Ausgabe 
23.11.1936
 
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Nr. 274 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Montag, "3.November 1936

Der Führer bei -en Gauamtsleitern

Jetzt hat auch Oberst Pague, den ich kürzlich

Professor 0r. Bier 75 Jahre alt

der

Musik wie an einer offenen Wunde"..

ein

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der gleichen Gabe.

ImM usikantendorf^

heimkehrenden Sohnes, der in vierzehnjähriger Ab­

geschminkter Offenheit des Ausdrucks zu seiner lau-

Tage" (nach (Seibel) undAde, ich muß nun gehen ten und unbekümmerten Lustigkeit verhelfen. Jedes zum Kampf wohl an den Rhein" (August 1870) Ding wird bei seinem Namen genannt, nichts sind in ausführlicher Aufzeichnung vorhanden. 1 Menschliches bleibt fremd oder schamhaft verhüllt.

gibt vor-

Der berühmte Berliner Chirurg Professor August Bier begeht am 24. November seinen 7 5. Geburtstag. (Scherl-M.)

er»- G' hob tausend word-n

satz von Dr. Wolfgang Pauker Die deutsche Elburs- Expedition, die in einer Woche die Besteigung von zehn Viertausendern zu verzeichnen hatte, ist in einem interessanten Bilderbeitrag geschildert.

Vermittlung der Erfahrungen aus der praktischen Arbeit und die lebensnahe Wiedergabe der für die Verwaltungsarbeit geltenden Vorschriften einen brauchbaren Beamten heranzubilden.

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Ober­bürgermeister Dr. Barth (Mainz), stellte m sei­nen grundsätzlichen Ausführungen über das Prü­fungswesen in den Gemeinden die Forderung auf, daß bei der Ausbildung und Prüfung der Ge­meindebeamten die Gesetze des nationalsozialistischen Staates die Grundlage zu bilden haben. Es ist zu begrüßen, daß nach den Vorschriften über den Vor­bereitungsdienst bei den hessischen Städten auch dem Volksschüler die Möglichkeit offen steht, in die höch­sten Verwaltungsstellen zu kommen. Diese Einrich­tung der Einheitslaufbahn hat sich bewährt und ist beizubehalten. Die praktische Ausbildung des An­wärters in der Verwaltung muß mit besonderer Sorgfalt überwacht werden, und es ist zweckmäßig in Ergänzung hierzu, nebenher die Unterrichtslehr- gänge laufen zu lassen. Der Verwaltungsanwärter, der aktiv in der Arbeit der Partei und ihrer Glie­derungen steht, habe Gelegenheit, den Auf- und Ausbau des neuen Staates praktisch mitzuerleben

,/Sas Musikan'endorf" im Frankfurter (Schauspielhaus.

Der Verfasser versteht es, Figuren mit klaren Kon­turen hinzustellen, der Regisseur führt sie in flotter, stets lebendiger Szene. In den Hauptrollen treten die in diesem Genre bewährten Kräfte des Frank­furter Ensembles auf: Karl L u l e y, Franz Schneider, Bum Krüger, Anny Hanne- wald, zu denen sich Else Knott und Joachim Gottschalk als das junge Paar hinzugesellen. Es gab am Schluß und wiederholt bei offener Szene reichen Beifall. Dr. W.

Wesenheit in der Welt berühmt geworden ist und nun im Vaterhaus, das er vor dem Uebergang in fremde Hände rettet, aufs neue die Heimat und in der Jugendgespielin die Frau zu finden. Um diese öfter in Szenen gebrachte Begebenheit wu­chert die Fülle volkstümlicher Sprüche und Redens­arten, derber Späße und wehmütiger Lieder, die den Reiz des Stückes ausmachm und ihm in un­

zusammengebrochenenDolkssoldaten" wieder ins Feuer zurucktreiben. Von den Flugzeugen, die die Roten ausschicken, kehren nur wenige nach ihrer Basis zurück. Zwanzig sowjetrussische Tanks sind in weniger als vierzehn Tagen zur Strecke gebracht, aber der Madrider Rundfunk faselt weiterhin, beinahe stündlich, von demHel­denmut der Verteidiger der Freiheit und des Rechts", von demzunehmenden Optimismus der legalen Regierung", vonerfolgreichen Flieger­bombardements", von zahlreichen Abschüssen natio­naler Apparate. Zwischendurch gibt der Madrider Sender pathetische Reden sowjetrussischer

Nietzsche als Komponist.

Neue Forschungen im Weimarer Nietzsche-Archiv.

Friedrich Nietzsche, der Dichterphilosoph, in einem seiner vielen Rechenschaftsberichte in

elm Lange.

die Bilder: )ans Ttpynot; in.

ben Inhalt der X. 36: 10000. weriitäts-Buch« 9., sämtlich in 05 einschließlich Werten 15 Pf. und Samstags Pf. mehr. ' uni 1935 gültig.

NSG. In Anwesenheit des stellv. Gauleiters, Staatsrat Reiner, fand in Mainz eine Bespre­chung des Prüfungsausschusses für die Beamten der Gemeinden und Gemeindeoerbände in Hessen mit den Lehrern und Geschäftsführern der Unter- richtslehrgänge für die hessischen Gemeindebeamten statt.

Gauamtsleiter Bremmer behandelte in ein­gehenden Darlegungen das Ausbildungswesen der Gemeindebeamten. In engster Zusammenarbeit mit dem Prüfungsausschuß ist es gelungen, einen gro­ßen Teil von alten Kämpfern der nationalsoziali­stischen Bewegung, die neu in die Verwaltung her­eingenommen wurden, in den Unterrichtslehrgän­gen auf die Verwaltungsprüfungen vorzubereiten und ihnen damit den Weg in höhere Verwaltungs­stellen zu öffnen. Charakterliche Eignung und po­litisch-weltanschauliche Zuverlässigkeit sind die selbst­verständlichen Voraussetzungen für die Uebertragung eines Amtes in der öffentlichen Verwaltung des nationalsozialistischen Staates Ergänzend tritt hinzu eine gediegene sachliche Ausbildung. Dabei kommt es aber nicht darauf an, eine unübersehbare Fülle blutleeren Wissens anzuhäufen, sondern durch

Der Führer, der bei seinem Besuch auf Burg Vogelsang in der Eifel, der Schulungsburtz der NSDAP., vor 600 Gauamtsleitern sprach, verweilte im Speiseraum der Burg in zwangloser Unter­haltung inmitten der Teilnehmer der Tagung. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

und zeichnen sich durch ein bestimmtes Kolorit aus. Seine beiden Vokal-QuartetteHerbstlich sonnige

her den Wagen bedeckt, und die beiden l'tter, die die Karosserie durchschlagen am ein beredtes Zeugnis ab von den vier- Kilometer, die in der kurzen Zeit geleistet sind.

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Toni Impekoven führt bann Regie, ein aus­gezeichneter Kenner dieser Gattung. Er schaut dem Volke aufs Maul und sucht sich seinen Autor mit

Die Frankfurter Bühnen pflegen alljährlich ... ober zwei Volksstücke zur Aufführung zu bringen.

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Agenten, bie nur ein schlechtes Französisch sprechen unb noch schlechter ins Spanische übersetz! werben. Für bie vor Mabrib liegenben Solbaten bes Generals Franco bebeutet bie Uebertragung berartiger Reden, bei denen jedes Wort der Wahr­heit ins Gesicht schlägt, jedesmal Freude und Ge­nugtuung. Durch meine Autofenster sehe ich zwei von den Roten übergelaufene Kanoniere und einen Zivilisten, an dessen bleichem, abgemagertem Ge­sicht der aus der roten Hölle Maorids entwichene Flüchtling zu erkennen ist. Ich will versuchen, ob ich Neues erfahre...

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gerückten Jahren seines Schaffens einmal eine Rück­schau auf die Jahre, in denen der dionysische Kunst­rausch in ihm am stärksten war. Mit stiller Resi­gnation wagt er sein eigenes musisches Wunschbild rückblickend zu umreißen:Sie hätte fingen sollen, Öiefe neue Seele und nicht reden". Dies Wort gibt einen Begriff von der hohen Selbsteinschätzung Nietzsches als Musiker, die wir im Verlauf seines gesamten Lebens feststellen können.

Daß Nietzsche ungewöhnlich musikalisch war, ist bekannt. Selbst Richard und Cosima Wagner tobten die Kunst seines freien Phantasierens auf dem Klavier. Wie unlösbar sein eigenes geistiges Wirken mit dem Schicksal der Musik verbunden war, geht aus vielen Anmerkungen seiner Werke rjeroor. Nicht nur die genialen Aufzeichnungen zu LizetsCarmen" bezeugen seine hohe Musikalität, nud) die vielfältigen Aussprüche über Richard Wagner, dem er in einer Art von Haßliebe ver­bunden war, bie von ihm selbst wieder alsSter- lienfreundschaft" überhöht wurde.

Wer das Leben Nietzsches kennt, weiß auch, daß er komponierte. Vor allem der junge Nietzsche, der Student und der Basler Professor, hat mannigfache kompositorische Versuche gemacht. Aber auch der ^reifte und auf der Gipfelhöhe feines Schaffens «stehende Dichter desZarathustra" schrieb noch musikalische Schöpfungen nieder. Sein letztes Werk dürfte bas 1882 entftanbeneGebet an bas Leben" Cnad) Lou Anbreas-Salom6) fein, zugleich ^uch feine bebeutenbfte Liebkompofition, bie sich unter den sechzehn gebrückten Liebern als eigenstes und tiefstes Werk auszeichnet. Nietzsche hat feiner I musikalischen Hinterlassenschaft großen Wert beige-, messen. Selbst der in Geistesnacht Verfallene hat *en Gedanken an feine musikalischen Aufzeichnungen mcht aufgegeben und wünscht wie bie Jenaer Unstaltsberichte vermerken, daß seine Kompo- »tionen aufgeführt werben sollten.

Nietzsche würbe als Komponist von Wagner, wer auch von Hans von Bülow abgelehnt, »öhrenb sich Liszt über seine kompositorischen ^ersuche weit günstiger äußerte. Sicher ist, baß bie Tinschätzung bes Komponisten Nietzsche während «eines Lebens unter dieser Beurteilung litt; bis [eute hat diese Einstellung keine Nachprüfung er- mhren. Sollte die vielseitige Nietzsche-Wissenschaft

Nietzsche muß bei der ersten Wiedergabe dieser Ge­sangsquartette wohl bie Baßstimme gesungen haben.

Auch bie für Chor unb Orchester geschriebenen Teile aus ber Messe,Gloria",Agnus dei unb Kyrie", finb im vollstänbigen Klavier- unb Orche­stersatz vorhanben. GleichfallsDer Hymnus auf bie Freunbfchaft", ber sich um eine Kernstrophe fügt, bie ben Lieblingsgebanken Nietzsches von einem Mufenklvster in einem Tempel ber Freunbfchaft hymnisch zum Ausbruck bringt. In vollständigem Satz, aber auch in vierhändiger Bearbeitung ist seine alsMeditation" bezeichneteManfred"- Komposition vorhanden. Er konnte Schumanns, dessüßlichen Sachsen", Manfred-Komposition nicht verstehen und schuf schließlich eine eigene Vertonung der Dichtung Byrons.

Mit den hier genannten Werken ist nur ein Teil des musikalischen Wirkens von Friedrich Nietzsche umschrieben. Jedenfalls ist die Fülle seiner Kompo­sitionen größer, als man sich vorstellen konnte. Sie sind nicht alle gleichwertig und bedeutsam. Doch stellen sie ein wichtiges Teilgebiet von Nietzsches Gesamtschaffen dar, ein Gebiet, das Nietzsche nicht bloß als musikalischen Auch-Künstler und en­thusiastischen Liebhaber zeigt, sondern auch ein­deutig die kompositorische Befähigung dieses univer­sellen Geistesmenschen beweist. Nietzsche litt ja nach seinen eigenen Wortenan dem Schicksal

und die deutsche Kulturwelt, die sich so nachdrück­lich auf die gesamte Geistesbotschaft Friedrich Nietzsches bezieht, übersehen haben, daß Nietzsche seine musikalischen Werke seinen philosophischen und dichterischen gleichordnen wollte und daß man heute die Ehrenpflicht hat, Nietzsche, den Kompo­nisten, wenigstens kennenzulernen?

Seine musikalische Hinterlassenschaft schlummert im Archiv. Der Staub der Jahrzehnte ruht auf ihr. Und doch verdiente so manches der hier ver­schlossenen Werke zu tonendem Leben erweckt zu werden! Nietzsche, der Liedkomponist, ist durch die sechzehn gebrückten Lieder immerhin bekannt ge­worden. Aber wer weiß, daß er auch Klavier­kompositionen, Teile einer Messe, Vokalquartette, vierhändige Tondichtungen, eine symphonische Dich­tungErmanarich" und schließlich ein kantatenhaft angelegtes WerkHymnus auf bie Freunbfchaft" nieberschrieb? Wir haben von ber Hanb bes elf­jährigen Nietzsche Skizzen zu einer Motette unb aus späteren Jahren Abschriften aus Kompositionen Hänbels, Beethovens unb Wagners. Stets scheint bas Vierhanbigspielen auf seine musikalische Phan­tasie gewirkt zu haben. Denn bas Archiv birgt nicht bloß Originalkompositionen für vier Hänbe, fonbern auch Bearbeitungen anberer Werke für biefe Spiel­art. Vom jungen Nietzsche bestaunen wir zwei Klaoiersonaten in G-dur unb D-dur, währenb wir vom Nietzsche ber späteren Zeit eine alsgroße Sonate" bezeichnete unb als Fragment hinterlassene Klaoierkomposition kennen lernen In all seinen kompositorischen Versuchen für Klavier erleben wir einen meist stimmungshaft unb programmäßig an­gelegten Hintergrund. Wie nahe Nietzsche Liszts Idee von der Musik kam, kennzeichnen seine lieber» schriften. So nennt er eine lange phantasieartig an­gelegte Komposition für Klavier und Geige:Syl- oesternacht", einemusikalische Dichtung", während er denErmanarich" alssymphonische Dichtung" bezeichnet Auch in seinen Klavierstücken ist er Klavierpoet. Die Titel kennzeichnen dies: sie heißen beispielsweise:Polnische Tänze",Aus der Scarda",Heldenklage",Ungarischer Marsch", Mazurka",Im Mondschein auf der Pußta"

Bemerkenswert sind Nietzsches Skizzen zur Kom- positions- und Harmonielehre. Hier sieht man sein heißes Bemühen, sich als Musiker zu vervollkomm­nen und eine verläßliche Grundlage zu finden. Seine Kompositionen sind meist äußerst melodiös

Sochschulnachrichten.

Der Führer und Reichskanzler hat den Dozen- teil an der Handelshochschule Leipzig Dr. rer. pol. habil. Erich Egner mit Wirkung vom 1. Sep­tember 1936 zum beamteten außerordentlichen Pro­fessor für theoretische Volkswirtschaftslehre in der Wirtschafts, und Sozialwissenschaftlichen Fakulcät der Universität Frankfurt ernannt. Dozent Dr. med. habil. Heinrich Kalbfleisch ist von dem Herrn Reichs- und Preußischen Minister für Wis- lenschaft, Erziehung und Volksbildung zum nicht- beamteten außerordentlichen Professor in Frankfurt ernannt worden. Der Herr Reichs- und Preu­ßische Minister für Wissenschaft, Erziehung unb Volksbilbunq hat Herrn Dr. Morinaga beauf­tragt, im Wintersemester 1936/37 an ber Universi- tät Frankfurt japanischen Sprachunterricht zu erteilen. Der orbentliche Professor ber Psychia- trie unb Neurologie Dr. med. Karl Kleist in Frankfurt ist unter gleichzeitiger Verleihung ber Schaffer-Denkmünze zum forrefponbierenben Mit- glieb ber Gesellschaft Ungarischer Psychiater ernannt worben.

besuchte, sein Quartier nach hier verlegt. Er ist einer ber treuesten Offiziere Des Generals Franco unb hat bei ben Kämpfen um Babajoz unb Tala- oera ben Kriegsruhm geerntet. Pague treibt feit Monaten bie kommunistischen Bataillone mit ben hochtrabenben BeinamenRosa Luxemburg", Thaelmann",Dimitrow",Lenin",Pasionaria", Largo Caballero", bann bieLöwen Mabribs", bie Unbesiegbaren", bieeisernen" unb biestähler­nen" Solbaten Moskaus vor sich her; er erlebt täglich, baß ber ganzeHelbenmut" ber kommuni­stischen Sölbner nur barin besteht, wehrlose Men­schen aus ihren Häusern zu holen, sie zu peinigen unb zu morben, Kirchen, Wohnungen, ganze Dör­fer unb Stäbte zu schänben, zu plünbern unb in Brcmb zu stecken. Pague brennt baher barauf, bie Hauptstabt enblich von ber roten Herrschaft zu be­freien unb ben Kommunisten nicht bie Zeit zu las­sen, bie Stabt in einen Trümmerhaufen zu ver- roanbeln. Ungebufbig geht er, bie Hänbe in ben Taschen eines bunfelbraunen Lebermantels, ben Blick nachbenklich auf ben Boben gerichtet, an bem großen eichenen Kartentisch, auf bem ber Stabtplan Mabribs ausgebreitet liegt, auf unb ab. Drbonnan» zen kommen unb gehen, kurze Befehle unterbrechen die im Flüsterton geführte Unterhaltung ber Ab- jutanten, bie Granaten ber in ber Nähe stehenben Batterie jagen mit kurzen Unterbrechungen wenige Meter über bas Dach hinweg in bie roten Stellun­gen ber Sübstabt ...

Mabrib scheint zu brennen. Seit einigen Tagen ist ein Teil ber Stabt in Rauchwolken gehüllt, bie nicht allein Ursache bes Bombarbements finb. Das sog. Verteibigungskomitee ber roten Hauptstabt bereitet offenbar ben Rückzug vor unb orbnet angesichts ber Hoffnungslosigkeit bes Wiber- ftanbes bie Jnbranbsetzung Mabribs an. Fast in greifbarer Nähe liegt bas Häusermeer. Mit bem Fernglas erkenne ich Den Retiropark, ben Botanischen Garten unb baneben bas Haus in besten obersten Stockwerk bie Vertretung bes Deutschen Nachrichten­büros untergebracht war. Der Sohn bes bekannten spanischen Politikers Graf Romanones, ber auf abenteuerliche Weise noch im September aus Mabrib entkommen konnte, erzählte mir, baß bas DNB.-Haus in eine Kaserne ber roten Miliz um» gewandelt worden ist. Durch das Glas glaube ich zu erkennen, daß an der vorderen Front des Gebäudes unterhalb des Daches ein riesiges Loch gerissen ist. Ob dies nur ein Schattenspiel der Mittagssonne ist oder die Wirkung des Bombardements (das Haus liegt in der Nähe des Südbahnhofs!), läßt sich nicht einwandfrei feststellen.

Von der Toledo-Brücke bis zum südöstlichen Stadtteil Vallecas hinüber erstrecken sich b i e Hauptbefestigungen ber Roten, bie täg­lich von schwerer Artillerie unb von Bombenge- schwabern für ben Sturmangriff auf bas Stadt­zentrum reif gemacht werben. Wenn bie unheim­lichen Explosionen ber 250-Kilo-Fliegerbomben bie wenigen noch heil gebliebenen Fensterscheiben in Carabanchel, wenige Kilometer vom Manzanares entfernt, erzittern lassen, bann kommt einem ber ungeheure Frevel mit aller Klarheit zum Bewußt­sein. Die Auffvrberung General Francos, bie Stabt auszuliefern unb vor bem Ruin zu bewahren, ist wirkungslos geblieben. General Franco hegt eine befonbere Liebe zu Mabrib unb hat baher bie Be­schießung unb ein Bombarbement immer wieber hinausgezögert, weil er immer noch wenigstens einen Funken Vernunft in dem Untermenschentum vermutete, das sich jetzt in der Hauptstadt austobt, lieber hundert Flugzeuge sind nach Madrid geschickt worden, nicht um zu bombardieren, sondern um den Moskowitern die Sinnlosigkeit ihres Verhaltens vor Augen zu führen. Der 'Weg nach der Levante- küste ist frei gelassen worden, um auch den Haupt­schuldigen die Flucht nicht unmöglich zu machen. Alles blieb vergebens. Die Rädelsführer mobili­sierten den letzten wehrfähigen Mann und jagten Frauen unb Kinber in bie oorberfte Feuerlinie.

Täglich berichten bie Ueberläufer von bem ver­brecherischen Treiben ber roten Agenten, bie mit ber vorgehaltenen Pistole bie unter schweren Ver­lusten zurückweichenben, ungeschulten unb moralisch

rf Sranffuri .^gesehen von öürd) ein aus- jn seinem Be­wegung in ber ngestellt, wäh. se noch Mel. gehalten hat. e früh stärkere es Verhältnis- 1 Niederungen ierung in ber fähiger Frost age bleibt für

An ben Nie- Hochnebel, sonst t, veränderliche

Fortdauer des ästen.

er: mittags 1,0 123. November: ,6 Grad, Mini- rdtemperaturen enbs 2,3 Grad; ad Celsius. -

Vor Madrid.

Don unserem Sche.-Sonderberichterstaiier.

(Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Mabrib-Carabanchel, November 1936.

Es ist Mittagszeit. Vor einer Viertelstunbe war noch eine 15,5-cm-Granate etwa 50 Meter von mir entfernt in eine armselige Hütte eingeschlagen, ein Abschiesgruß ber aus Mabrib fliehenben Kom­munisten. Seit jenem Augenblick war Ruhe einge­treten. Nur in ber Ferne feuerten bie Batterien von Leganes noch fortgesetzt auf bie feinblichen Stel­lungen in ber Gegenb bes Sübbahnhofs unb bes Staotteils Delicias. Um biefe Zeit konnte man mit einer vorübergehenben Mittagspause rechnen, wäh­renb ber bie Kampfhanblungen auf beiben Seiten eingestellt zu werben pflegen, ein befonberes Merk­mal dieses Krieges. Ich setzte mich also mit der Ge­wißheit in mein Auto, diesen Bericht ungestört zu Ende schreiben zu können.

Der Besitzer des Wagens ist ein Tuchfabri­kant aus Barcelona, der nach Beginn der Revolution sich wochenlang in einem Keller ver­steht hielt, dann zu fliehen versuchte, aber bei der nächtlichen Ueberquerung der Pyrenäen auf einem heimlichen Pfad von kommunistischen Milizsoldaten ausgespürt, verhaftet und nach Barcelona zu­rücktransportiert wurde. Der Tag seiner Hinrich­tung war bereits festgesetzt. Aus dem Kerker, in bem er zusammen mit mehreren hunbert rechts- ftehenben Personen hauste unb sich auf ben Tob vorbereitete, mürben täglich zwanzig bis dreißig Opfer zur Richtstätte abgeholt. In letzter Minute bot sich eine Fluchtmöglichkeit, zu ber ihm sein früherer Chauffeur, ber jetzt bie Aufgabe eines anarchistischen Gefängniswärters versah, verhalf. Derkleibet als Milizfvlbat, entkam er nach lieber» roinbung zahlreicher Hinberniste auf ein im Hafen liegenbes frembes Kriegsschiff, bas ihn mit nach Italien nahm. Seine Familie besinbet sich zum Teil noch in Barcelona versteckt, ziun Teil ist sie nach Italien ober Frankreich g e - flohen. Der Vater unb ein ©ruber finb von ben Roten erschossen; bie meisten seiner Freunbe ereilte bas gleiche Schicksal. In Italien kaufte er sich von bem Rest feines Gelbes ein Auto unb stellte sich ber nationalen Regierung in Burgos zur Verfügung. Seit vierzehn Tagen besuche ich mit ihm von Talavera be la Reina aus ben Front­abschnitt NaoalcarnervMabrib. Der Staub unb

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Berlin, bieser Kunstschau roibmet bie neueste Num­mer berI 11 u st r i r t e n Zeitung Leipzig" (I. I. Weber, Leipzig) einen reichbebilberten Beitrag. Ein Kulturbenkmal auf österreichischem Boben, da» Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, beste» Kirche vor 800 Jahren errichtet mürbe, ersteht tn seiner ganzen historischen, kunst- unb kulturgeschicht­lichen Bebeutung burch einen reich illustrierten Aut»