Ausgabe 
23.11.1936
 
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Eichenlaub ausgezeichnet. Nach der November­revolte 1918 stellte Generalmajor Faupel in Gör­litz ein Freikorps auf, das an den Kämpfen gegen die Spartakisten in Dresden, Mün­chen und im Ruhrgebiet teilnahm. Auch an den Kämpfen in Oberschlesien hat sich Gene­ral Faupel beteiligt. In den Jahren 1921 vis 1930 weilte Generalmajor Faupel als Berater des Prä­sidenten Uriburi in Argentinien. Nach seiner Rückkehr berief ihn das preußische Kultusministe­rium im Jahre 1934 zum L e iter des Jbero- amerikanischen Instituts.

England und die Blockade vor Barcelona

London, 23. Nov. (DNB. Funkspruch.) In der Downing-Street fand am Sonntagnachmittag völlig unerwartet eine Ministerbesprechung über die Lage in Spanien statt. Außer Ministerpräsident Baldwin, der zu der Besprechung von seinem Landsitz Chequers zurückgekommen war, nahmen Schatzkanzler Neville Chamberlain, Außen­minister Eden, Innenminister Sir John S i - m o n, Marineminister Sir Samuel Hoare und Verteidigungsminister Sir Thomas I n s k i p an der Beratung teil, ebenso der Erste Seelord, Groß-

LtnerhörteVerdächtigungen des Gudetendeuischtums.

Wie tschechoslowakische Minister die Ausschaltung der deutschen Beamten aus dem Post- und Bahndienst zu begründen suchen.

Prag, 21. Nov. (DNB) Im Staatshaushalts- ausschuß des Abgeordnetenhauses nahm Postmlni- ster Tucny zu den von der Sudetendeutschen Partei oorgebrachten Beschwerden hinsichtlich der Verdrängung deutscher Beamter und Angestellten aus den Postdienststellen. Der Minister erklärte, daß Telephon und Tele­graph vor allem in den Händen von staat- sichverläßlichen" Beamten sein müßten, worunter er nur Tschechen versteht. Die Partei­auflösungen im Herbst 1933 hätten die Postoerwal- tung zu Maßnahmen gezwungen, die sich hauvtsäch- lich gegen die staatlich unzuverlässigen Angestellten richteten. Diele Beamte seien entlassen, andere in den Ruhestand versetzt oder über sie Disziplinar­strafen verhängt worden.

Diese ungerechten Maßnahmen gegen dl- Le- bensrechle des Sudelendeutschtums glaubte der Minister mit unglaublichen Ver­dächtigungen begründen zu können, wobei er wörtlich ausführte:Die Entwicklung in

Arbeiter in deutsche Gebiete gebracht werden, wäh­rend die Einheimischen beschäftigungslos bleiben. Es sei richtig, daß vor allem einheimische Arbeitslose beschäftigt werden, womit nicht gesagt sei, daß dies nur Deutsche sein sollen. Der Minister müßte aber auch die Qualifikation und die staatliche Ver­läßlichkeit eines Jeden in Betracht ziehen. Er selbst verhalte sich den Deutschen gegenüber voll­kommen loyal.

Zu der Beschwerde, daß k o m m u n i st e n bei den Staatsbahnen nicht unterkommen, stellte der Minister fest,- daß diese Politik den Kommu­nisten gegenüber aus der Zeit stamme, wo die

Kommunisten den Soldaten die ParoleMen­del eure Massen gegen eure Offiziere" ein­prägten. Der Minister betonte, daß er diese Hal­tung auch gegenüb er jenen Deutschen einnehme, die einst der Deutschen Ratio- nalsozialistischen Arbeiterpartei angehörten.Für diese Leute ist kein Platz in der Staatsverwaltung", sagte der Minister wörtlich. Es würde genügen, in einer kritischen Stunde einen Zug falsch zu dirigieren, was gegebenenfalls tragische Folgen haben kann." (!)

Volksfront als Prellbock des Bolschewismus.

Moskaus Direktiven für die tschechischen Kommunisten.

admiral Chatfield. Daraus geht hervor, daß die Minister sich in erster Linie mit den Fragen beschäftigen, wie sich auf der angekündigten Blockade des Hafens von Barcelona durch die See- streitkräfte der National-Regierung ergeben.Daily Expreß schreibt, daß eine Neuverteilung der briti­schen Flotteneinheiten in den spanischen Gewässern erwogen werde. Britische Schiffe würden aufgefor­dert werden, sich von der Gefahrenzone fern zu halten. Die zur Zeit in Barcelona befindlichen eng­lischen Kriegsschiffe würden möglicherweise zurück­gezogen werden.

Englands Veistandsverpflichtungen.

London, 21. Nov. (DNB.) In einer Rede in Leamington befaßte sich Eden auch mit den Zwecken, denen die britischen st ungen dienen sol­len. Er erklärte:Sie sollen zur eigenen Verteidi­gung und zur Verteidigung Der Länder d e s Britischen Weltreichs verwendet wer. den. Sie werden aber auch zur Verteidi­gung Frankreichs und Belgiens gegen einen nicht herausgeforderten A n - griff entsprechend den bestehenden Verpflichtungen dienen. Sollte ein neues Abkommen in Westeuropa zustandekommen, werden sie ebenso zur Verteidigung Deutsch­lands eingesetzt werden, sollte dieses das Opfer eines nicht herausgeforderten Angriffs durch irgend­einen der Unterzeichner eines solchen Abkommens fein. Das zusammen mit unserem Bündnisver­trag mit dem Irak und unserem vorgesehenen Vertrag mit Aegypten sind unsere einzigen Verpflichtungen. Außerdem kann unsere Wehrmacht dem Opfer eines Angriffs zu Hilfe eilen, wo es nach unserer Ansicht nach den Vorschriften des Völ­kerbundes angebracht fern würde. Ich benutze das Wortk a n nx aus wohlerwogenen Gründen, nach­dem in einem derartigen Fall keine automatische Verpflichtung mehr für eine militärische Aktion besteht.

Alle Kräfte im Dienste des Vieriahresp'ans. Eine Rede des Ministerpräsidenten Köhler.

Karlsruhe, 21.Nov. (DNB.) In der In­dustrie- und Handelskammer Karlsruhe sprach Mi­nisterpräsident Köhler über den Dierjahresplan. Es ist nicht so, als ob wir uns in Deutschland von der Weltwirtschaft völlig l o s l ö s e n wollten. Die­ses Ziel ist weder beabsichtigt noch gewollt. Durch den Vierjahresplan soll allerdings verhindert wer­den, daß wir an andere Mächte, die den Rohstoff, den wir brauchen, besitzen, auf Gedeih und Ver­derb ausgeliefert sind. Im übrigen muß die ge­samte Wirtschaft ihre ganze Kraft einsetzen, um die Ausfuhr zu heben. Auf der anderen Seite müssen wir darangehen, alle gegebenen Mög­lichkeiten innerhalb der deutschen Volkswirtschaft zu mobilisieren, um uns rohstoss- und nahrungsmittel­mäßig freier zu machen. Alle Kräfte, die in der Landwirtschaft beschäftigt sind, haben gegenüber dem deutschen Volk die unumstößliche Pflicht, nach wie vor die Werte an Grund und Boden auszu­nutzen und das herauszuholen, was möglich ist.

Der Dierjahresplan wird den Aufbau neuer gro­ßer Werke mit sich bringen, und die deutsche Wis­senschaft wird alles tun, um die Rohstofferzeugung zu fördern. Selbstverständlich müssen die neuen Er­zeugnisse vom Volk gern und freudig ausgenommen werden. Auch der Kleingewerbetreibe nde und nicht zuletzt die Hausfrau seien überaus wichtige Glieder der Wirtschaft. Wichtig ist weiter die Erfassung derjenigen Werte, die in Deutschland bisher vertan und nicht verwertet wurden. Es ist selbstverständlich, daß auch in den Betrieben olles getan wird, um den letzten Abfall der Derwertungzuzuführen. Es gilt nun, das, was wir haben, so zu v e r t e i l e n , wie es gerecht und staatspolitisch notwendig ist. Die lieber» wachungsstellen bleiben im bisherigen Umfange bestehen und werden auch künftig die Last der Arbeit zu tragen haben. Es fei für das Gelingen des Vierjahresplancs von entscheidender Bedeutung, daß alles daran gesetzt wird, um zu verhindern, daß die Preise in Deutschland in die Höhe schnel­len. Andererseits müsse verlangt werden, daß die Käufer entsprechend vernünftig sind und nicht in der Gegend Herumreisen, um alle möglichen Dinge zusammenzukaufen. Das wäre ein Verbrechen am Deutschen Volk.

Das Gesetz über Düngemittel- und Saatgutversorgung, das für die Ernte 1936 gegolten hat, ist von der Reichsregierung auch für die Ernten der Jahre 1 9 3 7, 1 938 und 1 939 verlängert worden. Danach besteht für Düngemittel- und Saatgutkredite ein gesetz­liches Pfandrecht an den in der nächsten Ernte anfallenden Früchten, wenn die Düngemittel, das Hochzuchtsaatgut und die anerkannte Saatware von dem Besitzer in der für derartige Geschäfte üblichen Art nach dem 30. November für die nächste Ernte zur Steigerung des Ernteertrages beschafft und verwendet morden sind. Das Pfandrecht er­lischt mit dem 1. April des auf die Ernte folgenden Jahres, wenn es nicht vorher gerichtlich geltend ge­macht worben ist.

unserer Nachbarschaft zwang uns zur erhöhten Vorsicht bei der Besetzung des Telephon- und Telegraphendienstes im Grenzgebiet (!). Gegen Telephon und Telegraph pflegen sich meist die Absichten der staatsfeindlichen Elemente zu rich­ten. Besonders die internationalen Leitungen müssen sich in national verläßlichen Händen befinden, hierbei ergeben sich bei den Postämtern, bei denen ein bedeuten­der Teil des Personals deutsch ist, gewaltige Schwierigkeiten.

Fast alle diese Beamten sträuben sich dagegen, sich bei anderen Dienstzweigen einzuarbeiten. Wenn wir eine andere Vermutung über diese Vor­liebe ablehnen, so bleibt nichts anoeres übrig, als sie mit einer gewissen konservativen Einstellung zu er­klären, in dem sie oft aus Bequemlichkeit am Bis­herigen kleben, an einem reichlich mechanischen Dienst, wo sie eher ihre geringere Kenntnis der Staatssprache vertuschen können. Ihre tschechischen Kollegen sind deshalb daran gehindert, sich an die­sem Dienstzweige einzuarbeiten."

Auch Der Eisenbahnminister Bechyne beschäf­tigte sich mit Den von der Sudetendeutschen Partei vorgebrachten Beschwerden über die Zurückdrüngung des deutschen Elementes im Personal der Staats­bahn. Der Minister erklärte, er selbst halte es nicht für richtig, daß z. B. aus tschechischen Gegenden

Prag, 21. Nov. (DNB.) Das Nachrichtenblatt des Bezirksoerbandes Prag Der Sudetendeutschen Partei,Der Ru f", veröffentlicht einen acht Spalten langen Bericht über die gefährliche Wühl­arbeit der tschechoslowakischen Bol­schewiken, die darauf ausgehen, durch plan­mäßige Panikmache bei allen Tschechen eine Vedrohungspsychose hervorzurufen und Massenver­wirrung zu stiften, um bann in Der allgemeinen Ratlosigkeit das Volk auf die Straße zu Hetzen, die demokratischen und sozialistischen Füh­rer einfach zu überrennen und in diesem Chaos nachder Staatsmacht zu greifen.Der Ruf" deckt anhand DerDirektiven für Die Durchführung Der Beschlüsse Des Hentralausschusses Der Kommu­nistischen Partei in Der Tschechoslowakei" Die Pläne auf, Dieauf den Ausbau Der Einheits - und Volksfront und damit auf Die Verhinde­rung Der Pläne Des ausländischen Faschismus und Der inländischen Reaktion ausgerichtet sein müßten". In einem streng vertraulichen Brief an die Kreis- jefretariate Der kommunistischen Sektion in Der Tschechoslowakei wird d i e SudetenDeutsche Partei in Der gemein ft en Weise ange­griffen und einergroßen hochverräterischen Aktion" bezichtigt, Der Die Moskaujünger auf Der Spur seien ünd die sie mit Beweisen Der breiten Oessentlichkeit vorlegen wollten. Bisher hätten sie allerdings die Beweise noch nicht in ihren

Händen (!), aber nach Der Enthüllung würDen Diese Pläne riesigen Aufruhr unD Beunruhigung in allen Schichten Der Bevölkerung auslösen. Die sich bedroht fühlen und um Die Selbständigkeit der Republik bangen werde.

Jlad) einer Rede des kommunistisch-französi­schen Abgeordneten D n c l o s vor den Prager kommunistischen Funktionären mühten die tsche­choslowakischen Kommunisten zur Erreichung ihres Zieleswenn nötig auch Den schein­baren Eindruck Hervorrufen, als ob sie die kommunistische Linie verlassen würdent Alles in allem die Bedingungen vorbereiten für die sozialistische Revolution." Duclos schloß: Ich glaube fest daran, daß die Volks­front schon in kurzer Zeit auch in der Tschechoslowakei verwirktlichl sein wird. Die Kommunistische Partei Frank­reichs wird euch dabei eine große Hilfe fein! Mr Kommunisten wollen, daß diese Republik, in der heute das Bürgertum herrscht, eine sozialistische Sowjetrepublik wird. Deshalb ist die Volksfront wahrhaft notwendig, die einzige Ausgangs st eltung, für die wir kämpfen, wir in Frankreich ge­

nau so wie ihr in der Tschechoslowakei!"

Staatssekretär Schmidt wieder in Wien.

Außerordentlich befriedigt über das Ergebnis des Berliner Besuchs.

Dien, 21. Rov. (DRV.) Di! dem vom Reichs­minister für Luftfahrt Generaloberst Göring zur Verfügung gestellten Sonderflugzeug traf der Staatssekretär des Aeuheren Dr. Guido Schmidt mit dem Botschafter vonpaoen um 15 Uhr auf dem Asperner Flugfeld bei Wien ein. Zur Begrü­ßung hatten sich Innenminister G1 a i s e - H o r - sienau, der Chef des Protokolls Orfini-Ro- s en berg und der deutsche Botschaftsrat von Stein mit den Herren der Gesandtschaft einge- funden.

Kurz vor seiner Abreise erklärte Staatssekretär Dr. Schmidt einem Vertreter des DNB. u. a.: Die Aufnahme, die wir in Berlin gefunden haben, war von einer durch nichts getrübten Freundlichkeit und Herzlichkeit in Gesinnung, Wort und sachlichem Entgegenkommen. Mein Dank gebührt vor allem dem Führer und Reichskanzler, der mich so herzlich als Vertreter der österreichischen Regie­rung willkommen geheißen hat. Er gebührt dem Ministerpräsidenten Generaloberst Goring, Der mich in so reizenDer Weise empfangen hat, Daß ich mich in seinem Hause wie in heimischer Luft fühlte. Mein inniger Dank gebührt Dem Reichsaußen­minister Freiherrn von Nenrath, Dessen persönliche Liebenswürdigkeit uuD reiche diploma­tische Erfahrung es ermöglichten, innerhalb kurzer Tage bas ungeheure Gebiet aller zwischen Den bei­den deutschen Staaten schwebenden Fragen zu be­handeln, Die grundsätzlichen llebereinftimmungen lestzulegen und bereits praktische Erfolge für Die allernächste Zeit zu erzielen. Ich hoffe, Dem Herrn Reichsminister bald in Der öster­reichischen Bundeshauptstadt meine Dankbarkeit für Die mühevolle Aufnahme in Berlin beweisen zu können.

Wie der Führer und Reichskanzler nicht versäumte, seine Anerkennung für Die von Dem kleinen österreichischen Staat geleistete Aufbauarbeit auszuDrücken, so möchte ich unter Dem frischen Ein­druck des in Den beiden Tagen im Deutschen Reich Gesehenen, ehe ich von hier AbschieD nehme, aus» prechen, wie sehr ich und wie sehr meine Heimat an jedem Schritt teilnimmt, Der Das große Deutsche Reich 3u Freiheit und Ehre, zu Achtung in der Welt führt. Ich vermag deshalb ein Urteil dar­über abzugeben, weil ich vor 16 Jahren als Student der Berliner Universität den damaligen Zu- tand in Volk und Reich kennenlernte und deshalb den Abstand zu ermessen weiß, Der zwischen Zusammenbruch und Aufstieg liegt. Das am 11. Juli oerfünbete, in Den beiben letzten Tagen in Berlin fortgesetzte Werk soll, bas barf ich wohl ohne Überheblichkeit sagen, ja auch wesentlich beitragen 3um Aufstieg Des gesamten deutschen Balkes. Man darf diesem Vorstoß entscheidende Bedeutung zumessen, weil er nichts anderes be­deute, als, um mit Florian Geyer zu sprechen, einen StoßDer deutschen Zwietracht mitten ins Herz!"

Aus den Worten, mit denen sich Staatssekretär Dr. Schmidt von der Reichshauptstadt verabschie- bete, geht deutlich hervor, in welchem Geist gegen- eitlgcn Verständnisses die Verhandlungen zwischen Berlin und Wien geführt worden sind. Das Ergeb­nis, Das erzielt worben ist, regelt zwar noch nicht alle Fragen, aber es ist so viel geschehen und er­reicht worden, daß beide Teile mit den Derhand- langen durchaus zufrieden sein können. Es galt vor allem einmal eine klare Anschauung über Das ZU gewinnen, was für Gegenwart und Zukunft Der beiden deutschen Staaten lebenswichtig und not­wendig ist. Der 11. Juli 1936 bedeutet einen neuen Abschnitt in den gegenseitigen Beziehungen, einen Abschnitt, Der auf Verständnis und Unterstützung

sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite sich aufbaut.

Der österreichische Staatsmann hat seine Aufgabe auch Darin gesehen, die wirtschaftlichen Be­ziehungen fester zu knüpfen, zumal gerade hier Möglichkeiten vorliegen, die beiden deutschen Staa­ten erhebliche Vorteile bieten. Dabei ist es inter­essant festzustellen, daß wir im österreichischen Außenhandelsverkehr mit 16,8 Prozent der Ein­fuhr und 16,5 Prozent der Ausfuhr während des ersten Halbjahrs 1936 die erste Rolle spielen vor der Tschechoslowakei, Italien und Ungarn. Die Schrumpfung des gesamten österreichischen Außen- iianbels betrug etwa 40 Prozent seines Höchst- tandes von 1929. Im ersten Halbjahr 1936 hat ich gegenüber Der gleichen Zeit des Vorjahres die Einfuhr aus Deutschland um etwa 10 Millionen Schilling auf 98,4 Millionen Schilling erhöht, dennoch erscheint eine weitere Intensivierung mög­lich. Im Mittelpunkt der Verhandlungen wirb wohl die Einfuhr größerer Steinkohlen­mengen aus Deutschland gegen die Lieferun­gen von Holz und Molkereierzeugnis- s e n nach Deutschland gestanden haben. Schon im letzten Jahre hatte sich die Steinkohleneinfuhr aus Deutschland im Vergleich zum Jahre 1934 fast ver­doppelt. Die österreichische Holzausfuhr nach Deutsch­land war allerdings von 111 000 Waggons im ^ahre 1929 auf 34111 Waggons gesunken, fyatte sich aber seit 1932 wieder beträchtlich gehoben und dürfte auch jetzt wieder steigen. Hinzu kommen neben österreichischen Luxusartikeln die Hoff­nungen, die man in Oesterreich auf Den deutschen

Fremdenverkehr setzt. Aus Deutschland kamen nach Oesterreich im Jahre 1929 noch über eine Mil­lion Reisende. Im Jahre 1934 aber nur noch 70 718 und im Jahre 1935 rund 91000. Da Der Deutsche Ausfall sich wirtschaftlich für Oesterreich sehr bemerkbar machte, ist nach Dem neuen Deutsch- österreichischen Reiseabkommen eine Wiederbelebung eingetreten, Die zugleich eine Anreicherung Der österreichischen Wirtschaft bedeutet.

Der Besuch Dr. Schmidts war aber auch ein Be­kenntnis für die gemeinsame Arbeit an dem Wieder­aufbau eines Mitteleuropas, Das durch Die Ver­sailler Zwangsverträge in feinen Fugen erschüttert worden ist. Der österreichische Staatsmann hat sich in Der deutschen Reichshauptstadt mit jener unge­zwungenen Herzlichkeit bewegt, die sich gern Dann zeigt und entwickelt, wenn es sich um Die Lösung einer Aufgabe handelt, Die nicht nur rein geschäft­licher Natur ist. Manches wird noch in Zukunft zu regeln fein, aber das, was erreicht ist, läßt, insbesondere wegen Der Form, in Der es erreicht worden ist, die Gewißheit zu, daß sich zwischen den beiden deutschen Staaten ein Verhältnis heraus- bilden wird, Das ihren gemeinsamen Belangen und ihrer großen Geschichte roürDig ist. Das gegen­seitige Verstehen ist Dafür Die wichtigste Voraussetzung, Denn Dies Verstehen macht es mög­lich, nicht nur ein schnelles Ergebnis zu finden, sondern auch ein Ergebnis, mit Dem beide Teile zufrieden fein können. Staatssekretär Dr. Guido Schmidt hat das in seinen Abschiedsworten an die Reichshauptstadt durchaus anerkannt.

Deutsche haben mit Deutschen verhandelt."

Große Befriedigung in -er Wiener presse.

Wien, 21. Nov. (DNB.) Der Besuch von Staatssekretär Dr. Schmidt in Berlin steht im Mittelpunkt des Interesses. Die gesamte Presse unterstreicht Die Uebereinftimmung in allen behan­delten Fragen, wobei noch einmal auf Die beson­dere Herzlichkeit hingewiesen wird, Die dem Ver­treter Oesterreichs von allen Seiten in der Reichs­hauptstadt zuteil geworden ist. DieWiener Neue- sten Nachrichten" schreiben:Zweifellos komme Der zweistündigen Unterredung des Staatssekretärs mit dem Reichskanzler entscheidende Bedeutung zu. Don ihr sei ein starker Impuls für den frucht­baren Verlaus der Besprechungen mit Reichsaußen­minister von Neurath ausgegangen, Der sich auch bei Dieser Gelegenheit wieder als ein ausge­zeichneter Kenner Der österreichischen Verhältnisse und als ein wahrer Freund unseres Landes er- wiesen habe. Zwischen Wien und Berlin ist nun jedes Mißtrauen beseitigt, zwischen Dem Deutschen Reich und Oesterreich bestehen wieder jene Beziehungen, wie sie dem deutschen Charakter Der beiden Staaten entsprechen. In Berlin haben Deutsche mit Deutschen verhandelt, und jeder wußte um Die Zugehörigkeit zu Dem gemeinsamen Volkstum. Nun besteht für Oesterreich und Das Deutsche Reich kein Hindernis mehr, zu- ammenzuarbeiten im Interesse Des gesamten Deut» chen Volkes, Das sie beide im Bereich Des volitl- chen Lebens vertreten; nun ist der Weg für sie rei, ihre Kräfte zusammen einzusetzen ür Die Erhaltung Des europäischen FrieDens, Der tets Dann am besten gesichert war, wenn Die Deut» chen Staaten Der europäischen Mitte sich ihrer gemeinsamen Aufgaben bewußt waren."

DieReichs post" schreibt, die Unterredung des Führers und Reichekanzlers mit Dr. Schmidt habe jene Zweifler widerlegt, die in Dem Abkom­

men Des 11. Juli nur ein Stück Papier sehen wol­len unD habe Die v o l le Uebereinftimmung in allen grundsätzlichen, Das Deutsch-österreichische Verhältnis beftimmenben Fragen ergeben. Auch MinisterpräsiDent Göring und Reichsaußenminister v. Neurath haben Die Auffassungen unD Absichten befunbet, Die Staatssekretär Schmidt mit großer Befriedigung und mit Der Erwartung erfüllten, daß die Zusammenarbeit jetzt auf verschiedenen Ge- bieten mit Den besten Aussichten aufgenommen wer­den könne. Insbesondere habe Freiherr von Reurath als erfahrener Diplomat und liebens­würdiger Weltmann für Die Verhältnisse und Be­dürfnisse Oesterreichs, das er aus einem langiähri- gen Aufenthalt in unserem Lande kenne, in seinen Besprechungen mit Dr. Schmidt lebhaftes und ein­gehendes Interesse gezeigt. Eine bedeutungsvolle Auswirkung des Staatsbesuches sehe man in Wien auch in der Möglichkeit eines gemein­samen Abwehrkampfes gegen Den Kom­munismus, um vor allem die kulturellen Güter Der beiden Staaten gegen Moskaus Einflüsse zu schützen. 0

Die amtlicheWiener Zeitung" faßt bas Ergeb­nis Der neuen deutsch-österreichlschen Fühlungnahme Dahm zusammen, Daß aus Dem im Juli geplanten Modus vivendi, nunmehr ein Modus bene vi­vendi sich entwickelt habe.Der tragende Ge- oanfe Des Verhältnisses zwischen Deutschland und Oesterreich ist Der Dien ft am gemeinsamen ul° 13-9 *u m' der selbftoerftänblich nicht nur wirt- N"stllcher, sonDern auch kultureller Stützen bebarf. 2Iuf beiben Gebieten gibt es so viel Gemeinsames und so viel Positives, baß Der Ausbau unb Auf­bau mit außerorbentlich soliden Grundlagen rechnen kann, wodurch auch die Gewähr für einen Dauer­erfolg völlig gegeben erscheint."