Ausgabe 
23.10.1936
 
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Heule wird ein Brot mehr gekauft!

Am heutigen Rachmittag beginnt in allen Orken unseres Kreises das Jungvolk das Brot für das WhD. zu sammeln.

Die Kreisführung Wetterau ruft aus diesem An­laß nochmals die gesamte Bevölkerung unseres Kreises auf, den Einsatz unserer Jüngsten dadurch zu belohnen, dah sie ihrer Sammlung zu einem vollen Erfolg verhilft.

Es versorge sich daher jeder Haushalt in den Landgemeinden unseres Kreises mit einem Laib Brot und in den Städten mit einem Brotgutschein!

Winnenden, menschlichen und künstlerischen Eigen­schaften seiner humorvollen, gediegenen Persönlich­keit kennen.

Lornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Eröffnung des Dolksbildungswerkes 1936/37, 20.30 Uhr, in der Aula des Gymnasiums, es sprechen Kreisleiter Pg. Dr. Hildebrandt und Gau­hauptstellenleiter Pg. Handwerk (Frankfurt): Deutsches Volkstum Deutsche Größe". NS.- Lehrerbund, Abt. Mädchenerzieyung (techn. Fächer), 15 Uhr, in der Mädchenberufsschule Gießen, 1.Die volkswirtschaftliche Bedeutung des hauswirtschaft­lichen Unterrichts" (Frl. Köhler, Grünberg): 2. Der Handarbeitsunterricht im 7. Schuljahr" (Frl. Kopp, Gießen). Stadttheater, 20 bis 23 Uhr, Figaros Hochzeit". Gloria-Palast, Seltersweg: Moskau Schanghai". Lichtspielhaus Bahn­hofstraße:Maria, die Magd."

Skadtlheater Gießen.

Heute Abend findet die erste Opern-Dorstellung der Spielzeit statt. Es geht die heitere Oper Figaros Hochzeit" von W. A. Mozart in Szene. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Paul Walter. Die Spielleitung führt der Intendant. Für die Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung zeichnet die neuverpflichtete Ballettmeisterin Irmgard Zenner. Bühnenbilder: Karl Löffler. Mit­wirkende: Damen: Fornallaz, Jachnow, Laskus, Perry. Herren: Bley, Forstner, Greif, Kuen, Schneider-Oest, Waltz. Der neuverpflichtete Chor und die Tanzgruppe. Anfang 20 Uhr, Enoe 23 Uhr. Die Vorstellung findet als 6. Vorstellung der Frei­tag-Miete statt.

Deutsche Stenographenschaft, Ortsgruppe Gießen.

Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Steno­graphenschaft veranstaltet am Samstag, 24. Okto­ber, in derKarlsruhe" ein Oktoberfest. Auf die heutige Anzeige sei aufmerksam gemacht.

Das vorläufige Ergebnis der OAF.- Sammlung in unserem Sau.

NSG. Die erste Reichsstraßensammlung im dies­jährigen Winterhilsswerk brachte im Gau Hessen- Nassau als vorläufiges Ergebnis den Betrag von 21015 0 Mark. Diese Summe wird sich nur noch unerheblich ändern, so daß der ausgezeichnete Sam- melersolg der DAF.-Kameraden damit feststeht.

Sautreffen

der Arbeitsdank-Zungmannschasten in Mainz.

Am 7. und 8. November treffen sich die ehema­ligen Arbeitsmänner und Maiden des Gaues Hes­sen-Nassau in Mainz, um in einer Feierstunde am Sonntag, 8. November, vormittags 10.15 Uhr, durch den Gauobmann der DAF., Pg. Willi B e ck e r, als Jungmannschaft in die Deutsche Arbeitsfront über­führt zu werden.

Sofortige Meldung bei dem Orts-Arbeitsdankwal- ter, oder der Bezirksarbeitsdankwaltung 2/22, Gie­ßen, Schanzenftrahe 18, ist notwendig, wo auch nähere Einzelheiten zu erfahren sind. Unterkunft und Feldküchen-Verpflegung werden bereitgestellt.

SchuhpolizeibeamtederGießenerpolizei und SA-Sportabzeichen.

Die Schutzpolizeibeamten der Polizeidirektion Gie­ßen haben in den,vergangenen Monaten, trotz ihres nicht leichten Außen- und Innendienstes, jede freie Stunde dazu benützt, um ihren Körver durch sport­liche Hebungen zu schulen und zu stählen.

In einerGeländesport-Arbeitsge>- meinschaft" schlossen sich alle die Beamten zu­sammen, die nicht durch körperliche Behinderungen gezwungen waren, diesem gründlichen Sport-Trai- ning sernz^bleiben. Dabei stellte sich heraus, dah so mancher, von dem man es kaum erwartet hatte, ein ganz tüchtigerSportler" ist. Bewundernswert wa­ren in allen Hebungsstunden die feste Kameradschaft und der gesunde nationalsozialistische Geist, der innerhalb dieser Sportgemeinschaft herrschte.

Als Ziel hatte sich diese Sportgemeinschaft die Er­füllung der Bedingungen zum Erwerb des SA.- Sportabzeichens gesetzt. Diese Bedingungen stellen schon an jüngere Sportler recht hohe Anforderungen der Körperausbildung in mehreren Sportarten, um

Vergiß nicht am Samstag Brot bereit zu hatten, das du den sammelnden Pimpfen für bedürftige Volksgenossen gibst.

vieles mehr aber bei Männern im Alter von 33 bis 46 Jahren. In der Gruppe der Leibesübungen dürfte daher auch als schwerste Hebung der 3000-Meter- Lauf anzusprechen sein. Denn zu dessen Durchfüh­rung gehörten vor allen Dingen ein gesundes Herz, Ausdauer und Energie. Alle Hebungen wurden mit Freude und Hingabe erfüllt. Der Erfolg langer Schulungsarbeit ist denn auch nicht ausgeblieben, denn fast alle Teilnehmer haben die Leistungsprü­fung bestanden. Mit Stolz werden sie das nicht leicht erworbene SA.-Sportabzeichen tragen.

Durch die Erfüllung der Bedingungen zum Er­werb des SA.-Sportabzeichens hat dre Polizei in Gießen wieder unter Beweis gestellt, wie tief der Wehrwille und die Wehrfähigkeit bei ihr verankert find. Weiter ist es aber auch ein erneuter Beweis für die enge Verbundenheit der Schutzpolizeibeamten der Polizeidirektion Gießen mit der SA. und dem Führer.

Raumforschung im Lahntal.

Ein intereffanter Vortrag im Oberhessischen Geschichtsverein.

Am gestrigen Donnerstagabend hatte eine zahl­reiche Zuhörerschaft im Hörsaal des Kunstwissen­schaftlichen Instituts Gelegenheit, einen vom Ober- hessischen Geschichtsoerein veranlaßten interessanten Vortrag zu hören, der mit dem be­deutsamen und außerordentlich zeitgemäßen Thema der Raumforschung bekanntmachte und neben den allgemein gültigen Gesichtspunkten für diese wis­senschaftliche Arbeit noch die für unsere engere Hei­mat besonders fesselnde Ergebnisse der blsherigen Raumforschungsarbeit im Lahntal brachte.

Nachruf für Seheimerat Behaghel.

Der Vorsitzende des Oberhessischen Geschichtsver­eins, Studienrat Dr. Glöckner, leitete den Abend mit einer Würdigung des Wirkens und der Persön­lichkeit des kürzlich verstorbenen Geheimerats Prof. Dr. B e h a g h e l ein, der allezeit ein warmherziger Freund und Förderer des Oberhessischen Geschichts­vereins war, um dessen Tätigkeit im Dienste unserer engeren Heimat der Verewigte sich stets bemüht und bleibende Verdienste erworben hat. Der Ober- hessische Geschichtsverein wird des Entschlafenen stets in Dankbarkeit und Liebe gedenken und bestrebt sein, nach seinem Beispiel in seinem Geiste weiter­zuarbeiten an den Aufgaben des Vereins.

Professor Dr. Bechtel über Raumforschung und -ordnung.

Anschließend sprach Professor Dr. Bechtel, der Leiter des Instituts für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Gießen, in außerordentlich frischer und fesselnder Weise über das ThemaRaum­forschung", wobei er seinen Zuhörern wertvolle Aufschlüsse über dieses Wissenschaftsgebiet gab.

Einleitend erinnerte er daran, daß sich in G i e - ß e n im Februar 1934 ein kleiner Kreis von Män­nern zusammenfand, der als Wissenschaft­liche Akademiker-Hilfe arbeitslosen jun­gen Akademikern Betätigungs- und weitere Aus­bildungsmöglichkeiten und einen, wenn auch nur bescheidenen Lebensunterhalt verschaffen wollte, und der die Raumforschungen im Lahn­tal in Angriff nahm, um einmal in wissenschaft- licher Arbeit zu erforschen, wie es um die Vor­aussetzungen der Lahnkanalisierung vom Standpunkte der exakten Wissenschaft aus über­haupt bestellt war. Diese Arbeiten wurden bis 1935 fortgesetzt, und als die Hilfe für die arbeitslvsen Akademiker ablief, wurde diese wissenschaftliche For­schung ein Teilgebiet der Arbeit des Instituts für Wirtschaftswissenschaft an der Hniversität Gießen.

Die Arbeiten auf dem Gebiete der Raumforschung sind in einer Reichsarbeitsgemeinschaft für Raum­forschung zusammengefaßt worden, die jetzt auch an einer Anzahl Universitäten vertreten ist, in der aber die Hniversität Gießen mit ihrer Ar­beit weit voraus marschiert. Die Raum­forschung ist keine neue Wissenschaft, sie ist viel­mehr eine Einrichtung, um die Forschungsergebnisse der verschiedensten Wirtschaftszweige auf ein be­stimmtes Endergebnis hinzuführen und im Hin­blick auf das Ziel so aufzubauen, daß die Arbeiten sich gegenseitig ergänzen und fördern. Das eigent­lich Neue an 6er Raumforschung, das bis jetzt noch nicht besteht, sondern erst noch entstehen soll, ist die Gemeinschaftsarbeit verschiede­ner Wissenschaftszweige.

haben, sie müssen einer besseren Raumord­nung unter dem Gesichtspunkt des Gemein­

nutzes Platz machen.

Weiter betonte der Vortragende die Notwendig­keit einer vernünftigen Ausgestaltung des Ver­kehrs- und Lebensraumes mit dem Ziele, die Er­holungsmöglichkeiten als Kraftquellen für die Gesunderhaltung unseres Volkes in der richtigen Weise auszugestalten und zu nutzen. Wenn man bedenkt, daß oer deutsche Boden zu 63 Pro­zent landwirtschaftlich und zu 27 Prozent forst­wirtschaftlich genutzt ist, während die restlichen 10 Prozent für alle übrigen Zwecke zur Verfügung stehen, wovon 1,4 Prozent auf den Wohnraum ent­fallen, das übrige für Wege, Flußläufe usw. in Betracht kommt, dann muß man anerkennen, daß

diese Lebensraumfläche sehr klein ist und un­bedingt so eingeteilt werden muß, dah kein Mißbrauch damit getrieben und eine Fehl­leitung in der Verwendung verhindert wird.

Der Vortragende machte sodann in großen Zü­gen mit den Anfängen der gesetzlichen Neuregelung auf dem Gebiete der neuen Raumordnung bekannt. Zu diesem Zwecke verwies er auf eine Reihe von gesetzlichen Maßnahmen der Reichsregierung, aber auch auf die Möglichkeit einer sinnvolleren Entscheidung über die Benutzung des Bodens auf dem Wege neuer ortsstatutarischer B e - stimmungen, mit deren Hilfe in den Städten bestimmte Gebiete nur für Wohnzwecke Vor­behalten bleiben können, in denen also industrielle und gewerbliche Betriebe ausgeschlossen werden. Mit diesen Maßnahmen werde die Freiheit des einzelnen in der Verwendung seines Grundbesitzes bewußt eingeschränkt und Der Grundsatz: G e - meinnutz vor Eigennutz! stärker in den Vordergrund gerückt als früher. Er erinnerte in diesem Zusammenhänge weiter an die neuen gesetz­lichen Bestimmungen über die Beschaffung von Ge­lände für Zwecke der öffentlichen Hand, und machte dabei klar, daß es nunmehr ausgeschlossen sei, daß bei öffentlichen Bauten ober Anlagen über die Be­lange der Gesamtheit einer Stadt oder einer Ge­gend kurzerhand zur Tagesordnung übergegangen wird. Die Reichsstelle für Landbedarf, die für die Geländebeschaffung der öffentlichen Hand die entscheidende Rolle besitzt, wird künftig­hin allen willkürlichen und ungesunden Entwick­lungen von vornherein einen Riegel vorschieben, da alle Behörden dieser Reichsstelle, die u n m i t t e l - bar dem Führe runter steht, rechtzeitig von ihren Planungen Kenntnis geben müssen. Zusam- menfassend ist also festzustellen:

Die Gesetzgebung ist bereits viel weiter als die Praxis. Die Raumforschung dient der Raum­ordnung, diese dient der votksordnung. Die Volksordnung bedeutet für uns Ordnung des wohnenden und siedelnden, des güterfchaffen- den und des kulturell lebenden Volkes. Diese Ordnung ist die einzig tragfähige Grundlage für eine dauernde Volksgemeinschaft, die sich

nur durchsetzen kann, wenn sie die richtige Volksordnung zur Voraussetzung hat.

Im weiteren Verlauf feiner Darlegungen machte der Redner den grundsätzlichen Unterschied zwischen Plan und Planung überzeugend klar, wobei er nachdrücklich betonte, wie unsinnig es ist, wenn von einer Planwirtschaft gesprochen wird, denn Wirtschaftsplanung und Planwirtschaft ist durchaus nicht das gleiche.

Wirtschaftsplanung heißt bei uns in Deutsch­land Wirlschaftslenkung, bedeutet Vermeidung des Vordringens eigennütziger Gedanken vor der gemeinnützigen Zielsetzung, die Planwirt­schaft dagegen sehen wir in Rußland ver­wirklicht.

Nachdem der Vortragende im ersten Teil feines Vortrages mit der grundsätzlichen Seite der Raumforschung und Raumordnung bekanntgemacht hatte, schilderte er in dem nun folgenden zweiten Teile die Anwendung dieser grundlegenden Ge­sichtspunkte bei der Raumforschung im Lahntal. Er ging dabei von den vielfachen Vor­arbeiten für die Lahnkanalisierung aus und zeigte dann an Hand von vielen Karten und graphischen Darstellungen, die im Kreise der Wissenschaftlichen Akademikerhilfe und des Instituts für Wirtschafts. Wissenschaft auf Grund von vielfältigen und ar­beitsreichen Erhebungen hergestellt wurden, wie weit die Raumforschung im Lahngebiet bisher ge­diehen ist. Er teilte dabei mit, daß

für den Lahntalforschungsraum der Rhein als westliche Grenze, die Fulda als Ostgrenze an­gesehen wird, und das gesamte, zwischen diesen Wasserläufen gelegene Gebiet im Rahmen der Raumforschung im Lahntal systematisch nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erforscht wird.

Dabei ist die Forschungsarbeit allen Erscheinungen des Lebens, allen Arten der Bodennutzung und natürlich auch sämtlichen Arten der Bodenschätze gewidmet.

Man kann wohl sagen, daß es kein Lebensgebiet und keinen Winkel des Grund und Bodens gibt, die nicht von dieser gründlichen Forschungsarbeit erfaßt werden. Es ist unzweifelhaft, daß die Männer, die im Rahmen der Wissenschaftlichen Akademikerhilfe und des Instituts für Wirtschaftswissenschaft an der Hniversität Gießen unter Leitung von Professor Bechtel an dieser Aufgabe arbeiten, sich ein gro­ßes und bleibendes Verdienst sowohl um unsere engere Heimat, als auch um die deutsche Gemein­schaft überhaupt erwerben. Mit Recht nahm der Vortragende in Anspruch, daß diese Männer in wirk­samer Weise mithelfen an dem großen Werke des Führers, und ebenso berechtigt war sein Aufruf an alle Zweige der Wissenschaft, an dieser Arbeit der Raumforschung mit allen Kräften mitzuhelfen, um dadurch zum Segen des deutschen Volkes dem Füh­rer und der Verwirklichung seines Vierjahresplanes zu dienen.

Im Anschluß an den mit großem Beifall aufge­nommenen Vortrag widmete der Vorsitzende des Oberhessischen Geschichtsvereins, Studienrat Dr. Glöckner, dem Vortragenden herzliche Dankes- roorte, ferner ward er für die weitere Förderung des Oberhefsifchen Geschichtsvereins und feiner Ar­beit im Dienste unserer engeren Heimat.

Der Sparer uni) die Zinssenkung.

Aus der Monatsversammlung des Sparerbundes Gießen.

Das Ziel der Raumforschung ist die Raumord­nung. Diese beiden Begriffe müssen streng von­einander geschieden sein. Raumforschung ist das, was die Wissenschaft treibt. Raumordnung ist das, was die Wissenschaft erreichen will und in der Praxis dann durchgeführt werden soll.

Im Lahntal besteht diese Raumforschung be­reits. Wir warten nur daraus, daß die Praxis nachfolgt.

Die Frage, wozu eine solche Raumordnung erforderlich sei, beantwortete der Vortragende mit dem Hinweis darauf, daß wir in Deutschland immer noch in gewisser Hinsicht eine 9t a u m = Un­ordnung oder besser gesagt ungeordneten Raum haben: z. B. auf dem Gebiete der Ordnung des Wohn- und Siedlungsraumes, des Raumes für industrielle und gewerbliche Zwecke, für Verkehrs­erfordernisse u. dgl. gibt es in Deutschland noch sehr viele Unzulänglichkeiten, die durch eine bessere Ordnung und Nutzung des Raumes beseitigt wer­den müssen.

Die Größe der Aufgabe wird besonders deut­lich, wenn man bedenkt, daß sich das Verhält­nis der Stadt- zur Landbevölkerung in der Zeit von 1871 bis 1933 gerade umgekehrt gestaltet hat, d. h. 1871 wohnten zwei Drittel des deut­schen Volkes auf dem Lande und ein Drittel in der Stadt, heute dagegen zwei Drittel in der

Stadt und ein Drittel auf dem Lande.

In diesem Zusammenhänge verwies der Vortra­gende auf die schweren Schäden der Großstädte in sozialer und wohnkultureller Hinsicht, wobei er be­tonte, daß Deutschland das Land mit den m e i ft e n Großstädten ist, ganz im Gegensatz zu England, Amerika und Frankreich. Diese Ver­hältnisse brauchen bei uns in Deutschland nicht zu sein. Weil also in Deutschland hinsichtlich des Wohn- unb Siedlungsraumes nicht alles in Ordnung ist, muß die Ordnung des Wohn- und Siedlungsraümes als dringende Notwendigkeit gelten, um unsere ständig wachsende Bevölkerung so unterzubringen, daß wir ein geordnetes Volk im Wohn­raum sind als unerläßliche Grundlage für d i e Volksgemeinschaft.

Eine weitere Ausgabe der Raumforschung und Raumordnung ist die Neugestaltung der Ordnung des deutschen Lebens- und Wirtschaftsraumes. Auch in dieser Hin­sicht hat das 19. Jahrhundert uns ein durchaus ungeordnetes Bild hinterlassen. Z. B. war im 19. Jahrhundert bei der Wahl der Standorte der In­dustrie, aber auch bei der Wahl des Arbeitsplatzes und der Nutzung des deutschen Bodens immer der Gedanke des Eigennutzes im Vordergrund, anstatt des Gesichtspunktes: Gemeinnutz vor Ei­gennutz! In diesem Zusammenhänge erinnerte der Vortragende daran, daß beispielsweise früher im Lahntal von industrieller Seite Bodenbesitz und Schürfungsrechte erworben worden sind, nicht um diesen Besitz und Bodenschatz nutz­bar zu machen im Dienste des Volkes, sondern um ihn stilliegen zu lassen und seine Nutzung zu verbinde rn, nur damit anderer Besitz die­ser Eigentümer nicht geschmälert werde

Derartige Zustände können im national­sozialistischen Deutschland keinen Bestand

Der Sparerbund Ortsgruppe Gießen hielt in seinem neuen VereinslokalPfälzer Hof" seine Oktober-Monatsversammlung ab, auf deren Tages­ordnung interessante Vorträge standen.

Vereinsführer Lorenz

begrüßte die Mitglieder und Gäste und berichtete über die letzten Veranstaltungen. Mit Bedauern mußte er feststellen, daß der Tod in der letzten Zeit so reich wie selten in den 12 Jahren des Be­stehens der Ortsgruppe seine Ernte gehalten hat. Dem Gedächtnis der verstorbenen Mitglieder Frohn- häuser, Silbereisen, Gg. Kruse, Hch. Selbst, Rechts­anwalt Partenheimer und Paul Eim wurde die schuldige Ehrenpflicht erwiesen. Gleichzeitig gedachte Vereinsführer Lorenz des verstorbenen Ehren - bundesvorfitzenden i. R. Seiffert, oer in den Alpen verunglückt ist.

In einem großen Heberblick über die Währungen in den an Deutschland angrenzenden Staaten, zeigte der Dereinssührer, wie Unoernunft und nationale Zerklüftung zu Ereignissen führen müs­sen, wie wir sie selbst einmal erlebt haben und wo­vor uns die Reichsregierung bewahren will. Er führte die Aussprüche des Führers und Reichskanz­lers, die des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß und auch die Erklärungen des Reichsbank­präsidenten Dr. Schacht an, die mit aller Be­stimmtheit sagen, daß Deutschland nicht daran denkt, feine Währungsbasis zu ändern, sondern im Sinne der Volksgemeinschaft bestrebt ist, dem gan­zen Volke zu helfen indem es die stabilen Wäh­rungsverhältnisse beibehält.

Gerichtsaffeffor Dr. Danner-Gießen

sprach anschließend überD i e Zinssenkung bei den privaten Neuhypotheken". Einleitend verwies er auf die Bedeutung des Sparerbundes in den jetzigen Zeiten der fortschrei­tenden Neuordnung der Wirtschaft und des Kapi­talwesens. Durch eine zähe Kleinarbeit und in dem Zusammenwirken mit den zuständigen Stellen wird es dem Sparerbund möglich, bei den einzu- sührenden Neuerungen beratend und helfend mit» zuwirken. Die Aufgabe des Sparerbundes ist es auch, mit beizutragen zu einem Verständnis der Finanzpolitik der Reichsregierung. In diesem Sinne nahm der Redner dann eine eingehende Besprechung der Zinssenkungsverordnung vor, die den Anschein erweckt, als wenn sie gegen die In­teressen der Sparer gerichtet wäre, aber in ihren Auswirkungen gerade das Gegenteil beweisen wird, weil sie mit zur Stabilisierung der Geldverhält­nisse und damit zur Sicherung der Volkswirtschaft beiträgt. In einem interessanten Heberblick er­innerte der Redner an die Verhältnisse nach dem Weltkriege, da die Reichsbank zum selbständigen Institut erhoben war, auf das das Reich keinen Einfluß hatte, wohl aber die jüdische Hochfinanz, die den Reichsbankdiskont nach Belieben festsetzte. Die Folge war, daß die gesamte deutsche Wirtschaft, für deren Finanzgeschäfte der Reichsbankdiskont die Grundlage bietet, all diesen Schwankungen aus­gesetzt war und zugrunde gehen mußte. Als erste größte Tat stellte dann auch der Nationalsozialis­mus die Reichsbank wieder unter Reichsaufsicht und ging an die Brechung der Zinsknechtschaft. Nach und nach konnte man die Herabsetzung der

Zinsen erreichen und nachdem bereits Im letzten Jahre überall dort, wo der Staat von sich aus im Rechte war, die Zinssenkung vorgenommen wurde, ist sie nun auch bei den privaten Neuhypotheken angeordnet. Für die Aufwertungshypotheken ist eine Sonderregelung erfolgt, die die Interessen der Sparer berücksichtigt. In beiden Fällen liegt der Neuregelung die Freiwilligkeit zugrunde, durch die die Möglichkeit zu Parteienverhandlungen gegeben ist. Erst auf Antrag kann das Gericht eine Ent­scheidung fällen. In eingehender und flüssiger Weise besprach Gerichtsassessor Dr. Danner die einzelnen Bestimmungen und gab die Erläuterun­gen für die Anwendung, für die er reichen Bei­fall erntete.

Auf die Anfragen über die Kriegsanleihe, die Auswertungen, das Rentnergesetz u. a. konnte we­gen der vorgeschrittenen Zeit nicht mehr einge­gangen werden, so daß der Reichsverbandsführer Freiherr von Wolff von und zu Toden- warth in der Novemberversammlung darüber sprechen soll.

Oberhessen.

Straßenbau vor 100 Jahren.

Eine Erinnerung. Steinbach an der Reichsauto« bahn.

Ä Steinbach, 23. Oft. Der Bau der Reichs­autobahn durch unsere Gemarkung, der bei der bis­her günstigen Witterung gut fortschreitet, weckt die Erinnerung an die Zeit vor genau hundert Jahren, wo dieneue" Straße Gießen Steinbach und Steinbach Lich gebaut wurde. Daß damals sich durch den Bau der Straße große Verdienstmöalich« feiten ergaben, erhellt eine Nachricht tm Steinoach- schen Kirchenbuch. Pfarrer Stückrad, ein gebo­rener Gießener, führt bei der Liste derer, die am 30. Mai 1834 nach Nordamerika ausgewandert sind, u. a. an:Johannes Horn, Wagnergeselle, des Balthasar Horns Sohn erster Ehe". Der Nachfolger Stückrads (Stückrad war 1836 gestorben), schreibt daneben:ist wieder zurückgefommen und baut die Straße!" Von dem damaligen Straßenbau berichtet die Chronik: 1837 im Herbste konnte auch die Chaussee nach Gießen befahren werden, die Strecke nach Lich war schon früher fertig geworden. Durch den Lauf derselben, abweichend von den alten bis­herigen Wegen, glaubte man Lich ferner, Gießen aber näher gekommen zu fein. Der Länge nach konnte die Straße nicht durch den ggnzen Ort ge­führt werden, da die Steigung im Oberdorf zu groß war und die daselbst befindlichen Wasserbehälter Schwierigkeiten bereiteten.

Die erwähnten Wasserbehälter wurden bei dem Bau der Wasserleitung und der Kanalisation 1906 und 1907 (wobei die Quellen oberhalb des Rathau­ses benutzt wurden) beseitigt. Um darum rechts aus- brechen zu können, mußten die Hofreiten des Konr. Mohr und Peter Schäfer auf die Seite gerückt werden. Auf dieser neu durchgebrochenen Bahn durchschnitt die Chaussee auch gute Baumstucke der Pfarrei. Was rechts und links davon übrig blieb.

Gute Möbel bei Koos

Giessen Schulstn 6