Ur. 225 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Mittwoch, 23. September (956
Een in Berlin W 30 bezogen werden.
Di-
Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr „Donna
g: „Das Her- Bahnhofstraße:
3ahne putzen ist viel, Zähne pflegen alles.
Z41
Nachdruck verboten!
5. Fortsetzung.
fließt. Die Zuschläge sind in kleinen Ziffern im Bildrahmen der Wertzeichen angegeben. Als Gebühr für die Freimachung von Postsendungen güt nur der im Markenbild stehende Nennwert der Wert- Zeichen.
An den Schaltern der Postanstalten werden vom 21. September an zunächst nur die Wertzeichen zu 3, 6, 12 und 25 Rpf. und die Postkarte ausgegeben. Der Verkauf der übrigen Winterhilfswertzeichen beginnt zu einem späteren Zeitpunkt, der noch bekanntgegeben wird. Der Vertrieb bei den Postanstalten dauert bis Ende Februar 1937, dagegen wird der Verkauf bei der Versandstelle für Sammlermarken solange fortgesetzt, bis der Vorrat aufgebraucht ist. Gültig zur Freimachung von Postsendungen sind die Winterhilfswertzeichen bis Ende Juni 1937; sie sind auch im Verkehr mit dem Ausland zugelassen. Neben den Postanstalten wird auch die NS -Dolkswohlfährt einen Teil der Wertzeichen vertreiben. Es werden ferner zum Verkaufspreis von 2 RM. Freimarkenheftchen mit Winterhilfswertzeichen ausgegeben werden, die 4 Wertzeichen t zu 3 Rpf. und je 5 Wertzeichen zu 5, 6 und 12 Rpf.
ana". — Gloria-Palast, Selterswe, Männchen". — Lichtspielhaus, „Mädchenjahre einer Königin".
Stadttheater Gießen.
Nicht darauf kommt es an, mit welcher Kraft Sie die Zähne putzen, sondern darauf, daß auch der äußerste Winkel der Zahnreihen erfaßt wird. — Nivea- Zahnpasta wirkt auch dort, wo die mechanische Reinigung nicht hinreicht Das ist dann Zahnpflege.
dies und jenes, was in der Welt vorgeht, aber das kann man nur, wenn man „mitreüen" kann, und das wiederum kann man nur, wenn man ein aufmerksamer Zeitungleser ist.
Und ist nicht die Erholung und Entspannung oft genug so wichtig wie die Arbeit? Die Zeitung unterrichtet Sie über die neuesten Opern, Theater- und Kinostücke. Sie werden vor Enttäuschungen bewahrt, Sie werden auf wertvolle oder amüsante Darbietungen hingewiesen. Sie haben einen Roman zur Entspannung, auf dessen Fortsetzung Sie sich jeden Tag freuen. Sie haben eine Schach-Ecke, an deren Aufgaben Sie sich tüftelnd erholen und ihr Gehirn üben können. .
Und vergessen Sie schließlich nicht den Anzeigenteil. Wer ihn richtig und fortlaufend liest, hat barm eine unerschöpfliche Quelle des Gewinns. Irgendein interessantes Objekt sinket sich in jeder Nummer der
damit die Häuser geschmückt und die Fahnen ange-1 bracht. Ueberall konnte man die große Liebe und Verehrung erkennen, die dem Führer allenthalben entgegengebracht wird. Erst später wurde in den verschiedenen Orten bekannt, daß mit einem Besuch des Führers in den fraglichen Dörfern am gestrigen Tage nicht mehr gerechnet werden könne.
Beurkundung der Militärdienstzeit.
Das Oberkommando des Heeres teilt mit: Das Zentralnachweiseamt für Kriegsverluste und Kriegergräber (ZAK.), Berlin SW 68, Lindenstraße 37, kann nur Militärdienstzeit bis 31. Dezember 1920 beurkunden, weil bei ihm keine Stammrollen für die Zeit vom 1. Januar 1921 ab vorliegen.
Anträge auf Ausstellen von Dienstzeitbescheinigungen der nach dem 31. Dezember 1920 aus einem Militärdienstverhältnis Entlassenen sind deshalb nicht an ZAK abzugeben, oder dem Antragsteller mit dem Hinweis zurückzusenden, daß er sich an das ZAK wenden möge. Wenn der ersuchte Truppenteil nicht zuständig ist ober ihm bie Unterlagen zur Beurkundung fehlen, sind die Anträge dem Wehrkreiskommando zuzuleiten, dem der Truppenteil des Antragstellers für die angebliche Dienstzeit unterstellt war, oder zu dessen Bereich sein Standort gehörte.
Nach Vorlage der Stammliften — Dezember 1936 — können die Generalkommandos (Kommando der Panzertruppen) die zuständigen Dienststellen ermitteln, bei denen die Stammrollen und Personalakten der nach dem 1. 1. 1921 aufgelösten Truppenteile lagern.
Durch genaue' Beachtung wird unnötiger Schriftwechsel und viel Zeit gespart.
Ein Unglück
kommt selten allein
Omnibusfahrt nach dem Edersee.
Arn Sonntag, 27. September, findet eine Omni- bussahrt nach der Edertalsperre statt. Die Fahrt geht ab Gießen über Marburg—Frankenberg nach dem Edersee—Schloß Waldeck (Besichtigung). Die Rückfahrt erfolgt über Bad Wildungen. Die Fahrt kostet 4,70 RM. je Teilnehmer. (Das Mittagessen kann vorbestellt werden und kostet dann mit Bedienung 1,— RM.) Anmeldungen müssen umgehend auf der Kreisdienftstelle Gießen, Schanzenstraße 18, erfolgen.
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Heute abend findet die erste Wiederholung von „Donna Diana" statt, Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der Intendant. Anfang 19.30 Uhr; Ende 21.45 Uhr. Mittwoch-Miete. 1. Vorstellung.
Zn Erwartung des Führers.
Am gestrigen Dienstag lebten in Gießen und in zahlreichen Orten der Gießener Umgebung viele Volksgenossen in Erwartung des Besuches des Führers. Zahlreiche Anfragen an uns waren darauf gerichtet, möglichst genau die Zeit zu hören, zu der man den Führer in Gießen wohl erwarten könne. Da über die Fahrten des Führers im Manövergelände und in den angrenzenden Bezirken nichts bekannt geworden war, konnten wir den Fragestellern die erhofften Auskünfte leider nicht geben. In zahlreichen Orten des Kreises Gießen wollte man dagegen den Zeitpunkt der Durchfahrt des Führers genau kennen. Infolgedessen wurde zum Teil die Ortsschelle zur Ankündigung des Führerbesuches in Bewegung gesetzt, in anderen Orten wieder ging die Kunde wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund. In allen Orten war die Vorfreude über den Besuch des Führers sofort außerordentlich groß. Schnell wurden aus | Tannengrün und Herbstblumen Girlanden geflochten,
klaren Augen, die unter einer weitoorfpringenden Stirn wie unter einem schirmenden Dach liegen unö dem ganzen Gesicht das äußere Gepräge des Herrenmenschen geben, werden unruhig. „Vor drei Jahren hat ihn mir einer der sichs leisten kann, geschenkt, weil ich ihm den Jungen aus dem Teich zog. Seinen Einzigen, verstehste. Erst hat er mich zum Essen eingeladen und mich gewohltätert, daß mir das Koppel nicht mehr paßte. Dann mußte ich mit ihm spazieren fahren und dabei kriegte er nun weg, daß ich was vom Motor verstand, mehr als er und sein eleganter Schofför zusammen. Ich erzählte ihm nebenbei etwas von meiner stillen Leidenschaft und als ich eine Stunde älter war, besaß ich den schwarz-roten Wagen. Na, aber, die Geschichte fennfte ja auch.
Ich hätte nun die größte Lust, dem Mann mal heute den Wagen vorzuführen, ich habe so allerhand daran geändert, ich habe jetzt Tempo auf dem Karren, ich habe —"
„— deinen alten Fimmel haste, das ist es. Statt, daß de die Karre verkaufst und dir von dem Geld was Vernünftiges zulegst, steckste noch jeden verdienten Groschen hinein."
„Stimmt ja nun nicht ganz, auf den Laden hier habe ich runde 1000,— angezahlt, was allerdings meine letzte Reserve und das Sparkassenbuch meiner Mutter — sie — ist übrigens — vor drei Monaten gestorben. Fritz — jetzt habe ich nichts weiter als den Wagen und — die Kameraden. Wie weit ich mich mit den Büchern anfreunde, weiß ich heute noch nicht. Knapp wird's erst mal zugehen, denn ich muß jeden Monat 100,— abzahlen und das ein ganzes Jahr lang, aber ich hoffe ja, daß ich bis dahin meinen Wagen so weit habe, daß —" Leonhardt im Wolde ist aufgestanden, hat sich noch eine neue Zigarette angezündet und schweigt. Es ist nicht nötig, daß man zuviel verrät, wenn es so weit ist, ist immer noch Zeit. Fritz Ladegast macht sich seinen Vers und fragt nicht weiter, er ist müde vom Bier und sehnt sich nach dem Bettzipfel. Aber weil ihn von dem noch eine gute Stunde Fahrzeit trennt, steht er jetzt auch auf.
„Jetzt beziehen wir noch deine Knautsch und bann nichts wie rin. Mensch — sogar nen Bettkasten hat die! Der Bezug ist auch noch ganz anständig, da legste dich gefälligst nid) mit den Stic-
Oie neuen Winterhilfs-Wertzeichen der Deutschen Reichspost.
„Fängst du schon wieder mit Mädchen an, Fritz? Aber schonen Dank! Besser konnte es meine Mutter auch nicht gemacht haben. Bist ’ne gute Haut, Fritz!"
„Quatsch nid). Essen mußte gleich ordentlich, sonst gehts verkehrt. Was wird denn nun aus dem Wagen? Der kostet dich doch bloß ’ne Stange Geld und regt die Nachbarschaft uff. llebrigens das Milchmädchen. Die lieft nämlich auch hier und kommt mal mit vorbei. Dann mach aber ein freundliches Gesicht und guck nicht immer, wie du das so an dir hast, nach inwendig. Außerdem ist das 'ne recht hübsche Person. Halt die dir mal warm, von wegen die Milch und die Wurstzipfel."
„Ja," sagte Leonhardt und ist mit seinen Gedanken gar nicht mehr hier. Fritz hat das sofort spitz, er kann sich auch denken, was los ist. So beugt er sich weit über den Tisch und sieht seinen Freund aus guten Augen an.
„Du sollst nicht immer in das schwarze Loch gucken, worin das so duster is. Kieck in die Sünn, feggt der Hamborger! Früher warst du ein so schneidiger Kerl, Leonhardt, ganz verbiestert biste wiedergekommen."
Ein schneidiger Kerl, sagtest du. Vielleicht haste Recht, Fritz. Ich hab kein Geschick zum Spießbürger, ich bin so in die „Hau und wehr dich Zeiten' hineingewachsen. Den Vater hat mir der Krieg genommen und wie der aus war, bin ich von der Penne weg in die Einwohnerwehren, na, und dann kam die Freikorpszeit, und dann eben die SA. Und jetzt sitz ich hier in ’ner Leihbücherei."
„Sei froh, daß de überhaupt was hat, Leonhardt Wir können uns jetzt in Deutschland mal in Gemütlichkeit auf die Stühle setzen und das haben wir uns doch wohl reichlich verdient. Ick bin zufrieden. Leonhardt. Ick habe wieder meine Arbeit, zwischendurch mach ick Dienst im Sturm, Mutter hat wieder was im Kochtopp und jetzt bist du auch wieder da — damals biste fort — weißte das noch — mit fast nichts in der Tasck-e und mit der Uniform auf dem Leibe, aber den pfundigen Wagen, den haste damals schon gehabt, grab rote jetzt. An dem haste den Narren gefressen, was?"
„Einen ordentlichen Narren, Fritz." Leonhardt im Wolde wird lebhafter, er fährt sich mit beiden Händen durch die blonden Haare, feine blauen,
beln drauf. Halt mal die Zipfel fest, — das riecht ordentlich nach Seife und Wasser und Landluft — mit dem Kopfkissen werde ich schon allein fertig — die Decke brauchste nid), is ja warm draußen, eine genügt. So. Waschen?" Fritz guckt sich um und zeigt dann auf den kleinen, abgestoßenen Ausguß. „Sogar fliehendes Wasser, janz feudal, runter mit dem Kopp unter den eiskalten Strahl, ist jut für die Nerven."
Leonhardt lacht, ihm tut die rauhe, aber gut gemeinte Fürsorge herzlich gut, er drückt dem Kameraden noch eine Schachtel Zigaretten in die Hand und sagt zum Abschied:
„Beim nächsten passenden Wochenende fahr ich dich nach deinem geliebten Hamburg, Fritz. Grüß die Kameraden, sie sollen mal vorbeikommen."
Dann schließt er die Ladentür zu und geht ohne weiteren Aufenthalt bei Büchern und Gedanken — in die „Knautsch". Er schläft wie ein Toter. —
Aber gegen Morgen wacht er von einem klirrenden Klopsen auf. Er weiß nicht gleich, wo er ist, springt dann mit beiden Beinen gleichzeitig hoch, hängt sich seinen hellen Automantel um, fährt sich mit der Hand über die Haare, die wie ein Schopf senkrecht in die Hohe stehen und saust an die Tür, weil es schon wieder klopft.
„Halber Liter und vier Brätchen!", ruft es da von draußen, „nehmen Sie es lieber gleich weg, sonst findet es Liebhaber!"
„Danke schon, Fräulein!"
Aber ehe Leonhardt richtig aufmachen kann, ist Liefet Gottschalk schon in der nächsten Haustür verschwunden. „Fritzes Milchmädchen," denkt Leonhardt und drückt befriedigt Flasche und Tüte an seine breite Brust. „Der Junge denkt an alles." Dann überlegt er sich, ob er nicht doch noch mal lh bie Klappe kriechen soll, entscheidet sich aber angesichts der Sonne, die auf das Hausdach gegenüber einen kleinen Strahl schickt, zum Aufstehen. Er ist zwar nod) hundemüde von der langen Fahrt, aber dar kalte Wasser weckt sämtliche Lebensgeister.
Um sieben Uhr macht er schon seinen Laden auf und läßt erst mal frische Luft herein. Frau Habermann ist auch schon auf und hat anscheinend Wichtiges auf der Straße zu tun.
(Fortsetzung folgt.)
enthalten.
Die für die Markenheftchen gedruckten Bogen, die u. a. Kehrdrucke und auf einem Leerfeld den! Aufdruck „Werde Mitglied der NS.-Dolkswohlfahrt" Akienmsckc.
enthalten, können von der NS.-Bolkswohlfahrt und B-> Haft melde. sich em ferner Herr m.t che. unter den üblichen Bedingungen auf schriftliche Er komme wegen Kriegsanleihe, sie wird - welch Gluck, Bestellung bei der VerscmdMe für Sarnrnlerrnar- benn ßftre t>ot „och welche! - auf Antrag jetzt zu
hcih'rem Kurse ausbezahlt. Bloß 11 Mark 5*0 kostet die Gebühr, was Hase noch bescheiden findet im Hinblick auf die Summen, die da winken...
' Hase wartet viele Wochen umsonst. Dann schlägt er Krach. „Um Gottes willen", sagt man ihm, „Sie können wohl nicht lesen? Vor diesem Schwindler war doch langst gewarnt!"
Nein, Hase weiß von nichts, obwohl es überall gestanden hatte! Die schönen 11 Mark SO...
Tja - hätte er Zeitung gelesen!
Die warnt beizeiten: Sieh dich vor, sonst hau'« dich Gauner übers Ohr!
Zugunsten des Winterhilfswerks 1936/37 gibt die Deutsche Reichspost eine Reihe neuer Wertzeichen heraus, die auf neun verschiedenen Werten Abbildungen von Straßen und Bauten des Dritten Reiches zeigen. Die Entwürfe der Freimarken, deren Farben denen der gewöhnlichen Freimarken der gleichen Werke ähnlich sind, stammen von dem Graphiker Georg Fritz in Berlin- Zehlendorf.
Im einzelnen sind auf den Wertzeichen wieder- gegeben: Reichsautobahn München—Reichsgrenze (3 Rpf.), Reichsluftfahrtminifterium (4 Rpf.), Luit- poldhain, Ehrenmal in Nürnberg (5 Rpf.), Reichs- autobahn-Brücke über die Saale (6 Rpf.), Deutschlandhalle Berlin (8 Rpf.), Deutsche Alpenstraße, Am Mauthäusl (12 Rpf.), Führerhaus in München (15 Rpf.), Reichsauto-Brücke über die Mangfall (25 Rpf.), Haus der deutschen Kunst in München (40 Rpf.).
Hinzu kommt eine Postkarte (6 Rpf.), die von dem Graphiker Erich Stahl in Berlin-Steglitz nach Aufnahmen des Verlags Heinrich Hoffmann entworfen ist. Sie ist gleichzeitia als Festpostkarte aus Anlaß der mit der Fertigstellung der ersten 1000 Kilometer der Reichsautobahnen verbundenen Feiern gedacht. Die Postkarte zeigt auf der linken Hälfte der Vorderseite eine Photomöntage mit der Unterschrift „23. 9. 1933 Erster Spatenstich. 23. 9. 1936 1000 km Autobahn fertig"; als Wertstempel trägt sie die auf einem Spaten stehende Zahl 6.
Zu allen Wertzeichen und der Postkarte wird ein Zuschlag erhoben, der dem Winterhilfswerk zu-
Aus Oer provinzialhauptstadt.
Ks ist rentabel!
Wer Zeitung lieft, ist klug und vorsichtig. Wer Zeitung lieft, schwingt mit im Gemeinschaftsleben des Volkes, er ist unterrichtet über das Weltgeschehen kurz, er ist ein moderner Mensch im besten Sinne des Wortes. Aber es sind nicht nur diese Gründe die als einen seltsamen Kauz erscheinen lassen, wer auf die Zeitung verzichten wollte. Es qibt zudem auch noch aewissermahen egoistische Motive, die das Zeitunglesen außerordentlich „rentabel" machen.
Nur einige wenige Beispiele feien herausgegrif- fen. Da ist das Gebiet der Kriminalistik. Irgendeine Schwindlerin treibt in einer Stadt ihr Unwesen. Die Zeitung bringt die Warnung der Polizei mit der Personalbeschreibung. Bei Herrn Schulz erscheint eine Frau und erklärt, sie wolle das angekündigte möblierte Zimmer mieten. Arglos läßt der Mann sie ein, sie besichtigt das Zimmer lange und gründlich, es strengt sie so an, daß sie zwischendurch ein Glas Wasser zur Stärkung braucht. Als sie weg ist, entdeckt der Vermieter, daß außer der Besucherin verschiedene Wertsachen entschwunden sind. Abends erzählt er die Sache todunglücklich feinen Stammtischfreunden. „Ja, hast du denn vorgestern die Zeitung nicht gelesen?" wird ihm gesagt. „Da stand doch alles drin! Die Beschreibung der Person, ihr Trick mit dem Glas Wasser, das war alles genau beschrieben---"
Im Herbst kommt die Zeit der Pilzsuche und mit ihr leider auch die Zeit der Pilzvergiftungen. Die Zeitung warnt, klärt auf, die Zeitung weist immer wieder daraus hin, daß der in das Pilzgericht gesteckte silberne Löffel, der bei Giftstoffen anlaufen soll, purer Aberglaube ist, der schon vielen Menschen das Leben gekostet hat.
Herr Müller macht einen Ausflug mit Auto, Motorrad oder Fahrrad. Aber, o Jammer, die Straße zu seinem Ausflugsziel ist gerade gesperrt. Er muß einen riesigen Umweg machen, der unnötig gewesen wäre, wenn er seine Zeitung aufmerksam gelesen hätte, wo nämlich die Straßensperrungen angegeben standen.
Der Kleingärtner will seinen Garten bestellen, will seine Obstbäume vor Ungeziefer schützen, will aus engem Raum das größtmögliche Ergebnis herauswirtschaften. Die Zeitung hilft ihm auch da, sie empfiehlt ihm Düngemittel, Chemikalien für Insektenbekämpfung, die günstigsten Pflanzenarten für feinen Boden. Dem Landwirt hilft sie durch ihre Wetterberichte, durch ihre Notierungen der Marktpreise. Sie gibt ihm wichtige Vorgänge in feiner Berufs- oder Standesorganisation kund. Sie unterrichtet ihn über die neuen Bestimmungen der Wehrpflicht und über tausend Dinge, die man als Mitglied der Gemeinschaft wissen muß.
Sie interessieren sich für Sport! Die Zeitung meldet das Ergebnis der letzten Autorennen, der letzte große Fußballkampf ersteht in einem lebendigen Bericht vor Ihren Augen, Sie können die Leistungen der Schwimmer beurteilen. Bald kommt der Winter mit feinen Ski- und Bobrennen — überall sind Sie dabei, überall sind Sie im Bilde.
Vergessen Sie auch nicht den geschäftlichen Nutzen des Zeitunglesens. Bei unzähligen Geschäften ist es doch so, daß man nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und sagen kann: „Herr Müller, mochten Sie mir nicht diesen Posten hier abkaufen?" Gerade bei der Erschließung neuer Kundenkreise kommt es darauf an, daß man zunächst mit dem Kunden warm wird. Man plaudert mit ihm über
„Fabelhaft! Wollen Sie mir einen Gefallen tun, Fräulein? Sie sind doch auch Geschäftsfrau, — können Sie sich nicht ein bißchen um meinen Kameraden kümmern? Der hat im Leben noch m keinem Laden gestanden, ich glaub jetzt fast, daß e hier auch wieder schief geht, erst lauft mir bas olle Weib über den Weg, und nun sagen Sie auch noch ..."
„Jetzt gehen Sie erst mal nach Hause und essen Sie. Ich komme in den nächsten Tagen sowieso vorbei, weil ich noch ein Buch habe. Milch und Brötchen schicke ich morgen frich herum. Gute Nacht, sonst erwischt uns der Schupo doch noch. Gehen Sie hinten heraus, nicht zum l-noen.
Fritz Ladegast klemmt sich seine große Tüte unter den Arm und geht. Er hat au einmal große gen. Leonhardt wartet schon, lkr hat Zwei Flaschen Bier auf den Tisch gestellt und Glaser. Sogar em Tischtuch hat er aus dem Koffer gekramt.
„Da hast du ja schwer angefahren, Fritz! Donnerwetter, ist das ’ne Angelegenheit!
Sie essen mit Bärenhunger und reden dabei feinen Ton, erst als kein Eckchen Schinken mehr übrig ist, lehnen sie sich auf den Hochlehmgen Stuhl zurück - Fritz Ladegast macht den Gürtel auf, holt tief Luft.
„Jetzt legst du dich bald aufs Ohr, Leonhardt. Wo hast du denn dein Bettzeug?
„Im Wäschesack. Mach ich mir schon selber."
Schweigen Die Zigaretten klimmen auf. Dann: „Morgen früh friegfte einen halben Liter Milch und vier Brötchen."
„Nen halben Liter?"
„Milch natürlich. Von 'nem netten Mädchen um die Ecke."
Fußwanderung.
Am Sonntag, 27. September, findet eine Fußwanderung von Gießen über Annerod—Schiftenberg—Klein-Linden—Gießen statt. Abmarsch erfolgt um 8 Uhr ab Ludwigsplatz. Rucksackverpflegung.
„Kraft durch Freude" - Vorstellung im Sladtthealer.
Im Laufe der Spielzeit 1936/37 führen wir eine größere Anzahl geschlossener Vorstellungen durch. Als erste Vorstellung bringen wir am Samstag, 26. September, 20 Uhr, „Donna Diana", ein entzückendes Lustspiel von Moreto, das allen Arbeitskameraden und -kameradinnen Freude und künstlerischen Genuß bringen wird.
Die Eintrittspreise sind 50, 70 und 90 Rpf. Karten sind durch die Betriebswarte zu haben. Vorverkauf für Einzelmitglieder und Personen auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18.
Die Betriebswarte reichen die Vorbestell-Listen bis spätestens Donnerstag, 24. September, 12 Uhr, ein. Die Karten können ab sofort gegen Barzahlung in Empfang genommen werden.
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Vornan von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G.m. b.H., Berlin SW 68
Zeitung, und schließlich kommen auch Sie mal in die Lage, irgend etwas verkaufen zu müssen. Sv sind Sie nicht auf zufällige Gebote aus Ihrem engsten Freundes- und Bekanntenkreise angewiesen, und Sie wissen ja, je näher man mit einem bekannt ist, desto billiger will er es haben.
Sie kommen in eine befreundete Familie und erkundigen sich harmlos, wie es der Tochter geht. Befremdetes Schweigen, das arme Kind ist vor kurzem gestorben. Ja, hätten Sie die Familienanzeigen gelesen! Fast ebenso unangenehm ist es, wenn man nicht zur Verlobung oder Heirat gratulieren kann, weil man nichts davon weiß.
So ist die Zeitung auf allen Gebieten des Lebens Führer und Berater. Ohne sie wäre man nur ein halber Mensch, der überall im Hintertreffen ist und unwissentlich überall aneckt.
Dornotizen.
Tageskalender für Mttwoch.
Hase,


