ir.274 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 2Z.November 1936
Das Wiesecker Ehrenmal
gende Preise angeordnet
Das neugeschaffene Kriegerehrenmal. (Aufn.: Neuner, Gießener Anzeiger.)
diese Verordnung wird es ermöglicht wer-
Durch
Aus der Provinzialhauptstadt
Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:
mein Glück".
Großkampftag der Stenographen
Händler auf V । der den Korb:.-
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Den Lorbeer, im Leistungsschreiben.
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?ün großes Leistungsschreiben für Stenographen in
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Nationalsozialistische
Kriegsopferversorgung
Kameradschaft Gießen.
1,90
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den, daß nun auch in der Stube derjenigen Volksgenossen, die früher darauf verzichten mußten, am Weihnachtsabend der Lichterbaum erstrahlen wird, der seit jeher der Mittelpunkt echter Weihnachtsfreude gewesen ist.
Der Mittelpunkt des Ehrenhofes.- ein eindrucksvolles Relief, das einen kämpfenden Krieger darstellt.
Höhe
1 m bis 2 m „ 3 m „4m
Den Abteilungen 60 bis 240 Silben durch.
Aber nicht nur die Kurzschrift, sondern auch das
Maschinenschreiben wird von der Deutschen Stenographenschaft betreut, die auf Grund ihrer 90jähri- gen Tradition die nötigen Erfahrungen zum erfolgreichen Unterricht dieser Spezialgebiete besitzt. Deshalb sand gestern ebenfalls, und zwar in der Oeffentlichen Handelslehranstalt, ein Maschinenleistungsschreiben statt, damit die Anfänger, Fortgeschrittenen und Meister ihr Können unter Beweis stellen konnten.
Voraussetzung zum Erfolg auf dem Gebiete der Kurzschrift und des Maschinenschreibens sind Fleiß, Beharrlichkeit und Ausdauer. Nur durch diese drei Tugenden war es möglich, ein Ortsgruppenleistungsschreiben von diesem Ausmaße durchzuführen. Don rund 170 Teilnehmern wurden annähernd 400 Arbeiten abgeliefert. Der Prüfungsausschuß, der aus staatlich geprüften Fachlehrern und Diplomhandelslehrern besteht, hatte reichlich zu tun, um diese Arbeiten nach den oorgeschriebenen Richtlinien zu werten. Da jede Arbeit von zwei Prü-
Am Dienstag, 24. November, 20 Uhr, findet im Saal des Eafä Leib eine Mitgliederversammlung statt. Kamerad Prof. Dr. Hummel hält einen Lichtbilderoortrag über seine „Reise durch Afrika".
Der Kameradschaftsführer.
fern und zwei Wertem durchgesehen wird, ist die Gewähr dafür vorhanden, daß nur für wirklich einwandfreie Leistungen Urkunden ausgestellt werden; diese amtlichen Charakter tragenden Urkunden leisten wertvolle Dienste bei den Bewerbungen, Stellenwechsel usw.
Infolge der großen Beteiligung kann die Bekanntgabe des Ergebnisses erst an einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Heute kann schon gesagt werden, daß eine große Anzahl hervorragender und sehr guter Arbeiten abgegeben wurde und dieses Schreiben ein voller Erfolg der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft darstellt.
forstung Heranwachsender Bestände, teils aber auch aus nur für diesen Zweck gepflanzten Weihnachts- baumkulturen gewonnen. Ein Teil der Bäume wirv als sog. „Spitzbäume" durch Herausschlagen der Spitze von großen Tannen oder Fichten, die innerhalb des vorgesehenen Einschlages gefällt werden, gewonnen. In den Notjahren der Nachkriegszeit war auch der Verbrauch von Weihnachtsbäumen stark zurückgegangen. So wurde in Jahre 1931 der Bedarf von Berlin auf 350 000 Bäume geschätzt, was bedeutet, daß damals kaum auf jede dritte Familie in der Reichshauptstadt ein Weihnachtsbaum entfiel. Heute ist durch die grundlegende Besserung der Wirtschaftslage seit 1933 die Nachfrage erfreulicherweise wieder angestiegen. Durch die neueste Verordnung des Reichsforstmeisters Generaloberst Göring sind nun für Weihnachtsbäume unter 4 m Höhe Höchstpreise festgesetzt worden, und zwar sind als Verbraucherpreise für gesunde, nadelfeste Fichten fol-
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Unsere Klasse ging nach Raitenhaslach. Ihr kennt nicht das uralte' Kloster, tief im Talgrund, den tagsüber lauter Anmut und nachts nur das Rauschen des schnellen Bergstromes füllt. Wie schade! Gegründet in dem Halbdunkel zwischen Sage und Geschichte und ausgezeichnet jahrhundertelang als Kulturstätte, hat es die Stürme der Zeit überdauert, bis mit der Säkularisation die Prophezeiung des ~ 3u sein schien.
Wiener Würstel, auf die wir uns weit mehr freuten als auf den mustergültigen Barockstil der Klosterkirche und die Herrlichkeiten, die Professor Popp uns eingehend zu zeigen verhieß. Die Wahrheit zu gestehen: wir empfanden die Verheißung des Lehrers als Last, und der Adam Fritz sprach sogar offen davon, daß er sich von der Besichtigung drücken und derweil irgendwo im Verborgenen geschwind ein paar Zigarren rauchen werde.
Er nahm denn auch am Rundgang durch die Kirche nicht teil, und wenn schon etwa nicht tue Säkularisation das Ende im Sinne jener Weissagung bedeutete, dann hat auf jeden Fall jetzt der Abt Gelimer sein unerhörtes Geschehnis gehabt: der Professor Popp merkte die Abwesenheit des Adam Fritz. Und er sandte zwei Lieblingsschüler aus, den Adam zu suchen und herbeizuschaffen, auf daß auch ihm nichts entgehe von der Schönheit des Gotteshauses, dessen Beschreibung unseren nächsten Aufsatz bilden sollte: Sie fanden ihn auch, dank dem Verrat eines Dorfjungen, in der Mostschenke hart neben dem schnellen Fluß, unter einem blühenden Apfelbaum, hinter einem Glase Most, dampfend wie ein Schlot und sich selbst genug wie ein Dichter, obwohl er nur der Sohn eines kleinen Schweinemetzgers war. Und sie brachten ihn herbei, und der Adam Fritz sprach: „Entschuldigen S', Herr Professor, — ich hab einen hohlen Zahn.. ."
„Ja, aber —", sagte der Professor Popp, als wollte er ausdrücken: „Ich habe überhaupt keinen Zahn mehr und bewundere dennoch Renaissancekunstwerke und auch der Barockstil einer alten Klosterkirche erfordert nicht unbedingt ein fehlerloses Gebiß."
„... und der hohle Zahn tut mir so weh." Und wieder hatte der Lehrer jenen Zweifelsblick, der einem Schüler die Häufung der Argumente empfiehlt, und darum fügte der Adam Fritz, das Taschentuch vors Gesicht haltend, noch hinzu: „Und Nasenbluten hab ich auch!"
„Das ist eine andere Sache", sprach der Professor Popp und entließ den Heuchler.
Der hohle Zahn aber hat den Adam nicht gehindert, zwölf Paar Wiener Würstel zu verzehren, und auch hierin könnte vielleicht eines der unerhörten Begebnisse des Abtes Gelimer erblickt werden, wüßte man nicht, was vierzehnjährige Bengel leisten können. Und dazu neun Halbe Bier! Neun Halbe Raitenhaslacher „Klosterbier" und vierzehn Jahre! Ist es da ein Wunder, wenn des Abends, als Professor Popp zum Aufbruch mahnte, der Adam Fritz schon wiederum nirgends zu sehen war? Oder ist es nicht vielmehr die Logik der Tatsachen und die Kausalität des Weltgeschehens? Sei dem wie immer, auf jeden
„Donner, Blitz und Sonnenschein". — Gießener Konzertverein: 19.30 Uhr Orgel-Abend Günther Ramin in der Stadtkirche. — Biblische Woche der Luthergemeinde: 20 Uhr, in der Kapelle des Alten Friedhofs, Vortrag.
Sladtthealer Gießen.
Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben:
Heute abend findet das Variete-Gastspiel der „Drei Zachinis" statt. Die „Drei Zachinis" gehören zu den besten italienischen Clowns, und sie bestreiten in der Absonderlichkeit ihrer Einfälle ein vielgestaltiges und abwechslungsreiches Programm. Der zweite Teil des Abends setzt sich auch acht Nummern des internationalen Groß-Varietes zusammen. U. a. eine nervenaufpeitschende, ganz neue Nummer: die vier Metropolis. Ein glänzender Kraftakt der Brüder Harrison. Tollkühne Kopfbalancen am schwebenden Trapez. Ein Kunstradfahrakt, dessen Fertigkeit zum Besten gehört, was je auf diesem Gebiet gezeigt wurde. Eine entzückende Musik- und Danznummer bringen die acht- und zehnjährigen Wunderkinder Quintino und Diana Zachini, die jüngsten Musik- unb Tanzartisten. Jede Nummer verspricht eine große artistische Leistung zu werben. llnb jeber Freund artistischer Kunst und herzhaften Humors
Das Ehrenmal besteht aus einem 130 Zentner chweren Muschelkalkblock, der schön in die Fried- ofsmauer eingefügt ist. Auf der Innenseite des Zlockes ist ein kämpfender Krieger ausgehauen, im Hintergrund sieht man noch zwei Soldatenköpfe, : on denen einer den Tod darstellt. Die Außenseite irägt das Kreuz mit den Gedenkworten: „Den roten des großen Krieges", dem links das Hakenkreuz und rechts das Eiserne Kreuz angefügt ist.
worden:
Preis
. 0,40 bis 0,90 RM.
Folgen des Leichtsinns.
Von Michael Kohlhaas.
„Das sind die Folgen des Leichtsinns!" rief der Professor Popp morgens um neun Uhr, unmittelbar vor der Seeschlacht von Syrakus. Und dann rief er es noch einmal an diesem Tag, abends um 6.30 Uhr, vor einem frisch ausgepichten Mutterfatz Der Brauerei Raitenhaslach: „Das sind die Folgen Des Leichtsinns!" Zwischen den beiden Ausrufen »aber lagen diese Ereignisse:
Der Rat von Athen schickte seiner auf dem Anmarsch gegen Sizilien befindlichen Flotte ein Depeschenboot nach mit Haftbefehl gegen den Flotten- ichef. Flottenführer aber war das Frücht! Alkibia- Des, und fein Verbrechen: der Sturz der Herrnes- •fäulen in einer der letzten Nächte vor dem Aus- llaufen der Seemacht. In unsere Vorstellung übertragen: ein Nachtschelm schmeißt auf dem Heimweg Dom Gasthaus Sinzinger ober einem Acher Weinbeisel ben heiligen Nepomuk über bie Burghauser Salzachbrücke hinunter. Ja, glauben Sie, bie Burghauser würben das so ruhig hinnehmen? Und aus 'dem ganz gleichen Grunde wollten eben auch die Athener ihren Lüdrian wieder haben — „das sind ■Die Folgen des Leichtsinns!"
Als nun der Peloponnesische Krieg so weit war, trat der Pedell Gallhuber mit einem Zirkular des Oberstudiendirektors Gebhardt dazwischen, und der Professor Popp schob seine blaue Brille zurecht und verlas: „Heute nachmittag findet der Spaziergang statt.
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2,492
Bekannte Unbekannte.
Die Ueberschrift ist kein Scherz. Sie klingt widersinnig und ist es doch nicht. Wahrhaftig, sie stimmt, und fast jeden Tag kann man die Wahrnehmung machen, wohin man auf einem Wege durch die Stadt oder bei einer geschäftlichen Besorgung auch gerät, daß der scheinbare Widersinn dieser Worte eben nur scheinbar ist. Denn in Wirklichkeit haben wir alle bekannte Unbekannte.
Auf dem Dorfe kommt so etwas natürlich nicht vor. Der Bauer Hinrichs kennt nicht nur seinen Nachbar Steffen, er kennt auch alle Dorfbewohner, nennt sie beim Namen und weiß ganz genau, was sie treiben. Ein Fremder im Dorfe fällt ihm sofort auf und bleibt jener Fremde länger als einen Tag, so wird dem Bauer Hinrichs schon bald bekannt, um welchen Zeitgenossen es sich hierbei handelt. In der gedrängten Fülle städtischen Beieinanderwohnens ist das wesentlich anders, und häufig genug wahnen Menschen zusammen unter dem Dach eines großen Hauses, die sich kaum einmal sehen, geschweige, daß sie sich kennen.
Die Stadt hat nun mal ihre eigenen Lebensgewohnheiten, und so kommt es, daß wir oft jener Erscheinung gegenüberstehen, die etwas Frappierendes an sich hat. Du steigst beispielsweise in den Omnibus, suchst einen Platz und begegnest dabei dem Blick einer jungen Frau. Das Gesicht kommt dir ziemlich vertraut vor, aber während du deinen Fahrschein einsteckst, fällt dir ein, daß jene junge Frau öfter deinen Weg kreuzt, weil sie wahrscheinlich in deinem Straßenviertel wohnt. Ihr Name ist dir unbekannt und auch sonst kannst du nichts über sie aussagen. Sie ist tatsächlich eine bekannte Unbekannte, nicht mehr und nicht weniger. Am Abend besuchst du eine Veranstaltung. An der Garderobe steht in deiner Nähe ein untersetzter Herr, der auf einen anderen einredet. Wieder ist dir das Gesicht bekannt und wieder stellt sich heraus, daß der Herr einer von jenen ist, die häufig in dein Blickfeld treten, ohne daß du zu sagen vermöchtest, um wen es sich dabei handelt.
Jeder von uns hat so einen Kreis von bekannten Unbekannten. Und zwar kann er unterscheiden zwischen solchen, die er gelegentlich zu Gesicht bekommt, und jenen anderen, denen er mit regelmäßiger Pünktlichkeit auf dem Wege zur beruflichen Tätig-
£ Wieseck, 23. Nov. tos Wiesecker Ehrenmal V nun fertiggestellt. Die Einweihung soll am nach- ir>n Sonntag, 29. Novem- |nr stattfinden. Das (brenmal ist an der Ecke -T5 Friedhofes, Raben- nierftrafee, Alten-Busecker Strafe, angebracht und Ußt sich in würdiger, ihlichter Form seiner Um- icbung an. Nicht weit da- on befindet sich das alte WieseckerWohrzeichen: die Hforte. Den Entwurf zum Ehrenmal mit Ehrenhof -rtigte der Vorstand des i,ess.Hochdauamtes, Regie- ungsbaumeifter Kuhl
mann, dem auch die bauliche Leitung übertragen Dar. Die Bildhauerarbeiten waren dem Kunstbild- ■lauer Güngerich (Gießen) übertragen, während :ne Bauarbeiten von den Firmen Karl Schäfer : nb Heinrich Oßwald (Wieseck) ausgeführt wur- !<en. Weiter wirkten noch mit die Wiesecker Hand- Derker Kling, Schäfer und Balser.
Das Hufeisen.
Eines Tages verlor das Pferd des Marschalls von Sachsen, als er gerade auf dem Wege nach Versailles war, ein Eisen. Als er das Pferd in der nächsten Schmiede neu beschlagen lassen wollte, nahm der Marschall dem Schmied das neue Eisen, das er anpassen wollte, ab und sagte: „Warte einen Augenblick, dieses Eisen taugt nichts". Und damit zerbrach er es zum Erstaunen des Schmiedes mit den Händen. Das gleiche Spiel wiederholte der Marschall mit fünf oder sechs Eisen, bis er endlich erklärte: „Nehmt dieses Eisen, es ist gut". Der Schmied machte sich an die Arbeit, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Als es ans Bezahlen ging, reichte der Marschall dem Schmied einen ganzen Taler. Dieser nahm das Geld, sah es an und sagte: „Herr, ich verkaufe gutes Eisen und erwarte dafür gutes Geld". Bei diesen Worten zerbrach er den Taler zwischen den Fingern wie einen Strohhalm. Der Marschall reichte ihm einen weiteren Taler, mit dem aber der Schmied das gleiche tat. Erst als der Marschall ihm nach fünf oder sechs Talern ein Goldstück reichte, saate der Schmied: „Dieses Stück ist gut". Dem Marschall machte die Schlagfertigkeit und die Kraft des Schmiedes großen Spaß, und er erzählte die Geschichte später oft seinen Gästen.
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Fall schickte nunmehr, da die Zeit drängte, Professor Popp picht bloß seine Lieblingsschüler, sondern auch Begabungen zweiten und dritten Ranges, ja sogar die Hoffnungslosigkeiten aus, und vielleicht ist es kein Zufall, wohl aber ein Beweis für den von der Schule abweichenden Maßstab des Lebens, daß gerade eine der letzteren den Vermißten fand.
Er lag in einem der Riesenfässer, die, frisch ausgepicht, hinter der Brauerei aufgereiht waren, mit der offenen Deckelseite der scheidenden Sonne zugekehrt, damit die recht Hineinfunke und das Pech trockne mit ihrem grüngoldenen Schein. In dieser magischen Beleuchtung nun schlummerte der Jüngling mit dem hohlen Zahn und wollte vom Professor höchstselbst eingesehen werden. Zwei Freunde eilten deshalb zur Benachrichtigung voraus und vereinigten vor dem betreffenden Faß ihre Stimme zu dem Schreckensruf: „Da Popp kimmt! Geh außa!" Doch wie sollte ein Schlummernder antworten? Und der Professor kam.
„Ädam, wo bist du?" rief er, die Faßreihe entlanggehend, gleich einem Fürsten, der, von dem großen Kortege gefolgt, die Paradeaufstellung abschreitet. „Adam, wo bist du?"
Da vernahm man denn aus der Tonne ein Gepolter, als ob ein Einhufer Anstalten träfe, in einem allzu engen Raum sich umzukehren, und gleich darauf wieder jene erschütternd unvollkommenen Sprechversuche, die Kenner der altbayerischen Mundart verstanden als: „I ko net. I bi anpickt."
Professor Popp, unkundig der Widerstände und Hemmungen des praktischen Lebens, ließ aber die Entschuldigung nicht gelten, sondern rief: „Zum letzten Male: Adam, sofort heraus!"
Auf das nun sich erhebende langwierige Getrampel hin erschien endlich der Kopf des Adam Fritz in der Faßöffnung. Da die Haare büschelförmig verpicht und gesteift, das Gesicht geisterhaft, die Augen verglast waren, so bot dieses Gorgonenhaupt einen furchtbaren Anblick. Als er aber gar noch, offensichtlich unter der überraschenden Einwirkung der frischen Luft, das Maul aufriß und in restloser Erfüllung der Prophezeiung des Abtes Gelimer des Zweiten das Unterste sich zu oberst kehrte, da war jener Augenblick gekommen, wo Professor Popp, Antike und Gegenwart tiefgründig verbindend, zum zweitenmal an diesem Tag ausrief: „Das sind die Folgen des Leichtsinns!"
Wir Buben aber, wir flüsterten: „Net wahr is 's. Man fieht's ja. Dös fan de Folgen von de Wiener Würsteln." Und es liegt etwas unendlich Tragisches darin, daß Lehrer und Schüler, damals wenigstens, sich so oft nicht verstanden haben.
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Die Weihnachtsbäume kommen.
Während überall in den Städten die Geschäfte beginnen, ihren Auslagen ein weihnachtliches Festgewand zu geben, rollen durch das Land die ersten Transporte mit Weihnachtsbäumen. Die Tannen und Fichten haben oft einen weiten Weg vom Walde in die Stadt zurückzulegen. Schon im Sommer bereifen die Großhändler die für den Weihnachtsbaumeinkauf in Betracht kommenden Gebiete, treffen ihre Auswahl und schließen Geschäfte ab. Ende November oder Anfang Dezember werden die Bäume gefällt und zum Versand gebracht. Aus allen Teilen des Reiches kommen nun die Fichten und Tannen in die Städte, die Hauptlieferanten sind dabei Schleswig- Holstein, der Harz, Thüringen, das Sauerland und Bayern. Die Bäume werden zum Teil durch Durch-
Ein Pilot wird in der Lust ohnmächtig.
Ein aufregendes Erlebnis hatten die Passagiere eines Flugzeuges, das vom Flughafen Gerrniston nahe Johannisburg in Südafrika aufstieg. Gerade hatte das Flugzeug den Flugplatz unter Führung von Dr. Dalton, Kapitän des Benoni-Flieger-Klubs, verlassen, als dieser von einer Herzensschwäche befallen wurde und ohnmächtig im Führersitz zusarn- mensank. Die beiden Fluggäste, ein Herr, der nur ein paar Stunden Unterricht im Fliegen hinter sich hatte, und eine Dame, die zum ersten Male flog, bemühten sich lange vergeblich, den Ohnmächtigen vom Führersitz zu entfernen, um selbst die Apparate zu bedienen. Die Maschine flog unterdeß wohl eine halbe Stunde führerlos und sich auf und nieder wendend durch die Luft, bis schließlich der Fahrgast die Steuerung in die Hand bekam. Ihm glückte auch eine allerdings etwas stürmische Lanoung weit draußen auf einem leeren Feld, bei der der Apparat einen Purzelbaum schlug, jedoch ihn gänzlich unverletzt und die Dame mit einem gebrochenen Arm der sicheren Erde wiedergab.
Rn £ lö tot fr, 93,75 perlet- an, P 126 Ri’5
rffurföj^.
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Der Ehrenhof ist mit Steinen und Platten mn- ranbet, die mit Moos umpflanzt sind. Vier Ruhe- ausgestellt. Das Ganze ist mit Liguster
Bei6fl»er6e« t«:»Ä ««je» I" Bauvorhaben ■° Mark Arbeit» FUn9 eines amt. I ""erhalb von 1- .'^testens ab« Wherni ober der eriigung an hu e Arbeitsamt » bereits vor ben irMen di- i„ '■ H Ipäefnn ' für bie Echot.
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Misch- Arzt Ji, m Freitag vtt> 'rbsmäfcigen beschulbigt.
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öd. 3m Kreisort ein Lanbwirt im griffen. Dem 5, ben Vater aus n, boch hatte ber oongetragen, bie rberlid) madjten.
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tvertrag schriM! | Aus dieser Erkenntnis heraus führte die Orts- e bas Grunm. > gruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft auszugeben.-G nm gestrigen Sonntag in der Alten Pestalozzischule lt vor, so ist, «li- >' eines PachtMlu
ersten Werktag! essen Ablaus du igung wegen te i Pachtnertragt- h bas Pachten»,' . bestimmen, M lt. Entspricht in so kann für n 30. September
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Weib-W 6m?e* werben kann.
Ed r Erwerb tritt 5 in das Pacht'
Kurzschrift ist nicht allein Sache des Berufslebens. Hur derjenige bringt es zu hervorragenden Leitungen, ^der sie mit Schwung betreibt. Man kann |in der Schule und in den Kursen die Kurzschrift Uxelernt Haden und würde doch bald wi-d r ein r stümper, wenn nicht die größte kurzschritti' ' Or- ' zanisation der Welt, die Deutsche Stenvgiophen- >chaft, mit bewundernswerter Begeisterung um die »eitere Schulung bemüht wäre. Erst durch die zähe mb zielbewußte Arbeit der Deutschen Stenogcaphen- >chaft werden die Anfänger zu Fortgeschrittenen und
feit begegnet. Er kennt sie wohl, aber er weiß nichts von ihnen. Allenfalls kann er Vermutungen über sie anstellen. Da aber Vermutungen auch Fehlschlüsse zulassen, bleiben jene Leute schließlich doch, was sie sind: bekannte Erscheinungen mit unbekannten Schicksalen.
Aus vielen solchen unbekannten Schicksalen setzt sich allerdings die große Lebensgemeinschaft einer Städt zusammen, und häufig genug wird es passieren, daß einer von deinen bekannten Unbekannten, ohne daß du es ahnst, zur letzten Ruhe gebettet wird, während ein anderer in deinen Gesichtskreis tritt, den du bis dahin niemals gesehen hast.
H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Montag.
Stadttheater: 20.15 Uhr bis 23 Uhr Gastspiel der „Drei Zachini", der weltberühmten italienischen Clowns. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Du bist
Abtes Gelimer des Zweiten erfüllt zu „Unerhörte Geschehnisse werden des Kli. stehenden Untergang künden. Wenn aber das Unterste sich zu'oberst kehrt, dann, ja dann erst wird das Ende sein."
Don diesen Dingen sprach Professor Popp des langen und breiten auf unserem Weg, doch die Erfüllung der Prophezeiung wollte er nicht wahrhaben; denn die Entwicklung, sagte er, sei noch N'cht abgeschlossen. Uns Buben aber genügte sie: an Stelle des Klosters eine Brauerei mit einem Vier, viel berühmter in der ganzen Umgegend als ehedem die Klosterbkbliothek, und in der Brauerei


