenthal, Schorn, Seitz, von Spallart, Tank, Volck, Weiser. Die Erstaufführung ist die 15. Vorstellung I im Freitag-Abonnement und dauert von 20 bis 22.30 Uhr.
Oie Arbeitsdienflpflicht der Abiturienten.
Der Reichserziehungsminister macht bekannt, daß Abiturienten mit Studiumsabsicht mit halbjähriger
Kurze Lehr für Auto- und Radfahrer
Unter der Überschrift „Zusammenarbeit der Polizei mit den Radfahrern" erschien Anfang Dezember vorigen Jahres in der Presse die bedeutsame Notiz, daß der Reichsinnenminister in einem Erlaß an die Landesregierungen betr. das Zusammenarbeiten der Polizei mit den Organisationen u. a. den Polizeibehörden empfohlen habe, insbesondere mit den Organisationen der Radfahrer zusammenzuarbeiten, um zu einer besseren Regelung des Straßenverkehrs zu kommen. Da aber be-
zustänbigen Meldeamt des Arbeitsdienstes zu erfolgen. Hierzu haben sich die Abiturienten bei dem für sie zuständigen Polizeirevier einen Freiwilligen» schein für den Arbeitsdienst zu besorgen.
Es wird ausdrücklich bemerkt, daß sich diese Anordnung nur auf die Abiturienten bezieht, die studieren wollen, um ihnen die Immatrikulation zum Herbst 1936 zu ermöglichen.
Aus parteiamtlichenDekanntmachunsen
Der NS. - Lehrer bund, Kreis Gießen, teilt mit, daß am Montaa, 27. Januar, 15.30 Uhr, in der neuen Pestalozzifchule eine Kreisoersammlung stattfindet, in der Pg. Hieß über das Thema „Volksdeutscher Kampf im Südosten" sprechen wird. Es wird erwartet, daß die Mitglieder vollzählig erscheinen. Gäste sind willkommen.
Hitler-Jugend 2*<inn 116 Gießen.
Betr.: Anträge auf hI. Ehrenzeichen.
Die Frist zur Einreichung der Anträge auf Erlangung eines HI.-Ehrenzeichens läuft am 31. Januar 1 93 6 ab. Bis zum 26.Januar 1936 müssen daher alle Anträge auf der Perfonal- stelle des Bannes abgegeben fein. Später einlaufende Anträge können nicht mehr berücksichtigt werden.
Berechtigt zum Tragen des HJ.-Ehrenzeichens ist jeder, der vor dem 1. Reichs-Jugend-Taa in Potsdam der Hitler-Jugend angehörte, und der heute noch in der Hitler-Jugend ober einer Gliederung der Parteiorganisation tätig ist.
Anträge sofort anforbern!
Der Abjutant bes Bannführers.
Gez.: D ö lzin g , Scharf.
perfonenstandsaufnahmeunDrLetbung für den Reickslustscbutzbund
Der Reichsluftschutzbunb, Bezirksgruppe Ober» Hessen, teilt uns mit:
In ber Zeit vom 25. Januar bis 9. Februar 1936 werben vom Reichsluftfchutzbunb in Gemeinschaft mit ben Bürgermeistereien in allen Orten Oberhessens Personen st anbsli st en aus»
kanntlich nur ein geringer Bruchteiil ber Rabfahrer einer Organisation angehört, so erscheint es wichtig, unbeschabet ber zu erroartenben fruchtbringenden Behörbenarbeit heute schon ganz allgemein auf einige Uebelstänbe aufmerksam zu machen, bie immer roieber in ber gleichen Form anzutreffen finb. So wenig man Ursache hat, den Radfahrern Unachtsamkeit und teilweise ihr verkehrswidriges Verhalten zu verzeihen, so sehr darf auch einmal mit Nachdruck ausgesprochen werden, daß dem Radfahrer drei typische Gefahren auflauern, bei denen den Autofahrer die volle Verantwortung trifft.
Es ist dies in erster Linie die Unsitte des Aussteigens nach der Berkehrsseite zu, ohne daß der
zont der Berge und Hänge ist nur durch ein Gelbfilter zu erzielen — bei panchromatischen Filmen ebenso gut auch durch ein Helles Universal-Grün-
gegeben und wieder eingefammelt.
Da diese Unterlagen für den weiteren Aufbau
- ... m v »a des Selbstschutzes der Zivilbevölkerung unbedingt
nur für Frauen, Schwimmen im Volksbad: 20 bis erforderlich finb, hat jeher Volksgenossen bicfe Listen Fl 21 i auf bas Gewissenhafteste auszufüllen.
schule Schombs. — NSLB., Geschichtliche Arbeits- dieser Personenstanbsaufnahme ist gleichzeitig gemeinschaft: 17 Uhr Zusammenkunft im Seminar-' eine Werbung zumBeitrittinbenRLB.
Oberrealschule. — Stabttheater: 20 bis Derbunben. Dem Luftschutz kommt heute eine unge-
Uhr: „Der Kanzler von Tirol - Glona- h^re Bebeutung zu, so baß es Ehrenpflicht Palast, Seltersweg: „Henker, Frauen und Solda- jebes deutschen Volksgenossen sein muß, ten. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Stützen ber | ba& er Mitglieb bes RLB. wirb unb baburch bazu
H • 1' Ul' °T -£T-T Gesellschaft'. - Goethe-Bunb, Gießen: 20 Uhr in
Swarts der Neuen Aula Lichtbilber-Vortraa von Kapitän vergewissert, ob er feine Ture ohne Gefahr offnen Schmehl - 7' "" kann. Ein Rabfahrer, ber nun (um Fahrbisziplin -„lEs Wolf zu halten) möglichst weit rechts unb bamit auch -------
ziemlich scharf an einem solchen Wagen vorbeizu- fahren bestrebt ist, rennt in 99 von 1Ö0 Fällen auf die meist unvermutet sich öffnenbe Türe auf. Der Zweite Fall ist ber: Häufig sieht man, wie ein Rabfahrer sich an einer Straßeneinmündung gerade noch vor dem Ueberfahrenwerden retten kann, wenn ein Auto ihn rasch aufgeholt hat und nun scharf vor ihm noch rechts einbiegen will. Der dritte Fall betrifft das Ueberholen von Radfahrern durch Autos. Bei hoher Geschwindigkeit, in der das Gefahrenmoment stets ein größeres ist, biegen die Autos immer recht ungern aus, fahren infolgedessen zu scharf an den Radfahrern vorüber, und ein Unglück ist leicht geschehen. Es haben mindestens diejenigen Radfahrer, die sich vorschriftsmäßig am rechten Straßenrand bewegen, Anspruch darauf, daß man sie mit der nötigen Distanz Überholt.
Und nun noch zwei andere wichtige Fragen, die von den Polizeibehörden sehr eingehend geprüft werden müssen. Es gibt ungezählte Radfahrer, die es nicht für der Mühe wert finden, ihren Scheinwerfer ordentlich zu montieren. Statt die Fahrbahn zu beleuchten, geht der Lichtkegel in die Wolken. Dadurch gefährdet der Radfahrer nicht nur seinesgleichen, sondern auch Autolenker durch Bleudwirkung. Scheinwerfer, die nicht vorschrists- mäßig montiert sind, müssen polizeilich beanstan
det werden. Die zweite Frage ist ebenso ernster Natur und trifft die Verantwortlichkeit der Lehrherren einiger Berufe. Da sieht man z. B. Metzgerburschen mit schweren Traglasten auf Rädern durch die Straßen flitzen. Mit kaum nennenswerten Ausnahmen sind es Räder in denkbar schlechtestem Zisstand, die eine ständige Gefahr für den Benützer urtb Verkehr sind. Derartige Vehikel müßten polizeilich aus dem Verkehr gezogen werden.
Sornof’üen.
Tageskalenber für Freilag.
NSG. „Kraft burch Freube": 20.15 Uhr im großen Hörsaal ber Universität Vortrag von Pros. Dr.
bie gegen Feuchtigkeit unb Nässe geschützt werben ....... . . . .
muß. Hat es aber währenb ber Aufnahme ge- besgl. Hochstämme . schneit, so lege man bei ber Heimkehr im Quartier besgl. Hochstämme . nicht bie Kamera beiseite, sonbern reibe mit einem I besgl Halbstämme . Läppchen aus Leinen ober Flanell alle Metallteile Aprikosen, Pfirsiche, ab, um etwaige Feuchtigkeitsspuren zu beseitigen. "
freuben? Unb wer möchte nicht dieses schöne Far- , ...... u , .v .... ______,
benspiel auch in feinen Photos angedeutet finden? i wert herausgestellt hat, daß auch für die höheren Die Unterscheidung des Himmels vom Schneehori- Größenklassen Preise veröffentlicht werden, wurden - nachstehende Richtpreise für die 1. Güteklasse erlassen:
Abenteurer im ORofnfo.
Aus neuentdeckten Briefen an Casanova.
Der Name des venezianischen Edelmannes, ber die Aufmerksamkeit der Oesfentlichkeit zum ersten Mal durch seine waghalsige Flucht aus den berüchtigten „Bleikammern" von Venedig auf sich zog, ist zu einem sestumrissenen Begriff geworden. Der Ruf, der die Erinnerung an den großen Abenteurer des Rokoko damit fortab wie ein Schatten begleitet hat, ist gewiß in einer Seite seines vielfältig schillernden Wesens begründet, aber er ist unberechtigt, wenn er die seltene Weite dieses romantischen Daseins erschöpfend kennzeichnen soll.
Die Nachwelt hat an dem Bild, das sie sich von Giacomo Casanova gemacht hatte, bereits einige Aenderungen und Verbesserungen vorgenom- men. Es bleibt bcbei, daß er einer der vielen Glücksritter und Liebeshelden seiner Zeit war und daß in den Aufzeichnungen, die der alte verbitterte Bibliothekar des Grafen Waldstein zu Dux in Böhmen in den langen einsamen Tagen seiner letzten Lebensjahre niederschrieb, mehr als eine Stelle enthalten ist, die nicht gerade für zarte Ohren bestimmt ist, aber er erscheint doch nicht mehr als gewissenloser Erzschwindler wie Cagli- o ft r o , oder als ein rücksichtsloser Frauenbetörer, der seine Opfer kalt und berechnend ins Netz lockte. Es ließen sich die Stimmen von Zeitgenossen vernehmen, die lobend hervorhoben, daß Casanova in seinen Liebesabenteuern in den weitaus meisten Fällen ein edelmütiger Sieger war und daß er immer wieder wie ein Knabe entflammt war.
Doch nicht von dem Liebhaber soll hier die Rede fein. Giacomo Casanova hat sich in der Darstellung der Ereignisse und Persönlichkeiten seiner Zeit trotz feiner unleugbaren Phantasie, die seinen „Erinnerungen" den dichterischen Schwung verleiht, als ein Mann erwiesen, der es mit feinem Chroni- ftenamt ernst nahm und der deshalb in der Kulturgeschichte als klarsehender Zeuge und unbestechlicher Beurteiler einen ersten Platz einnimmt. Wir folgen dem Sohn des im unaufhörlichen Karneval dahinsinkenden Venedig, dem Sproß eines Adligen und einer Schusterstochter, in dem sich alte Kultur und unverbrauchte Lebenslust mischten, durch die Hauptstädte des damaligen Europa, in denen er als Grandseigneur und Verschwender, als Spieler und Spion, als Dichter und Gelehrter, als politischer Geschäftsträger und Projektemacher im Fluß dieses bunten Lebens stets mit dem Strom zu schwimmen wußte.
Seine Laufbahn ist reich an denkwürdigen Begegnungen. Bei Ludwig XIV. stand er in hohem Ansehen, mit Friedrich dem Großen besprach er im Park von Sanssouci allerlei Reformvorschläge, und mit der Kaiserin Katharina hatte er vertrauliche Unterhaltungen. Mit' Voltaire und Haller setzte er sich über philosophische Fragen, mit andern Dichtern und Schriftstellern über Fragen der Literatur auseinander.
Einen wesentlichen Beitrag zur Darstellung dieser umfassenden Tätigkeit und Erlebnisfülle geben die bisher unveröffentlichten Briefe des Grafen Max Lamberg an Casanova aus dem Schloß- archiv in Dux, die Gustav G u g i tz unter dem Titel „Casanova und Graf Lamberg" herausgegeben hat. Allerdings erfahren wir von der Wirksamkeit und den Gedanken des großen Abenteurers und Sitten- schilderers nur im Widerhall, denn es fehlen Casanovas Briefe, die den Eindruck der 172 Briefe des Grafen Lamberg erste abrunden würden.
Lamberg war ein angesehener Gelehrter, der mit vielen Fordern und Künstlern seiner Zeit in engem Gedankenaustausch stand und dessen literarische Hinterlassenschaft von erstaunlicher Vielseitigkeit ist. Seine unbändige Reiselust und die damals in derartigen Kreisen nicht seltene Bewunderung für abenteuerliche Existenzen schufen schon manche Berührungspunkte mit Casanova. Aus der ersten Begegnung wurde eine viele Jahrzehnte andauernde Freundschaft, die erst mit Sambergs Tode ein Ende fand.
„Der Briefwechsel, den ich nach meinem Tode gedruckt zu sehen wünschte, ist der, den ich mit dem Grafen Lamberg geführt habe," hat Casanova selber einmal gesagt. Und tatsächlich entrollt sich in diesen Briesen, die nur ein Fragment bilden, das große Gemälde des Rokoko mit allen feinen Licht- und Schattenseiten. In ihnen begegnen uns neben den „brennendsten politischen und sozialen Tagesfragen, den lebhaftesten Erörterungen über die neuesten Probleme der Naturwissenschaften und ihre Erfindungen die originellsten und abenteuerlichsten Menschen, wie wir sie in den Erinnerungen Casanovas teilweise antreffen ober wie wir sie in diesen vermissen: Alchimisten, Magier, Spieler, Projektemacher, große und kleine Schiffbrüchige des Lebens, nicht zu vergessen die Welt, in der man sich nicht langweilt. Zahlreiche, sehr menschliche Züge von jenen, die damals auf den Höhen der Menschheit, fei es auf politisch oder geistig führendem Gebiete, wandelten, werden aufgezeigt."
Wie wird man Indianers-ciuptl'ng?
So mancher Junge wird zu Weihnachten ein langersehntes Jndianerbuch erhalten haben und nun im Wachen und Träumen mit den Rothäuten auf Abenteuer gehen. In Wirklichkeit aber ist die Jndianerromantik schon fast ausgestorben. Die Indianer leben gegenwärtig in Nordamerika, durch die Weißen immer mehr nach Westen abgedrängt, meist auf Reservationen. In Kanada wurden 1921 noch etwas mehr als 100 000, in Alaska mehr als 25 000 und in den Vereinigten Staaten 2/ Millionen gezählt. In Mittel- und Südamerika bilden die Indianer die eigentliche Land- und Arbeiterbe- I oölferung. Dort aber, wo sie noch in Freiheit leben unb bie Berechtigung haben, sich selber ihre Häuptlinge zu wählen, müssen bie Anwärter für biefes wichtige Amt noch eine Reihe von Prüfungen bestehen, über bie ber große Häuptling „Weißes Pferb" in bem Buch „Wir Jnbianer" folgenbes berichtet hat: „Die erste war bie Muskelprobe. Wir mußten mit geschliffenen Feuersteinen, unfern Messern, bie Arme unterhalb ber Muskeln burchstoßen unb burch biefe Wunben ein bünnes Lasso ziehen. Die Enben bes Lassos würben von einem alten Krieger an einem hohen Ast feftgebunben. Wenn wir gerabe ftanben, so hing bas Lasso lose zwischen uns unb bem Baum herab. Dann mußten wir aber so weit zurückgehen, bis bas Lasso sich spannte unb uns langsam hintenüberfallen lassen, bis unser Rücken unb Hinterkopf bie Erbe berührten. Dabei mürben bie Muskeln ein ziemliches Stück aus ihrer ursprünglichen Lage herausgerissen: ein außer- orbentlid) schmerzhafter Vorgang, ben man bis in bie Augennerven unb bis in bie Fußmuskeln spürt. Es galt nun, trotz bes furchtbaren Schmerzes, vollkommenen Gleichmut zu bewahren, wer aufschrie ober gar ohnmächtig würbe, hatte seine Anwartschaft auf bie Häuptlingswürbe verscherzt ... Wenn bie Probe bestauben war, würben bie Wunben mit Hilfe wohltätiger Kräuter rasch mieber geheilt. Die zweite Probe war bie sogenannte Feuerprobe. Wenn man Tonerbe erwärmt, so geht bie Hitze in bie Tiefe unb hält sich bort sehr lange. In solche Tonerbe gruben wir nun brei Fuß breite, zwei Fuß tiefe unb 34 Fuß lange Gräben, stopften sie mit Hyckory-Holz voll unb brannten bas Holz an. Die Probe für bie jungen Anwärter auf bie Häuptlingswürbe beftanb barin, mit nackten Sohlen burch bie- fen Graben zu laufen. Sie mußten aüerbings babei eine große Schnelligkeit entwickeln. Sonst gerieten sie in Gefahr, ihre Füße zu verbrennen, baß sie ihr Leben lang zu Krüppeln würben. Wenn sie aber
rasch burchliefen, in langen gestreckten Sprüngen, ben Boben kaum berührenb, so würben ihnen nachher burch bie Heilsalbe bie Schmerzen rasch fortgenommen. Die brüte Prüfung ist bie Ablerprobe; sie war zugleich mit einer strengen Zurückgezogenheit unb Schweigepflicht von brei Wochen hoch oben in ben Bergen Derbunben unb beftanb barin, einen Abler zu greifen unb ihm bie Schwanzfebern auszuziehen." Die jungen Krieger legten sich zu biesem Zweck auf bie Mauer, unb jeber hatte ein Lamm bei sich, bas abgerichtet war, burch Blöken ben Abler anzulocken. Wie spielte sich nun bes großen Häuptlings Kampf mit bem Abler ab? „Mit einem gewaltigen Satz mich in meinem Loch emporrichtenb, packte ich bes Ablers rechte Klaue oberhalb ber Krallen", erzählte er, „unb brehte ihm mit bem uns eingeübten Griff ben Fuß um, so baß er vor Schmerz sofort bie Flügel sinken ließ unb am Baben blieb. Nun mußte ich mit ber freien Hand rasch bas Schaf losbinben unb bem Abler bann bie Febern aus bem Schwanz ziehen Ich hatte ben rechten Fuß mit ber linken Hanb gepackt unb fing an, mit ber rechten zu rupfen. Dabei war ich wie- ber in bas Loch hineingerutscht, so daß ich mich unterhalb bes Ablers befanb. Denn nur so war es möglich, bie Schwanzfebern zu erhaschen. Ich muß wohl etwas heftig gerissen haben, benn ber Adler fing in feinem Schmerz an, mit feiner zweiten Klaue meine linke Hanb zu bearbeiten unb nach ihr zu hacken. Er verwunbete mich babei so tief, baß noch heute, nach 88 Jahren, bie Narbe zu sehen ist. Ich bürste aber nicht locker lassen. So gewann ich bie Schwanzfebern, bie seit biesem Tag mein ssänvtlingsschmuck finb. Dann erst ließ ich ben Abler los..."
3eif<cbriff<»n
— „D e r Bergsteiger", Monatsschrift bes D. u. Oe. Alpenvereins. Verlag F. Bruckmann AG. München. Einzelheft 1,20 RM. Im Zeichen formen» umglänzter prachtvoller Winterlanbfchaft steht bas Januar-Heft, bas 30 Bilder enthält, bie zum Großteil auf ganzseitigen Kunstbrucktaseln uns in roun» bervollen Ausnahmen seltene Natureinbrücke vermitteln. Eine Reprobuktion „Die brei Zinnen" von Ernst Baumann eröffnet bie reichhaltige Nummer, in ber wir viel Interessantes von ben Bergen 6üd- tirols, Oesterreichs unb ber Schweiz finden. Außer einigen Kletterartikeln sowie Beiträgen bie uns in bas Reich ber Brettlfahrer führen, beschäftigt sich ein Beitrag mit ben Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen.


