Nr. 24Y Erstes Blatt
18b. Jahrgang
greif ag, 23. Oktober 1036
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die Sowseiisierung Kataloniens.
Ein Aktionsausschuß der Marxisten, Kommunisten und Anarchisten bereitet in Barcelona den Räteflaat nach Moskauer Muster vor.
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Kreuzer mit einer über die Vertragsgrenze von
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23. Okt. (DNB. Funkspruch.) „Mor-
Q r» M h a n 23 DEL (IWt». uuiuipi“«;./ wng P°st" imIü°t, bei s-wigen Mächten hege nm
sekretär des Auswärtigen Amtes Ministerialdirektor Dr. D i e ck h o f f, von der deutschen Luftwaffe Generalleutnant Kesselring sowie die Generale Christiansen und Volkmann. Nach einer längeren Besprechung mit Außenminister Graf Ciano führte Ministerpräsident Generaloberst Göring die italienischen Gäste persönlich durch das neue Lustfahrtmini st erium. Exzellenz Ciano dankte Ministerpräsident Generaloberst Göring am Schluß der Besichtigung herzlich für die ihm in so umfassender Weise neu vermittelten Eindrücke.
Befürchtungen wegen einer großen s o w j e t r u s s i- schen Flottenrüstung. Eine Verstärkung der Sowjetflotte würde nicht nur eine allgemeine Beunruhigung in der Welt erregen, sondern wahrscheinlich die Unwirksamkeit des neuen Londoner Flottenvertrages zur Folge haben. Im englisch-sowjetrussischen Flottenvertrag hätten die Sowjetrussen gewisse Rechte verlangt, die in dem ursprünglichen Dreimächte-Flottenvertrag nicht vorgesehen waren. So hätten sie freie Hand im Fernen Osten gefordert und das Recht,
Berlin, 22. Okt. (DNB.) Ministerpräsident Generaloberst Göring und Frau Göring gaben am Donnerstag zu Ehren des italienischen Außenministers Graf Ciano ein Frühstück, an dem das italienische Botschafterpaar sowie die Begleitung des Außenministers und die Mitglieder der italienischen Botschaft teilnahmen. Von deutscher Seite waren u. a. mit ihren Damen anwesend: Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, Staatssekretär Körner, Staatssekretär General der Flieger Milch, Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen, der stellvertretende Staats-
Der italienische Außenminister Graf Ciano mit dem Ministerpräsidenten Generaloberst Göring bei einer Besichtigung des Luftfahrtministeriums. —- (Scherl-Bilderdienst°M.)
Graf Ciano beim Ministerpräsidenten Göring
Besuch im Reichslustfahrtministerium.
Paris, 23. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Ver- ■ treter der katalanischen, marxistischen und kommu- I nistischen Gewerkschaften, der marxistischen Partei 1 Katalaniens und der iberisch-anarchistischen Vereinigung haben ein Aktionsprogramm aufgestellt, das die Sowjetisierung von Ka- . talonien, die ja praktisch schon längst besteht, nun auch ganz offen zum Programm erhebt.
Das Programm sieht die Enteignung aller E r z e u g u n g s m ö g l i ch k e i t e n der Provinz vor, und erklärt ausdrücklich, daß die bisherigen Besitzer der betreffenden Betriebe nicht entschädigt werden sollen. Der Besitz und alles, was für die Führung des Krieges notwendig ist, soll ebenfalls „kollektivisiert", d. h. enteignet werden. Der Form halber wird die sog. Kleinindustrie ausgenommen. Aber wenn der Betrieb verdächtig ist, „umstürzlerisch" zu sein, d. h. gegen die roten Machthaber eingestellt, so erfolgt auch hier die entschädigungslose Enteignung. Auch ausländische Unternehmungen sind einbezogen. Hierbei soll „von Fall zu Fall" über die Entschädigung beschlossen werden. Sämtliche Wohngebäude mit Ausnahme kleiner Landbesitze, sollen den Stadtverwaltungen unterstellt werden. Kurzum, es wird alles nach Moskauer Muster eingerichtet. Der gesamte Außenhandel soll einer Kontrolle der Regierung unterstehen. Genossenschaften sollen sich der Kollektivisierung anpassen und die Banken verstaatlicht werden.
Für die „siegreiche" Beendigung des Krieges, so heißt es in dem Programm weiter, sei die Schaffung eines einzigen Oberkommandos notwendig, außerdem die Einführung der Wehrpflicht, die Aufstellung eines großen Volksheeres und verschärfte Disziplin. Auch soll eine große Kriegsindustrie geschaffen werden. Die Unterzeichner des Programms erklären sich zur Zusammenarbeit mit der spanischen „Regierung" auf politischem, wirtschaftlichem und militärischem Gebiete. Sie machen die Zusammenarbeit mit Madrid aber davon abhängig, daß in der Madrider Regierung dieselben Organisationen vertreten sind, die von ihnen vertreten werden.
Jranlmchs Nugzeugliesemngen ..EchodeParis"befchuldigtdenLohnBlums des Waffenhandels.'
Paris, 23. Okt. (DNB. Funkspruch.) Das „Echo de Paris" veröffentlicht am Freitag eine Liste der von Frankreich an die spanischen Marxisten und Kommunisten gelieferten Flugzeuge Die französische Regierung behaupte, daß sie die Verpflichtung der Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten ttr kt innegehalten habe. Demgegenüber sei edoch festzustellen, daß der französische Lustsahrt- minifter an bie Madrider „Regierung nackstehende Apparate geliefert habe: 16 Dewoitine, 6 Paiez 540, 1 Bloch-chispano 210, 1 PoteEfpana 12y, 6 Loire, 7 Potez 542, 2 De- woitine 371 1 Lockhed-Orion, 7 Satecoere (Air SVrance von denen jeder mit 543 000 Francs bekohl? morden sei) 25 Pote^ 10 Hanriot 182 (ur- svrünalich für bas französische Heer bestimmt); ferner 45 Caubron-Renaull, bie angeblich von der Siir Trance bestellt worben seien.
Die Verstöße gegen bas Nichtemmischungsabkom- tnen in b r "spanischen Angeleaenheit beschrankten s?» seboch nicht nur auf biefe Lieferungen. Es fei enblick an bereit, einmal die Frage aufzuroerfen, bah ber Sohn Rolanb bes iranzö fisch en ÜJl i nift erpr äf tbenten Vl um ber ber bekannten Flugzeugmotorenstrma I $;;■.?
mit Waffen verhandelt habe.
Note Greueltaten.
Die Opfer zum Fenster hinausgeworfen.
London 23 Okt. (DNB Funkspruch.) Die Jr0 „ • e. sn>a[afla, Cartagena, Valen-
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bänden anzugehören. Bvlkonen Fenstern Horden über 100 Op «■ »»«»«", *
und Hausdachern auf „tßn üon ihnen unter
-» »’Ä'Ä! ss in s m-f?or ^^" r?-s"Ren^wurden zahlreiche nationale und Vlllanuttra del 0 flrau|am ermordet. In Burger durck ro^ Horden. g I ^^^häusler (!) Villanueva del Rey anbo, während in Bel- Söuarö Moreno Kommunist an der Spitze
mez ein erst. 20 I h en Ermordung Natio-
näle? gingen ftets schwerste Mißhandlungen voraus.
Nie rote Kriegsflotte.
Englische Berichte Mer «eheime U°Boot. Bauten Moskaus.
6,1 Zoll hinausgehenden Bestückung und zwei Schlachtschiffe mit 15 Zoll Geschützen zu bauen. Sowjetrutzland habe ferner geheime U-Boot- bauten vorgenommen. In Wladiwostok besitze es auf Grund japanischer Angaben mindestens 50 U-Boote und in der Ostsee wahrscheinlich dieselbe Anzahl. Damit sei Sowjetrußland bereits auf dem Wege, bie mächtigste U-Bootflotte der W e l t zu haben. Dieser Umstand werde weitgehende Auswirkungen auf andere Flotten haben, die durch die sowjetrussische Flotte besonders bedroht würden.
Der Reicksauhenmlnister veranstaltete zu Ehren des italienischen Außenministers eine Abendtafel im ktzache des R??ch??rchwen?en". In der htte’®raf Ciano'. r°cht- ßf^kr-eg-minister Generalfeld- ’ marlckall », BlombLrg und lmks Relchsaußenmmlster Freiherr o. Neurath.
1' Wresie -ÄlluftratiomHo s s maun-
Das zmisiene Leichenluch.
Man hat das V e r s a i l l e r Diktat einmal mit einem Leichentuch verglichen, das über den toten Körper der im Weltkriege hingemordeten europäi- chen Völkergemeinschaft gebreitet wurde. In den rsten Jahren nach dem Weltkriege konnte man tat- ächlich von einem solchen Leichentuch sprechen. Europa lebte in dumpfer Erstarrung. Die letzte Regel europäischer Politik war gleichbedeutend mit einem Befehl des französischen Generalstabes. Das Leben aber läßt sich nicht in ewiger Erstarrung
Ausruf zur »Woche des Deutschen Buches".
Wieder gehl es um das eine große, sich immer gleichbleibende Ziel: das Volk dem Buche und das Buch dem Volke zuzuführen, damit das aus der Gemeinschaft geschöpfte dichterische Werk i n der Gemeinschaft und für die Gemeinschaft feine seeli- chen und geistigen Kräfte voll entfalten kann. Wöge jeder, der es vermag, auch in diesem Jahre Helfer am Werk fein.
Dr. Goebbels.
halten. Wo die gesunde Entwicklung unterdrückt wird, brechen neue Kräfte unwiderstehlich empor. Bemerkenswert war es nun, daß der tödlichen Starre auf dem Gebiete der Außenpolitik ein gleich dumpfer Zustand auf dem Felde der Innenpolitik, der Kultur, der Wirtschaft, der gesellschaftlichen Ordnung und der weltanschaulichen Auseinandersetzungen entsprach. In dem Augenblick, in dem sich hier neue Kräfte entfalteten, mußte auch das außenpolitische Weltbild von Versailles ins Schwanken geraten.
Der Faschismus war es, der die erste Durchbruchsschlacht kämpfte und Europa im Mittelmeer vor der Ueberflutung durch den Bolschewismus bewahrte. Der deutsche Kampf gegen den Bolschewismus währte länger und mußte auch länger währen, weil er gleichzeitig ein erbitterter Kampf gegen Versailles war. Als dann Adolf Hitler 1933 die Führung des Reiches übernahm, war das Leichentuch, das sich auf Europa gelegt hatte, zerrissen. Nun strebte auch im Herzen unseres Erdteils neues und kräftiges Leben empor. Es konnte nur noch eine Frage der Zeit fein, daß das morsche Gebäude von Versailles in sich zusammenbrach. Frankreich aber hielt krampfhaft an Versailles fest. Nun, da feine Politik zur Niederhaltung Deutschlands gescheitert war, warf es sich dem asiatischen Kommunismus in die Arme und machte damit den letzten Versuch, das Leichentuch Europas durch das Militärbündnis mit Sowjetrußland erneut zu flicken und fester zu gestalten. Dieser Versuch ist, wie wir jetzt nach der Erklärung des belgischen Königs vom 14. Oktober wissen, mißglückt. Denn auch Belgien ist nicht mehr gewillt, die Möglichkeiten, denen es sich gegenübersieht, einem Fehlexperiment zu opfern und damit gleichzeitig über seine vlämische und wallonische Bevölkerung ein Schicksal heraufzubeschwören, dem das französische Volk entgegenzutreiben droht und in das das spanische Volk bereits hineingerissen wurde.
Unter merkwürdiger aber doch typischer Verkennung der großen Entgegnungen, die sich jetzt anbahnen, und der Entscheidungen, die sich vollziehen, wird in dem Beschluß Belgiens, zur Neutralität zurückzukehren, nur ein völkerrechtliches Problem gesehen, werden nur die Tatsachen gewertet, die irgendwie auf den alten Vertrag von Locarno, auf den neuen Westpakt (wenn dieser überhaupt Zustandekommen sollte), auf die Völkerbundssatzung und schließlich auf die Generalstabs- abmachungen zwischen Brüssel, London und Paris Bezug haben. Diese völkerrechtlichen Probleme sind gewiß wichtig, weil sie im gewissen Sinne eine ganz bestimmte politische Konstellation widerspiegeln. Aber viel wichtiger ist doch, daß sich hier ein Staat nicht blindlings auf die schiefe Bahn treiben lassen will, in die Frankreich und seine Verbündeten zu treiben drohen, wenn sie sich zu den europäischen Vorkämpfern des asiatischen Vernichtungswillens machen lassen. Es gehört nicht allzuviel Erfindungsgabe dazu, vorauszusagen, daß das belgische Beispiel auch in anderen Ländern Schule machen könnte. Es ist doch vielmehr eine Selbstverständlichkeit, daß gerade die Staaten der Kleinen Entente ihre eigene Lage nach dem Beschluß der belgischen Regierung sehr sorgsam überprüfen werden. Es verwundert uns daher nicht, daß sich der rumänische Ministerpräsident Tata- rescu zu einem Besuch in Belgrad entschlossen hat, um dort zusammen mit ben südslawischen Staatsmännern die Lage zu überprüfen. Der Schritt Belgiens war eine Schwächung der französischen Position überhaupt. Jede Schwächung dieser Position aber berührt die Staaten der Kleinen Entente unmittelbar. Wir wissen nicht, ob der Vertreter des Reuter-Büros in Bukarest richtig unterrichtet ift; dennoch verzeichnen wir mit Interesse seine Meldung, daß sich die rumänische Regierung, die ja nicht mehr im Banne von Titulescu steht, entschlossen hat, von dem Plan einer direkten Bahnverbindung zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei A b st a n d zu nehmen. Daß die Tschechoslowakei selber an dem Militärpakt mit der Sowjetunion festhält, wie es soeben der Außenminister Hodza vor dem Prager Parlament noch einmal ausdrücklich festgestellt und aus der angeblich ganz anderen politlschen und geographischen Lage des Landes recht fadenscheinig begründet hat, war freilich §u erwarten. Es dauert


